Jugend forscht Teil 2


Luftikus

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06.05.2020
CMNF

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Der erste Teil der Geschichte kann hier nachgelesen werden.

Frau Meiers zweiter Projektnachmittag

„Seid Ihr schon aufgeregt, Euer Projekt das erste Mal praktisch anwenden zu können?“, fragte Frau Meier ironisch, als sie die gierigen Gesichter ihrer Schüler musterte. Sie war gerade eingetreten und die vier Jungen standen wie angewachsen da und zitterten vor Spannung.

„Dann lasst uns anfangen“. Mit gespielter Unschuld und Arglosigkeit fingerte Sie den Bikini aus einem Seitenfach ihrer ledernen Umhängetasche. Die Augen der Nachwuchsforscher wurden groß, als sie das sehr knappe Teil sahen. Frau Meier hatte ihren alten Bikini zu Hause nicht mehr finden können, seit Jahren trug sie nur noch Badeanzüge, und sich so notgedrungen in der Kürze der Zeit den Bikini ihrer Tochter raus gegriffen.

„Was glotzt Ihr so? Habt Ihr noch keinen Bikini gesehen?“, fuhr Frau Meier ihre Schüler an. „Benehmt Euch gefälligst!“

Das Teil war wirklich ein Hauch von Nichts! Ihre Schüler wurden blass vor Aufregung. Ihre Herzen begannen wild zu pochen.

„Alles in Ordnung mit Euch?“

„Wo kann ich mich umziehen?“

Felix brauchte einen Moment, um sich zu beruhigen, dann zeigte er auf eine Schautafel einer alten Projektpräsentation, die im hinteren Teil des Labors aufgestellt war. Das Korkbrett zwischen zwei dünnen Ständerbeinen war 1,5 Meter breit, aber nur 75 cm hoch, die Unterkante lag gut 90 cm über dem Boden.

„Das versteht Ihr unter unbeobachtet?“ Die Jungen zitterten weiter vor Aufregung.

„Wir hatten nichts Besseres gefunden“, stammelte Felix.

„Alles nötige ist doch abgedeckt“, stellte Clemens in seinem für ihm bekannten besserwisserischen Ton fest. „Ach wirklich?“, motzte ihn Frau Meier an und stellte sich hinter die Ausstellungstafel. Sie zeigte mit ihren beiden Zeigefingern auf ihr Becken, das die hoch angebrachte Korktafel nicht bedeckte.

Felix und Oliver gingen zur Schautafel, lösten zwei Stellschrauben, und senkten das Tafelbrett herab, bis die Unterkante ungefähr 20 cm über Frau Meiers Kien stoppte. Nun war das Becken bedeckt, dafür aber jetzt der obere Teil ihrer Bluse bis zum Ansatz ihres Busens zu sehen. Die beiden drehten die Schrauben wieder fest, traten zurück, und betrachteten sich zufrieden ihr Bastelergebnis.

Frau Meier reagierte mit einem genervten Gesicht, mit dem sie ihren Schülern andeutete, dass diese Vorrichtung in keinster Weise akzeptabel war. Sie schaute sich um. Ein Stuhl und ein Garderobenständer standen bereit. Sogar an eine saubere Matte für ihre Füße hatten die Jungen gedacht, bei der Größe des möchtegernen „Paravent“ jedoch sehr geknausert.

Ihr wurde klar, dass sie ihre extralange Kreuzfahrtreise nach der sofortigen und wortlosen Genehmigung ihres bezahlten sechswöchigen Sonderurlaubs durch Direktor Huber sehr vorschnell gebucht hatte. Nun saß sie in der Falle. Bei einem Rückzieher ihrerseits würde alles verfallen.

„Und jetzt wollt Ihr hier eine Show sehen?“

Die vier taten so, als ob sie ihre Bemerkung nicht verstanden hatten. Frau Meier sah ihre Schüler streng an. Sie wartete darauf, dass sie sich umdrehen würden. Die vier rührten sich nicht. Hatte Direktor Huber ihnen von dem bezahlten Sonderurlaub erzählt? Die Jungen sahen sie erwartungsvoll an. Der Blutdruck der Jungen schien in ungeahnte Höhen zu steigen.

„Ihr solltet Euch anständig benehmen und nicht so hierhin glotzen“, mahnte die Pädagogin.

Ihre Schüler standen da, wie vom Blitz getroffen. Ihre Ermahnung schien sich nicht erreicht zu haben. Sie wendete ihnen ihren strengen Lehrerinnenblick zu. Der änderte aber nichts.

Frau Meier entschloss sich, eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen, mehr noch, den Affen richtig Zucker zu geben. Würden ihre Schüler jetzt vor Erregung umkippen, wenn sie ihnen jetzt eine laszive Showeinlage bietet? Wer wäre schuld? - natürlich die falsch eingestellten Infraschallwellen!

„Euer Benehmen ist unter aller Würde.“

Frau Meier setzte sich auf den Stuhl, zog sich die Schuhe aus, und trat auf ihren bestrumpften Füßen auf die saubere Fußmatte. Unter der Unterkante der Korktafel fiel der Rock zu Boden, ihre Beine in der Strumpfhose waren nun zu sehen. Frau Meier sah über die Oberkante hinweg ihre Schüler an, öffnete sich, ohne eine Miene zu verziehen, den obersten Kopf ihrer Bluse, dann die nächst unteren Knöpfe. Die Bluse glitt ihr von den Schultern.

Knapp über der Oberkante der Schautafel konnten die Jungforscher nun den, mit feiner Spitze verzierten oberen Saum der Brustkörbchen ihres BH‘s sehen. Normalerweise drehte Frau Meier den Verschluss ihres BH nach vorne um ihn leichter öffnen zu können. Diesmal griff sie mit einer umständlichen Verrenkung nach hinten. Das dauerte, erhöhte die Spannung. Die Gesichtsfarbe ihrer Schüler wechselte von blass nach hochrot.

„Fühlt Ihr Euch auch wirklich wohl? Ihr seht mir ein bisschen krank aus.“ Die vier schüttelten die Köpfe. Die Träger des BH rutschten von ihren nackten Schultern, der Ansatz des unbedeckten Busens war nun über der Oberkante zu erkennen.

„Wollt Ihr nicht schon mal Eure Computer hochfahren?“ Ihre Schüler erstarrten zu Salzsäulen. Sie bewegten sich nicht vom Fleck.

Frau Meier setzte sich auf den Stuhl, streckte ihren Oberkörper, damit ihr Busen nicht unter der Unterkante gesehen werden konnte. Sie war nur noch mit Strumpfhose und Schlüpfer bekleidet. Die vier Jungforscher glotzten auf die gestreckte seitliche Silhouette ihrer Lehrerin, die nun mit beiden Händen das Bündchen ihrer Strumpfhose ergriff und langsam zu den Füßen herunterrollte. Frau Meier stand auf. Es waren nur ihre nackten Beine zu sehen, an denen ihr Schlüpfer herab zu Boden glitt. Jetzt war sie hinter der Korktafel vollkommen nackt.

„Schaut jetzt endlich weg. Ich bin Eure Lehrerin. Was denkt eigentlich, was ich sonst sein sollte?“

Frau Meier hielt sich den Arm vor ihre Brüste, damit ihre Nippel nicht zufällig über die Oberkante der Schautafel blitzen konnten. Listig sah sie ihre Schüler an. Die Jungforscher begannen schwer zu atmen.

„Ihr seid schon sehr aufgeregt, und wollt jetzt bestimmt schnell mit Eurem ersten Praxistest beginnen?“

Frau Meier blickte auf vier weit auseinander gerissene Augenpaare.

„Na dann will ich mir schnell den Bikini anziehen, damit wir anfangen können.“ Die Lehrerin beugte ihren Oberkörper hinter die Tafel und zog das Bikinioberteil an, richtete sich wieder auf, und legte das Höschen an. Da es mit seitlichen Bändern befestigt wurde und sie keinen Fuß anheben musste, bekamen ihre Schüler nicht mit, dass sie sich unten herum wieder bekleidet hatte, und erschraken leicht, als Frau Meier plötzlich hervortrat und sich im Bikini präsentierte.

Der Bikini war für sie zu klein. Mit den Jahren war Frau Meier üppiger geworden. Ihre großen Brüste hingen leicht und spannten die kleinen Stoffdreiecke. Auch ihr Hintern hatte seit einiger Zeit zugenommen und quoll leicht aus dem Bikinihöschen, ohne dabei aber zu plump zu wirken. Die vier Jungen sahen auf ein Vollweib in einem zu knappen Bikini.

„Los. Fangt jetzt mit Eurer Forschungsarbeit an. Wir haben genug Zeit verplempert“, sagte sie freundlich aber bestimmt.

Die vier Jungforscher standen wie angewurzelt, und lösten sich erst aus ihrer Starre, als Frau Meier entschlossen dicht an sie herantrat. Clemens und Felix gingen zu den Computern, Jan zu dem Bedienkasten der Liegeeinheit.

Oliver jedoch holte ein Stativ aus einem Schrank, auf das er eine Videokamera festschraubte.

„Ihr wollt mich dabei filmen?“, fragte Frau Meier erstaunt. Bis jetzt fühlte sie sich in der Geheimhaltung des isolierten Labors sicher. Niemand würde etwas von ihrem unkonventionellen Auftreten mitbekommen, die vier Jungen darüber schweigen. Davon war sie bis zu diesem Moment ausgegangen.

Nun sollte alle Welt auf Video zu sehen bekommen, wie sie sich in einem viel zu engen Bikini mit ausgestreckten Gliedern auf der Liegeeinheit präsentiert? Sie würde sich zum Gespött ihrer Schüler machen.

„Wozu die Videokamera?“, wiederholte sie ihre Frage.

„Die Teilnahmebedingungen von Jugend forscht schreiben eine umfangreiche Videodokumentation vor. Ohne diesen visuellen Entwicklungsnachweis kommen wir nicht in die nationale Endausscheidung“, erklärte Clemens hochoffiziell.

„Also Ihr wollt Eure Lehrerin im knappen Bikini als Videoclip zur Schau stellen? Das gefällt Euch wohl?“

„Die Dokumentation ist nur für ein Fachpublikum gedacht“, pikierte sich Clemens.

Das konnte Frau Meier nicht beruhigen. Die Vorstellung, älteren Physikprofessoren und Staatssekretären des Wissenschaftsministeriums als Wichsvorlage zu dienen, gefiel ihr nicht.

„Und außerdem“, warf Clemens vorlaut hinterher, „waren Sie vorhin nicht so schamhaft.“

„Was?“, brach es wütend aus Frau Meier heraus, „Ihr habt Eure Zusage nicht eingehalten, für einen ordentlichen Sichtschutz zu sorgen.“ „Es steht Ihnen frei, zu Direktor Huber zu gehen, und Ihm mitzuteilen, dass wir die Teilnahmebedingungen nicht erfüllen können, weil Sie Ihre gesellschaftlichen Konventionen und Ihre Schamhaftigkeit so überhöhen.“ Frau Meier musste schlucken.

„Wir können Sie in der Videonachbearbeitung mit Blurs unscharf machen, damit man Sie nicht erkennt“, schlug Felix vor.

Frau Meier brauchte einen Moment, um sich zu fassen und nachzudenken. „Ganz deutlich gesagt“, erklärte sie nach drei Minuten des Schweigens, „ich habe alle Rechte an meinem eigenen Bild.“ Die Lehrerin ging zur Videokamera und schaute auf den Vorschaubildschirm. „Es werden keine Videoaufnahmen von mir gezeigt, bevor ich diese nicht vorher gesehen und meine Zustimmung gegeben habe.“

Ihre vier Schüler stimmten zu. Frau Meier ging zur Liegeeinheit. „Einen Momente bitte“, nervte Clemens mit kieksiger Stimme, wobei er hastig Daten in einen Computer eingab, „wir müssen vorher noch Ihr exaktes momentanes Gewicht ermitteln.“

„Könnten Sie sich bitte ohne Badebekleidung auf die Waage stellen.“ „Was?“

„Für jeden neuen Behandlungsvorgang müssen Stärke und Frequenz der Schallwellen neu auf das jeweilige aktuelle Gewicht der weiblichen Versuchsperson abgestimmt werden. Dabei sollte die Fehlertoleranz nicht plus/minus 1,5 Gramm überschreiten.“

Die Videokamera richtete sich auf die säuerlich dreinblickende Pädagogin aus. „Und wegen Eurer Dokumentationspflicht wollt Ihr Eure Lehrerin nackt auf der Waage filmen, um zu beweisen, dass der Wiegevorgang korrekt durchgeführt wurde“, kommentierte Frau Meier die Aufforderung sarkastisch.

Clemens nickte, als ob sie eine Rechenaufgabe richtig gelöst hätte. Für den sarkastischen Unterton fehlte ihm die zwischenmenschliche Antenne.

„Es besteht auch die Möglichkeit, den Bikini gesondert zu wiegen und den Wert abzuziehen, wenn wir Sie mit Bikini wiegen“, gab Felix zu bedenken. Clemens verzog sein Gesicht.

Oliver schüttelte heftig den Kopf. Zappelig zog er seine Mitschüler zu einem der Computermonitore. Dort ließ er ein Simulationsprogramm laufen, das zeigte, dass die Schallwellen am genauesten kalibriert werden konnten, wenn das Gewicht des Bikinis mitberechnet wurde. Clemens war damit absolut nicht einverstanden und überzog die anderen mit einem Schwall von Zahlenwerten und Fachbegriffen.

Jan und Oliver ließen sich davon nicht beeindrucken. Auch Clemens alternative Computersimulation konnten sie leicht als fehlerhaft entlarven. Beleidigt ging er zur Waage und murmelte etwas von Karl Popper und schwarzen Schwänen. Frau Meier konnte den Bikini anbehalten.

Felix führte seine Lehrerin zur Waage. Verblüfft erblickte Frau Meier die Standfläche, auf die sie sich zum Zwecke des Wiegens stellen sollte. Anstatt der 35 mal 35 Zentimeter bei einer üblichen Waage maß die Standfläche dieser Spezialanfertigung ihrer Schüler gut 90 mal 90 Zentimeter! Mit noch größerer Befremdung registrierte Frau Meier die acht aufgemalten gelben Fußsymbole, die sich entlang der Kanten positioniert befanden. Vier jeweils in einer der Ecken, die anderen vier mittig dazwischen.

„Bei den herkömmlichen Wiegeverfahren treten durch leichte unausbleibliche Gewichtsverlagerungen der auf der Waage stehenden Person seitliche Hebelkräfte auf, die sich negativ auf die Exaktheit der Messung auswirken“, erklärte Clemens, ohne dass ihn Frau Meier danach gefragt hatte, „daher werden wir mehrere Wiegeeinheiten durchführen, bei denen Sie jeweils eine andere Körperhaltung einnehmen müssen.“

Frau Meier stellte sich auf die Mitte der Standfläche. „Wiegen ist Wiegen. So wird es ausreichend sein, wenn ich so normal wie bei jedem anderen Wiegen auch hier stehen bleibe“, meinte sie lakonisch.

„Nein. So geht das nicht!“, echauffierte sich Clemens, „so kommen wir zu keinen brauchbaren Ergebnissen.“ Kribbelig lief er um die Waage herum und zeigte auf die Fußsymbole, die mittig links und rechts an den Kanten aufgemalt waren. „Wenn Sie bitte ihre Füße hier auf die vorgezeichneten Punkte stellen könnten.“

Frau Meier beäugte skeptisch die weit auseinander liegenden gelben Fußsymbole. „Dann steht Eure Lehrerin sehr breitbeinig vor Euch“, bemerkte sie argwöhnisch: „Und das betrachtet Ihr als eine angemessene Verhaltensweise einer Lehrerin gegenüber ihren Schülern?“ Frau Meier drehte sich leicht zu Clemens und blickte ihn säuerlich an.

„Ohne Ihr aktuelles genaues Gewicht können wir die Schallwellen nicht hinreichend kalibrieren“, Clemens zeigte noch einmal auf die Fußsymbole, „Bitte!“

Nur widerwillig setzte Frau Meier ihren linken Fuß auf den vorgezeichneten Punkt. Um den rechten Fuß auf die gelbe Abbildung an der gegenüberliegenden Kante zu stellen, musste sie eine sportliche Leistung vollbringen. So stand sie nun breitbeinig auf der Waage. Die Blicke ihrer Schüler konnte sie nur erahnen. Sie stand mit den Rücken zu ihnen auf der Waage. Würden sie ihr auf ihren Hintern blicken? In dieser breitbeinigen Position würden ihre Pobacken in den viel zu kleinen Bikinitanga noch unvorteilhafter zur Geltung kommen, als sie es sowieso schon taten. Sollte sie sich umdrehen? Das brächte auch nicht viel.

„Wenn Sie bitte für die erste Messung Ihre Arme anheben, seitlich ausstrecken und diese Position für 5 Sekunden halten könnten“, wies sie Clemens mit quiekender Stimme an, „bei der zweiten Messung möchten wir sie bitten, beide Handflächen auf den Kopf zu legen und diese Position ebenfalls für 5 Sekunden zu halten.“

Frau Meier dachte an ihren Sonderurlaub und folgte den Anweisungen. So stand sie nun breitbeinig mit den Händen auf dem Kopf auf der Standfläche und fühlte sich ausgeliefert.

„Diese Körperhaltung ist äußerst ungewöhnlich“, bemerkte sie ironisch, „ist das wirklich notwendig?“

„Könnten Sie bitte unsere wissenschaftliche Arbeit nicht ständig durch wiederholte Deklinationen nebensächlicher gesellschaftlicher Konventionen behindern“, bluffte Clemens sie an, „und ja, diese Messungen sind notwendig. Schon drei Gramm zu viel würde die Verwendung der Schallwellen nutzlos machen.“

„Sagt mal, filmt Ihr mich dabei?“, fragte Frau Meier entsetzt.

„Diese Messungen sind unabdingbarer Teil des wissenschaftlichen Prozesses und müssen dokumentiert werden.“

Frau Meier musste weitere Positionen einnehmen. Als Nächstes stellte sie ihre Füße auf die mittigen Symbole der vorderen und hinteren Kante der Standfläche, so, als ob sie einen großen Schritt machen würde. Es folgten die jeweils 5 Sekunden mit ausgestreckten Armen und Handflächen auf den Kopf. Noch anstrengender waren die Positionen bei denen Frau Meier ihre Füße auf die Symbole an den Ecken stellen musste. Ihre Beine waren dabei so weit gespreizt, dass sie an den Sehnen im Schrittbereich eine unangenehme Spannung spürte.

„Wir sind fast fertig“, verkündete Clemens zufrieden, „die letzte geplante einzunehmende Körperhaltung sieht vor, dass die weibliche Versuchsperson ihre Füße auf den Ecken der vorderen Kante positioniert und sich so weit wie möglich vorbeugt. Ideal wäre es, wenn Sie Ihre Handflächen dabei auf der hinteren Kante auflegen könnten.“

„Und Ihr hattet Euch anfangs vorgestellt, dass Eure Lehrerin diese Körperhaltung vor Euch ohne Badebekleidung einnehmen soll?“, fragte Frau Meier empört.

Clemens wollte gerade zu einer Wutrede ansetzen, als ihm Oliver auf die Schulter tippte, und ihm auf einem Laptop eine Simulation zeigte. „Nun ja“, rief Clemens überrascht aus, „die Analyse der von uns bis jetzt erhobenen Daten ergibt, dass die letzte geplante Körperposition sich negativ auf den weiteren Behandlungsprozess auswirken würde.“

Clemens machte eine kleine Pause. „Da wir anhand der bisherigen Messungen einen Wert innerhalb der Toleranzgrenze ermitteln können, werden wir auf den letzten Messvorgang verzichten.“

Frau Meier war erlöst, doch schon wartete die nächste Herausforderung auf sie: heute wird sie zu ersten Mal in die Wunderwellenwanne eingetaucht werden.

Felix geleitete sie zur Liegeeineinheit und bat sie, sich darauf zu legen.

„Einen Hinweis noch“, rief ihr Clemens hinterher, „falls Sie etwas trinken sollten oder den Nassbereich aufsuchen, muss der Wiegevorgang komplett wiederholt werden, da wir stets Ihr genaues aktuelles Gewicht benötigen.“

Skeptisch stand Frau Meier vor der Liegeeinheit, die sie nun ihrer ersten Behandlung zuführen sollte. Wie würde es sich anfühlen? Clemens letzte Bemerkung war wenig hilfreich gewesen, ihre Unsicherheit zu mindern. „Und Ihr werdet mich jetzt von meinen Rückenschmerzen befreien?“, fragte Frau Meier, um sich von ihren unterbewussten Ängsten abzulenken.

„Da sich unsere Behandlungsmethode noch im Versuchsstadium befindet, können wir hierzu noch keine verifizierten Aussagen machen.“ Clemens. Bei diesem groben Klotz wäre jede Nachhilfe in Sensibilität eine vergebene Liebesmüh. Frau Meier verdrängte ihren Ärger, wollte sich auf die Liegeeinheit legen.

Dann passierte es. „Au.“

Frau Meier zuckte zusammen. Felix musste sie stützen. „Was ist mit Ihnen?“, fragte er besorgt.

„Ich glaube ich habe einen Hexenschuss“, antwortete seine Lehrerin mit einem schmerzvollen Gesicht, „das kommt bestimmt von Eurem seltsamen Wiegeverfahren.“

„Nein, das ist absolut ausgeschlossen“, verteidigte sich Clemens, „wir haben die gesundheitliche Unbedenklichkeit in mehreren Computersimulationen überprüft.“

Frau Meier verzog verärgert das Gesicht. Es war ihr nicht nach einer nervigen Diskussion.

„In der Wanne werden wir Ihre Spannungen und Schmerzen schnell lösen können“, beruhigte sie Felix. Frau Meier nickte und setzte sich vorsichtig auf die heruntergefahrene Liegeeineinheit. Selbstständig ihre Beine auflegen konnte sie nicht. Dazu schmerzte ihr Rücken zu sehr. „Jan. Könntest Du mir bitte helfen?“

Jan trat an sie heran, blieb aber unbeholfen vor ihr stehen. „Ja. Es ist in Ordnung. Du darfst Deiner Lehrerin an die nackten Beine fassen.“ Zaghaft ergriff er ihre Unterschenkel, hob sie sachte an, und drehte Frau Meier in die Liegeeinheit hinein. Als er ihre Haut spürte, schlich sich ein leichtes Zittern in seinen Körper, das sich noch verstärkte, als er ihre Beine in die Polsterauflagen drückte. Vorsichtig stützte er ihren Rücken, damit sie sich langsam zurücklehnen konnte. Dann positionierte er auch ihre Arme in die vorgesehene Lage, und drehte ihre Handinnenflächen nach oben.

Felix überprüfte an einem der Computer die korrekte Funktion der Messpunkte der Liegeeineinheit. „Jan, könntest Du bitte noch einmal den richtigen Kontakt der Haut zu den Messpunkten überprüfen.“

Jan blickte verschämt fragend auf seine Lehrerin. Frau Meier nickte ihm leicht lächelnd zu, um ihm zu bedeuten, dass es in Ordnung sei. Selbstbewusster und fester als zuvor begann er ihre Beine in den Polsterschienen zu versetzen und neu auf die Messpunkte aufzudrücken. Dann kamen die Gesäßmuskeln an die Reihe. Jan griff unter ihren Hintern, und schob den Stoff ihres Bikinihöschens mehr in die Mitte, damit auch hier der Kontakt zu den beiden Messpunkten nicht unterbrochen wurde.

„Jan, schau doch mal bitte nach den Messpunkten an den Schulterblättern. Da bekomme ich keinen Signalinput.“ Vorsichtig schob Jan seine flache Hand unter Frau Meiers Rücken und blinzelte in den Zwischenraum, der sich bildete, als er den Oberkörper seiner Lehrerin leicht nach oben drückte. Die Bändchen des Bikinioberteils lagen genau auf den Messpunkten. Jan wollte Frau Meier sagen, dass die Bändchen gelöst und einige Zentimeter am Rücken nach unten versetzt werden sollten. Er traute sich nicht. Drucksend stand er neben seiner vor ihm ausgestreckt liegenden Lehrerin und brachte keinen Ton heraus.

„Jan, was ist jetzt mit den Messpunkten?“, fragte Felix.

„Ja Jan, was ist denn mit den Messpunkten los?“, hakte Frau Meier grinsend nach.

Hilflos schaute Jan auf Felix, dann deutete er ein Bikinioberteil an, indem er mit seinen hohlen Händen die Körbchen nachbildete und dann seine Arme nach hinten verdrehte, um den Verlauf der Bändchen zu zeigen. Felix verstand und erklärte es Frau Meier.

„Aber Du musst mir dabei helfen Jan, mit meinen Rückenschmerzen schaffe ich das nicht“, stimmte Frau Meier zu.

Jan ergriff die Arme seiner Lehrerin, zog sie nach vorne, richtete ihren Oberkörper auf und zog an der Schleife, mit der die Bändchen des Bikinioberteils verbunden waren. Die Körbchen lösten sich und machten sich daran, nach unten zu rutschen. Erschrocken riss Frau Meier ihre Hände an ihre Brüste.

„Jan, Du solltest die Bändchen versetzen. Nicht mich ausziehen!“, schimpfte sie.

„Bleib hier!“, fuhr sie Jan an, der sich schon wieder verschämt in einer Ecke des Raumes verkriechen wollte, „binde mir den Bikini wieder zu!“

Jan trat hinter sie, nahm sich die Enden der Bändchen, frickelte sie zusammen ohne zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. Frau Meier musste immer noch die Körbchen ihres Bikinioberteils festhalten. „Wenn Du Dir Deine Schuhe zubinden kannst, dann auch mein Bikinioberteil“, sagte sie genervt.

Jan versuchte es nochmal. Kitzelnd spürte Frau Meier seine zappeligen Hände an ihrem Rücken. Dann gab er auf. Frau Meier stöhnte genervt auf. Gerne hätte sie es selbst getan, aber mit ihren jetzigen Rückenschmerzen war es ihr unmöglich. Jan ging zu Felix. Hastig nahm er einen Stift und zeichnete eine kleine Skizze, die er ihm zeigte. Felix verstand.

„Frau Meier, sie müssten die Bändchen am Rücken bitte lose lassen.“ Seine Lehrerin sah ihn verärgert an. „Seid Ihr Genies zu blöd eine Schleife in zwei Bändchen zu binden?“, fragte sie sarkastisch.

„Nein. Darum geht es nicht“, verteidigte sich Felix. „Die Bändchen müssen lose sein, damit sie nicht auf den Messpunkten aufliegen.“ Frau Meier stöhnte ein weiteres Mal genervt auf.

„Bitte befreit mich einfach nur von diesen Rückenschmerzen“, meinte sie resigniert, atmete tief aus, und ließ ihre Schultern sinken. Jan trat wieder zu ihr, nahm ihre Schultern, und führte ihren Oberkörper sachte zurück auf die Polsterauflage. „Ich muss schon mit meinem Rücken auf den Bändchen aufliegen, damit sie nicht lose im Wasser schwimmen“, sagte Frau Meier, als Jan die Handgelenke seiner Lehrerin, die immer noch die Körbchen ihres Bikinioberteils festhielt, ergreifen wollte, um ihre Arme zurück auf die Polsterschienen zu legen.

Jan quetschte seine flache Hand zwischen Frau Meiers Schulterblättern und der Polsterauflage, dann zupfte er die Bändchen so gut er konnte, entlang der Kante des Polsters unter den Rücken seiner Lehrerin. Als er dann seine Hände vorsichtig auf ihren Bauch legte, um den Rücken auf die Bändchen zu drücken, berührten seine Daumenballen die unteren Ansätze ihrer Brüste. Er begann zu zittern.

„Sag mal Du Dokumentarist“, blinzelte Frau Meier schmunzelnd in Richtung Olivers, der alles, somit auch Jans jetzige Verrenkungen mit seiner Kamera aufgenommen hatte. „Verwendet Ihr das hier im Moment auch für Eure verpflichtende Dokumentation, oder schneidet Ihr es heraus?“

Die Jungen sahen sich überrumpelt und fragend an.

„Danke Jan. Ich denke, dass die Bändchen nun gut genug eingeklemmt sind.“ Frau Meier nahm ihre Hände von den Körbchen des Bikinioberteils und streckte ihre Arme nach hinten aus, wo Jan sie wieder auf die Polsterschienen positionierte.

„Alle Messpunkte arbeiten einwandfrei“, verkündete Felix, „wir können loslegen.“

Leicht summend setzte sich die Liegeeinheit in Bewegung. Frau Meier sah die Decke auf sich zukommen. Dann fuhr die Liegeeineinheit langsam zur Seite. Frau Meier fühlte sich orientierungslos, wollte ihren Kopf wenden.

„Bitte nicht bewegen. Sonst lösen sich noch die Bändchen ihres Bikinioberteils.“

Dann begann sich die Liegeeineinheit zu senken.

„Bleiben Sie ganz ruhig Frau Meier. Stellen Sie sich einfach vor, dass Sie gleich mit einem Delfin im Meer schwimmen werden, der mit seinen Klicktönen eine heilende Wirkung auf sie ausübt.“

Ach du meine Güte – Clemens versuchte sich in Psychologie.

„Wir haben uns bei der Entwicklung unseres neuen Verfahrens an der Sonophorese, also der heilenden Wirkung der Schallwellen in der Delfintherapie orientiert“, erklärte Clemens weiter, „daher kann diesem Vergleich durchaus eine wissenschaftliche Grundlage zugesprochen werden.“

Gut, das zu wissen.

Die Liegeeineinheit tauchte in das Wasser ein. Frau Meier, die in ihrer Bewegungslosigkeit mehr die Decke, als alles andere ihrer sonstigen Umgebung wahrnahm, spürte das angenehm temperierte Wasser an ihren Füßen. Langsam wurde sie weiter in die Behandlungswanne herabgelassen, dann erreichte die Wasserlinie die Körbchen ihres Bikinioberteils. Frau Meier spürte ein leichtes Anheben des Stoffes. Die Lehrerin erschreckte. Bloß nicht, dass sie sich gleich im Wasser verselbstständigen würden und sie unbedeckt ließen.

„Bitte halten Sie still, Frau Meier.“

Die Bändchen hielten, ihre Brüste blieben bedeckt. Nun war sie bis zum Hals im Wasser eingetaucht.

Ein wirres Kräuseln zog sich plötzlich über die Wasseroberfläche. Erst vernahm Frau Meier ein kaum hörbares unterschwelliges Summen, dann spürte sie dieses seltsame Kribbeln auf ihrer Haut. Viele kleine tausende Nadelstiche drangen, ohne zu piksen oder auf eine andere Weise unangenehm zu sein, tiefer in ihre Muskulatur ein.

Eine wohltuende Entspannung breitete sich in ihr aus. Obwohl ihr Körper schon fest auf der Liegeeineinheit aufpresste, meinte sie, jetzt noch tiefer in die Polsterungen hineinzusinken. Die Rückenschmerzen linderten sich.

„Ach Jungens, Ihr seid ja wirklich Genies“, seufzte Frau Meier, „bin ich jetzt schon geheilt?“

Ihre vier Schüler schüttelten fast gleichzeitig altklug die Köpfe.

„Leider nein“, antwortete Felix, „dieser Entspannungszustand ist nur temporär. Ihre Rückenschmerzen würden sofort wieder zurückkehren, wenn wir sie aus dem Wasser heben.“

Eine leichte Enttäuschung zog sich über Frau Meiers Gesicht.

„Wir werden nun daran arbeiten, ein stabiles Schallwellenmuster zu etablieren, das genau auf ihren Körper abgestimmt ist, und mit dessen Hilfe wir dann einen auf Dauer angelegten Heilungsprozess einleiten können.“

Felix und Jan holten zwei große Flachmonitore, die sie so an den oberen Teil der Liegeeinheit montierten, dass Frau Meier diese von ihrer bewegungslosen Position aus gut betrachten konnte. Die beiden stecken verschiedene Kabel in die Monitore und tauschten mit Clemens allerlei fachchinesische Begriffe aus. Dann leuchteten die Bildschirme auf.

Der linke Monitor zeigte ein Schema ihres Körpers, der ausgestreckt auf der Liegeeinheit lag. Ihre Körperteile und Muskelgruppen wurden in verschiedenen Farben dargestellt. Der rechte Monitor zeigte den Umriss der Wanne, in dessen Inneren viele Striche ungeordnet durcheinander wirbelten.

„Der rechte Monitor symbolisiert den Zustand des Schallwellenmusters“, erklärte Felix, „wie sie sehen, ist noch kein geordnetes Muster etabliert. Darum werden wir uns zuerst kümmern.“ Felix zeigte auf die vielen kleinen wirr verlaufenden Striche auf dem rechten Monitor. „Denn Fortschritt unserer Arbeit können Sie daran erkennen, dass diese Striche sich ordnen. Danach können wir die Ungleichgewichte in Ihrer Muskulatur behandeln, die hier auf den linken Monitor farbig dargestellt sind.“

„Können wir beginnen?“ Frau Meier nickte vorsichtig. Allzu viel wollte sie sich nicht bewegen, da sich sonst ihr Bikinioberteil zu lösen drohte. Aus dem unteren Augenwinkel konnte sie unter den Monitoren Oliver erkennen, der nun das Stativ seiner Videokamera weitestmöglich hochschob, um so von oben in die Wanne hinein filmen zu können – selbstverständlich nur aus wissenschaftlichen Interesse.

„Frau Meier, bitte halten Sie still.“

Sie konnte das Rücken von Stühlen und das Klappern von Computertastaturen hören. Clemens faselte etwas von Werten in Millivolt. Wieder kräuselte sich die Wasseroberfläche. Langsam ordneten sich die kleinen Striche auf dem rechten Monitor über der Wanne. Das Wasser begann sich anders anzufühlen - irgendwie elektrisch aufgeladen. Dann pikste es in ihrem rechten Bein. Nicht heftig. Es hatte auch nicht weh getan.

Die anfangs fast schon geordneten Striche auf dem Monitor verwirbelten sich wieder in einen chaotischen Zustand.

„Frau Meier, Sie haben nicht still gehalten!“, schimpfte Clemens.

„Ich habe still gehalten!“, stellte Frau Meier kategorisch fest.

Dann stand Clemens schon neben den beiden Monitoren. „Dann sehen wir uns doch einmal den Zeitindex unserer Scans an“, feixte er und tippte theatralisch auf sein Laptop ein. Die Aufzeichnungen auf den beiden Monitoren liefen ca. eine Minute rückwärts. „Hier“, rief Clemens aus. „Genau hier.“ Clemens hob seine Augenbraue. „Sehen Sie!“ Der linke Monitor zeigte, wie sich Frau Meiers schematisch dargestelltes rechtes Bein erst orange, dann tief rot färbte. Clemens Zeigefinger schoss zum rechten Monitor, der zeigte, wie sich daraufhin die fast schon geordneten Striche wenige Augenblicke nach der Rotverfärbung ihres Beines wieder verwirrten.

„Rot zeigt Muskelaktivität an“, dozierte Clemens. „Hier ist der klare Beweis, dass Sie mit dem rechten Bein gezuckt, und so das fast etablierte Schallwellenmuster zunichte gemacht haben.“

Frau Meier wollte ihm zurechtweisen. Aber was sollte sie sagen? Der Beweis war übermächtig. Die Tatsache, dass sie ihre Arme nicht bewegen, und zur Körpersprache einsetzen konnte, schränkte ihre Artikulationsfähigkeit spürbar ein. Ihr blieb nur ein verärgertes Augenrollen, das Clemens Überheblichkeit keinen Einhalt gebot.

„Aber Frau Meier, wenn wir Ihre Rückenschmerzen heilen sollen, dann müssen Sie auch kooperieren. Halten Sie bitte still. Wenn Sie mit einem Körperteil zucken, dann wird das von einem der Messpunkte als veränderte Muskelspannung registriert und löst eine negative Rückkopplung im gesamten Regelkreislauf aus.“

Frau Meier schwieg.

„Wir werden es nochmal versuchen.“ Sie hörte, wie sich seine Schritte entfernten.

Wieder klapperten die Computertastaturen. Frau Meier schielte auf das Wasser. Noch spiegelte sich der Wannenrand auf der glatten Wasseroberfläche. Sie versuchte sich zu entspannen, konzentrierte sich darauf, ihren Körper still zu halten. Die schematische Darstellung ihres ausgestreckten Körpers auf dem Monitor zeigte keinerlei Orange oder Rot. Es folgte ein weiteres Klappern der Computertastaturen. Kleine Wellen zogen durch das Wasser.

Angespannt schaute Frau Meier auf die Monitore. Die kleinen Striche ordneten sich wieder. Jetzt musste sie stillhalten. Das Wasser kribbelte leicht, aber sie hielt still. Angestrengt beobachtete sie auf dem Monitor die abgebildeten Farben ihrer Körperteile. Dann sah Frau Meier die Rotverfärbung ihres linken Unterschenkels. Das leichte Ziehen spürte sie erst hinterher.

Die kleinen Striche auf dem anderen Monitor gerieten wieder durcheinander.

„So kann ich nicht arbeiten!“, regte sich Clemens auf, „Sie bewegen sich ständig. So hat das alles keinen Zweck.“ Die Monitore erloschen. Frau Meier wendete ihren Kopf zu ihren Schülern hin. Die saßen frustriert vor ihren Computern, die Praxis hatte ihre hochgesteckten theoretischen Erwartungen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Nach einiger Zeit hängender Schultern raffte sich Felix auf. Sein Gesicht hellte sich auf. Mit neuer Agilität ergriff er die Initiative.

„Eine kleine Pause wird uns jetzt allen guttun“, sagte er und ging zur Bedientafel der Liegeeinheit. Summend hob sich das Gestell aus dem Wasser. Schon einige Zentimeter über der Wanne spürte Frau Meier das Rückkehren ihrer Rückenschmerzen. Am liebsten wäre sie sofort wieder in die wohltuend lindernde Wanne eingetaucht.

Die Liegeeinheit senkte sich bis kurz über den Boden. Felix wollte seiner Lehrerin helfen, sich aufzurichten.

„Nicht so schnell Felix“, tadelte sie ihn, „hast Du vergessen, dass die Bändchen von meinem Bikinioberteil lose sind?“ Hastig hielt sie die Körbchen fest, dann durfte Felix ihren Oberkörper anheben.

„Möchten Sie vielleicht eine Tasse Tee?“, fragte er freundlich, um die Situation zu entspannen.

Frau Meier lehnte dankend ab. Nach einem kurzen Blick auf Clemens, der schon wieder zu einer ausufernden Belehrung ansetzen wollte, zog sie es vor, ihr Gewicht plus/minus 1,5 Gramm genau zu halten. Nach einer neuerlichen Wiegeprozedur war ihr wirklich nicht zumute.

„Wollen wir es in zehn Minuten noch mal versuchen?“, fragte Felix entgegenkommend und aufmuntert.

Frau Meier schüttelte den Kopf. „Eure Wunderwellen reizen einfach zu sehr. Da kann ich nicht stillhalten. Die Bewegungen kommen einfach unwillkürlich.“

Clemens schüttelte ungläubig den Kopf. Dass seine vom ihm berechneten Dosierungen unwillkürliche Bewegungen auslösten, konnte er nicht akzeptieren. Es würde den ganzen praktischen Ansatz seiner Theorien zunichtemachen. Fiebrig grapschte er sich seinen Laptop und überprüfte noch einmal seine zugrundeliegenden Simulationen.

„Jan, könntest Du mir bitte mein Bikinioberteil wieder zubinden?“

Selbstsicherer als zuvor stand Jan vom Computertisch auf und trat hinter seine Lehrerin. Die machte ein leicht entzücktes Gesicht, als sie das Kitzeln von Jans geschickt agierenden Fingern an ihrem Rücken spürte.

„Das hast Du ja richtig gut gemacht“, lobte Frau Meier. Sie wusste nicht, dass Jan inzwischen mit seinen Schnürsenkeln geübt hatte, während sie bei ihrer Behandlung nur die Decke und Oliver sehen konnte.

„Ihre Bewegungen sind auf keinen Fall unwillkürlich“, wetterte Clemens schrill durch den Raum. „Die Überprüfungen meiner Simulationen beweisen das wissenschaftlich exakt! Ergo, sie halten einfach nicht still.“

„Die Bewegungen waren unwillkürlich“, widersprach Frau Meier, „ich muss es wissen. Schließlich habe ich es gespürt.“

Clemens sah seine Lehrerin an, als ob er sie beim Lügen erwischt hatte.

Frau Meier strich mit ihren Fingern liebevoll über Jans Unterarm. „Kannst Du Clemens Simulationen bitte noch mal überprüfen?“, bat sie ihn.

Mit einer überheblichen Geste drehte Clemens seinen Laptop als Verkündigung einer unwiderlegbaren Wahrheit in Jans Richtung. Der tippte einen kurzen Befehl ein, um einem Verdacht nachzugehen. Clemens verdrehte die Augen. Jan schien auf ein Detail gestoßen zu sein, das er nicht bedacht hatte. Nun drängten sich alle vier um den Klappcomputer. Millivolt Werte wurden aufgeregt geflüstert. Auch fielen immer wieder die Begriffe Synapsen und Aktionspotential.

Dann sprang Clemens wie von der Tarantel gestochen auf. Jan hatte den Fehler gefunden.

„Und? Sagt mir mal, wo es hakt?“, fragte Frau Meier neugierig.

Ihre Schüler reagierten nicht auf ihre Frage. Aufgeregt diskutierten sie Jans Entdeckung. „Dann ist das Projekt eben gescheitert“, schimpfte Clemens, „wir hätten von Anfang an etwas mit Astronomie machen sollen.“ Clemens ließ sich entmutigt auf einen Stuhl fallen. „Ich habe Euch das zu Projektbeginn gesagt, dass Humanbiologie nichts für uns ist.“

„So sagt mir endlich, wo das Problem liegt“, rief Frau Meier verärgert aus.

„Die Nervenenden“, antwortete ein enttäuschter Felix, „genauer gesagt, die Nervenenden der weiblichen Anatomie. Die reagieren schon auf einem niedrigeren Reizlevel, als es bei Nervenenden der männlichen Anatomie der Fall ist. Bei einer männlichen Versuchsperson wäre die Dosierung genau richtig gewesen und hätte keine Bewegung eines Körperteils ausgelöst.“

Frau Meier schüttelte ungläubig den Kopf. „Dass Frauen empfindsamer sind, als Männer, hätte ich Euch im vornherein sagen können, Ihr Frauenkenner und Speziallisten“, spottete sie.

„Wie ich schon sagte“, nahm Clemens den Faden auf, ohne den Spott an sich herankommen zu lassen, „Humanbiologie ist nichts für uns. Wir werden uns der Astronomie zuwenden. Schwarze Löcher sind immer ein lohnendes Forschungsgebiet.“

„Ihr wollt Euer Wunderwellenbadewannenprojekt aufgeben?“, fragte Frau Meier entsetzt. Nicht nur, dass sie endlich von ihren Rückenschmerzen geheilt werden wollte – und nach ihren ersten Erfahrungen in dieser Wanne war sie sich inzwischen sicher, dass ihre Schüler das konnten, vielmehr dachte sie jetzt voller Schrecken daran, Herrn Direktor Huber das Scheitern des Projekts erklären zu müssen. Und ihr Sonderurlaub? Das Projekt musste weitergeführt werden!

„Kommt schon. Ihr seid solche Genies. Da muss Euch eine Lösung einfallen.“

Frau Meier blickte verzweifelt in die antriebslosen Gesichter ihrer Schüler.

„Kommt schon. Versucht doch einfach, die Sache ganz anders anzugehen. Schon Albert Einstein sagte, dass man Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen kann, durch die sie entstanden sind.“ Mit diesem Zitat hatte sich Frau Meier für genau so eine Situation vorbereitet. Richtig verfangen konnte das Zitat nicht. Im Raum herrschte eine allgemeine Lustlosigkeit. Nicht mal ein Ansatz eines Nachgrübelns ließ sich erkennen.

„Jawohl, eine andere Denkweise“, rief Clemens plötzlich aus. „Das hatte ich den anderen von vornherein gesagt, dass wir die Sache mit einer anderen Denkweise angehen müssen“, ergänzte er in einem triumphierenden Ton.

„Das war mal wieder ein klassisches Beispiel, wie sich Wissenschaft von gesellschaftlichen Konventionen in Fesseln hat legen lassen“, fügte Clemens nach einer kurzen Pause zu.

Frau Meier blickte aufmerksam zu ihren anderen Schülern. Sie schienen zu wissen, was Clemens meinte, trauten sich aber nicht, diesen anderen Weg einzuschlagen. In Clemens neuen Denkansatz steckte eine gehörige Unverschämtheit. Darüber war sich Frau Meier im Klaren. Deshalb drucksten auch ihre anderen Schüler so herum. Aber was sollte sie machen? Das Projekt musste weitergeführt werden.

„Ach Jungens, was es auch ist. Wenn es uns jetzt weiter hilft, dann lasst es uns jetzt angehen“, willigte sie in einem phlegmatischen Tonfall ein, ohne dass sie einer dazu aufgefordert hätte. Nein sagen könnte sie später immer noch, falls der neue Denkansatz allzu krass ausfallen würde.

Oliver, Jan und Felix durchzuckte es, als sie die Aufforderung ihrer Lehrerin hörten. Mit entschlossenen gierigen Blicken nahmen sie von Frau Meier Besitz, fühlten sich dann aber ertappt, und drehten sich schnell verschämt weg. Clemens vernahm die Reaktion seiner Mitschüler mit großer Entrüstung. Hochnäsig verschränkte er die Arme. „Seid Ihr Wissenschaftler, die sich kühn der Zukunft zuwenden, oder seid Ihr kleinmütige Laborassistenten, die sich um überkommender gesellschaftlicher Konventionen willen selbst versklaven?“, rief er ihnen wütend zu.

„Aber das können wir doch nicht wirklich machen“, entgegnete Felix leise und unsicher.

Mit einem durchdringenden: „Teambesprechung“, griff sich Clemens seine Laborassistenten und scheuchte sie in die hinterste Ecke des Raumes. Abermals brach ein wildes Geflüster los. Eine große Schublade des Schranks mit den Zusatzteilen wurden mehrmals auf – und wieder zugezogen. Dann nach einigen Minuten weiterer heftiger Flüsterdiskussion blieb die Schublade geöffnet.

Frau Meier konnte nun sehen, wie ihre Schüler breite Lederriemen aus der Schublade holten, und auf sie zugingen. So standen die vier nun mit den Lederriemen in den Händen vor ihrer Lehrerin, doch keiner konnte sich überwinden, das Ungeheuerliche auszusprechen.

„Was wollt Ihr damit?“, fragte Frau Meier rhetorisch vorwurfsvoll. Einer Antwort hätte sie nicht bedurft. Der Anblick der Riemen war selbsterklärend. Sie waren breit und auf der Innenseite gepolstert. Die beiden Enden der Lederriemen wurden jeweils von einer Lochreihe durchzogen und die Ränder der Löcher durch Metallösen verstärkt.

„Ihr wollt doch nicht etwa Eure Lehrerin festschnallen?“, fragte Frau Meier entsetzt.

Keiner traute sich zu antworten. Selbst Clemens war unter dem gestrengen Lehrerinnenblick zum Laborassistenten geschrumpft.

„Habt Ihr an Eurem Gestell für Eure weibliche Versuchsperson überhaupt die entsprechenden Einrichtungen zum Festschnallen?“ Frau Meier stand auf, und betrachtete sich die Polsterungen und Auflageschienen genauer. Nun entdeckte sie die feinen Schlitze in den Polstern, durch die die Lederriemen durchgezogen werden konnten. Die hatte sie schon an ihrem ersten Projektnachmittag mehr unbewusst bemerkt, ihnen aber keine weitere Bedeutung zugemessen. Vorsichtig beugte sie sich unter die Liegeeinheit. Dort sah sie neben den unteren Schlitzöffnungen die Gewindestifte mit den Flügelschrauben. Hier wurden also die Metallösen aufgeschoben und befestigt.

Als Frau Meier sich wieder aufrichtete, explodierte der Schmerz in ihrem Rücken. Sie stöhnte auf. Felix eilte herbei, um sie zu stützen. „Bitte Frau Meier, lassen Sie uns ihre Rückenschmerzen lindern“, flehte er sie an, „wenn der Reiz keine Bewegung auslösen kann, weil sie fixiert sind, haben wir eine Möglichkeit, das Schallwellenmuster stabil zu halten, und so die Behandlung fortzuführen“. So unangenehm wie sie sich jetzt fühlte, schlich sich langsam eine Bereitschaft in Frau Meier, sich freiwillig festschnallen zu lassen – nur das endlich diese Rückenschmerzen aufhörten.

„Nur die Beine und die Hüfte, die Arme bleiben frei“, fügte Felix hinzu.

Frau Meier nickte erschöpft. Sie wollte jetzt nur wieder zurück in das wohltuend warme Wasser.

„Jan, kannst Du mir bitte helfen?“

Jan blickte seine Lehrerin an, als ob er ihr gleich etwas Abscheuliches antun würde, wofür er sich eigentlich schämte, es ihm aber doch heimlich Vergnügen machte. Nachdem Felix Frau Meier langsam auf die Liegeeinheit gesetzt hatte, hob Jan ihre Beine in die Polsterschienen.

„Sagt mal, Ihr Schlawiner, Ihr hattet doch von Anfang an geplant, Eure weibliche Versuchsperson festzuschnallen?“, fragte Frau Meier listig, als Jan mit größerem Geschick als zuvor die hinteren Bändchen ihres Bikinioberteils löste und diese so festhielt, dass die Körbchen nicht von ihren Brüsten glitten, als sie sich zurücklehnte.

„Warum sollten wir das wollen?“, antwortete Clemens mit einer Gegenfrage. Frau Meier grinste. Mit feuchten Händen schob Jan die Bändchen unter ihren Rücken.

„Aber noch etwas anderes“, fragte Frau Meier weiter, während Jan ihre Arme in die oberen Polsterschienen zog und hineindrückte, „auf der einen Seite soll ich so wenig Textil wie möglich tragen, damit keine Schallwellen absorbiert werden, aber jetzt bringt Ihr diese dicken breiten Riemen an. Die verschlucken doch viel mehr Wellen als der dünne Stoff eines Badeanzugs?“

Clemens verzog seinen Mund. Er fühlte sich in seiner Forscherehre verletzt. Mit nerviger Gestik holte er seinen Laptop, klappte ihn auf und präsentierte Frau Meier eine Computersimulation einer auf der Liegeeinheit festgeschnallten weiblichen Versuchsperson. „In unserem anfänglichen theoretischen Ansatz waren wir von einer ungehinderten Einwirkung der Schallwellen ausgegangen“, Clemens versuchte sich in einer betont rhetorischen Pause, die sich schnell zu einem unfreiwillig komischen Schauspiel entwickelte, „die Praxis hat uns jedoch dazu gezwungen, Kompromisse einzugehen.“

Frau Meier schielte zu Jan, der nun kurz oberhalb ihres rechten Fußgelenks die Enden des ersten Riemens in die dafür vorgesehenen Schlitze einführte. Oliver trat mit dem zweiten Riemen an das linke Fußende.

Die Simulation auf Clemens Laptop zeigte, wie die Schallwellen in verschieden Winkeln auf die breiten Riemen auftrafen und sich dort abschwächten. Jan zog den Riemen fest. Die gepolsterte Innenseite schmiegte sich fest um ihren Unterschenkel. Die Ränder des Riemens lagen auf, ohne in die Haut einzuschneiden. Trotzdem spürte Frau Meier die Unbeweglichkeit, die ihr so aufgenötigt wurde.

Clemens drückte die F7 Taste. Auf dem Laptop wechselte die Simulation nun zwischen Darstellungen der festgeschnallten weiblichen Versuchsperson, bei der die Riemen die Gliedmaßen jeweils an verschiedenen Stellen fixierten. „Durch eine situationsbedingte Neupositionierung der Fixierungen und der hierzu angepassten Kalibrierungen der Auftreffwinkel und der damit zusammenhängen Parameter konnten wir die Absorption der Schallwellen soweit minimieren, dass eine effektive Behandlung auch möglich ist, wenn verschiedene Körperteile der weiblichen Versuchsperson durch Riemen bedeckt sind.“

Jan und Oliver befestigten jetzt die weiteren Riemen über und unter ihren Knien. Die letzte Darstellung der Computersimulation zeigte die Anordnung der Riemen, bei der die Schallwellen am wenigsten abgeschwächt wurden – nachfolgend mehrere Varianten der Auftreffwinkel der Schallwellen, bis auch hier die idealen Winkelstellungen gefunden wurden und sich ein stabiles Schallwellenmuster etablierte.

„Sag mal Clemens?“, fragte Frau Meier, Jan und Oliver schnallten ihre Oberschenkel zirka 15 Zentimeter unterhalb ihres Schritts fest, „warum werden denn die Schallwellen genau dort am stärksten absorbiert, wo ich meinen Bikini trage?“

Clemens rümpfte die Nase. „Die physikalische Realität entschuldigt sich bei Ihnen dafür, dass sich die effektivste Anordnung der Schallwellen nicht nach ihren gesellschaftlichen Konventionen richtet.“

Jan und Oliver zogen gemeinsam den Riemen fest, der über die Hüfte ihrer Lehrerin verlief.

„Aber gerade deshalb, weil trotz aller möglichen Minimierungen an den weniger exponierten Stellen eine Restabsorption bleibt, wäre es um so wichtiger, an den mehr exponierten Körperstellen auf die wirklich überflüssigen textilen Bedeckungen zu verzichten“, schloss Clemens seine Replik ab.

„Ich werde meinen Bikini anbehalten!“, herrschte ihn Frau Meier an.

Als letzten Akt der wissenschaftlich notwendigen Fixierung ihrer Lehrerin holten Jan und Oliver nun zwei dreieckige Polsterteile aus einem Equipment-Schrank und befestigten diese unter Frau Meiers Fußsohlen. Dann drücken sie ihre Füße auf die Schrägen der Polsterteile und schnallten sie dort fest. So standen ihre Füße nun fixiert und unbeweglich in einem Winkel von 30 Grad von ihren Fersengelenken ab.

„Bitte entspannen Sie sich. Wir führen die Behandlung jetzt fort.“

Die Liegeeinheit setzte sich auf ein Neues in Bewegung. Das Kribbeln, dass Frau Meier beim Eintauchen in das klare Wasser in Besitz nahm, linderte schlagartig ihre Rückenschmerzen. Trotz des ungewohnten Zwangs durch die festen Riemen empfand Frau Meier die Situation als eine Erleichterung.

Der linke Monitor zeigte die grafische Darstellung ihrer Beine und ihrer Hüfte in einer leicht bläulichen Färbung. „Dieses Blau zeigt die minimale Streckung ihrer Muskeln an, die sich aus der Fixierung ergibt. Das wird keinerlei negativen Auswirkungen auf die Behandlung haben“, beruhigte sie Felix. „Zu einer Rotverfärbung wird es nicht kommen. Das wird die Fixierung verhindern“, ergänzte er. Frau Meier betrachtete sich kritisch die grafische Darstellung ihres Oberkörpers und ihrer Arme. Hier wurde alles in blaugrau symbolisiert.

Hoffentlich würde es so bleiben – in Frau Meier kamen böse Vorahnungen hoch.

„Und bitte entspannen. Wir starten die Sequenz.“

Frau Meiers Augen ruhten auf den beiden Monitoren über der Behandlungswanne. Feine Stiche durchzogen ihre Beine. Sie hatte das Gefühl, Zucken zu müssen. Doch die Lederriemen hielten ihre Beine fest. Die grafische Darstellung ihrer Beine zeigte sich in einem ereignislosen Blau, wenn auch in farblichen Schwankungen. Auf dem rechen Monitor ordneten sich die vielen kleinen Striche. Mit der allmählichen Etablierung des Schallwellenmusters begann sich ihre Hüftmuskulatur zu entspannen – Frau Meier erlebte einen lange ersehnten Moment der Schmerzfreiheit.

Ein Band tausender Stiche wanderte an ihrem Körper hoch. Zu den Seiten ihres Oberkörpers hin wurden die Stiche unangenehmer und setzten ihren Weg in Richtung ihrer Achselhöhlen fort. Frau Meier kam es vor, als ob sie jemand gleich dort kitzeln würde. Oder zog sich eine Ameisenstraße über ihren Körper um sich in ihren Achselhöhlen zu versammeln?

„Bitte halten Sie still.“

Es waren doch keine Krabbeltiere – nur leichte Reizungen durch Schallimpulse im Wasser, vergewisserte sich Frau Meier selbst. Die vielen kleinen Stiche näherten sich der empfindlichen Körperstelle. Die ausgestreckte Lage ihrer Arme mit den Innenseiten ihrer Unterarme nach oben, ließ ihre rasierten Achselhöhlen schutzlos weit geöffnet, die empfindlichen Hautpartien gespannt. Das und ihre übrige Bewegungslosigkeit verstärkten Frau Meiers Einbildung, dort gleich gekitzelt zu werden.

„Jetzt bitte still halten. Wir werden die ersten Reizimpulse an ihre Muskeln initiieren.“

Es kitzelte zu sehr.

„Frau Meier, Sie haben sich ja schon wieder bewegt“, schimpfte Clemens, noch bevor Frau Meier auf den Monitoren die Rotverfärbung ihres rechten Armes und die neuerliche Verwirrung der vielen kleinen Striche wahrnehmen konnte.

„Nein, wir müssen es noch anders angehen“, zog Clemens sein Resümee aus dem weiteren Fehlschlag.

Das Gekräusel auf der Wasseroberfläche beruhigte sich. Die feinen Stiche auf der Haut hörten auf. Summend hob sich die Liegeeinheit aus dem Wasser und fuhr zurück in ihre Ausgangsposition, wo sich Frau Meiers vier Schüler um sie gruppierten. Die vier standen da, und wussten nicht, wie sie es ihr sagen sollten. Eigentlich brauchten sie nichts zu sagen. Ihre Lehrerin konnte sich schon denken, was ihre Schüler von ihr wollten – sie standen mit der Absicht vor ihr, sie durch das zusätzliche Festschnallen ihrer Arme absolut bewegungsunfähig und wehrlos zu machen.

„Also wenn ich mich Euch jetzt vollkommen ausliefern werde, dann gehe ich doch davon aus, dass Ihr meine Wehrlosigkeit in keinster Weise missbrauchen werdet?“, fragte sie im entschiedenen Ton.

Die vier schüttelten ihre Köpfe.

„Solange ich gefesselt bin, werdet Ihr mich nicht berühren, außer, um mich wieder loszuschnallen!“, präzisierte Frau Meier ihre Forderung.

Die vier nickten.

Frau Meier nickte auch, obwohl sie sich dabei nicht wohlfühlte.

Eigentlich wollte sie noch etwas sagen, aber ihre Schüler waren schon fix bei der Sache. Bevor Frau Meier den Mund aufmachen konnte, hatten sich die Lederriemen fest um die Handgelenke ihrer mit der Innenseite nach oben aufliegenden Unterarme geschlungen. Die Lehrerin brach den Satz, zu dem sie nun ansetzen wollte, schluckend ab. Von diesem Moment ab konnte sie sich nicht mehr selbstständig aus ihrer Lage befreien.

Verdattert realisierte sie ihr Verhängnis, sich ihren Schülern hilflos ausgeliefert zu haben. Wie hatte sie sich nur soweit darauf einlassen können – zu spät.

„Bitte entspannen Sie sich.“

Dass die nächsten anzubringenden Lederriemen ihre Unterarme sie kurz über ihren Ellenbogen fixierten, änderte an ihrer Situation nichts mehr, sie hatte sich vorher auch schon nicht befreien können.

Aber wozu wurden denn zusätzlich jede ihrer Fingerkuppen und ihre Daumen mit kleinen Bändchen an die Polsterunterlage gebunden?

„Das ist so notwendig. Bitte entspannen Sie sich. Lassen Sie sich von uns helfen.“

Frau Meier fühlte sich dadurch noch aus gelieferter, als sie es sowie schon war.

Dann sah sie einen letzten Riemen auf sich zukommen. Sie war doch schon vollkommen fixiert – wo denn jetzt noch?

Clemens legte den Riemen über ihre Stirn, zurrte ihn leicht gegen die Polsterunterlage fest und versetzte diese nach hinten. Frau Meier konnte jetzt nur noch die Decke sehen.

„Ist das denn wirklich notwendig. Mein Nacken verspannt sich in dieser Stellung“, beschwerte sich Frau Meier.

„Ja das ist absolut notwendig für Ihre Heilung. Ihr Nacken wird sich gleich im Wasser entspannen“, nuschelte Clemens mit abgewendeten Kopf.

Der Hebemotor setzte sich summend in Gang. Frau Meier sah die Decke auf sich zubewegen. Die Metalllamellen zogen vorbei, eine Lampe blendete sie, dann sank sie hinab ins kribbelnd zittrige, von wummernden Schallwellen durchfurchte Wasser – ihr Nacken entspannte sich wirklich.

Felix versetzte die beiden Monitore über der Wanne soweit hoch, dass sie Frau Meier auch mit ihrem nach hinten gedrückten Kopf sehen konnte. Die kleinen Striche auf dem rechten Monitor ordneten sich schnell, Frau Meier erlebte mit der zunehmenden Etablierung des stabilen Schallwellenmusters einen erneuten hervorragenden Moment der Schmerzfreiheit.

Das anfängliche Orange ihrer grafisch dargestellten Körperteile wechselte zu einer gelbgrünen Nuancierung. Frau Meier meinte diese harmonischen Farben in sich zu spüren, sie als absolute Entspannung einzuverleiben.

„Wir initiieren jetzt noch mal den gleichen Reizimpuls an ihre Muskeln“, hörte sie Felix, wie von weitem erläutern. Weil sie ihre Schüler durch die erzwungene Kopfhaltung nicht sehen konnte, eigentlich sah sie bis auf die Monitore nur Decke, schienen sie weit weg von ihr zu sein.

„Jetzt, wo sie zweckmäßig, ebenso sehr gründlich fixiert sind, und nicht zucken können, müsste es auch klappen“, gab Clemens seinen Senf dazu.

Die grafische Darstellung des Körpers der Lehrerin wechselte in ein giftiges Grün. Erst nachdem sie zweimal tief durchgeatmet hatte, kehrten die harmonischen Farben zurück. Geduldig harrte Frau Meier dem neuerlichen Aufmarsch der imaginären piekenden Ameisenarmee über ihren gefesselten Körper.

Dunkler und intensiver als zuvor summte es im Wasser. Die nun an ihr aufwandernden Stiche kitzelten heftiger. Reflexartig wollte Frau Meier ihren Arm hochreißen, um sich zu kratzen. Die Riemen hielten sie fest. Der linke Monitor zeigte eine kurze Orangefärbung ihres Armes, jedoch blieb der Wechsel zum muskelaktiven Rot aus. Die Striche auf dem rechten Monitor hielten ihre Ordnung bei.

Die Ameisenstraße zog hinauf zu ihren Schultern. Mit Erleichterung realisierte Frau Meier, dass die befürchtete besondere Reizwirkung auf ihre Brustnippel ausblieb. Es wäre für eine verantwortungsvolle Pädagogin ungebührlich gewesen, sich ihren Schülern mit erigierten und spitz im dünnen Bikini Stoff abzeichnenden Brustnippeln zu zeigen.

Ihr Hals begann zu jucken. Dann brach das bereits etablierte Schallwellenmuster zusammen – die vielen kleinen Striche auf dem rechten Monitor verworren sich wieder. Die Lehrerin konnte ihre Schüler genervt auspusten hören.

„Und Clemens?“, witzelte Frau Meier, „ich habe mich nicht bewegt. Der Monitor hat kein Rot gezeigt.“

„Oder?“

Clemens schwieg. Auch wenn der Riemen über ihrer Stirn ihre Augen streng zur Decke richtete, konnte Frau Meier das beleidigte Gesicht ihres „Musterschülers“ klar vor sich sehen.

„Wenn unser neuartiges Verfahren schon ausgereift wäre, bräuchten wir ja keine weibliche Versuchsperson“, raunte Clemens nach einiger Zeit beiläufig in den Raum.

„Und was war schiefgegangen, obwohl Ihr mich so zweckmäßig und gründlich fixiert habt?“, klopfte Frau Meier auf den Busch. Gerade wollte sie noch ein weiteren spöttischen Satz anschließen, als sie plötzlich am Hintern das Vibrieren eines kleinen Elektromotors spürte.

„Was macht Ihr?“

Die beiden Polsterschienen auf denen ihre Beine festgeschnallt waren, setzten sich in langsam aber unaufhaltlich in Bewegung, fuhren auseinander, spreizten ihren Schritt. Frau Meier musste es mit sich geschehen lassen.

„Was soll das?“

„Wir werden es jetzt noch mal mit einer veränderten Anspannung Ihrer Gesäßmuskeln versuchen“, patzte Clemens zurück. Frau Meier konnte das aggressive Einhämmern seiner Finger auf die Computertastatur hören.

Ein dumpfes durchdringendes Brummen pflügte durch das Wasser, zeichnete es mit spinnenwebartigen Schlieren, die Frau Meiers Körper erfassten. Die leicht kribbelnde Ameisenstraße steigerte sich zu einer Kaskade rotierender Nadelrollen. Es tat nicht weh. Oder doch? Es durchzuckte sie. Ihr ganzes Körperschema auf dem linken Monitor über ihr wechselte in ein wildes Durcheinander von Tieforange und Neonblau, zeitweilig blitzten giftgrüne Kringel auf.

„Bitte halten Sie einen kurzen Moment durch. Gleich haben wir es.“

Die Schlieren waberten weiter durch das Wasser, doch die vielen kleinen Nadelstiche auf ihrer Haut ließen nach. Die Striche auf dem rechten Monitor zeigten ein neues geordnetes Muster, das grelle Farbgetöse der grafischen Darstellung ihres Körpers verblasste allmählich in mildere Farbtöne. Frau Meier schwebte in eine tiefe Entspannung.

„Wir haben es! Wir haben es!“, hörte sie ihre Schüler jubeln. Dann brach das wunderschöne erbauliche Schallwellenmuster mit einem kurzen Zisch in sich zusammen. Verdrossen blickte Frau Meier auf die sich zerzausenden Striche auf dem rechten Monitor.

„Oh nein, wir hatten es doch. Wir hatten es doch!“, jaulten ihre Schüler auf.

„Ich hatte es doch gleich gesagt“, schrie Clemens belehrend. „Hier schaut Euch diese Grafik an – das ist doch eindeutig.“

Nach einem kurzem Schwiegen hörte Frau Meier Clemens Schritte auf sie zukommen. „Jetzt ist endgültig Schluss mit all diesen fortschrittsfeindlichen Konventionen“, schwadronierte er und näherte sich ihr weiter. Frau Meier wollte ihren Kopf in seine Richtung wenden. Sie konnte nicht. Der Riemen über ihrer Stirn ließ ihr keine Chance.

Dann stand Clemens an der Behandlungswanne.

„Clemens, was machst Du?“, fragte Frau Meier im scharfen Ton.

Sie hörte das Eintauchen seiner Hände in das Wasser. Dann spürte sie schon das Zupfen an ihrem Bikinihöschen. Das Öffnen der Schleifen an den Seiten war für ihn kein großes Hindernis. Ruckartig rutschte der Stoff unter ihrem Hintern weg.

„Nein. Hör sofort auf damit“, schrie sie laut. Clemens ignorierte es. Nun war sie untenrum nackt.

„Lass es sein“, schimpfte Frau Meier. „Die Wissenschaft erfordert es“, gab er kaltschnäuzig zur Antwort und zog an dem Bändchen neben ihren Nacken. Die Schleife öffnete sich und er brauchte nur kurz zu ziehen, da die unteren Bändchen ungebunden unter ihrem Rücken lagen.

Frau Meiers Brüste kamen zum Vorschein. Nun lag sie vollkommen nackt und mit gespreizten Beinen gefesselt in der Wunderwellenwanne.

„Clemens, Du hattest mir versprochen mich nicht zu berühren, während ich gefesselt bin“, erinnerte Frau Meier erbost ihren „Musterschüler“ an die zuvor gemachte Zusage.

„Ich habe Sie nicht berührt“, beschwerte sich Clemens über den seiner Ansicht nach ungerechtfertigten Vorwurf.

„Clemens?“

„Meine Finger sind zu keinem Zeitpunkt näher als drei Zentimeter an ihrem Körper gewesen. Für das Ergreifen der Bändchen war eine geringere Distanz nicht notwendig. Daher sind die Kriterien des Begriffs Berühren nicht erfüllt.“

„Clemens!“

„Also gut. Dann werde ich Sie eben wieder bedecken. Zu diesem Zwecke müsste ich Sie aber tatsächlich berühren.“

„Nein.“

Frau Meier wollte nun wirklich nicht, dass Clemens an ihrem Hintern herumnestelte.

„Ja was denn nun? Oder bleiben Sie freiwillig nackt? Für eine erfolgreiche Fortführung Ihrer Behandlung wäre es sehr hilfreich.“

„Clemens! Du hast meine Arg – und Wehrlosigkeit schamlos ausgenutzt. Du hast mich in einer entwürdigen Weise bloßgestellt. Das war ein klarer sexueller Übergriff!“

„Frau Meier, Sie glauben doch nicht etwa, dass ich irgendwelche sexuellen Absichten habe?“, empörte sich Clemens. „Ich kann Ihnen versichern, dass das nicht der Fall ist! Dafür ist mir dieses wissenschaftliche Projekt viel zu wichtig.“

Clemens und kein sexuelles Interesse? Das könnte bei diesem weltfremden Eierkopf sogar der Fall sein. Aber die Anderen! Wenn die jetzt zu ihr an den Wannenrand treten würden? Eine Horrorvorstellung.

„Holt mich aus dem Wasser und macht mich los“, forderte sie lauthals, „aber dabei werdet Ihr Eure Augen geschlossen halten.“

„Sie haben sich als weibliche Versuchsperson zur Verfügung gestellt. Freiwillig!“, bestand Clemens auf der Beibehaltung des Istzustandes.

„Fluktuationsrate unter 0.3!“, rief Felix plötzlich begeistert aus dem Hintergrund.

„Was?“, kreischte Clemens ungläubig auf.

„Null Komma Fünf Punkt Eins.“ „Wahnsinn, wir haben es.“ Frau Meier hörte ihre Schüler frenetisch aufjubeln.

„Junges, was ist mir? Wollt ihr ich mich nicht endlich losbinden?“

„Frau Meier, wir erleben hier gerade einen heroischen Moment eines epochalen wissenschaftlichen Durchbruchs. Ihre kleinbürgerlichen gesellschaftlichen Konventionen müssen dahinter zurücktreten.“

„Macht mich jetzt endlich los!“

„Schauen Sie doch auf den rechten Monitor.“

Frau Meier wollte ihre ganze Wut über diese Degradierung ihrer Person herauszuschreien. Dachten ihre Schüler eigentlich, dass sie nun mit ihr machen konnten was sie wollten? Frau Meier schnappte nach Luft, um zum lauthalsen Brüllen anzusetzen. Aber was war das? Verwundert registrierte Frau Meier den tiefenentspannten Zustands ihres Körpers. Der hochgeschossene Blutdruck, das Hämmern im Kopf, das Zittern der Adern – keines dieser für eine äußerte Erregung der Wut typischen körperlichen Zeichen zeigte sich. Ihre Empörung war ein reines Gedankenprodukt. Ihr Körper fühlte anders – dem gewollten Schrei fehlte das Adrenalin.

„Schauen Sie doch auf den rechten Monitor.“

Frau Meiers Augäpfel rollten nach rechts. Dort sah sie, was sie fühlte. Die vielen kleinen Striche hatten sich nicht nur geordnet, sie tanzten in ein vollkommen neues Muster, wechselten miteinander, ohne dass sich das Gesamtbild änderte. Viele Kreise verschränkten sich ineinander, schienen gemeinsam zu flimmern. Es sah aus, wie ein Interferenzmuster, an das sie sich dunkel aus ihrem damaligen Physikunterricht erinnern konnte.

„Ist das Euer heißersehntes stabiles Schallwellenmuster, nach dem Ihr die ganze Zeit gesucht habt?“, fragte sie erschöpft.

„Ja das ist es. Wir können mit Ihrer Heilung beginnen.“

„Ach Jungens, Ihr habt Euer wissenschaftliches Ziel erreicht. Jetzt braucht Ihr mich nicht mehr und könnt mich losmachen.“

„Wir sind noch nicht fertig. Ihre Rückenschmerzen sind noch nicht geheilt.“

Frau Meier musste an ihre weit gespreizten Beine und ihren unbedeckten Schritt denken. Das war eine für eine Lehrerin erniedrigende Situation, auf diese Weise gegenüber ihren Schülern zur Schau gestellt zu sein. Sie versuchte sich zu bewegen. Die Riemen ließen ihr keine Chance. Nicht einmal an ihren Fesseln zerren konnte sie.

„Wir werden nun eine Reihe von für Sie charakteristischen Bewegungsabläufen simulieren und gegebenenfalls bei auftretenden Muskulaturungleichgewichten korrigierende Impulse erzeugen.“

Frau Meiers wiederholte Forderungen, endlich aus dem Wasser geholt, und losgebunden zu werden, verhallten unerwidert im Raum. Die Lehrerin musste den Forscherdrang ihrer Schüler über sich ergehen lassen.

Plötzlich meinte sie, zu laufen, obwohl sie doch fest angeschnallt war. Frau Meier sah orangefarbene Schatten über ihre grafischen Beine auf dem linken Monitor huschen. Das linke Bein zeigte einen leicht anderen Farbton. Computertatsuren klapperten. Ihr rechtes Bein begann zu jucken. Der Wunsch, sich dort zu kratzen, verdeutlichte ihr besonders unangenehm ihr Ausgeliefertsein. Es wollte nicht aufhören. Mit der Zeit entwickelte es sich zur Qual. Frau Meier stöhnte auf.

„Halb so wild. Gleich vorbei.“ Nie zuvor hätte die Lehrerin gedacht, wie erlösend das Klappern einer Computertastatur sein kann. Die Farbtöne auf dem linken Monitor glichen sich an.

Einige Sekunden später vermeinte Frau Meier eine Treppe hinauf zu steigen. Ihre Gesäßmuskel spannten sich an. Erst rechts dann links, im gleichen Rhythmus wie beim wirklichen Treppensteigen. Ihr grafisch dargestellter Unterleib färbte sich tief orange, ihre Beine und ihre Hüfte zeichneten ein Farbenspiel von Schallwellenreizungen und Muskelaktivitäten. Ihre Hüfte und ihre beiden Pobacken nahmen einen dunklen Ton an, wurden rot.

„Keine Sorge, das Schallwellenmuster wird stabil bleiben, jetzt haben wir es.“

Frau Meiers Hintern spannte sich kräftig. Sie spürte es als ein Kneifen. Dann entspannte sich ihre Muskulatur wieder.

„Transmitter 32 bis 41 Null Punkt Null Zwei plus!“, hörte sie Felix murmeln.

Das klang nach wenig. Etwas dosierter sollten ihre Schüler nun wirklich mit ihr umgehen.

Auch schienen ihr die Anschläge der Computertasten etwas sanfter und ausgesuchter durchgeführt zu werden.

Das Wasser brummte in einer höheren Tonlage. Das Kitzeln begann wieder. Die imaginäre Ameisenarmee nahm unterhalb ihres Bauchnabels Aufstellung, schien dort erst im Kreis zu marschieren, um sich dann aufzuteilen und nach links und rechts in Richtung ihrer Hüftknochen vorzustoßen. Das Krabbeln der Ameisenbeine verstärkte sich wieder zum Auf – und Abrotieren fieser Nadelrollen, die ihr Werk hin zu ihrem Gesäß fortsetzten.

„Hey Jungens, das ist jetzt aber wirklich unangenehm, könnt Ihr das nicht ein bisschen abschwächen.“

„Die Werte sind genau errechnet. Das muss so sein“, nuschelte Clemens.

„Aua“, schrie Frau Meier. Tausende Nadeln schienen ihr gleichzeitig in den Hintern zu stechen. Dann war es vorbei. Aus den Nadeln wurden wieder kleine Ameisenbeine. Die imaginären Insekten nahmen aber nun ihren Weg in Richtung ihrer Beinbeugen.

„Nein, jetzt ist aber wirklich Schluss!“

Wieder vibrierte ein kleiner Elektromotor auf. Frau Meiers Beine wurden noch weiter auseinander gefahren, ihre Vagina noch weiter geöffnet.

„Hört sofort auf damit.“

Frau Meier sah vor ihrem geistigen Auge hunderte Ameisen hinein krabbeln. Es kitzelte und kribbelte, begann, sie zu durchströmen. Es war doch nur bewegtes Wasser, Schallwellenimpulse in der Behandlungswanne, wiederholte sie sich fortwährend selbst gegenüber mit ihrem Verstand. Das Kribbeln ging in ein Pochen über. Zwanghaft wollte sie hinsehen, sich vergewissern, dass da wirklich nichts war, außer Wasser. Der Riemen über ihrer Stirn hielt sie. Das Einzige, was sie sehen konnte, war die nun auf den linken Monitor sichtbare grafische Darstellung ihrer Schamlippen die sich erst purpor, dann tief scharlachrot färbten, um anschließend in violetten Blitzen zu erblühen.

„Nein, Ihr müsst jetzt Aufhören. Ihr überschreitet sämtliche Grenzen.“

Frau Meier presste ihren Mund zusammen, konzentrierte sich. Es durfte nicht passieren. Was würden ihre Schüler von ihr denken, wenn sie jetzt anfangen würde, lustvoll zu stöhnen. Zum Schluss kämen die vier aufgrund ihrer hilflosen Lage noch auf dumme Gedanken.

Dann war es vorbei. Zitternd sank Frau Meier erschöpft und mit einer verschwitzten Stirn aus ihrer körperlichen Anspannung. Ihre Muskeln erschlafften.

„Wir haben es fast geschafft. Wir simulieren nun einen letzten Bewegungsablauf, dann sind Sie für heute erlöst.“

„Kommt ja nicht noch mal auf die Idee, mich mit Euren Schallwellen im Genitalbereich zu reizen!“

Wollte sie das wirklich nicht? Frau Meiers Willenskraft befand sich plötzlich in einem Schwebezustand.

Sie bekam keine Antwort.

„Hört Ihr?“

„Wir konnten die Parameter neu kalibrieren. Der Rest der heutigen Behandlung wird daher wesentlich schonender ablaufen.“

Schonender? Wie Schade.

„Wagt es nicht noch mal, mich im Genitalbereich zu reizen!“

Die einzige Antwort war das Klappern der Computertastaturen.

Etwas in Frau Meier hoffte heimlich auf die herannahenden imaginären Ameisen. Sie kamen nicht. Hier und da schlich sich ein sanftes, kaum spürbares Kribbeln über verschiedene Hautpartien, es folgten mehrere Simulationen verschiedener Bewegungsabläufe. Die nachfolgenden Korrekturen der Muskelungleichgewichte spürte die Lehrerin nicht. Ihr wurde langweilig.

Frau Meier seufzte auf.

„Spüren Sie etwas Unangenehmes?“, fragte Clemens mit unbeholfener Besorgtheit, „das kann nicht sein. Die Werte sind perfekt eingestellt.“

„Clemens, lass gut sein. Es geht gerade so.“

Gut eine weitere viertel Stunde schaute Frau Meier, zur Untätigkeit und Ereignislosigkeit verdammt, nun auf die Decke, manchmal auf die Orangefärbungen ihrer grafischen Muskelgruppen.

Dann erlöste sie Felix Stimme: „Für heute sind wir fertig. Wir werden Sie nun aus dem Wasser herausholen.“

„Ihr werdet Eure Augen geschlossen halten, und erst aufmachen, wenn Ihr ein Handtuch über mich gelegt habt. Dann könnt Ihr mich losschnallen!“, sagte Frau Meier leise und erschöpft. Ihrer Anweisung fehlte es an Schärfe und Entschlossenheit.

Frau Meier hörte viele Schritte auf die Behandlungswanne zukommen.

„Ihr seid Euch doch im Klaren darüber, dass ich Euch für diesen ungeheuerlichen Übergriff zur Rechenschaft ziehen werde.“ Frau Meier war eigentlich gar nicht mehr empört. Aber durch ihre Stellung als eine verantwortliche Pädagogin fühlte sie sich dazu verpflichtet, das klarzustellen.

„Ihr gehört doch alle von der Schule verwiesen und einer bitter nötigen Verhaltenstherapie zugeführt.“

Die Liegeeineinheit setzte sich in Bewegung. „Habt ihr auch die Augen geschlossen?“

Die vier blickten sie an! Frau Meier konnte es nicht sehen, ihr blieb nur das Zählen der Deckenlamellen. Aber eine Frau spürte es, wenn sie gestarrt wird, auch wenn sie nicht hinsieht. Das verräterische Stocken im Atem ihrer Schüler sprach Bände.

Die Liegeeinheit hob sich aus dem Wasser. Frau Meiers Brüste durchbrachen die Wasserlinie. Die Lehrerin spürte die kalte Luft an ihren Nippeln.

„Ich merke sehr wohl, dass Ihr Eure Augen offen habt“, klärte Frau Meier ihre Schüler im strengen Ton auf. Das Wasser ran durch ihre rasierte Muschi, die Augen der vier Forscher weiteten sich.

„Euer Verhalten wird schwere Sanktionen für Euch bedeuten.“, drohte Frau Meier, deren nackter Körper nun auf Augenhöhe ihrer Schüler schwebte. Die Liegeeineinheit fuhr summend zur Seite und senke sich. Die vier Jungen erschienen unscharf in ihrem Gesichtsfeld. Dann erreichte das Gestell seine Endposition. Felix löste den Riemen über ihrer Stirn und ging zurück zu den anderen, die am Fußteil der Liegeeinheit standen.

Die Lehrerin hob den Kopf und sah in vier glotzende Augen.

„Habt Ihr jetzt genug gesehen?“, fragte sie in einem sehr aggressiven Ton. Dann fiel ihr Blick auf die Videokamera. Die hatte sie in der Aufregung ganz vergessen.

„Habt Ihr mich gerade ohne Badebekleidung gefilmt?“ Frau Meiers Schüler machten unschuldige und teilnahmslose Gesichter.

Die Lehrerin schnaufte wütend auf: „Ihr habt mich doch nicht etwa zwischen den Beinen gefilmt?“

Schweigen.

„Ihr werdet es löschen. Alles!“

Frau Meier sah in vier entschlossene Gesichter.

„Wir haben eine Absprache“, schrie sie ihnen entgegen.

„Wir erbringen große Fortschritte der Wissenschaft. Wir befreien Sie von Ihren Rückenschmerzen. Wir bringen unserer Schule großen Ruhm“, resümierte Clemens voller Stolz, um dann gleich seine Miene oscarreif zu verdüstern, „und Sie drohen uns mit Sanktionen und wollen uns in eine Therapie schicken?“, jammerte er die ihm widerfahrende Ungerechtigkeit heraus.

Frau Meier und Clemens tauschten wütende Blicke aus.

„Wir müssen uns und unsere wissenschaftlichen Errungenschaften schützen – die Videodokumentionen belieben unter unserem Verschluss.“

Frau Meier musste klein beigeben. Sie merkte, dass sich die Einstellung ihrer Schüler ihr gegenüber geändert hatte, der Respekt gegenüber der Lehrerin war der ungehemmten Neugierde auf ihr weibliches Versuchsobjekt gewichen.

„Dann macht mich endlich los.“

Dazu hatten ihre Schüler noch keine Lust. Sie wollten sich noch ein bisschen ihre Lehrerin ansehen. Schüler träumen immer davon, ihre Lehrerin nackt zu sehen. Täglich steht sie im Unterricht vor ihnen neben der Tafel mit ihrem karierten Rock und dem weißen Blusenkragen über dem Damenpullover. Nun lag sie nackt, an allen Gliedmaßen ausgestreckt festgeschnallt, vor ihnen.

„Jan, Felix, Ihr seid sehr nette anständige Jungens“, versuchte Frau Meier an das Gewissen der beiden zu appellieren, „schämt Ihr Euch nicht für das, was Ihr hier macht?“

Jan und Felix drucksten etwas herum. Weg schauten sie nicht. „Wir müssen noch eine letzte Diagnoseeinheit der Messpunkte durchlaufen lassen“, redete sich Felix heraus. Jan lächelte. Ihre Vorwürfe hatten keine Wirkung mehr auf ihn. Er sah sie an, wie ein verliebter Schuljunge.


 

„Dann sagt mir inzwischen, wer sich hinter dem Nicknamen „suse241“ verbirgt?“, fragte Frau Meier müde. Genau deswegen hatte sie das alles mit sich machen lassen.

„Das Prinzesschen aus dem Leistungskurs“, stöhnten Felix und Clemens fast gleichzeitig aus. „Genau die aus dem Leistungskurs“, wiederholten sie, und gaben sich Mühe, das Wort Leistungskurs so ironisch wie möglich auszusprechen. Mitleidig sahen sie Frau Meier an: „Darauf hätten Sie auch alleine kommen können.“

Das „Prinzesschen“. Frau Meier hatte es geahnt und gefürchtet.

Felix ging zum Computertisch und tippte ein bisschen auf einer Tastatur herum. Auf der geöffneten Textdatei zog sich eine Zeile wirrer Buchstabenreihen.

„Ich werde die Programmsequenz jetzt finalisieren“, unterstützte er sein Täuschungsmanöver im hochwichtigen Ton, und beruhigte sein schlechtes Gewissen, „dann sind Sie erlöst, und wir können sie losmachen.“

Clemens blickte verwundert. Diese Schlusssequenz war doch gar nicht nötig, und warum wurde sie nicht mit ihm abgesprochen. Schließlich war er doch hier der Experte. Clemens wollte zu einer Philippika ansetzen. Jan hielt ihn zurück und flüsterte etwas in sein Ohr. Clemens sah ernst auf Felix, dann schüttelte er überheblich und abwertend seinen Kopf.

„So Frau Meier, jetzt können wir die Fixierungen entfernen“, verkündete er im gönnerischen Ton.

Jan und Felix eilten zu den Armschienen und fingen sofort mit der Entfixierung an. Sie fühlten sich besser dabei, ihrer Lehrerin beim Losschnallen nicht in die Augen schauen zu müssen.

„Jan, wenn Du an den Riemen hantierst, musst Du auch hinschauen“, meckerte Frau Meier, als ihr Schüler schon zum zweiten Mal daneben gegriffen hatte. Jan schwieg verlegen. Von seiner Position aus war der Ausblick auf die Nippel seiner Lehrerin einfach zu verführerisch gewesen.

„Jan, wo schaust Du eigentlich die ganze Zeit hin. Konzentriere Dich auf Deine Aufgabe.“

Oliver und Clemens hantierten am Fußende der Liegeeinheit. Clemens sah hin, ohne hinzusehen. Oliver sah hin, ohne sich vor seiner Lehrerin zu fürchten – er hatte die Videoaufnahmen. Die Beinschienen waren noch immer auseinandergefahren, Frau Meiers Beine immer noch weit gespreizt. Das so deutliche Hervorquellen der rosa gewellten inneren Schamlippen sah er jetzt zum ersten Mal in natura.

Dann war Frau Meier losgebunden. Sie richtet sich auf und zog ihren linken Unterarm vor ihre Brüste. Die Beinschienen fuhren in die Mittelstellung.

„Ach, jetzt erst!“, kommentierte die Lehrerin aggressiv den sehr späten Moment des Zusammenfahrens.

Jan hob ihre Beine aus den Beinschienen, um ihr beim Aufstehen zu helfen. Den Blick zwischen ihre Beine traute er sich noch nicht. Felix überreichte ihr ein Handtuch, das sie sich schnell umwickelte. Krampfhaft umfasste sie mit ihrer rechten Hand den oberen ineinander gerollten Rand des Handtuchs und musterte ihre Schüler mit bösen, wütenden und empörten Blicken.

In Frau Meier köchelten viele Vergeltungspläne. Vom Schulverweis, über Jugendstrafen wegen sexuellen Missbrauchs bis zur chemischen Kastration zogen sich ihre Gedankengänge.

Ihre Schüler ließen sich davon nicht beeindrucken. Oliver nahm die SD-Karte aus der Videokamera.

„Könnten Sie sich bitte links zur Seite beugen“, ordnete Clemens als Oberarzt seiner weiblichen Versuchsperson an. Frau Meier zuckte bei dem Gedanken daran. Es war die Bewegung, die ihr die schlimmsten Schmerzen bereitete.

„Bitte“, wiederholte Clemens im streng.

„Sie können sich ruhig trauen, unsere Messdaten zeigen einwandfrei, dass Sie diese Bewegung schmerzfrei ausführen können“, beruhigte Felix.

Frau Meier traute sich nicht. Zu oft hatte sie bei dieser Beugung schlimmste stechende Schmerzen erfahren. Felix schaute sie freundlich und aufmunternd an. „Nur zu. Es wird nicht weh tun.“

Langsam, ganz langsam beugte sich Frau Meier links zur Seite. Jetzt müsste der Schmerz kommen - er blieb aus. Sie beugte sich weiter zur Seite. Kein Schmerz! So gelenkig war sie zuletzt mit 25. Jetzt fühlte sie sich wie 18.

Frau Meier lächelte.

„Und?“, gluckste Clemens, „wollen Sie uns immer noch in eine Verhaltenstherapie schicken?“

Kommentarlos verzog sich Frau Meier hinter den möchtegernen Paravent, trocknete sich ab, und zog sich an.

„Und Frau Meier, haben sie schon einen Plan, wie sie „suse421“ überführen und zur Rechenschaft ziehen wollen“, rief Clemens mit gespielter Anteilnahme vom Computertisch aus in Richtung der zweckentfremdeten Korktafel.

„Ich dachte, dass Ihr mir die Internetverbindungsdaten geben werdet, mit denen ich dann unser Prinzesschen zur Rede und zur Rechenschaft stellen werde“, antwortete Frau Meier während sie sich ihre Bluse zuknöpfte.

„Wir können Ihnen die Verbindungsdaten gerne geben“, frohlockte Clemens, „aber es ist Ihnen schon klar, dass Ihnen der Vater daraus einen juristischen Strick drehen wird?“

Frau Meier hatte sich fertig angezogen und ging zu ihren Schülern. Clemens sah sie sehr gezielt an. Irgendwas führte er Schilde. Aber was? Der Vater von „suse241“ war Anwalt in einer berüchtigten Kanzlei für Wirtschaftskriminalität. Er arbeitete mit allen Tricks und Winkelzügen. Mancher Wirtschaftsboss verdankte ihm trotz verursachter Millionenschäden einen unverdienten Freispruch. Der war mit allen Wassern gewaschen. Worauf wollte Clemens hinaus?

„Nur mit den Verbindungsdaten als unzulässiges Beweismittel, wird es ihm ein leichtes sein, Sie vom Opfer zur Täterin zu machen“, startete Clemens seine Scharade, „und am Ende bekommt das Prinzesschen ein Wochenende Jugendarrest und Sie verlieren Ihren Beamtenstatus.“

Frau Meier schluckte. Sollte „suse241“bei all diesen entwürdigenden Beleidigungen im Internet wirklich ungeschoren davon kommen?

„Ihr habt doch noch ein Ass im Ärmel“, stellte sie das Fazit des Schauspiels ihrer Schüler fest.

Die Schüler ließen ihre Lehrerin noch ein bisschen an der langen Angel zappeln.

„Ach kommt schon Jungens, wie oft hat das Prinzesschen auch über Euch abgelästert“, appellierte Frau Meier an den Stolz ihrer Schüler.

„Als Männer der Wissenschaft stehen wir über solchen menschlichen Unzulänglichkeiten.“

Frau Meier nahm sich fest vor, sich nicht auf das einzulassen, was ihre Schüler von ihr fordern würden.

„Nun ja“, leitete Clemens die Endphase seines Planes ein, „wir wären in der Lage, es mit einigen kleinen Computertricks so aussehen zu lassen, als ob sich das Prinzesschen durch einen dummen Bedienungsfehler selbst enttarnt und verraten hätte.“

Frau Meier musste grinsen. Da könnte selbst ihr hintertriebiger Vater nichts mehr machen, die Verurteilung des Prinzesschens würde vom Spot über ihren dummen Bedienfehler gekrönt werden.

Frau Meier überlegte. Zumindest nach der Bedingung ihrer Schüler könnte sie fragen.

Frau Meier überlegte – Clemens verlor die Geduld. Er drückte seiner Lehrerin ein Dokument in einer hochoffiziellen Aufmachung in die Hand. Dieser Schriftsatz hatte alles, was eine gedruckte Vereinbarung bedeutend und wichtig macht: hochwertiges Leinenpapier, ein verstärkter Rand und auch Band und Siegel fehlten nicht:

Weibliche Versuchsperson zu Jungforscher Rahmenbeziehungsvertrag

So lautete die lange und sperrige Überschrift des hochoffiziellen Papierstapels.

Frau Meier blätterte und las. Der Rahmenbeziehungsvertrag bestand zum großen Teil aus Selbstverpflichtungen der Jungforscher zur schonenden, schmerzfreien und verletzungsfreien Behandlung ihrer weiblichen Versuchsperson. Auch fand sich eine Formulierung, die dem hippokratischen Eid entliehen war.

Dann stieß Frau Meier auf den Casus knacksus, den vierten Spiegelstrich des siebten Unterpunktes des Paragrafen 5.3: „Die weibliche Versuchsperson verpflichtet sich zu Wohle einer effektiven wissenschaftlichen Arbeit allen gesellschaftlichen Konventionen zu entsagen, die den Ablauf der Forschertätigkeit behindern oder beeinträchtigen könnten.“

„Was soll das heißen?“, fragte Frau Meier entrüstet.

„Ja zum Beispiel Ihre ganze überflüssige Schamhaftigkeit“, schimpfte Clemens.

„Überflüssig?“ Was bildete sich dieser Nerd ein!

„Jawohl, Überflüssig. Was wir schon allein an wertvoller Forschungszeit wegen Ihres Getues beim Entkleiden verloren haben, und dann Ihr Gehabe mit der ach so sittsamen Badebekleidung. Überflüssig, jawohl alles absolut überflüssig.“ Clemens redete sich in Rage.

„Also Ihr wollt, dass ich beim nächsten Projektnachmittag einen Striptease für Euch veranstalte?“, fragte Frau Meier mit schüttelndem Kopf.

„Wir wollen Ihre Mitarbeit, damit wir konzentriert und effektiv wissenschaftlich arbeiten können.“

„Seit Ihr Euch sicher, dass Ihr Euch dabei konzentrieren könnt?“ Clemens war sich da sicher, bei den anderen dreien spielte sich ein anderes Kopfkino ab.

„Unterschreiben Sie, ansonsten werden wir ihnen bei der Überführung von „suse241“ nicht weiter helfen.“, forderte Clemens und hielt seiner Lehrerin aufdringlich einen Stift hin.

Frau Meier lehnte ab. Sie zögerte. Sie überlegte.


 


 

Fortsetzung ist geplant. Ich brauche eine Kreativpause……….


 


 


Kommentare

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wektor schrieb am 08.05.2020 um 00:12 Uhr

Die Lehrerin geht mir mit ihrem Rumgezicke voll auf die Nerven :-D - Haben die Jungs gut gemacht.