Vernissage und ungewolltes Outing


Constanze_L

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Erstellungsdatum 10.02.2025
BDSM
ausstellung outing photoshooting schambereich
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Die Episode zwischen BDSM und Schambereich liegt schon Jahre zurück, sie ist nicht ausschließlich aus meinen Tagebüchern, ich habe sie auf der Grundlage von Briefen, Photos, Ausdrucken von E-Mails und meiner Erinnerung und die meines Herrn rekonstruiert. Zunächst wollte ich eigentlich zwei daraus machen, aber die Inhalte gehören doch zusammen. Die genannte Sabine ist leider nicht mehr unter uns, dennoch habe ich mich entschlossen in Gegenwartsform zu schreiben.

In Memoriam und baba liebe Sabine! 

Eines ihrer verfremdeten Bilder von mir hängt im Großformat heute über meinem Bett.

Vernissage und ungewolltes Outing

Es ist Ende Oktober, meine befreundete Bekannte, ja schon noch ein bisserl mehr, Sabine, nicht ganz unbekannte Photographin und Grafikerin ruft mich an. Ich kenne sie aus der Gruppe von Frauen, die, ebenso wie ich in jungen Jahren von Brustkrebs heimgesucht wurden und die damit offen, zuweilen auch offensiv und provokant umgehen. Ihre Arbeiten, Photographien, Selbstakte und Grafiken wurden schon mehrfach prämiert. Sie hat schöne Portraitphotographien von mir gemacht. 

Längst weiß sie um meine masochistische Neigung und unsere SM-Beziehung, auch du kennst sie persönlich von einer Vernissage. 

Sabine möchte erotische Aufnahmen von mir für eine Ausstellung, Bilder von mir nach einer Session, Bilder von mir, einer masochistischen Frau mit frischen Spuren, Striemen auf meinem Körper, einer Frau mit nach der Mastektomie völlig flacher, glatter, von der Peitsche gezeichneter Brust. Wohl als Provokation, als Zeichen, dass Lust, Erotik, Sex auch von nach wie vor mit Vorurteilen und Ablehnung behafteten Neigungen nicht nach solch einschneidender Veränderung des Körpers einer Frau endet.

Ich bin mir nicht gewiss, ob du es mögen wirst mich für Aufnahmen zu zeichnen, die Spuren auf meinem Körper unserer Lust hinterlassen, um mich dann so photografieren zu lassen.

Ich sage es Sabine.

»Frag‘ ihn halt, mehr als nein geht nicht.« 

Ich denke, du wirst ›nein‹ sagen. 

»Ich mag ihn nicht einfach am Telefon fragen!« 

»Wann ist W. wieder in Wien?«

»Ich weiß nicht genau, denk‘ in zwei Wochen!«

»Gut, gib mir rechtzeitig Bescheid, dann arrangiere ich ein Treffen in netter Atmosphäre!«

Meine Mailbox meldet sich, du hast angerufen, ich höre die Nachricht ab, bist übernächste Woche in Wien. 

Ich rufe sofort zurück, bist auch gleich dran. 

»Ich hätte eine Überraschung für Dich, Du musst aber mitmachen!«, mehr verrate ich dir nicht, du würdest gewiss spontan ›nein‹ sagen. 

Wir treffen uns in der Josefstadt im Café Hummel, hast deinen A 6 im Parkhaus in Hütteldorf abgestellt und mir einen hübschen Blumenstrauß mitgebracht. 

Bei unserer zärtlichen Begrüßung nimmst du mein Parfum wahr. 

»Cloé?«, fragst du. 

»Ja!« 

»Was ist mit der Überraschung?«, magst du nach zwei Glas Schlumberger wissen.

»Wir sind heut’ Abend eingeladen, Sabine, du kennst sie von der Ausstellungseröffnung heuer im März in der Leopoldstadt, möchte etwas von uns!« 

Du schaust mich fragend an, etwas skeptisch, ich glaube du scheinst zu erahnen worum es gehen könnte. 

»Okay«, sagst du, »wo treffen wir uns?« 

»Im ›Gmoakeller‹ am Heumarkt um neunzehn Uhr!« 

»Muss ich mich umziehen!« 

»Nein!« 

Sabine mit ihrem beinahe weißen Buzz Cut, den sie nach ihrer Chemo und den wieder sprießenden Haaren trägt, erwartet uns, hat einen Tisch reservieren lassen, etwas abgeschieden, ohne lästige Zuhörer vom Nachbartisch. Sie lächelt uns, insbesondere dich gewinnend an, begrüßt uns sehr lieb, gibt mir Busserl. Als wir uns gesetzt haben kommt der Ober. 

»Bestellt’s Euch was!«, meint sie, sie hat bereits ein Viertel ›Gemischter Satz‹ vor sich stehen. 

Wir schließen uns an. Speisen wollen wir vielleicht etwas später. 

Sabine ist ziemlich direkt, erzählt begeisternd von ihrem Vorhaben.

Du machst keinen sonderlich überraschten, aber auch nicht gerade einen sehr begeisterten Eindruck, sagst kurz: »Nein, das möchte ich nicht!« 

»Keine Sorge W., niemand, na ja, so gut wie niemand wird Constanze auf den Bildern erkennen können. Erstens die Aufnahmen werden in schwarz-weiß sein, zweitens Constanzes Gesicht wird nicht vollständig zu sehen sein und drittens die Aufnahmen werden auch noch vom mir bearbeitet!«

Sabine klappt ihren Laptop auf, zeigt uns einige ähnliche Beispiele. Deine Miene hellt sich sichtlich auf. 

»Okay«, sagst du, »das ist etwas anderes, aber wir bestimmen den Zeitpunkt.«

Sabine scheint zufrieden.

Der etwas aufdringliche Ober kommt erneut, ich glaube bestimmt zum dritten Mal und möchte wissen, ob wir nun speisen möchten. Wir schauen uns an, nicken, er bringt die Karten. Ich weiß bereits ohnehin was du bestellen wirst, Kalbswiener, Sabine und ich bescheiden uns, Erdäpfelcremesuppe mit Pilzen, die ist super. 

Rasch werden Sabine und ich uns über die Rechte einig, schließlich hat es Sabine mit einer Vertragsanwältin zu tun. Ich behalte alle Rechte zur Zustimmung über die nicht für die Ausstellung benutzten Aufnahmen, ganz gleich ob Original oder bearbeitet, Sabine die für zwanzig von ihr veröffentlichten Bilder.

Hernach wird es ein netter Abend.

Gut vier Wochen später.

Du hast einen beruflichen Termin bei den ÖBB am Praterstern, reist mit dem Zug an, bleibst vier Tage, das letzte Mal vor Weihnachten. Ich freue mich auf dich, das Treffen mit Sabine ist mir bisher nicht mehr wirklich aus dem Sinn gegangen, beschäftigt mich. Die unterschiedlichen Gefühle, angespannte Erwartung auf Neues, Zweifel, Ungewissheit, auch ein bisserl Furcht fahren hin und wieder Ringelspiel in meinem Kopf. Werde ich zu einer Session mit dir überhaupt bereit sein? Eine Session mit Ansage geht sich gewiss nicht aus, das wäre kein SM-Sex wie wir ihn leben, das wäre Prügeln. Karin, meine Kanzleiassistentin, sie schmeißt den Laden, spürt etwas, kennen wir uns doch schon seit Jahren, nur wenige Geheimnisse gibt es wohl zwischen uns.

»Ist was mit Dir oder W.? Geht’s Dir nicht gut?«, fragt sie ein bisserl besorgt.

Ich erzähle ihr von Sabines Vorhaben mit mir. Karin bestärkt mich. Die Sklavin in mir beginnt sich über die rational und nüchtern denkende Frau zu erheben, sie wird bestimmend. 

Den ganzen Tag bin ich schon wurlert, unkonzentriert, geistesabwesend, meine Gedanken drehen sich nur um dich.

Deine Sklavin macht sich für dich hübsch, nach einem langen Pflegebad creme ich mich sehr gründlich mit Melkfett ein, am ganzen Körper, schminke mich, dunkelrote Lippen, dunkle Lidschatten, ziehe die Augenbrauen dunkel nach. Meine Haare binde ich mir hoch, so ein Zwischending zwischen Knoten und Rossschweif. Ich trinke zwei Schlumberger Piccolos, lege mir dann die weinroten Ledermanschetten um meine Handgelenke und das Halsband an, reibe mich nochmal mit Hautöl ein, mein Körper glänzt. Zum Schluss tausche ich die Brille gegen die Kontaktlinsen und schlüpfe in die bordeauxroten Wildleder-High Heels, schaue mich im großen Spiegel meines Bades an. Frech, lasziv, selbstbewusst, provokant, devot, alles und nichts passt auf mein Spiegelbild. 

Ich gehe die Stiege herauf ins Atelierzimmer, seit geraumer Zeit ist da dieser große neue Haken im Balken, nach dem ich als Sklavin verlange, um den sich meine Gedanken schon den ganzen Vormittag drehen, den ich als Constanze fürchte, die kurze Kette hängt daran herunter. 

Ich lege die lange dünne Snakewhip zusammengerollt auf den Dielenboden, sodass sie zu meinen Füßen liegen wird.   

Ich verbinde meine Handgelenkfesseln mit den Karabinern, das kann ich nun schon nicht wieder rückgängig machen, dann stelle ich mich in den High Heels auf meine Zehenspitzen, hake nun den Karabiner an der Kette in den Ring an den Ledermanschetten ein. Meine Arme sind jetzt lang nach oben gestreckt, hänge beinahe schon an ihnen, stehe zwar nicht mehr auf den Zehenspitzen, aber etwas unsicher auf meinen ziemlich hohen Absätzen. Jeder Orthopäde würde wahrscheinlich bei diesem Anblick einen Anfall bekommen, geht es mir durch den Kopf.

Es ist erst halb drei, eine halbe Stunde noch bis du vom Termin retour bist, die Zeit vergeht langsam, sehr langsam, wie in Zeitlupe. 

Ich warte, beginne zu schwitzen, spüre meine Unruhe, spüre, wie sie steigt, sich langsam in Furcht wandelt, was ist, wenn du nicht kommst, wer wird mich befreien. Panik überfällt mich, wir haben keine Sicherheit ausgemacht, wie sonst, wenn ich mich nicht bei Karin oder Anna melde. Schweiß bricht aus, mir rinnen Tränen über die Wangen. Endlich höre ich die Erlösung aus der Ungewissheit, höre dich, wie du unten die Eingangstüre öffnest, den Schlüsselbund auf die Garderobe wirfst. 

»Constanze, wo bist Du?« 

»Hier oben!«, presse ich hervor. 

»Wieso?« 

Ich höre deine Schritte, deine Schritte auf der Holzstiege. Du schaust etwas erstaunt, als du mich erblickst. 

»So ist das also, eine schöne Bescherung!«

Mal wieder so ein Satz von dir, für den ich dir, wenn ich könnte, in den Hintern träte. Du greifst hart nach mir, küsst mich fordernd, streichst mir mit beiden Händen über den schweißnassen Rücken, ich bekomme eine Gänsehaut, kribbelst mir die Achselhöhlen, ich quieke laut.

»Bitte nicht, Herr!«, jammere ich.

Du streichelst mir nun Brust, Bauch, Popo, fährst durch meine pudelnasse Spalte, ziehst die Labien an den Ringen weit auf, sodass ich aufstöhne. Dann lässt du mich hängen, gehst die Stiege wieder hinab, lässt mich hier oben quälend lange dunsten. Mein Verlangen, mein Begehren nach dir, nach deinen harten Berührungen, deinen Schlägen steigt immer mehr, fühle wie meine Nässe, der weiße Schleim aus meiner beringten Muschel läuft, an den Innenseiten meiner Schenkel herunterrinnt.

Ich bin bereit deine Schläge in Empfang zu nehmen, werde immer nasser, spüre, wie meine Beckenmuskulatur gierig sich bewegt, zuckt, meine vorstehende Klitoris mit dem Ring herinnen ist rosa und prall, pulsiert im Rhythmus meines Herzschlags. 

Wieder höre ich Schritte auf der Stiege, diesmal ganz leise, sacht, du kommst sie herauf, barfuß, hast nun nur noch deine schwarze Lederhose an, wirst nackt darunter sein. Dein Bauch wölbt sich ein bisserl über den Bund. 

Du verbindest mir mit dem roten Seidentuch die Augen, küsst mich arg, forderst meine Zunge, kraulst mich in den Achselhöhlen. 

»Nein Herr, bitte nicht!«, kichere ich jammernd, du lässt aber nicht nach, kribbelst dann auch meinen Haaransatz am Nacken wo ich so empfindlich bin.

Ich zerre an den Fesseln, an der Kette, winsle, kichere und quieke vor kitzliger Lust. Du fährst mir mit zwei Fingern in meine überlaufende Fotze, es schmatzt, es quatscht laut, berührst meinen Kitzler mit dem Daumen. 

»Ich komme Herr!« 

In diesem Moment lässt du von mir ab, welche Qual. Ich höre nur leise Schritte, spüre, dass du um mich herumgehst oder doch nicht, wo bist du? Der erste Hieb knallt mit Kraft laut auf meine Scham, die Peitsche trifft genau meine Klitoris. Ich kreische laut auf, er ist so hart, ich komme qualvoll, es spritzt aus mir heraus auf den Dielenboden. Dieser erste Orgasmus ist krampf- und schmerzhaft, quälend. Ich schreie, ich kreische, ich jaule schrill, zerre und zurre an den Fesseln, das metallische Geräusch der Kette lässt mich erschauern, kann mich auf meinen Highheels nur noch mit Mühe halten, hänge an meinen Armen und winde mich. Meine Schultergelenke schmerzen arg. Ich weine heftig, spüre wie mir die Schminke unter dem Seidentuch verläuft, mir die Tränen über die Wangen rinnen.

Deine Finger fahren die Linie nach, die die Peitsche quer über meine Schenkel hinterlassen hat, berührst vorsichtig meine Klitoris, was mich laut aufstöhnen lässt. 

Ein Hauch eines Kusses am Haaransatz im Hals, ich bekomme eine Gänsehaut, dann ein Kuss auf mein Peckerl, der Justitia auf der rechten Schulter.

Nach einer langen Pause, deine Schläge sind nun wohl dosiert, gezielt hart. Immer wieder hältst du quälend lange inne. Die nächste halbe Stunde bekomme ich trotz meines winselnden und weinenden, klagenden Flehens von dir den Körper gezeichnet, fast keine Stelle meines Körpers lässt du mit der langen Peitsche aus, das Leder schneidet scharf in meine Haut ein. Schweiß rinnt an meinem Körper herunter, brennt in den Striemen. Es ist kein rücksichtsloses Züchtigen, du bist trotz deiner harten Schläge einfühlsam, gehst auf mich ein, bereitest mir Lust in den Schmerzen. 

›Der Schmerz ist der Weg zu meiner Seele!‹

Du spürst genau den Punkt an dem es Zeit ist mir die Augenbinde zu lösen, willst meine lustvolle Qual, meine Begierde, mein Verlangen in meinem Gesicht sehen, willst mir in die Augen blicken, wenn du mir Schmerzen bereitest, mich mit der Peitsche liebkost, welch ein Widerspruch. Ich muss mich ans grelle Licht gewöhnen, blicke in den großen Atelierspiegel, mein Körper schaut wirklich fürchterlich aus, arge Striemen, die Ränder dunkelrot, teils aufgequollen, überall violettrote Flecken. Oh Gott! Und dennoch, so bereitest du mir Befriedigung meines Begehrens. Ich verstehe mich, dich, uns nicht, das ist alles nicht rational zu begreifen, mein Verstand ist längs abgeschalten. 

Du gehst um mich herum, streichelst mich zart, fährst sacht über Rücken und Brust, Bauch und Hintern, über meine angeschwollenen krausen Labien, spielst mit den Ringen. Küsst die Striemen, die du mir eben zugefügt hast, küsst mich auf Stirn und Mund, löst mir die Haare, sie fallen nass verschwitzt über meine Schultern, streichst sie mir aus dem Gesicht. Du gibst mir zu trinken, kühler Sekt, flößt ihn mir langsam ein, gierig schlucke ich.

Dann fickst du mich mit deinen Fingern in meine völlig nasse Fotze, lässt mich meinen Saft abschlecken, presst, quetscht meine pochende Klitoris, lässt mich aufschreien, ziehst am Ring, dringst mit einem Finger abrupt in meinen Anus ein, sodass ich aufjaule, bringst mich zum quälenden und doch so befriedigenden Höhepunkt. Ich kreische, ja brülle meinen Orgasmus heraus, ich squirte, zucke konvulsiv, zerre an den Handgelenksfesseln, meine Beine zittern, mein Becken, mein Arsch bebt. Schließlich versagen mir die Knie, ich hänge völlig kraftlos, schmerzvoll schluchzend und zuckend, zitternd, weinend an meinen gestreckten Armen. Mein gesamter Körper ist nur noch ein Stück geschundenes Fleisch. Rasch erlöst du mich von den Fesseln, fängst mich auf, nimmst mich ganz zart in deine Arme, lässt mich vorsichtig und langsam zu Boden niedergleiten, legst dich neben mich, nimmst meinen Kopf auf deine Schenkel, das Leder der Hose ist angenehm kühl.          

»Danke Herr!«, jammere ich und suche deinen Mund. 

Du küsst mich innig, wir verschmelzen.

»Ich liebe Dich, meine geliebte Constanze, meine Stolze Sklavin!«, du sprichst ganz leise, hauchst es mehr.

Rasch hast du lindernde Salbe und Eiskompressen bei der Hand, vorsichtig bestreichst du meine Striemen, es brennt zunächst, die Kompressen helfen gegen die doch arg heftigen Schmerzen. 

»Kannst du aufstehen?« 

»Ja, wenn Du mir bitte hilfst, W.!«

Du trägst mich zum Bett, die Satinwäsche tut gut, ist sie doch im ersten Moment recht kühl.

Es wird eine erfüllte Nacht, trotz der Schmerzen, ich weiß nicht mehr wie oft du mich in den siebten Himmel gepudert, gevögelt hast.

Erst spät am Vormittag werde ich richtig wach, du bist fort, ein Zettel liegt am Nachtkasten: ›Bis heute Abend, W.!‹ Ich schaue in den Spiegel, ein grausliches Bild, meine Haare wirr, mein Gesicht von Tränen, Schweiß, Schminke, deinem Sperma verschmiert. Und alles tut irgendwie weh, meine Muschel und mein Arsch sind wundgefickt und trotzdem ich bin stolz und zufrieden, eben eine devote, masochistische Frau.

Und dann ist da wieder plötzlich ein so rationaler Gedanke, was wird Anna über das ebenso entsetzlich ausschauende Bett sagen? Ganz gleich, es ist ja nicht das erste Mal.

 

Drei Tage später, du bist wieder in Deutschland, ich überwinde mich, rufe Sabine an. Es ist grausliches Wiener Winterwetter, nasskalt, schmuddelig, ich ziehe den warmen Mantel fest um meinen Körper als ich auf die U 4 am Bahnsteig warte. In meiner kleinen Tasche sind das Outfit, die Utensilien, die ich für das Shooting ausgesucht habe. Nur das kurze Samtkleid, die Strümpfe, den Strapsgürtel und die roten Stilettos habe ich bereits unter dem Mantel an.

Kurz nach siebzehn Uhr stehe ich etwas fröstelnd vor Sabines Studio. 

Wärme umfängt mich als Sabine die Türe öffnet. Sie ist ganz in Weiß, enges Trägerhemd, das die großen, bunten Tattoos, die sie sich anstelle ihrer fehlenden Brüste hat stechen lassen, erkennen lässt, lockere Leinenhose, barfuß, ihre Fußnägel provozierend schwarz. Zur Begrüßung gibt’s Busserl. Als ich den Mantel ablege betrachtet sie mich anerkennend. 

»Sehr fesch Constanze!«

Im Atelier eine entspannte Atmosphäre, viele Stoffbahnen an den Wänden, warmes Licht, Kaffeeduft, Obers und eine Flasche Sekt am kleinen Tisch mit bequemen Fauteuils, das weiche Polster tut meinem geschundenen, immer noch ein bisserl ziehenden Popo gut, leise Musik, sie kennt meine Liebe zum Barock. 

Sabine schenkt Kaffee und Sekt ein, versteht es mit Einfühlungsvermögen meine Anspannung, meine Zweifel abzubauen, rasch kommen wir ins Plaudern.

»Wollen wir beginnen?«, fragt sie irgendwann. 

Längst bin ich in der Stimmung, gewiss tut auch der Sekt seine Wirkung.

Sabine schaltet nun einige recht grelle Spotlights ein.

»Was hast Du mitgebracht? Darf ich nachschauen?«

Ich nicke, sie öffnet die Tasche, schaut und greift hinein und fördert die Outfits und Instrumente, Spielzeuge hervor, legt alles auf den großen Schminktisch. 

Ich werde nun doch ein bisserl verlegen, spüre wie Röte mir ins Gesicht tritt, gebe ich doch recht Intimes preis. 

Sabine muss lachen: »Nun hab‘ Dich nicht so! Glaubst Du, so etwas hab‘ ich nicht schon häufiger gesehen?«

Bald liegt die schwarze Ledercorsage am Tisch, schwarze Netzstrümpfe, ein Ballknebel, Ledermanschetten, Halsband, ein stark genoppter Glasdildo, das Nadelrad, der Stachelvibrator, der große Edelstahlplug und meine Schminkutensilien. 

»Eine hübsche Auswahl«, meint Sabine ein bisserl süffisant. Sie möchte, dass ich mich sehr kräftig schminke. 

»Zieh Dein Kleid aus!«

Sabine betrachtet mich, betrachtet die kräftigen Spuren unserer Session, drei Tage alt, kaum verschwunden.

»Constanze, das schaut aber schon recht arg aus. Ist das immer so? Deinen Masochismus, eure Beziehung werde ich wohl kaum je wirklich nachvollziehen können, wirklich verstehen.«

Es ist mir zunächst unangenehm, dass sie möchte, dass ich die Narben meiner Mastektomie rosa nachziehe. Es sei wegen des Kontrastes auf den Photos. Ja es sind noch richtige Photos, analog, Sabine benutzt nach wie vor klassisches Mittelformat, eine Hasselblad und eine Rollei, nur für die Probeaufnahmen eine Digitalkamera.

»Zuerst machen wir Aufnahmen in deinem feschen Kleid!«

Rasch ist das Kleid wieder über den Kopf, zurecht gezupft. Ich posiere auf Sabines Anweisung, noch nie habe ich so etwas zuvor gemacht, nach und nach verliere ich meine anfängliche Scheu, Sabine gibt mir Sicherheit. Koket ziehe ich mein Kleid höher und höher, entblöße mein rechtes Bein, zeige den breiten roten Spitzenstrumpfrand und die schmalen Strapse. Dann möchte mich Sabine nun nur noch mit Strumpfhalter und Strümpfen, mein Kleid ist erneut rasch über den Kopf. 

Ich werde immer mutiger, ich lasse mich von Sabine ermuntern, werde initiativer, sie führt mich professionell. Die Grenze zwischen erotisch und pornografisch wird fließend als ich in die Hocke gehe, mich weit spreize. Die Spuren der Peitsche auf meinem vorgewölbten Venushügel und an meinen krausen, langen Labien sind noch deutlich sichtbar. Sabine macht Großaufnahmen meiner Vulva und ich öffne sie für sie, ziehe die Schamlippen an den Ringen weit auf, zeige ihr mein inneres Rosa. Längst bin ich platschnass, mein weißlicher Saft beginnt zu rinnen. Sabine wechselt Kamera und Magazin und reicht mir ein kleines Handtuch mich trocken zu reiben, dann den Stachelvibrator. Langsam lasse ich ihn in meine aufnahmebereite Vagina gleiten, wieder klickt die Kamera. Ich masturbiere jetzt hier vor den Augen von Sabine, dem Objektiv ihrer Kamera mit einem Vibrator, der hart mein zartes Inneres reibt, mir Blitze durch den Körper jagt. Das ist Pornografie schießt es mir noch durch den Kopf, dann komme ich, beginne zu zittern und zucken, quieke auf und spritze, dass der Verschluss weiter auslöst, bekomme ich nicht mit.

Ich brauche eine Pause, Sabine gibt ein frisches Handtuch und einen Bademantel. Sie möchte jetzt, dass ich mir einen Zopf flechte, die mitgebrachte Corsage anziehe. 

Eine Serie soll mit mir in der Corsage folgen, mit und ohne Strümpfe. Ich habe jetzt keine Hemmungen mehr, längst hat die Sklavin in mir die Führung übernommen, bin so geil, wärest du doch nur hier, ich würde mit dir pudern, mich von dir vögeln lassen, dich in mich aufnehmen.

Ich posiere in vielen verschiedenen Stellungen, zeige provokant meinen gestiemten Hintern, ziehe die Arschbacken auseinander, zeige meinen zuckenden Künstlereingang, streiche häufig mit den Fingern über die Striemen, was nicht ganz ohne ein bisserl Schmerz abgeht.

Mit dem Wartenbergrad fahre ich die nachgeschminkten Narben der Brust-OP nach, was ich zuvor noch nie getan habe, ein völlig neues Gefühl, mich so selbst zu berühren. Immer noch sind die Narben sehr empfindlich, ich habe das Gefühl, das alle Nerven, die mal in meinen Brustwarzen endeten nun in den Narben sind. Das kann ich nicht lang aushalten.

Wieder eine Pause. 

Sabine bereitet ein schwarzes Lederchaiselongue mit Tüchern her, während ich meine ellenbogenlangen knallroten Lederhandschuhe über meine Hände und Unterarme, glattstreiche und in die passenden, extrem sexy Stiletto-Pantoletten schlupfe. 

Diesmal laszive Posen mit Glasdildo in Muschel und Popo, den Edelstahlplug in meinem Arsch, Ballknebel im Mund. Sabine gibt fast keine Anweisungen mehr, lässt mich gehen. Fortwährend klicken die Verschlüsse ihrer Kameras, unterbrochen nur von den Magazinwechseln. Ich bewege mich wie in Trance, stöhne und hechle laut, komme mehrfach, schreie und spritze meine Orgasmen heraus. 

Völlig erschöpft, kraftlos liege ich schließlich auf der Chaiselongue. Sabine deckt mich mit dem Bademantel zu. Langsam komme ich wieder zu mir.

Auch Sabine scheint ein bisserl mitgenommen.

Es dauert, beim Sekt zeigt sie mir die Probebilder von ihrer Digitalkamera. Ich sehe eine enthemmte, bis in die Fußspitzen geile, reife Frau ohne Brüste, mit den Spuren einer Session, wie sie provokant, obszön posiert, sich selbst befriedigt. Das bin ich?!

»Constanze, so ein Shooting habe ich noch nie gemacht!«, meint sie zum Abschied, nimmt mich zärtlich in die Arme.

 

Bereits Anfang Jänner, ich bekomme Sabines E-Mail-Einladung zu der Vernissage in der Galerie in der Leopoldstadt, dort werden die Aufnahmen von mir, die ich seit dem Shooting nicht gesehen habe, gezeigt. Es ist ein Freitagabend, ein Wochenende an dem du ohnehin in Wien bist. Wieder erfassen mich diese wechselnden Gefühle, Unruhe, Besorgnis, Vorfreude. Ich, nein es sind Aufnahmen von mir, von meinem von dir gezeichneten Körper in erotischen, ja schon eher pornografischen Posen, die öffentlich ausgestellt werden.

Ein Anruf, Sabine: »Hast Du die Einladung bekommen, Du hast dich nicht gemeldet Constanze.« Sie lässt mich kaum zu Wort kommen. »Kannst du das dunkelblaue Samtkleid und mit Strumpfhaltern, High Heels anziehen? Und W. in legerem Abendanzug!« Noch ehe ich antworten kann, ist das Gespräch am Ende.

Das kurze Cocktailkleid, meine Strumpfränder werden gewiss zu sehen sein, will mich Sabine provozieren? Ich bin hin und her gerissen, will Sabine anrufen, dann wieder nicht.

Ich ziehe mich tatsächlich wie von Sabine gewünscht an und dir, meinem Herrn gefalle ich so auch, darüber den langen Mantel, schwarz glänzend mit den großen violetten Reverskragen. Und du, ganz in Schwarz, schlicht, Anzughose, Rolli, Winterjacke 

Etwas beklommen und mit Herzklopfen trete ich bei dir untergehakt in Hof des Hinterhauses, Heizpilze sind aufgestellt, Stehtische, es sind gewiss schon zwanzig Gäste da, die sich angeregt unterhalten, noch ist der Ausstellungsraum geschlossen. Wir finden keine sonderliche Beachtung, aber Sabine im lässigen weißen Hosenanzug und die Besitzerin der Galerie, Gabi begrüßen uns herzlich, mich mit Busserl, sind sie doch die einzigen, die wissen wer da auf den Bildern gezeigt werden wird.

Beinahe gleichzeitig mit uns kommt ein anderes Paar, zwei Frauen, eine wohl so um die dreißig, brünett, eine andere deutlich erkennbar älter mit burschikoser, grauer Kurzhaarfrisur. Wir gesellen uns gemeinsam an einen der noch freien Stehtische. Es werden verschiedene Cocktails, Sekt, O-Saft … gereicht. Wir entscheiden uns alle vier für Sekt und stellen uns gegenseitig vor. Die ältere, Gisela ist Ärztin, genauer Orthopädin, die jüngere, Andrea ist Maschinenbauingenieurin, gewiss ergibt sich da Gesprächsstoff mit dir. Mein Blick fällt auf ihre Hände, beide tragen den gleichen Ring, Gold mit zwei ineinander verschränkten Venussymbolen. 

Dann ist Einlass, ihre und unsere Wege trennen sich zunächst. 

Als die Damen ihre Wintermäntel und Jacken an der Garderobe abgeben sind mein Herr und ich schon ein bisserl verwundert, einige doch in teils sehr sexy und gewagten Outfits. Die mitunter recht kurzen Röcke und auffällig bestrumpften Beine, die meist recht hohen High Heels waren mir schon beim Empfang aufgefallen. Die Herren alle in Abendgarderobe von klassisch bis leger, so wie du. 

Eine der Damen, gewiss bereits jenseits der vierzig, schlank, groß trägt einen Netz-Catsuit mit floralem Muster, der Goldschmuck in ihren Nippeln drückt sich herausfordernd durch das löchrige Gewebe. Der Stehkragen ist als Lederhalsband gearbeitet. Ein roter Mini aus glänzendem Leder, der seinen Namen kaum verdient bedeckt nicht mal ganz ihren Hintern. So stolziert sie auf extremen High Heels an der Führleine ihres unscheinbar wirkenden, deutlich kleineren, graumelierten Begleiters umher. Beide sprechen englisch. 

Wir stoßen wieder auf Gisela und Andrea, auch ihr Outfit ist recht auffällig, Gisela trägt einen eleganten Hosenanzug aus weichem Leder in Schwarz und Dunkelrot, Marlenehose, Blazer und Andrea? Sehr gewagt, sehr knapp geschnittene weiße Lederhotpants und ein ebenso knappes bauchfreies Bustiertop. Blass rosa Linien sind auf Andreas Bauch, dem Rücken und den Schenkeln zu sehen, es würde mich schwerst wundern, wenn das nicht die Spuren einer Peitsche wären. 

Der eigentliche Ausstellungsraum in der ehemaligen Werkstatt mit den unverputzten Ziegelwänden und gusseisernen Säulen ist nur spärlich beleuchtet, die Bilder nur zu erahnen.

Nach und nach werden die Bilder, es werden insgesamt zwanzig, durch Spotlights angestrahlt. Der Anblick hier in der Ausstellung der Darstellungen meines nackten, gezeichneten Körpers, in erotischen, lasziven Posen, ja einiges hart am Rande der Pornografie lässt mich nicht kalt, mein Herr spürt es, greift mich fester um die Hüfte, gibt mir einen zärtlichen Kuss. Es ist das erste Mal, dass du die Bilder siehst. 

»Constanze, Du bist meine stolze Sklavin!«, haucht er mir ins Ohr.

Die Schwarz-Weiß-Bilder, weichgezeichnet mit verlaufenden Konturen zeigen mich in verschiedenen Posen, in Strapsen, mit Corsage, mit Dildo, beim Orgasmus …, immer sind die Spuren der Session, der Peitsche, die Narben meiner Mastektomie deutlich, kontrastreich erkennbar.

Es gibt doch zwei Farbaufnahmen von mir, wenn auch stark bearbeitet, farblich verändert, gehängt.

Eines, ein Halbprofil wie ich am glänzenden Edelstahl-Buttplug sauge, tiefrote Lippen. Das andere ein Rückenbild, ich liege, nur mit den langen roten Handschuhen und den Stilettos-Pantoletten in lasziver Weise schräg auf der linken Seite, das rechte Bein weit nach oben abgewinkelt, führe ich mir grad‘ den großen Plug in meinen schon etwas geöffneten After ein. Auf diesem Bild ist die Justitia auf meiner rechten Schulter deutlich erkennbar.

Ich erschrecke, mein Kleid mit den Spagettiträgern verbirgt es jetzt auch nicht, ebenso wie die Spuren, die zwar stark verblasst, aber doch noch sichtbar quer über meinen Rücken verlaufen.

Es lässt nicht lang‘ auf sich warten, bis mein Peckerl von den ersten wiedererkannt wird. Leises Geflüster, Geraune, Köpfe drehen sich zu mir hin, mir wird trotz des luftigen Kleides langsam warm, ich schmiege mich noch näher an dich, suche Nähe und Halt bei dir. Schnell ist rum, dass ich die Frau auf den Bildern bin. Ich beginne zu erahnen, dass es von Sabine gewollt sein könnte, ich werde ein bisserl ärgerlich und spreche sie darauf an. ›Nein‹, versichert sie und entschuldigt sich, es sei nicht ihre Absicht gewesen, die Aufnahmen mit dem glänzenden Plug hätten aber ihr und Gabi so gut gefallen.

Gabi ergreift die Initiative: »Es war nicht beabsichtigt, aber nun ist es einmal so, die Dame, um nicht das Wort ›Modell‹ zu benutzen, die auf den Bildern gezeigt wird ist heute unter uns! Sabine, die Künstlerin und ich als Galeristin sind ihr und ihrem Begleiter zutiefst zu Dank verpflichtet. Wir werden hier ihre namentliche Identität nicht preisgeben und bitten auch alle um Diskretion!«

Alle klatschen, ich werde rot, du nimmst mich fest in den Arm, küsst mich zärtlich, innig, gibst mir Halt, verliebt schaue ich dich an, Stolz ergreift mich. Ich bin eine selbstbewusste Frau und deine devote Sklavin!

Der Abend wird sehr schön, viele Fragen, denen ich, wir ausweichen, anerkennende Worte.

Zum Abschied hat Gabi irgendwoher einen Strauß Rosen besorgt, überreicht ihn mir und eine exklusive Mappe mit ihrer Widmung und einem handschriftlichen Brief von Sabine, signierte Originalabzüge der ausgestellten und aller von ihr bearbeiteten Bilder.


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