Vivians Wandel
Gestern hatte Vivian das Verrückteste und Geilste erlebt, das sie je erlebt hatte.
Ja, klar, sie hatte schon Sex gehabt. Aber was gestern geschehen war, sprengte alles: Es war kein Buch, kein Film; sie war mitten drin gewesen, richtig dabei. Eigentlich hätte sie sich das weder gewagt noch gewünscht. Doch im Nachhinein war es das Beste, was ihr seit Langem passiert war. Die totale Befreiung.
Niemand hatte jemanden ausgelacht oder diskriminiert. Nichts war tabu gewesen. Es war der lockerste Abend, den man sich vorstellen konnte: lustig, interessant, lehrreich, spaßig und zutiefst befriedigend.
Das würde ab jetzt ihr Leben verändern. Was war passiert?
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Als Vivian und Daniel in die Altbauwohnung im dritten Stock zogen, roch es noch nach frischer Farbe und altem Holz. Die hohen Decken, die knarrenden Dielen und die großen Fenster ließen die Räume hell und ein wenig unwirklich wirken. Vivian stand mit gesenktem Kopf in der leeren Küche, die Hände eng an den Körper gepresst, während Daniel bereits die Kartons öffnete und mit ruhiger Selbstverständlichkeit die Möbel anwies. Er war 186 Zentimeter groß, sportlich, mit modischem Haarschnitt und der sicheren Ausstrahlung eines Mannes, der sich überall zurechtfand. Sie dagegen, die schlanke grosse Blondine (179cm) mit dem unschuldig klaren Gesicht, trug ihre schlichte, farblose Kleidung wie eine Schutzschicht. Lange Haare, kein Make-up, keine auffälligen Bewegungen, nur das leise, fast unsichtbare Dasein einer Frau, die vom Land gekommen war und sich in der Stadt noch fremd fühlte.
Am Abend gingen sie die Treppen hinauf und vor, um sich den Nachbarn vorzustellen. Die meisten waren freundlich, aber distanziert. Nur ganz oben, hinter der letzten Tür im Dachgeschoss, öffnete sich eine andere Welt. Jenny stand im Türrahmen: klein, etwa 1,60m groß, mit großem Busen, breitem Po und einem Gesicht, das trotz dezentem Make-up strahlte. Ihre gepflegten Dreadlocks fielen über die Schultern, die Fußnägel leuchteten in wechselnden Farben, und sie trug offene Sandalen, als sei es mitten im Sommer. Sie lachte frech, sagte ohne Umschweife, was sie dachte, und lud die beiden sofort auf einen Tee ein. „Kommt rein, setzt euch. Ich bin Jenny. Und ihr seid neu. Das muss gefeiert werden.“
Von da an war sie da. Mal klingelte sie unvermittelt und stand mit einer Tasse Kaffee vor der Tür. Mal verteilte sie Flyer für einen Flohmarkt im Nachbarviertel, lud zu einem Sportkurs oder einer kleinen Kirchenveranstaltung ein. Sie war die geborene Macherin: spontan, flippig, mehrsprachig, vegan, esoterisch und unerschütterlich fröhlich. Buddhismus, Umweltschutz und alternatives Leben waren für sie keine Phrasen, sondern Alltag. Und sie nahm kein Blatt vor den Mund.
Vivian antwortete anfangs nur mit leisen Worten und gesenktem Blick. Doch Jenny ließ nicht locker. Sie holte sie zu Spaziergängen ab, überredete sie zu Yoga und Tai-Chi, brachte sie sogar zu einem Aquarellkurs. Die Initiative ging immer von Jenny aus – und irgendwann begann Vivian, sich darauf zu freuen. Die schüchterne Blondine, die sonst sofort nach Hause verschwand, blieb manchmal ein paar Minuten länger stehen. Daniel beobachtete das mit stiller Erleichterung. Er freute sich, dass seine Frau Anschluss fand, auch wenn er spürte, dass Jenny in Vivian mehr sah als nur eine Nachbarin.
Für Jenny war Vivian ein Projekt. Ein stilles, schönes, unschuldiges Landei, das sie aus ihrer grauen Maus-Existenz herausziehen wollte. Und sie wusste genau, wie man jemanden mitriss.
Eines Abends, als Daniel schon auf Dienstreise war, klingelte es wieder. Jenny stand im Flur, die Dreadlocks wild und doch gepflegt über die Schultern fallend, die bunt lackierten Fußnägel in offenen Sandalen sichtbar. In der Hand hielt sie zwei Gläser und eine halbe Flasche Wein. „Komm rüber“, sagte sie frech und ohne Umschweife. „Nur ein Schluck. Und ich habe was für dich.“
In ihrer Dachgeschosswohnung, die nach Räucherwerk und alten Büchern roch, setzte sie sich Vivian gegenüber. „Freitagabend. Bei mir. So was Ähnliches wie eine Tupperware-Party. Das kennst du doch, oder?“
Vivian nickte leise. Ihre Mutter hatte früher Schränke voll davon gehabt.
„Aber nur Frauen“, fuhr Jenny fort und sah sie fest an. „Männer haben auf der Party nichts verloren, okay?“
Vivian stimmte erneut zu, den Blick gesenkt.
„Es wird bestimmt lustig. Eine Freundin in Köln hat das auch gemacht, und sie haben viel gelacht. Ich hab den Tipp von ihr bekommen. Die Promoterin ist aber eine andere. Ich freu mich, wenn du auch kommst.“
Jenny lächelte dieses mitreißende, unerschütterliche Lächeln. Vivian wollte ablehnen, spürte das vertraute Bedürfnis, sich zurückzuziehen. Doch am Ende nickte sie nur.
Drei Tage später stieg sie die Treppen hinauf. Jede Stufe knarrte unter ihren Füßen. Die Hand glitt am Geländer entlang, der Kopf blieb gesenkt. Im dritten Stock, vor ihrer eigenen Tür, zögerte sie einen Moment. Dann ging sie weiter, vorbei an den anderen Wohnungen, bis ganz nach oben. Hinter der Dachgeschoss-Tür hörte sie schon Stimmen, Lachen, leise Musik.
Sie klopfte.
Die Tür öffnete sich, und Jenny, die Gastgeberin, stand da; klein, kurvig, strahlend, in einem fließenden Rock und mit bloßen Füßen, deren Nägel in unterschiedlichen Farben leuchteten. „Da bist du ja! Komm rein.“
Vivian trat ein. Die warme Luft der Dachgeschosswohnung schlug ihr entgegen, vermischt mit dem Duft von Räucherwerk, frischen Häppchen und einem Hauch von Parfüm. Leise Jazzmusik lag unter dem Gelächter und den Stimmen.
Fünf Frauen standen verteilt im Raum, Gläser mit Sekt oder bunten Cocktails in den Händen. Auf dem niedrigen Tisch und den Kommoden waren drei Servierplatten mit Häppchen angerichtet. Alle wirkten ausgelassen, bewegten sich frei, lachten laut.
Jenny legte Vivian den Arm um die Schultern und zog sie mitten hinein. „Schaut mal, wer endlich da ist!“
Als Erstes erblickte Vivian Janina. Die auffallend schöne, große Frau Mitte dreißig mit der Modelfigur trug heute nur ein sehr hübsches beiges, kurzes Strickkleid, das ihre schlanke Silhouette enorm betonte. Sie lächelte herzlich und hob ihr Glas.
Neben ihr stand Senay, die etwas fülligere, kleinere Frau mit türkischen Eltern. In Pluderhose und buntem Top, barfuß, wirkte sie trotzdem biegsam und lebendig, genau die Frau, deren enorme Beweglichkeit im Yogakurs alle bewunderten. Sie winkte Vivian freudig zu.
Cordula, die Älteste der Runde, etwa fünfzig, Dozentin an der Hochschule und bekannt für ihre Kurse in Kinestetik, Ernährung und Entspannung, stand etwas abseits und redete bereits. Die Buddhistin, die früher in Goa gelebt hatte, sprach gerade frei und ungeniert über Beckenbodengymnastik, Liebeskugeln und den letzten Mann in ihrem Bett. Vivian spürte wieder dieses leichte Unbehagen, das Cordulas Themen bei ihr auslösten.
Dann die beiden Neuen. Marianne und Joanne, seit fünf Jahren verheiratet. Marianne war enorm groß und kräftig und wirkte irgendwie bayrisch. Erst jetzt fiel Vivian auf, dass sie ein kurzes Dirndl trug. Neben ihr stand Joanne, ihre Frau mit kenianischen Wurzeln, sehr hübsch, in einem roten Korsett über beigen Hotpants. Die Kombination wirkte ausgesprochen sexy.
Jenny stellte Vivian der Reihe nach vor, und die anderen stellten sich ebenfalls vor. Alle waren freundlich, alle lächelten. Doch während die Frauen in ihren schicken, geschminkten und teils bewusst erotischen Outfits dastanden, fühlte sich Vivian in ihrem schlichten blauen Sommerkleid plötzlich underdressed und fehl am Platz. Der gesenkte Blick kehrte zurück. Sie nahm das angebotene Glas Sekt entgegen und blieb etwas abseits stehen, während um sie herum bereits angeregt geplaudert wurde.
Es klingelte. Jenny öffnete, und eine Frau trat ein, die Vivian noch nicht kannte. Samantha. Sie musterte den Raum kurz, stellte dann eine große, schwarze und offensichtlich schwere Sporttasche im Flur ab und bat um Hilfe.
Joanne und Jenny folgten ihr die Treppen hinunter. Draußen stand ein Wagen in zweiter Reihe. Gemeinsam nahmen sie zwei schwere Plastikkisten in Empfang, keuchten die Stufen wieder hinauf und stapelten sie im Flur. Samantha klingelte etwa fünf Minuten später erneut, nachdem sie ihr Auto ordentlich geparkt hatte.
Sie fragte Jenny nach dem Bad, verschwand mit ihrem Rucksack hinter der Tür und ließ die anderen zurück. Währenddessen mixten Marianne und Jenny Frozen Margaritas für alle. Das Geräusch des Mixers mischte sich unter die leise Jazzmusik und das Gelächter.
Dann öffnete sich die Badezimmertür.
Samantha trat heraus: völlig verändert: Ein Vamp! Frisiert, geschminkt, mit roten Lippen und langen Wimpern, die Haare zu einem straffen Pferdeschwanz gebunden. An den Füßen trug sie Plateauschuhe mit hohen Absätzen und Lederriemen, die sich die Waden hinaufzogen. Darüber Stockings, ein String-Tanga und ein Push-up-BH. Das einzige Kleidungsstück darüber war ein kurzes Netzkleid, das mehr zeigte als verdeckte; nur an den Seiten war ein schmaler schwarzer Stoffstreifen eingearbeitet.
Vivian starrte sie an. Der Blick der schüchternen Blondine blieb an den freiliegenden Kurven und dem durchsichtigen Netz hängen. Was war hier los?
Jenny reichte die ersten Gläser herum. Alle stießen an. Der Frozen Margarita hatte es in sich – kalt, süß und gefährlich stark. Der Alkohol stieg Vivian sofort ins Blut und in den Kopf. Ein warmes, ungewohntes Prickeln breitete sich aus, während sie das Glas festhielt und weiterhin Samantha ansah.
Samantha stellte sich mitten in den Raum, lächelte breit und begrüßte alle im Namen eines großen Sextoy-Herstellers. Dann griff sie in die schwere Sporttasche.
„Surprise, surprise“. Ein Raunen ging durch den Raum.
Als Erstes zog sie einen XL-Dildo aus Silikon in grellen Regenbogenfarben hervor. Ein regelrechter Monsterpenis – mit ausgeprägter Eichel, dickem Schaft, sichtbaren Adern, Hoden und einem kräftigen Saugnapf. Mit einem schwungvollen Satz klatschte sie ihn auf den niedrigen Tisch. Der Saugnapf setzte sofort fest. Der Dildo stand senkrecht, wackelte noch ein paar Sekunden hin und her und blieb dann stolz und unübersehbar mitten im Raum stehen.
„Der Elefant im Raum“, kommentierte Samantha trocken und erntete sofort Gelächter. „Für alle, die es groß, bunt und unübersehbar mögen. Realistische Textur, weiches Silikon, und der Saugnapf hält ihn, wo ihr ihn haben wollt – am Boden, an der Wand oder wo auch immer. Absolut körpersicher und pflegeleicht.“
Sie ließ den Blick durch die Runde schweifen, bevor sie zum nächsten Produkt griff: einen schlichten, aber schweren schwarzen Massagestab.
„Und hier der Klassiker. Tief, kraftvoll, unaufhaltsam. Für alle, die wissen, was sie wollen – und für die, die es noch herausfinden.“
Als Nächstes holte sie eine schlanke, schwarze Gerte hervor. Das Leder glänzte im Licht, die kurze Schnur am Ende wirkte zart und doch bestimmt. Samantha ließ sie einmal leicht durch die Luft schwingen – ein leises Sausen war zu hören.
„Für alle, die ein bisschen mehr spüren wollen“, sagte sie mit einem verschmitzten Lächeln. „Nicht zu hart, nicht zu weich. Genau richtig, um die Haut zum Kribbeln zu bringen.“
Cordula lachte frech auf. „Oh, da kenne ich jemanden, der das lieben würde.“
Janina hob eine Augenbraue. „Und wenn man es selbst ausprobieren will?“
Samantha zwinkerte. „Dann ist das hier die perfekte Einstiegshilfe.“
Direkt danach kamen die Handschellen – weiches, schwarzes Leder mit dickem Polster und einem soliden Metallverschluss. Samantha ließ sie klackend ineinander fallen.
„Freiwillig oder mit etwas Überredung“, meinte sie. „Die Polsterung sorgt dafür, dass nichts wehtut – außer dem, was man will.“
Joanne grinste und stieß Marianne leicht an. „Stell dir vor…“
Marianne lachte tief und sagte nur: „Interessant.“
Senay beugte sich vor. „Sind die verstellbar?“
„Natürlich. Für jede Größe und jede… Situation.“
Dann zog Samantha einen ganz normalen, realistischen Dildo aus der Tasch: hautfarben, mittlere Größe, mit deutlicher Eichel und leichten Adern, aber ohne Übertreibung. Sie hielt ihn ruhig hoch.
„Der Alleskönner. Nicht zu groß, nicht zu klein. Weiches Silikon, angenehme Wärmeentwicklung, und er liegt einfach gut in der Hand. Für Solo, zu zweit oder was auch immer euch einfällt.“
Jenny pfiff leise. „Der sieht verdammt vertraut aus.“
Alle lachten. Cordula griff sogar danach und wog ihn prüfend in der Hand. „Hmm. Gute Balance.“
Vivian wurde abwechselnd heiß und kalt. Neugier und Panik rangen in ihr. Faszination und der dringende Wunsch wegzulaufen. Sie hielt das Glas fester, spürte den Alkohol in den Schläfen und wagte kaum, den Blick von den Gegenständen auf dem Tisch zu nehmen. Die frechen Kommentare, das Lachen, die offenen Blicke der anderen Frauen. Alles schien die Luft noch dichter und heißer zu machen. Ob von der Wärme unter dem Dach, von der plötzlichen Erotik oder vom starken Margarita, konnte sie nicht sagen. Sie spürte nur, wie ihr das Blut in die Wangen stieg und wie ihr schlichtes blaues Sommerkleid plötzlich viel zu dünn wirkte.
Samantha griff erneut in die Kiste und holte den nächsten Artikel hervor: einen schlanken, silbernen Vibrator, in dessen Inneren man kleine Kugeln erahnen konnte.
„Der hier hat rotierende Kugeln im Kern“, erklärte sie und ließ ihn leise summen. „Die rollen und drehen sich, während er vibriert. Ein ganz eigenes Gefühl – intensiv und überraschend.“
Janina beugte sich interessiert vor. „Rotierend und vibrierend gleichzeitig?“
„Genau. Manche sagen, das sei wie zwei Finger und eine Zunge auf einmal.“
Direkt danach kam ein länglicher, schwarzer Stoßvibrator. Samantha drückte einen Knopf, und das Gerät begann, sich rhythmisch zu verlängern und wieder zusammenzuziehen.
„Der stößt. Ganz von allein. Länger, kürzer, schneller, langsamer… alles ist einstellbar. Für alle, die einfach mal die Hände frei haben wollen.“
Cordula lachte laut auf. „Das spart Kraft und Fantasie zugleich.“
Joanne flüsterte etwas zu Marianne, worauf beide grinsten.
Dann öffnete Samantha einen eleganten Satinbeutel und ließ zwei glatte, metallisch schimmernde Liebeskugeln in ihre Handfläche gleiten.
„Klassiker mit Stil. Man trägt sie, und sie arbeiten leise und stetig. Perfekt für den Alltag – oder für den Moment danach, wenn man sie herausnimmt.“
Senay berührte eine der Kugeln vorsichtig. „Die sind schwerer, als sie aussehen.“
„Genau das macht den Reiz“, antwortete Samantha.
Als Nächstes präsentierte sie ein kleines, rosa Vibratorei mit einem zarten Schwänzchen und einer schmalen Fernbedienung.
„Zum Einführen. Das Schwänzchen bleibt draußen, und wer die Fernbedienung hat, bestimmt den Rhythmus. Ideal zu zweit – oder wenn man sich selbst eine kleine Überraschung machen will.“
Jenny lachte frech. „Das wäre was für den Yoga-Kurs. Stell dir vor…“
Alle brachen in Gelächter aus.
Zum Schluss stellte Samantha fünf verschiedene Flaschen Gleitgel auf den Tisch und daneben eine Flasche Desinfektionsmittel.
„Fünf Sorten: neutral, wärmend, kühlend, mit Geschmack und eine besonders dicke Variante für intensivere Spiele. Und das hier“, sie hielt das Desinfektionsmittel hoch, „damit danach alles wieder sauber und sicher ist. Hygiene ist sexy.“
Vivian saß wie erstarrt. Die Vielfalt der Geräte, die offenen Worte, das Lachen und die frechen Kommentare der anderen Frauen ließen die Luft im Raum noch dichter werden. Neugier und Panik kämpften in ihr. Der Alkohol pulsierte in den Schläfen, die Wärme stieg ihr in die Wangen, und sie spürte, wie ihr schlichtes blaues Sommerkleid plötzlich viel zu eng und zu dünn wirkte. Sie wollte wegschauen – und konnte es doch nicht.
Eine neue Runde Frozen Margaritas ging herum, während Samantha fleißig weiter auspackte und immer mehr Dinge auf dem Tisch verteilte. Meist nannte sie dabei den Produktnamen und gab frech und ungeniert einen kurzen Hinweis dazu.
Beim Womanizer grinste sie und sagte: „Wenn’s dein Partner wieder mal nicht bringt!“
Bei einem realistisch aussehenden Gummipenis hielt sie ihn hoch und meinte: „Das wäre ein Abguss von George Clooneys Freundenspender.“
Die Frauen lachten laut auf.
Dann verteilte Samantha kleine, quadratische Prospektbüchlein in edlem Schwarz. Auf der Vorderseite war in dezenter Prägung „For You“ zu lesen. Darin lag eine Visitenkarte, auf deren Rückseite ein Rabattcode stand.
„Heute gibt’s zwanzig Prozent Rabatt auf alles, was hier ist“, erklärte sie. „Online zehn Prozent mit dem Code auf der Karte. Und wenn irgendwas nicht da sein sollte – ich schick’s euch die Woche aus meinem Lager oder bring’s vorbei.“
Die Sextoys gingen von Hand zu Hand, und die Stimmung stieg spürbar. Marianne schnappte sich den großen Massagestab, drückte die dicke Kugel fest in den Schoß ihres Dirndls und jauchzte freudig auf, als die Vibrationen einsetzten.
Senay beugte sich vor und fragte neugierig: „Darf man die Dinge eigentlich testen?“
Samantha antwortete schlagfertig: „Die Sachen, die ausgepackt sind, hat noch niemand benutzt. Aber tut euch keinen Zwang an.“
Kaum hatte sie den Satz beendet, griff Janina nach dem kleinen Vibratorei mit dem Schwänzchen. Geschickt ließ sie es unter ihrem beigen Strickkleid zwischen den Beinen verschwinden. Jenny reagierte sofort, schnappte sich die Fernbedienung und drückte dreimal fest auf den Knopf.
Janina warf den Kopf leicht zurück und kommentierte freudig: „Yau!“
Samantha stand für ein paar Sekunden vollkommen sprachlos da, den Mund leicht geöffnet, und starrte die Szene an. Das war ihr bislang noch nie passiert.
Vivian spürte, wie ihr das Herz bis in den Hals schlug. Der Alkohol, die Hitze, die offenen Blicke und jetzt dieser ungenierte Test – alles schien sich zu einem einzigen, intensiven Moment zusammenzuballen. Sie hielt ihr Glas fest und wagte kaum zu atmen.
Cordula hielt zwei Paar unterschiedliche Liebeskugeln in den Händen und diskutierte mit Samantha über Größe und Gewicht. „Die hier sind spürbar schwerer“, sagte sie kennerisch. „Die anderen rollen leichter.“
In dem Moment schrie Marianne auf.
Joanne lag halb auf ihr auf dem Sofa, küsste ihre Freundin tief und drückte ihr gleichzeitig den großen Massagestab fest in den Schoß des Dirndls. Mariannes Körper spannte sich an, sie keuchte, und dann kam sie – laut, ungeniert, mit einem langen, befreiten Laut.
Alle Blicke flogen zu den beiden.
Kaum war der erste Schock verflogen, stöhnte auch Janina auf: „Ja… ja… jaaaa!“
Sie hatte das Vibratorei immer noch unter ihrem Kleid, und Jennys Finger hatten die Fernbedienung nicht losgelassen. Janina kam ebenfalls, der Kopf leicht zurückgeworfen, die Wangen gerötet.
Ein Moment der Stille – dann brachen alle anderen in Lachen aus.
Jenny kommentierte nur trocken: „Dann sind zwei Toys ja schon gekauft.“
Senay erschien mit einem Tablett voller frisch gefüllter Sektgläser. Sie verteilte sie rasch, und alle stießen an. Der kalte Prickeltrank mischte sich mit der noch immer vibrierenden Atmosphäre im Raum.
Kaum hatte Janina einen Schluck genommen, stand sie auf.
„Ich muss mich mal kurz im Bad fertigmachen“, sagte sie mit einem schelmischen Lächeln. „Samantha, hast du noch mehr Klamotten dabei?“
„Klar“, antwortete Samantha und griff nach der großen Sporttasche.
„Dann komm mit.“
Die beiden verschwanden im Bad und schlossen die Tür hinter sich.
Vivian saß wie erstarrt auf ihrem Platz. Der Alkohol, die Hitze, die offenen Orgasmen direkt vor ihren Augen – alles schien die Welt, die sie kannte, ein Stück weiter wegzuschieben. Sie spürte ihr Herz heftig schlagen und wagte kaum, den Blick zu heben.
Die Stimmung stieg spürbar. Die Frauen wurden zusehends ungehemmter, die Stimmen lauter, die Berührungen freizügiger. Auch in Vivian begann ein leises Kribbeln im Unterleib. Die Lust stieg, warm und unaufhaltsam. Doch in ihr tobte gleichzeitig der alte Konflikt: Scham und der Impuls zur Flucht kämpften gegen den Wunsch, mitzumachen und sich Erleichterung zu verschaffen.
Sie saß weiterhin im Schneidersitz auf dem riesigen Sitzsack, genau gegenüber der Couch, und beobachtete alles. Ihre Augen saugten jede Bewegung auf. Unbemerkt (oder war sie sich dessen bewusst? ) vollführte ihre Hand im Schoß langsame, kreisende Bewegungen.
Die Toys wanderten von Hand zu Hand herum, wurden weitergereicht. Marianne hatte gleich zwei Beutel Kugel in den Händen und wog sie zum Vergleich in den Händen.
Joanne hatte für Marianne die Kugelgröße entschieden. Marianne streifte ihren Slip ab, reichte ihn ihrer Freundin und nahm die beiden Metallkugeln mit dem roten Band entgegen. Langsam und ohne Scheu versenkte sie sie in sich. Durch die tiefe Position auf dem Sitzsack und das leicht gelüftete Dirndl bekam Vivian einen unverstellten, intimen Einblick. Sie schluckte und spürte, wie das Kribbeln stärker wurde.
Da erschien Samantha wieder. Mit strahlender Stimme machte sie eine Ansage, die von freudigem Gejuche begrüßt wurde: „Kleine Überraschung, Janina präsentiert gleich ein paar Dessous.“
Kaum ausgesprochen, kam Janina bereits aus dem Flur. Auf hohen Schuhen stolzte sie wie ein Profi ins Wohnzimmer. Sie trug ein eng geschnittenes, glänzend schwarzes Minikleid und schien sichtlich Spaß daran zu haben, sich zu zeigen. Samantha trat hinter sie und öffnete den Reißverschluss am Rücken. Das Kleid glitt zu Boden.
Janina stand nur noch in weißer Spitze da: hohe Strümpfe, ein Strumpfhalter über einem Tanga und ein Push-up-Bustier, das ihre Brüste betont hob. Pfiffe und anerkennende Rufe erfüllten den Raum. Samantha kommentierte kurz Schnitt und Material, dann verschwand Janina wieder im Bad.
Es wurde angestoßen. Der Sekt prickelte auf den Zungen.
Wenig später kehrte Janina zurück, diesmal in Rot und Schwarz. Ein enges Korsett hob ihre Brüste stark an und ließ die Nippel frei. Darunter trug sie einen Slip, der ihre unbehaarte Scham und die bereits feuchten Schamlippen deutlich zeigte, dazu schwarze Strapse. Sie präsentierte sich ausgiebig: drehte sich, stolzierte durch den Raum, beugte sich vor und spreizte die Beine, bevor sie ein letztes Mal im Bad verschwand.
Vivian saß wie gebannt. Das Kribbeln war nicht mehr zu übersehen. Ihre Hand bewegte sich weiter, und der innere Kampf zwischen Scham und Verlangen wurde mit jeder Sekunde heftiger.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Janina aus dem Bad zurück.
Sie trug jetzt schwarze Dessous, extrem sexy, extrem offen und doch irgendwie geschlossen. Ihre Brüste stachen deutlich aus dem schwarzen Stoff hervor. An den Nippeln hingen kleine silberne Kettchen mit einem grünen Glitzerstein, passend zu ihrem Bauchnabelpiercing. Der Slip war kaum mehr als eine Perlenkette, die die Spalte ihrer Scham teilte. Als sie sich bückte, glitzerte ein gleicher grüner Stein am Po. In der einen Hand hielt sie eine neunköpfige Peitsche, in der anderen Handschellen mit schwarzem Fellbezug. Über den Augen trug sie eine venezianische Maske, das Haar mit einer silbernen Spange hochgesteckt. Sie wirkte gleichzeitig dominant, sexy und verführerisch.
„Das will ich auch“, sagte Joanne sofort. „Aber in Weiß.“
Bestellzettel wurden ausgefüllt, Boxen durchwühlt, Sachen vereinnahmt und ausgepackt. Keine zwanzig Minuten später saßen fast alle nur noch in Dessous oder weniger in der Runde.
Joanne trug tatsächlich das neue weiße Outfit. Senay hatte sich in rote Dessous geworfen. Janina behielt ihr schwarzes Ensemble an. Marianne hatte das Dirndl abgelegt und saß nur noch in BH und Söckchen auf der Couch. Jenny, die bereits sexy Unterwäsche darunter getragen hatte, redete eindringlich auf Vivian ein. Cordula saß in BH und einem schlichten Baumwollslip da, der zwischen den Beinen einen deutlich feuchten Fleck zeigte.
Vivian spürte, wie das Kribbeln in ihrem Unterleib stärker wurde. Der innere Kampf zwischen Scham und Verlangen tobte weiter, während ihre Hand im Schoß kaum stillhielt. Die Luft im Zimmer war dick von Wärme, Alkohol und ungenierter Lust.
Da begann Jenny, Vivians Kleid über den Kopf zu ziehen.
„Nun zier dich nicht. Wir schauen dir schon nichts weg.“
Vivian wehrte sich nicht wirklich. Fast erleichtert, dass ihr jemand die Entscheidung abnahm, ließ sie es geschehen. Das schlichte blaue Sommerkleid landete auf dem Boden.
Dann, zu ihrem eigenen Entsetzen, fielen alle Hemmungen. Sie griff nach dem Gegenstand ihrer plötzlichen Begierde: einem Vibrator in der Größe einer dünnen Gurke, leicht durchsichtig, mit Kugelketten im Inneren und einem kleinen, schlangenzungenartigen Ärmchen an der Seite.
Sie drückte den Power-Knopf, dann den ersten Button. Die Perlen begannen zu rotieren. Der zweite Button ließ den Kopf hin und her schwingen. Der dritte erzeugte ein leichtes Vibrieren.
Vivian schob ihr Gesäß vor, spreizte die Beine, zog den bereits nassen Slip zur Seite und führte sich das Teil unter einem leisen Stöhnen ein.
Gegenüber hatte sich Senay einen Küchenhocker geholt. Darauf hatte sie einen dicken Dildo mit Saugnapf befestigt und ritt ihn jetzt direkt vor Vivians Augen. Ihre Blicke trafen sich und blieben aneinander haften.
Keine sieben Minuten später durchfuhr Vivian ein orgastischer Sturm, nicht einer, sondern eine ganze Reihe von Höhepunkten, die ihren Körper auf dem Sitzsack erbeben und erzittern ließen. Völlig erschöpft schaltete sie den Vibrator aus und zog ihn aus der schmatzenden, triefenden Scham.
Wow. Was war das heute gewesen? Verboten. Geil. Erregend…
Ihr Kopf schwirrte. Wenig später schlief sie ein.
Am nächsten Morgen schien ihr die Sonne ins Gesicht. Vivian lag bzw saß immer noch in dem Sitzsack. Jenny begrüßte sie mit einem Lächeln. „Guten Morgen. Hast du gut geschlafen? Zufrieden warst du mit Sicherheit.“
Ihr Grinsen war süffisant, während sie Gläser und die Reste der Party einsammelte und in die Küche brachte. Kurz verschwand sie im Bad, zog dann ihr Kleid an, verabschiedete sich und lief die Treppen zu ihrer eigenen Wohnung hinunter.
Am Abend klingelte es erneut. Jenny drückte Vivian eine schwarze, edle Papiertüte in die Arme. „Das hast du gestern vergessen: dein Spaßbringer. Ich hab ihn schon bei Samantha bezahlt. In der Tüte ist auch der kleine Katalog und Samanthas Karte. Das Geld kannst du mir irgendwann zurückgeben.“
Jenny stellte die Tüte auf die Kommode im Schlafzimmer. Vivian blieb allein zurück und überlegte, was sie Daniel erzählen würde.
Später lag sie verträumt im Bett und fragte sich, ob sie vielleicht doch noch mehr bestellen sollte.
Anmerkung : Die Fantasie Geschichte ist bereits älter und schlummerte auf dem Rechner rum. Sie war schon mal in gekürzter Form wo anders veröffentlicht, jetzt haben wir beide sie aber vervollständigt. Der Einfall dazu basiert auf Anekdoten einer Freundin die für einen grossen Erwachsenenkonzern bei Flensburg arbeitete, der Rest ist frei Erfunden! Viel Spaß beim Lesen!
© Surflogger 2021
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