Alles Trainingssache (1)


NicoS

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14.12.2010
Insel der Scham

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"Ich mach da nicht mit!" rief meine fast siebzehnjährige Tochter mit verständlicher Verzweiflung aus. "Ein ganzes Jahr lang ... in Kleidern! Dad! Bitte! Versuch dir das doch mal vorzustellen! Wie würdest du dich fühlen, wenn man dich so zu etwas zwingen würde ... etwas, das du noch nie getan hast und auch nie tun wolltest ..."
"Pat," mischte sich meine Frau ein, "bitte! Wir machen das doch nicht gerne! Oder meinst du, ich würde freiwillig in dieses ... Zeug steigen, wenn wir nicht müssten?"
"Aber wieso ich? ... und du? Dad könnte doch den Job ... alleine annehmen und uns hier lassen! Wir könnten ..."
"Wir können eben leider nicht!" unterbrach ich sie. "Pat, du bist doch alt genug zu verstehen, wie schwierig alles für uns geworden ist in letzter Zeit. Auch Shame Island ist heute Teil einer globalisierten Welt. Die Krise hat auch uns erwischt. Wenn das Hotel schließt, verlieren wir beide ... deine Mom und ich ... nicht nur unsere Arbeit. Wir haben auch keine Wohnung mehr, denn OceanSides hat natürlich auch die Dienstwohnung gekündigt. Da ist das Angebot, als Ersatz das Haus in Fort Lauderdale zu übernehmen, ein absoluter Glückstreffer! Mom und ich werden dort beide Arbeit haben, und wir bekommen US-Gehälter. Du hast keine Vorstellung, wieviel mehr Geld das sein wird! In einem guten Jahr, wenn du volljährig bist, kannst du dann hierher zurück kommen. Und wir kommen in ein paar Jahren nach, wenn wir genug gespart haben, und machen unsere eigene Pension auf, wie wir das schon immer geplant hatten."
"Aber ich könnte doch bei Linda bleiben! Sie hat ihren Dad schon gefragt ..."
"Das hättest du besser erst mal mit uns besprochen," warf meine Frau ein. "Linda ist nett, aber ihre Brüder ..."
"Oh Mom! Ich kenn die beiden von klein auf! Die werden mir schon nichts tun!"
"So, wie dem Mädchen von Owens? Pat ..."
"Das ist nie bewiesen worden!" fuhr Patricia auf. "Jenny ist eine Giftschlange! Die hat diese 'Vergewaltigung' doch nur erfunden, um sich an Dany zu rächen. Ich kenne Linda, und Linda kennt ihre Brüder. Da war nichts!"
Es war schon richtig. Es wurde nie bewiesen, dass die Donovan-Brüder sich Jenny Owens "vorgenommen" hatten. Doch gerade hier auf Shame Island war man in diesen Punkten besonders empfindlich. Wo heranwachsende männliche Jugendliche mit ihrem auf Hochtouren laufenden Sexualtrieb ihre Altersgenossinnen ständig splitternackt vor Augen hatten, war die Versuchung natürlich besonders groß, da auch "Hand anzulegen". Wir hatten längst eingesehen, dass wir das nicht verhindern konnten ... schließlich lebten wir im 21. Jahrhundert. Die Mädchen bekamen schon recht früh in ihrer Jugend eine Spirale eingesetzt, die die hormonelle Entwicklung nicht störte, und dann überließ man es im wesentlichen den Jugendlichen untereinander, wie sie ... immer in gegenseitigem Respekt und Einverständnis ... ihre Erfahrungen sammelten.

Umso stärker war die Empörung, wenn jemand trotz dieser Freiheiten über die Stränge schlug. Die Donovan-Brüder waren, seit Jenny Owens sie der gemeinschaftlichen Vergewaltigung beschuldigt hatte, fast so etwas wie Ausgestoßene auf Shame Island. Da Jennys Schilderungen etwas lückenhaft wirkten, hatte es keine offizielle Bestrafung gegeben, doch man hielt sich fern von den Brüdern, wenn es irgend ging. Wir hatten Pats Umgang mit Linda auch nur mit einigen Bedenken geduldet, und dass Pat mit diesen Kerlen für über ein Jahr unter einem Dach wohnte, bis sie hier ins Insel-College gehen konnte, war völlig ausgeschlossen. Der Gedanke, dass meiner Tochter ähnliches widerfahren könnte wie der kleinen Owens ... es schüttelte mich.

Mit aller Zurückhaltung, die mir als Vater zukam, musste ich zugeben, dass meine kleine Patricia zu einer sehr ansehnlichen jungen Frau herangewachsen war ... nicht übermäßig üppig, eher vom schlanken Typ mit hübschen, ovalen Gesicht, schmalen Hüften und zwei wunderbar gleichmäßigen, flachen, leicht kegelförmigen Brüsten ... und mit Sicherheit hübscher als Jenny Owens, die bereits seit ihrer Pubertät genau wie ihre Mutter nur noch in die Breite gewachsen war. Kann sein, dass ich Lindas Brüdern unrecht tat, doch "besser vorher sicher als nachher sauer", wie es so schön heißt.

"Außerdem ... ihr habt leicht reden!" setzte Pat unterdessen ihre Argumentation mit einem Themenwechsel fort ... wohl wissend, dass das Thema Donovan von vornherein eine Sackgasse gewesen war. "Ihr kennt das ... in Kleidern herumzulaufen. Du, Dad, hast bei der Arbeit ohnehin immer was an, und Mom war jedenfalls während der Ausbildung auf Bermuda drei Jahre lang ein Hänger." – "Hänger" war unser Insel-Jargon für Leute von außerhalb, die im normalen Leben Kleider trugen ... also praktisch den ganzen Rest der Menschheit ... auch wenn sie ihren Urlaub hier nackt verbrachten. – "Ich habe noch nie ... niemals in meinem ganzen Leben ... ein Fetzchen Stoff am Körper getragen! Das ist wie ... wie ... als würdet ihr mich einsperren wollen!"
"Na na," meinte ich, "glaub uns bitte, wir verstehen dich sehr gut! Du hast ja auch recht. Es ist eine sehr bittere Entscheidung für uns, dass wir dich hier aus deinem Leben reißen und mit in dieses bigotte Land nehmen müssen. Doch es gibt nunmal momentan keine Zukunft für uns hier auf der Insel, und andererseits ist Fort Lauderdale eine einzigartige Chance. Ein Jahr! Komm, du wirst sehen: Das geht schneller rum als du glaubst. Und das mit den Kleidern ... sieh's mal so: Wir ziehen schließlich nicht an den Polarkreis! Du kannst dort ständig leichte Sommerkleider tragen oder einen Bikini ..."
"Sommerkleider! In der Schule, was? Am besten ohne was drunter, hm? Wo die Amis so komisch sind, wenn man mal zu viel Haut zeigt! Steckt mich doch am besten gleich in einen großen Sack und bindet oben zu!" rief sie aus, Tränen traten ihr in die Augen.

Meine Frau legte Pat den Arm über die Schulter und zog sie tröstend an sich. Pat legte ihren Kopf auf die üppige Brust ihrer Mutter und ließ sich von ihr streicheln. Mir war bewusst, wie ... eigenartig dieses Bild in den Augen eines Hängers gewirkt hätte: Mutter und Tochter, die sich gegenseitig an höchst intimen Stellen berührten. Mit dem Unterschied, dass dies bei uns eben nicht als intim im eigentlichen Sinne galt. Da alle Frauen vom Kindesalter an ständig nackt waren ... und die meisten Männer es ihnen bei zahlreichen Gelegenheiten gleich taten ... war echte Intimität bei uns etwas, das sich aus Situation und Absicht ergab, nicht aus dem Zustand des Nacktseins oder der Berührung eines nackten Körpers.

Überall, wo Menschen in größerer Zahl zusammen kamen ... in der Stadt, beim Einkaufen, in Clubs ... waren Berührungen unvermeidlich. Wenn wir dabei jedes Entlangstreifen an einer nackten Brust als Bruch der Intimsphäre hätten empfinden oder interpretieren wollen, wäre der größte Teil der Inselbewohner längst mehrfach vorbestraft oder in der Klapsmühle ... und nicht nur die Männer. Selbstverständlich konnte ich als Chef zum Beispiel nicht einfach meinen Mitarbeiterinnen mit der Hand an die Brüste fassen. Doch wenn wir eng gedrängt im Lift zusammenstanden, und dabei meine Schulter eine Brust oder meine Hand die Schamlippen einer Frau streifte, war das bei uns kein Vergehen, sondern wurde mit einem beiderseitigen Lächeln abgetan.

Ähnliches galt ... vor allem für Frauen untereinander ... auch im Verhältnis naher Verwandter, insbesondere bei Tochter und Mutter oder zwei Schwestern. Als Vater hatte ich die Hände von meiner Tochter zu lassen, das war selbstverständlich ... und auch kein Problem, da uns unsere offene Haltung zur Sexualität jederzeit Entspannungen aller Art gestattete. Doch wenn eine Tochter ... wie Pat jetzt gerade ... Trost brauchte, und ihre Mutter sie tröstete, waren wechselseitige Berührungen der nackten Brüste nicht nur normal, sondern wurden als Ausdruck liebevoller Zuneigung angesehen.

Dennoch musste ich mich mit den Problemen auseinandersetzen, die beim Zusammenprall unserer freiheitlichen Kultur mit dem bigotten Amerika fast unvermeidlich waren. Glücklicherweise hatte Pat selbst das Stichwort geliefert, und so steuerte ich vorsichtig auf den Lösungsweg zu, den meine Frau und ich uns dazu zuvor überlegt hatten.
"Pat ... Patricia ..." Das war etwas wie ein Code zwischen uns: Wenn ich sie mit ihrem vollen Namen ansprach, wusste sie, dass ich es ernst meinte und an das grundlegende Vertrauen zwischen Vater und Tochter appellierte. "Ich weiß. Es wird am Anfang nicht einfach sein. Das weiß ich doch! All die Gummizüge ... und dann der Stoff überall auf der Haut ... man schwitzt mehr, muss sich mehr waschen ... all das ist unangenehm, keine Frage. Ich bin selbst oft genug nackt, um den Unterschied zu kennen. Aber deine Mutter hat mir von einem Trick erzählt, mit dem sie sich damals auf die Ausbildung vorbereitet hat. – Fallon?" wendete ich mich an sie.
"Ja, Kleines ... ich war ja in der gleichen Situation wie du jetzt ... nein, eigentlich noch schlimmer, denn vor 25 Jahren waren die Sitten bei den Hängern noch strenger, die Kleidung insgesamt unbequemer, und ich sollte ja für drei Jahre nach Bermuda, und das auch noch ganz allein ... ohne eine Familie, mit der ich wenigstens in den eigenen vier Wänden nackt sein konnte. Naja, meine Tante ... ja, Tante Heather ... hat mir damals einen Tipp gegeben, der mir wirklich sehr geholfen hat."
Pat blickte ihre Mutter mit tränenfeuchten Augen.
"Was soll einem da groß helfen, wenn man sich einschnürt wie so eine ... so eine Wurst, wie sie die Deutschen ab und zu mitbringen?" maulte sie.
"Wir haben jetzt noch ein halbes Jahr Zeit, bis wir dicht machen. Du könntest diese Zeit nutzen, um ... schrittweise und ganz entspannt ... ein klein wenig zu trainieren."
"Trainieren?" wiederholte Pat mit hörbarem Unverständnis. "Was gibt es denn da bitteschön zu trainieren, dass ich mich dort absolut Scheiße fühlen werde?"
"Eben um genau das zu verhindern ... oder zumindest erträglicher zu machen."
"Aber wie ... ?"
"Na, ganz einfach. Wir gehen mit dir in die Mall am Flughafen und besorgen ein paar Sachen, mit denen du dann hier zu Hause ... üben kannst."
"Üben?"
"Na, in Kleidern herumzulaufen! Das muss ja nicht lang sein. Mal eine Stunde oder zwei, und dann schaust du, wie du dich daran gewöhnst."
"Hier? In Kleidern?"
Meine Tochter zog ein Gesicht, als hätte ich ihr vorgeschlagen, die Strecke von Shame Island nach Fort Lauderdale zu schwimmen.
"Ja, warum nicht? Du kannst dich schon mal ein wenig an das Gefühl gewöhnen und auch schauen, welche Stoffe und Schnitte die bequemsten für dich sind. Wir sind da ganz offen. Innerhalb gewisser finanzieller Grenzen kannst du dir völlig frei aussuchen, was du anziehst ..."
"Ich will aber nichts anziehen!" fuhr sie auf. "Ich will verdammt noch mal nackt bleiben! Ich will den Wind und die Sonne und den Regen auf meiner Haut spüren, nicht eure dämlichen Stofffetzen! Die könnt ihr behalten! Und wenn ich mich streichle, will ich nicht erst so ein dämliches Höschen wegziehen müssen! Das ist doch echt pervers, dieser Kleiderwahn! Ich mach da nicht mit ..."
Wir ließen sie ihren Dampf ablassen. Fallon und ich wussten, dass es danach einfacher sein würde. Allerdings hatte Pat eben ein weiteres recht heikles Thema angesprochen ... heikel jedenfalls, wenn man sich in die Welt der Hänger begab.

Im Lauf der letzten zwei bis drei Jahrzehnte hatten wir auf Shame Island ein sehr entspanntes, offenes Verhältnis zu den natürlichen Äußerungen der Sexualität entwickelt.  Angefangen hatte es damit, dass die ... meist deutlichen ... Anzeichen männlicher Erregung nicht mehr als peinlich oder störend empfunden wurden. Auf den Anblick einer Erektion reagierte man allenfalls noch mit einem leichten Grinsen. Bald darauf begannen auch die Frauen, offener mit ihrer Erregung umzugehen. So galten angeschwollene äußere oder hervortretende innere Schamlippen nicht mehr als anstößig, sondern als erfreuliche Anzeichen des Wohlbefindens.
 
Die fast unvermeidliche Folge war, dass vor allem die Jüngeren oft noch einen Schritt weiter gingen. Junge Paare scheuten sich nicht, sich in der Öffentlichkeit auch an intimen Stellen zu berühren. Vor allem aber galt es als normal, sich selbst zu befriedigen ... nicht anders, als man sich zum Beispiel eine juckende Stelle kratzte. Natürlich beschränkte sich dies auf private Umgebungen; keine Geschäftsfrau würde sich während eines Businessmeetings befriedigen und kein Schüler mitten im Unterricht. Doch es geschah eben auch nicht grundsätzlich heimlich. Pat befriedigte sich ab und zu, wenn wir nach dem Essen gemeinsam am Pool saßen, auch in Gegenwart von Fallon und mir. Und als kürzlich einige Freunde bei ihr zu Besuch waren, führte die angeregte Unterhaltung dazu, dass mehrere der Anwesenden gemeinsam Hand an sich legten.

"... mein Gott, du weißt doch selbst, wie verklemmt Hänger sind ... und allen voran die aus den USA!" versuchte Fallon gerade, unserer Tochter ein klein wenig Einsicht zu vermitteln. "Wir erwarten ja nicht von dir, dass du diese körperfeindliche, verkrampfte Haltung gut findest! Aber genauso, wie die Leute, die die Insel besuchen, sich unseren Regeln unterwerfen müssen, können wir ihre Regeln nicht einfach missachten. Gerade beim Sich-Streicheln sind die Hänger extrem empfindlich ..."
"Was gibt es denn daran empfindlich zu sein?" fragte meine Tochter mit vorwurfsvoller Verwunderung. "Die Leute machen doch auch kein Geheimnis daraus, wenn sie auf die Toilette gehen oder sich die Haare kämmen! Sich-Streicheln ist einfach schön entspannend ... weiter nichts!"
"Das sehen eben die meisten Kulturen da draußen anders, genau wie die Nacktheit," warf ich ein. "Selbstbefriedigung ist dort ein großes Tabu. Man spricht nicht darüber, geschweige denn, es zu machen, wenn man nicht allein ist. Lange Zeit war das sogar strafbar und wurde als Ursache für schwere Erkrankungen angesehen!"
"Mann, die sind doch alle gestört! Ich meine, ich versteh ja, dass die Leute sich was anziehen, wenn es zu kalt wird. Und ich stell mich auch nicht mitten auf dem Schulhof hin und streichle mich. Aber wenn es praktisch jeder macht, und jeder das auch weiß ... was ist denn dann dabei?"
"Naja, es wird eben mit dem Schamgefühl begründet ... dem eigenen und dem der anderen, die Zeuge werden könnten. Und dann natürlich noch mit tausend Vorschriften ... vom Schutz der Jugend bis zu irgendwelchen göttlichen Geboten. Da braucht die Welt wohl nochmal ein Jahrhundert oder mehr. Es gab ja auch mal eine Zeit, als Küssen in der Öffentlichkeit verpönt war ... das richtige Küssen meine ich, Mund auf Mund."
"Unsere Gäste kommen aber doch auch ganz gut damit klar!"
"Sicher, nur sind die kein Maßstab. Erstens kommen nur ganz bestimmte Leute hier her, Menschen, die sich eben auf unsere Kultur einlassen wollen. Und zweitens müssen die natürlich auch unsere Regeln befolgen ... so wie wir ihre, wenn wir zu ihnen fahren. Erinnerst du dich noch an diese Amerikanerin kürzlich, die hier einen solchen Aufstand gemacht hat?"
"Ach, diese hysterische Zicke?"
Als Hotelbetreiber standen wir ... leider ... häufig in vorderster Reihe, Hängern unsere Regeln und Gepflogenheiten zu vermitteln. Die besagte Touristin hatte sich offenbar von ihrem Mann zu der Reise beschwatzen lassen, und er schien ihr einige wichtige Details über Shame Island verschwiegen zu haben. Jedenfalls erlitt sie einen ersten heftigen Kulturschock, als man sie nach der Landung schon im Flughafen nötigte, ihre Kleidung vollständig abzulegen. Mit Nacktbaden hatte sie gerechnet, dabei jedoch an abgelegene, kleine Buchten gedacht, nicht an das Getümmel nackter Körper in unserem malerischen Hauptort. Nur mühsam gelang es ihrem Mann und uns, sie zum Bleiben zu bewegen. Endgültig verlor sie die Fassung ... und die Lust auf ihren Urlaub ... als in einem Café an der Strandpromenade eine junge Frau sich direkt neben ihr zum Höhepunkt "streichelte" und dabei versehentlich unsere Touristin mit ihrem hervorschießenden Lustsaft besprühte.

* * *

Irgendwann hatte unsere Tochter ihren Widerstand aufgegeben, und die Familie unternahm eine Expedition in die Mall am Flughafen, dem einzigen Ort auf Shame Island, an dem man Frauenkleidung kaufen konnte.
"Mom, Dad, das sieht einfach schrecklich aus!" klagte Pat, und ich musste mir auf die Zunge beißen, um ihr nicht von ganzem Herzen zuzustimmen. Ich hegte keine inzestuösen Gefühle für meine Tochter, doch wenn ich ihre schlanke, sportliche Schönheit beobachtete, das Spiel der Muskeln unter ihrer Haut oder die selbstbewusste, natürliche Haltung, die sie meist an den Tag legte, war dies für mich immer wieder Anlass für ein Gefühl vollendeten, väterlichen Stolzes. Sie jetzt in diese fremdartigen Hüllen eingepfercht zu sehen ... einer Bluse, die ihre herrlichen Schultern und festen Brüste verbarg, und den Shorts, die zum ersten Mal in ihrem jungen Leben den festen Po und die glatte Spalte von der natürlichen Luftzufuhr abschnitten ... tat mir in der Seele weh.
"Und schaut mal! Das scheuert hier, wenn ich gehe," fuhr sie fort und wies auf ihren Schritt. "Das ist doch einfach lächerlich! Streicheln darf ich mich nicht, aber ich muss Sachen anziehen, die mir die Möse reiben bei jedem Schritt!"
"Vielleicht sind die Shorts ein, zwei Nummern zu klein. Und du musst wahrscheinlich was drunter ziehen, wie's die Hänger auch machen. Einen Slip," erläuterte Fallon die nächste Stufe der Grausamkeiten. "Schau mal, ich hab welche gefunden, die ganz weich und bequem sind und nichts einschnüren," sagte sie und deutete auf ihre Leibesmitte, wo mir zum ersten Mal seit undenklichen Zeiten ein Höschen den Blick auf den wunderbarsten Ort des Universums versperrte.

Ich liebte Fallon heute wie am ersten Tag. Natürlich hatte unsere Beziehung Höhen und Tiefen erlebt, und eine sexuelle Ausschließlichkeit wäre uns, wie den meisten Inselbewohnern, absurd vorgekommen. Doch bisher hatten uns jedes Experiment oder kleine Abenteuer am Ende nur immer wieder zu neuer, intensiver Zweisamkeit zurück geführt. Und auch nach 18 Jahren fester Partnerschaft ... die klassische Ehe der Hänger gab es bei uns nicht ... konnte mich ihr Anblick in Erregung versetzen. Sie war etwas kleiner als ich, recht kompakt gebaut, mit kräftigen Muskeln und ohne überflüssiges Fett. Ihr blondes, lockiges Haar reichte nur bis zum Nacken ... und es war das einzige Haar, das man an ihrem Körper finden konnte. Ihre großen, runden Brüste folgten bereits ein wenig dem Zug der Schwerkraft, doch ich fand ihr Hängen, Schwingen und Pendeln äußerst reizvoll und musste mich bei der Arbeit oft zusammenreißen, um nicht an diesen beiden prächtigen Kugeln herumzuspielen.

Mit demonstrativer Erleichterung zog Pat die Sachen aus, die sie anprobiert hatte. Dann stand sie wieder in gewohnter Nacktheit vor uns, und auch ihre Haltung wirkte wie befreit. In Shorts und Bluse hatte sie sich nur vorsichtig und leicht zusammengekrümmt bewegt; jetzt hielt sie jetzt wieder gerade, mit empor gewölbter Brust und vorgerecktem Venushügel ... ein Sinnbild freier, jugendlicher Natürlichkeit. Doch Fallon war unerbittlich. Sie hatte bereits ein Höschen in der passenden Größe vom Ständer genommen und hielt es Patricia hin. Die griff danach, als sei es ein besonders ekelhaftes Tier.  

"Nein, drücken tut es nicht," gab sie schließlich kund, nachdem sie es eine Zeit lang zurecht gezupft hatte. "Aber bitte erklärt mir mal eines!" – Sie wies mit dem Finger auf ihre Schamspalte, die sich in der als Kamelhuf bekannten Form deutlich unter dem eng anliegenden Stoff abzeichnete. – "Wenn die Hänger solche Sachen tragen, bei denen man praktisch alles sehen kann ... wieso ist das dann so ein Problem, ohne Kleidung herum zu laufen?"
"Das ist eine gute Frage, Schatz," meinte meine Frau, die inzwischen selbst ein Paar Shorts anprobierte. "Das, was sich 'Mode' nennt, also der Stil der Kleidung, hat immer irgendwelchen zusätzlichen Zwecken gedient ... bei Frauen meistens, ihre körperlichen Reize herauszustellen, ohne sie einfach nur nackt dastehen zu lassen. Die Hänger sagen ja auch, dass viele Arten von Bekleidung eigentlich mehr Blicke anziehen und erregender wirken als einfache, völlige Nacktheit."
"Umso weniger versteh ich diesen Klamottenschwachsinn! Außerdem will ich nicht angestarrt werden! Vielleicht sollte ich es einfach mal drauf ankommen lassen und nackt da auflaufen. Dann glotzen sie woanders, und ich hab meine Ruhe!"
"Wenn's so einfach wäre ...," stöhnte ich. "Leider sehen das die Leute anders. Eben als ... als ... unpassend. Denk mal dran, wie du schauen würdest, wenn Touristenfrauen hier plötzlich ihre Sachen anbehielten!"
"Na sicher würde ich denen nicht deshalb auf die Spalte starren wie blöd!"
"Nein, aber du fändest es doch unpassend ... irgendwie."
"Schon ... irgendwie ... ja. Aber die sind freiwillig hier, Dad ... freiwillig! Die kommen her, weil sie auch mal Luft an ihren Körper lassen wollen, und weil sie's nicht stört, wenn jemand das sieht ... hier bei uns, meine ich. Ich gehe aber nicht freiwillig nach Fort Lauderdale! Das macht schon was aus, finde ich."
Ich musste ein Lächeln unterdrücken. Meine Tochter war nicht dumm und wusste ihre Argumente sehr geschickt zu platzieren. Dabei schoss mir der Gedanke durch den Kopf, wie es wohl umgekehrt wäre ... wir als Hänger-Familie, die mit einer sechzehnjährigen Tochter nach Shame Island auswandern wollten. Eine interessante Vorstellung.

>>> Fortsetzung folgt >>>

Copyright by Nicolas Scheerbarth 2010



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