Die Stellvertreterin


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07.09.2010
Kunst

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Ein schnell und flüchtig bekritzelter Zettel auf dem Couchtisch im Wohn- und Gemeinschaftszimmer unserer Studentinnen-WG:

„Du, liebe Gabi oder du liebe Babs.

Ich muss heute ganz dringend nach Hamburg.

Meine Ma liegt im Sterben. Krebs.

Ist ganz schlimm und ich bin sehr beunruhigt.

Könnte bitte eine von euch zweien mich heute ausnahmsweise vertreten?

Terminkalender liegt unter diesem Blatt. Tut bitte, was möglich ist. Danke!!!

Eure Manu.“

 

Ich konstatiere: Ein Notfall. Manuela musste schnell weg. Gabi ist gestern übers Wochenende und dann noch bis Mittwoch zuhause auf dem Bauernhof ihrer Eltern gefragt. Silberhochzeit.

Die Höhen und die Tiefen des Lebens auf einen Schlag.

 

Ich bin ganz alleine hier.

Damit bin nun auch entsprechend unserer Abmachung bei Gründung der WG für die Erfüllung der Termine meiner WG-Genossin Manuela zuständig.

Barbara hatte keine Wünsche geäußert. Bleibt also Manu. Das schaffe ich schon.

Soweit es mir möglich ist und soweit ich dafür Zeit locker machen kann. Wir haben Semesterferien und ich habe viel Zeit. Sehr viel Zeit. Genau genommen hatte ich schon Angst, mich zu langweilen, weil keine meiner Freundinnen und keiner meiner Freunde erreichbar sind. Alle sind meilenweit weg. Fast wollte ich schon melancholisch werden.

Warum dann also nicht? Es hat mich schon immer interessiert, was unsere lebenslustige schöne Manu so nebenbei macht. Sie hat uns nie alles verraten. Muss sie ja auch nicht.

Aber neugierig bin ich schon. Sehr neugierig. Welches Weib ist das nicht?

Um unsere Manuela schweben immer solche phantastischen Geheimnisse, dass es bei uns, Gabi und mir, schon immer ein elektrisches Kribbeln ausgelöst hat. Wie macht die das?

Was macht die Manu, dass sie so ein verrücktes erfüllendes und befriedigendes Leben hat?

Unter dem Blatt liegt tatsächlich ihr Terminkalender. Sehen wir mal für Heute:

 

„16:00…18:00 Sitzung bei Andreas!“ Steht an oberster Stelle auf dem Zettel. Und dann: „eventuell erweitern um 2 Stunden, bringt das was? Weiß nicht. Schauen wir mal.“

Darunter hat Manu mit ganz kleiner Bleistiftschrift noch nachträglich die Adresse hingekritzelt:

„Andreas Baal, Dresden Neustadt, Uferstraße 17b. (Dachgeschoss)“ keine Telefonnummer.

Keine Chance, das abzusagen.

Was ist das für eine Sitzung? Vielleicht wegen Manuelas Nebenjob als Vertreterin in gehobener Kosmetik?

Vielleicht ist das wirklich wichtig für sie, wenn für sie da jemand mitschreibt?

Ich werde also hingehen und Manuela vertreten.

 

Es ist jetzt schon 17:32. Fast schon zu spät. Ich muss mich beeilen. Keine Zeit mehr für kleine Kinkerlitzchen wie Wimperntusche, Nägel neu lackieren oder gar duschen und Haare in Form bringen. Ich muss sofort los, wenn ich nicht krass verspätet ankommen will.

 

Die  Straßenbahn erwische ich in letzter Sekunde. Bei uns in Dresden kann man sich auf die Straßenbahn immer noch verlassen, wenn die Elbe nicht gerade Hochwasser führt.

Die Straße und die Hausnummer sind leicht zu finden.

Das ist das Szeneviertel von Dresden.

Die Kunstecke. Ich war hier schon mal mit Manu und Babs.

In den Hinterhöfen treffen sich die Studenten und sind weitgehend unter sich. Da gibt es Jazz, Dixie, Blues und Diskussionen und auch den einen oder anderen berauschenden Stoff, wenn man Insider ist. Aber nur dann.

Das pralle Leben fand da statt. Offen. Zu offen für mich. Zu unverblümt.

Es blieb aber immer eine unbestimmte wehmütige Sehnsucht danach in mir.

Ich fand es damals interessant und anregend. Aber auch irgendwie beängstigend frei und ungewohnt. Manuela war immer mittendrin, aber ich blieb reserviert. Die jungen Leute dort haben das respektiert und mich draußen gelassen. Ich gehörte nicht dazu. Nicht meine Welt.

Sie hielten mich wohl für eine spießige Zicke.

Ich war seitdem nicht wieder da gewesen.

 

Uferstraße 17b.

Die Haustür öffnet sich von selbst bei leichtem Druck auf den Tütknauf.

Hier gibt es also nichts zu klauen. Hier wohnen bestimmt keine reichen Leute.

Ich steige die 4 Treppenabsätze hoch und finde das Türschild.

„Andreas Baal, Kunstmaler und Grafiker“.

Wie jetzt? Keine Kosmetik? Irgendwie hatte ich mir das ganz anders vorgestellt.

Firmenschild unten, Sprechanlage, summender Türöffner. Manu hatte immer so edle Marken im Angebot. Hier laufen auch keine jungen dynamischen Manager im feinen Zwirn herum.

Ganz im Gegenteil.

Auf mein Klingeln öffnet mir ein ziemlich mürrischer zausebrusthaariger Mitte-40er mit Lulle im Mundwinkel in einem farbenbeklecksten Unterhemd und altertümlicher Kordhose.

„Hä?“

„Guten Tag. Sie sind Herr Baal? Ich komme wegen der Sitzung, ich vertrete…“

„Viel zu früh! Das geht doch erst ab 18:00 los! Kommen Sie später wieder.“

Damit knallt er die Tür wieder zu.

 

Ich bin erst mal zutiefst geschockt. Beleidigt. Ich will gleich wieder gehen.

Mir hat es die Sprache verschlagen. So ein Arschloch!

Mit wem hat es die Manu denn bloß zusammengewurschtelt, das Schicksal?

Der ist ja total unmöglich! Dieser Kerl! Stammt der aus der Gosse? Dieses Wildschwein!

Dann muss ich an die Ausrufungszeichen in Manuelas Kalender denken:

 „Sitzung bei Andreas!“ Und ich habe einen seltsamen Duft in der Nase, der mir sonst nie als interessant, geschweige denn als anziehend aufgefallen wäre:

Puma.

Ein Geruch nach Wildheit und Wahnsinn, Rauch und Feuer, Abenteuer und Männerschweiß, Torf, Erde, Holz, Blut, Blättern, Moder und Fäulnis und noch Irgendwas, das ich nicht definieren kann.

Ein sehr intimer Geruch. Abstoßend, aufreizend und anziehend zugleich und herausfordernd.

Zum Leben auffordernd.

So habe ich mir immer den Geruch in einer Neanderthaler-Höhle vorgestellt.

Manchmal hatte ich ihn in meinen schlimmsten Albträumen schon in der Nase.

Ich erinnere mich an durchschwitzte Nächte. Viele, viele Nächte.

Die fingen immer gut an und endeten dann stets im absoluten Horror.

Mit diesem Geruch. Dem Geruch der Hölle.

Warum lassen mich dieser unsägliche Duft und meine unbändige Neugier auf der Treppe halt machen? Ist es das, Manuela, was dein Geheimnis ausmacht?

Ist da etwas in mir, das genau darauf anspricht? Auf diesen Locker? Meine Neugier siegt.

Ist etwas das, was ich immer am meisten gefürchtet hatte genau das, was ich ersehne?

Ich drücke noch einmal auf die Klingel. Und noch ein zweites Mal. Das wirkt.

„Was denn jetzt noch?“

„Ich bin Barbara, die Freundin von Manuela Grabs. Ich vertrete sie heute ausnahmsweise und ich komme wegen der Sitzung. Sie wissen schon. Es stand in ihrem Terminkalender. Manuela kann heute nämlich nicht, wissen Sie?“

Das Wildschwein kann ja auch freundlich lächeln.

„Ach nee! Ne Stellvertreterin. Das find ich ja, na wie finde ich das? Manne, du bist genial! Und Grabs heißt du auch noch. Wusste ich ja noch gar nicht.“

 

„Sie heißt Grabs, nicht ich. Wer ist denn jetzt „Manne“? Meinten Sie damit Manuela?“

Das Wildschwein schaut mich nachdenklich an und hat dabei einen schwärmerischen fröhlich lächelnden Zug um die Augen:

 „Ja, „Manne“, das ist Manuela. Ein Kumpel, ein Prachtweib, eine Hexe, ein Vollmensch, eine Wucht, eine Weiber-Wunder-Welt, ein eruptiver Vulkan.

Und du willst sie heute vertreten. Glaubst du, dass du das kannst? Entschuldigung, dass ich dich gleich duze, aber wenn du Manne wirklich vertreten willst.“

Mir wird ganz flau im Magen. Aber ich sage tapfer: „Ja, schon gut, ist ok. Ich tue, was ich kann.“ und möchte auch gleich fragen, wo die Toilette ist. Ich verkneife es mir aber. Ich bin total eingeschüchtert. Worauf habe ich mich da eingelassen und warum nur?

Irgendetwas in mir verlangt danach, es jetzt gleich zu wissen.

 

„Was ist denn dann gemeint mit „Sitzung“?“

„Hm, na, dass sie, in diesem Falle eben du in Vertretung, mir Modell sitzt, stehst, liegst, kniest, hockst, hängst, was denn sonst?

So, ich hole mir also mein Staffelei ran und du machst dich bereit.“

 

Ich mache mich bereit? Wie denn und was denn?

Aber ich bin ja auch schließlich nicht ganz doof und ahnungslos.

Das ja nun nicht mehr.

Also ziehe ich mich aus. Bis auf den BH und meinen Schlüpfer.

Die bleiben dran.

Das habe ich mir geschworen.

Meine anderen Sachen lege ich ordentlich gestapelt auf die Ecke einer abgewetzten Ledercouch.

 

Er beobachtet mich nicht, sondern studiert ein unvollendetes Bild, das an der gegenüberliegenden Wand lehnt. Eine Mischung aus Skizzen und großen Farbflächen.

 

Ich setze mich einfach auf den hohen Hocker, der mitten im Zimmer steht.

Die Beine schlage ich züchtig übereinander und meine Hände stütze ich hinten an der Kante des Hockers ab. Kopf in den Nacken. Pose.

So kenne ich das aus Filmen, wo eine Frau einem Maler Modell sitzt.

Er gibt mir keinerlei Anweisungen, wie ich es eigentlich erwartet hätte.

Ich finde, dass ich schon sehr freizügig bin. Aber in mir regt sich nichts.

Nicht viel.

Ich bin einfach nur unsicher. Er lächelt auch noch auf eine ganz perfide Art.

Er grinst und ich habe immer noch diesen Pumageruch in der Nase.

In mir kribbelt es immer beunruhigender. In einem rußigen Kamin brennen große Holzstücke und einige Papier- und Stofffetzen. Es qualmt und stinkt ein wenig.

Ich schaue mich im Atelier um und betrachte Skizzen mit Köpfen, Händen, Füßen, nackten Frauen, aufgerissenen Mäulern, Schreienden, Lachenden und verknoteten Körpern in undefinierbaren Positionen.

 

Er kritzelt auf seinem Blatt herum und scheint unzufrieden mit mir zu sein

Jetzt ist er fertig und reißt sein Skizzenblatt vom Block.

Ich bin neugierig auf das, was er da von mir gezeichnet hat.

 

Er geht in seine kleine Küche.

„Ich brauche jetzt ne kräftige Tasse Brühe.“ Sagt er. Und:

„Schau dich um und mach dich locker.“

Mich interessiert jetzt nur Eines. Das Blatt mit der Skizze von mir. Es liegt auf dem Boden vor seinem Hocker. Es zeigt eine Landschaft. Nicht mich.

  Ich kapiere gar nichts mehr. Ich sehe noch mal genauer hin.

Doch! Da ist eine Schulter, ganz dünn und nur angedeutet. Da sind auch ein Bauch und Beine und Arme wie ein feiner Hauch über der Landschaft. Aber kein richtiger Kopf, keine Brust, kein Unterleib. Dort, wo man es vermuten würde, ist Landschaft. Bäume, Berge, ein Fluss und Tiere auf der Weide. Ist das die künstlerische Freiheit? Wozu braucht er mich dann überhaupt? Wozu braucht er denn dann ein Modell?

 

Diese Frage stelle ich ihm, gleich als er wieder aus seiner Küche kommt.

„Was soll das? Wozu brauchst du mich dann als Modell? So ein Quatsch!

Willst du mich verarschen?“

„Was das soll? Ob ich dich verarschen will? Umgekehrt wird ein Schuh draus.

Du willst mich verarschen. Nein, entschuldige. Ich erwarte wohl zu viel.

Hast du schon mal einen Baum mit BH gesehen? Oder eine Schlucht mit Schlüpfern?

Ein Baum ist ein Baum und eine Schlucht ist eine Schlucht.

Die sind da, die sind real, die kann man sehen, die machen mir nichts vor.

Die sind ehrlich. Die sind so, wie sie eben sind.

Du aber nicht. Du traust mir nicht.

Du willst nicht, dass ich dich sehe als Mensch, als Frau als Teil der Natur.

Also zeichne ich dich als das, was du bist: Ein Abklatsch von Vorurteilen, der wie ein grauer Nebelschleier über der wahren Natur liegt.

Dein Anblick hat so den Charme eines Werbeplakates oder einer Autobahn.

Alle Welt und nichts. Uniformierter Durchschnitt. Knüllpapier.

Nenne es meinetwegen Zivilisation. Nenne es, wie du willst.

Aber nenne es nicht Natur, nicht Mensch, nicht Leben und nicht Wahrheit.

Das ist es nicht und das bist du nicht. Du bist ein wandelndes Vorurteil das mich zum potenziellen Notzuchtverbrecher abstempelt, nur, weil ich dich ohne scheinheilige Verhüllung sehen und darstellen will.“

 

Mein neuer Duzfreund Andreas ist dabei aber nicht wirklich wütend, sondern sein Gesichtsausdruck ist gewinnend, hintersinnig und selbstsicher.

Ich kann spüren, wie sehr er sich schon sicher ist, dass ich selbstverständlich gleich total nackt vor ihm stehen werde.

Und ich weiß, dass er Recht damit hat.

Ich fühle, dass ich davor keine Angst mehr habe.

Ich will die Herausforderung annehmen.

Aber ich will mich noch nicht so leicht geschlagen geben.

Eigentlich hatte ich genau das in meinem Innersten erwartet.

Aber eben ein klein wenig zartfühlender, tastender, höflicher.

„Ich muss also unbedingt nackt sein, hier ganz alleine, vor einem mir fremden Mann? Das geht gar nicht. Jedenfalls nicht so schnell, so unvermittelt und so plötzlich.  Nein.

Und ich verstehe auch den Unterschied nicht, den es für dich ausmacht, ob du mich siehst, wie ich jetzt bin, oder wenn ich ganz nackt wäre.

Du kannst doch auch so fast alles von mir sehen, außer meinen Brustwarzen und meinen Schamlippen.

Was soll daran so schön und so wichtig sein, dass du es unbedingt sehen musst?“

 

„Nein. Du verstehst da etwas völlig falsch. Genauso falsch, wie eigentlich fast jeder und jede, die nichts mit Kunst und Malerei zu tun haben.

Es geht nicht darum, was ich da sehe.

Es geht darum, was von dir über alle meine Sinne in meine Birne und von da in meine Hände übergeht. Es geht um dich als Ganzes und darum, wie du mit mir und der Welt deine Stimmung, wenn du so willst, deine Seele austauschst.

Da kann nichts dazwischen sein, das diesen Austausch stört.

Ich habe das alles, was du mir von dir nicht zeigen willst,

schon hunderte Male  gesehen. Wenn es auch jedes Mal ein wenig anders ist, darauf bin ich nicht neugierig. Wirklich nicht.

Überhaupt, der Begriff „Nacktheit“, der hat hier nichts zu suchen. Sind vielleicht Hunde, Kühe, Katzen oder Vögel nackt, wenn sie kein Höschen oder Hemd anhaben?

Nein, sind sie nicht. Du wirst jetzt vielleicht sagen: Ja, die haben ja auch ein Fell...“

 

Jetzt reicht es mir aber!

„Nein, das werde ich bestimmt nicht sagen! Hast du vielleicht noch mehr solche schönen Sachen, mit denen du mich vergleichen kannst, wie Bäume, Schluchten, Hunde, Rinder, Katzen, Vögel? Vielleicht noch kleine nackte Schweine?

Am besten Warzenschweine!“

 

Damit habe ich auch schon den BH abgeschnallt und in die Zimmerecke geschleudert.

„Oder vielleicht noch Ofenrohre, Bratröhren und Kneifzangen, oder was?“

Damit landet mein Schlüpfer per Fußschleuder in hohem Bogen im Kaminfeuer

und er beginnt dort sofort zusammenzuschrumpeln und fürchterlich zu stinken.

Das war nicht beabsichtigt. Ich schlage mir die Arme um die Brust und erstarre vor Schreck. Der ist futsch. Den kann ich nicht wieder überstreifen.

 

Dieser Kerl lacht darüber auch noch unverschämt und singt:

„Hurra,  jetzt hat sie’s, hurra, jetzt hat sie’s!“

 

Ich nehme resigniert meine Arme aus der Brustumschlingung

und breite sie weit aus.

Ich sehe ihn an und lasse es meinerseits geschehen, dass er mich in aller Ruhe von oben bis unten mustert und auch, dass seine Augen hier und da an einigen Stellen meines nackten Körpers verharren.

Ich muss nur seinen Augen folgen, um genau zu wissen, wo.

Sogar, wenn ich die Augen schließe, spüre ich es.  

Sein Blick ist wie ein weicher Pinsel auf meiner Haut. Es kribbelt.

 

„Ok, hast gewonnen. Hier hast du mich ohne mentale Störeinflüsse. In Natura

Bin ich jetzt genauso schön wie deine Manuela, oder deine Manne, wie du sie nennst?“

 Warum bloß bin ich jetzt so eifersüchtig auf Manu?

 

„Nein. Bist du nicht.“

 

„Wie? Was?“

 

„Nein. Du bist nicht so wie Manne, du bist ganz anders.

Gewöhne es dir bitte endlich ab, dich für einen Abklatsch von etwas

oder jemand anderem zu halten oder dich gar noch mit jemand anderem zu vergleichen.  Das hast du doch gar nicht nötig.

Du bist einzigartig. Du bist du. Du bist Barbara. Dich gibt es nur einmal.

Du bist jetzt nicht mal mehr die gleiche Frau, die da eben noch an meiner Tür geklingelt hat. Ich bin sehr neugierig auf dich. Du inspirierst mich.

Und noch was anderes: Ich werde mich hüten, mit dir über eine andere Frau zu sprechen, während du selbst nackt bist. Das geht niemals gut aus. Da habe ich leider meine schlimmen Erfahrungen schon hinter mir.

Hier gibt es jetzt nur eine Frau, dich, und sonst keine.“

 

„“Oh, danke! Worauf warten wir dann? Fangen wir an?“

Ich erkenne mich selbst nicht wieder. Ich stehe hier einfach völlig nackt in einer mir völlig fremden Umgebung mit einem mir bis vor wenigen 15 Minuten noch absolut unbekannten Mann herum und kann es nicht erwarten, von ihm intensiv betrachtet zu werden. Das habe ich mich noch nicht mal in unserer Weiber-WG getraut. Da war immer wenigstens ein Handtuch um meinen Alabasterkörper.

 

Das Gefühl des schutzlosen Ausgeliefertseins weicht immer mehr einem leichten Anflug von Stolz und Selbstbewusstsein, gemischt mit Fatalismus.

Plötzlich werde ich mir auch bewusst, dass ich schon wieder krampfhaft die rechte Hand vor meine Schamlippen und den ganzen linken Arm schamhaft über meine Brüste halte. Wie albern. Aber wohin damit?

Noch alberner sieht es wahrscheinlich aus, wenn ich die Hände von meinen Blößen wegnehme und sie dann verlegen ineinander verschränke.

Ich warte sehnlichst darauf, dass dieses Wildschwein Andreas mir irgendeine Anweisung gibt.

Fast schon bin ich süchtig danach. Ich kann mit mir nichts Rechtes anfangen.

Auch das ist mir nicht ganz neu.

Es erinnert mich an mein erstes Mal beim Frauenarzt.

 

Er scheint Gedanken lesen zu können. Oder ist es nur Erfahrung?

„Es ist ungewohnt und du bist verunsichert, stimmts?“

Ich nicke nur und versuche ein Lächeln. Mir schießt das Blut in den Kopf und ich werde rot. Peinlich.

Mein Lächeln kommt bestimmt ziemlich verkrampft rüber.

 

„Du musst dich erst noch in die Situation einleben, akklimatisieren. Versuche, sich einfach frei zu bewegen. Gehe in die Küche und mache den Abwasch.“

 

Sofort will ich protestieren, aber dann ergreife ich doch diesen Strohhalm.

„Gut, wenn du meinst. Da mache ich das eben.“

Etwas tun, was mir nicht neu ist, das könnte meine Aufregung schon abbauen.

Gott sei Dank, er hat eine Spülmaschine. Auf dem Spültisch stehen einige Gläser, zwei benutzte Teller, eine Pfanne und diverses Besteck. Ich suche den Abfalleimer, greife mir die Teller und befreie sie gebückt über dem Eimer von den letzten Resten. Hinter mir klickt es. Ich schreie erschrocken auf und drehe mich zu ihm um. Er hat eine Kamera in der Hand und fotografiert mich ganz unverfroren. Erst eben von hinten und jetzt direkt von vorn. Ich bin empört.

„Nein! Das bitte nicht, Andreas, bitte!“

Dabei wird mir bewusst, dass ich ihn jetzt zum ersten Mal mit seinem Vornamen angesprochen habe.

„Doch“ sagt er, „Das mache ich nur für dich. Du musst dir voll und ganz bewusst werden, dass du gar nicht so waffenlos und schutzlos bist, wie du befürchtest. Du hast immer die Waffen der Frau. Und die sind bei dir ganz besonders scharf. Damit könntest du fast jeden Mann willenlos machen.

Die Speicherkarte kannst du danach gerne haben und dir selbst die Bilder zuhause oder auch gleich hier anschauen.

Ich behalte nichts davon zurück, keine Angst.

Du sollst dich selber kennenlernen, so, wie du bist, mit dem, was du aufbieten kannst als Mensch und als Frau. Vergiss einfach dass ich da bin.

Denke an deinen Freund, wenn du einen hast, oder denke an Jemanden,

den du begehrst. Lass das Weib in dir heraus.

Wenn du mich hörst und siehst, dann bin ich nicht ich, sondern immer der, an den du gerade denkst. Versuche es.“

 

Mich überläuft plötzlich ein Schauer und mir beginnen die Hände zu zittern.

Ich kriege am ganzen Körper eine Gänsehaut.

Aber es ist völlig anders als sonst. Es ist nicht ängstlich oder bedrückend.

Es ist ein angenehmer, wohliger Schauer.

Erwartungsvoll, herausfordernd, berauschend, geil.

Geil. Ja, verdammt! Du bist einfach geil, Barbara. Wie schon lange nicht mehr.

Wie überhaupt noch nie, Barbara, gib es zu. Es erinnert mich wieder an einen verflossenen zwiespältigen Traum. Soll der sich jetzt erfüllen? Ja! Soll er!

„Gut, Andreas, ich werde es versuchen. Du sagst aber bitte kein Wort dazu, ja? Du bist nicht da.“

 

Ich stelle erst einmal die Teller ab und strecke die Arme und Beine von mir,

bis es knackt.  Kreuz durchdrücken, Brust raus bis zum Äußersten.

Alle Hemmungen abschütteln, wie eine lästige Haut aus eingetrocknetem Lehm.

Jetzt bin ich wirklich ganz und unwiderruflich total nackt. Nackter als nackt. Gehäutet. Alle meine Sinne liegen frei und lechzen nach Reizen.

Nach Blicken und auch nach Berührungen.

 

Ich öffne die Ladeklappe der Spülmaschine und sortiere ganz langsam und bedächtig das Geschirr und die Bestecke ein.

Dabei stelle ich meine Beine ganz breit, während ich mich hinunter bücke.

Mein Hintern zoomt in die Kamera.

Meine Titten baumeln über den Tellern.

Ich klimpere mit meinen spitzen Brustwarzen an den Tellerrändern ein kakophonisches Menuett. Es scheppert. Dazu  klingeln die Bestecke

Der nächste Blitz und das Klicken des Auslösers lassen mich leise aufstöhnen.

Es blitzt und es klickt in immer kürzeren Abständen.

Ich stelle, ohne mir dessen bewusst zu sein, meine Atmung darauf ein und atme hechelnd und schnaufend wie eine Hündin durch den Mund.

Ich hänge mich an die Türklinke, nehme das Türblatt zwischen die Schenkel und werfe Haare, Kopf und Schultern in den Nacken. Ich baue eine Brücke mitten in der Küche und recke meinen Bauch mit dem kleinen Schamhaarherzchen in die Höhe. Ich versuche einen Handstand am Schrank, rutsche weg und stürze auf den Rücken, liege auf den Fliesen und strecke alle Viere von mir.

Ich ziehe die Füße heran, unter den Hintern, stütze mich auf meinen Ellenbogen ab und drücke mich mit Bauch voran nach oben.

Meine Möse, diese gierige Mieze, versucht mit ihrem geöffneten Schamlippenmaul die Kamera zu fressen. Böser, böser Mösentiger du.

Oder ist es umgekehrt? Will die Kameralinse meine Möse fressen? Weder noch. Eine Hand nähert sich mir und zieht mich nach oben.

Wessen Hand? Ist mir doch jetzt völlig egal.

Wo ist hier ein Baum, auf den ich wie eine Katze klettern könnte?

Oder wenigstens eine Leiter oder Treppe, die ich auf Katzenpfötchen erklimmen könnte? Nichts dergleichen da.

Ich erklimme den Küchentisch und mache einen Katzenbuckel, drehe mich um, hocke mich hin, drücke die Schultern zurück, das Becken hoch und die Brüste nach oben Richtung Lampe und versuche mit weit gespreizten Schenkeln in das Spülbecken zu pinkeln. Es gelingt mir nicht. Ich muss jetzt gar nicht pinkeln. Ich fühle mich so wahnsinnig frei und entfesselt, wie ich es noch nie erlebt habe. Hemmungslos. Frei, bedenkenlos zu tun, was ich will. Gigantisch geil!

Komischerweise ist mir dabei durchaus klar, dass ich das Gleiche furchtbar albern finden würde, wenn ich dabei alleine wäre. Ich gebe eine Show.

Bin das wirklich noch ich selber?

 

Es gibt einen lauten Knall und ein metallisches Scheppern. Andreas liegt am Boden, neben dem Küchentisch. Die Kamera hat sich ihre Teile zerlegt.

Ich komme wieder zu mir und mache mir schwere Sorgen.

Es ist wie eine kalte Dusche.

Er wollte mich beim Zielpinkeln von oben Fotografieren und ich habe ihn unbewusst vom Tisch geschubst. Eine Berührung am Rücken hatte ich gefühlt.

Erst bin ich sehr erschrocken, aber dann rappelt er sich wieder hoch und grinst verlegen.

 

 „Shitt!  Die Kamera ist im Arsch. Ich habe durch den Sucher geguckt und einen

   Schritt nach hinten gemacht. Einen zuviel. Aber die Karte ist noch ok.

   Wenigstens das.

   Babs, du warst einfach Klasse! Aber dass so etwas in dir drinsteckt,

   das habe ich gleich gespürt.“

 

Ich habe mich wieder gefangen und voll im Griff.

Aber neu ist, dass ich meine Nacktheit jetzt überhaupt nicht mehr als Problem wahrnehme. Im Gegenteil. Es ist angenehm. So will ich bleiben.

Ich bin ich und ich fühle mich gut. Leicht, fast unbeschwert wie eine Feder.

 

Ein gemeinsames lautes Lachen beschließt die Aktion.

So ein Malheur aber auch! Wir gehen zurück zum Kaminfeuer.

Zwischen mir und Andreas gibt es jetzt keine Zurückhaltung und auch keine Geheimnisse mehr. Fürs erste wenigstens, was meine Körperlichkeit betrifft.

Seine Körperlichkeit hebe ich mir für später auf.

Vielleicht. Jetzt will ich erst seine Welt für mich entdecken.

Alles andere würde mich jetzt nur wieder ablenken und irritieren.

Ich muss an Manuela denken. „Manne“. Wo und wie hat die wohl hier ihren Urwaldtanz aufgeführt? Hat sie überhaupt?

Ich werde sie gelegentlich danach fragen. Wenn die Stimmung mal stimmt.

 

 „Geht es dir jetzt besser, Barbara, oder Babs? Wie hättest du es denn gerne?“

 

Da muss ich erst überlegen. Barbara ist zu profan. Babs nennen mich meine Weiber, das will ich hier nicht hören. Mein Zweiter Vorname ist „Johanna“.

Ich sage es ihm.

 

„Die heilige Johanna? Das passt ja gar nicht. Nicht zu dir, jetzt nicht mehr.

  Weißt du was? Ich nenne dich „Jonny“.

 

„Jonny? So, wie du Manuela „Manne“ nennst? Sag mal: bist du etwa schwul?“

 

Andreas lacht laut auf. Mit seinem Wuschelbart und seinen schwarzen Haaren auf der Brust unter dem beklecksten Unterhemd sieht er jetzt wirklich fast wie ein Wildschwein aus. Ein bärtiges Buntwildschwein.

Ein gefleckter Eber, der nach wildem Puma riecht. Abenteuerlich.

 

„Nein, schwul bin ich wirklich nicht. Ich habe aber einige schwule Freunde,

die tragen bei mir Mädchennamen. Ich finde, wenn ich dich Jonny nenne, dann baut das den kleinen Unterschied zwischen uns ab. Das ist dann so wie bei guten vertrauten Kumpels, mit denen man über alles reden kann, ohne pc und ohne Hemmungen. Nicht so, wie bei normalen Frauen. Da wäre es so, wie vorhin, als du hier geklingelt hattest. Das ist ein Riesen-Unterschied.“

 

 „Ich bin also keine normale Frau?“

 

 „Nein. Jetzt nicht mehr. Nicht für mich. Du bist viel mehr, als das.

  Du bist ein vertrauter Mensch. Eine ganz neue Welt für mich.

  Eine, für die ich mein letztes Hemd hergeben würde.

  Mehr, als eine Schwester. Eine Vertraute, eine Kameradin. Ein Kumpel.

  Darauf kannst du stolz sein.“

 

Ich streiche mir langsam mit beiden Händen von oben über die Brüste, über den Bauchnabel, über mein Schamhaarherzchen und die Möse.

Dann innen an den Schenkeln entlang, um die Schenkel herum und wieder nach oben an die Pobacken. Da lasse ich meine Hände und kneife hinein. Kräftig. Autsch!

 

„Da bin ich jetzt also stolz auf mich. Schön. Und ja, ich fühle mich auch gut.

  Wirklich gut. Danke Andreas. Aber wolltest du nicht mit mir arbeiten?

  Zeichnen, malen, oder was? Bin ich jetzt dafür geeignet?“

 

„Geeignet warst du schon immer, aber noch nicht eingestimmt. Jetzt bist du es.

   Also gut. Fangen wir an. Leg dich da drüben auf die Ledermatte, Jonny.“

 

„Jonny“. Völlig neu und ungewohnt. Ich werde mich schon dran gewöhnen. Immer, wenn ich nackt allein mit einem Mann zusammen bin, dann soll er mich  Jonny nennen. Basta.

Ich finde die Matte unter einigen grauen Leinentüchern und hocke mich darauf im Schneidersitz. Es fühlt sich kühl an, aber das geht schnell vorbei.

Warum eigentlich Leder? Ist leichter zu reinigen. Ach ja. Ach so. Na dann.

 

„Kannst du mal?“

Andreas das Wildschwein schleppt einen Wassertank mit Spritzpistole in der Linken und einen Spannrahmen mit dem unvollendeten Gemälde in der Rechten zur Zimmermitte.

Die Leinwand, wo eine Frau mit einer riesigen schwarzen Fotze schreiend auf dem Rücken liegt. Eigentlich kann man darauf nur Umrisse von der Frau und als schwarzen Fleck die Fotze erkennen. Ich weiß sofort, dass es die Fotze von Manuela ist. Manuela trägt gerne durchschienende rote Seidenschlüpfer. Sie hat einen rabenschwarzen dichten Schamhaarbusch, auf den sie sehr stolz ist.

 

„Europa“, sagt Andreas. „Europa und der Stier. Europa und die Globalisierung.

Europa wird vergewaltigt und genotzüchtigt. Alle Rechte, die sich die Proleten  hier erkämpft haben in vielen Jahrhunderten und Jahrzehnten, mit all den vielen Opfern, werden jetzt hinweggeschwemmt von multinationalen Konzernen, die einfach die mittelalterlichen Gesetzte und Zustände in der dritten Welt für sich nutzen, um nicht nur die Arbeiter in unterentwickelten Ländern, sondern auch die Arbeiter hier bei uns zu rechtlosen Sklaven zu machen. Dabei hatten die Sklavenhalter im alten Rom noch ihre Sklaven selbst zu ernähren und zu kleiden.

Die Multis haben es erreicht, dass sich die modernen Sklaven auch noch selber von ihrem Hungerlohn ernähren müssen und Miete zu zahlen haben. Oder sie nehmen den Staat, und damit die arbeitenden Steuerzahler hier in Haftung.

Das ist Sklaverei in perfidester Vollendung.

Das ist schlicht eine Vergewaltigung der eigenen Kinder.

Und als pure Vergewaltigung stelle ich es dar.“

 

„Meinst du wirklich, dass sich einer von den Vergewaltigern dein Bild kauft und sich in seine Wohnung hängt?

Und was soll ich bitte mal können?“

 

„Meinetwegen sollen sie es doch kaufen und es dann als Wertanlage in ihre Panzerschränke einsperren, damit es keiner zu sehen kriegt. Ist mir egal. Ich habe es aber gemalt. Ich habe es gesagt. Verstehst du? Ich habe nicht dazu geschwiegen. Picasso hat auch nicht geschwiegen zu Guernica.

Otto Dix hat ihnen die Fratze ihres Krieges gezeigt. Ich darf nicht schweigen. Das ist meine Aufgabe als Künstler.

Ich darf nicht schweigen zu dieser Vergewaltigung.

Ich muss es darstellen in all seiner Grässlichkeit.

Ich kann nicht Blümchen und Kirchlein malen.

Ach so, ja: Du könntest die Leinwand bitte mal wässern, damit sie die Acryl-Farbe besser annimmt. Nimm dir die Spritzpistole und versprühe gleichmäßig dünn einen Wasserfilm darauf.“

 

Ich nehme mir also die Spritzpistole und besprühe die Leinwand. Danach besprühe ich auch noch die Ledermatte mit einem dünnen Film von kühler Feuchtigkeit. Es zieht sofort ein.

Ich weiß, dass das Leder dann meinen Geruch aufnimmt.

Ich will, dass mein Geruch noch lange hier herumschwebt.

Ich kann Manuelas Geruch noch ganz dezent wahrnehmen. Das stört mich.

 

Die Ledermatte ist jetzt noch kühler als vorhin und auch noch feucht.

Aber jetzt ist sie meine Ledermatte und ich gebe ihr meine Wärme und meinen Körpergeruch ab.

Ich rekele mich auf ihr, mal auf dem Bauch, mal auf dem Rücken.

Ich rolle mich ab, mache das Jakobskreuz und schlage wie ein gefallener Schwan mit den Flügeln

Ich markiere sie wie ein Hund. Gut, dass ich heute noch nicht geduscht habe.

 

Andreas kommt zurück und legt die Leinwand vor der Matte aus. Die Farben stellt er um sich im Kreis herum und die Pinsel stecken in einem beklecksten Gurkenglas mit Wasser darin. Ein Pappdeckel ist seine Palette. Er hockt mir gegenüber und schaut mir in die Augen.

 

„Du weißt, um was es mir geht?“

 

„Ja, ich denke schon. Um meine Fotze, meine Möse, oder wie nennst du das?

  Auf dem Bild sind ja nur die Oberschenkel, der Bauch und in der Mitte die

  große schwarze Wuschelmöse mit den roten Schamlippen zu sehen.

  Alles andere ist im Hintergrund und verschwommen

  Jonny hat aber keine schwarze Wuschelmöse wie Manne.

  Ich bin blond und ich habe nur das kleine Herzchen hier.

  Der Rest ist blank rasiert, wie du siehst. Shitt, was?“

 

Ich bemühe mich, meine Beine so weit zu spreizen, wie es die Frau auf dem Bild tut. Ziemlich weit und auch ein wenig verdreht.

Auch mein Poloch verspürt die freie Luft und die Wärme vom Kaminfeuer.

Aber ich lege mich noch nicht auf den Rücken, so wie sie.

 

Andreas ist am Grübeln und starrt dabei unverblümt und ungeniert meine mittleren Geheimnisse an, die für ihn jetzt längst keine mehr sind.

 

„Weißt du was? Das ist ja noch besser.

   Das wird noch besser, als ich es erst geplant hatte.

   Die Möse muss richtig schreien. Ja, genau!

   Sie muss weit offen sein und dem Betrachter ins Gesicht springen.

   Weit offen, rot und gequält. Mit allem, was sie hat und was sie ist.

   Die Mutter Europas, Die Frau „Europa“. Genau, das ist es! Die totale Frau.

   Kannst du das jetzt mal bitte bei dir machen?

   Na, du weißt schon, dich anregen…“

 

Da muss ich erst mal schlucken.

Es wundert mich auch, dass ich doch noch gewisse Grenzen kenne.

 „Nö“ sage ich, und:

 “Mach du das mal selber.

  Du weißt ja schließlich am besten, was du haben willst.

  Ich möchte das jetzt nicht selbst machen. Noch nicht.“

 

Da bin ich aber gespannt. Jetzt habe ich ihn endlich so weit, dass auch er mir einmal was zeigen muss. Soll er doch ruhig auch aktiv an mir werden.

Ich will Berührungen von ihm empfangen. Ich will ihn kennenlernen.

Ich will jetzt wissen, wie er ist. Eine bessere Gelegenheit könnte es kaum geben.

 

Er ist nicht einmal überrascht. Das macht mich stutzig.

„Willst du das wirklich, dass ich das mache?“

 

Nun erst recht.

„Ja, ich will das. Ich will, dass du mich anregst“

 

Er tut es tatsächlich.

Er kniet sich zwischen meine weit gespreizten Oberschenkel und nähert seine Hände meiner Körpermitte.

Zwei Hände. Nicht nur zwei Finger einer Hand. Wäre er nur mit zwei Fingern einer Hand gekommen, dann hätte ich mir die Kontrolle vorbehalten.

Aber ich weiß jetzt, dass er kein hilfloser Ritzenstecher ist

und das beruhigt mich.

Ich lege mich auf den Rücken und entspanne mich.

Ich atme tief ein und aus und erwarte seine Hände.

Mein Vertrauen reut mich nicht. Er kreist mir mit der Rechten langsam über den Bauchnabel und streichelt mit der Linken nacheinander abwechselnd meine

beiden Brüste. Liebevoll.

Nicht zu lange, nicht quetschend und reibend wie ein Schulbub,

nicht langweilig bis zur Lästigkeit. Aber sicher und ohne Händezittern.

Seine Finger sind trocken und warm. Ja, auch weich. Holzhacker ist er keiner.

Er nimmt meine Hände und legt sie mir auf die Brüste. Ich weiß. Mein Part.

Ich konzentriere mich auf das Hautgefühl in meinen Brüsten, spiele mit den Nippeln und gebe meinen Unterleib frei.

Ganz locker lassen und entspannt atmen. Ganz locker…

Schön, dass er weiß, dass meine Weiblichkeit nicht nur in dieser Spalte zwischen den Schamlippen liegt.

Ich sehe nicht mehr hin. Ich lege mich zurück und schließe die Augen.

Andreas streicht mir über den Unterleib auf  beiden Seiten von den Hüften nach innen über die Leisten zum Venushügel hin und dann die Innenseiten der Oberschenkel hinab bis an die Knie und dann zurück. Immer wieder, bis ich meine Atmung auf seinen Rhythmus einstelle und die warme Welle von Blut  mit seinen Händen mitschwingt. Es wird warm und wohlig. Ich fühle, wie langsam wieder dieser Rauschzustand kommen will, den ich vorhin in der Küche schon einmal hatte. Ich gehe mit dem Becken auf  die Schwingungen ein, um nicht in dieses Loch zu fallen.

Aber bevor mich noch dieser Schüttelfrost erfassen kann, auf dem Höhepunkt der warmen Welle, wird es ganz anders.

Er klemmt sich meine beiden Schamlippen zwischen Daumen und Zeigefinger jeder Hand und zieht meine Möse zu einem großen hohlen Becher auseinander.

Ich habe keine Angst dabei. Ich weiß wie wahnsinnig dehnbar das Ding ist.

Dann spüre ich seinen Rauschebart mitten darin. Auch am Poloch und zwischen meinen Oberschenkeln kribbelt es haarig.

Seine Nase rubbelt meinen Venushügel genau über dem Kitzler und mit seinem Mund pustet er in kurzen schnellen Stößen meine Klitoris an. Heiß und kühlend zugleich. Es ist irre. Wahnsinn! Weiter!

Ich kann nicht mehr ruhig und entspannt atmen, nur noch in kurzen Stößen und hechelnd. „Huhh, huhh, huhh, huuhhh…. Ein Laut, der immer mehr in lautes Schreien und Quieken übergeht. Ich spüre fast brennend, wie sich meine Perle herausdrängt und vor lauter Blutandrang zu platzen droht. Dann noch ein langer lauter Schrei wie eine Wölfin in der Vollmondnacht.

Ein zitterndes Beben im ganzen Körper. Die Erlösung.

Meine Beine vibrieren danach noch eine Weile krampfhaft weiter. Ich bin fertig.

Die Matte hätte ich wirklich nicht wässern müssen. Die ist jetzt pitschenass.

 

„jetzt bist du bereit für Europa, Jonny.“

 

Ich könnte ihm dafür in die Fresse hauen. Aber ich bin immer noch wie gelähmt und mir steht der Mund offen. Ich kann nur noch japsen.

„Machst du… das mit…. allen so? Auch mit…mit Manu?“

 

„Ja, wenn sie es wollen. Aber bei Manne dauert es länger.

  Du hast gefragt, Jonny. Ich rede nie darüber.“

 

„Ätsch! Dein Bart ist nass.“

 

Europa muss warten.

Es klingelt an der Tür. Ich erschrecke und ziehe mir instinktiv ein Leinentuch über Bauch und Brust. Andreas schaut zur Uhr.

 

„Wer kann das sein?

   Ach du liebe Güte, das habe ich doch glatt vergessen. Meine Malschule.

   Die Abendschulklasse. Der Aktkurs! Mensch, und ich habe kein Modell dafür.

   Ich hatte mit Manne darüber gesprochen. Sie wollte es sich noch überlegen

   und nun ist sie nicht da…Dann werde ich wohl Mandy anrufen müssen.“

 

„Wer ist denn jetzt Mandy?“

 

„Musst du nicht wissen. Nicht wirklich.“

 

„Du wirst Mandy nicht anrufen, Andreas. Ich mache das. Aber ich muss erst mal duschen und du musst vorher hier aufräumen und lüften, weil, hier…“

 

„…weil es hier riecht, wie in einem Militärbordell?  Kein Problem. Das findet nicht hier statt, nicht in meiner Wohnung. Ich habe noch ein großes Atelier oben auf dem Hängeboden. Die Dusche ist gleich links neben der Küche. Ich gehe mal vor, ja. Du kommst dann nach. Einfach die Treppe hoch bis zum Ende.“

 

„Gleich nackt?“

Ich kriege darauf keine Antwort mehr. Er ist schon weg. Es pressiert.

 


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