Straßenfeger


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23.05.2010
Exhibitionismus

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Straßenfeger

 

Freitag, 11. Juni 2010

 

Es ist Freitag und sie sitzen wie jeden Freitag in der Sauna.

Drei Weiber um die Dreißig.  Drei Freundinnen.

Nackt und schwitzend.

Und sie alle fühlen und bemerken es, verwundert um sich blickend und rekognoszierend:

Irgendwas ist anders als sonst. Anders, als immer, anders, als an jedem Freitag bisher.

Der Aufguss dampft.

„Es ist ja so leer heute. Keine Männer da. Sonst war es doch immer so voll am Freitag!“

sagt Mandy, die kleine blasse Zierliche mit den großen runden Brüsten und den prallen Schenkeln. Sie hat ein so niedliches offenes und vertrauenswürdiges Gesicht, dass sich jeder sofort in sie verliebt.

Pi ist das Gegenteil davon. Sie ist ein Sportsweib. Durchtrainiert, mit flachem, muskulösem Bauch, Muskelspielenden Gazellenschenkeln und Brüsten, wie eine Siebzehnjährige.

Straff, flach und kugelrund,  wie gerade neu ersprossen aus einem sich in eine junge Frau verwandelndem Jünglingskörper.

„Schön mal so! Keiner gafft uns blöde an!“ sagt  Pi, die Schlanke Große mit dem kräftigen Hintern, der schlanken Taille, der langen schlanken Nase, den überlangen, blonden Haaren und den muskulösen Beinen. Sie genießt es sichtlich, dass sie sich auf einer leeren Bank so richtig ausstrecken und aalen kann.

„Schade, aber du hast Recht, Pi, ich fühle mich hier richtig wohl, endlich mal!“ sagt  Kathrin, die mittelgroße Schlanke mit dem schönen und intelligenten Augen und dem Gesicht einer klugen Journalistin. Eine Frau, die jedem Manager die peinlichsten Fragen unverblümt stellen könnte, ohne gleich erschossen zu werden.

Obwohl die drei Damen fast ganz alleine in der Sauna sind, hält sie sich als Einzige mit einem Handtuch bedeckt.

Sie hat den vollendet schönen Körper einer jungen Frau in der Mitte der Zwanziger.

Die mit den Traumaugen. Das Püppchen. Sie ist umwerfend schön und genauso einsam und meistens sehr traurig. Kein Mann traut sich an sie ran. Nicht immer, aber wenn, dann immer die Falschen. Die, die sie liebenswert findet, die trauen sich nicht.

Das ist ihre Tragik. Kathrin will einen ganz einfachen, ehrlichen treuen Mann. Nicht schön, um Himmels willen! Immer für sie da und lieb muss er sein. Sonst nichts.

Auf gar keinen fall ein Promi oder so ein Wichtiger. Ein einfacher ganz normaler Mann soll es sein. Den findet sie einfach nicht. Das ist ihre Tragik.

 

„Fußball-WM!“ sagt Mitte 60-jährige, sichtbar  saunagewohnte sportliche alte Dame, die hoch über den Dreien auf der obersten Bank sitzt.

„Heute beginnt die Fußball-WM in Südafrika. Eben noch war noch die Eröffnung und jetzt spielt Südafrika gegen Mexiko und Uruguay gegen Frankreich.“

 

„Und was geht uns das an?“ fragt Pi. „Wo und wann spielt Deutschland?“

„Deutschland spielt am Sonntag gegen Australien.“

 

„Und Scheiße! Von wegen, was geht uns das an!“ sagt  Mandy.

„Ach Pi, du weißt es ja noch nicht:  Mein Lothar ist auch dort, in Südafrika. Mich hat er nicht mitgenommen. „Will auch mal meine volle Freiheit haben!“ hat er gesagt.“

„Ach, du Arme!“

„ Mensch, Mandy, freu dich doch! Da hast du endlich mal frei und kannst machen, was du willst!“

„Jaa, hahaaa! Und was soll ich machen, ohne ihn?“

„Na, lach dir doch nen Anderen an!, da kannst du dich vielleicht verbessern in deiner Lebensqualität.“ kichert Pi.

„Ich will doch aber gar keinen anderen!“

„Hast du denn schon mal einen anderen ausprobiert, Mandy?“

„Wieso? Gibt es denn da Unterschiede? Sind die nicht alle gleich?“

„Nee, Mädchen, da gibt es schon Riesen-Unterschiede. Das kannste mir glauben.“

„Das glaube ich dir schon, Pi. So. Nun erzähle uns doch mal. Wir sind ja hier völlig unter uns Weibern. „

„Ach nee, weißte, Mandy, ich habe das schon mal einem Mann erzählt, dem ich vertraut hatte  und der hat es dann gleich weiter getratscht. Ich bin da auch vorsichtig geworden.“

„Ist das dir denn so peinlich, Pi?“

„Nee, Mandy, mir ist gar nichts peinlich. Aber die Männer sehen manches anders, als wir Frauen. Die verstehen manches nicht, was für uns das Normale und Natürliche ist, das ist für die schon ein Verbrechen. Du weißt ja, dass ich gerne nackt bin und auch gerne mit nackten Männern kämpfe.

Da mache ich mir gar nichts Sexuelles draus. Ich will den Sieg, meinen Sieg. Ich gegen den Mann. Und ich bin Siegerin, ja genau, Siegerin. Ganz einfach.

Das genieße ich. Na und?

Ich genieße den Austausch von Kraft und  Gegenkraft. Das ist schön. Das ist wunderbar!

Das ist Leben für mich. Das prickelt und das putscht mich auf.

Und die Kerle, die ich ehrlich besiegt habe, stellen sich dann manchmal hin, und tun so, als hätten sie mich gewinnen lassen, gnädig. Die haben aber nie was davon. Das kannste mir glauben. Die lasse ich ihren eigenen einsamen Heldentod sterben.

In mein Bett kommen die gar nicht erst rein. Da kann ich nur noch mitleidig grinsen.

Oder: ich kann genießen, wenn es die Wahrheit ist, ein richtiger Kerl. Und wenn es wahr ist, dann lohnt es sich auch. Dann ist es ein richtiger Mann. Der gibt mir dann alles, was sich brauche.“

„Kriegen die nicht gleich ne Latte, die Kerle, wenn du nackt mit ihnen kämpfst?“

„Manchmal schon. Das ist doch ganz natürlich, oder? Und dann schmiege ich meinen Körper eben an sie ran, bis es vorbei ist. Man kann ihnen dann schön was ins Ohr flüstern.“

„Was flüsterst du ihnen denn ins Ohr?“

„Verrate ich dir nicht! Suche dir doch deinen eigenen Hengst und flüstere selber!“

„Hähä!  Pi, die Hengsteflüsterin! Ich lache mich tot!“. Mandy kichert süffisant.

Kathrin kichert nicht.

„Ich beneide dich, Pi, aber ich kann das einfach nicht. So geradezu und so direkt, wie du das machst, nee, das könnte ich einfach nicht. Da ist so eine Blockade in mir drin, so ein zäher Widerstand, dann traue ich mir selber nicht mehr über den Weg…“

 

Pi verschlägt es fast die Sprache. Aber nur fast.

„Was denn, echt jetzt? Du beneidest mich, Cat? Nee, nicht wirklich! Du bist doch hundertausendmal schöner, als ich. Wenn ich dich beneiden würde, ja, das wäre OK.

Das tue ich natürlich nicht. Das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Aber du mich? Nee! Nie im Leben! Ich halte ja zum Beispiel gar nichts von dem ganzen Gedöns um diese Royals und Königshäuser und den ganzen Rummel darum. Kein Stück! Das finde ich so doof. Aber weißt du: wenn ich mir Eine vorstellen könnte, die da hinpassen würde, dann wärest du das. Nur du. Ich weiß nicht warum, ich kann mir nicht helfen: Immer, wenn ich dich sehe, Cat, dann denke ich an Prinzessinnen. Und das, obwohl ich am liebsten  die Aristokraten fressende Revoluzzerin auf der letzten Barrikade wäre. Die französische Marianne, wenn du weißt, was ich meine. Manchmal möchte ich über Männerleichen gehen.

Aber die Scheiß-Romantik werde ich andererseits auch einfach nicht los.“

 

„Ach Mensch, Pi, da wäre ich doch am liebsten gleich neben dir!“ seufzt Kathrin.

Alle wollen mir was einreden, was ich überhaupt nicht will!“

„Na, dann tue doch was dagegen.“

„Und was? Soll ich mich hässlich machen? Habe ich auch schon versucht. Und genau die Typen, die ich nicht ausstehen kann, die fanden das geil, betrachteten mich als ihr kommunales Sekteneigentum  und wurden nur noch zudringlicher.

Das habe ich mir abgeschminkt und ich bleibe jetzt eben so, wie ich bin. Vielleicht merkt das doch mal Einer. Die Hoffnung stirbt zuletzt“.

 

Wie auf Stichwort betritt ein mittelgroßer schmächtiger Brilletragender

nackter Mann die Sauna.

Er schwenkt sein Handtuch verwegen an der Seite.

Seine Brille beschlägt sofort und so intensiv mit dem Dampf des Aufgusses, dass er den Blicken der vier Damen  blind ausgesetzt ist.

Die wissen das und nutzen die Gelegenheit.

„Oha!“ raunt die Mittsechzigerin auf der oberen Bank.

„Na ja, das Patengeschenk ist schon üppig“,  flüstert Mandy

„Wenn er clever wäre, dann hätte er die Brille vorher abgenommen.“ Sagt Pi.

„Wer weiß, wozu die Brille jetzt gut ist“, kichert Mandy.

Sie dreht sich aus der Liegestellung und setzt sich breitbeinig auf die feuchte Holzbank.

„Da müsste doch mal wieder Einer richtig aufgießen.“

Wie sie das wohl jetzt gemeint hat?

Aber Cat zieht sich das Handtuch jetzt höher und bedeckt ihre Brüste.

Pi und Mandy haben kein Handtuch. Und auch sonst nichts.

„Also doch! Ansprüche.“ Resümiert Pi.

„Habe schön schönere Männer gesehen,“ sagt Mandy, „aber, wenn sie so selten werden…“

„Was meint ihr? Gehen wir in den Ruheraum?“ Pi täuscht ein Gähnen vor.

„Och nöö, dort ist doch noch langweiliger“, meint Mandy. „Ich muss jetzt was trinken.“

„Und was essen, stimmts?“ sagt Kathrin vorwurfsvoll.

„Och du!  Nicht Jede kann schließlich so eine Steckenfigur haben, wie du!“ sagt Mandy

„“Ja, ich würde auch was essen wollen. Kommt Mädels, wir sehen uns mal die Pizzeria an, die da gleich vorn an der Ecke war. Die sah doch ganz manierlich aus.“

„Einverstanden!“

Damit nimmt das Unheil seinen Lauf.

Die Drei wissen es nur noch nicht…

 


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