Unsere Tochter Alicja – Die Sechste
Unsere Tochter Alicja – Die Sechste
Der Duft von frischem Kaffee und warmem Hefegebäck lag in der Luft. Das sanfte Licht des Adventskranzes spiegelte sich in den Fensterscheiben, während draußen die ersten Schneeflocken fielen. Eigentlich sah unsere Esszimmer gemütlich aus, doch Zofia, die versonnen auf ihrem neuen Tablet tippte, sah das an diesem Morgen wohl etwas kritischer.
„Mama?“, brach sie das Schweigen und schaute von ihrem Bildschirm auf. „Wir müssen unbedingt noch mehr rote Schleifen in den Weihnachtsbaum hängen. Und echte Tannenzweige auf den Sideboards wären auch toll. Bei Margot und Gunnar sah das gestern einfach… magischer aus. Viel weihnachtlicher als bei uns.“
Meine Frau lächelte und goss sich etwas Kaffee nach. „Na, bei uns sieht es doch auch schön aus, mein Schatz. Aber wenn du mir nachher beim Basteln hilfst, können wir gerne noch etwas mehr Dekoration verteilen. Versprochen.“
Zofia nickte zufrieden und widmete sich wieder ihrem Tablet, während sich die Stimmung am Tisch merklich entspannte.
Meine Frau nutzte den ruhigen Moment, lehnte sich etwas vor und blickte unsere älteste Tochter sanft an. „Und du, Alicja… wie war es gestern für dich?“
Alicja, die mit beiden Händen ihre Teetasse umschloss, strich sich eine blonde Haarsträhne hinter das Ohr. Sie nahm einen langsamen Schluck und seufzte leise.
„Ehrlich? Auf der Hinfahrt im Auto war ich total euphorisch. Ich wollte das unbedingt. Ich war so erpicht darauf herauszufinden, wie es sich anfühlt, nackt vor fremden Menschen zu stehen. Aber im Lift, als der kalte Wind an meinem nackten Hintern zog, ist mir das Herz kurz in die Hose gerutscht. Da kamen plötzlich all die Zweifel: Wie verhalte ich mich richtig? Wie stelle oder setze ich mich angemessen hin? Zeige ich zu viel und es wirkt billig, oder bedecke ich mich unbewusst und es wirkt verklemmt? Ich hatte totale Angst, mich plötzlich unkontrolliert zu schämen.“
Sie lächelte kurz, als sie an die Begrüßung dachte. „Als der Mantel dann weg war und Margot mich so lieb umarmte, war die erste Panik verflogen. Aber Gunnars Blick… der war echt spannend. Als er meine Brüste und die Alibikette betrachtete, spürte ich zum ersten Mal dieses aufregende Kribbeln. Ein echtes Jetzt-geht’s-los-Gefühl. Instinktiv habe ich die Schultern zurückgenommen, damit sich meine Brüste ihm noch etwas mehr entgegenstrecken. Das tat gut. Aber als sein Blick weiter nach unten wanderte… direkt auf meine Muschi… da wurde ich richtig nervös. Sein Blick war überhaupt nicht unanständig, nur eben… sehr intensiv und lang. Ich stand da, komplett nackt vor dem Chef meines Vaters, und dachte nur: Oh Gott, hoffentlich gefällt ihm, was er sieht. Es war ein seltsamer Mix aus Unsicherheit und heimlichem Stolz.“
„Und dann kam Hainer“, warf Zofia ein, ohne vom Tablet aufzusehen. „Der Typ hat geglotzt, als wärst du ein Alien, das gerade aus einem UFO steigt.“
„Genau!“, lachte Alicja, und ihre Wangen röteten sich leicht. „Er ist total over the top über mich hereingebrochen. Sein Blick traf mich so unvermittelt, dass ich innerlich einen Schritt zurückgewichen bin. In Sekundenschnelle hat er mich von Kopf bis Fuß gemustert. Und dann dieser stürmische Handschlag! Während er meine Hand hielt, spürte ich seine Augen förmlich auf meiner Haut brennen. Erst auf den Brüsten, und dann wieder ganz lang und gezielt auf meiner Muschi. Die wenigen Sekunden kamen mir vor wie Minuten. Mir wurde ganz mulmig, weil es so unfassbar intensiv war. Er stand da mit weit aufgerissenen Augen, völlig fasziniert von meinem nackten Körper, und ich dachte in diesem Chaos: Ist mir das jetzt unangenehm oder genieße ich es? Aber es war nicht obszön. Es war einfach nur wahnsinnig schmeichelhaft.“
Ich räusperte mich und legte meine Hand auf den Tisch. „Du weißt, Alicja, du hättest jederzeit abbrechen können. Als ich Gunnars Missbilligenden Blick sah, war mir klar, dass er kurz davor war dazwischenzugehen. Eins noch, in dem Moment war Ich unendlich stolz auf deine Gelassenheit. Und Sabine hat die Situation ja auch toll aufgefangen.“
„Ja, Sabines Kompliment war wunderschön“, nickte Alicja. „Obwohl sie mir beim Lächeln auch ganz genau auf die Muschi geschaut hat. Aber die Frauen gucken irgendwie anders.“ Sie nahm noch einen Schluck Tee. „Später, als Hainer alle auf meine Schuhe aufmerksam machte, wollte ich sie besser zeigen. Ich habe mein rechtes Bein gehoben und nach außen gedreht – aber wohl etwas zu weit und zu offenherzig. In dem Moment habe ich meine Schamlippen den anderen deutlicher präsentiert, als ich eigentlich wollte. Als ich merkte, dass wirklich jeder starrte, wurde ich feuerrot und habe das Bein schnell wieder abgesetzt. Da war sie wieder, diese plötzliche Scham. Zum Glück hat Margot uns dann ins Esszimmer gebeten.“
„Und da wartete die nächste Überraschung“, warf ich ein, um auf die Haushälterin zu sprechen zu kommen. „Elfriede.“
„Oh ja, Elfriede!“, rief Alicja aus, und ihre Augen leuchteten auf. „Das Gesicht hättet ihr sehen müssen! Sie stand da mit dem Sekt-Tablett, super freundlich – und dann sieht sie mich. Zack! Völlige Schockstarre. Ihr Blick wanderte an mir runter.
Bei meinen Brüsten war es noch ein ungläubiges Staunen, aber als sie meine Muschi sah… Leute, von erstaunt über fassungslos bis hin zu totaler Missbilligung war alles dabei. Ich habe genau gesehen, wie sie unmerklich den Kopf geschüttelt hat – wahrscheinlich, weil alles komplett rasiert ist und sie meine Schamlippen sehen konnte. Im ersten Moment habe ich mich kurz geschämt, aber dann fand ich es nur noch lustig. Sie war so verwirrt, dass sie völlig hilfesuchend zu Margot geguckt hat.“
Ich schmunzelte. „Margot hat ihr nur ganz sachte zugenickt, um ihr zu signalisieren, dass alles seine Richtigkeit hat.“
„Kann sein. Denn als ich mir das Glas genommen habe, ist etwas Wunderbares passiert“, fuhr Alicja mit einer sanfteren Stimme fort. „Elfriede hat mich zwar wieder gemustert, aber diesmal lag da so ein diskreter Respekt in ihrem Blick. Sie hat sich ganz leicht vor mir verbeugt. Nicht wie vor einem normalen Gast, sondern wie vor jemand ganz Speziellem. Da wurde ich wieder rot, aber dieses prickelnde Gefühl war wieder da. Als sie dann kopfschüttelnd in die Küche ging, stand ich da – nackt mit meinem Sektglas zwischen all den angezogenen Leuten – und fühlte mich einfach nur super.“
Eine kurze Pause entstand. Alicjas Blick wurde ernster. Die Leichtigkeit verschwand aus ihrer Stimme, als sie sich direkt an ihre Mutter wandte. „Aber du, Mama… du weißt schon, dass du mir danach einen wahnsinnigen Schreck eingejagt hast? Du hast mich mitten im Gespräch mit diesem seltsamen, drohenden Ton aufgefordert mitzukommen. Ich hatte so unendlich Schiss. Sofort hatte ich wieder die ‚Präsentation‘ von damals im Kopf. Ich dachte, ich muss mich jetzt und hier vor der ganzen Gesellschaft Präsentieren. Und das Schlimmste war diese bittere Enttäuschung, weil du mir doch versprochen hattest, mich zu unterstützen.“
Meine Frau seufzte tief, ihr Gesicht spiegelte ehrliches Bedauern wider. Sie legte sanft eine Hand auf Alicjas Arm. „Es tut mir leid, mein Schatz. Ich wollte dich nicht erschrecken – dich übrigens auch nicht“, fügte sie mit einem entschuldigenden Blick zu mir hinzu. „Aber mir ist die Idee so plötzlich gekommen, da habe ich einfach nicht nachgedacht. Ich weiß, dass ich damals, mit der Präsentation, zu weit gegangen bin. Ich war wütend. Inzwischen sehe ich das anders. Ich finde es zwar immer noch gewöhnungsbedürftig, wenn du vor Fremden nackt bist, aber ich akzeptiere es. Und weil du Papa zu Hause so gerne nackt den Kaffee bringst, dachte ich, du hättest vielleicht Spaß daran, hier die Edelkellnerin zu spielen. Margot war sofort begeistert. Nur Elfriede brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass du das wirklich absolut freiwillig machst. Es war als liebevolle Überraschung gedacht. Noch mal: Entschuldigung.“
Ein betretenes Schweigen legte sich über den Tisch. Die alten Wunden waren kurz aufgerissen, doch Alicja atmete tief durch und reichte ihrer Mutter die Hand. „Ok, Schwamm drüber. Aber wenn du noch mal so was planst: Sag mir vorher Bescheid. Auf so einen Herzkasper kann ich verzichten.“
„Versprochen! Keine unangekündigten Manöver mehr“, sagte meine Frau sichtlich erleichtert.
„Wenn die Fronten jetzt geklärt sind – können wir bitte weitermachen?“, drängelte Zofia ungeduldig und trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte. „Wo warst du stehengeblieben, Alicja?“
Ich sprang ein, bevor die Schwestern sich in die Haare kriegten: „Du wolltest uns gerade erzählen, was in der Küche mit Elfriede passiert ist, als Mama wieder rausging.“
„Ah, ja. Die Küche!“, Alicja grinste wieder, das ernste Thema war abgehakt. „Als Mama die Küche verließ, stand ich da allein mit Elfriede. Und die hatte doch tatsächlich eine Schürze, ein winziges Häubchen und ein Kellnertuch für mich parat. Sie wollte mir gerade die Schürze umbinden, da habe ich nur abgewehrt und geflüstert: ‚Nein, danke, das verdeckt doch alles!‘ Ihr hättet ihr Gesicht sehen sollen! Eine Mischung aus purem Entsetzen und ungläubigem Staunen. Aber sie war Profi genug, um sich schnell zu fangen. Kopfschüttelnd hat sie mir die goldenen Regeln des Servierens eingetrichtert: Von links servieren, von rechts abräumen und die wichtigste Regel überhaupt: Bloß nichts fallen lassen! Zwischendurch hat sie mich immer wieder von der Seite gemustert, so als könnte sie immer noch nicht glauben, dass ich gleich nackt das Essen Serviere.“
Alicja nahm einen Schluck Tee und ihre Augen wurden weiter, als sie das Lampenfieber noch einmal durchlebte.
„Leute, als ich dann hinter der Küchentür auf Margots Gong gewartet habe, war ich ein absolutes Nervenbündel. Mein ganzer Körper hat gekribbelt, eine Mischung aus, rasender Vorfreude und nackter Panik. Ich stand da in dieser fremden Küche, völlig nackt bis auf dieses alberne Häubchen auf dem Kopf und das Tuch über dem Arm. Ich habe mich im Sekundentakt gefragt: Blamierst du dich gleich? Gucken sie alle nur auf deine Brüste oder starren sie dir zwischen die Beine? Wirst du vor Scham im Erdboden versinken? Und dann kam der Gong. Die Erlösung. Ich habe noch mal tief durchgeatmet und bin raus.“
Sie blickte in die Runde. „Der Moment, als ich das Esszimmer betrat, war wie in Zeitlupe. Alle Blicke schossen auf mich. Zofia riss die Augen auf und suchte sofort Mamas Blick. Gunnar sah aus, als hätte er im Lotto gewonnen – seine Augen haben regelrecht geleuchtet. Und er hat so herrlich verwirrt zu dir rüber geschaut, Papa, weil er wohl dachte, du fliegst gleich aus den Latschen. Hainer hat geglotzt wie ein Waldkauz bei Nacht, Sabine war völlig fasziniert und Margot hat einfach nur wohlwollend gelächelt. Da wusste ich: Es ist alles gut. Ich habe mich kurz, wie eine Künstlerin vor ihrem Publikum verbeugt und losgelegt.“
„Das Einschenken beim Wein lief ja noch super“, fuhr sie fort, „obwohl ich merkte, wie meine Brüste bei jedem Schritt leicht wippten. Ich bin extra aufrecht gegangen, habe die Schultern zurückgenommen. Als ich Gunnar eingegossen habe, hat er mir zugezwinkert und leise ‚Alibikette‘ geraunt. Da musste ich mir echt das Lachen verkneifen, weil ich genau wusste, wo sein Blick in Wahrheit klebte. Es hat mir unglaublich geschmeichelt. Aber das dicke Ende kam beim Suppe-Abräumen.“
Alicja hielt mitten in der Bewegung inne und schaute betreten in ihre Teetasse.
„Ich habe einfach überhaupt nicht nachgedacht. Anstatt in die Hocke zu gehen, um die leeren Suppenschüsseln unten im Servierwagen abzustellen, habe ich mich tief nach vorne gebeugt. Die Knie komplett durchgestreckt. Und genau in der Bewegung schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf: Verdammt, Alicja, was machst du da? Du streckst gerade nicht nur deinen nackten Hintern in den Raum, du präsentierst auch deine Muschi im Scheinwerferlicht. Aber es war zu spät. Die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten.“
Ein tiefes Rosa breitete sich auf Alicjas Wangen aus. „Margot und Gunnar saßen an der Stirnseite und hatten die absoluten Logenplätze. Ich habe aus dem Augenwinkel gesehen, wie Gunnar schlagartig der Atem stockte und Margot ihn unauffällig anstupsen musste, damit er nicht so glotzt. In dem Moment habe ich mich das erste Mal an diesem Abend ein wenig geschämt. Ich kam mir so unglaublich bloßgestellt vor.“
„Ein wenig? … Nur ein wenig? Was meinst du, wie ICH mich geschämt habe?“ Platze es aus Zofia heraus, so dass wir uns fast erschreckt haben.
„Als du dich mit den Schüsseln gebückt hast…“ , sie zögere etwas „konnte man ganz genau deine … deine ... Mumu sehen. Weil sie so Kahl ist, konnten alle sogar die Ritze sehen. Und glaub mir, ALLE haben drauf geglotzt! Sogar die Haushälterin…, Elfriede, die hat vielleicht Augen gemacht, musste das sein? Das war mir so Peinlich. Aber ja…, das hast du ja gerade erklärt.“
„Entschuldige das ich deine Gefühle verletzt habe, aber ich habe doch gerade gesagt, dass ich in dem Moment nicht darüber nachgedacht hatte. Außerdem konnte ich ja nicht wissen, dass man meine MU MU – wie du es nennst, so deutlich sehen konnte. Beim nächsten Mal passe ich besser auf.“
„Was? Beim nächsten Mal? Was für ein nächstes Mal?“, fragte Zofia ernst und schaute uns mit ernster Miene an.
„Darüber können wir anschließend reden.“, beschwichtigte meine Frau. „Jetzt lass uns erst mal weiter machen.“
„Aber wisst ihr, was das Verrückte daran ist? Als ich den ersten Schock überwunden hatte und merkte, wie intensiv diese Aufmerksamkeit war… fing es an, mir zu gefallen. Das bisschen Scham war beim Hauptgang wie weggeblasen. Als ich später bei Hainer und Sabine abgeräumt habe, habe ich mich extra noch mal so hingestellt. Hainer hat sich prompt so heftig am Wein verschluckt, dass sein Gesicht so rot wurde wie der Cabernet Sauvignon selbst! Es hat mir so ein seltsames, mächtiges Gefühl von Stolz gegeben. Keine Ahnung warum, eigentlich hätte ich im Erdboden versinken müssen. Aber es war einfach… berauschend.“
„Tja, und Gunnar hat deine freizügige Performance direkt belohnt“, schmunzelte meine Frau. „Wie viel Trinkgeld hat er dir denn nun beim Gang ins Casino in die Hand gedrückt?“
„Das bleibt mein Geheimnis!“, konterte Alicja prompt mit einem frechen Grinsen.
Meine Frau sah mich an. „Und du? Du hast den Schein doch weggesteckt.“
„Ich habe nicht darauf geachtet“, beteuerte ich wahrheitsgemäß. „Ich habe ihn einfach eingesteckt und Alicja später wiedergegeben.“
Zofia winkte ab. „Viel wichtiger: Glaubt Margot ernsthaft, wir kaufen ihr die Story vom Weihnachtsmann ab? Aber die Geschenke sind klasse. Noch was Papa, wir brauchen unbedingt auch so ein Casino im Keller, zumindest aber solche Spielautomaten.“
„Träum weiter“, lachte ich die Diskussion weg.
„Übrigens, Zofia, dein Konter wegen des Weihnachtsmanns war Weltklasse“, lobte Alicja ihre kleine Schwester. „Aber dass du dich danach so gewundert hast, dass ich Gunnar zum Dank im Casino umarmt habe… was dachtest du denn? Dass er mich begrapscht?“
Zofia grinste hinterhältig. „Nö. Aber wenn ich ein Mann wäre und ein hübsches, nacktes Mädchen umarmt mich so ganz ohne alles, würde ich mich auch tierisch freuen.“
„Was soll ‘n das heißen?“, fragte meine Frau mit ernstem Ton.
„Nichts, gar nichts!“, riefen beide Schwestern wie aus einem Mund und schüttelten unschuldig die Köpfe.
„Aber wisst ihr, was das Beste war?“, fuhr Alicja fort, und ihre Augen leuchteten wieder auf. „Später im Casino, als Papa und Gunnar so tief in ihrer Poker-Lehrstunde versunken waren, kam Margot zu mir in die Sitzgruppe. Sie hat mir den Arm um die Schulter gelegt und mir ganz leise etwas ins Ohr geflüstert.“
Meine Frau setzte neugierig die Kaffeetasse ab. „Und was hat sie gesagt?“
Alicja lächelte warm bei der Erinnerung. „Sie hat gesagt: ‚Alicja, du hast das fantastisch gemacht. Du hast eine wundervolle Ausstrahlung. Aber einen kleinen Tipp von Frau zu Frau muss ich dir geben: Wenn du das nächste Mal tiefenentspannt die Teller abräumst, geh lieber leicht in die Knie. Meinem Mann ist vorhin fast das Herz stehengeblieben, und ich möchte nicht, dass Hainer wegen akutem Sauerstoffmangel vom Stuhl kippt.‘“
Wir mussten alle Lachen und meine Frau schüttelte amüsiert den Kopf.
„Margot ist einfach unglaublich lieb“, sagte Alicja, als sich das Lachen gelegt hatte. „Sie hat mir das Gefühl gegeben, dass mein kleiner… Aussetzer überhaupt nicht schlimm war, sondern eher charmant. Danach haben wir uns noch ewig über Mode unterhalten.
„Ach, und da war noch was“, rief Alicja plötzlich, als wäre es ihr gerade erst wieder eingefallen. „Nachdem ich mit Margot geplaudert hatte, zog Sabine mich plötzlich am Arm. ‚Komm mal mit‘, flüsterte sie so verschwörerisch und Hainer grinste nur wissend. Sie führte mich die Treppe hoch ins Obergeschoss, in so ein Ankleidezimmer mit einem riesigen Spiegelschrank. Ich war kurz irritiert – ich meine, ich stand da splitternackt in einem fremden Haus und hatte keine Ahnung, was jetzt kommt.“ Sie lachte kurz auf. „Sabine kramte in einem Schrank und zog eine golden schimmernde Flasche heraus. ‚Hier‘, sagte sie, ‚das ist eine ganz edle Hautlotion. Wenn du den ganzen Abend nackt bist, trocknet die Haut durch die Heizungsluft schneller aus. Und ehrlich – dein Körper hat es verdient zu glänzen.‘ Sie gab mir die Flasche und ich habe mich von Kopf bis Fuß eingecremt. Natürlich hat sie mir dabei geholfen. Sie hat mir den Rücken eingeölt, bis runter zum Hintern. Da hat sie kurz gestoppt, und als ich nichts sagte, ich dachte sie ist fertig, hat sie mir auch den Hintern eingeölt. Man war das aufregend, eine fremde Person Ölt mir den Hintern ein. Hainer stand die ganze Zeit daneben und hat einfach nur gestrahlt, ohne ein Wort zu sagen. Es war … ein bisschen Peinlich aber dennoch aufregend. Danach roch ich wie frisch geduscht und hab im Licht geglitzert wie eine Discokugel. Daher kam also das Strahlen, dass du an der Bar bemerkt hast, Papa.“
Zofia zog die Augenbrauen hoch. „Du hast dich von einer Wildfremden eincremen lassen? Und Hainer hat danebengestanden und nur geguckt?“
„Naja, eher geglotzt. Aber es kam ja noch besser. Die Sache mit dem Bartisch“, fuhr Alicja fort und schüttelte lachend den Kopf. „Nachdem ich eingeölt war und von Kopf bis Fuß glänzte, wollte ich mich natürlich nicht mehr hinsetzen – ich hatte Angst, die Möbel mit dem Öl zu beschmutzen. Also blieben wir an einem dieser Bartische stehen. Klingt harmlos, oder? War es aber nicht.“
Sie biss sich grinsend auf die Unterlippe. „Der Tisch war genau auf einer Höhe mit meinen … nun ja … Brüsten. Egal wie ich mich hingestellt habe – es sah immer so aus, als würde ich meine Brüste auf der Tischplatte ablegen. Sabine hat als Erstes den Faden verloren. Mitten im Satz blieb ihr Blick einfach kleben, und Hainer hat eh die ganze Zeit nur gestarrt wie ein Uhu im Scheinwerfer licht. Ich wusste zuerst nicht, wohin mit meiner Verlegenheit. Ich dachte: Alicja, das sieht aus wie eine unbeholfene Anmache – dabei willst du doch nur stehen!“
Zofia prustete in ihren Kakao. „Das gibt’s doch nicht!“
„Doch, genau so war’s! Und weißt du, was dann passierte?“ Alicjas Augen funkelten. „Ich hab’ einfach beschlossen, die Situation anzunehmen. Wenn mein Körper schon so … präsentiert wird, dann mache ich das Beste draus. Ich hab’ Sabine ganz unschuldig angegrinst und ganz leicht mit den Schultern gewackelt – nur so ein kleines bisschen. Aber das hat gereicht.“ Sie machte eine dramatische Pause und wiederholte die Bewegung. „Hainer hat sich an seinem Cocktail so heftig verschluckt, dass Sabine ihm auf den Rücken klopfen musste. Und ich? Ich stand da, mit glänzender Haut und die Brüste auf der Tischplatte, und hab mich gefühlt wie eine Königin. Es war mein kleiner, frecher Triumph. In dem Moment wusste ich: Ich hab’ nicht nur die Prüfung bestanden, sondern ich habe die Kontrolle übernommen. Und das fühlte sich verdammt gut an.“
Meine Frau schüttelte langsam den Kopf, aber sie lächelte. „Du wirst uns noch alle um den Verstand bringen mit deine nackten Eskapaden.‘“
„Zu spät, Mama. Ich glaube, Hainer ist bereits verloren“, zwitscherte Zofia und tippte seelenruhig auf ihrem Tablet weiter.
„Eigentlich ist das ja nicht zum Lachen gewesen“, meinte Alicja „Hainer und Sabine wollten nämlich unbedingt wissen, wie ich überhaupt zur Nudistin wurde. Nach einem kurzen schreck habe ich es ihnen eben erzählt.“
Ich hielt unwillkürlich den Atem an. Ich sah, wie meine Frau für den Bruchteil einer Sekunde die Luft anhielt und sichtlich erschrak. Doch Alicja zwinkerte mir unauffällig zu und beruhigte ihre Mutter sofort: „Keine Sorge, Mama. Ich habe es ihnen nur ganz grob und völlig harmlos erklärt.“
Zofia lehnte sich mit aufgestützten Ellbogen weit über den Tisch und sah ihre große Schwester mit großen, neugierigen Augen an. „Das würde mich allerdings auch brennend interessieren. Wie du auf diese komplett bescheuerte Idee gekommen bist?“
Alicja schaute mich an, und in ihren Augen blitzte das Wissen um unser gemeinsames Geheimnis auf. Mir war klar, dass sie mit Rücksicht auf die ohnehin schon strapazierten Nerven ihrer Mutter niemals die volle, nackte Wahrheit über den tatsächlichen Auslöser erzählen würde. Ich war unglaublich gespannt, welche jugendfreie Version sie sich spontan in Anwesenheit von Zofia einfallen lassen würde…
Erst habe ich ihnen von unserem Spa-Bereich mit Sauna, Hamam und Blubberpool erzählt. Das wir dort meist nackt sind – was für uns einfach normal ist. Dann hatte ich mal meine frischen Sachen im Zimmer vergessen und musste nach dem Duschen nackt zurück. Am Anfang war das noch recht merkwürdig und ich hatte mich auch beeilet. Doch nach ein paarmal störte es mich nicht weiter. Manchmal bin ich schnell noch in die Küche um mir was zu Trinken zu holen. Ab und zu habe ich mir auch noch was zu essen gemacht. Irgendwann hatte ich die Sachen gleich in meinem Zimmer gelassen und mich dort angezogen.
Im Sommer, draußen am Pool war es dann ähnlich. Erst bin ich immer im Badeanzug oder Bikini schwimmen gegangen. Was mich aber mit der Zeit nervte, waren die nassen Badesachen. Erst ausziehen, abtrocknen, trockene Sachen anziehen. Dazu noch das eincremen. Irgendwann blieb ich einfach nackt, bis ich trocken war, habe mich dann eingecremt und später was angezogen. Meistens jedenfalls. Na ja, und da im Nachbarhaus keiner wohnte, bin ich nur noch im Bademantel raus zum Pool. So habe ich mir das ganze An- und Ausziehen auch noch gespart. Es war einfach nur Bequemlichkeit, das hatte noch nichts mit dem Nacktsein selber zu tun.
Ich habe auch immer darauf geachtet, dass mich keiner von euch sieht. Weil mir das richtig peinlich war, damals jedenfalls. Zumal ich ja nicht wusste, wie ihr reagiert. Wer konnte denn ahnen, dass es mal so weit kommt? Anderer Seitz? Ich hätte…
Sie machte ein nachdenkliches Gesicht, überlegte… und erzählte dann weiter.
Na ja, dann ist irgendwann der Nachbar eingezogen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mitbekommen habe, dass nebenan wieder jemand wohnt. Am Anfang hatte ich nie jemanden gesehen, konnte man ja auch nicht, da war die Hecke noch normal hoch. Erst später hat er sie dann kürzer geschnitten. Konnte wahrscheinlich nicht genug sehen.
Am Anfang war ich etwas verunsichert, aber dann… dann merkte ich, dass es mir eigentlich nichts ausmachte. Im Gegenteil.
Und hier Endet der Geschichte sechster Teil.
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