Jay
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Unentschlossen
Geschichten 7
Fortsetzung der Story -Fallen lassen- aus der anderen Perspektive Was er gesehen hatte, ließ er in dem Zimmer zurück. Als die Tür ins Schloss fiel, blieb die Nacht nicht bei ihm, sondern bei mir, und der Morgen begann nicht mit seinem Blick, sondern mit meinem Körper, der noch wusste, was die Seile und der Ball aus ihm gemacht hatten.Ich stand länger unter der Dusche, als der Tag erlaubte, und ließ das Wasser heiß genug laufen, dass die Haut an den Schultern sich rötete, weil ich die Nacht …
Sie hatte die Haube schon auf, als ich ins Schlafzimmer trat, und einen Moment lang blieb ich in der Tür stehen, weil das Bild nicht sofort zu der Frau passen wollte, die ich eine Stunde zuvor noch beim Abendessen gegenüber gehabt hatte. Das schwarze Latex schloss sich glatt um den ganzen Schädel, ohne Augenlöcher, mit der ovalen Öffnung für den Mund und, dicht unter der Nase, zwei kleinen Löchern, durch die der Atem ging, gleichmäßig und hörbar, eng genug, dass jedes Ausatmen sich staute, …
Mit Joe ist alles perfekt. Fast alles. Er ist der Mann, der die Scherben meiner Vergangenheit liebevoll zusammengekehrt hat, ohne je zu fragen, wie sie zerbrochen sind. Er liebt Silke, die kleine, schlanke, blonde Frau Anfang 30, die an seiner Seite lacht. Aber tief in mir, in einem dunklen, verschlossenen Raum, gibt es ein Verlangen, das Silke nicht kennt. Ein Verlangen, das nach Unterwerfung schreit, nach dem vollkommenen Kontrollverlust. Ich will nicht gefragt werden. Ich will nicht verführt …
Die folgenden zwei Tage, Dienstag und Mittwoch, verstrichen in einer Dunstwolke aus konzentrierter Unauffälligkeit. Anna erledigte ihre Aufgaben mit der stillen Effizienz eines Uhrwerks, tippte Memos, sortierte Akten und nahm Anrufe mit einer Stimme entgegen, die so neutral und glatt war wie die Seide ihrer Blusen. Das einzige, was diese Monotonie durchbrach, waren die flüchtigen Begegnungen mit Florian. Einmal am Kopierer, einmal im Flur. Jedes Mal trafen sich ihre Blicke für einen …
Montag Morgen, das schrille, digitale Piepen meines Weckers um 6:30 Uhr war ein Akt der Gewalt. Es riss mich aus den letzten, süßen Fetzen eines Traums, in dem ich noch immer auf meinem Altar thronte, umgeben von der Wärme anbetender Körper und dem Glanz von poliertem Schwarz. Die Realität, die mich empfing, war die graue, unbarmherzige Morgendämmerung eines Montags. Mein Körper, noch immer ein Echo der Ekstase vom Wochenende, protestierte mit jedem Muskel, als ich mich aus den Laken schälte. …
Der majestätische, rhythmische Klang meiner Absätze auf dem Bürgersteig war der Herzschlag meiner Verwandlung. Jeder Schritt war eine Bestätigung, eine Machtdemonstration. Die Welt um mich herum schien in den Hintergrund zu treten, eine unscharfe Kulisse für meinen Auftritt. Ich war nicht mehr Anna, die junge Frau, die in einer stillen Wohnung lebte. Ich war eine Erscheinung, eine lebendig gewordene Fantasie, gehüllt in eine zweite Haut aus glänzendem, schwarzem Latex. Die Enge des Korsetts, …
Der Nachmittag war bereits fortgeschritten, und das Licht, das durch die Lamellen der Jalousien in Annas Schlafzimmer fiel, malte goldene Streifen auf den polierten Holzboden. Für die meisten Menschen war es ein gewöhnlicher Samstagnachmittag. Für Anna war es der Beginn eines Rituals, ein heiliger, fiebriger Countdown zu einer Nacht, in der sie nicht nur sie selbst, sondern eine vollkommenere, intensivere Version ihrer selbst sein würde. Heute Abend war der Fetish Ball, ein Ereignis, das in …
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