Kulturelle Unterschiede - Oder die Braut die sich traut


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03.01.2021
Insel der Scham

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Hanna stand am Bug des Schiffes und schaute sehnsüchtig auf das Meer.
Es würde noch etwas mehr als eine Stunde dauern, bis sie endlich wieder zu Hause ist.
Sie hatte sich schon kurz nach dem ablegen vom Festland ihre Kleidung ausgezogen.
Dass sie als einzige splitternackt an Deck war, störte ob des Ziels welches das Schiff ansteuerte niemanden.
Noch hatten sie die Hoheitsgewässer von Shame Iland nicht erreicht. Doch spätestens dann werden sowieso alle weiblichen Fahrgäste aufgefordert ihre Kleidung abzulegen.
Hanna war auf Shame Iland aufgewachsen und hatte bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr keinerlei Kleidung getragen. Doch nun zwangen sie seit einigen Jahren berufliche Verpflichtungen dazu regelmäßig das Festland zu besuchen.
Ganze zwei Wochen war sie diesmal unterwegs. Zwei Wochen lang, in denen sie praktisch gezwungenermaßen Kleidung tragen musste. Sie hasste es. Denn auch wenn sie relativ bequeme Kleidung trug, fühlte sie sich immer eingeengt. Überall zwickte, kniff und kratzte es.
Sie war jedes Mal froh, wenn sie sich zum Feierabend in ihrem Hotelzimmer zurückziehen, sich die Kleidung praktisch vom Leib reißen und sie bis zum nächsten Morgen völlig nackt sein konnte.
Es war jedes Mal eine andere Welt die sie betrat.
Für Hanna war weibliche Nacktheit etwas ganz normales und selbstverständliches. Auch wenn sie schon seit ihrer Kindheit wusste, dass andernorts auch Frauen und Mädchen Kleidung trugen, war es für sie immer unverständlich für was diese überhaupt gut sei. Natürlich verstand auch sie, dass es Orte auf der Welt gab, wo Kleidung notwendig war. Als Schutz bei bestimmten Arbeiten oder auch vor Kälte in anderen Regionen der Welt. Aber all das fand für sie in ihrem Lebensumfeld auf der Insel nicht statt, womit diese Notwendigkeit wegfiel.
Die Frage warum denn nur Mädchen und Frauen unbekleidet waren, konnte sie aber nur mit einem Schulterzucken beantworten. Das war halt so und war eine Sache die einfach nie hinterfragt wurde.
Allenfalls wurde dieses mit Tradition und Kultur beantwortet.

Sie konnte sich irgendwie nie daran gewöhnen Kleidung zu tragen. Es passierte ihr mehrmals, dass sie einfach vergaß etwas anzuziehen. Einmal hatte sie die Türklinke ihres Hotelzimmers schon in der Hand, als ihr bewusst wurde, dass sie doch etwas vergessen hatte. Es hätte wohl nicht viel gefehlt, dann wäre sie so auf den Hotelflur und in den Fahrstuhl gestiegen. Ein anderes Mal öffnete sie als es klopfte einfach die Tür und brachte den Hotelpagen damit ziemlich in Verlegenheit. Dieser junge Mann stand dann einfach nur mit hochrotem Gesicht da und kam keinen Ton heraus.
Hier empfand sie dann auch das erste Mal so etwas wie Scham. Nicht wegen ihrer eigenen Nacktheit, sondern dafür, dass sie einen anderen Menschen in eine Situation brachte, in der dieser sich nicht wohlfühlte.
Schließlich wusste auch sie, dass Nacktheit außerhalb von Shame Iland besonders unter Fremden und in der Öffentlichkeit ein oft Tabubruch war und hiesige gesellschaftliche Regeln brach. Ja in vielen Regionen und Ländern stand Nacktheit in der Öffentlichkeit sogar unter Strafe und wurde daher allenfalls im privaten praktiziert.
So langsam tauchte Shame Iland hinter dem Horizont auf.
Als die Ansage erfolgte, dass nun alle weiblichen Fahrgäste ihre Kleidung abzulegen haben, ging es dennoch absolut entspannt zu.
In der heutigen Zeit, dank Internet und sozialen Netzwerken wusste eigentlich jeder oder jede was auf ihn und sie zukommt.
Hier und da sah man den weiblichen Fahrgästen und Besuchern zwar die Unsicherheit und Anspannung noch an, insbesondere dann wenn es der erste Besuch auf Shame Iland war.
Man sah es den Fahrgästen in der Regel auch an, ob sie nur Besucher oder Einheimische waren.
Hanna beobachtete ihre Mitreisenden immer sehr genau. Für sie war das jedes Mal so eine Art von sozialpsychologisches Experiment wenn sie das Verhalten anderer beobachten konnte. Einerseits das Verhalten der weiblichen Besucher, aber auch das der Männlichen, die nun von einer Vielzahl von nackten Frauen umgeben waren. Oft konnte sie auch beobachten, wie peinlich und beschämend vielen die eigene Nacktheit oder die Nacktheit eines anderen war. Für sie war das alles nur unverständlich. Unter den Touristen waren Kinder oft am unproblematischsten, diese zogen sich einfach aus. Älteren Mädchen und Jugendlichen sah man die Anspannung und Unsicherheit dann schon deutlicher, wenn sie nun vor fremden, ihren Eltern und insbesondere vor ihren bekleideten Vätern und Brüdern vielleicht sogar zum ersten Mal völlig nackt dastanden. Das ein oder andere Mal bedurfte es auch einer zusätzlichen Aufforderung und Ermahnung bis dann wirklich das letzte Kleidungsstück fiel.
Große Überraschungen blieben aber in der Regel aus. Auch wenn die Schiffsbesatzung natürlich darauf achten musste und notfalls auch mit Zwang dafür sorgen konnte, dass bis zum Anlegen im Hafen auch wirklich alle weiblichen Fahrgäste vollständig entkleidet waren. Ausnahmen konnten sie hier natürlich keine machen. Egal ob Kind, Jugendliche oder Erwachsene, das Gesetz war hier eindeutig und ließ keine Interpretation zu. Allen weiblichen Personen war das Tragen von Kleidung oder sonstigen Materialien, Stoffen und Gegenständen die dazu geeignet waren, den Torso und somit Brüste, Genitalien und den Po zu verdecken untersagt. Diese hatten jederzeit sichtbar und unbedeckt zu sein.

Es dauerte einen Augenblick, aber dann ging sie, die zuvor als einzige Nackt war und daher doch etwas auffiel in der Masse der nackten Mädchen und Frauen unter.

Nun hatte sie auch wieder Mobilfunkempfang. Vor ihrer Abfahrt hatte sie noch kurz Kontakt zum ihrem Freund und verlobten Mike.
In wenigen Minuten konnten sie sich endlich wieder in die Arme schließen.
Zwar hatten sie in dem zwei Wochen jeden Abend mehrere Stunden über ihren Smartphones Kontakt per Video. Dieses konnte den persönlichen Kontakt natürlich nicht ersetzen.
Sie schreibt ihm eine Nachricht, dass sie in wenigen Minuten anlegen werden. Er hatte zugesagt, dass er sie vom Hafen abholen würde.

Beide fielen sich in die Arme. Zwei Wochen, so lange wie nie zuvor waren sie voneinander getrennt.
Verständlicher Weise hatten es beide extrem eilig nach Hause in ihre Wohnung zu kommen.
Sie hatten viel nachzuholen und bis spät in die Nacht mehrmals Sex.

Die beiden hatten sich vor 5 Jahren kennengelernt. Mike war damals als Ingenieur auf die Insel gekommen. Dort hatten sie sich dann auch zuerst kennen und dann kurze Zeit später lieben gelernt.

Man sollte meinen, dass es für viele Männer ein Traum sei, ständig von nackten Frauen umgeben zu sein. Mike erzählte aber oft, wie schwer ihm das viel. Denn zu Hause war Nacktheit immer ein Tabu gewesen. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass er seine Eltern jemals nackt gesehen hatte.
Als er das erste Mal auf die Insel kam, war er wie viele andere ehr peinlich berührt wenn er einer nackten Frau zu nahe kam. Ganz zu schweigen davon, eine von ihnen anzusprechen.

Seit einiger Zeit planten die beiden ihre Hochzeit.
Hier gab es allerdings viele organisatorische Hürden zu meistern.
Am liebsten hätten beide die Feier auf Shame Iland durchgeführt. Doch das kam auf verschiedenen Gründen nicht in Frage. Einmal war seine Familie viel größer. Alle auf Shame Iland einzuladen hätte wohl jeglichen finanziellen Rahmen gesprengt. Und natürlich hätten sich alle weiblichen Gäste nackt ausziehen müssen. Egal ob Kind, Jugendliche oder Erwachsene. Großmutter, Mutter, Mikes Tanten, Schwestern, Nichten und Cousinen. Das wäre ein unmögliches Unterfangen und Affront gegen Mike s gesamte Familie gewesen. Die meisten würden die Einladung deswegen sicherlich absagen. Eine Hochzeit im kleinen Kreis ohne die Familie wäre ebenfalls undenkbar gewesen.
Selbstverständlich hatte er Hanna seiner Familie schon vor längerer Zeit vorgestellt.
Sie selber machte von ihrer Herkunft auch keinen Hehl und trat dem entsprechend auch sehr selbstbewusst auf. Sie war stolz auf ihre Heimat und ihre Kultur und Tradition. Bis heute sind aber jegliche Versuche gescheitert, dass seine Familie sie auf der Insel besuchte.

Ihre zukünftige Schwiegermutter betrachtete Hanna von Anbeginn mit Argwohn. Hanna wusste, dass es schwierig zwischen beiden werden wird. Sie war wohl wegen Hannas Herkunft der Meinung, dass ihr Sohn etwas besserer verdient hätte.

So blieb letztlich nur, dass die Feierlichkeiten auf dem Festland stattfinden. Denn hier müssten dann auch nur eine Handvoll Gäste von Hannas Seite anreisen. Ihr Vater, ihre Mutter und beste Freundin, sowie ein paar Arbeitskollegen/innen.
Auch die Kleidungsfrage wäre hier viel einfacher zu klären.
Ihre weiblichen Familienmitglieder und Hochzeitsgäste würden sich einfach den Gegebenheiten auf dem Festland anpassen und Kleidung tragen. Das war im Gegensatz zu einer Feier auf Shame Iland sicher der einfachere Weg.

Hanna spielte allerdings mit dem Gedanken, als Braut völlig nackt vor den Altar zu treten.
Sie war stolz auf ihre Herkunft und ihre Kultur und würde diese daher nie verleugnen.
So waren nur ihre Mutter und beste Freundin in ihre Absicht eingeweiht.
Anfänglich war ihre Mutter allerdings etwas skeptisch, ob das die richtige Entscheidung sein wird.
Allerdings ließ sich Hanna in ihrer selbstbewussten Art nicht von dieser Idee abbringen.
Ihre Mutter eine Einwanderin auf Shame Iland, meinte das sie sich das trotz aller Kultur und Tradition genau überlegen sollte.
Wenn die Hochzeit auf Shame Iland stattgefunden hätte, so wäre das natürlich eine Selbstverständlichkeit gewesen. Aber auf dem Festland wären viele damit einfach überfordert und würden kein Verständnis dafür haben. Sie erinnere sich noch gut, wie sie damals Mitte der neunziger Jahre völlig unvorbereitet über eine Jobvermittlung auf die Insel kam.
Sie war Jung und Navi und hatte vor lauter Euphorie die Stellenanzeige nicht mal richtig gelesen.
Umso größer war dann die Überraschung, als sie erst vor Ort von der dortigen Lebensweise erfuhr.
Es war ihr auch nach einem Jahr noch unendlich peinlich, ihrer Mutter zu erzählen, wo sie nun wohnte und arbeitete. Sie schrieb ihrer Mutter regelmäßig Briefe und ein oder zweimal im Monat telefonierten sie auch miteinander. Der Umstand, dass sie auf Shame Iland lebte und dass sie dort wie alle Frauen völlig nackt ist, bliebt dabei lange unerwähnt.

Schon seit Tagen liefen die Hochzeitsvorbereitungen. Tausende Dinge waren zu planen und zu organisieren.
So waren sie jetzt schon seit einigen Tagen natürlich immer „ordentlich gekleidet“ auf dem Festland im Heimatort von Mikes Familie zu Gast.
Der Frage nach dem Hochzeitskleid von Seiten der Familie des Bräutigams wich sie immer geschickt aus. Diese Fragerei war ihr regelrecht unangenehm. Was wäre, wenn jemand hinter ihren Plan gekommen wäre? „Man“ hatte ihn sicher zu vereiteln gewusst. Denn so eine Peinlichkeit und Schande über die Mikes Familie zu bringen hätte um alles in der Welt verhindert werden müssen.
Da war es schon besser, wenn am Tage der Hochzeit alle vor vollendete Tatsachen gestellt werden.


Am Morgen an dem die Hochzeit stattfinden sollte, ging es nochmal richtig hektisch zu.
Viele Kleinigkeiten waren noch zu erledigen.
Gegen 9:00 Uhr trafen dann die ersten Gäste ein, die in Hotels in der Umgebung untergebracht waren. Mikes gesamte Großfamilie war eingeladen. Insgesamt fast hundert Personen. Hanna hatte hingegen nur ein paar wenige eigene Gäste.
Hanna konnte von ihrem Zimmer aus in den Garten gucken, wo sich nach und nach immer mehr Gäste einfanden.
Sie selber hielt sich an diesem Morgen nur noch in ihrem Zimmer auf.
Selbst Mike hatte sie seit gestern Abend nicht mehr gesehen, sie verbrachten die letzte Nacht in getrennten Zimmern.
Das empfanden beide zwar als extrem albern, aber Mikes Mutter bestand darauf.
Nur Hannas Mutter und ihre beste Freundin durften sie jetzt so kurz vor der Hochzeit noch sehen.
Hanna hatte schon seit sie am Abend zu Bett gegangen war keine Kleidung mehr getragen. Sie wollte es auf jeden Fall verhindern, dass sich irgendwelche Abdrücke von Kleidung auf ihrem Körper abzeichneten.

Ihre Mutter und ihre Freundin halfen ihr bei ihrer Frisur und einem leichten dezenten Make-Up.
Natürlich gehörte auch noch eine gründliche Enthaarung ihres Intimbereichs dazu. Denn hier war sie in den letzten Tagen ebenfalls etwas nachlässig geworden.
Nun waren eigentlich nur noch der Brautschleier und die Schuhe anzuziehen. Sie hatte sich für weiße halbhohe Stiefeletten entschieden.
Sie war total aufgeregt und nervös, ihre Knie wurden je näher es 10:00 Uhr wurde immer weicher.
"Mama ich kann das nicht!" platze es plötzlich aus ihr heraus. Die sonst so selbstbewusste Hanna bekam plötzlich Panik.
"Was kannst du nicht, heiraten?", fragte ihre Freundin Anja.
"Da sind so viele Leute", deutete sie nach draußen in den Garten. "Ich kann da nicht nackt rausgehen. Es muss eine andere Lösung geben."
"Aber Kind du warst dir doch so sicher. Du hast doch immer davon geredet, dass es genauso stattfinden soll." sagte ihre Mutter.

Hanna hatte bekanntlich nie Probleme mit dem Nacktsein, es war für sie immer völlig normal. Aber das galt inzwischen eigentlich nur noch für die geschlossene Welt auf Shame Iland. Hier waren schließlich alle Frauen nackt. Hier draußen war das etwas ganz anderes. In wenigen Augenblicken wird sie alleine und als einzige vor knapp hundert Menschen völlig nackt sein. Viele von ihnen kannte sie gar nicht oder erst seit kurzem. Auch einige ihrer männlichen Arbeitskollegen von Festland waren eingeladen. Sie wussten zwar um Hannas Herkunft, hatte sie aber selber noch nie nackt gesehen.
Selbst wenn diese aus privaten oder beruflichen Gründen auf die Insel gekommen wären und Hanna entsprechend unbekleidet gesehen hätten, dann wäre das für Hanna eine ganz andere Situation gewesen, mit welcher sie hätte souverän umgehen können.
Was würden die wohl von ihr denken? Sie, alleine und als einzige nackt. Zu ihrer künftigen Schwiegermutter hatte sie sowieso ein gespanntes Verhältnis. Wäre sie für einige ein Flittchen, eine Schlampe? Und würde sie so vielleicht ihre zukünftigen Schwiegereltern endgültig bloßstellen und blamieren?
Sie hatte in den letzten Jahren viel lernen müssen, wie die Welt außerhalb von Shame Iland funktioniert.
Vieles empfand sie übertrieben oder prüde. Nacktheit wurde aber meist als peinlich, unnatürlich und unsittlich bezeichnet und mit Sexualität in Verbindung gebracht. Auf Shame Iland hatte man durch die permanente weibliche Nacktheit einen ganz anderen Blick darauf.
Dort war es anders als auf dem Festland einfach normal, alltäglich und nichts Besonderes.

Es klopfte an der Tür. "Es ist 10:00 Uhr. Seid ihr fertig?", fragte ihr Vater durch die verschlossene Tür.
Ihre Mutter öffnete ein Spalt. "Alles okay?", fragte er nochmal noch.
"Ja alles gut, die Braut braucht noch ein paar Minuten", erwiderte Hannas Mutter und schloss die Tür.
Das "Problem" war allerdings noch nicht gelöst. In ihrem Kleiderschrank fand sich nichts Brauchbares.
Viel Kleidung hatte sie nicht dabei. Und schon gar nichts, was einer Braut angemessen gewesen wäre.
Aber wäre nicht alles angemessener, als alleine völlig nackt vor hundert Hochzeitsgästen zu stehen?
"Ich gebe dir mein Kleid", war die spontane Idee ihrer Freundin Anja.
Ihre Freundin war etwas größer und kräftiger als Hanna. Wahrscheinlich hätte ihr das Kleid gar nicht gepasst.
"Das kommt überhaupt nicht in Frage",  meinte Hanna, "dann hast du ja nichts mehr."
"Ach das macht nichts", antwortete sie, "Ich finde schon was anderes oder ich komme nackt."
"Und dann stielst du der Braut die Show? Kommt gar nicht in Frage", sagte Hanna mit einem Lächeln.
"Gib mir bitte noch ein paar Minuten.", bat sie ihre Mutter.


Draußen, von Hanna, ihrer Mutter und ihrer Freundin unbemerkt wurden einige Gäste schon etwas unruhig.
Es war schon zehn Minuten nach zehn. Warum gab es diese Verzögerung? Einige spekulierten schon, dass die Braut vielleicht noch rechtzeitig Reißaus genommen hatte.
Auf einmal stand Hanna auf "Los geht’s! Lass es uns angehen!"

Mit Kopfenden Herzen und feuchten Händen trat sie auf den Flur.
"Oh Gott", dachte sie, "Ich tue es tatsächlich. Hoffentlich bemerkt niemand meine steifen Nippel. Hoffentlich werde ich nicht auch noch feucht im Schritt." Sie konnte gerade so der Versuchung widerstehen sich dort zu berühren um selbiges zu prüfen.
Hanna war tatsächlich sexuell erregt. Das war natürlich kein unbekanntes Gefühl für sie, aber gerade jetzt total unpassend. Sie wusste selbst nicht so recht, warum das jetzt mit ihr geschah.
Ihr Selbstbewusstsein und ihr sonst so selbstsicheres Auftreten hatten plötzlich ein paar Kratzer bekommen.

Ihr Vater wartete auf den Flur, um seine Tochter vor den Altar zu führen.
Auch er war überrascht, sie an diesem Tag so zu sehen. Irgendwie hatte er zwar ein wenig damit gerechnet. Er konnte sich aber nicht wirklich vorstellen, dass sie sich das trauen und es wirklich durchziehen würde.

Die Musik setzte ein, als die beiden den Garten betraten. Allerdings spiele die Kapelle nicht so, wie man es von ihr gewohnt sein sollte. Der Takt stimmte überhaupt nicht, ja einige verspielten sich sogar hörbar.
Noch eh die beiden an den ersten Gästen vorbei Schritten, drehen sich die Ersten ob der schiefen Töne um.
Zuerst ging nur ein Raunen durch die Menge. "Die Kapelle spielt falsch.", könnte man als unbeteiligter denken. Doch immer mehr Gäste drehten sich um und erkannten den wahren Grund für die Aufregung.
Hannas Vater ließ sich davon aber nicht aufhalten. Mit sicheren und gleichmäßigen Schritten wie es sich für einen ehemaligen Militäroffizier gehörte, führte er seine Tochter nach vorne an den zum Großteil entsetzen Gästen vorbei.

Während die Gäste noch tuschelten, von hinten kamen einige Pfiffe, einige Eltern verzweifelt versuchten ihren Kindern die Augen zu zuhalten, Mikes Tante Elisabeth ein Glas Wasser verlangte und jeder der sonst noch etwas zum Filmen oder fotografierten dabei hatte, nach seinem Smartphone oder der Kamera kramte, übergab der Vater die Braut dem Bräutigam.
Dieser blieb relativ gefasst und ließ sich nichts anmerken. Denn wir erinnern uns, Hanna hatte ihre Absicht in der Vergangenheit mehrmals geäußert.
Allerdings hatte auch Mike wohl nicht wirklich damit gerechnet, dass sie sich das wirklich trauen würde. Gut es war passiert, nun stand sie da. Splitterfaser nackt – wie es so schön heißt – vor versammelter Hochzeitsgesellschaft. Ein Kamerablitz nach dem anderen blitze auf und hielt das geschehen für die Ewigkeit fest.

Auch nach der Zeremonie wollte noch jeder ein Foto vom Brautpaar haben.
Inzwischen hatte sich bei den meisten die Aufregung gelegt.
Außer vielleicht bei ein paar pubertierenden Jungs aus Mikes Familie.
Auch Hannas Anspannung war so gut wie gewichen.
Jeder hatte sie vollkommen nackt gesehen. Ihre Po, ihre Brüste, ihren nackten haarlosen Schambereich. Nah und? Das hatten hunderte oder gar tausende andere zuvor auch schon. Dazu hätte man nur nach Shame Iland kommen müssen. Es war eigentlich nichts Besonderes für sie. Für die anderen ja, für die war es etwas Besonderes.
Allenfalls waren die Umstände etwas außergewöhnlich. Denn wann hat man schon mal eine nackte Braut auf ihrer eigenen Hochzeit.
Von einigen bekam sie sogar Lob und Anerkennung für ihren Mut.
Und auch dafür, dass sie ihre Herkunft und Traditionen nicht verleugnete und auch entsprechend „traditionell“ auftrat.
Nur ihre Schwiegermutter schien etwas - nah sagen wir - "angepisst" zu sein.
"Ich hoffe du hattest deinen Spaß und bist auf deine Kosten gekommen.", waren die einzigen Worte die sie den ganzen Tag mit Hanna wechselte.
Später bekam sie noch mit wie Mike und seine Mutter etwas abseits heftig gestikulierend miteinander redeten.
Natürlich waren besonders die Herren der Schöpfung gar nicht zu halten, als es darum ging, die Braut zum Tanz aufzufordern. Das stieß bei ihren Frauen nicht gerade auf Gegenliebe.

Die Feier ging bis spät in die Nacht.
Es war kurz nach drei, als beide Todmüde gemeinsam ins Bett fielen.

Am nächsten Morgen wachte Hanna auf. Sie war allein im Schlafzimmer. Durch das offene Fenster hörte sie Geräusche von der Terrasse.
Sie schaute nach draußen. Die gesamte Familie saß beim Frühstück.
Auch sie hatte einen riesigen Hunger. Aber nackt wollte sie jetzt aber noch nicht nach unten gehen. Obwohl, was sollte jetzt noch großartiges passieren?
Sie erinnerte sich aber daran, dass sie in ihren Sachen noch so eine Art Kimono dabei hatte, welchen sie sich überzog.

Als sie auf die Terrasse kam und sich setzte, stand ihre Schwiegermutter auf, warf ihr einen bösen Blick zu und ging ins Haus.
Hanna wollte ihr folgen. Doch Mike hielt sie am Handgelenk, gab ihr einen die dicken Kuss auf die Wange und sagte nur "Lass sie, die beruhigt sich schon wieder."

Nach dem Frühstück gingen sie auf ihr Zimmer. Ihnen fiel auf, dass sie seit gestern "die Ehe noch gar nicht vollzogen hatten". Dieses holten nun sie umgehend in Bett und Dusche nach.
Dass es dabei nicht gerade leise zuging, störte sie absolut gar nicht.

Es war früher Nachmittag. Beide zogen sich an und gingen runter auf die Terrasse und in den Garten.
Mikes Schwester, seine Cousine mit ihren beiden Männern und Hannas Freundin hatten es sich auf den Liegestühlen bequem gemacht.
Hanna und Mike setzten sich dazu und genossen dieses Mal ganz züchtig bekleidet die Sonne.
Mikes Cousine Daniela schien ziemlich interessiert zu sein, was Hannas Heimat anging. Sie frage Hanna, wie es denn auf Shame Iland so sei. Wie denn die Männer reagieren würden, wenn sie ständig von nackten Frauen umgeben sind. Und wie es für die Frauen wäre, wenn sie ständig von den Männern angesehen werden.
"Wir sind alle ganz normal, nur dass Frauen nackt sind. Was meinst du?", fragte Hanna.
Natürlich konnte auch sie sich denken, auf was Daniela hinauswollte. Denn schließlich lebte sie ja nicht hinter dem Mond.
"Sie will wissen, ob dort alle dauergeil sind.", fügte Mikes Schwester Vanessa lachend an.
„Wir könnten Hanna ja mal besuchen“, meinte seine Daniela daraufhin, „Natürlich nur um uns selbst die Bild zu machen. Aber nicht ohne einen kleinen Test vorab!"
Sie stand auf, zog sich ihr Kleid über den Kopf. Zog ihren Slip aus, einen BH trug sie nicht, drehte sich einmal um ihre eigene Achse, rief "Shame Iland, wir kommen!" und sprang mit Anlauf in den Pool.
Alle anderen saßen die angewurzelt da und starrten ihr hinterher.
Als sie wieder auftauchte meinte sie nur "Was ist Mädels, feige oder was?"
Fast gleichzeitig standen Mikes Schwester Vanessa und Hannas Freundin Anja auf, zogen sich aus und sprangen ebenfalls ins Wasser.
Nur Hanna saß als einziges "Mädchen" noch bekleidet in ihrem Liegestuhl. Jetzt musste sie natürlich gleichziehen.
Sie streifte ihr Kleid ab. Mehr hatte sie sowieso nicht an.
Die Jungs waren immer noch sprachlos während die vier Mädels völlig nackt im Pool planschten.
"Auf Shame Iland! Auf die nackten Weiber!" erhob Mikes Schwager Christian sein Glas.

Plötzlich stand Mikes Mutter auf der Terrasse. "Das ist ja unglaublich.", schimpfte sie, "Und das in meinem Haus. Habt ihr denn gar keinen Anstand."
Vanessa stieg zuerst aus dem Wasser und ging völlig nackt auf ihre Mutter zu.
„Beruhig dich Mama. Das ist nur eine Trockenübung. Wir besuchen Hanna nämlich demnächst zu Hause.“, sagte sie ihrer Mutter total trocken ins Gesicht.
Auch Hanna stieg aus dem Wasser und ging auf sie zu. "Barbara, du bist natürlich auch eingeladen."
"Willst du mich verarschen. Ich gebe euch eine Stunde, dann seid ihr weg. Ihr alle!", fauchte sie.
„Solche sauerrein dulde ich in meinem Haus nicht. Ich habe dir schon immer gesagt das diese, diese … - vor lauter Schaum vor dem Mund brachte sie nicht mal Hannas Namen über die Lippen -  … einen schlechten Einfluss auf unsere Familie haben wird.“
Jetzt ging die Streiterei so richtig los. „Diese was? Vielleicht Schlampe? Sag es doch!
Du hast mich doch von vorherein abgelehnt und abgestempelt.“, rief Hanna ihr noch hinterher.   
Auch Mike schaffte es nicht, seine ja man kann schon sagen verbitterte Mutter zu beruhigen.

So traten alle Sieben kurz darauf ihre Heimreise an, ohne sich nochmal von ihrer Barbara zu verabschieden.
Zuvor versprachen sie sich noch gegenseitig sich bald auf Shame Iland zu einem gemeinsamen Urlaub zu treffen.

Für Hanna und Mike ging es jetzt erstmal in die Flitterwochen.
Drei Wochen in einen größeren und bekannten Nudisten Ressorts. Ein Ort, wo zur Abwechslung mal beide zusammen die hüllenlose Freiheit genießen konnten.


Kommentare

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nessi123 schrieb am 04.01.2021 um 04:51 Uhr

Sehr schöne story. Bitte schreib weiter ...

sequoia schrieb am 04.01.2021 um 14:01 Uhr

Klingt herrlich nach real life. Top.

libra53 schrieb am 05.01.2021 um 16:24 Uhr

Lieber Qerzu77,

vielen Dank für die schöne neue Geschichte von "meiner" Lieblingsinsel. Trifft sich die Familie noch auf Shame Island?

Ich meine, das ist driiiingend nötig!!!!!!!!!!!!!!!!!

Wartburg schrieb am 05.01.2021 um 23:20 Uhr

Besten Dank für die schön beschriebene Schilderung der Begegnung zweier Kulturen.