Ein Leben als Nackttänzerin!
>>Ich - Marta Schröder, mittlerweile zwanzig Jahre alt und Nackttänzerin im Berlin der neunzehnhundert zwanziger Jahre - werde die folgenden Jahre als die glücklichsten meines Lebens bezeichnen. Auch wenn ich überwiegend in den hinteren Reihen auftrat und immer noch als oben-ohne Bedienung beim großen Finale jeder Show aushalf, war ich fester Bestandteil der Nackttanz-Gruppe eines Varieté-Theaters geworden.
Diese Geschichte gibt es hier auch als Hörspiel: https://youtu.be/lS_Km1CPTUw
Und ich durfte mit auf eine Europareise gehen. Als die "Mädchen aus Berlin" traten wir der Reihe nach in Prag, Wien, Budapest, Mailand und Paris auf. Es war nicht nur der Tanz auf der Bühne, sondern vor allem auch das Kennenlernen von anderen Ländern und Städten, wenn wir in unserer Freizeit durch die Straßen bummelten oder in ein Kaffee einkehrten. Die anderen Sprachen - wir hatten so etwas wie eine Übersetzungstabelle für die wichtigsten Worte - das andere Geld, die andere Mentalität der Leute. Ich fand das alles aufregend.
Und mir schien, dass der Tanz im Allgemeinen und der Nackt-Tanz im Besonderen etwas stark Völkerverbindendes hatte. Er war sprachunabhängig und nackte Frauen üben auf alle Männer aller Nationen einen Reiz aus, außer vielleicht in Afrika, wo ja alle nackt herumlaufen.
Und so war unsere Tour ein voller Erfolg. Immer ausverkauft und immer ein begeistertes Publikum, spätestens, wenn die letzten Hüllen fielen.
Wieder zurück in Berlin ging ich einer weiteren Tätigkeit neben dem Nackttanz nach. Die meisten Tänzerinnen arbeiteten noch nebenbei als etwas, was man heute wohl als Escort bezeichnen würde. Es gab da eine ältere Frau, die junge, gutaussehende Frauen mit einem ansprechenden Körper - und das waren wir Tänzerinnen alle - an zahlungskräftige Männer vermittelte. Es war nicht direkt Prostitution, denn man traf sich zum Essen, zu einem Kaffee oder zu einem gemeinsamen Spaziergang im Park und redete erstmal nur miteinander. Was dann passierte, war sehr unterschiedlich. Irgendetwas zwischen "Danke für das Gespräch!" und bezahltem Sex.
Ich wollte auch daran teilnehmen. Grete hatte mir alles genau erklärt. Wir hatten uns für mich eine Geschichte ausgedacht, die ich den Männern erzählen sollte. Als Tochter eines früh verstorbenen pommerschen Finanzbeamten wäre ich mit meiner Mutter nach Berlin gezogen. Statt für die Schule zu lernen, hätte ich mich allerdings nur für das Tanzen interessiert, so dass ich die Schule ohne Abschluss verlassen hätte und nun als Tänzerin arbeitete. Ich brauchte noch ein wenig Übung in der Konversation mit den Männern, aber kam dann doch ganz gut zurecht. Unsere Europareise erwies sich dabei als ein sehr gutes Gesprächsthema.
Grete hatte mir unter anderem auch erklärt, wann meine fruchtbaren und wann meine unfruchtbaren Tage sind und sie gab mir natürlich Adressen, an die ich mich wenden konnte, sollte ich trotzdem schwanger werden.
Aber darum musste ich mich nach einer medizinischen Diagnose nicht mehr kümmern. Es war eine Routineuntersuchung, die bei allen Tänzerinnen des Tanz-Theaters durchgeführt wurde. Und da ich ja nicht mehr Küchenhilfe oder oben-ohne Bedienung war, sondern zum Tanz-Ensemble gehörte, nahm auch ich an der Untersuchung teil.
Der Nebenbefund der Untersuchung: Ich war unfruchtbar und würde nie eigene Kinder haben können.<<
An der Stelle musste ich - Melanie - die hier die Geschichte meiner Urgroßmutter aus ihren Tagebüchern rekonstruiert, kurz durchatmen. Meine Urgroßmutter war unfruchtbar? War dann meine Großmutter gar nicht ihre leibliche Tochter? Wo kam sie dann her? Das wurde neben der offensichtlichen exhibitionistischen Ader meiner Urgroßmutter, mit der ich mich gut identifizieren konnte, ein weiterer interessanter Punkt ihrer Geschichte. Ich war mir sicher, dass die Tagebücher meiner Großmutter das noch aufklären werden. Also weiter mit der Geschichte meiner Urgroßmutter:
>>Ich war also unfruchtbar. So merkwürdig sich das anhören mag, aber das kam mir in dem Moment sogar entgegen. Ich beschloss, erstmal mein Leben in vollen Zügen zu genießen: Nackt auf der Bühne und gelegentlich mit einem Mann im Bett, der auch noch dafür bezahlte. So lebte ich mehrere Jahre lang, ohne mich weiter um meine Zukunft zu kümmern.
Meine Freundin Grete war da anders. Sie war ein paar Jahre älter als ich und ihr war völlig klar, dass sie nicht ewig als Tänzerin arbeiten können würde. Und ihre Perspektive war völlig klar: Sie wollte einen reichen Mann heiraten und das gelang ihr auch. Grete angelte sich jemanden aus gutem Hause, dem eine Karriere als Politiker bevorstand. Noch hielt er nur Reden, aber in ein paar Jahren würde er in einem Ministerium in Berlin Karriere machen.
Ich war die einzige unserer Nackttanztruppe, die zu Gretes Hochzeit eingeladen war, allerdings nicht als Nackttanz-Kollegin, sondern als Jugendfreundin. Keiner durfte wissen, dass Grete als Nackttänzerin gearbeitet hatte. Für meine Begriffe waren auf der Hochzeit zu viele Männer in braunen und schwarzen Uniformen. Aber das waren wohl die Kollegen des Bräutigams. Und Grete musste mit dem Freundeskreis ihre künftigen Mannes auskommen, nicht ich.
So vergingen die Jahre bis die Zeit, die man später die Goldenen Zwanziger Jahre nennen wird, mit einer einbrechenden Wirtschaftskrise endeten. Viele konnten sich das Varieté-Theater nicht mehr leisten, so dass nur noch am Wochenende Vorführungen stattfanden.
Ich war jetzt 25 und hatte aus den letzten Jahren einige Ersparnisse. Eine Ehe kam für mich nicht in Frage. Wahrscheinlich wäre ich für jeden Mann doch nur eine Enttäuschung, weil ich keine Kinder bekommen konnte. Ich beschloss nochmal zur Schule zu gehen, um anschließend als Lehrerin zu arbeiten. Da ich in der Vergangenheit auch immer mal ein Buch gelesen und ein Tagebuch geführt hatte, waren meine Schreib- und Lesekenntnisse besser als meine nur siebenjährige Schulzeit vermuten ließ. Ich stieg nach einer bestandenen Aufnahmeprüfung in die zehnte Klasse einer von der Kirche getragenen Berliner Mädchenschule ein und kam gut mit dem Lernstoff zurecht.
Während der dreijährigen Schulzeit lebte ich von Ersparnissen, den Auftritten im Nackttanz-Theater an den Wochenenden und natürlich dem Escort-Service, was beides selbstverständlich in der Schule niemand wissen durfte. Mit dem Schulabschluss in der Tasche habe ich dann Berlin verlassen, um an einer Art "Höheren Töchter Schule" einer Kleinstadt mich in zwei weiteren Jahren auf den Beruf einer Grundschullehrerin vorzubereiten.
Langsam gingen allerdings meine Ersparnisse zur Neige und so ergab es sich, dass ich auf der nicht weit von der Kleinstadt entfernten Burg der Adels-Familie von Baumbach erst auf deren Festen tanzte, erst bekleidet, dann auch nackt, sowie auch ein paar sexuelle Dienstleistungen erbrachte.
Aber davon werde ich in der nächsten Geschichte erzählen.<<
Hier sind die Links zu den vorangegangenen Geschichte meiner Urgroßmutter:
Teil 1: Der Weg meiner Urgroßmutter zur Varietee-Tänzerin
https://schambereich.org/story/show/7516-der-weg-meiner-urgrossmutter-zur-varietee-tanzerin
Hörspiel: https://www.youtube.com/watch?v=rZE0WNphlPo&feature=youtu.be
Teil 2: Vom Dienstmädchen ins Varietee-Theater!
https://schambereich.org/story/show/7518-der-weg-meiner-urgrossmutter-zur-varietee-tanzerin
Hörspiel: https://www.youtube.com/watch?v=QW_ippnU-3I&feature=youtu.be
Teil 3: Erst oben-ohne Kellnerin, bald ganz nackt auf der Bühne!
https://schambereich.org/story/show/7521-erst-oben-ohne-kellnerin-bald-ganz-nackt-auf-der-buhne
Hörspiel: https://www.youtube.com/watch?v=15JA-y0DCzo&feature=youtu.be
Teil 4: Endlich nackt auf der Bühne eines Varieté-Theaters in Berlin!
https://schambereich.org/story/show/7523-endlich-backt-auf-der-buhne-eines-variete-theaters-in-berlin
Hörspiel: https://youtu.be/U_2hEyNcKzU
Hier gibt es weitere Geschichten von mir: https://schambereich.org/user/show/Melanie2000
Und hier ist der Link zu weiteren Geschichten als Hörspiel: https://www.youtube.com/@DieExhibitionistinMelanie
Kommentare
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Bin sehr gespannt auf den weiteren Weg der Ahne.
WikingerS schrieb: „Bin sehr gespannt auf den weiteren Weg der Ahne.“
Es wird eine Fortsetzung geben. Versprochen!
Eine Geschichte zu schreiben, in der im Grunde rein gar nichts passiert, muß man auch erst einmal hinbekommen. Marta erzählt hier, daß sie fest im Varieté arbeitet und gelegentlich Escort-Dienste anbietet. Dazu kommt die große Europa-Rundreise, bei der eine Übersetzungstabelle die gröbsten Kommunikationsprobleme aus der Welt schafft. Nur für Afrika wird diese Tabelle nicht benötigt, weil da ohnehin alle nackt rumlaufen und deshalb braucht man dort auch nicht nackt tanzen. Schon klar. Aber vermutlich gehörten derartig postkoloniale Vorurteile tatsächlich zur üblichen Lesart einer Nackttänzerin vor über 100 Jahren. Insgesamt haben wir hier einen nüchteren Bericht statt einer spannend geschriebenen Story. Frühere Melanie-Werke waren besser.
Hier geht's zu meinem Profil, dort findet ihr alle Links zu meinen Geschichten: https://schambereich.org/user/show/FreeFantasyGirl