Chaos-Akt am Freitag


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02.02.2011
Kunst

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Chaos-Akt am Freitag, dem 13.

 

Ich bin sehr abergläubisch. Allein schon deshalb, weil mein ganzes Leben von Zufällen abhängig war. Niemals ein fester Job, immer auf Gelegenheiten und Events aus und nie eine Garantie, dass es sich auch lohnt. Und wirklich gelohnt hat es sich ganz selten. Dafür habe ich sehr viel von der Welt gesehen. Das ist schon wahr. Aber noch besser wäre es gewesen, Wenn ich dabei auch ein klein wenig mehr Geld in der Tasche gehabt hätte. Wenn man dann als Frau auch noch auf so ein vergängliches und unzuverlässiges Werkzeug wie den eigenen Körper angewiesen ist, den man ja schließlich nicht so einfach austauschen kann, wie ein Maurer seine Kelle, dann ist die Abhängigkeit von Glück und Lebenserfahrung ganz enorm.

 Friedrich ist auch abergläubisch, aber nur im  üblichen, alltäglichen Rahmen. Er ist Maler und  Grafiker und er hat ein eigenes Atelier.

Vor 23 Jahren hat er mich als Aktmodell entdeckt und das blieb ich fast 17 Jahre lang mit längeren, sporadischen Unterbrechungen. Bis ich dann vor 6 Jahren ganz bei ihm hängen geblieben bin. Er hatte sich an meinen Kaffee, an meine Bratkartoffeln mit Steak und Spiegeleiern und an meine bunten karibischen Gemüse-Obstsalate gewöhnt. An mich ja sowieso.

Jetzt aber will er mich nicht mehr sitzen sehen, nackt vor seinen Schülern, weil mich ja alle für seine Frau halten. „Das schickt sich nicht“. Dass ich eventuell auch schon zu alt dafür bin, das hat er mir nie direkt gesagt. Da ist er schon Gentleman. Aber ich bin ja nicht doof und eitel, ich weiß ja bescheid. Ich pflege meinen Körper aber trotzdem immer noch so, als wäre er mein wichtigstes Werkzeug.

Sonst finden seine Aktsitzungen für Studenten und allgemein interessierte Laien immer nur am Mittwoch und Donnerstag statt. Mittwochs die Weibchen und donnerstags die Männchen als Modell, und einmal im Monat, am letzten Samstag, auch gemischt. Weil er aber am vergangenen Mittwoch eine Vernissage im Lions Club hatte, musste er die Mittwochsrunde verschieben auf den Freitag. Einen Kalender hatte er wohl nicht dabei, sonst wäre ihm aufgefallen, dass es Freitag, der 13. April ist. Also Heute. Jetzt gleich. Es ist fast schon 17:00 Uhr. Das gibt dann 3 Stunden bei Sonnenlicht und 2 Stunden bei Kunstlicht.

„Welches Modell hast du denn eigentlich für heute bestellt, Fritze? Du weißt doch hoffentlich, dass die Clarissa am Freitag mit ihrer Tochter immer zu den Großeltern nach Pirna fährt.“

Ich ahne einen Flop. Und die Frühlingsluft ist so warm, duftend und kribbelnd, dass einem ganz komisch im Herzen wird. Und anderswo noch viel mehr. Ein herrlicher Abend, an welchem man alle Fenster weit aufreißen möchte. „Sage doch einfach ab, Fritze, ich kann immer noch Bratwürste und Wein holen und wir machen uns einen schönen Grillabend. Wenn es sein muss, dann eben mit deinen Studenten.“

Friedrich ist immer noch damit beschäftigt, die Staffeleien aufzustellen und herumliegende Farben, Pinsel, Skizzenblätter und Spannrahmen in einer Ecke zu verstauen.

„Keine Sorge, das geht schon klar. Ich hatte am Sonntag und am Mittwoch eine Annonce im Anzeigenblatt geschaltet und gestern hat sich auch jemand darauf gemeldet. Junge Frau, gerade über 18. Sie heißt Katrin oder Kathrin, ach ja richtig, hier steht es auf meinem Zettel: Kathrin Wildmann, 18 ½ Jahre, hier aus Dresden. Sie müsste eigentlich jeden Moment hier sein.“

Ich habe ein ganz komisches Gefühl dabei. „Die macht das doch wohl nicht etwa zum ersten Mal?“

„Doch, doch. Wenn sie gerade 18 geworden ist, dann wird es wohl so sein, ist schon ok.“

Diese Kerle! Was haben die bloß für eine Vorstellung von Mädchen in diesem Alter?

Die fallen doch auch immer wieder auf diese „coole“ Aufmachung herein. Schwarz angemalte Augen und aufgedonnertes Outfit mit kessen Sprüchen. Was die Mädels dahinter verstecken wollen, davon haben sie gar keine blasse Ahnung. Die blanke Angst vor dem Leben und noch mehr Angst vor dem Abgewiesenwerden. Am Ende siegt immer eine der beiden Ängste über die andere. Aber was ist das dann schon für ein Sieg? Ein Pyrrhussieg. Am Ende bleiben fast immer ein Friedhof der Träume und ein Massaker der Gefühle übrig. So hatte es bei mir auch einmal angefangen.

http://schambereich.net/index.php?link=erotische_geschichte&text=118&message=geschichte&contest=yes .Na gut, ok, alle müssen ja irgendwie einmal anfangen. Aber ich werde aufpassen. Das walte Hugo.

Da klingelt es auch schon an der Haustür. Die ist eigentlich immer offen. Eine innere Stimme sagt mir gleich, dass da jemand davor steht, der oder die ziemlich zaghaft und schüchtern sein muss.  Jeder andere kommt bei uns einfach rein, ohne erst zu klingeln.

Also gehe ich runter und schaue nach, wer da ist.

Es ist so, wie ich schon dachte: Ein schmales junges Mädchen, eine junge Frau, sagt man ja heute so. Sie blickt aufgeregt zur Seite und winkt heftig jemandem zu, der im toten Winkel stehen muss. Hinter dem Klingelportal kommt auch gleich zögernd eine weitere junge Frau, eher ein Mädchen, zum Vorschein. Was denn, gleich zwei auf einmal?

„Ist das hier richtig? Bei Graumann? Friedrich Graumann, Maler und Grafiker? Wir, also ich, also nein, wir. Wir kommen wegen der Anzeige: „Nackt für die Kunst. Aktmodell gesucht“. Ich bin die Kathrin Wildmann und das da ist die Nelly, meine Freundin. Darf die Nelly auch mit rein kommen? Ohne sie fühle ich mich nämlich zu fremd und unsicher, vielleicht…“

„Ja, aber selbstverständlich. Jetzt kommt erst mal herein, ihr zwei. Ich bin Desiree, die Lebensgefährtin vom Herrn Graumann.“ Ich führe grundsätzlich keine langen Gespräche an der Haustür. Schon gar nicht mit Leuten, die gar nicht zu mir, sondern zu Friedrich wollen. Die, die sich als Kathrin, also unser neues Modell vorgestellt hatte ist ziemlich groß, hager und schmalhüftig. Mit kurzen Haaren könnte man sie glatt für einen Jungen halten. Nur ihre großen runden braunen Stauneaugen machen sie ein wenig weiblicher. Sie ist auch nicht geschminkt. Das wird dem Friedrich gefallen. Er hasst es nämlich, wenn sich die Modelle stärker bemalen, als er seine Leinwände. Die andere kleine Frau, die Nelly dagegen, ist gestylt wie eine Barbypuppe. Lange blonde gepflegte Haare, blaue Augen mit bläulichen Lidschatten und ein ganz süßes Stupsnäschen. Das Einzige, was nicht zu „Barby“ passt, ist ihre Körperform. Sie ist ziemlich klein, dafür aber wesentlich fraulicher und kräftiger, als Kathrin. Ich finde sie auf jeden Fall sehr süß. Niedlich ist sie.

Als ich Kathrin an die Hand nehme, kann ich fühlen, dass ihre Handflächen schweißnass sind und, dass ihre Hände leicht zittern. Da kommen mir Erinnerungen an mein erstes Mal, damals in München. Das werde ich nie vergessen, wie ich die Tür zum Zeichensaal geöffnet hatte und da standen 30 Leute um ein Mittelpodest herum. Ich kann sie gut verstehen, die Kathrin.

Da ist die Angst noch größer als das Wissen und die Erfahrung. Arme Kathrin. Ich fühle mit ihr. „Sind die Leute, also die..., die Künstler alle schon da?“ kommt auch prompt ihre Frage.

Da kann ich sie beruhigen: „Nein, da ist noch keiner da. Keiner außer dem Friedrich, meinem Kleckselmaler.“ Sage ich mit beruhigender Stimme. „Die anderen kommen immer erst eine gute Viertelstunde später. Das akademische Viertel, des Dozenten Recht und des Studenten Höflichkeit nennen sie das, weil ja der große Meister selten pünktlich fertig ist. Erfahrungssache.“

Als wir drei das Atelier betreten, steht der Friedrich immer noch mitten im Raum und sucht sich seine didaktischen Unterlagen und Skizzen für sein heutiges Thema zusammen.

Was jetzt kommt, das hätte ich vorher prophezeien können:

Die Kathrin geht zu ihm hin und gibt ihm die Hand. „Guten Tag, Herr Graumann, ich bin die Kathrin und…“ Er schaut nur mal so nebenbei auf und murmelt: „Ja, ja, guten Tag, schon  gut.“ Dann blickt er halb entrüstet auf Nelly und motzt: „Die Schminke kommt aber herunter. Sofort, wenn ich bitten darf.“  Er hat schon vergessen, dass er nur ein Modell bestellt hat. Modelle zählen für ihn zum notwendigen Inventar. Ob nackt oder angezogen, ganz egal. Das sind eben keine Menschen im eigentlichen Sinne, sondern sie existieren für ihn nur als Formen. Eine Seele bekommen seine Bilder fast immer erst dann, wenn sie schon ein halbes Jahr in der Ecke eine Staubschicht angesetzt haben. Dann „entdeckt“ er sie ganz plötzlich wieder und macht etwas ganz anderes aus ihnen, als er ursprünglich mal geplant hatte. Ein verrückter Künstler eben. Manchmal hat er dabei sogar eine gute Hand. Leider zu selten.

Ich gehe also einfach in die Saalmitte, schiebe ihn beiseite und sage: „Husch, husch, mach mal Platz! Wir müssen noch das Podest aufstellen und belegen, damit es dann gleich losgehen kann.“ Dann winke ich mir die beiden Mädels heran und zeige ihnen, wo die leicht zusammensteckbaren Teile vom Podest liegen und schleppe selber die große flache Ledermatte und dann auch das beige Leinentuch heran, welches als Auflage dient. Die Mädels scheinen auch dankbar für die Ablenkung zu sein. Jetzt gehören sie schon dazu. Nelly ist vor Schreck und Verunsicherung ganz rot angelaufen und flüstert: „Muss ich mich wirklich jetzt abschminken?“ Ich muss lachen. „Nein, natürlich nicht. Beziehungsweise, nur, wenn du auch Modell stehen willst.“ Sie schüttelt heftig den Kopf „Nein! Um Himmels Willen! Das nicht.“

 

Inzwischen sind aber auch nach und nach die Studenten und Laienschüler angekommen und haben sich ihre Plätze gesucht und eingerichtet. Es sind 8 junge Männer und 4 Frauen, darunter eine etwas ältere, in meinem Alter etwa. Wenn ich mich so umsehe, dann stelle ich fest, dass fast alle Blicke der männlichen Teilnehmer sich scheinbar unauffällig aber trotzdem deutlich auf Nelly konzentrieren. Kathrin kriegt das natürlich auch mit und scheint zwischen Erleichterung und  Enttäuschung, bzw. Neid zu schwanken. Sie wird jedenfalls immer unruhiger. Als die Mehrheit der Plätze besetzt ist, klatscht Friedrich in die Hände.

„Los geht’s! Bitte alle fertig werden, auch das Modell. Wir hängen schon in der Zeit.“

Ich nehme schnell die große schmale Kathrin an die Hand und verschwinde mit ihr in der Remise. Nelly folgt uns sogleich. Die Remise, das ist unser Lager für Material und fertig gestellte Auftragsarbeiten. Da gibt es einen Stuhl, einen Kleiderhaken und sogar einen großen Spiegel. Der Spiegel ist das Wichtigste. Ohne einen letzten Kontrollblick geht bei uns Frauen nichts. Besonders dann, wenn man nackt unter die Leute gehen soll.

Kathrin zieht sich erst einmal mit zittrigen Fingern und recht zügig ihren Jeansanzug aus, in welchem sie noch männlicher wirkt als sonst, schon durch ihre Figur. Dann blickt sie mich und Nelly noch einmal zweifelnd an, als wolle sie fragen: „Soll ich jetzt wirklich…?“ und zieht sich mit gekreuzten Armen das T-Shirt über den Kopf. Darunter trägt sie einen schwarzen Bikini. Sie ist wirklich sehr schmal gewachsen, oder besser gesagt, sehr schnell in die Länge und weniger in die Breite. Durch die Lücke zwischen ihren dünnen Oberschenkeln könnte man die Hand durchstecken  ohne anzuecken. Man kann aber erkennen, dass aus ihr noch einmal ein richtiges Traummodel werden kann, wenn sie noch ein klein wenig mehr Weiberfleisch auf die  Knochen kriegt. Sie hält sich im Rücken sehr gerade und sie hat schöne lange gerade Beine. Ihr Gesicht gewinnt durch ihre Unsicherheit eine fast romantische Schönheit. Die schmale gerade Nase und die großen Rehaugen wirken fast magisch und märchenhaft, wie bei diesen japanischen Cartoons mit den großen traurigen Augen.

„Kann ich nicht so bleiben? Ach bitte. Ich glaube, ich kann das doch nicht. Nelly, du bist doch viel schöner als ich. Sie haben alle nur dich angesehen, das habe ich ganz genau gemerkt. Willst du nicht lieber für mich…?“ Ihre großen braunen Rehaugen sehen uns verzweifelt und ängstlich an. Aber Nelly schüttelt nur heftig ablehnend ihren sonnenblonden Haarschwall. „Nein. Ich auf gar keinen Fall! Du wolltest das doch unbedingt, Kathrin, und mich hast du doch selber erst lange dazu überredet, dass ich mit komme.“

Ich muss da jetzt einmal etwas klar stellen: „Kathrin, das ist hier keine Schönheitskonkurrenz und kein Modelwettbewerb. Und was den Bikini betrifft: der muss natürlich auch weg. Das hier ist kein Catwalk für Bademoden. Hier geht es nicht um Nacktheit oder Schönheit oder um Sex. Hier geht es eigentlich nur um das Licht und den Schatten auf deinem Körper. Was da drin in dir, in deinem Kopf und in deinem Körper vorgeht, das interessiert hier keinen. Sollte es jedenfalls nicht. Nun komm schon, sonst müssen wir die ganze Veranstaltung absagen und der Friedrich muss eine ziemlich dicke Vertragsstrafe zahlen.“

 Dabei fällt mir ein: Hat der olle Schussel eigentlich mit der Kathrin einen Modellvertrag abgeschlossen? Wahrscheinlich nicht. Das ist ja immer meine Aufgabe. Und mir hat er nichts davon gesagt. Oh Mann! Das kostet uns ein halbes Monatseinkommen, wenn das schief geht.

Wir müssten die Teilnehmerbeiträge zurückzahlen und obendrein noch einmal die gleiche Summe als Strafe. Dann mache dich mal auf was gefasst, mein lieber Fritze!

Der Friedrich. Wenn man an den Teufel denkt, dann steht er auch schon bereit…

Die Kathrin hat sich gerade mit viel Überwindung das Oberteil ausgeklinkt, da steckt er auch schon ungeduldig seinen Kopf herein. „Was ist denn nun? Wir warten! Weg mit dem Höschen und rein mit ihr.“ Einfühlsam wie immer, der Friedrich. Er steht noch ungeduldig in der offenen Tür.  Nelly will auch einen  Beitrag zur Kunst leisten und zieht der Kathrin mit einem schnellen Ratsch von hinten das Höschen herunter, bevor die es verhindern kann. Da hat sie der Fritze auch schon an der Hand geschnappt und zieht sie ins Atelier. Sie stolpert dabei über das Bikiniunterteil an ihren Füßen und fast stürzt sie lang hin im Korridor. Aber nun ist sie wenigstens nackt, beziehungsweise, arbeitsfähig.

Oder doch nicht? Wir folgen unauffällig und mir schwant Böses.

Der Friedrich schiebt die nackte Kathrin an den Schultern vor sich her ins Atelier. Kathrin hält sich dabei krampfhaft die linke Hand vor den Venushügel und den rechten Arm vor die Brüste. Das Ganze hat so einen Touch von Vorführung eingefangener Sklavinnen auf einem römischen oder arabischen Sklavenmarkt für Hausmädchen. Der Friedrich ist das gar nicht so gewöhnt. Sonst kommen seine Modelle immer stolz lächelnd, nackt und ganz von alleine aus der Remise. Schon setzt er dazu an, mich zusammenzumotzen, da fällt ihm wohl doch noch ein, dass diesmal er selber das Modell ausgesucht hat. Nun bemüht er sich doch endlich um etwas Freundlichkeit, oder das, was er dafür hält.

„Komm, Mädchen, setze dich bitte da auf das Podest, entspanne dich und nimm eine Position ein, die dir selber zusagt. Wie war doch gleich noch mal dein Name? Ach ja, Kathrin. Also, Leute das hier ist die Kathrin, die sich schon darauf freut, euch heute als Modell für das Studium des Stütz- und Bewegungsapparats der Frau zur Verfügung zu stehen.“

Die sich „freuende“ Kathrin macht auch prompt genau das, was er gesagt hat. Sie nimmt eine Position ein, die ihr zusagt, beziehungsweise, die sie als geringstes Übel empfindet: Sie hockt sich auf den Hintern, nimmt die Knie dicht an den Körper und steckt ihren Kopf dazwischen. Dann schlingt sie noch die Arme um die Unterschenkel. Ein dicht verpacktes Häufchen Unglück. Die expressive Traurigkeit und Verlorenheit eines großen schlanken nackten Mädchens. Irgendwie auch schon wieder interessant. Das finden auch die Teilnehmer. Einige von ihnen können wahrscheinlich zwischen ihren schlanken Oberschenkeln ihre Schamlippen sehen. Aber, warum denn auch nicht? Wo ist denn da der große Unterschied zum Rest des Körpers? Ich kann da keinen erkennen. Diese ganze Schamhaftigkeits-Mystik und das ganze spießige Getue darum waren mir schon immer ein Rätsel.

Es wird ruhig und man hört nur noch die Stifte kratzen. Hin und wieder mal ein Hüsteln oder vorsichtiges Naseputzen. Kathrin hält tapfer ihre Igelstellung eine halbe Stunde durch und ich denke schon, dass jetzt alles gut ist, da kommt auch schon das nächste Problem.

Für die zweite Pose soll sich Kathrin einfach nur aufrecht hin stellen und ihre Arme angewinkelt seitlich nach oben halten. Nach einer kleinen Denkpause und unsicherem Arme hin- und her Schwenken tut sie das tatsächlich. Nur ihr Bauchfell sieht man aufgeregt atmen, weil sie sich jetzt so richtig bewusst wird, dass sie keine Deckung mehr für ihre intimen Zonen hat. Ihre Brüste sind breitflächig und noch ein wenig zu flach. Aber immerhin schön gleichmäßig und rund. Die langen spitzen Nippel stehen erregt nach vorn. Unter der flachen Mulde ihres Bauches, zwischen den leicht herausstehenden Hüftknochen ihres schmalen Beckens wölbt sich der kurzgeschnittene und schwarz behaarte Venushügel deutlich nach vorn. Das ist fast schon ein Venusberg. Die aufgestellten Haare ihres gepflegten Dreiecks erhöhen ihn noch zusätzlich. Wie ich schon sagte: Da wird mal eine richtige Schönheit draus. Eine elegante Dame mit langen schlanken Beinen. Ich will mich gerade über ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein freuen, da passiert es:

Friedrich macht ihr Komplimente. Die gehen aber bei ihm fast grundsätzlich nach Hinten los.

Er kann sich einfach nicht in die Befindlichkeiten eines nackten weiblichen Modells hineinversetzen, das gerade zum ersten Mal vor einer Gruppe fremder Menschen steht. Er kann nur in seinen eigenen Kategorien denken. Modell ist gleich Material, gut oder schlecht geeignet, und sonst nichts. Dementsprechend fällt dann auch sein Lob an Kathrin aus.

Er zeigt auf Kathrin und sagt begeistert:

„Für unser heutiges Thema ist die Kathrin fast schon das ideale Modell. Man kann wirklich bei ihr jeden Knochen, jede Sehne und jedes Gelenk deutlich sehen und muss sie bei ihr nicht erst unter Fettschichten oder dicken herabhängenden Brüsten suchen oder gar erraten.“

Zwei der Teilnehmer fangen an, teils zustimmend, teils auch ziemlich blöd und hämisch zu lachen.

Das reicht. Der Kathrin reicht es allemal.

Sie springt mit hochrotem Kopf vom Podest, presst sich genau wie vorhin die Hände und Arme an ihre Scham und Brüste und rennt schluchzend hinaus in die Remise, zu ihren Sachen. Fritze guckt nur noch deppert drein und kapiert wieder mal gar nix.

 

„Das ist ja soo gemein. Mich kriegt keiner mehr da rein!“ Kathrin sitzt heulend auf dem Stuhl in der Remise.

Ich versuche, sie zu beschwichtigen: „Der Friedrich hat das doch gar nicht so gemeint, wie du das verstanden hast, Kathrin. Ich kenne ihn doch. Der war wirklich begeistert von dir, ehrlich. Der will dich doch schließlich nicht heiraten, der hat doch schon mich. Aber er weiß eben nur noch nicht, dass du ein junger Schwan bist, verstehst du?“

Kathrin hört auf zu heulen und schaut mich entgeistert an.

„Nee, verstehe ich nicht. Was bin ich? Ein Schwan?“

Ich streiche ihr beruhigend mit der Hand über die schwarzen langen Haare.  „Ja Kathrin. Ich habe dafür ein Auge und ich habe da meine Erfahrung. Du kannst mir schon glauben. Kennst du nicht das Märchen vom hässlichen Entlein? Wo alle das kleine Entchen für hässlich hielten und dann war es plötzlich eine wunderschöner Schwan? Genau so ist es bei dir. Du wirst auch bald eine stolze schöne Schwanenfrau. Dir fehlt nur noch ein klein wenig Fleisch an den Vorderflügeln und ein paar hübsche Weibchenfedern am Balg, dann wirst du dich vor Bewunderern nicht mehr retten können.“ Kathrin heult jetzt gar nicht mehr, sie lächelt unsicher.

„An den Vorderflügeln? Ach so, du meinst hier.“ Sie nimmt ihre flachen Brüste so in ihre Hände, dass die Nippel zwischen den Fingern durchstechen. „Hoffe ich ja auch. Die sind im letzten Jahr schon um fast zwei Größen gewachsen.“

„Na siehst du. An dir fehlt nichts, du bist eben nur noch nicht richtig ausgewachsen. Schöne große Augen, eine klassisch schöne Nase und eine edle Mundpartie hast du übrigens auch.“

„Aber die haben gelacht über mich, die da drinnen und alle schauen nur auf mich. Und dann bin ich auch noch ganz nackig. Das ist so krass!“

„Gelacht haben doch nur ganz wenige. Dumme gibt es überall. Mit denen hast du doch sowieso nichts am Hut. Dass sie alle auf dich schauen, das ist hier normal, das sollen sie ja auch. Du bist die Hauptperson, auch wenn der Friedrich das vielleicht anders sieht. Und dass du nackt bist, das muss dich dabei nicht stören, das musst du genießen.“

„Genießen? Du bist ja verrückt, Desiree. Wie soll man das denn genießen?

Das ist doch einfach ätzend! Ich habe mich so in die Enge getrieben gefühlt, so hilflos, einsam und verwundbar.“

„Und warum bist du dann eigentlich hierher gekommen? Warum hast du dann auf die Annonce geantwortet? Das hast du doch gewusst, dass du dabei nackt sein wirst, oder?“

„Ehrlich gesagt, das verstehe ich jetzt auch nicht mehr. Das war einfach so ein Gefühl, so eine komische kribbelnde Sehnsucht oder Neugier, ich kapiere es jetzt gar nicht mehr, was das war. Aber ich musste mich da einfach anmelden. Warum, dass kann ich mir jetzt nicht mehr erklären. Erkläre du es mir doch. Kannst du das?“

„Erklären kann man das eigentlich nicht. Das ist so ein Naturtrieb bei uns Weibern. Wir wollen eben immer wissen, wie wir ankommen, bei den Kerlen. Das hat wohl etwas mit der Vermehrung zu tun. Das ist eben so.

Man kann es natürlich auch unterdrücken, aber dann werden wir Frauen meistens fies, eifersüchtig und zickenbissig. Dann trauen wir jeder anderen zu, dass sie irgendwie und irgendwo genau das mit unserem Auserwählten macht, was wir lieber gerne selber tun würden: Uns zeigen und uns bewundern lassen und natürlich dann auch den üblichen Rest. Ja, und dann, wenn es schon zu spät ist, entdecken diese Weiber dann plötzlich ihre exhibitionistische Ader. Dann fangen sie plötzlich an, überall ihre Falten und Fettbeutel heraushängen zu lassen, die dann aber eigentlich keiner mehr sehen will.“

„Und du, Desiree, ist es bei dir auch schon zu spät? Oh, entschuldige die Frage…“

Da bin ich aber doch erst mal sprachlos. So was kommt von so was.

Doch dann fällt es mir wie Schuppen aus den Hirnwindungen und mir kommt eine Idee, wie man diesen Abend für alle hier doch noch retten könnte…von wegen, „schon zu spät“

„Das werden wir gleich sehen, Kathrin. Ja, das werden wir…! Nelly, wie ist das bei dir. Mal ehrlich: hast du auch manchmal so ein komisches Kribbeln, so einen Drang, alles von dir zu werfen, was du nicht selbst bist?“ Nelly zögert ein bisschen. „Ja, doch, manchmal schon. Aber jetzt gerade nicht. Ich fand das auch ziemlich gemein, was die mit der Kathrin gemacht haben, also…, nee, eigentlich überhaupt nicht.“

Das hatte ich mir schon gedacht. Wir werden sehen.

„Also gut, dann habe ich jetzt einen Spezialauftrag für euch beide: du, Kathrin, du nimmst dich jetzt bitte zusammen, den Kopf hoch und die Brust raus und gehst da wieder rein. Und denke daran: Du bist dort nicht die nackte Sklavin, sondern die Queen, der stolze Schwan, und sonst nix. Dann wirst du sehen: nach einer weiteren halben Stunde wirst du das genießen. Das verspreche ich dir. Wenn jemand lacht, dann lächele einfach zurück und öffne die Beine ein wenig. Dann bleibt ihm das Maul offen stehen, wirst es sehen. Der psychologische Knüppel, den du da unsichtbar zwischen deinen Beinen hast, der ist nämlich stärker als das kleine Ding, was die Männer dort am Hängen haben. Vor deinem Lippenfaltending nimmt das Männerdinges Haltung an und steht stramm wie vor einem General. Aber das führt jetzt zu weit…

Und du, Nelly, du kriegst jetzt von mir 100€ und gehst damit gleich hier um die Ecke zum Bäcker, zum Metzger und zum Gemüsehändler. Dort holst du uns bitte das, was ich dir jetzt gleich aufschreiben werde. Inzwischen bereite ich hier alles schon mal vor.“

Was ich vorbereite, dass sage ich erst einmal noch nicht. Da wäre Einiges vorzubereiten. Der Friedrich, die Leute vom Lehrgang, ich selbst und außerdem auch noch der Garten und das Grillgerät nebst Geschirr, Besteck und Küchenutensilien. Mit mir selbst fange ich an. Ich ziehe mich aus. Komplett. Genau so, wie in alten Zeiten. Komisch. Das habe ich nun schon hunderte Male gemacht und trotzdem wird mir jetzt so seltsam unsicher zumute. Kann ich das noch? Darf ich das noch? Kathrin schaut mir mit großen Stauneaugen zu.

„Mensch, Desiree! Ich hatte gedacht, dass du so einen Stütz-BH darunter trägst. Aber so was brauchst du ja gar nicht. Das sieht ja wirklich gut aus bei dir. Solche Brüste hätte ich auch gerne. Und dass du rotbraune Haare hast, wusste ich auch nicht. Dann sind deine blonden Haare oben also gefärbt? Warum hast du sie nicht so gelassen? Rote Töne sind doch in?“

„Vielleicht, Kathrin, aber ich fand, dass Rotbraun mit Silber irgendwie schlampig aussieht. Na, was sagst du, ist es bei mir zu spät, ehrlich?“

„Nein, Desiree, du siehst richtig gut aus. Du warst bestimmt auch mal ein Schwan.“ Das ist nicht mehr die gekränkte Kathrin von eben noch. Ich bin auch nicht mehr die Desiree von eben noch. Das kann ich fühlen.

„Ich BIN ein Schwan. Nur eben ein älterer. Aber Fliegen und Zuschlagen kann ich noch. Nur eben keine Eier mehr legen. Oder doch? Kommt ganz darauf an, wo die Eier dran hängen…“ Wir müssen beide laut lachen. Die Kathrin hat jetzt auch gar keine feuchten und zitternden Hände mehr, als ich sie an selbigen fasse und wir gemeinsam nackt ins Atelier schreiten.

Es ist so, wie es immer schon war. Die jüngeren Männer tun so, als gäbe es irgendwo in einer Ecke oder draußen vor dem Fenster gerade jetzt etwas ganz Wichtiges zu sehen, aber ihre Pupillen hängen ihnen in den Augenwinkeln. Der Friedrich läuft rot an. Nicht vor Scham, sondern vor Ärger, weil wir heute alle seine Pläne durchkreuzen. Der Frühling hat ihm schon immer irgendwie zu schaffen gemacht. Nur war das früher mal positiv nutzbar. Heute ist es eher belastend für ihn. Nicht aber für mich.

„Desiree! Das sollst du doch nicht machen! Ja, aber danke dafür, dass du die Kathrin wieder aufgebaut hast. Dich, Kathrin möchte ich um Entschuldigung bitten. Es war wirklich vorhin nicht abwertend gemeint, ganz im Gegenteil. Du bist ein sehr gutes und geeignetes Modell.

Wirklich, das meine ich absolut ehrlich. So, und du, Desi, du ziehst dich bitte sofort wieder an und lässt uns hier in Ruhe arbeiten bitte, ja?“

Aus den Reihen der Malschüler kommen mehrere zaghafte aber deutliche „Ooch!“ und „Nein!“ Das geht mir aber runter wie Öl.

„Ich wüsste nicht, Herr Graumann, dass wir miteinander verheiratet sind und dass Sie mir etwas zu befehlen haben. Übrigens: hier drinnen mieft es ziemlich muffig. Ich gehe jetzt in den Garten. Tschau, Friedrich, du oller Muffkopp. Mach deine Sache gut, Kathrin.“

Als ich mich im Gehen noch einmal umschaue, sehe ich, dass die Kathrin sich selbst mit leicht ausgestellten Beinen, In die Hüften gestützten Armen und Händen, sowie mit heraus gereckter Brust, zurückgeworfenem Kopf stolz lächelnd auf dem Podest platziert hat. Schön, das freut mich für sie.

Und einer der Studenten hat wohl meine Kritik am Zustand der Luft angenommen und öffnet jetzt das Fenster ganz weit. Vielleicht ist er auch schuldbewusst, weil er einen kleinen Pups abgelassen hat? Wer weiß?

Das offene Fenster aber freut mich sehr. Das passt genau in meine Ziele und Absichten.

Ich gehe also in die Küche und lasse die Kathrin allein unter den Wölfen zurück. Die packt das schon, da bin ich mir jetzt ganz sicher. Nach einer guten Viertelstunde trudelt auch die Nelly mit drei vollen Einkaufsbeuteln wieder ein. Sie hat alles bekommen, was ich ihr aufgeschrieben hatte. Wein, Würstchen, Steaks, Gemüse, Südfrüchte, Toastbrot, Brötchen, Bier und auch Baguette. Sie hatte ganz schön zu schleppen, und als sie herein kam und mich da nackt in der Küche stehen sah, ließ sie fast vor Schreck die Beutel fallen. Ich konnte gerade noch schnell zupacken.

„Was ist denn hier los? Sind denn jetzt hier alle nackt? Muss ich mich jetzt etwa auch…?“

„Nein Nelly, hier bei uns muss niemand was müssen. Aber man darf dürfen, wenn man will. Wie findest du übrigens diese Luft heute? Diese Wärme, dieser frische Duft überall. Ich kann einfach nichts mehr am Körper vertragen. Ich hoffe, dass es dich nicht stört. Kathrin ist oben im Atelier. Alles OK mit ihr. Ich bereite jetzt für uns alle unten im Garten eine Grillparty vor. Hilfst du mir dabei, Nelly?“

„Na gerne doch, Desiree. Ich bin ja schon feste mit dabei, wenn ich nicht irre? Aber willst du wirklich so, wie du jetzt bist, runter in den Garten? Ich kann es einfach nicht glauben.“

„Warum denn eigentlich nicht? Was ist denn schon dabei, Nelly?“

Ich zucke verständnislos mit den Schultern und lasse absichtlich meine Brüste wippen und pendeln.

„Aber man kann doch von der Straße aus ganz offen in euren  Garten hineinsehen. Da willst du wirklich so nackt herumlaufen? Ich glaube es einfach nicht.“

„Na, dann komm doch einfach mit, Nelly, dann wirst du es sehen.“

Nelly kennt unseren Garten noch nicht richtig. Es stimmt zwar, dass der obere Teil von der Straße aus über die niedrige Hecke gut einsehbar ist, aber in unserem Garten verbergen sich auch noch einige Geheimnisse, die sie nicht kennt. Zwar könnte man auch über den Keller ganz ungesehen in den unteren Teil unseres Gartens gelangen, aber ich gehe mit ihr absichtlich durch die Vordertür, über den kleinen, zu ebener Erde liegenden Rasen, den man von der Straße einsehen kann. Wir teilen uns die zu tragenden Beutel. Ich bleibe nackt und Nelly bleibt ungläubig. Wir treten durch die Haustür und gehen über den Gartenweg zu der kleinen Reihe von Buchsbäumen am hinteren Rand. Die wenigen Leute, die sich auf dem Bürgersteig bewegen und die zwei Autos, die gerade vorüber fahren, stören mich nicht. Ich weiß aus Erfahrung, dass die meistens gar nichts mitkriegen. Und wenn, dann ist es mir auch egal. Die Reaktion ist höchstens mal ein freundliches oder belustigtes Lächeln. Das gebe ich ihnen dann auch gerne zurück. Mit Winke-winke, wenn ich Lust habe.

Zwischen den Buchsbäumen aber, da geht eine kleine Treppe etwa einundeinhalb Meter nach unten. Dort ist mein kleines Paradies. Innerhalb einer uralten, mit Weinreben bewachsenen Steinmauer liegt ein schön gepflegtes großes Grundstück mit kurzem Rasen, südländischen Bäumen, Alabasterfiguren aus der Toskana, Sträuchern und einem großen Swimmingpool. In der Mitte zwischen den Buchsbäumen und dem Pool steht eine etwa hundert Jahre alte knorrige Linde, deren dicke Hauptäste aussehen, wie die Finger einer offenen Hand, welche ein kleines hölzernes Hexenhäuschen halten. Mein Baumhaus. 3 x 4 Meter Grundfläche, mit Bett, Kühlschrank, Hausbar, Tisch und 2 Rattansesseln. Die Strickleiter kann man auch nach oben ziehen. Hier schlafe ich im Sommer, wenn ich es im Haus nicht mehr aushalten kann. Nicht immer allein. Aber oft.

Nelly ist begeistert. „Och, ist das schöön! Und auch ein Pool. Da würde ich jetzt so gerne einmal eine Runde schwimmen. Die Luft ist so herrlich  warm.“

Ich mache ihr eine einladende Geste. „Keiner hindert dich daran, Nelly. Tue dir hier nur keinen Zwang an. Der Pool ist frisch gereinigt und das Wasser ist sauber, chlorfrei und auch schon von der Sonne und von unserer Solaranlage angewärmt. Siehst du die Rohrschlangen da oben auf dem Dach? Die bringen jetzt schon fast 22°C in den Pool. Sehr angenehm.“

Nelly lässt sich nicht lange nötigen. Sie zieht sich aus. Aber, wie ich es mir schon fast denken konnte: sie lässt schamhaft ihren BH und ihre Schlüpfer an. Dann klettert sie in den Pool und schwimmt wohlig prustend einige Runden. Ich stelle inzwischen den Grill neben die Buchsbaumhecke und schütte die Holzkohlen auf. Das liegt bei uns immer griffbereit im kleinen Gartenhaus. Dann gehe ich noch einmal nach oben und hole die kleinen Teller und das Grillbesteck nebst Schüsseln, Gewürzen, Gabeln und Spießen. Nelly schwimmt weiter, bis es ihr dann doch zu kühl wird. Sie klettert pitschepatschenass aus dem Pool und ich reiche ihr ein Handtuch hin. Im Stillen muss ich schon grinsen. Was wird jetzt mit ihrem nassen Höschen und ihrem wasserschweren kalten BH? Dort, wo ihre Träger und ihr Schlüpfergummi verrutscht sind, kann ich schon blaue Streifen sehen. Sie hat am ganzen Körper eine Gänsehaut. Arme Nelly. Sie beginnt schon, sich prüfend in der Runde umzusehen, ob die Luft rein ist. Die Holzkohlen unter dem Grillrost fangen schon an, rot zu glühen und ich lege die ersten Bratwürste auf. Es zischt und der würzige Duft steigt nach oben. Der Wind steht günstig. Er trägt den Würstchendampf nebst Grillrauch genau dorthin, wo das offene Atelierfenster ist. Ich mische einen Obstsalat und rühre ungerührt darin mit dem Rührlöffel herum. Die Luft ist herrlich!

Nelly hat sich endlich entschlossen. Die nasse Kälte wird unangenehm.

Sie schnallt den nassen BH ab und sieht sich gleich wieder ängstlich in der Gegend um. Dann: ein kurzer schneller Bückepo, und ihr nasses Höschen findet den Weg nach unten. Zwischen ihren süßen runden Pobacken lugen zwei niedliche gewölbte rosa Lippenwürstchen hervor und strecken mir ein klein wenig die längs geschlitzte Zunge heraus. Schon will sie nach ihrem kurzen Sommerkleid greifen, da sage ich einladend: „Komm Nelly, hier am Grill ist es schön warm, hier kannst du dich richtig aufwärmen. Weißt du, Nelly, wenn du nicht diese Streifen da, von deinem BH und von dem Gummi hättest…du wärest für jeden Maler ein Geschenk der Natur. So einen vollendet schönen Körper habe ich bei einer so jungen Frau nur ganz selten gesehen. Und ich habe viele gesehen, das kannst du mir gerne glauben. Davon kann ein Mann nur träumen, glaube ich wenigstens.“

Nelly kommt heran an den Grill und dreht sich wärmegierig um die eigene Achse. „Och, du übertreibst mal wieder ganz gewaltig, Desiree. Ich bin überhaupt kein bisschen schön. Ich bin viel zu dick für meine Größe. Bloß gut, dass mich hier keiner so sehen kann.“

„Ach, glaubst du, Nelly? Dann sieh doch mal nach oben, zu dem offenen Fenster.“ Jetzt tut mir die arme Nelly wirklich leid. Da muss sie aber durch.

Eine halbe Stunde Pose stehen ist wieder einmal herum und oben im Atelier ist gerade Pause. Der Duft der frischen Grillwürste hat die jungen Männer ans Fenster gelockt, so, wie ich es beabsichtigt habe. Ich hatte schon vor drei Minuten vorsichtig nach oben gelugt und die vielen staunenden Köpfe am offenen Fenster erblickt. Mich stört das ja überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Aber jetzt, wo sie sich ertappt sehen, geht oben bei den Jungs die Hölle los. Lautes Beifallklatschen, Kusshändchen und anerkennendes Gejohle. Sehe ich da richtig? Der Langhaarschopf, das lachende Gesicht und die spitzen langen Nippel der nackten Kathrin mitten zwischen den Kerls? Tatsächlich. Jetzt ruft sie:

„Nelly! Na du bist ja Eine! Das hätte ich ja gar nicht von dir gedacht. Aber es ist doch richtig schön, stimmts?“ Kathrin ist jetzt fast eine Vollfrau. Die Schwanenfedern beginnen ihr zu wachsen. Die Vorderflügel werden das ebenfalls bald tun. Ich bin auch ein klein wenig stolz auf mich. Ohne mich hätte sie etwas Wichtiges im Leben verpasst: Selbstbewusstsein finden.

Die arme Nelly ist knallrot angelaufen und presst sich an mich, als wollte sie ganz in mich hinein kriechen. Ich streiche ihr lange beruhigend über das sonnengoldene Blondhaar. „Das ist alles nur für dich, Nelly, der Beifall, die Kusshändchen, alles. Wenn ich dir einen Rat geben darf: Du bleibst jetzt einfach so, wie du bist. Nackt gesehen haben sie dich nun alle sowieso schon. Jetzt musst du ihnen nur noch zeigen, dass du kein dummes ängstliches Puttchen bist. Beweise ihnen, dass du weißt, was du willst und dass du stolz auf dich und auch auf deinen Körper bist. Du bist wirklich schön, kleine Frau. Ohne Gummistreifen sogar noch schöner. Komm. Wir gehen jetzt beide nach oben und laden sie alle zur Grillparty in den Garten ein. Übrigens: deine Schminke ist total verlaufen. Wische sie dir ab mit dem Handtuch, dann wird sogar der Friedrich mit dir zufrieden sein.“

Als wir beide Hand in Hand und pudelnackt zu der kleinen Treppe in den offenen Gartenteil gehen, schwitzen und zittern ihre Hände genauso, wie vor einer Stunde noch die von Kathrin. Sie schaut ständig nach unten auf den Weg. Ihre Knie schlottern ängstlich. So bemerkt sie es gar nicht, dass ich mit ihr nicht direkt ins Haus, sondern zuerst einmal dicht an die kaum meterhohe Hecke zum Bürgersteig hin gehe. Dort halten wir. „Na, Nelly, wie fühlst du dich?“ Nelly schaut immer noch zu Boden.

„Weißt du, das ist ganz komisch. Dass meine Brüste so frei hin und her wackeln und dass der Wind so darüber streicht, das kannte ich sonst nur von zuhause, im Bad oder in meinem Schlafzimmer. Aber eben ohne den Wind. Mit dem lauen Wind ist das aber ganz anders, viel schöner. Ja, und unten, an meinem Bauch, na, du weißt schon, da wird mir ganz warm. Ich glaube ich werde da nass. Dass das auch einfach so kommt, ich meine, ohne dass ich daran herumspiele, das habe ich noch nie erlebt. Findest du wirklich, dass ich eine schöne Frau bin?“

„Aber unbedingt! Alle beide. Wirklich zwei wundervolle Weibsbilder, die Erfahrene genau wie die Junge.“ Sagt der ältere Herr, der, ich weiß nicht, wie lange schon, auf der gegenüberliegenden Seite der niedrigen Hecke steht und uns unverhohlen bewundert.

Ich hatte ihn auch nicht bemerkt, aber ich bin ihm doch dankbar.

„Piekst das Rasierte nicht unangenehm, kleine Frau?“ fragt er noch neugierig nach. Ja, Nelly ist unten herum total rosa mit Schlitz. Ich halte nichts davon. Bei mir ist immer eine dreifingerbreite Bürste angesagt. Das finde ich praktischer. Nelly bleibt sekundenlang einfach die Luft weg.

(Her air was away). Schocktherapie a la Desi.

 „Neiiin!“ schreit Nelly laut auf vor Schreck und krampft instinktiv ihre Hände und Arme um ihre Schätze. Doch dann merkt sie bald, dass durch das Anpressen ihre Brüste nur umso mehr hervorquellen. Sie besinnt sich plötzlich unerwartet wieder, dreht sich vor dem alten Herrn um die eigene Achse und sagt trocken: „Ja mein Herr, das stimmt. Es piekst fürchterlich, aber es ist eben in. Wenn die Stoppeln ein paar Millimeter gewachsen sind, dann wird es wieder besser, aber dann sieht es leider sehr schlampig aus. Also müssen sie wieder weg und dann pieksen sie auch wieder.

Ein Teufelskreis ist das.“

„Ja, ja, Schlimme Zeiten heute. Früher gab es so etwas gar nicht.“ Sagt unser alter Freund und geht kopfschüttelnd weiter. Wir lachen uns beide fast kaputt, aber dann sehen wir auf dem Bürgersteig ein älteres Paar heran schreiten und sind lieber wieder still. Es reicht ja auch. Die Nelly ist über den Berg. Aber so was von über den Berg!

Ich bin mir fast sicher, dass sie die letzten Hürden jetzt auch noch mit Bravour nehmen wird. Wir gehen nach oben ins Atelier. Nellys Hände schwitzen jetzt nicht mehr. Sie sind trocken und warm wie das laue Frühlingslüftchen. Aber sie packen jetzt ganz fest zu. Erwartungsvoll gespannt ist die Nelly jetzt. Vor allem aber: entschlossen. Das ist gut.

 

Als wir oben im Atelier durch die Tür kommen, sagt mir Nelly gerade halblaut: „Das ist geil! Wie geil ist das denn?“, da schallt uns auch schon Friedrichs gereizte Stimme entgegen:

„Ihr seid doch wohl total wahnsinnig, ihr verrückten Weiber?“

„Nö“, sage ich, „wir haben nur nichts an. Wegen der schönen frischen Frühlingsluft.“  Der ganze Saal fängt an zu lachen.

Aber jetzt bin ich erst einmal still und beobachte Nellys Auftritt. Ich hatte ihr vorher gesagt, was sie tun soll. Als sie ihnen jetzt so nackt und so direkt gegenübersteht, ist es wieder genau wie immer. Die meisten schauen verlegen weg und trauen sich nicht, sie richtig anzusehen. Und die wollen einmal Maler werden? Dabei ist sie ja nun wirklich ansehenswert. Venus, die Göttin der Liebe und der Schönheit. Mindestens. Aber sie beweist ihnen, dass sie die Queen ist, wenn sie es will. Sie geht erhobenen Hauptes langsam in die Mitte des Saales und steigt einfach zu Kathrin auf das Podest.

Im Atelier raunt es verhalten: „dieser Hintern!... diese Hüften!... diese Haare…, ist die süß…, die Brüste!...eine Wucht!...Boah!...“ Ich habe schon Angst, dass Kathrin jetzt wieder einen Anfall von Depression kriegt. Aber die Kathrin ist begeistert und zeigt Nelly beide Daumen hoch. Gut, geschafft! Es geht doch nichts über eine echte Frauenfreundschaft, solange kein Mann im Spiel ist, auf den sie beide scharf sind.

Nelly hüstelt erst einmal verlegen und blickt auf Kathrin und dann auf mich. Ich nicke und die Kathrin tut es auch. Nelly kämpft mit dem Drang, wieder verlegen nach unten zu sehen, und sucht sich im Saal einen aus, den sie direkt anschauen kann, und der auch direkt zu ihr hinsieht.

 

„Also…, liebe Leute,… es ist schön. Draußen meine ich. Viel schöner als hier drinnen. Und ein Pool ist auch da. Die Desiree und ich, wir wollen euch gerne zu einer abendlichen Grillparty in den Garten einladen. Wir haben das alles schon vorbereitet, das habt ihr ja auch selber schon gesehen…“

„Und geschnuppert!“, ruft einer dazwischen, „Herrlicher Einfall!“

„Bleibt ihr dabei nackt?“ will auch noch ein ungläubiger Thomas wissen.

Kathrin fragt entrüstet zurück. „Na, was hast du denn gedacht? Und ihr könnt ja auch mitmachen, auch die anderen Mädels hier.“

Oh je, denke ich, was kommt da heute noch auf mich zu?

Einer ruft ganz begeistert: Da können wir ja endlich einmal so malen, wie Matisse, Monet und Gaugin, nackte Frauen im Grünen mit Picknick und allem Drum und dran. Herrlich!“

Dem Friedrich ist längst klar, dass für ihn die Zeichenstunde gelaufen ist. Aber er hat doch noch einiges anzumahnen.

„Keine Plagiate und Fälschungen bitte! Das ist mir einmal im Leben passiert und drunter leide ich noch heute. Von wegen Matisse, Monet und Gaugin. Lasst euch gefälligst was Eigenes einfallen, ihr Stümper. Und was ich mir ausgebeten haben will: Die Männer lassen gefälligst ihre Hosen an. Nicht, dass ich noch in Teufels Küche komme, nur weil gerade Frühling ist.“

Einer protestiert noch: „Die Hosen an lassen? Aber nicht im Pool. Ich habe nämlich gar keine Badehose dabei.“ Dann wird der arme Fritze einfach überrannt. Alle stürzen nach unten. Wir drei nackten Weiber gehen schmunzelnd hinterdrein. Wir wissen, wo Bartel den Most versteckt hat.

Wenn ich heute so daran zurück denke:

Es war ein wirklich schöner Abend, den kaum einer jemals vergessen wird.

Bis es wirklich empfindlich kühl wurde, saß, stand, schwamm, knutschte, streichelte, fühlte, massierte und lag alles durcheinander. Nackte, Halbnackte und auch Angezogene. Aber alle waren zufrieden. Ich weiß nur noch, dass ich am nächsten Morgen drei durchgefrorene nackte Pärchen aus dem Baumhaus befreien musste, weil ihnen jemand die Leiter weggezogen hatte. Es gab da nur eine Steppdecke. Vielleicht hatten sie die Leiter aber auch selber oben ausgeklinkt. Wer weiß? Jedenfalls sahen die Männer sehr erschöpft, die Mädels dagegen sehr zufrieden und glücklich aus.

Ich freue mich schon auf das nächste Frühjahr.

Eure Desi.

 


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