Meine 1. Geschichte


Simon27

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08.04.2019
Exhibitionismus

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Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich anders bin. Woran ich das festgestellt habe? Nun ja, zum einen mag es vielleicht daran liegen, dass ich mich anders kleide, als es der Großteil der Gesellschaft von einer jungen Frau mit Anfang zwanzig von einem erwartet. Ich kleide mich nämlich sehr aufreizend und zeige sehr sehr viel Haut. Was auch im Grunde der Anlass dafür ist, dass ich vor weniger als einem halben Jahr von meinen Eltern aus ihrem Haus geworfen worden bin. Im Grunde sollte es für mich eine Bestrafung sein, aber im Nachhinein hat sich das Ganze für mich nur zum Positiven hin entwickelt. Seitdem habe ich eine kleine Wohnung in der Innenstadt bezogen und kann dort nun tun und lassen was ich möchte. Ich kann mir anziehen oder auch nicht anziehen was ich möchte. Oder wenn ich mag, ist es mir nicht verboten, komplett ohne Klamotten den Müll in die Tonne im Hinterhof des Hauses zu bringen, der ohnehin von einer hohen Mauer umgeben ist. Und die Nachbarn im Haus haben mich auch bereits alle nackt gesehen, von daher kennen mich die meisten schon in meinem sonderbaren Outfit.

Seit nun einem Monat habe ich auch einen Freund, der es ebenfalls wie ich mag, sich nackt zu zeigen beziehungsweise so zu leben. Da er bereits arbeiten geht, ich aber noch studiere, bin ich in der Regel tagsüber alleine zu Hause und kann meiner Leidenschaft ungestört nachgehen. So habe ich mir angewöhnt, wenn es an der Haustüre klingelt, immer nackt zu öffnen. Egal ob es der Pizzabote, oder aber der Paketdienst oder eine Nachbarin ist, die mir ein Päckchen geben möchte. Gerade stehe ich im Badezimmer und mein Freund sitzt auf der Couch im Wohnzimmer und schaut etwas Fernsehen. Ich bin dabei, mir meine Schambehaarung etwas zu stutzen, denn obwohl ich eigentlich für den Naturlook plädiere, muss ich hin und wieder etwas Ordnung da unten schaffen. Es wird dann nur hier und da etwas weggeschnitten. Niemals würde ich mir eine komplett enthaarte Schnecke zulegen. Dafür habe ich mich schon zu sehr daran gewöhnt, dass es zwischen meinen Beinen haarig ist. Mein Freund findet es zwar manchmal etwas nervig, wenn er gerade dabei ist, mich mit der Zunge zu verwöhnen, aber im Grunde mag er meinen natürlichen Bewuchs ebenfalls. Auch hat er sich inzwischen damit arrangiert, dass wir uns in unserer Wohnung nur noch nackt aufhalten. Anfangs war es für ihn noch etwas ungewohnt, denn er ist in einem sehr konservativen Elternhaus aufgewachsen und kannte das nackte herumlaufen nicht. Ich musste ihn erst daran gewöhnen, dass es durchaus etwas Schönes hat, sich ungezwungen und frei zu bewegen. Aber inzwischen macht auch er ohne größere Umstände einfach so die Haustüre auf oder bringt auch mal den Müll in die Tonne, die aus platzgründen vor der Haustüre unseres Miethauses steht. Dass uns dabei irgendwelche Passanten in der gegenüberliegenden Fußgängerzone sehen, macht uns gar nichts aus, denn als Nudist wirst du überall nicht gerne gesehen. Daran haben wir uns aber im Laufe der Zeit gewöhnt und empfinden es inzwischen als normal, wenn wir von alten Herrschaften mit missbilligenden Blicken beäugt werden. Von manchen jungen Leuten bekommen wir jedoch auch sogar mal ein Kompliment, dass wir uns das trauen. Denn die meisten hätten ja doch wohl ein eher schamhaftes Empfinden sich Fremden Menschen gegenüber nackt zu zeigen. „Das sind doch nur Klischees“, habe ich darauf geantwortet und gemeint, dass man da einfach drüberstehen müsse.

Letzte Woche habe ich eine Sache gewagt, die mir einfach so spontan eingefallen ist. Ich war gerade damit beschäftigt, oben in der Wohnung sauber zu machen, als mir einfällt, dass wir ja noch etwas zum Abendessen gebrauchen könnten. Da im Haus gegenüber von uns eine Bäckerei angesiedelt ist, habe ich kurzerhand etwas Kleingeld aus meinem Portemonnaie genommen und bin so mir nichts, dir nichts aus dem Haus und habe erst unten gemerkt, dass ich ja komplett ohne Kleidung auf die Straße gelaufen bin. „Egal“, habe ich bei mir gedacht, „dann müssen die Leute eben jetzt lernen, dass es durchaus auch nackte Menschen in unserer Gesellschaft gibt“, und bin einfach so in die Bäckerei gegangen. Dort ist im Moment nicht viel los, nur eine ältere Dame lässt sich gerade von der jungen Kassiererin bedienen, während ich den Laden betrete. Erst als sich an die Theke herantrete, scheint ihr aufzufallen, dass ich nackt bin und fragt, ob heute ein Tag für Aktivisten wäre. „Nein“, sage ich nur gelassen und erkläre, dass ich Nudistin bin und im Miethaus gegenüber wohne und mir nur, weil ich gerade ein Teilchen kaufen wolle, nicht nochmal extra etwas anziehen wollte. „Na gut“, sagt die Bedienung, „aber lassen sie sich nicht von der Polizei erwischen oder von sonst irgendjemandem, der etwas gegen ihren Kleidungsstil haben könnte.“ Während ich meine Bestellung aufgebe, betritt ein weiterer Kunde die Bäckerei und ihm fallen sprichwörtlich die Augen aus dem Kopf, als er mich bemerkt. „Wow, damit hätte ich nicht gerechnet, dass ich heute noch mit solch einem tollen Erlebnis belohnt werde. In meinem Horoskop stand zwar etwas davon, dass ich heute noch eine außergewöhnliche Begegnung haben würde, aber das hatte ich ehrlich gesagt schon wieder völlig beiseitegeschoben.“ Ich stelle mich auch ihm vor und erkläre, warum ich hier unbekleidet in der Bäckerei bin. Als ich mit meiner Erläuterung fertig bin, nickt der Mann verständnisvoll, verlangt aber trotzdem, dass ich ihm für ein Selfie zur Verfügung stehe. „So eine Möglichkeit bekommt man schließlich nicht alle Tage“, sagt er und legt völlig vertrauenswürdig einen Arm um meine Hüfte.

Nach diesem Vorfall ist es nun wirklich an der Zeit, dass ich zügig zurück in meine Wohnung gehe, um das, was hier gerade passiert ist, zu verdauen. Gerade, als ich die Eingangstür zum Wohnhaus aufsperre, kommt mir die Dame aus der 2. Etage entgegen und grüßt mich auffallend freundlich. Eigentlich ist sie sonst eher leicht gereizt, obwohl ich bis jetzt noch nicht wirklich herausgefunden habe, was der Auslöser dieser Emotionen ist. Während ich den Knopf für den Aufzug drücke, höre ich, wie zwei Etagen über mir eine Wohnungstür zugezogen wird. „Bitte mach, dass der Aufzug kommt“, bete ich und just in dem Moment, da die Person um die Ecke biegt, schaffe ich es den Aufzug zu betreten und die Tür schließt sich, als man mir ein freundliches Hallo zurufen möchte. „Wer hat mich denn da auf die Schnelle erkannt?“, geht es mir durch den Kopf, während ich die 4 Etagen, die zwischen dem Erdgeschoss und meiner Wohnung liegen, passiere. Zumal, dass man mich so überschwänglich und nett grüßt? Und ich bin hier völlig ohne Kleidung unterwegs. Das kann ja dann nur jemand jüngeres gewesen sein und da kommt im Grunde nur Karo in Frage, die im 6. Stock zusammen mit ihrem Freund eine Wohnung gemietet hat. Mit ihr habe ich mich vor einer Woche an der Mülltonne unterhalten, da war ich gerade dabei, meinen Restmüll in der Tonne zu versenken, als sie mir von ihrem Balkon zugerufen hat, dass das ja wirklich eine lohnenswerte Aussicht sei, die ich dem Betrachter da bieten würde. Ich habe darauf nur geantwortet, dass das nun mal meine Art zu leben sei und ich mich immer und überall – zumindest da, wo es geduldet wird, ohne Kleidung aufhalte. Und da sich bis jetzt noch niemand beschwert hat, würde ich das auch hier vor dem Haus und auch im Bereich des Hauses so beibehalten. „Ich war im Moment nur etwas verwundert, als ich gerade hier vom Balkon geschaut habe. Hätte nicht damit gerechnet, dass ich dabei von so einer hübschen Dame überrascht werden würde“, sagt sie und lächelt angenehm. „Wenn du magst, könnten wir uns ja später auf einen Cappuccino in meiner Wohnung treffen.“ „Gerne“, ruft Karo und sagt, dass sie dann auch noch einen Kuchen mitbringen kann, den sie heute Morgen frisch gebacken hat. Zumindest zwei Stücke, damit wir auch eine Kleinigkeit zum Kaffee zu essen haben. Sonst ist der Kaffee an sich ja zu langweilig. Dem stimme ich zu und sage, dass ich mich schon freue, wenn sie später kommt. „Du kannst ja einfach bei mir klingeln oder – falls die Tür offensteht, einfach reinkommen.“ „Mache ich“, ruft Karo und ist kurz darauf auch schon wieder hinter der Brüstung ihres Balkons verschwunden.


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