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13.10.2005
Kunst

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Paris soll die Schönste wählen

Am Montag würde das letzte Semester an der Schauspielschule beginnen.
Im Probensaal sollte die Besprechung für Abschlussaufführung stattfinden.
Ich, Katrin war gespannt, was für ein Stück wohl ausgewählt worden wäre,
und welche Rolle ich übernehmen sollte.
Ich war in die Gruppe klassische Stücke der griechischen Antike (HS) eingeteilt worden.
Das kann doch eigentlich nur noch furchtbar langweilig werden!
Und Außerdem: Im antiken Theater wurden Frauenrollen von Männern gespielt.
Das lernt man doch im ersten Semester!
Wahrscheinlich darf ich höchstens eine Chorstimme im Hintergrund abgeben.
Was bedeutet eigentlich das (HS)

Unser schwuler Rektor stand auf der Bühne und stellte den Regisseur der Aufführung vor.
Zur allgemeinen Überraschung war dies der bekannte Hermann Schönfeld.
Aha! HS ! Der soll ja auch schwul sein. Ob es da eine Beziehung mit unserem Rex gibt?
Jugendliebe?
Ein Avantgardist, der schon seit den 70ern des letzten Jahrhunderts mit Theaterskandalen und völlig unorthodoxen Aufführungen auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Er hatte mal Odysseus und Circe 1976 in Salzburg aufführen lassen.
Da sollen fast alle Schauspieler ständig nackt auf der Bühne gewesen sein. Kribbelnd!
In der Premiere soll auf der Bühne sogar richtig gebumst worden sein! Ob das stimmt?
Die Gefährten von dem Odysseus waren ja von der Zauberin Circe alle in Schweine verwandelt worden.
Und das heißt in der dramaturgischen Umsetzung: Nackt und schweinisch geil!
Wenn man das auf die Bühne bringen will?
Über seine Stücke herrschte zwischen den alten Lehrern und den jungen Eleven eine riesige Diskrepanz. Aber Jede und Jeder von uns wünschte sich heimlich, dabei gewesen zu sein.
Aber damals waren wir ja noch nicht mal Kleinkinder!

HS hielt eine Rede, in der er erklärte, dass eine von ihm geschriebene Adaption vom Homers Iljas gegeben werden sollte. Im Inhalt klassisch, in der Darstellung modern.
Dadurch sollte der Kontrastbogen von der Antike zur Moderne aufgespannt werden,
oder so.
Wir hörten gar nicht richtig hin, dachten nur an Salzburg, Hamburg und die Ruhrfestspiele; Die LULU war sein Meisterwerk!
Die Hauptdarstellerin völlig nackt im ersten und im zweiten Akt! Im Dritten war sie tot.

Am Nachmittag sollte ein Vorsprechen der Absolventen stattfinden,
nach dem die Rollen verteilt würden.
Anschließend wurden Textbücher des Stückes ausgeteilt.
Ich nahm mein Textbuch und ging gemeinsam mit ihrer Freundin Charlie in die gemeinsame Wohnung. Dort unterhielten wir uns über den Regisseur
und waren begeistert von der Gelegenheit mit einem so berühmten Künstler zu arbeiten.
Sie konnten das Vorsprechen kaum erwarten.

Charlie und ich sprachen ohne Probleme vor und machten uns Hoffnungen auf eine größere Rolle.
Als HS die Rollen verteilte, konnte ich mich auf die Darstellung der Göttin Hera und die blonde Charlie auf die der Athene freuen.

Die dritte Göttin Aphrodite sollte Verena spielen.
Verena! Ein rotes Tuch für mich und Charlie!
Verena, die Millionärstochter.
Mit ihrem blöden aufgeblasenem Gummibusen und ihren blondierten Haaren
hatte sie fast die ganze Schauspielschule soweit es die Männer betraf, im Griff.
Jeden Morgen ließ sie sich in ihrem pinkfarbenen Bentley vorfahren
und Jeder weiß: Sie bekommt immer jede Hauptrolle.
Sie hat überhaupt kein Talent, Sie ist eine erbärmliche Stümperin!
aber das Geld, das ihr Großvater mal seinen entrechteten Arbeitern aus den müden Knochen gesaugt hat, verschafft ihr jeden Vorteil, den sie haben will.
Sie ist ein Vampir!
Sie lebt vom Blut der ausgesaugten und geschundenen toten Proleten des 20.Jahrhunderts!
Wir waren alle verschworen gegen Verena! Aber was kann man schon ausrichten gegen flüssige Millionen?

Der Zufall kommt uns zu Hilfe
Wir saßen wieder mal in unserer erwählten billigen Studentenkneipe und hatten einen Schoppen Rotwein vor uns. Ich die Katrin und Charlie, meine beste Freundin.

Plötzlich blitzen bei Charlie die Augenlider auf: Du, Katrin, guck doch mal!
Ist das nicht dieser HS, der Regisseur?
Ich folgte ihrem Blick und tatsächlich: In der hintersten Ecke der Kneipe saß HS, der große HS! Ganz allein und einsam!
He Katrin, was meinst du? Er hat uns doch Rollen gegeben. Warum sollen wir nicht mit ihm mal darüber reden können?
Warum geht der in so eine billige Kneipe? Sucht der was? Wollen wir ihm nicht helfen?
Charlie lacht.
Ich zieh mir jetzt den Schlüpfer aus, und dann setze ich mich einfach zu ihm hin!
Ich denke kurz darüber nach. Sie hat Recht! Jetzt ist die Gelegenheit!
Also runter mit dem Schlüpfer und nachdem wir uns noch mal grinsend gegenseitig in die Augen blicken: Weg mit dem BH!
Richtig spannend ist die Kunst, sich in einer voll besetzten Kneipe Schlüpfer und BH auszuziehen, ohne dass jemand es merkt! Aber es macht unheimlich großen Spaß!

Ich habe jetzt nur noch mein kurzes Kleid an,
oben mit dünnen Spaghetti-Trägern und sonst nichts als mein Negligé.
Charlie hat noch weniger an.
Nur ein dünner Gummistrang hält ihr mittellanges trägerfreies rosa Baumwoll-Shirt
knapp über den Brustwarzen fest. Darunter ist sie jetzt völlig nackt.
Du, Katrin, ist das nicht schön, das Gefühl, sag mal, ehrlich?
Ja, Super! Ich möchte mir am liebsten auch noch den Rest ausziehen!
Warte! Sonst ist es doch nicht mehr spannend und kribbelnd!
Du Charlie, sag mal: machen wir uns nicht zu billig?
Ach was, Katrin! Gegen Millionen kannst du nur ankämpfen, wenn du alles einsetzt, was du zu bieten hast! Und wir haben was zu bieten, ohne Silikon und ohne Million!

Los, aufi gehts!
Wir stehen von unserem Tisch auf und gehen nach hinten zu HS.
Guten Abend, Herr Schönfelder, wir haben da ein paar Fragen, dürfen wir uns zu Ihnen setzen? So höflich sind wir seit 5 Jahren nicht mehr gewesen.
Und damals waren wir noch anständig angezogen.
Schönfelder erwacht aus irgend welchen stillen alten Memories.
Ja schau amoal! Des is ja beni! Ihr seids die Maderln, die mein Stückerl aufführen solln?
Ja, Sie haben uns die Rollen gegeben, Danke!
Ja, ja, und jetzt habts ihr Probleme damit. Dös kenni! Wollts ihr eich a bei mir bschwern, dös ihr nackert auftreten sollts! ?. Dabei grinst er süffisant und schiebt die Brille auf die Nasenspitze.

Nackert auftreten?!!
Davon hören wir offiziell zum ersten Mal! (obwohl,wir ahnten es ja schon)
Charlie ist jetzt ganz Schauspielerin:
Waaas? Wir sollen nackt auftreten? Kommt ja gar nicht in Frage!
HS kann plötzlich auch richtig hochdeutsch reden.
Na, mein Madel, nun lass mal die Kirche im Dorf!
Du hast doch eigentlich gar kein Problem damit!
Wie du dich eben dort am Tisch zur femme de nature gemacht hast,
das war schon aller Ehren wert. Ich habe es gesehen und genossen,
obwohl ich ja mit Weibern eigentlich gar nix am Hut hab.
Aber du hast schöne schmale Hüften und einen knackigen Hintern.
Genau richtig als Athene! Die war ja eine Kriegerin.
Die Athene soll ja eigentlich ein Zwitter gwesen sein. Besser gsagt, ein Wandler.
Wenn ihr eine Frau gefiel, konnte sie sich einen richtigen Penis wachsen lassen
und wenn ein Mann sie heiß machte, sollen ihre Brüste und Hüften angeschwollen sein.
Dann tropfte aus ihrer blanken weichen Rosenknospe süßer betörender Nektar.
Kannst du das auch?
Na, lass mal, Mädel, war nur ein Scherz, bleib trocken!
Besonders gut finde ich, dass auch deine Freundin nicht zurückgestanden hat.
Ihr Beide seid schon die richtige Wahl, da bin ich ganz sicher.
Mit euch kann ich schon was anfangen, so was suche ich,
Ich hab da mehr vor! Ich suche solche Leute wie ihr beide welche seids
und nicht nur für dieses kleine Griechenschmankerl!
Das ist übrigens gar nicht von mir! Ist ein absoluter Schmarren!
Hab halt meinen guten Namen hergegeben, damit der Erich halt auch mal in den Kulturteil von der Zeitung kommt, und nicht nur immer auf die Skandalseite
Dann, nach einer kurzen Pause:
wo ist denn eigentlich die Dritte, die Aphrodite? Eiseskälte in meinem Bauch!
Erstmal:
Der Erich ist unser Rektor, genannt Erektor, oder kurz Erex.
Sein letzter Skandal war eine Einsparmaßnahme.
Als er mal wieder im Suff war, hat er angeordnet, dass alle männlichen Ballettschüler anstelle ihres grauen Trainings-Bodys oben ein kurzes T-Shirt bis zum Bauchnabel und unten Strapse zu tragen haben. Er hatte ganz genau ausgerechnet, wie viel Geld man dadurch einsparen könnte, denn die Bodys gingen immer im mittleren Bereich zuerst kaputt. Alles was dazwischen war, sollte frei bleiben.
Dummerweise hatte einer dagegen geklagt, der von ihm keine Empfehlung für seine Traumrolle gekriegt hatte.
Das wurde dann zum Stadtgespräch.
Fotos davon erschienen in der Regionalzeitung.
Nur sein dicker Millionärsfreund Guido Matschke, der Vater von Verena, hatte ihn damals mit einer fetten zweiseitigen Werbeanzeige in besagter Zeitung retten können.
Die brachten dann ein Dementi und erklärten alles zu einem dummen Aprilscherz.
Die Strapse liegen heute noch im Kostümfundus herum.

Charlie gibt auf. Sie zieht sich das Shirt über die Brustwarzen nach oben und macht daraus einen Belt, der zwischen Brust und Hals wie ein kleiner schmaler Schal wirkt.
Bis auf diesen Schal ist sie nackt. Sie macht das nicht zum ersten Mal.
Sie streicht sich noch einmal mit der linken Hand über ihren schwarzen Irokesen und setzt sich zu HS. Breitbeinig und provozierend.
Dann nimmt sie den Schal auch noch ab, wirft ihn in die Menge.
Ihre Brüste sind jetzt steif und erigiert. Die Warzen stehen spitz von ihr ab.
Sie könnte jetzt glatt in Silikonverdacht geraten!
Um uns herum haben sich schaulustige Studenten angesammelt.
Einige von ihnen kenne ich, andere sind mir fremd. Die Situation ist prickelnd, zwischen peinlich und erotisch!
Peinlich? Nur für die, die Alleine ist!
Ich beschließe, dass ich Charlie beistehen werde! Auch ein bisschen Eigennutz!

Der Unterrock ist meine vorletzte Bedeckung, aber er ist auch das unerotischste Kleidungsstück, das ich jetzt noch anhabe.
Ich ziehe beide Träger nach oben an die Ohren, schlüpfe mit den Armen heraus und bitte Einen der umstehenden Studenten, mir das Ding abzuziehen.
Er macht es gut und schnuppert genießerisch daran. Soll er doch!
Bleibt noch das kurze Kleid.
Das ist schnell weg und ich fühle plötzlich die abendliche Kühle und die pfeilspitzen Blicke der umstehenden Männer auf meinem Körper.
Egal!
Was wollen sie sehen? Wenn ich an mir herunterblicke, dann sehe ich zuerst meine Brüste.
Die sind nicht so prall und abstehend, wie Verenas Silikontitten, aber rund und gesund.
Jetzt packt mich doch der Schalk und ich steige auf den Tisch.
Dort knie ich mich mit gespreizten Oberschenkeln hin und nehme wieder mal Kontakt mit meiner rosa Möse auf. Aus gegebenem Anlass.
HS sagt zwar; Musst nicht gleich übertreiben, Mädel!
Aber ich bin jetzt in Fahrt und lasse mich nicht aufhalten.
Ich will ja nur mal kurz prüfen, ob meine Rasur von letzter Woche noch standhält.

Jetzt komm mal da runter, Mädel, sonst krieg ich noch Zuständ!
HS ist not even amused darüber, dass ich nackig auf dem Tisch hocke, mit meiner halbblanken Shell genau vor seiner Nase.
Ich trage ein V, Pfeil zum Ziel.
Ziehts eich was an Mädels, ich habs nicht gern, wenn so viel Leut um mich rumstehen und es ist nicht grad Premierenfeier oder Oscar-Verleihung!.
Außerdem könnt ich höchstens den kleinen Knackarsch von der Athene hier vernaschen,
aber nicht dein Lachsbrötchen hier gleich neben meinem Weinglas, Mädel!
Des passt nicht zamma!
Du riechst nach heißem Weib, verdammt! Des bringt Unglück.
Und ich bin abergläubisch!
Dich will ich gerne auf der Bühne, nicht auf dem Tisch!

Charlie versucht, die Situation zu retten: Wir müssen doch aber üben, uns daran gewöhnen, vor Publikum nackt zu sein, Sonst vergessen wir dann noch unseren Text bei der Aufführung, weil wir dann ja nackig sind und aufgeregt und so
Ah, geh, Mädel! Glaubst, i bin vom Mond? Des lernts ihr doch im sechsten Semester, gell?

Ja, er hatte Recht! Den konnte man nicht verkohlen!

Im sechsten Semester hatten wir einen Intensivkurs
Dramaturgischer Körpereinsatz und expressive Emotionen auf der Bühne und im Film.
Ich weiß noch genau, wie wir versuchten, von den ältern Studenten darüber etwas Genaueres zu erfahren. Es kursierten die tollsten Gerüchte, aber keiner wollte dazu was sagen.
Sie wollten uns halt die Spannung und den Spaß nicht verderben.
Vor Allem sich selber nicht! Denn die Studenten aus den älteren Semestern füllten den Probensaal als Pseudo-Publikum. Das hatten wir schon erfahren. Mehr aber auch nicht.

Dann war es soweit.
Professor Schmalenbach, unser Dozent für Dramaturgie und Intendanz hielt eine kurze Einführungsrede, die darauf hinauslief, dass man als Schauspieler seinen Körper und seine Persönlichkeit voll in die Rolle einbringen muss. Sich selbst vergessen und ganz und gar in der Figur aufgehen, egal, was mit ihr geschieht. 100%!

Die Bühne war dunkel und leer.
Wir Neuen saßen alle in der ersten Stuhlreihe des Probensaales.
Hinter uns war der Saal voll mit älteren Semestern.
Schmalenbach erklärte:
Kommilitonen, es könnte sein, dass jemand den heutigen Tag zum letzten Tag seines Schauspielstudiums erklärt.
Aber: Dann ist er oder sie eben kein richtiger Schauspieler und wird es auch nie werden!
Soll sich dann meinetwegen um Rollen in billigen Seifenopern oder dämlichen Werbefilmchen bewerben! Meine Verachtung, und ich hoffe, auch die Eure ist ihm gewiss!
Sie haben ihre Texte bekommen und hoffentlich gut gelernt!
Das hatten wir allerdings! Aber keiner war in der Lage, sich daraus etwas zusammenzureimen. Die Texte waren völlig konfus und durcheinander,
nichts passte zusammen! Welches Stück sollte das denn sein?
Ich hatte den letzten Monolog der Jeanne d arc.
Und Charlie hatte eine Sequenz aus dem Film Show-Girls
Nur Verena war wieder mal nicht dabei. Sie litt noch an den Wunden ihrer fünften Schönheits-OP.
Die Dramaturgie wird Ihnen der Inspizient erklären, unmittelbar, wenn sie an der Reihe sind. Es wird nicht leicht!
Noch ein letzter Hinweis und guter Rat:
wer zuerst auftritt, hat es am leichtesten, danach wachsen die Ansprüche! Wer will beginnen?
Niemand wollte, alle waren verunsichert. Die Gerüchte hatten Wirkung gezeigt.
Na gut, das ist jedes Jahr so! Also: Wer hat das Gretchen und wer den Faust?
Die kleine zierliche Dagmar hob schüchtern die Hand. Dann auch Gregor unser Dicker.

Auf einen Wink von Schmalenberg gingen beide backstage, zum Inspizienten.
Die Bühne blieb dunkel.
Nach fünf Minuten hörten wir erst mal nur die unsichere Stimme von Dagmar:
Wie hältst dus mit der Religion?... Igitt!, was ist denn das? Heinrich, mir graut vor dir!
Das Licht dimmerte langsam auf. In einer engen Zelle aus Kulissenwänden saß splitternackt auf dem Boden Dagmar-Gretchen und wischte sich die Hände krampfhaft an ihrem nackten Bauch ab. Sie hatte kleine spitze Brüste und ein schwarzes Wolle-Dreieck. Sah niedlich aus!
Neben ihr stand ebenfalls nackig der dicke Gregor und deklamierte völlig deplaziert mit aufgeregter Stimme:
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche von des Frühlings holden, belebenden..äh.. Anblick! ..Oh Mannomann, Dagmar! ich glaubs ja nich!
Weiter! Nicht ablenken lassen! Schmalenberg blieb hart.
Dagmar fasste sich wie in Trance, erhob sich vom Boden und schmiegte sich an den stotternd
weiter deklamierenden Gregor an.
Sie war jetzt wenigstens halb bedeckt. Am Hintern klebte Bühnenstaub statt Hoffnungsglück.
der altealte, .. Dingsda,.Mensch, das geht doch nich!...in seiner Schwäche zog sich inMensch! in ..in sich zurück
Gregor war fertig! Er starrte nur noch knallrot in den Saal. Alle lachten, wir auch.
Durchgefallen! dachten wir.

Gut gemacht! sagte Schmalenberg, Ihr habt es versucht! Ihr seid nicht stumm geblieben und auch nicht davongerannt! Bravo!
Das ist ein Anfang, und wer es besser kann, der soll jetzt antreten!

Die Beiden wollten gerade klammheimlich nach hinten verschwinden.
Halt! sagte Schmalenberg
Was steht einem Schauspieler zu, der seine Sache gut gemacht hat?
Dagmar und Gregor gingen brav nach vorn zum Bühnerand und verbeugten sich.
Gregor hielt sich mit rotem Kopf die Hand vor sein bestes Stück und grinste verlegen.
Dagmar hatte die Arme ausgebreitet und vollführte fröhlich lachend Luftsprünge
. Ihre nackten kleinen Brüste wirbelten dabei in einem wilden Tanz herum.
Irgendwie musste wohl eine quälende Last von ihr abgefallen sein.
Ich habe sie später nie wieder schüchtern erlebt.
Sie bekamen ihren Beifall aus dem ganzen Saal.

Schmalenberg blieb erst mal beim Faust. Als nächstes musste gleich eine ganze Gruppe von Schauspielschülerinnen die Szene auf dem Hexentanzplatz in der Walpurgisnacht darstellen.
Alle nackt mit Reisigbesen, auf denen sie eingeritten kamen.
Und der Inspizient hatte ihnen wohl aufgetragen, besonders wild und ekstatisch zu wirken.
Die Texte aus dem Faust, die sie nacheinander vorn am Bühnenrand mit viel körperlicher Ausdruckskraft und geilen Gesten vorzutragen hatten, ließen ohnehin an Zweideutigkeiten
und auch an Eindeutigkeiten nichts zu wünschen übrig.
Neu war dabei, dass der Faust und die Teufel von bekleideten Studenten aus dem Saal dargestellt wurden. Nur der Mephisto war ein nackter Student aus unserem Semester.
Er war mit roter und schwarzer Farbe angemalt und ich versuchte ständig rauszukriegen,
ob der nun auf einem Besenstiel ritt oder gar keinen nötig hatte.
Später habe ich dann privat herausgefunden, dass Letzteres zutraf.
Aber er tanzte mir auf zu vielen Hexenorgien herum.
Zur Zeit ist er gerade der Korken von Verena und sie hatte durchgesetzt, dass er in dem Stück von HS den Paris spielt.

Die Freudensprünge unserer nackten kleinen Dagmar hatten die Stimmung aufgelockert und entspannt. Wir alle wussten ja nun, um was es ging. Nur 2 Frauen und 3 Männer aus unserem Semester hatten den Saal verlassen.
Schmalenberg hatte als nächstes Filmarbeit angesetzt und die Schwierigkeit bestand darin, dass sich die Schauspielschüler einzeln oder auch paarweise voll auf den Text konzentrieren mussten, während ungefähr zwanzig bekleidete Männer und auch einige Frauen das Filmset mimten und ständig vor und hinter den nackten Darstellern und Darstellerinnen herumstanden und herumliefen. Charlie hatte eine nackte Tänzerin zu spielen, die zwar aus dem Originalfilm Show-Girls herausgeschnitten worden war,
aber von Schmalenberg besonders geschätzt wurde.
Sie hatte einen ekstatischen erotischen nackten Bühnentanz aufzuführen,
bei dem den Männern alle Knöpfe wegfliegen.
Text hatte sie nur vorher und nachher.
Er machte sich den Spaß, die Szene dreimal wiederholen zu lassen, in voller Länge!

Als Charlie zurückkam, war sie so fertig, dass sie nicht mal merkte, dass sie immer noch nackt war.
So ging sie dann gleich nackig durch den Saal zur Toilette und kam auch so wieder.
Dann setzte sie sich rücklings auf den Bühnenrand vor mich hin, zog ihre Beine nach oben und beugte sich nach unten. Du Katrin, sieh doch mal bitte nach! Ich glaube, ich habe mir den Damm aufgerissen. Ich hab das Gefühl, dass mein Arschloch und meine Möse jetzt
ein einziges großes Loch sind!
Dass alle in den hinteren Reihen ihr jetzt voll ins Vergnügungsviertel blicken konnten, störte sie überhaupt nicht. Ich konnte sie gut verstehen. Nach dieser dreier Nummer wäre es mir genauso gegangen. Ich und alle anderen hatten es ja gesehen.
Einige hatten im Stehen applaudiert.
Ich sah mir die Bescherung an. Nee, Charlie du hast dir einen Holzspan in den Damm rein gezogen, er ragt noch etwas heraus! Soll ich ihn wegmachen?
Na los, kurz und hoffentlich schmerzlos! Um uns herum hatten sich schon einige hilfsbereite Studenten angesammelt. Glotzt nicht so dämlich! Mach schon, Katrin!
Ein kurzer Ruck, ein bisschen Blut, ein lauter Schmerzensschrei von Charlie.
Ruhe im Saal, verdammt noch mal!

Dann war ich dran. Ich ging Düsteres ahnend nach hinten zum Inspizienten.
Der zeigte nur gelangweilt auf einen Stuhl. Ausziehen bitte, Alles!
Dann drückte er mir ein graues halbzerfetztes Büßerhemd und einen Zettel in die Hand.
Improvisieren Sie die letzten Minuten der Jeanne darc zwischen Altar und Scheiterhaufen.
Befolgen Sie die Regieanweisungen der älteren Schauspielschüler ohne Zögern
Na gut! Ich streifte mir das löchrige Hemd über und hatte dann noch fünf Minuten Zeit, mich auf den Text und die Situation mental einzustellen.
Dann gab mir der Inspizient einen Wink und ich trat auf die Bühne. Sofort stürzten zwei grimmige Büttel auf mich zu und rissen mir das Hemd ziemlich grob vom Leib.
Nackt bist du die Welt gekommen und genauso sollst du sie wieder verlassen!
Bete und tue Buße!
Sie zerrten mich vor einen Kasten mit einem Kreuz der wohl den Altar darstellte.
Dabei packte mich jeder von ihnen mit einer Hand unter dem Arm und mit der anderen grob an die Brust, Ich sah, wie sich die beiden zugrinsten. Gerade wollte ich halblaut protestieren.
Na los! Dein Text!
Also begann ich meinen Text herunterzubeten. Einer von beiden drückte mich hinunter in die kniende Stellung, so dass ich den nackten Hintern in Richtung Publikum recken musste.
Es ist unheimlich schwer, gleichzeitig so einen mittelalterlichen Text zu beherrschen und daran zu denken, dass jetzt Alle meine Schamlippen und mein Poloch von hinten sehen können! Ich war nicht besser dran als Charlie. Aber ich wollte auf keinen Fall hinter Charlie zurückstehen. Lieber gehe ich in die Offensive. Ich machte eine kurze Textpause, spreizte die Beine weit und ging noch tiefer herunter. So! Jetzt könnt ihr unter meiner Möse auch noch meine Brüste herumbaumeln sehen! Da richtet doch auch schon ein Beleuchter seinen Spot auf mich, so dass ich jetzt von hinten und von unten angeleuchtet werde. Ein Raunen geht durchs Publikum. Kaum habe ich meinen ersten Textteil fertig, da werde ich schon wieder grob gepackt und auf einen Wagen gezerrt. Dort binden sie mich unten mit den Knien links und rechts an den Wagen an. Ich kann nicht umfallen aber auch die Beine nicht mehr schließen. Rundherum auf der Bühne stehen mindestens fünfzig oder mehr Studenten als Bürger starren mir auf meine Musch und die dahinter sichtbaren Pobacken. Das war vielleicht ein komisches Gefühl! So eine kribbelnde Mischung aus Peinlichkeit, Scham und ängstlicher Neugier mit zunehmendem Stolz wegen der vielen anerkennenden Blicke würde ich heute gern noch mal erleben.
Vielleicht kommt es auch bald wieder auf mich zu! Wer weiß?
Jetzt muss ich erst mal auf die Menge einreden. Dabei schaue ich immer irgendeinem in die Augen und sehe, dass er mir immer nur auf die großen unteren Augen glotzt oder auch gleich auf meine Mittelwimpern.
Dann fahren sie mich mit dem Wagen zweimal im Kreis herum durch die Menge, bis ich an den Pfahl gebunden werde. Wieder ziemlich grob und wieder habe ich das Gefühl, dass die meine Brüste für Griffe halten, an denen sie mich zu händeln haben.
Das Feuer besteht aus einem großen Büschel roter, hellblauer und gelber Stoffbänder, die von einem Gebläseschlauch nach oben gepustet werden. Das ist verdammt kühl zwischen den Schamlippen und die Bänder kitzeln mich wahnsinnig an dem Ding, das dafür ja eigentlich auch geschaffen ist.
Dabei habe ich wieder schweren Text zu sprechen und mich in Todeskrämpfen zu winden.
War das geil!
Dann ging das Licht aus und ich hatte es geschafft! Meinen Beifall nahm ich breitbeinig und mit freudigem Links-Rechts-Schleudern meiner Brüste und Pobacken entgegen.
So war das damals. Befreiend und im Nachhinein eigentlich auch schön, bis auf den Holzspan in Charlies Damm.

Na Ja! Es stimmte schon! Dieser HS hatte schon Recht. Wenn es das Stück oder der Film erfordert (oder der Regisseur), dann wurde eben nackt gespielt. Mensch pur ist eigentlich die ehrlichste Rolle. Ich schob mich splitternackt durch die Studentenmenge und sammelte unsere Sachen wieder ein. Das ging kaum ohne Erst mal anfassen, Ja? aber dann hatte ich alles zusammen und setzte mich gesittet an den Tisch zu Charlie und HS.
Ja also, die Dritte, die Aphrodite, mit der hatte ich heut nämlich Krach! Die wollte mir da in meine Arbeit reinreden. Erst wollt sie unbedingt die Hauptrolle, weil ihr Vater, der Matschke ja die Kulissen und die Kostüme sponsert.
Aber als sie mitgekriegt hat, dass sie gar kein Kostüm abkriegen soll als Aphrodite, hat sie getobt. Da hab ich ihr halt Komplimente gemacht über ihr Gesicht und ihren Busen!
Diese Gummibolzen und diese aufgedunsenen Schamlippen im Gesicht! Igittigit!!
Charlie und ich lachten aus vollem Hals.
Aber dann kam ihr liebes Väterchen dazu und hat darauf bestanden, dass sie nackt spielt.

Als sein Goldstück dann hinausgerauscht war, hat er mir gestanden,
dass er Pleite ist und dass seine verschwendungssüchtige Verena
daran hauptsächlich schuld ist.
Er hat mich angefleht, ihr ein für alle mal die Schauspielerei auszutreiben.
Charlie und ich, wir sehen uns an und können es kaum fassen!
Die tolle Verena ist pleite! Das ist die schönste Nachricht heute!
Wir knutschen HS gegen seinen Willen ab und wollen sofort los, es überall herumerzählen.
Nein, bloß nicht! Sonst platzt die ganze Vorstellung! Das darf keiner weiter wissen, versprechts mir!
Wir versprechen es hoch und heilig. Jetzt haben wir die stärksten Verbündeten gegen Verena!
HS und die Pleite von Matschke! Herrlich! Der werden wir es zeigen!

Die Generalprobe

Das Stück war durchgeprobt. Die Generalprobe war für morgen angesetzt.
Aber keine Kulisse und kein Kostüm war fertig.
Auf den Werbe-Flyern und auf den Plakaten war zwar Matschke als Sponsor groß ausgedruckt.
Aber Matschke war pleite! Fast alle wussten es inzwischen.
Nur seine Tochter, die tolle Verena tat immer noch so, als wäre alles beim alten,
sie wollte es einfach nicht wahrhaben.
Das letzte Geld von Matschke hatten die Gläubiger geschluckt, das meiste der Insolvenzverwalter.

Einen Tag vor Beginn hatte HS eine Besprechung mit der gesamten Besetzung anberaumt.
Krisensitzung.
Absetzen oder Improvisieren? so lautete die einfache Krisenfrage.
Protest:
Wir haben 3 Monate geprobt! Wir wollen spielen! Absetzen kommt nicht in Frage!
Also improvisieren!
Na gut
HS: Bühnenbild: wer hat Vorschläge? Die geplante Version ist ja wohl gestorben.
Georg, unser Dicker, meldet sich zu Wort: Also, ganz einfach: wir lassen die silberne Leinwand herunter und schmeißen mit dem großen Projektor schöne Dias von Griechenland und Kleinasien an die Plane!
Ich hab da Einiges auf Lager, großartige Landschaften!

HS: Genehmigt, Georg, du bist ab sofort zum Bühnenregisseur ernannt!
Ansonsten bleibt die Bühne nackt!
Danke Herr Matschke! Sie sind ein verkanntes Genie!
Nichts passt besser zum Stück, als das!
Georg strahlt.
Seit seinem letzten Auftritt als nackter Faust ist er vom Schauspiel zum Regiefach gewechselt und inzwischen mit Dagmar verheiratet. Sie war wohl die erste und wahrscheinlich auch die einzige nackte Frau, die er live und splitternackt berührt hat.
Er hat ihr sofort danach einen Heiratsantrag gemacht. Dagmar hat Ja gesagt.
Von ihrem Polterabend weiß ich nur noch, daß ich rattennackig, Bier übergossen, konfettibeklebt und total blau im Taxi nach Hause gebracht worden bin, mehr nicht!
Nur am Morgen habe ich mich über ein komisches Mittengefühl gewundert.
Da steckte immer noch die Papier-Tröte drin, die Werner in meiner Muschi
unbedingt zum Tönen bringen wollte. Na ja!
Dagmar liebt Georg wirklich, aber sie kann es sich auch nicht verkneifen,
ab und zu in der Fledermaus, unserer Studentenkneipe,
eine supergeile nackte Solonummer auf der Bühne abzuziehen.
Oh lala! Danach ist sie richtig süchtig und stolz wie Napoleon.
Sie ist ja auch wirklich süß und knackig und sie genießt den Applaus wie eine Droge.
Georg kommt da niemals hin. Ist wohl auch besser so!

HS: Kostüme? Warte auf Vorschläge!
Charlie sagt zaghaft: Waren die nicht damals alle nackt, in Griechenland,
und die Götter sowieso? Habe nie von einem Gott der Schneider gehört?
HS: Nee, Charlie, leider nicht! Sonst gäbe es so manche griechische Legende nicht!
Die hatten schon alle irgendeinen Lappen um den Leib!
Apropos Lappen: Was habt ihr denn so im Fundus?
Jede Menge alte Fetzen! sagt Einer.
HS: Dann wollen wir doch mal sehen!
Charlie sieht mich an und ich sehe Charlie in die Augen.
Wir verstehen uns ohne Worte, aber ich sage dennoch:
Wir werden uns doch da unten nicht ständig aus- und anziehen?
Nee! Einmal ausziehen und dann anprobieren! sagt Charlie.
Also ziehen wir beide uns erstmal aus.
Komplett. Alle sehen zu uns hin. Schöön!
Um uns herum stehen so ungefähr zwanzig Leute.
Nur Verena blitzt uns verbissen an.
Sie bleibt angezogen. Ihren Gummibusen lässt sie nur für Geld sehen.
Wird sie jetzt auch bald bitter nötig haben!
Ihre aufgespritzten Lippen sehen ja ohnehin schon aus wie
Schamlippen nach Gruppensex mit 27 See-notgeilen Philippinischen Matrosen.
Wird sie bald einen Schleier tragen? Mit Münzeinwurf?

Die meisten, aber nicht alle kennen uns vom Studentenclub und wissen,
daß wir damit kein Problem haben. Einige machen auch gleich mit.
Charlie und ich, wir sind Naturmenschen.
Zuhause in unserer WG ist ab 23° Celsius Bekleidung mehr als flüssig.
Egal, wer da gerade da ist oder ankommt, er trifft uns immer nackt an.
Ob Vermieter, Postbote, Müllkutscher oder zufälliger Gast.
Das ist ein echt schönes und freies Gefühl! Wir lieben es!
Das Schönste ist:
wir Zwei sind gegenseitig absolut ehrlich zueinander.
Wir beobachten uns gegenseitig
und jedes Problem wird sofort und ohne Tabu angegangen.
Charlie hat eine dicke Mutter und sie hat immer Angst, selber dick zu werden.
Jeden Abend dreht sie sich nackt vor mir im Kreis und fragt ängstlich:
Siehst du schon was, Katrin? Sag es mir, sofort, bitte!
Du müsstest mal wieder was essen, Charlie! hört sie am liebsten von mir.
Charlie (Charlotte, den Namen hasst sie, wie die Pest) ist wirklich ein süßes Kind!
Schwarze lange Haare, groß gewachsen und braungebrannt ohne jeden weißen Streifen.
(Wir haben eine große Terrasse, die nur unser Vermieter vom Dachboden aus einsehen könnte, er ist ein netter älterer Herr, er geht selten aufs Dach)
Sie hat große natürliche weiche Brüste, die schwer an ihr hängen und sie beneidet mich immer um meine kleinen steifen leichten Rundmöpse.
Die tragen sich bestimmt leichter als meine! Die stehen an dir so schön nach vorne weg, richtig sportlich! Geil! Meine sind so schwer! Schade! Ich bin zu fett!
Ihr Hintern ist rund und schön weiblich. Trotzdem beneidet sie mich um meinen schmalen Langstrecken-Läuferinnen-Arsch.
Die Muskeln! Du hast einen geilen Knackarsch, Katrin!
Einmal habe ich sie zu mir nach Hause eingeladen.
Meine Mutter ist wirklich dürr und sieht aus, wie ein lebendes Gerippe.
Sie hat es im Leben sehr schwer gehabt und trotzdem alles für ihre Kinder gegeben.

Danach haben wir uns lange und ausführlich ausgetauscht, über das Leben von uns Frauen und wir waren uns einig:
Jetzt sind wir jung! Jetzt sind wir schön, Jetzt genießen wir das Leben!
Heute kann und soll uns Jeder und Jede nackig sehen!
Verstecken können wir uns später, wenn es mit der Jugend und der Schönheit vorbei ist!
Wir zeigen uns und bleiben nackt, solange es uns und unseren Freunden noch Spaß macht!
Wir nehmen alles mit, was uns das Leben anbietet!

HS:
Also los! Ab in den Fundus! Jeder sucht sich ein passendes Kostüm aus!
Zwanzig Leute, die eine Hälfte nackt, die andere in zivilem Zwirn,
macht sich auf in die Kellergewölbe.
Was passt schon zu den alten Griechen? Eigentlich gar nichts!
Aber es ist dennoch ein Riesenspaß!
Alles wird anprobiert, egal was und egal, wem es gehört.
Diejenigen, die sich nicht vorher schon alles ausgezogen hatten, sind jetzt die Gelackmeierten.
Ehe sie soweit sind, haben andere ihre auserwählten Sachen längst weggeschnappt.
Und bald finden sie auch ihre eigenen Sachen entweder nicht wieder oder sehen sie plötzlich am Körper anderer Eleven als groteske Verkleidung.
Nach einer halben Stunde ist der ganze Fundus ein Haufen durcheinander gewuselter Klamotten aus allen möglichen Zeiten und Aufführungen.
Der Kustos ist am Weinen!
Die ganze nackte Bande amüsiert sich köstlich.
Wallensteins Hut und Säbel mit nacktem Mann.
Yvonne splitternackt mit roter Henker-Kapuze und Hackebeil.
Michael hat sich den Pimmel in einer Plastik-Ritterrüstung eingeklemmt.
Der Kustos schneidet weinend mit einer Zange den unteren Teil ab.
Michael jammert kläglich.
Riggie hat Vera in die Eiserne Jungfrau gesperrt und den Deckel zugeschlagen.
Das Ding war eigentlich nur Vorführmodell
à la man zeige dem Delinquenten die Instrumente.
Plastik, aber dennoch wirkungsvoll.
Trotz abgerundeter Spitzen ist die füllige Vera sichtlich geschockt.
Ihr ganzer mollig-schöner Körper ist mit roten Druckstellen gesprenkelt.
Ihr praller nackter Hintern sieht aus wie eine Schwarzwälder Kirschtorte.
Nur die superschlanke Gabi mit dem scharf rasierten schwarzen Borstenpfeil seufzt:
darf ich auch mal?
Der Kustos hat endlich denjenigen erspäht, der für den ganzen Rummel verantwortlich ist: HS!
Für welches Stück und für welche Epoche brauchen Sie eigentlich Kostüme? So geht das doch nicht! Die bringen mir den Fundus doch völlig durcheinander, die verrückten jungen Leute!
Griechenland, Antike, sagt HS.
Haben wir nicht! Brauchen wir auch nicht. Wir haben da immer nur einfach Tücher verwendet, gleich von der Rolle!
Na dann, her mit der Rolle!
Kommen Sie mit!
Der Kustos verschwindet in einem Nebenraum, HS folgt.
Dann kommt er wieder. Ein Wink: Hierher, einer nach dem Anderen! Hier ist es eng!
Wir sind jetzt in Stimmung und Stimmung duldet keine Enge.
Zwei von den Männern ziehen das Gestell mit der Rolle in den großen Raum.
Auf dem Gestell sind drei Rollen Theater-Satin aufgewickelt.
Weiß mit rotem Rand, Gelb-Gold und Hellblau.
Jeder kriegte drei Meter davon nach eigener Wahl.
Gelb-Gold kriegten aber nur die Götter.
Ich als Hera und Charlie als Athene wurden also gelb-vergoldet. Na super!
Nach dem Schluss der Krisensitzung suchten Einige noch stundenlang nach ihren Kleidungsstücken. Wir Spontan-Nackten waren da im Vorteil.
Wir wussten, wo Bartel den Most holt.

Zuhause haben wir dann die Stoffbahnen an uns getestet.
Zuerst hatten wir in die Mitte ein Loch für den Kopf rein geschnitten
und uns das Ding dann übergestülpt.
Sah einfach Scheiße aus! Wirklich! Yes, Sir!
Schließlich hatten wir DIE Lösung gefunden.
Der Stoff wurde zu einem schmalen Band gerefft und der linke Arm durch das Loch in der Mitte gesteckt.
Dann warfen wir das eine Ende nach hinten über die linke Schulter
das andere Ende wickelten wir uns gekonnt um Arsch und Hüfte
und steckten es über dem Bauchnabel mit einer Haarklemme fest.
Die Brüste blieben frei.
Damit sind wir dann gleich mal zu unserem Vermieter runter gegangen
und haben es ihm vorgeführt. Vorgezogene Generalprobe.
Er war begeistert. Charlie konnte es mal wieder nicht lassen,
ihm auch noch die Funktion der Haarklemme vorzuführen.
Wenn man darauf drückte, wickelte sich die Toga von den Hüften ab
und man stand völlig nackig da.
Da unser Vermieter so versessen auf meinen Knackarsch
und auf meine fast kahle Muschi ist,
mußte ich natürlich auch mindestens dreimal als Versuchskaninchen herhalten.
Na gut, wenn es denn sein muss!
Wir haben ihm schon seit 5 Monaten keine Miete mehr gezahlt
und nach diesem Besuch wird er uns wohl auch die nächsten Monate
mit Mahnungen verschonen.
Hoffentlich!

Dann war plötzlich aus Morgen Heute geworden. Generalprobe!
Im Saal saßen fast nur Kommilitonen, wenige Gäste. Unbekannt.
Die meisten Eleven hatten es beim Anprobieren der Stoffbahnen genau so wie wir gemacht.
Loch in der Mitte, drüber gezogen, Gürtel oder Strick um den Bauch, passt!
Nur Verena trug ein kunstvoll gewundenes hellblaues Gewand. Berater gehabt?
Eigentlich sollte die doch gar nichts tragen?
Du, Katrin, eigentlich tut mir die Verena schon ein bisschen leid!
Wollen wir wirklich? Brauchen wir das?
He, Charlie! Hast du schon vergessen, wie sie dir deinen Markus ausgespannt hat?
Ach Markus, der war so langweilig, den hätte ich sowieso bald laufen lassen!
Und was ist mit Mike? Den auch?
Mike? Ja der war gut! Aber mit dem hattest du doch auch schon, komm! Sei ehrlich!
Ich kann mich nur an einen einzigen Tag erinnern, an dem unsere Bude von innen verschlossen war! Und du warst drin, mit Mike oder er in dir!
Nicht oder! Er war drin! Na Glückwunsch! War er gut? Zu gut für uns beide!
Ich habe ihn dann auf Verena scharf gemacht, er hätte uns sonst auseinander gebracht
Ach nee! Und jetzt willst Verena dafür bluten lassen?
Sie hat uns gedemütigt, Charlie! Und dafür muss sie büßen! Wer weiß? Vielleicht hat sie bald wieder einen reichen Frackaffen am Strick und bestimmt dann über dein und mein Schicksal! Sie soll für immer vor uns Respekt und höllische Angst haben!
Der Gong ertönt.
Es geht los. Wir spulen die Vorführung ab, wie sie HS geplant hat.
Mit großen Dias als Hintergrund-Kulisse und Stoffbahn-Bekleideten, mehr oder weniger nackten Darstellern.
Nach jedem Vorhang werden auf dem Bühnenparkett mit grauer Kreide die Positionen der Darsteller markiert. Ein kleiner Kreidewinkel mit Aktnummer und Name.
Im vorletzten Akt kommt die Szene mit Paris und den drei Göttinnen.
Wir, Charlie, Ich und Verona stehen mitten auf der Bühne.
Verona ist splitternackt und hässlich.
Ihre Gummibolzen wirken im harten Scheinwerferlicht noch unnatürlicher als sonst.
Die Schatten der Spots bringen unter ihren harten riesigen Titten so etwas wie ein Doppelkinn zum Vorschein.
Unter den Implantaten melden sich ihre ursprünglichen flachen Brüste und schreien nach Anerkennung der natürlichen Gottesgeschenke.
Ihre OP-Narben glänzen.
Der harte Schatten der Spotlights macht aus ihren aufgeschwemmten Lippen eine Groteske.
Sie sieht aus wie Daisy Duck!
Nein! Wir wollen doch Daisy Duck nicht beleidigen!
Sie sieht aus, wie die bösartigste Karikatur der billigsten amerikanischen Nutte!
Und die soll Paris uns beiden vorziehen?
Paris kommt.
Verenas Korken. Der mit dem Besenstiel, auf welchem er zu reiten scheint. Mike!
Er balanciert spielerisch den Apfel in den Händen. Dann sieht er Verena und erstarrt.
Er weicht zurück und stolpert über einen vergessenen Kugelschreiber, der auf seiner Positionsmarke liegt. Im Fallen schlägt er mit den Armen um sich.
Er trifft Verena an der rechten Brust. Die Wirkung ist verblüffend.
Verenas rechte Brust steht quer und ist zu einer Roulade zusammengefaltet worden.
Darunter klafft eine große Delle.
Verena sieht jetzt aus wie Brustamputiert mit einem hässlichen Krebsgeschwür.
Die Generalprobe ist geplatzt.
Die Premiere wird nie stattfinden. Nicht in dieser Besetzung!
Charlie und ich haben erst lange nach dem Schock gelacht.
Dann aber herzlich!


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