Sonja Robins trifft Freitag


Spocky

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21.03.2015
Insel der Scham

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Oha, da kommt mir ja einer entgegen. Ein Mann.

Der Micha ist es nicht. Der wird sich hüten. Der hat mich ja erst vorgestern aus seinem Studio rausgeschmissen, weil ich heimlich in der Kammer für Spezialeffekte geraucht hatte. Es war kurz vor Silvester, und er hatte eine große Sache geplant, mit Feuerwerk und so. Das ganze Lager war voll mit Bengalics und  Feuerwerksraketen.

Nun macht das eben die rothaarige Lilli, die passt auch besser dazu. Wenn es flackert und blitzt, sieht man nicht so, dass sie an manchen Stellen doch schon ziemlich fett ist.

Apropos blitzen. Blitze ich? Der Mann da vor mir ist plötzlich stehen geblieben, wie vom Donner gerührt. Jetzt schaut er sich vorsichtig nach allen Seiten um. Sucht er die versteckte Kamera?

Wir haben das im vorigen Sommer schon mal in so gemacht. Der Micha hat mich, nur mit High Heels bekleidet, nackig durch die Straßen von L.A. laufen lassen, und dazu aus dem Versteck die Leute gefilmt. Danach kriegte er jede Menge Klagen an den Hals, weil er die Fotos im Internet veröffentlicht hatte. Na ja, zugegeben, einige bekannte Leute hatte er auch ungeschickt zu erpressen versucht, der kleine Schlimmling.

Soll ich lieber zu meinen Sachen rennen, und mir wieder was anziehen?

Och nee, ich habe jetzt keinen Bock mehr auf Bananen. Außerdem muss ich auf meine Linien achten. Schließlich lebe ich davon. Bisher immerhin. War jedenfalls nett von meinen lieben Vätern, dass sie mir mein gutes Einkommen bei wenig Arbeit gleich auf den Leib geschrieben haben. Super!

Ich gehe einfach ganz ruhig weiter.

Der Mann vor mir hat seine Sprache wiedergefunden. „Da bleibt mir doch glatt die Spucke weg! Menno, laufen hier alle Frauen so herum? Bin ich etwa doch schon auf der Insel Nudafemma gelandet, wo die Damen angeblich alle nichts anhaben sollen? Was kostet das? Es ist doch schließlich nichts Schönes auf dieser Welt für lau zu haben. Wo steckt der Kassierer? Ach ja, äh…, darf ich mich vorstellen? Ich bin Daniel Freytag, Kolumnist beim „PLAYBOY, deutsche Ausgabe“.

Wenn das hier schon die Insel ist, darf ich Sie dann gleich mal um ein intimes Bild-Interview bitten? Meine Kamera habe ich gottseidank bei dem Absturz noch retten können. Hey, Sag mal, mein Mädchen, kennen wir uns nicht aus dem Flugzeug? Ich meine, aus dem Flugzeug, das vor acht Stunden hier abgestürzt ist? Da waren wir doch schon beim „Du“, in der langen Schlange vor der Toilette. Du warst genau vor mir dran…“

In der Luft sind plötzlich viele pfeifende Geräusche:

„WOBBEL-WOBBEL-WOBBEL!

ZWITSCH-ZWITSCH-ZWITSCH!

WUSCH!-WUSCH-WUSCH!“

Ich muss hastig das Thema wechseln: „Äh, … ich glaube, da kommt gerade dein Essen, Daniel, volle Deckung!“

„PLONCK!“ Die Kamera ist hin. Die Affen-Mischpoke schmeißt mit harten Sachen. Große Nüsse, Muscheln  und Äste. Keine Bananen, wie bei mir. Aber gottseidank auch keine Steine. Die gibt es hier wahrscheinlich nicht, weil es eine Koralleninsel ist.

Die Affen machen scheinbar auch Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein. Ist ja fast so, wie in meiner alten Welt, bloß vorteilsmäßig genau umgekehrt und ein bisschen direkter. Für Männer benutzen sie Hartes, für Frauen Weiches. Sonst ist es mir ja umgekehrt lieber, aber nicht in diesem speziellen Zusammenhang.

Daniel Freytag handelt wie jeder normale Mann. Er benutzt mich als Deckung und hält sich dabei krampfhaft an meinen nackten Titten fest. Aua!

Na ja, ich bin es aus der alten Welt ja gewöhnt, dass ich von den Kerlen immer als Vergnügungsmöbel und Entspannungstier missbraucht werde, aber als schusssichere Weste habe ich bisher noch nicht dienen müssen.

Man lernt eben nie aus.

Dass sich ein Mann bei Gefahr hinter dem Sofa oder unter dem Bett versteckt, ist allgemein üblich. Aber hier und jetzt bin ich das Sofa. Ob ich vielleicht als Bett besser geeignet bin? Schauen wir mal.

Ich drücke mich mit den Füßen ab und lasse mich nach hinten fallen. Jetzt liegt der Freytags-Daniel unter mir. Ich strecke meine Beine in Richtung der Ur-Family aus und mache sie schön breit. Es wirkt. Sie hören auf zu schmeißen. Jetzt sehen sie nur noch eine nackte Frau, die schon satt ist.

Leise sage ich zu Freytags-Daniel: „Ich glaube, du musst dich auch total ausziehen, dann schmeißen sie nicht mehr nach dir. So ganz genau weiß ich es aber nicht. Es käme auf einen Versuch an…“.

Aber er hat eine andere, typisch männliche Idee. Gleich neben meiner zerschrammten Hüfte knallt es ohrenbetäubend. Ein Schuss!

Die Affenhorde macht sich laut kreischend vom Acker. In Zukunft werde ich mir mein Essen wohl selber pflücken müssen. Shitt! Ich hätte es mir ja denken können. Die Männer haben doch fast immer irgend so ein Machteisen in der Hose.

Ich rappele mich hoch und sehe an mir hinunter. Meine Ohren klingeln immer noch, meine Titten haben beide große blaurote Grabschfingerflecken, mein Bauch ist kreuzweise zerschrammt und zwischen meinen Schamlippen klemmt rauchend und stinkend eine heiße Patronenhülse. Verflucht aber auch noch mal, in welchen schlechten Film bin ich hier bloß reingeraten? „Rauchende Mösen im Indischen Ozean“, oder was? Wehe, wenn die Gage nicht gigantisch ist. Dann kündige ich den Vertrag! Habe ich jetzt einen Durst!

„Du könntest eigentlich mal schnell eine Cola besorgen, Daniel.“

Daniel hat wieder mal einen männlichen Total-Einfall, ohne wirklich Architekt zu sein.

„WUMM!“ - „FLOTSCH!“ - „PIIIING!“

Das „WUMM!“ war ein gezielter Schuss, Das „FLOTSCH!“ war die große Kokosnuss, die jetzt in Teilen am Strand liegt, und das „PIIING!“ war die leere Patronenhülse an meiner Musch, die von ihrer nachfolgenden Magazinschwägerin weg geschleudert worden ist.

„Hey! Ich habe Durst und keinen Bock auf dein Mösenbillard, du blöder Ballermann!“

„Ist ja gut, ist ja schon gut. Entschuldige, hier hast du eine halbe Kokosnuss, da kannst du trinken. Ist noch ein klein bisschen was Flüssiges drin. Hier gibt es ja schließlich keinen Coca-Cola-Kiosk in der Nähe. Wie war doch nochmal dein Name? Sorry, habe ich leider vergessen in der ganzen Aufregung. Wo du mich doch gleich so provoziert hast, mit deinen nackten Teilen, und überhaupt…, dazu dann noch die verrückten Affen.“

„Was? Ich habe dich profotziert? Musst du eben woanders hin glotzen, als ausgerechnet auf meine Möse. Immer diese lateinischen Fremdwörter! Die lassen dich auch nicht gerade schlauer aussehen. Mein Name? Habe ich den nicht schon gesagt? Ich bin Sonja von Ramstein, Fotomodell und Gelegenheits-Schauspielerin.“

„Wie? Bist du etwa adelig?“

„Nö, In meinem Pass steht „Sonja Robins“, weil meine Mutter Robins heißt, aber ich nenne mich Sonja von Ramstein, weil meine Väter alle von Ramstein sind.“

„Alle deine Väter? Meinst du etwa Ramstein Air Base?“

„Ja, genau. Da war gerade Mittagessen angesagt, und in der Kantine, wo meine Mutter als Küchenhilfe gearbeitet hat, standen die Boys alle in der langen Schlange an der Ausgabe, als meine Mutter auf einer Bananenschale ausrutschte und dann kopfüber in die Abfalltonne stürzte. Sie hatte wegen der Hitze nichts drunter und alle die Jungs mussten da vorbei. Sie weiß nicht, welcher Zahn von der langen Säge sie da so tief geritzt hat, dass ausgerecht ich dabei rauskam. Deshalb sind sie alle meine Väter, und waren wirklich alle sehr lieb zu mir, besonders ab 16, auch wenn ich als Katastrophennudel gelte, weil ich ja immer das Unglück regelrecht auf mich ziehe. Wie bist du denn eigentlich heil aus dem Flugzeug herausgekommen, wenn ich mal fragen darf? Aus dem kleinen linken Klofenster habe ich gesehen, dass da ein riesengroßer fliegender Pinguin ins Triebwerk sauste, bevor es abwärts ging.“

Daniel schüttelt den Kopf. „Fliegende Pinguine gibt es gar nicht. Aber ich habe es auch gesehen. Es muss eine von diesen Drohnen gewesen sein, die jetzt überall herumfliegen. Gerade hier, über dem Indischen Ozean verschwanden ja in letzter Zeit immer wieder Flugzeuge sang- und klanglos im Meer.

Es war so:  Nach dem Knall im linken Triebwerk kam der Flugkapitän auf den Seitengang im Heck, wo ich auf die Toilette wartete, in der du eingeschlafen warst, zerrte aus einem der Schränkchen einen Fallschirm, schnallte ihn an und wollte sich heimlich durch die Gepäckluke davonmachen. Ich habe ihm meinen Ballermann vor die Nase gehalten und gesagt: „He, he, wir sind hier nicht in Italien und auch nicht auf der „Costa Concordia“, hier bleibt der Kapitän gefälligst an Bord!“

Ich nahm ihm den Fallschirm ab und sprang im letzten Moment aus der offenen Luke ins Freie. Wenn du nicht so lange auf dem Klo gesessen hättest, dann wäre ich jetzt vielleicht schon tot. Du und mein Colt, ihr  habt mir das Leben gerettet. Irgendwie gehören wir drei zusammen.“

„Mein Gott, Ich kann es ja gar nicht glauben! Ich habe jemandem das Leben gerettet? Wo ich doch bisher immer nur Katastrophen verursacht haben soll. Na gut, der Flugzeugabsturz von Ramstein damals, 1988, das war meine Mutter, von der habe ich das ja. Aber 9/11, 2001 in New York und auch die großen Tsunamis 2004 im Indischen Ozean  und 2014 in Japan, die gehen auf mich. Bloß gut, dass es keiner weiß und auch keiner glaubt.“

„Wie? Waaas? Das warst du? Jetzt spinnst du aber ganz gewaltig. Das glaube ich dir nämlich nicht!“

„Siehst du? So ist es immer. Aber vielleicht wird ja alles gut, wenn wir zukünftig zusammenbleiben. Ich, die Katastrophennudel und du, der chaotische Glückspilz. Vielleicht gleicht sich das ja dann irgendwie aus? Schaun wir mal.

Äh, Daniel…,“  „Ja?“  „…kannst du mir bitte mal die Brüste vorsichtig kneten, damit die blauen Flecken schneller weggehen? Am Besten im Wasser, da kühlt es besser. Auch den Bauch und den Hintern. Ich will da keine weiteren Schwellungen, als die, die ich vorher schon hatte.

Apropos Schwellungen: Wenn du auch gerade welche irgendwo hast, können wir doch gleich mal…, ich bin nämlich jetzt ganz toll heiß vor lauter Stolz, weißt du?“

„Nee, ne? Wie geil ist das denn? Ich bin ja wirklich ein Glückspilz! Ich glaub’s ja nicht! Mann, deine Schwellungen aber auch! Und meine erst!“

„Mach doch hier nicht die Salzsäule, Freitag, Ich will jetzt wissen, ob du auch noch mit was anderem, als mit leeren Patronenhülsen einlochen kannst. Komm schon!“


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