Der Weg meiner Urgroßmutter zur Varietee-Tänzerin!
Meine beiden Zwillingstöchter waren jetzt fast ein Jahr alt. Zusammen mit meinem Mann statteten wir meiner Großmutter mütterlicherseits einen Besuch ab. Sie war fast 90 Jahre alt, körperlich etwas eingeschränkt, aber geistig noch völlig fit. Mit etwas Hilfe im Haushalt bewohnte meine Oma eine kleine Zweizimmerwohnung. Dass sie so richtig aufblühte, als wir sie mit ihren beiden Urenkelinnen besuchten, versteht sich von selbst.
HINWEIS:
Diese Geschichte ist auch als Hörspiel auf YouTube verfügbar: https://youtu.be/rZE0WNphlPo
Aber es gab noch einen anderen Grund für unseren Besuch. Meine Großmutter hatte eine Benachrichtigung erhalten, dass die Nutzung eines Bankschließfachs abgelaufen sei, zu dem sie als Eigentümerin eingetragen war. Auf dem Rückweg fuhren wir ausgestattet mit der nötigen Vollmacht meiner Großmutter bei der Bank vorbei. Während mein Mann mit den beiden Mädchen im Auto wartete, ging ich in die Bank, um den Inhalt des Schließfachs stellvertretend für meine Großmutter in Empfang zu nehmen.
Die Formalitäten waren schnell erledigt und ich staunte Bauklötze, als ich den Inhalt ausgehändigt bekam: Rund zwanzig kleine Bücher, mit fein säuberlichen, handschriftlichen Eintragungen in alter deutscher Schrift, immer mit einem Datum versehen. Und Schmuck! Mehrere Perlenketten, Armringe und Broschen, ein Diadem aus Gold und andere Schmuckstücke. Es wirkte auf mich wie ein kleiner Schatz. Ich entschied mich, alles erstmal so mitzunehmen und zu Hause genauer anzuschauen. Das erste Buch begann mit:
"Martha Schröder, geboren am 23.04.1905 in Kleinvorberg, Pommern, Deutsches Reich"
Es waren die Tagebücher der Mutter meiner Oma, meiner Urgroßmutter.
Anfangs bereitete es mir große Schwierigkeiten, die alt deutsche Schreibschrift zu lesen. Aber es war alles sauber und ordentlich geschrieben und mit etwas Übung kam ich gut damit zurecht. Die Lektüre fesselte mich. Wann immer ich eine freie Minute fand, vertiefte ich mich in die Tagebücher meiner Uroma und gebe hier eine Zusammenfassung davon in modernem Deutsch wieder:
>>Mein Name ist Martha Schröder. Ich wurde am 23.04.1905 in Kleinvorberg, Pommern, Deutsches Reich geboren. Mutter: Elisabeth Schröder, Magd, Vater unbekannt.
Ich wuchs als uneheliche Tochter der Magd Elisabeth Schröder auf dem Bauernhof auf, auf dem meine Mutter arbeitete. Als sie starb, war ich zwölf Jahre alt und verließ die Schule, in der ich Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt hatte, um auf dem Bauernhof meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Arbeit war hart und außer freier Kost und Unterkunft erhielt ich nicht mehr als ein kleines Taschengeld.
Als ich vierzehn Jahre alt war kam ein Agent in unser Dorf, der Haushaltshilfen für reiche Familien in Berlin suchte. Die Voraussetzungen waren gering: Man musste mindesten 14 Jahre als sein und schon mal im Haushalt gearbeitet haben. Das versprochene Gehalt wirkte im Vergleich zu dem, was ich in meinem Dorf verdienen konnte, regelrecht fürstlich auf mich. Ich erkannte meine Chance und nutzte sie.
Schon die Zugfahrt nach Berlin war aufregend für mich. Es war die erste Zugfahrt meines Lebens. Und dann die große Stadt Berlin. Hohe Häuser, ein Geschäft neben dem anderen, viele Menschen, nachts alles beleuchtet. Ich kam mir vor wie auf einem anderen Stern.
Ich fing meinen Dienst in der Villa eines Unternehmers und seiner Frau an. Sie hatten zwei Kinder, einen Jungen mit Namen Otto, der ein Jahr älter als ich war und eine fast erwachsene Tochter. Während sie mich duzten, redete ich beide mit 'Sie' an. In unserem Dorf wäre ich nie auf diese Idee gekommen, aber hier ging es wohl darum, Standesunterschiede deutlich zu machen
In dem Haus gab es eine Haushälterin, die mir sagte, was ich zu tun hatte: Putzen, Gemüse schneiden, Wäsche waschen, Geschirr spülen usw. Wenn am Wochenende Gäste im Haus waren, bekam ich eine besonders feine Uniform und bediente die Herrschaften im Speisesaal. Das gefiel mir dann besonders gut. Ansonsten begann mein Arbeitstag morgens früh und endete abends spät. Einen Tag in der Woche hatte ich frei.
Ich hatte oben unter dem Dach ein kleines eigenes Zimmer mit einem Bett, einem kleinen Tischchen und einem großen, leicht vergilbten Spiegel an der Wand. Die Kammer war nur durch eine löchrige Bretterwand vom übrigen Dachboden abgetrennt. Morgens und abends holte ich mir eine Schüssel mit warmem Wasser, um mich in meinem Zimmer zu waschen. Dabei betrachtete ich mich immer gerne nackt in dem Spiegel. Mir gefiel mein Körper. Dann begann ich, mit meinen Händen über meine Brüste, meinen Bauch und durch mein Schamhaar zu streichen. Drehte mich auch um und betrachtete meinen Hintern im Spiegel.
Nach und nach fand ich immer größeren Gefallen an den angenehmen Gefühlen, die es in mir hervorrief, wenn ich mich mit der Hand zwischen meinen Beinen streichelte. Meine Atmung wurde schneller und tiefer und mein anfängliches zartes Berühren wurde immer kräftiger, bis ich Schwierigkeiten hatte, dabei nicht zu laut zu werden. Ja, ich kostete es immer mehr aus. Es wurde zu meinem Ritual: Nach einem arbeitsreichen Tag belohnte ich mich vor dem Schlafengehen damit, nackt vor dem Spiegel meinen Körper anzufassen.
Bis mir auffiel, dass sich da jemand auf der anderen Seite der Bretterwand befand, die mein kleines Zimmer vom Rest des Dachbodens abtrennte. Nach einem kleine Schock zog ich mir mein Nachthemd an und legte mich ins Bett, um darüber nachzudenken, was ich tun sollte.
Wer mochte derjenige sein, der mich da beobachtete? Der Hausherr? Sein Sohn? Seit wann beobachtete er mich? Beobachtet er mich überhaupt oder war er nur zufällig auf dem Dachboden? Wenn ja, warum? Mein Verdacht viel auf den fünfzehnjährigen Sohn der Familie.
Was sollte ich tun? Rübergehen und ihn zur Rede stellen? Mich beim Hausherrn beschweren? Mit seinen strengen Moralvorstellungen würde er das sicher nicht akzeptieren. Aber würde er mir glauben? Oder war es am Ende er, der mich beobachtete?
Waschen musste ich mich weiterhin in meinem Zimmer, wo hätte ich das sonst tun sollen? Ich beschloss, mich erstmal abends nur noch zu waschen und mich nicht mehr selbst anzufassen. Ich drehte mich auch nicht mehr dabei um, so dass wer immer mich da beobachtete, nur noch meine Hinterseite zu sehen bekam. Vielleicht würde es ihm dann ja langweilig.
Da hatte ich mich geirrt. Immer wieder bemerkte ich, dass mich jemand abends beim Waschen beobachtete. Etwas ganz anderes passierte: Ich fing an, Gefallen daran zu finden. Ich genoss es immer mehr, dass da jemand meinen nackten Körper beobachtete. Ich fing auch wieder an, mit den Händen über meine nackte Haut zu fahren und mich selbst zu streicheln, je sicherer ich mir war, dass ich beobachtet wurde. Ich bot meinem Beobachter, der vermutlich der Sohn der Familie war, jedes mal wenn er da war, eine kleine Vorführung.
Dann wollt ich doch wissen, wer derjenige auf der anderen Seite der Bretterwand war. Noch bevor ich mich abends zum Waschen ausgezogen hatte, verließ ich noch mal mein Zimmer. Ich gab mir Mühe überrascht zu wirken als ich ihn fragte:
"Oh. Hallo Otto, was machen Sie denn jetzt noch hier?"
Seine Antwort: "Ach, ich suche noch etwas in den alten Kisten!"
Als gutes Dienstmädchen bot ich natürlich meine Hilfe an: "Kann ich Ihnen dabei helfen?"
"Nein! Nein! Ich habe es schon gefunden."
Ich ging wieder zurück in mein Zimmer. Es war also wie vermutet der fünfzehnjährige Sohn der Familie, der ab jetzt wissen musste, dass ich davon weiß, dass er mich beobachtet. Mir gefiel der Gedanke. Und ich wollte ihn auch nicht enttäuschen. Regelmäßig zog ich meine kleine Show vor meinem Spiegel für ihn ab. Einmal hatte er Besuch von einem gleichaltrigen und es war nich schwer für mich zu erraten, dass sie beide hinter der Bretterwand saßen.
Manchmal malte ich mir aus, wie es sein würde, wenn Otto zu mir ins Zimmer käme. Wenn nicht ich, sondern er meinen nackten Körper streichelte. Oder mir gingen Märchen durch den Kopf, in denen ein Prinz ein einfaches Bauernmädchen heiratete. Aber Otto fehlte der Mut zu mir ins Zimmer zu kommen. Überhaupt: Was würde sein sittenstrenger Vater dazu sagen. Mit ihm hätte schon richtig Ärger, wenn er wüsste, dass Otto mich nackt beobachtet.
Es war eine andere Bekanntschaft, die mein Leben für immer ändern sollte. An einem meiner freien Tage traf ich Grete in einem Park. Sie arbeitete als Nackttänzerin in einem Varietee Theater und mich faszinierte die Welt von der sie erzählte. Bis sich für mich die Gelegenheit ergab, selbst in ihre Welt einzutreten...
Davon mehr in der nächsten Geschichte.
Kommentare
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Unspektakulärer Beginn. Schaun wir mal, was draus wird.
Ist doch ein vielversprechender Anfang. Mir gefällt das Konzept und ich bin gespannt, was Martha im Berlin der 20er-Jahre noch so erleben darf. Gerne mehr.
@Bobinator
Danke für den positiven Kommentar. Der nächste Teil kommt am Samstag!