Peitsche - sozialpädagogisch oder mittelalterlich


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02.11.2008
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Die Peitsche - eine sozialpädagogische Innovation oder ein Schritt zurück ins Mittelalter?

Eine Reportage unseres Korrespondenten Erich Sauer (Bild: SB Nr. 33307)

(02.11.2008, Maputo) An jenem Dienstagnachmittag im September tat sich jedenfalls aus Sicht eines Mitteleuropäers etwas Wunderliches im Zentralhafen von Maputo Port. Kurz nach 15.00 Uhr hielt ein Polizeifahrzeug im Güterbereich des Hafens. Zwei Polizeibeamte sperrten mit grün-rotgestreiften Plastikbändern halbkreisförmig einen Bereich mit knapp 20 Metern Radius um die beiden Eisenmasten, die vor einem leerstehenden Gebäude mit arg verschmierten Wänden stehen und früher der Elektrizitätsversorgung dienten. Es bildete sich rasch eine größere Menge von Passanten außerhalb der Absperrung. Kurz darauf fuhr ein roter Kleinlastwagen mit verschlossenem Verdeck vor. Von der Ladefläche kletterte mit Unterstützung eines der Polizeibeamten eine groß gewachsene Frau mit eher kräftigem Körperbau: Alessandra Bassi (26 Jahre alt; Name geändert) war vollkommen nackt und bleich im Gesicht. Der Polizeibeamte führte sie zwischen die beiden Eisenmasten. Ledermanschetten wurden um ihre Handgelenke gebunden. Diese wurden mittels zwei Stricken mit den Masten verbunden, so daß die Arme der jungen Frau nun seitlich nach oben wiesen und sie sich nur noch soweit bewegen konnte, daß sich ihre Arme nicht verkrampften. So hatte Alessandra Bassi einige Minuten unter den Augen der Zuschauer auszuharren. Dann fuhr ein weiteres Fahrzeug vor, welchem ein schwarz gekleideter und vermummter Mann mit einer Lederpeitsche in der Hand sowie zwei weitere zivil gekleidete Männer entstiegen. Der eine Zivilist, der sich als Urkundsperson des Ordnungsamtes von Maputo Port erwies, kündigte an, daß sogleich die öffentliche Disziplinierung der Bassi Alessandra im Sinne des Senatsbeschlusses vom 20. März 2008 erfolgen werde. Der zweite Zivilist war Arzt. Er blieb während des gesamten Vorgangs passiv. Der Urkundsbeamte nickte dem schwarz Vermummten zu, worauf dieser umgehend Alessandra mit der Peitsche einen Streich auf den linken Oberschenkel versetzte. Diese schrie kurz auf, biß jedoch in der Folge auf die Zähne. Die bleiche Farbe ihres Gesichtes hatte sich inzwischen in eine leichte, aber doch deutlich erkennbare Röte gewandelt. Die nächsten sieben Streiche erfolgten abwechslungsweise auf die rechte und die linke Pobacken, welche - ohne sichtbare Anzeichen für eine Verletzung - rasch eine kraftvolle rote Farbe annahmen. Den neunten und letzten Streich versetzte der Vermummte Alessandra auf den rechten Oberschenkel. Der Urkundsbeamte erklärte die Disziplinierung für erfüllt und lud die Umstehenden ein, sich stellvertretend für das Volk von Maputo von der Einwirkung der Züchtigung auf den Körper der Betroffenen ein Bild zu machen. Hierauf fuhren der Urkundsbeamte, der Arzt und der vermummte Vollstrecker weg. Die Polizeibeamten entfernten die Abschrankungen, womit es den Passanten möglich war, sich Alessandra zu nähern. Sie sorgten dafür, dass niemand Alessandra berührte. Fünfzehn Minuten lang mußte sich Alessandra auf diese Weise mustern und auch Kommentare an hören lassen, ob und daß der jungen Frau eine solche Züchtigung wohl "gut getan" habe und "eine Lehre" sei und über die Röte ihres Hinterteils. Dann forderten die Polizeibeamten die Menge auf, zurückzutreten. Sie schnitten die beiden Stricke durch und lösten die Ledermanschetten von Alessandras Handgelenken. Einer der Polizeibeamten führte die leicht taumelnde Frau durch die Gasse, welche sich in der Mitte der Volksmenge bildete, zum Lastwagen und half ihr, die Ladefläche wieder zu besteigen. Der Lastwagen setzte sich in Bewegung und verschwand.

Die sich zu Europa zählende, vierzig Meilen von nordafrikanischen Küste entfernt liegende kleine Inselrepublik Maputo zählt 22'000 Einwohner. Sie schreibt zur Zeit Rechtsgeschichte. Seit mehr als 25 Jahren kennt sie ein striktes Verbot der körperlichen Züchtigung von Kindern und Jugendlichen und hatte damit eine Vorreiterrolle in Europa inne. Dieses Verbot gab, wie auch in Deutschland, wo es später eingeführt wurde, immer wieder zu Kritik Anlaß. Doch es blieb bis heute in Kraft und wird dies wohl auf absehbare Zeit bleiben. Als im Frühsommer 2007 wieder einmal im Senat von Maputo über eine Lockerung der Einschränkung der elterlichen Erziehungsfreiheit diskutiert wurde, stellte die rührige Abgeordnete Maria Scuzzi die provokante These auf, Züchtigung als Disziplinierungs- und Erziehungsmittel sei an sich nicht falsch, nur sei sie nicht auf Kinder und Jugendliche, sondern auf die nächstfolgende Altersklasse, die jungen Erwachsenen anzuwenden. Eine Mehrheit des Senats fand diese These zumindest so bedenkenswert, dass sie den Exekutivrat (Regierung) mit der Ausarbeitung eines Berichts beauftragte. Der Exekutivrat holte in der Folge die Ansichten einer größeren Zahl von Fachleuten - Pädagogen, Psychologen, Ethiker, Juristen, Ärzte, Theologen - aus verschiedenen europäischen Staaten ein, was zu einem kaum mehr zu überblickenden Meinungswirrwarr führte. Dann legte er dem Senat seinen Bericht zusammen mit einem erstaunlichen Gesetzesentwurf vor. Nach hitziger Debatte verabschiedete der Senat einen am 1. Juli 2008 in Kraft getretenen und auf drei Jahre angelegten Beschluss mit dem Auftrag an den Exekutivrat, nach spätestens 30 Monaten dem Senat wieder Bericht zu erstatten und einen Antrag zu stellen, entweder auf Aufhebung oder Ergänzung und Überführung des Beschlusses in ein unbefristetes Gesetz. So haben also jetzt junge Erwachsene zwischen 18 und 28 Jahren, also Menschen, die das Mündigkeitsalter erreicht haben und damit für ihr Handeln selbst verantwortlich sind, für kleineres und mittelschweres Fehlverhalten, welches auf altersbedingte Unbesonnenheit und Leichtsinn, nicht aber auf kriminelle Persönlichkeitszüge hinweist, mit einer mäßigen Züchtigung anstelle einer Ordnungs- oder Kriminalstrafe zu rechnen. Eine solche kann allerdings höchstens dreimal, jeweils mit steigendem Quantum (9, 12 und 15 Streiche), gegen dieselbe Person verfügt werden, wobei der ersten solchen Disziplinierung eine Verwarnung voranzugehen hat. Der genaue Ablauf und die Begleitumstände einer solchen Disziplinierung wurden im Senatsbeschluss nicht geregelt und einer Regierungsverordnung anheimgestellt. Der Exekutivrat soll während der drei Jahre der Gültigkeit des Beschlusses auf die gemachten Erfahrungen flexibel reagieren und auch mit verschiedenen Elementen experimentieren können. Cesare Casanova, der amtierende Regierungspräsident, räumt denn auch ein, daß die ganze Sache zur Zeit noch ziemlich improvisiert und von Mal zu Mal unterschiedlich ablaufe.

Der Schreibende, welcher als zufälliger Passant Zeuge der Disziplinierung von Alessandra Bassi wurde, wandte sich an das Ordnungsamt und ersuchte um Mitteilung von deren Anschrift, was ihm verweigert wurde. Jedoch wurde seine Anfrage weitergereicht und es meldete sich die junge Frau wenige Tage später bei ihm. Sie erklärte sich spontan zu einem Interview bereit. Sie spricht gutes Deutsch, da sie in Konstanz am Bodensee studierte. (Maputo hat keine eigene Universität.)

Erich: Was führte zur deiner Disziplinierung?

Alessandra: Im Juli organisierten mein Freund und ich eine kleine Party mit rund einem Dutzend Leuten hier im Garten, wo wir jetzt sitzen. Die Sache wurde etwas laut und gegen Mitternacht schrie dann jemand vom Balkon im zweiten Geschoß, wir sollten endlich ruhig sein. Einer von unseren Gästen schrie zurück, der Rufer solle das Maul halten und Watte in die Ohren stopfen. Wir, alle etwas unter Alkoholeinfluss und damit enthemmt, lachten. Die Party ging in kaum verminderter Lautstärke weiter und um halb eins standen dann  zwei Polizisten im Garten. Eine Woche später erhielten mein Freund und ich Post vom Ordnungsamt. Wir wurden verwarnt. Ich freute mich, daß es nicht eine saftige Geldstrafe absetzte. Natürlich wusste ich vom eben in Kraft getretenen Beschluß des Senats über die Disziplinierung junger Erwachsener. Er wurde in der Öffentlichkeit und auch in unserem Freundeskreis diskutiert. Doch nahm ich den Hinweis, dieses Schreiben sei eine Verwarnung im Sinne des Senatsbeschlusses nicht besonders ernst und beachtete auch den Hinweis auf die Möglichkeit, gegen die Verwarnung Einsprache zu erheben, kaum. Vor zwei Wochen am Samstag fuhr ich mit dem Auto über die enge Bergstrasse. Auf dieser gilt durchgehend Höchstgeschwindigkeit 40 km/h. Ich beschleunigte jedoch auf einigen längeren Straßenabschnitten bis auf ungefähr 60 km/h, obwohl ich eigentlich wußte, daß dies gefährlich ist, nicht nur für mich, sondern auch für den Gegenverkehr. Jemand hat mich angezeigt. Am Abend des gleichen Tags überquerte ich mit dem Auto die große Kreuzung im Zentrum von Maputo Port. Ich glaubte, die Ampel stehe noch auf gelb und beschleunigte, doch dann wechselte es auf rot. Am Dienstag darauf wurde ich im späteren Vormittag telefonisch auf 14.15 Uhr ins Ordnungsamt zitiert. Dort hielt mir ein Beamter die beiden Straßenverkehrs-Regelverstöße vor, welche ich nicht bestritt. Dann fragte mich der Beamte, ob ich mich an das Verwarnungsschreiben vom Juli wegen Nachtlärms erinnere und meinte dann, nun würde ich den Arsch voll bekommen...

Erich: ... ??? ...

Alessandra: Ach ihr Festlandeuropäer, bei uns wird offen geredet und nicht immer in einer künstlich-pseudosachlichen Sprache. Jedenfalls verstand ich, was er meinte.

Erich: Was ging dir durch den Kopf, als der Beamte dir "den Arsch voll" ankündigte?

Alessandra: Ich bekam ehrlich gesagt einen Schreck, insbesondere als er mir mitteilte, dies werde noch an diesem Nachmittag erfolgen, und zwar öffentlich im Güterhafen, neun Schläge. Der Beamte hatte offenbar alles schon vorher vorbereitet. Er druckte eine Verfügung aus. Während ich diese durchlas und dann ihren Empfang sowie den Verzicht auf Anrufung des Richters mit Unterschrift bestätigte, telefonierte er kurz mit irgendwem. Das ging schnell, so daß ich im Moment gar nicht über meine Situation nachdenken konnte. Dann wurde ich aus dem Büro geführt, zuerst zur Toilette und danach in den Hinterhof des Verwaltungsgebäudes, wo der rote Lastwagen stand, den du im Hafen gesehen hast. Ich mußte mich nun vollständig entkleiden und meine Kleider wurden in einen Korb gelegt. Dann mußte ich auf die Ladefläche klettern und wurde aufgefordert, mich auf den Boden zu setzen. Es werde jetzt wohl noch etwa 15 bis 20 Minuten dauern bis zur Fahrt in den Hafen. Diese Wartezeit und auch die nachfolgende Fahrt waren unangenehm, denn erst jetzt wurde mir bewusst, was nun ablaufen wird, und ich bekam auch etwas Angst.

Erich: Wie erlebtest du das Geschehen im Hafen?

Alessandra: Ich bekam einen gehörigen Schreck, als ich von der Ladefläche kletterte. So viele Leute, die zusehen wollten, wie ich verdroschen wurde. Unangenehm  waren die Minuten, die ich bereits zum Empfang der Strafe vorbereitet und festgebunden war und warten mußte, bis der Mann mit der Peitsche endlich eintraf. Ich war mir für kurze Zeit nicht sicher, ob ich die Bestrafung durchhalten würde. Diese ging dann aber glücklicherweise rasch vonstatten und ich nahm während der eigentlichen Züchtigung die Zuschauer nur von fern wahr. Der Mann mit der Peitsche schlug offensichtlich nicht mit voller Kraft zu, doch mein Po brannte schon nach dem dritten Streich. Am unangenehmsten war aber die Viertelstunde nach der Züchtigung, als ich nach wie vor festgebunden war und das Publikum mich von der Nähe anschauen durfte. Mein Po tat mir noch immer weh, ja ich hatte den Eindruck, fast noch mehr als während des Empfangs der Schläge. Doch dies ist wohl eine subjektive Täuschung, weil ich mich jetzt mehr auf mich konzentrieren konnte. Dann hörte ich die Aussprüche von Gaffern über die Farbe meines Pos. Hier erlebte ich eine Verletzung meiner Intimsphäre, ich meine die öffentliche Zurschaustellung des Zustandes meines Pos, den ich als etwas sehr persönliches empfand. Ich war geradezu glücklich, als die Polizeibeamten mich losbanden und ich wieder den Lastwagen besteigen durfte. Die Rückfahrt verbrachte ich auf dem Bauch liegend. Im Hinterhof des Ordnungsamtes durfte ich mich wieder ankleiden. Ich spürte den Stoff des Unterhöschens auf der Haut meines Pos. Glücklicherweise trug ich an diesem Nachmittag einen langen Rock, so daß der Druck der Kleidung auf meine schmerzenden Stellen am Po und an den Oberschenkeln erträglich blieben. Etwas merkwürdig war, daß ich dann im Büro des Ordnungsbeamten noch unterschriftlich bestätigen mußte, daß ich meine Züchtigung empfangen hätte, fast wie die Quittierung einer Dienstleistung.

Erich: War die Nacktheit vor dem Publikum und während der Bestrafung für dich ein großes Problem?

Alessandra: Ja und nein. Nacktheit ist für uns auf Maputo normaler als für euch Festlandeuropäer. Wenn ich an die großen Augen eines Mitstudenten im Studentenheim in Konstanz zurückdenke, als ich einmal, weil ich die Duschlotion in meinem Zimmer vergessen hatte, nackt von der Dusche über den Korridor ins Zimmer zurückkehrte, um diese zu holen. Es wäre mir zuvor nie in den Sinn gekommen, mich dafür nochmals anzukleiden ... Am Westkap von Maputo baden die Menschen seit mehr als hundert Jahren ohne Kleider, und nach Geschlechter getrennte Garderoben in Sportzentren bilden auf Maputo die Ausnahme; solches habe ich auch erst in Deutschland richtig kennengelernt. So war die Nacktheit auch während der Disziplinierung nicht mein ärgstes Problem. Aber natürlich ist es nicht angenehm, mit ausgestreckten Armen als einzige nackte Person vor einer Menge Menschen zu stehen, weil es einige nicht lassen konnten, meine Brüste und meinen Schamhaarschnitt zu beurteilen und zu loben. Aber wie schon gesagt, die Zurschaustellung meines knallroten Arsches war schlimmer. Hier empfand ich wirkliche körperliche Scham, und sie hatte auch eine sexuell erregende Komponente, welche – ein Teufelskreis – die Scham noch verstärkte. Ich war jedenfalls in diesem Moment froh, kein Mann zu sein, denn ich fürchte, ich hätte vor all diesen Leuten einen Steifen bekommen.

Erich: Was war für dich rückwirkend gesehen die gravierendste Erfahrung?

Alessandra: Die Scham... nicht die körperliche, auch nicht der Schmerz. Vielmehr die Scham, wegen eigener Dummheit und Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Menschen, das Nichteinhalten von der Sicherheit der Mitmenschen dienenden Verkehrsvorschriften, vor allen Leuten bestraft werden zu müssen. Auch wenn dem Publikum nicht gesagt wurde, was genau ich getan habe, wußten doch nun alle, daß die Alessandra Bassi sich eine wohl nicht zu kleine Liederlichkeit zuschulden kommen lassen hatte. Mein Name wurde ja an Ort und Stelle bekanntgegeben. Auch findet sich in der heutigen Ausgabe des "Corriere de Maputo" eine kurze amtliche Mitteilung, daß die Alessandra Bassi am Dienstag der vergangenen Woche öffentlich mit neun Streichen gezüchtigt worden sei. Bis jetzt hat mich noch niemand darauf angesprochen. Die meisten Maputaner lesen solche amtlichen Anzeigen ja glücklicherweise nicht, doch nur schon der Gedanke, daß dies nun alle Menschen auf Maputo wissen können, beschämt mich.

Erich: Findest du, allgemein und natürlich aus deiner Sicht als direkt Betroffene, eine öffentliche Disziplinierung von Menschen in deinem Alter angebracht?

Alessandra: Ja, grundsätzlich schon.

Erich: Sollte sie anders ablaufen? Sollte der "Missetäter" zum Beispiel bekleidet sein.

Alessandra: Um Himmels willen: nein. In vollständiger Kleidung wäre die Züchtigung kaum zu spüren, oder die Schläge müßten so hart erfolgen, dass sie gefährlich sein könnten. Also ist mindestens eine Teilentkleidung unumgänglich. Es wäre mir wesentlich peinlicher gewesen, dem Publikum meine Unterwäsche vorführen zu müssen. Dann lieber klare Verhältnisse, also nackt.

Erich: Was sagst du zur Stellung, die du hast einnehmen müssen, also zum Festbinden mit ausgestreckten Armen, welche einen ungeschützten Blick auf deine Brüste und deinen Schoß erlaubte?

Alessandra: Hier wird ja noch experimentiert. Meine Züchtigung soll ja erst die dritte seit Inkrafttreten des Senatsbeschlusses gewesen sein. Und jede soll anders abgelaufen sein. Der erste Betroffene wurde auf dem Marktplatz auf einen Strafbock geschnallt, den man im einzigen Domina-Studio auf der Insel auslieh. Dies, also das Ausleihen eines Lustinstruments in einem Puff, fand ich echt daneben und einer staatlichen Disziplinierung eines Menschen nicht würdig. Der zweite wurde an eine der Steinsäulen im Stadtpark gebunden, so daß es ausgesehen habe - ich habe es nicht selbst gesehen - wie wenn der Delinquent die Säule umarme. Die Anzeichen einer situationsbedingten unwillkürlichen sexuellen Reizung des Betroffenen und die Peinlichkeit, daß ihm dies öffentlich unterläuft, treten so etwas in den Hintergrund. Ich denke aber, daß meine Brüste und meine Muschi an diesem Dienstagnachmittag auch für die männlichen Zuschauer eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben. Meine Stellung hatte für mich den Vorteil, daß ich mich etwas bewegen und die Streiche damit immerhin leicht abfedern konnte, was bei einem starren Festbinden auf einem Strafbock oder um eine Säule nicht der Fall wäre. Ich hoffe nicht, daß ich in den nächsten zwei Jahren, vor meinem 28. Geburtstag, nochmals zu einer solchen Disziplinierung antreten muß. Wenn aber doch und ich wählen könnte, würde ich wiederum in gleicher Weise meine Prügel empfangen wollen.

Erich: Und dass sich möglicherweise doch einige Männer an deinem Anblick aufgegeilt haben ...?

Alessandra: Daran dachte ich an jenem Nachmittag nicht. Später ist mir dies dann durch den Kopf gegangen. Ja, vielleicht wurde ich vom einen oder andern männlichen Zuschauer - es gibt übrigens auch Frauen, die an solchem Freude habe - als Lustobjekt benutzt. Doch hat mir dies nicht weg getan. Die Vorstellung, daß der eine oder andere Herr bei meinem Anblick eine enge Hose bekam oder gar seine Unterhose von innen bekleckerte und dass er sich dann vielleicht etwas einfallen lassen mußte, um seiner Partnerin am Abend zu erklären, weshalb er am im Bett mit ihr seinen Schwanz nur halb hoch kriegte oder nur halbherzig abzuspritzen vermochte, belustigt mich eher.

Erich: Ich habe schon Meinungen gehört, eine Frau sollte nicht gezüchtigt werden, oder jedenfalls nicht öffentlich...

Alessandra: ... und ein Mann schon? Nein, das ist Blödsinn. Entweder haben wir gleiche Rechte und Pflichten von Mann und Frau, oder dann lassen wir das ganze Gleichberechtigungsgeschwätz sein. Mich stören Rosinenpickerinnen, die immer glauben, nur die angenehmen Seiten der Gleichberechtigung reklamieren zu müssen. Sie schaden der Sache der Frauen! Vielleicht wäre ich im ersten Moment glücklich gewesen, wenn der Beamte des Ordnungsamtes mir gesagt hätte, als Mann hätte ich jetzt den Arsch voll bekommen, aber weil ich eine Frau sei, ließe man dies bleiben. Ich hätte mich wohl schon bald deswegen geschämt und mich auch nicht für voll genommen empfunden. Einziger Grund, eine gesunde Frau im Gegensatz zu einem gesunden Mann nicht einer Züchtigung zuzuführen, ist selbstverständlich eine Schwangerschaft.

Erich: Eine vielleicht etwas persönliche Frage, die du natürlich nicht beantworten musst: Wie wirkte sich die Züchtigung auf die Beziehung zu deinem Freund aus?

Alessandra: Das war für mich tatsächlich eine Unsicherheit, doch kann ich, so glaube ich, sagen, dass sich auf die Länge deswegen nichts ändern wird. Ich musste an jenem Dienstagabend meinem Freund beichten, dass ich Quatsch gebaut hatte und dafür körperlich bestraft worden war. Wir haben das Schlafzimmer gemeinsam, und spätestens beim Zubettgehen hätte er die Spuren entdeckt. Ich erwartete Spott, denn mein Freund kann boshaft bis zynisch sein. Tatsächlich lachte er zuerst laut heraus und meinte, solches hätte er längst selbst an mir vornehmen sollen. Dies machte mich leicht wütend. Dann nahm er mich in den Arm. Es wurde ein schöner Abend. Ich durfte mich bäuchlings aufs Bett legen und er strich vorsichtig meinen Po mit einem kühlenden Öl ein. So schön hat er noch nie meinen Arsch liebkost. Und dann trieben wir es...

Erich: So genau wollte ich es nicht wissen.

Alessandra: Dann frag nicht, wenn du die Antwort scheust. Also, als der Schmerz weitgehend abgeklungen war, aber die Haut meines Pos noch sehr empfindlich war, breitete sich jede Reizung augenblicklich im gesamten Unterleib aus und feuerte die Lust in meiner Muschi ungemein an. Dies musste doch genutzt werden.

Erich: Angenommen, du hättest die Wahl gehabt zwischen einer Disziplinierung und einer „normalen“ Strafe. Wie hättest du dich entschieden?

Alessandra: Darüber dachte ich an jenem Nachmittag nicht nach. Es ist ja so, dass der Senatsbeschluss und die Regierungsverordnung in diesem Punkt lückenhaft sind, also nicht klar ist, ob eine solche Wahl besteht und was geschieht, wenn sich ein Betroffener weigert, sich der Disziplinierung zu unterziehen. Immerhin wurde ich korrekt auf die Möglichkeit hingewiesen, einen Entscheid des Richters zu verlangen, und ich musste unterschriftlich auf die Anrufung des Richters verzichten, damit ich noch am gleichen Tag verdroschen werden konnte. Ich glaube, wenn ich nachgedacht hätte, so hätte ich mich für die Disziplinierung entschieden. Denn erstens war die Sache so nach rund anderthalb Stunden erledigt. Zweitens wäre die Anrufung des Richters und dessen Entscheid wohl publik geworden. Auf Maputo kennen viele manche und es wird getratscht. Hätte der Richter die Disziplinierung bestätigt, so hätten sich sicher wesentlich mehr Neugierige als nur die zufälligen Passanten im Hafen eingefunden. Drittens, sofern es nicht zu einer Disziplinierung gekommen wäre, so hätte ich mit einer kurzen Haftstrafe von zwei bis drei Tagen rechnen müssen, da ich schon einige mit Geldstrafen belegte Ordnungswidrigkeiten mir zu Schulden habe lassen. Wir kennen auf Maputo keine Bewährungsstrafen. Ich hätte also die Haft absitzen müssen. Ich kenne von einer Freundin, die das einmal über sich ergehen lassen musste, das Aufnahmeprozedere. Es ist nicht lustig und ich hätte auch davor Angst, vor einer frustrierten Beamtin einen Striptease hinzulegen, sich von dieser zuerst das Haar durchwühlen und die Titten befingern zu lassen und dann als krönenden Abschluss der Demütigung einen latexbekleideten Zeigefinger in die Möse schieben und durch die Arschspalte führen zu lassen. Nein danke, auf solche Erfahrungen verzichte ich gerne.

Erich: Aber du musstest dich doch auf für die Disziplinierung auch unfreiwillig entkleiden...

Alessandra: Ja natürlich, im Hof des Ordnungsamtes, und dies sogar in Gegenwart der dort zufällig anwesenden Fahrern und Bediensteten, alles Männer. Doch keiner tatschte mich an und die meisten schauten diskret etwas zur Seite. Wie schon gesagt, Nacktheit ist auf Maputo weniger ungewohnt als bei euch auf dem europäischen Festland. Im Hafen starrten mich zwar Dutzende von Menschen an, doch bildeten diese auch einen Schutz vor Übergriffen.

Erich: Alessandra, ich danke dir für dieses überraschend offene Interview.


Kommentare

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Hamlet schrieb am 16.03.2022 um 15:46 Uhr

Einige interessante Überlegungen finden sich im Text. Singapore, ein moderner, auf die Gegenwart ausgerichteter Staat, kennt die Prügelstrafe, wenn auch nicht den öffentlichen Vollzug.