Nicht gesucht und doch gefunden
Hallo ihr Lieben,
nach doch recht sehr langer Zeit hier diesmal wieder ein Text von mir, nicht von meinem Gebieter W.. Es ist ein bearbeiteter Auszug aus meinem Tagesbuch, vor über zwanzig Jahren verfasst, etwas abgeändert. Autofiktional schildert er im ersten Teil den Beginn unserer D/s-Beziehung.
LG aus Wien
Constanze
Nicht gesucht und doch gefunden
Wir trafen uns im ICE, W. war höflich, charmant, zuvorkommend, Würzburg bis Wien-West, acht lange Stunden gemeinsamer Fahrt, viel Zeit...
»Ist hier noch frei?«
Der Angesprochene machte eine einladende Geste, schob seine vor ihm auf dem Platztischchen liegende Akte beiseite, klappte seinen Laptop zu, ließ ihn in der Aktentasche verschwinden und machte mir so Platz.
»Kann ich Ihnen helfen?«, waren W.s erste Worte - unser Running Gag seither -, erhob sich, griff beherzt meinen Koffer und schob ihn in die Gepäckablage.
Ich betrachtete mein Gegenüber, der Mann gefiel mir auf unerklärliche Weise, warum? War es seine spontane charmante Art, seine Ausstrahlung, seine angenehme Stimme mit diesem bestimmenden Unterton, sein sympathisches, erfrischendes, manchmal schallendes Lachen, sein freundliches Gesicht mit den graublauen Augen, dem etwas wildem Vollbart, seine sonstige Erscheinung konnte es eigentlich nicht sein, keineswegs war er das Abbild eines Traummannes und Traummänner, die gibt es eh nicht.
Als der Zugbegleiter vorbeikam, winkte er ihm und fragte, mir zugewandt: »Darf ich Sie zu etwas einladen?«
Er bestellte mir einen Weißwein, sich ein Bier, das passte zu ihm.
Rasch entwickelte sich ein angeregtes Gespräch, ein Gespräch auf einer Ebene, auf der ich mich nie zuvor mit einem fremden Mann nach so kurzer Zeit unterhalten hatte. Er war gewohnt zu reden, konnte sich gewandt, aber ungekünstelt ausdrücken, wählte seine Wörter mit Bedacht, wog sie ab, verstand es, mit Wortspielen umzugehen, hatte Witz und einen hintergründigen, mitunter spitzbübischen Humor, dem ich sofort erlag. Es brauchte nicht viel, um zu erkennen: Constanze, du sitzt einem interessanten Mann gegenüber, der Respekt, Achtung, aber auch Dominanz ausstrahlte.
Er konnte ebenso unterhaltsam, spannend und mit Witz, aber ohne Schmäh über sich selbst erzählen. So erfuhr ich rasch, dass er aus Norddeutschland kam, was sein akzentfreies Deutsch unschwer erahnen ließ, er ungebunden sei, ein kleines Haus in Ungarn besaß. Sein Elektroingenieurstudium hatte er, wegen familiärer Umstände, abbrechen müssen, war jetzt dennoch in leitenden Funktionen im Bereich Eisenbahnen. Aus seinen Worten sprach Begeisterung, ich spürte, dass seine Tätigkeit Berufung war. Mir gefiel diese andere Art von Ehrgeiz oder besser, Zielstrebigkeit, zeugte sie doch von Klugheit, Entschlossenheit, Durchsetzungsvermögen und Beharrlichkeit. Eigenschaften, die ich bei einem Mann schätzte. Es passte zu diesem Mann, dass er Interesse am Zeitgeschehen und an Kunst und Kultur hatte, belesen war. Er war aufgeschlossen, besaß eine progressive, gefestigte politische Einstellung, die Überzeugung ausdrückte und die ich mit ihm teilte. Dass er Spaß am Kochen hatte, gefiel mir. Eine Leidenschaft, bei der ich passen musste. Mama hätte ihn sogleich als Schwiegersohn auserkoren. Ein Schmunzeln huschte über mein Gesicht.
Als ich von meinem Leben, dem sozialen Umfeld, von meinen beruflichen Tätigkeiten als Juristin und als Musikwissenschafterin, von meinen etwas komplizierten Familienverhältnissen erzählte, hörte er aufmerksam zu, lächelte sympathisch, schmunzelte mitunter und stellte zuweilen Fragen, die nur jemand stellte, der wirkliches Interesse an mir zeigte. Interessant fand er die Tatsache, dass sich meine Atelierwohnung in Hietzing, vis-à-vis des Schlossparks, im selben Haus wie mein Büro, meine Kanzlei befand.
Wir sprachen über persönliche Vorlieben und Hobbys. Zu meiner Freude stellte sich rasch heraus, dass er meine Begeisterung für die Musik der ›Sträusse‹ und für Barockmusik teilte.
Dieser Mann interessierte sich für mich und ich mich für ihn.
Sein Kenntnisreichtum über Wien und Österreich: politisch, geschichtlich, geografisch, kulturell, versetzte mich in Staunen, er kannte sich gewiss besser aus als die meisten österreichischen Zeitgenossen.
Bald hinter Nürnberg waren wir beim ›Du‹, nannten uns beim Vornamen, verrieten einander unsere Geburtstage, tauschten Visitenkarten aus.
Unsere Unterhaltung wurde intensiver, ging mehr und mehr in die Tiefe, die Inhalte wurden privater, wurden intimer. Die Themen flogen uns nur so zu, wir redeten, hörten konzentriert einander zu, machten gegenseitig Einwürfe, fielen uns aber auch ins Wort, wenn das Argument so gewichtig erschien, dass es auszusprechen keinen Aufschub duldete, ließen es aber auch wechselweise zu, lange Gedankengänge zu Ende zu entwickeln, Argumente auszuformulieren.
Über das kleine Tischchen hinweg näherten wir uns, scheu, zuerst zaghaft ergriffen wir gegenseitig unsere Hände. W. hatte schmale, schlanke Hände, denen man jedoch ansah, dass er mit diesen Händen auch schon gearbeitet hatte. Am Ringfinger der rechten Hand trug er einen schlichten, aber sehr geschmackvollen Ring, ein Ehering?
W. bemerkte meinen intensiven Blick.
Einen kurzen Moment war es mir unangenehm, fühlte mich ertappt.
»Ein sehr geschmackvoller Ring!«, sagte ich ein bisserl verlegen.
W. lächelte, blickte einen Augenblick nachdenklich aus dem Fenster, dann erzählte er mit großer Offenheit, dass es sein Partnerschaftsring einer Freundschaft mit einer jüngeren Ungarin hätte werden sollen, die vier Jahre zuvor durch einen tragischen Autounfall aus dem Leben gerissen worden war. Seither trage er ihn am linken Ringfinger. Seine Worte bewegten mich, ich war betroffen. Unwillkürlich streichelte ich seine Hand, strich über den Ring und schaute ihm tief in seine blaugrauen Augen.
»Entschuldige W., ich wollte keine schmerzhaften Erinnerungen wecken!«
Er lächelte, küsste mir sacht die Hand, die ihn streichelte, diese Geste wühlte mich auf, ließ mich vibrieren. Dann sah er mich an, mit einem Blick, der mich traf, wie lange kein Blick eines Mannes mich mehr getroffen hatte, fand den Weg in mein Inneres, ihn auszuhalten war mir nicht möglich, und so schaute ich abrupt ziellos aus dem Fenster, die vorbeiziehende Landschaft verschwamm.
»Den zweiten Ring konnte ich meiner Freundin übrigens nie aufstecken, sie war vorher verunglückt. Anfangs, wenn die Trauer zu mächtig wurde, hörte ich viel Barockmusik, besonders ›Lascia ch'io pianga‹ die Arie der Almirena aus Händels Rinaldo mit Magdalena Kožená in Endlosschleife.«
Mein Herz machte einen kleinen Satz, sollte das ein versteckter Wink der Fügung sein. Ich liebte diese Arie, hörte sie oft wenn ich meinen masochistischen Phantasien beim Masturbieren nachhing.
»Ja, eine wunderbare Arie, ein Klagelied, das tief ans Herz geht.«
W. hatte mir meine Gelassenheit geraubt, zog mich auf unerklärliche Weise in seinen Bann. Die gesichtslosen Männer meiner nächtlichen Phantasien, meiner Tagträume zu denen ich onanierte, hatten plötzlich eine Projektionsfläche. Konnte dieser Mann meine masochistischen Vorstellungen real werden lassen?
Ich hatte immer mit solchen Phantasien gelebt, schon als kleines Mädchen ließ ich mich beim Räuber und Gendarm spielen fesseln, empfand nicht beschreibbare Gefühle dabei. Mir jetzt vorzustellen, diese Träume, Bilder könnten real werden, war das eine, zu erleben, dass es tatsächlich so sein würde, wäre etwas ganz anderes.
Der Gedanke daran ließ mich feucht werden.
»Woran denkst Du gerade, Constanze?«
W. riss mich aus meinen Gedanken, ich blickte ihn etwas verlegen an.
»Warst Du gerade woanders?«
»Ja, entschuldige!«
»Darf ich fragen, wo hat es etwas mit mir zu tun?«
Ich zuckte zusammen und wurde rot. »Ja, ein bisserl!«
»Darf ich es wissen?«
Ich schüttelte mit dem Kopf, ich war noch nicht so weit. Ich musste ihn und mich noch besser prüfen.
»Dann war es bestimmt etwas Schlimmes?«, meinte W.
Ich lächelte W. an: »Nein, nichts Schlimmes!«
Der Zugbegleiter kam durch, fragte nach Wünschen aus dem Speisewagen.
»Ich denke, wir nehmen nochmal das gleiche, oder?«
Ich widersprach nicht, hatte mich wieder gefasst. Irgendwie war der Gesprächsfaden gerissen, ich suchte einen neuen Einstieg, Literatur erschien mir geeignet.
»W., was liest Du so?«
Er brauchte nicht lange zu überlegen: Sachbücher, politische Literatur, Romane mit zeitgeschichtlichem oder historischem Hintergrund, Lyrik eher nicht. Auch höre er beim Autofahren gerne Hörbücher.
»Und Du?«
»So ähnlich und viel Fachliteratur, wie Du wahrscheinlich auch.«
W. nickte und dann kam die folgenschwere Frage.
»Auch erotische Literatur?«
Ich wurde verlegen, W. spürte es, kam mir zu Hilfe.
»Mein erstes erotisches Buch, das ich mit hochrotem Kopf in einem Kaufhaus erstand, da war ich wohl fünfzehn oder sechzehn, ein rororo-Taschenbuch, war die ›Geschichte der O‹. Ich habe damals auch den Film gesehen, im Autokino in Hannover-Messe, ein Freund von mir hatte schon ein Auto, einen grünen Käfer.«
W. hatte mich auf dem falschen Fuß erwischt, er schien es zu spüren und nahm mich scharf ins Auge, sah mich durch-dringend an.
»Kennst Du den Inhalt?«, fragte er mit veränderter Stimme, mit fester Stimme, dabei fasste er, drückte er meine rechte Hand.
Ich konnte nicht antworten, nur nickten.
W. ließ nicht locker. »Kannst Du Dir vorstellen, dass es so etwas wie die Geschichte der O im Realen gibt, dass eine Frau solche Kleider trägt, sich ihrem Geliebten so bedingungslos unterwirft, sich fesseln, schlagen und vorführen lässt?«
W. suchte meinen Augenkontakt, dem ich nicht ausweichen konnte, er hatte ein Netz ausgeworfen, in dem ich mich verfing, ihm nicht mehr auskommen konnte.
»Ja, das kann ich mir!«, antwortete ich in großer Offenheit, meine Spontanität erschreckte mich. W. zog die Brauen hoch, nahm mich wieder fest in den Blick, drückte meine Hände, dass es fast schmerzte.
»Aber so ein Kleid könnte ich nicht tragen.«
Meine Hände loslassend, schaute W. mich fragend an.
Dann tat ich etwas, was ich zuvor nie gegenüber einem Fremden getan hatte, ich erzählte von meiner Krebserkrankung, von meiner Angst, vom Entschluss zu der radikalen Operation mit dem Verlust meiner Brüste und dem Verhalten meines damaligen Ehemanns. Jetzt war es W., der mir aufmerksam zugehört hatte, erkennbar betroffen war. Er stellte keine Fragen, kommentierte nichts, musste sich erst fassen. Seine natürliche Empathie, die ich spürte, tat mir gut. Dieser Mann verstand mich.
W. ergriff erneut meine Hände, jetzt sanft, streichelte sie zärtlich. Ich begann zu zittern. In mir brodelte es, mir wurde warm, ich spürte, wie mehr Nässe sich zwischen den Lippen meiner Spalte sammelte. Ich begann mir zu wünschen, mich diesem Mann, den ich erst vor wenigen Stunden kennengelernt hatte, zu ergeben.
»Constanze, Du bist eine außergewöhnliche und starke Frau!«
Ich wurde rot und wir schwiegen.
»Darf ich Dich etwas fragen?«
Ich nickte.
»Hast Du Deine Entscheidung zu diesem radikalen Schritt von damals je bereut?«
»Nein, nie!«
»Ich mag Dich, ich mag starke Frauen! Und eine starke Frau braucht einen starken Mann!«
Was meinte er damit? War das ein Angebot? Meine Masturbationsphantasien wollten aus der Nische, in die ich sie verbannt und die Tür verschlossen hatte, heraus. W. öffnete sie einen Spalt, weit genug?
Lange hatte ich große Furcht vor so einer Situation, vor so einem Moment, davor, einem Mann zu begegnen, der mich, trotz des ›Makels‹ keine Brüste mehr zu besitzen, so annahm, wie ich war. Gab es überhaupt einen Mann, der mich, eine Frau über vierzig, schlank, sportlich, gewiss attraktiv, selbstbewusst, emanzipiert, zudem beruflich sehr erfolgreich, vielleicht zu erfolgreich für manche Männer, begehrte; mit meiner flachen, glatten Brust, zwei, zwar verblassten, aber noch immer erkennbaren Operationsnarben? Aber die Furcht ging tiefer, fand ich einen Mann, der akzeptieren würde, dass ich mich ihm sexuell devot unterwerfen wollte, der mich fesseln, schlagen, peitschen, mich nehmen würde, wann und wo immer ihm danach war und der mich dennoch respektierte, mich achtete?
War W. dieser Mann? Ja vielleicht, jedenfalls hatte er mich aus der Fassung gebracht, ich begehrte ihn, stellte ihn mir in der Rolle meines Gebieters vor, in der ich mich ihm devot unterwerfen würde, mich von ihm fesseln und schlagen lassen. Noch nie hatte ein Mann mich geschlagen, wäre W. der Erste? Er übte eine für mich unerklärliche körperliche Anziehungskraft und Dominanz aus, der ich nichts entgegenzusetzen hatte. Konnte und wollte ich mich auf ihn einlassen?
Der Wein drückte, ich musste auf Toilette, was ich eigentlich im Zug vermied, griff nach meiner Handtasche.
»Entschuldige, W.!«
Mein Strahl prasselte mit metallisch-hellem Geräusch in das Edelstahlbecken. Mit einem Taschentuch aus meiner Handtasche wischte ich mich trocken, meine Vulva war klatschnass. Die nachgewachsenen Stoppeln an meiner Muschi, auf meinem Hügel störten mich plötzlich, noch am Morgen hatte ich mich nicht schon wieder rasieren wollen. Meine Schamlippen und die hervorstehende Klitoris waren längst angeschwollen, in meinem Unterleib pulsierte es. Das Taschentuch duftete nach mir, nach meiner Lust. Ich war versucht, hier und jetzt zu onanieren, der nüchterne Verstand der Juristin sagte nochmal nein. Langsam beruhigte ich mich wieder. Ich betrachtete mich im Spiegel: Ich schaute derangiert aus, hatte einen hochroten Kopf, auch standen mir Schweißperlen auf der Stirn. W. konnte meinen Zustand wohl kaum übersehen haben. Rasch richtete ich mich wieder her, tupfte die Stirn trocken, erneuerte und verstärkte die dunkelroten Konturen meiner Lippen, zog die Augenbrauen nach, trug etwas neues Parfum am Hals auf und zupfte meine Haare zurecht.
Was trieb mich an, plötzlich diesen fatalen Schritt zu machen, den ich zuvor noch nie getan hatte, den mir vorzustellen, ich noch vor wenigen Stunden für unmöglich gehalten hätte. W. hatte mich auf eine Art fassungslos gemacht, ein Gefühl, das die emanzipierte Frau, die Juristin bisher nicht kannte, der es nicht gelang, dass sich mein rationaler Verstand durchzusetze, den Schritt nicht verhindern. Kurzerhand entledigte ich mich meines weißen Seidentops und des feuchten Spitzenhoserl. Beides verschwand in der Handtasche. Hatte ich mich so unvermittelt in W. verliebt, dass ich etwas tat, was ich bisher, bis vor zwei Stunden für ausgeschlossen gehalten hätte? Nackt unter Rock und Kostümjacke, nur sie verbarg jetzt noch meine flache, glatte Brust mit den kaum mehr sichtbaren feinen Narben, den Rock zurecht gezogen, mit einem letzten Blick in den Spiegel verließ ich die Toilette. Zwei Frauen warteten bereits ungeduldig, schauten mich ein bisserl missvergnügt an.
Als W. mich sah, erhob er sich, sollte ich mich vertan haben, oder war da eine Beule in seinen Jeans? Er sah mich einen Moment länger an, es konnte ihm kaum entgangen sein, dass ich das weiße Seidentop nicht mehr trug. Schlagartig wurde ich wieder unruhig, mein Herz klopfte mir bis in den Hals, ich begehrte diesen Mann tatsächlich und er mich offensichtlich auch.
»Ich habe mir erlaubt, uns noch etwas zu bestellen.«
Zwei Piccolos standen auf dem Tischchen.
»Gib‘s was zu feiern?«, tat ich aufgesetzt naiv.
»Ja und Du, Constanze, weist es!«
W. wartete, bis ich mich gesetzt hatte, dann öffnete er die Fläschchen und schenkte die Gläser ein, setzte sich auch. Wir stießen an.
»Auf den glücklichen Zufall, der uns zusammengeführt hat, liebe Constanze!«
Hastig nahm ich einen großen Schluck.
»Hat Dir das ein Mann schonmal gesagt, Constanze, was für einen zauberhaften Gang Du hast und Deine Beine wunderschön sind!«
Dieser Mann machte mich, die sonst so taffe und selbstbewusste Frau, verlegen.
»Jetzt ja, danke für das Kompliment, W.!«
»Und zweitens, Dein Kostüm steht Dir phantastisch, Du weißt Dich sehr erotisch zu kleiden! Und Du hast eine traumhafte Figur, wie ein junges Mädchen!«
In W.s jetzt fester Stimme lag dennoch viel Wärme, es war kein billiger Flirt, er rührte mich an, er warb um mich, er schmeichelte mir, war er tatsächlich für mich entbrannt? Ich rutschte in dem Sitz nach vorn, spreizte die Beine, öffnete sie für W.
W. beugte sich zu mir herüber, ergriff meine Hände und näherte sich meinem Gesicht, ich kam ihm entgegen. Sein Kuss, erst zaghaft meine Lippen berührend, als ich mich ihm öffnete, wurde er fordernder, war voller Leidenschaft und doch zärtlich. W. küsste mich, nicht wir uns, ich gab mich ihm völlig hin, seine Zunge suchte die meine, spielte mit ihr, stieß sie, umkreiste sie, erkundete meine Mundhöhle, fuhr die Reihe der Zähne entlang. Dieser innige, von Verlangen erfüllte Kuss brachte meine Schamlippen zum Vibrieren, mein Becken zum Rotieren, meinen Bauch zum Kribbeln, ich war wurlert. Der Kuss dauerte eine gefühlte Ewigkeit, als sich W. von mir löste, lächelte er, strich mir mit dem Handrücken über meine Wangen. Noch nie hatte mich ein Mann so geküsst. Jetzt, hier gab es nur W. und mich. Begann hier eine Liebesbeziehung? Mindestens eine Affäre.
Ich rutschte nach vorne, W.s rechte Hand wanderte unter den Tisch, seine Finger erkundeten meine Oberschenkel, zog die Augenbrauen hoch, als er realisierte, dass ich kein Slip trug, wurde fordernder, suche meine Schamlippen, spielte mit ihnen, öffnete sie weiter, ließ mich Erbeben, meinen Nektar noch heftiger rinnen. Erst ein, dann zwei Finger drangen in mich ein, meinen Saft aufzufangen. Um mein Stöhnen zu ersticken, drückte er seine Lippen auf die meinen. Ich rang nach Atem, ließ mich weiter in den Sitz sinken, noch weiter nach vorne rutschen, der mich penetrierenden Hand entgegen. Seine Finger suchten die Tiefe meiner warmen Höhle, fand meinen G-Punkt, eine Berührung, die mich erschütterte, mich kommen lassen wollte. Nein, nicht hier, rasten mir die Gedanken durch den Kopf. Mit einem kaum hörbaren Schmatzen verließen seine Finger sacht meine warme nasse Grotte, nur um sie sich genussvoll, lasziv in den Mund zu stecken, benetzte sie mit seinem Speichel, hielt sie mir unter die Nase. Sie dufteten nach mir und nun auch nach W., hielt sie mir hin, sie mit gerundeten Lippen ebenso abzuschlecken.
Dass wir beobachtet wurden, störte uns nicht, auch nicht, dass ein älteres Paar auf den gegenüberliegenden Plätzen jenseits des Gangs tuschelte. Am nächsten Halt stiegen sie aus, der Zug leerte sich zusehends, sodass wir bald recht ungestört waren.
Wir sahen uns schweigend an. Vieles ging mir durch den Kopf, ich hatte meinem Gegenüber etwas zugelassen, was ich nie zuvor einem Mann gestattet hatte. Meine erotischen Phantasien hatten begonnen, sich selbstständig zu machen. War W. wirklich der Mann, dem ich mich einerseits, seiner Dominanz unterwerfen würde können und der mich andererseits als emanzipierte, eigenständige Frau auf Augenhöhe nicht nur respektieren, sondern auch als Partnerin lieben, mir Nähe und Geborgenheit geben konnte? War W. überhaupt ein so dominanter Mann, könnte er mein Herr und Gebieter werden? Welche Risken ging ich mit diesem Mann ein?
»Worüber denkst Du nach, Constanze? Über uns?«
»Bitte W., gib mir bitte Zeit!«
Er nickte verständnisvoll und sah selbst sehr nachdenklich aus dem Fenster, es war bereits finster geworden, sein Gesicht spiegelte sich in der Scheibe. Er schaute jetzt ernst, hatte er ähnliche Gedanken. Wieder schwiegen wir. W. suchte meine Hände und ergriff sie, versonnen bewegten sich seine Daumen über meine Finger, spielten mit ihnen. Seine innige Geste war voller Zuneigung und Zärtlichkeit.
In diesem Moment war ich mir gewiss, er ist es und kein anderer.
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