Weeslower Chroniken I
Nadine - 1997 - Kapitel 6
Am See
Sie fuhren etwa zehn Minuten lang zunächst über eine kaum befahrene Landstraße und eine kleinere Zufahrtsstraße zwischen verblühten Rapsfeldern, kleinen Aufforstungen und Heide hinaus zum See. Hier draußen ließ sie ihr Kleidchen wieder fröhlich flattern.
Am Eingangsgebäude hinter einem nicht asphaltierten Parkplatz stellten sie die Räder ab. Von einem See war noch nichts zu sehen.
Michael hatte als einer der Vereinsvorstände freien Eintritt, aber erfreut stellte Nadine fest, dass „FKK-Badende unter 25 Jahre“ sowieso frei hinein durften, worauf sie eine Preistafel aufmerksam machte.
„Wir haben nichts dabei“, meinte sie zu ihm, als sie das Eingangsgatter durchquert hatten, „also, kein Handtuch, nichts.“
„Macht nichts. Ich denke, wir werden gar nicht viel herumliegen. Wir machen einen Rundgang, baden ein wenig. Abtrocknen müssen wir uns bei dem Wetter ja auch nicht.“ Michael knöpfte sein Hemd auf, stieg aus Schuhen und Hose. „Gib mir Dein Kleid und Deine Schuhe, ich verstaue alles hier drin.“ Er deutete auf eine Tür, auf der ´Personal´ geschrieben stand.
Sie zog sich aus und wartete nackt auf der Rückseite des Eingangsgebäudes auf ihn und las die Hinweisschilder. Links ging es zum „Oststrand / Südstrand - FKK“, rechts zum „Zentraler Nordstrand - Topless Beach - Textil“. Außerdem gab es je eine Beach-Bar, Spielplätze, Beachvolleyballplätze, Duschräume, Erste Hilfe – Station, Kiosk und vieles mehr.
Eine Gruppe von Teenagern in Badezeug drängte sich an Nadine vorbei und strebte dem Nordstrand zu. Dann kam Michael, nun nackt wie sie, und nahm sie in dieselbe Richtung mit.
Sie wunderte sich. „Nicht zum FKK?“
„Doch, doch.“ meinte er nur und ging weiter.
Sie kamen über eine weite Rasenfläche, die in groben, dann feineren Sand überging, zum See. Dieser war viel größer als Nadine es erwartet hatte. Das andere Ufer war gut einen Kilometer Luftlinie entfernt, schätzte sie. Es war später Vormittag, das Gelände füllte sich erst mit Gästen. Dort, wo sie den See erreichten, lagen einzelne Nackte.
„Ist das der Nordstrand?“ fragte sie.
Michael blieb stehen und deutete hintereinander in verschiedene Richtungen. „Dort ist das Ostufer, da sind die meisten Sportanlagen und einzelne Badestellen. Da wollen wir im Winter noch Badestege bauen. Das da hinten ist das Südufer, da gibt es zwei große Liegewiesen hinter der Baumreihe und viele kleine Badestellen, auch schön schattige und so. Da fließt auch irgendwo die Peese-Au zu und da hinten neben dem Eingang wieder ab. Die sorgt für das immer klare, reine Wasser. Dahinten liegt Alt-Weeslow. So, dort im Westen erkennt man noch die frühere Abbruchkante der Grube, da führt nur ein Fußweg über dem Ufer entlang, dahinter liegen die alten Kieswerkanlagen und die Ruine der alten Ziegelei. Und hier kommt der Nordstrand.“
„Also der Textilstrand.“ ergänzte sie. „Ja, im zentralen Bereich. Da kommen wir gleich hin. Alles andere ist mehr oder weniger FKK.“
„Mehr oder weniger?“
Er blieb nochmal stehen. „Eigentlich wollten wir diese Unterteilung nie. Als der See vor ein paar Jahren entstand, hat anfangs jeder überall so gebadet wie er wollte. Die meisten nackt. Die Angezogenen lagen eher hier am Nordstrand. Und das blieb dann irgendwie so. Die Schilder hier haben wir nur zur Orientierung gemacht für Gäste, die neu sind. Eigentlich kann immer noch jeder überall so baden wie er will.“
„Gibt das nicht manchmal Ärger?“ wollte das nackte Mädchen an seiner Seite wissen.
„Selten. Wenn, dann sind das Auswärtige, die eher zufällig hier ankommen. Wessis meistens. Die sind Nackte noch nicht so gewohnt.“
„Und dann?“
„Erstatten wir den Eintritt, verbunden mit einer freien Eintrittskarte ins Naturbad am Mühlensee. Das ist das alte Freibad in Weeslow. Aber…“ Er hielt kurz inne und grinste, „was die nicht wissen: Da gibt es schon seit ewigen Zeiten eine FKK – Wiese, die mehr oder weniger fließend in den Textilbereich übergeht. Gewinnen also nichts damit. - So, da sind wir am zentralen Nordstrand.“
Tatsächlich, hier lagen überwiegend Leute in Badezeug. Vereinzelt erblickte Nadine dazwischen aber doch einige Nackte. Michael erklärte, dass es an den anderen Badestellen immer beengter zuginge, seit der See bekannter unter Nacktbadefreunden aus Berlin und so werde. Aber es gäbe längst noch ein anderes Phänomen: Viele Nacktbader seien einfach zu bequem geworden, weiter zu laufen, und das hier sei der dem Eingang nächste Strandbereich.
„Du siehst, wir fallen hier gar nicht auf. - Fällt Dir noch was auf?“
„Mmm.“ Nadine schaute sich um. „Ja, also, viel oben ohne, würde ich sagen.“
„Genau. Fast ausschließlich. Textil müsste bei uns eigentlich Topless oder Oben Ohne heißen.“ Die Erklärung schob er gleich nach: „Sieh mal, die Bar, das ist unsere Topless Beach Bar. Egal, wie man damals auf den Namen kam, jedenfalls wird dank dieser Bar der Nordstrand auch Topless Beach genannt. Und Jenni, die Besitzerin, und ihre Crew weisen jede Kundin, die auch nur ein Eis kauft, unmissverständlich darauf hin. Fast alle legen dann auch brav das Oberteil ab, weil sich das hier ja anscheinend so gehört. Ich sag Dir, unter den einheimischen Frauen gibt es wohl keine, die ein Oberteil trägt, ob jung, ob alt. Wer das nicht mag, kommt nicht hierher.“
„Dann sind die jungen Hübschen da wohl von hier?“
Nadine wies auf die Gruppe von Teenagern, die vorhin an ihr vorbeigelaufen war und nun Volleyball spielte. Die drei Mädchen der Gruppe liefen ebenso mit freiem Oberkörper herum wie die drei Jungs.
„Ja, das sind Schüler von mir. Gut, einige von denen kenne ich nur vom Sehen, aber die anderen habe ich im Sportunterricht. Wollen wir mal hin?“
„O-k-a-y…“ antwortete Nadine gedehnt, während er schon los marschierte. Kopfschüttelnd folgte sie ihm. Da ging vor ihr ein Sportlehrer so unbekümmert wie nur was vollkommen unbekleidet auf seine Schüler zu, um mit ihnen zu plaudern. Wo gab es denn sowas?!
Doch die Schüler schienen alles andere als überrascht zu sein, Herrn Schneider hier anzutreffen, und das im Adamskostüm. Nur seine hübsche Begleitung erregte sichtbar Interesse. Aber allmählich war es Nadine ja gewohnt, als Nackedei in seinem Schlepptau wildfremden Menschen vorgestellt zu werden. So war er halt… Diesmal waren es eben Teenies, fast in ihrem Alter, vielleicht ein, zwei Jahre jünger. Immerhin präsentierten sich ihr auch drei Paar ausnahmslos schöne Brüste, die allesamt schon gleichmäßig gebräunt waren, und ohnehin durchgehend schöne Körper, bei Jungen wie bei Mädchen.
Sie selbst stellte anhand der verstohlenen häufigen Blicke der sechs fest, dass ihre blitzblank rasierte Scham eine gewisse Aufmerksamkeit hervorzurufen schien.
Einer der Jungs gefiel Nadine auf Anhieb. Wilde, lockige dunkelblonde Haare und strahlend blaue Augen, dazu ein sehr schlanker, trainierter Body – er erinnerte sie an den Darsteller in der „Blauen Lagune“, wie hieß der noch, jedenfalls hatte sie den an sich dümmlichen Film mal als Video gesehen, eigentlich nur, weil eine Bekannte sie selbst mit Brooke Shields verglichen hatte.
Nach gegenseitiger Vorstellung und ein bisschen Geplauder verließen sie die Gruppe wieder, wobei sich Nadine noch einmal ganz gezielt nach dem lockigen Jüngling umschaute und ihm lächelnd zuwinkte.
Michael stieß sie neckend in die Seite. „Hey, Du, lass das! Der ist außerdem erst sechzehn!“
Sie kicherte. „Keine Sorge. Der erinnert mich doch nur an meinen kleinen Bruder.“
„Ja klar.“
„Du müsstest Dir viel mehr wegen Dreyer Gedanken machen. Der ist echt klasse. Voll mein Typ.“ meinte sie in sehr viel ernsterem Ton.
Diesmal entging ihm ihre beißende Ironie nicht. „Was hätte ich tun sollen?“
Sie funkelte ihn kurz böse an, dann schaute sie wieder auf den Weg. „Mich nicht behandeln wie ein…, ein Anhängsel, irgendeine Sache, die Du anderen unbedingt zeigen willst. `Schau mal, hab ich neu! Hübsch, nicht?´. Und auf die dummen Sprüche dieser Typen kann ich auch verzichten. Scheint Dir ja aber nichts auszumachen.“
Er schwieg betroffen. Nach einer Weile meinte er: „Okay. Verstanden. – Vielleicht war ich wirklich ein bisschen zu…“ Er zögerte. „…zu stolz auf Dich. Sorry.“
Sie ging dicht neben ihm und schaute weiter geradeaus. „Schon gut. Du weißt es ja jetzt.“ Sie nahm ohne hinzuschauen seine Hand, und so gingen sie schweigend weiter am Westufer entlang.
„Ist das eigentlich okay, so Hand in Hand?“ fragte sie ihn unvermittelt. „Ich meine, na ja, so in der Öffentlichkeit?“
„Habe ich gerade auch überlegt. Aber weißt Du…“ Er blieb stehen und zog sie an sich. „warum nicht? Ich bin ja nicht verheiratet oder so und darf Hand in Hand gehen mit wem ich will. Und Du bist kein Kind mehr und auch nicht mehr meine Schülerin. Gerede wird es sowieso geben, wenn Du wochenlang bei mir wohnst. Elsa wird schon genug dazu beitragen. Also: gehen wir offen damit um.“
Sie drückte ihn sachte von sich und sah zu ihm herauf. „Offen damit umgehen? Womit eigentlich, wenn ich fragen darf? Dass wir miteinander schlafen? Oder dass wir für ein paar Wochen sowas wie ein Paar sind? Oder was?“
„Was denkst Du?“
Sie ließ ihn los und trat einen Schritt zurück. „Schieb die Verantwortung jetzt nicht auf mich! – Im Übrigen: Vorhin, als wir aus dem Rathaus kamen, habe ich kurz überlegt abzureisen.“
„Dann ernsthaft und ehrlich: Tu es nicht! Bleib!“ Und als er spürte, dass das allein nicht reichte, meinte er: „Tage, Wochen, Monate, sorry, Nadine, das kann ich nicht sagen. Noch nicht. Ich kann nur sagen, dass es wunderbar ist, mit Dir zusammen zu sein. Dass ich plötzlich ein ganz anderes Gefühl habe in diesem Haus, seit Du darin wohnst, seit ich Dich darin weiß. Als würdest Du da wie selbstverständlich hingehören. Und nach Weeslow.“ Er stockte kurz, schob dann nach: „Und zu mir.“
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Okay, das reicht. Ich bleibe.“ Sie trat wieder auf ihn zu und küsste ihn. „Ich weiß ja, Du bist noch in Deiner ´Findungsphase´. – Was ist das?“ Sie deutete auf das andere Ufer.
„Das sind die Anlagen vom alten Kieswerk. Da gehen wir ein anders Mal hin. Schauen wir uns lieber das Südufer an. Ich finde, das ist mit eine der schönsten Badestellen, die ich überhaupt kenne.“
Er hatte nicht zu viel versprochen. Kleine Liegewiesen wechselten ab mit Baumreihen, kleine sandige Badestellen mit größeren Zugängen, Fußpfade führten kreuz und quer durch das Gelände. Eine kleine Holzbrücke führte über das Flüsschen Peese, an dessen Ufern jeweils zwei Wege in die Heide und nach Alt Weeslow führten. Überall lagen Nackte, noch nicht in Massen, aber es hatte sich im Bad deutlich gefüllt. Und überall liefen Nackte, spielten Ball, Bodenschach oder Tischtennis, rannten und riefen Kinder. Eine wahre Idylle, fand Nadine.
„Wenn ich mich so umschaue“, meinte das Mädchen, „dann sehe ich tatsächlich einige, die so wie wir beide untenherum blank sind, vor allem aber die Frauen. Sabine und Mel hatten recht.“
„Stimmt. Sabine und Mel gehörten mit als erste dazu. Das ist hier in den letzten Jahren Mode geworden. Und wie immer: Wenn erst mal ein paar damit anfangen – einschließlich der Bürgermeister-Frau – na ja, seiner Ex - , und der Frau von der Zeitung, also Sabine, dann wird das ganz schnell ganz normal. Mir fällt das immer auf, wenn ich mal woanders bin, wie verbreitet das hier in Weeslow schon ist…“
„Deine Schüler schauten eben aber sehr interessiert.“
„Ja, die sind ja auch immer nur an der Topless Beach. Und ich sag Dir, geh an die Ostsee, und Du siehst vielleicht zehn Prozent so, in Berlin vielleicht zwanzig. Bei uns gut die Hälfte.“
„Ich find´s schön.“
„In Weeslow macht gerade das zweite Waxing-Studio auf. Und in Bad Sorow gibt es eins und in Festenwalde drei oder vier. In ganz Berlin gibt es nicht mal zehn! Ich weiß das zufällig, weil ich die Besitzerin hier gut kenne. Das sagt wohl einiges. Wir machen die Mode!“
„Das Studio musst Du mir unbedingt zeigen!“
Nun gingen die beiden baden und kamen an einer Stelle des Ostufers wieder an Land. Sie trockneten einfach im Laufen und beendeten schließlich am Eingangsgebäude ihren Besuch.
Michael reichte ihr ihre Sachen.
„Am liebsten würde ich jetzt so bleiben.“
„Vorschlag: Wir holen unsere Räder hier rein, radeln am Westufer den Versorgungsweg lang, schlagen uns durch die immer noch nicht reparierte Zaunlücke bei der Ruine, und fahren dann durch den Wald bis zu mir. Da brauchen wir lange nichts anzuziehen.“
„Abgemacht.“
Und so fuhr Nadine zum ersten Mal in ihrem Leben splitternackt Fahrrad.
„Übrigens… Dass ich unten herum so herumlaufe, liegt an Dir.“
Sie fuhren gerade etwas versetzt auf einem sandigen Waldweg, daher verstand er nicht gleich und bat sie, es nochmal zu wiederholen.
Daraufhin erzählte sie ihm die Geschichte mit den Fotos in seiner alten Lehrerwohnung, legte eine süße kleine Beichte ab. Er grinste still vor sich hin.
„Dann war meine Zuneigung zu Dir also auch ein bisschen gegenseitig?“
„Und wie! Michael, wenn Du wüsstest.“
„Was sollte ich wissen?“
„Wie sehr ich in Dich verknallt war. Nein, verliebt. Und das noch sehr lange.“
„Jetzt nicht mehr? Habe ich Dich enttäuscht?“
Sie hielt lachend an. „Bitte, bevor ich darauf eine Antwort weiß, möchte ich, dass Du mich da“, sie zeigte mit ihrem Finger auf eine Wiese neben dem Pfad, „ordentlich durchfickst – und zwar sofort!“
„Zu Befehl, Madame!“
Sie warfen die Räder an den Wegesrand und liefen gemeinsam nackt über die Wiese, hinter der die Peese-Au floss, warfen sich am Ufer ins hohe Gras und liebten sich. Danach kühlten sie sich im Fluss ab und radelten weiter nach Hause.
Daheim angekommen stand sie vor der Pinnwand in der Küche und besah sich ihre eigenen Fotos.
„Da waren früher andere Mädchen zu sehen. Gibt es die noch?“
„Die Mädchen?“
„Nein, die Fotos natürlich.“
„Willst Du sie wirklich sehen?“
Sie nickte.
Er holte einen Umzugskarton, den er noch nicht ausgepackt hatte, aus einem Abstellraum im Erdgeschoß, trug ihn auf die Terrasse und kramte einige Fototaschen hervor.
„Hier, das sind die von der Pinnwand und hier so dies und das aus den vergangenen Jahren.“
Sie setzten sich damit in den Vorgarten in die Sitzecke unter der Linde. Er führte sie durch seine FKK-Vergangenheit der letzten etwa zehn Jahre. Anfangs viele Bilder von der Ostsee, aus Ost-Berlin, wo er damals noch wohnte, auch ein Nackturlaub am Plattensee, später dann, in den Wendejahren, wildes Campen an Stränden auf Korsika und oft auf griechischen Inseln. Jedes Mal erzählte er eine kleine Geschichte dazu, und ab und zu meinte Nadine, eines der Bilder zu kennen.
Auffallend war, dass während er selbst älter wurde, die wechselnden Mädchen an seiner Seite fast immer im gleichen Alter blieben, alle so zwischen 17 und höchstens 20.
Sie fragte bei dem einen oder anderen nach. Tatsächlich gab es auch Sechzehnjährige darunter, einmal eine zweiundwanzigjährige. Und dann sah sie Mel, das Mädchen, das sie mit den anderen auf der Terrasse bei Elsa überrascht hatte. Das Bild war, er schaute nach, vier Jahre alt.
„Du hast mit ihr geschlafen?“
„Ja.“
„Mit sechzehn?“
„Sabine war einverstanden. Und sie natürlich auch.“
Nadine schwieg einen Moment nachdenklich. „Herrje, ich komme mir plötzlich richtig alt vor. - Und immer noch?“ fragte sie vorsichtig.
Sein Zögern empfand Nadine als etwas zu lang, bevor er antwortete. „Nicht mehr… so oft…-“
Sie schluckte, aber sie wollte mehr sehen. Ständig mit neuen jungen Mädchen an seiner Seite – allesamt bildhübsch, gertenschlank, splitternackt und komplett rasiert. Eine wahre Serie von jungen FKK-Models. Jedes Mal fragte sie, ob er mit jener geschlafen habe. Jedes Mal bejahte er.
„Du hattest aber viele Freundinnen.“
„Das stimmt.“ Er nahm ihre Hände in seine und schaute Nadine lange liebevoll an, ehe er fortfuhr. „Ich wollte daraus auch nie ein Geheimnis machen. - Aber jetzt bist Du da. Nur Du.“
Sie nickte, unschlüssig, was sie davon halten sollte. Wahrscheinlich sagte er das jeder. Aber im Moment war nicht die Zeit, sich darüber… - Doch er unterbrach ihre Gedanken.
„Lass uns die Zeit sorgenfrei genießen. Solange Du hier bist, bist Du die Einzige. Und Du bist etwas sehr Besonderes.“
Das war genau das, was sie hören wollte. Auch sie wollte jetzt einfach nur genießen. Nachdenken konnte sie später.
Sie küssten sich. Dann trug er sie nach oben in sein Bett. In ihr Bett.
*
„Aber sag mal“, begann sie, als sie nach ausgiebigem Sex und einem kleinen Nickerchen zusammen in der Küche standen, und einen Obstsalat zubereiteten, „das waren alles Fotos von hier. Aber Du warst doch zwischenzeitlich auch bei uns.“
„Ja, ein Jahr als Aushilfe.“
„Warum als Aushilfe? Du warst doch längst Lehrer?“
„Eine disziplinarische Maßnahme.“
„Weshalb?“
„Hatte was mit einer Schülerin.“
Sie hatte es befürchtet. „Du stehst sehr auf sehr junge Mädchen, oder?“
„Ja. Kann ich kaum leugnen.“
„Ist das normal?“
„Weiß nicht. Für mich ja. – Aber okay, das mit der Schülerin habe ich eingesehen. Das ging nicht. Soll und wird nie wieder vorkommen.“
„Und ich?“
„Du bist keine Schülerin mehr, vor allem nicht mehr meine. Meine eigenen sind tabu. Okay. All die anderen waren Töchter von Freundinnen, so wie Mel, oder Urlaubsbekanntschaften oder Mädchen, die ich irgendwo kennen gelernt habe. Alles im Einvernehmen, natürlich. Wie bei Dir.“
Sie sah ihm tief in die Augen. „Das heißt, mir blieben noch so maximal ein, höchstens zwei Jahre, ehe ich rausfalle, oder?“
„Sag nicht sowas!“ Er trat von hinten an sie heran, sie spürte seinen Penis an ihre Poritze drücken, und sofort waren ihre Bedenken vergessen.
„Aber sag mal, hast Du keine Bilder aus der Zeit bei uns?“
„Natürlich! Warte!“ Er lief mit hoch aufgerichtem steifem Schwanz nach oben und kam dann mit einer Fototasche zurück. „Die lagen im Nachtschrank.“
„Warum dort?“
„Deinetwegen.“ Er zog die Fotos aus der Tasche, auf der mit einen dicken schwarzen Edding-Stift „Theater-AG 1996“ geschrieben stand, breitete die Fotos auf dem Tisch aus.
„Oh!“ rief sie aus. „Cool!“ Sie ergriff eines nach dem anderen. „Die kannte ich gar nicht. – Das war bei der Probe zu Romeo und Julia. Und hier unser Musical Wizard of Oz.“
„Ja, Du als Julia und Du als Zaubererin. Deine Hauptrollen.“
Sie stutzte. „Das bin ja überwiegend ich.“
„Warum wohl? Meine Lieblingsschülerin halt.“
„Warst Du Dich etwa auch in mich verliebt? So wie ich in Dich? Also... meintest Du das damals ernst, auf der Treppe, beim Abschied nach der Feier?“
„Das kann man wohl sagen. Weißt Du, Du hast es ja längst bemerkt: Ich mag junge Mädchen. Rein sexuell. Aber das ist nie etwas für lange. Das ist Spaß, für beide Seiten, Sex, Lachen, eine schöne Zeit. Aber mehr auch nicht.“ Er machte eine kurze bedeutungsvolle Pause und setzte danach fort: „Okay, das klingt, als wollte ich die Mädchen herabsetzen. So meine ich das nicht. Ich schätze sie, ich verehre sie, ich bin für sie da – aber nur für eine Zeit. Ich will nicht ernsthaft der Mann an deren Seite sein, dafür bin ich viel zu alt, das würde nicht gutgehen. Aber“, er machte wieder eine Pause, suchte nach den richtigen Worten, „in Dich habe mich richtig verliebt. Und das passiert mir nur sehr, sehr selten.“
Sie lächelte ihn verträumt an. „Das sagst Du jetzt nur so.“
„Nein. Es war gut, dass ich gehen musste. Sonst hätte ich mich hinreißen lassen, wieder mit einer Schülerin zu schlafen - mit Dir. Ich merkte, dass Du das auch gern gewollt hättest. Aber von Dir hätte ich vielleicht, nein, ganz bestimmt nicht loslassen können. Ich hätte der alte Mann an Deiner Seite für den Rest meines Lebens sein wollen. – Doch zu wissen, ich müsste Dich verlassen, war furchtbar. Ich habe versucht, mich von Dir fernzuhalten, aus der Distanz zu bewundern. Du bedeutest mir sehr viel. Als Mädchen, als Frau, als Mensch. Du warst klug, talentiert, dabei so schüchtern hinter und so mutig auf der Bühne, so mitfühlend, so begeistert, so süß. Und so hübsch.“
„Ich fand mich damals überhaupt nicht hübsch.“
„Dann schau Dir doch mal die Bilder an!“
Sie nahm eines in die Hand und lachte. „Schau mal! Du hattest mich damals überredet, in diesem Hauch von Unterhemdchen die Julia zu spielen!“
„Aber völlig nachvollziehbar – Du kamst in der ersten Szene ja direkt aus dem Bett ans Fenster und dann herunter und spieltest den ganzen ersten Akt durch.“
„Es hätte auch ein langes Nachtkleid sein können.“
„Das hier hat die Julia auf der Bühne verletzlicher, schutzloser gemacht.“
„Aber es war superkurz und hauchdünn, im Scheinwerferlicht konnte man total hindurchsehen! Ich sollte ein fleischfarbenes Unterhöschen tragen, und ich habe mich total ausgezogen darin gefühlt, vor all den Zuschauern, ich wirkte wie nackt!“
„Aber Du hast es gemacht!“
„Für Dich.“
„Nein, für das Theater. Auf der Bühne entblößt man sein Ich. Das verlangt die Rolle. Und Du sahst genauso aus, wie man sich Julia vorstellte: jung, unschuldig, rein, bildhübsch.“
„Du wolltest aber immer, dass ich so wenig tragen sollte, Du hast für mich immer die gewagtesten Kostüme herausgesucht, egal für welche Rolle.“
„Wer, wenn nicht Du? Du warst die Hübscheste von allen und die Überzeugendste – Und Du trugst immer gern kurze Sachen, auch sonst, gib es zu!“
„Ist aber was anderes auf der Bühne, wo einen alle anstarren. Hier, Du wolltest, dass ich in dieser Szene in dem Musical im knappen Body herumlaufe. Und er musste unbedingt tief ausgeschnitten sein, er musste einen extrem hohen Beinausschnitt haben, er musste hauteng und aus Spitze sein, sexy…“
„Und? Das passte zur Rolle. Das Publikum war begeistert. Du warst großartig, völlig überzeugend. Und mutig, das auch. Du sahst echt sexy aus, zugegeben.“
„Ehrlich…“, sie grinste, „wenn Du mich damals bei den Proben so angeschaut hast, ich, in diesem Body, wurde ich immer ganz feucht im Schritt. Hättest Du es von mir verlangt, hätte ich auch nackt gespielt, glaube ich.“
„Wirklich? Oh, hätte ich doch…“ lachte er. „Natürlich wollte ich Dich so sehen.“
„Und ich so vor Dir stehen. – Du hättest mich ja zum FKK mitnehmen können…“
„Genau das nicht. Die Distanz, Du verstehst. – Aber Du warst meine Muse, meine Inspiration, ich hatte noch nie so eine Lust zu arbeiten. Und Du warst auf Deine eigene unschuldige Art so sexy.“
„Leider sexy“, murmelte sie leise vor sich hin.
„Ja, ich hatte auch so manche Erektion dabei – und ich wette, die meisten Männer im Publikum auch.“
„Ups! Was ist das?“ Sie entdeckte ein Bild, in dem sie in der Künstlergarderobe des Theaters vor einem Schminkspiegel saß, fast nackt, nur in einem winzigen Spitzen-Tanga. Wie auf dem ersten Foto, das sie ihm geschickt hatte, sah man sie nur von schräg hinten, sich hier aber nicht lächelnd, sondern eher fragend zum Fotografen umdrehend, und auch ihr frecher spitzer Busen deutlich mehr im Bild. „Du hast mich heimlich in der Garderobe aufgenommen? Schäme Dich!“
„Das war ich nicht. Nur meine Kamera. Das Bild hat, glaube ich, Dori damals damit aufgenommen. Ohne mein Zutun.“
„Das soll ich Dir glauben? Na gut, dann muss ich mit ihr schimpfen, wenn ich sie mal wieder sehe. – Also hattest Du schon ein Oben-Ohne-Foto von mir. Da hätte ich mich beim ersten Mal ja gar nicht so anstellen müssen.“
„Ach, schon richtig, dass Du mir nicht gleich sofort ein explizites Nacktfoto von Dir geschickt hast. Was hätte ich denn sonst von Dir denken sollen?“
Sie stieß ihn lachend in die Seite. „Die Wahrheit: dass Du mich entjungfern solltest! – Wir haben ein Jahr Zeit vertan! Ein quälend langes Jahr.“
„Das holen wir alles nach.“ meinte er, hob sie ohne Mühe hoch und trug sie nach oben ins Bett.
Am nächsten Morgen verabschiedete er sich, er hatte wieder mal Besorgungen zu machen, er würde am frühen Nachmittag wiederkommen. Nadine schlief erstmal weiter, duschte dann draußen, frühstückte bei Else auf der Terrasse und machte einen kleinen Spaziergang. Dazu brauchte sie nur ihre Sneakers, an das Nacktsein in und um Alt-Weeslow herum hatte sie sich schon längst gewöhnt.
Wieder zu Hause räumte sie ein wenig die Küche auf und dabei die Fotos wieder vom Tisch. Sie schaute sie noch einmal ausgiebig an, packte sie dann in die Tasche und ging damit in den Vorratsraum. Wo gehörten die Fotos hin?
Auf einem Karton stand „Berlin“. Dort vielleicht? Sie sah hinein, und tatsächlich, darin lagen Fotoalben. Neugierig zog sie eines heraus und blätterte darin. Diese waren älter. Nun vergaß sie, dass sie die anderen nur hatte zurücklegen wollen und vertiefte sich in die Alben. Sie entdeckte ihren rosa bemalten Melkschemel, von der er in der ersten Mail gesprochen hatte und der einst als Requisit in einem Stück gedient hatte, sie wusste nicht mehr, in welchem, setzte sich mit dem Album darauf und schaute sich die Fotos an.
Es waren solche, die Michael als Kind zeigten, in Ost-Berlin, teils im Harz, manchmal an der Ostsee. Tatsächlich lief er da dann manchmal nackt herum, ebenso wie seine Eltern. Im nächsten Album war er schon älter, ein junger Teenager. Aber so oft es ein Foto vom Strand war, war er darauf nackt. Und auch auf Bildern vom Müggelsee.
Dann wurde es interessanter, Michael mit siebzehn, achtzehn, körperlich schon ausgereift, ein richtiger Mann. Immer öfter Nacktfotos, immer öfter mit Mädchen seines Alters.
Und dann…
Das war ihre Mutter. Grit. Eindeutig. Nadine starrte das Fotos an. Auch das nächste zeigte ihn mit ihr. Das ganze folgende Album aus den Jahr 1976 und 1977 war mit ihr. Arm in Arm, Lachend. Knutschend. Fast immer nackt.
Die beiden waren mal zusammen, und das ziemlich lange! Die kannten sich! Ihre Mutter und er!
Nach dem ersten Schock fing Nadine an zu rechnen. Ja, sie waren etwa im gleichen Alter. Und auf den Bildern war ihre Mutter 16, 17 Jahre alt. Er dann wohl auch.
Im nächsten Album war sie verschwunden. Und ein anderes Mädchen tauchte auf. Aber das Album hieß auch „Leipzig“. Michael war anscheinend weggezogen, denn Grit war da auf jeden Fall noch in Berlin gewesen.
Was hatte das alles zu bedeuten? Nadine nahm ein Album nach dem anderen und suchte nach weiteren Fotos ihrer Mutter. Und siehe da: 1978, noch einmal Grit. In Warnemünde. Das musste die Zeit gewesen sein, von der Nadine bei sich zu Hause die FKK-Fotos ihrer Mutter entdeckt hatte, Aber auf denen zu Hause war kein Michael zu sehen gewesen, hier schon. In weiteren Jahren gab es keine Spur mehr von Grit.
Und nun? Nadine lief auf und ab. Nach 1978 war ihr Vater ins Leben ihrer Mutter eingetreten. Danach war anscheinend Schluss gewesen.
In diesem Moment kam Michael in die Tür, noch ahnungslos. Nadine lief in die Kammer zurück und kam mit dem Album aus Berlin zurück.
„Was hat das zu bedeuten?“
Er seufzte. „Okay, setzen wir uns.“
Michael war auf derselben Schule wie Grit gewesen. Sie kamen mit fünfzehn zusammen. Für beide die erste Liebe, der erste Sex. Und sie blieben über zwei, fast drei Jahre zusammen, unzertrennlich. Er sagte, er sei unsterblich in Grit verliebt gewesen. Dann folgte der Umzug seiner Eltern, er musste mit, denn für ihn war die Schule zuende, Abitur war ihm zur damaligen Zeit nicht erlaubt, er begann eine Ausbildung. Die Trennung von Grit war hart, aber sie blieben zusammen, sahen sich so oft wie möglich, verbrachten 1978 den Sommer in Warnemünde, wohnten dazu in einer Wohnung bei Freunden in Rostock. Und dann machte er einen Fehler. Er ließ sich in Leipzig mit einer anderen ein. Grit erfuhr davon. Und tröstete sich mit dem, der Nadines Vater werden sollte.
Michael kam nicht über sie hinweg, und er versuchte, das war im Frühjahr 1979, sie zurückzugewinnen. Aber Nadines Vater kam dahinter, drohte ihr und ihm Schläge an. Und Grit war da schon verlobt und hochschwanger. Das änderte alles. Verlobt und schwanger war es leichter für das Paar, eine Wohnung zu finden. Kurz darauf zogen die beiden nach Oranienburg, später dann nach Potsdam.
„Das war die Geschichte mit Grit.“ schloss er. „Ich habe sie dann über sechzehn Jahre lang nicht mehr gesehen.“
„Und ich? Du weißt doch, dass ich ihre Tochter bin! Seit wann…?“
„Erst kurz bevor ich damals wegging. Glaube mir, ich hatte zuerst keine Ahnung, dass Du Grits Tochter bist, als ich Dich kennen lernte. Ich wusste nicht mal, dass Ihr da wohnt. Der Name Bauer sagte mir nichts, und Deiner Mutter bin ich damals nicht gleich begegnet. Aber dann traf ich sie, bei einer Aufführung. Wir haben uns sofort wiedererkannt. Da war mir klar, warum ich mich sofort in Dich verliebt hatte. Du warst ihr Ebenbild, Du hast mich mit jeder Bewegung an sie erinnert. – Deine Mutter sagte damals zu mir: Lass die Finger von Nadine, Michael. Du bringst Unglück! – Wir haben uns dann verabredet, auf einen Kaffee, lange geredet, in tiefer Freundschaft. Aber ich musste ihr versprechen, dass ich mich von Dir fernhalte und nie wieder melde.“
„Aber, jetzt, da hat sie doch selbst…“
„Ja, hat sie. Ich hatte Dorothea besucht, sie ist eine alte Freundin von mir, und da war zufällig Deine Mutter. Sie war nur auf einen Sprung dort und mir blieb bloß, dass sie Dich grüßen solle, Ich hätte nicht gedacht, dass sie es wirklich tut. Dann hast Du Dich gemeldet.“
Nadine schaute nachdenklich auf den Boden vor sich. „Als wir die Idee hatten, dass ich Dich besuchen komme, war sie absolut dafür. Woher dieser Sinneswandel?“
„Ich denke, ich weiß warum: sie sah, dass Du nicht über mich hinweg kamst. Sie wusste von meinem Bild in Deiner Bibel.“
„Ehrlich?“
„Ja, das hat sie mir erzählt, als wir neulich länger telefonierten. Sie wusste, weshalb sie Dich zu mir gelassen hat, auch wenn sie es nicht explizit ausgesprochen hat.“
„Aber warum hat sie so ein Geheimnis daraus gemacht?“
„Das einzige, was sie ausdrücklich verlangte war, dass ich nichts von ihrer und meiner Vergangenheit erzählen sollte. Sie wollte das alles Dir überlassen. Es sollte sich finden, ganz von selbst. Sie ließ alles zu, aber hat es selbst nicht forciert. Sie hat Dich hierher gehen lassen, und ich denke, sie wollte, dass Du noch einmal für sie durchlebst, was ich mit ihr nicht zuende führen konnte. Sie selbst wollte das nicht mehr, die Zeit war vorbei. Aber Du, Du solltest es. Aber ohne, dass Du all das wusstest. – Und nun hast Du die Bilder entdeckt. Und ehrlich gesagt, warum soll ich es Dir jetzt nicht erzählen? Jetzt, wo sich alles gefunden hat?“
„Das heißt…“, sie nahm seinen Penis in die Hand, „der da hat meine Mutter entjungfert und nun mich?“
„Genau. – Was ich Dir gestern nicht erzählt habe: Dass das Glück mit Grit so jäh unterbrochen wurde, das hat dazu geführt, dass ich nie davon lassen konnte. Alle Mädchen, mit denen ich mich tröstete, mussten sehr jung sein, höchstens zwanzig, rein, unschuldig, perfekt, am besten mit ihrer Figur. Ein ständige Suche nach Grit, der jungen Grit. Ich wurde älter, mein Traumbild blieb. Und Du warst von allen diejenige, die dem am nähsten kam. Kein Wunder also.“
„Und nun?“
„Bist Du glücklich hier?“
„Ja, sehr!“ Sie schmiegte sich an ihn.
„Dann genießen wir das.“
„Soll ich sie anrufen?“
„Ja.“
*
„Bist Du glücklich?“ war Grits erste Frage.
„Ja.“
„Ich freue mich.“
„Er ist wunderbar.“
„Ich weiß.“
Nadine erzählte von ihm, von Alt-Weeslow, vom Nacktsein, ließ auch Einzelheiten vom Sex mit ihm nicht aus.
„Dann hat sich alles wunderbar gefügt.“ meinte ihre Mutter zum Schluss. „Ich hole Dich in vier Wochen ab.“
Nach dem Gespräch wurde Nadine klar, dass die verbleibenden Wochen ebenso gut eine lange Zeit werden als auch recht schnell vorbei sein konnten – und dann? In diesem Moment konnte sie sich gar nicht vorstellen, Michael wieder verlassen zu müssen. Aber sie hatte noch soviel anderes vor sich, Studienplatzsuche, Umzug, neue Stadt… Ach, sie wollte es einfach auf sich zukommen lassen.
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Nadine blieb noch vier Wochen und einen Tag. Der Sommer hielt, was er von Anfang an versprach, sie war am Ende braun gebrannt wie noch nie in ihrem Leben und das absolut nahtlos an jeder Stelle ihres Körpers. Der Sex mit Michael Schneider, ihrem ehemaligen Lehrer, war immer noch so schön und erfüllend wie bei ihrem ersten Mal. Der Abschied fiel beiden sehr schwer. Am letzten Tag kam ihre Mutter und holte sie ab. Es gab Tränen und viele Umarmungen. Grit erkannte, wie ernst es den beiden miteinander war.
Nadine und Michael blieben zusammen, viele Jahre lang. Wenn auch nicht als festes Paar, so doch in einer innigen, aber offenen Beziehung. Nadine wurde die Mutter seiner Tochter. Die beiden hatten all die Jahre wunderschönen Sex miteinander, aber auch mit sehr vielen anderen, hatten zwischendurch immer wieder andere Lebenspartner, andere Affären, andere Bettgeschichten, aber stets blieben sie sich auf ihre eigene Weise treu und verbunden.
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