1. Die Anreise
Es ist das Jahr 1566 irgendwo zwischen Donau und Alpen.
Eine staubige Landstraße schlängelt sich durch eine hügelige Landschaft. Man sieht einen Pferdewagen auf der Straße dahinrollen. Keine vornehme Kutsche! Nein, es ist ein Wagen, wie ihn die Bauern zum Transport ihrer Ernte verwenden oder für Holz.
Eine schöne junge Frau sitzt neben dem Kutscher auf dem Kutschbock. Auffallend ist ihre große und schlanke Gestalt. Sie trägt ein langes blaues Kleid hochgeschlossen mit langen Ärmeln und einen grauen Umhang darüber. Ein weißes schmales Band von Spitze verziert ihren Kragen und ein silbernes Kreuz an silberner Kette trägt sie auf ihrer mädchenhaften Brust. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne beleuchten ihr schönes, blondes, leicht gekräuseltes langes Haar, das in der Mitte gescheitelt von zwei goldenen Spangen gehalten wird, und bringen ihre großen blauen Augen zum Leuchten und zum Strahlen wie zwei Sterne. Beide Reisenden blicken nach vorne dem Ziele zu. Von ferne her weht der Wind den leisen, klagenden Gesang einer Kirchenglocke zu den beiden herüber.
„Ist es noch weit Onkel?“ fragt Stefania den Kutscher neben sich, der ihr Onkel ist, mit ihrer süßen weichen Stimme, die klingt wie eine Engelsharfe. „Wir sind bald da.“ antwortet ihr der Onkel. „Hinter dem nächsten Hügel sollten wir schon das Kloster Heilig Kreuz in der Ferne daliegen sehen.“.
Doch die Gedanken der schönen jungen Frau sind trübe und traurig voller Sorgen und Ängste. Was wird sie denn nun erwarten so ganz allein in der Fremde? „Ach, würde meine tote Mutter doch noch leben!“ fleht sie in ihren Gedanken. Die böse Stiefmutter hatte sie fortgeschickt aus dem väterlichen Hofe, dem Orte ihrer glücklichen und unbeschwerten Kindheit, damit sie im Kloster eine Braut Christi werde, und durch dieses Opfer an die heilige römische Kirche das Ansehen der „Familie“ im Dorfe gehoben werde. Und sie sollte büßen! Sie hatte sich geweigert! Wollte nicht die Braut Christi werden und zeigte Abneigung und Angst vor dem strengen Klosterleben. Doch die Stiefmutter schlug sie mit dem Ochsenziemer blutig und schrie sie an „Scher dich ins heilige Kloster, du Hure mitsamt deinen Dämonen und Teufeln. Die werden sie dir dort schon austreiben!“
Ja, sie hatte sich schuldig gemacht, sich von schmutzigen und dunklen Trieben verleiten lassen, war ihr doch der Nachbarsohn Hannes in die Scheune auf die Tenne gefolgt und sie hatten sich beide unsittlich berührt. Die Stiefmutter hatte sie beide beobachtet, belauscht, erwischt und bestraft.
Und dann hatte sie auch noch heimlich nachts in ihrer Kammer im Bette mit einer geweihten Kerze zwischen ihren gespreizten Beinen gespielt und es war ihr ganz wunderlich dabei geworden. Sie hatte die Kerze sogar ein Stück weit in sich reingesteckt und dort vor und zurück bewegt. Das war wirklich ein Gefühl, das sie sehr mochte, das ihr warmes junges Blut stärker in ihren Adern pulsieren ließ. Aber es sollte nicht sein! Kurz nach diesen aufregenden neuen Gefühlen zog sie schnell die Kerze wieder aus sich heraus, legte sie auf den Nachttisch und in ihrem Inneren hörte sie die „Engel“ klagen und weinen. Sie ließ die schönen Gefühle, die sie bekam, nicht zu; das böse anerzogene „Gewissen“ war stärker. Sie senke die Augen, faltete die Hände zum Gebet und murmelte:
"Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen".
Zum Glück wusste die böse Stiefmutter wenigstens davon nichts!
Stefania litt sehr unter diesen Schuldgefühlen, denn sie vergifteten ihr Leben, nahmen ihr die Fröhlichkeit, und manchmal weinte sie heimlich die halbe Nacht unter ihrer Decke.
Sie kommen an
„Schau, jetzt kannst du das Kloster sehen, Stefania.“ wandte sich ihr Onkel an sie. Und tatsächlich! Da vorne, noch eine Meile entfernt, lag auf einem flachen Hügel ein großer Gebäudekomplex mit einem hohen, gothisch-spitzen Kirchturm hinter hohen, dunklen Mauern, die sich finster und düster gegen den Himmel in der Abenddämmerung abhoben. Die Sonne war nun schon untergegangen.
Das schöne junge Mädchen, gerade 19 Lenze alt, bekommt bei diesem Anblick Angst! Ihr Atem geht schneller, wird flacher! Viel zu schnell nähert sich der Wagen dem unheimlichen Anwesen.
Was wird Stefania nun erleben? Wird es ihr hier gut ergehen? Das Kloster ist dunkel und düster!
Fortsetzung folgt
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Kommentare
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In der Hoffnung auf eine gute Fortsetzung gebe ich dieser Einleitung mal eine gute Bewertung...
Manni, mach was draus!