Worum geht es?
Lea ist 39 – getrennt, frustriert und auf der Suche nach sich selbst.
Ein Spieleabend mit ihrer besten Freundin und deren Kollegen wird zum erotischen Wendepunkt: Zwischen nackten Körpern, fordernden Händen und flüsternder Begierde entdeckt sie, wie es sich anfühlt, wirklich zu leben.
Fünf Frauen. Ein Mann.
Und eine Nacht voller Leidenschaft, die Lea nie vergessen wird.
1.
Akten sind langweilig. Unendlich langweilig sogar. Alte Papierstapel, staubige Seiten, Zahlenwüsten. Nicht mehr und nicht weniger.
Dieses Wissen beherrschte Leas Gedanken seit mehreren Wochen. Wochen, die sich mittlerweile anfühlten wie Monate, die einfach nicht enden wollten. Und da sie dem Glauben schenkte, was die Anwälte ihres Arbeitgebers prognostizierten, würden aus den Wochen tatsächlich Monate werden.
Lea stöhnte, während sie einen kiloschweren Aktenordner aus einem Umzugskarton hob. Dabei fiel ihr Blick auf unzählige weitere Kartons, die in dem großen Kellerraum ihrer Bankfiliale auf ihre Bearbeitung warteten. Schweren Schrittes schleppte sie die auf Papier gebannten und uralten Daten Aberhunderter Geldanleger zu einem breiten Arbeitstisch. An diesem saßen mehrere ihrer Kollegen und Kolleginnen und blätterten ihrerseits in muffig riechenden Ordnern.
Sie setzte sich. Staub wirbelte auf, als ihr Mitbringsel dumpf auf die Platte fiel. Ihre Kollegin rechts von ihr, mit aufgestütztem Kopf eingenickt, schreckte hoch und sah sie schlaftrunken an.
Lea schlug den Ordner auf und überflog das Inhaltsverzeichnis. Der alte Geruch von Papier drang in ihre Nase. Sie machte sich Notizen. Suchte nach bestimmten Namen oder Eintragungen, die ihre Vorgesetzten als Ziele ausgegeben hatten. Ihre Augen huschten von Zeile zu Zeile. Sie taten es beinahe automatisch, denn diese Bewegungen waren ihnen mittlerweile zur Gewohnheit geworden.
Lea Kempter, neununddreißig Jahre alt, war Angestellte bei einer Bank. Kümmerte sich um Kunden und beriet diese in Sachen Geldanlage und Wertpapierhandel. So war es zumindest normalerweise und während ihrer eigentlichen Arbeitszeit. Wenn diese jedoch endete, begannen die halbfreiwilligen Überstunden. Und damit das Aktengefummel. Denn dieses war notwendig, um die Bank gegen eine Sammelklage zu verteidigen, die vor geraumer Zeit ins Haus geflattert war und die angestellten Anwälte an ihre Grenzen brachten.
Jeder musste helfen. Egal ob Finanzberater, Kundenbetreuer, Abteilungsleiter oder Anwalt. Alle schufteten dafür, die angeschlagene Bank, Zahler ihrer Gehaltschecks, vor den Vorwürfen der Kapitalveruntreuung und fehlerhafter Risikoanalyse zu schützen. Und das bedeutete oft Arbeit bis spät in die Nacht hinein, für die es zwar eine halbwegs akzeptable Überstundenvergütung gab, aber dennoch sämtliches Privatleben ausschaltete.
Lea seufzte und massierte sich die Schläfen. Sie vermisste die Zeit, als Feierabend noch Feierabend bedeutete. Hinter ihrer Stirn pochte es stechend. Kopfschmerzen waren in den letzten Tagen ihr ständiger Begleiter gewesen. Kein Wunder bei Arbeitszeiten deutlich über zwölf Stunden hinaus.
Sie sah auf ihre Uhr. 20:55. Noch hundertzwanzig Minuten. Mindestens. Vorher würde sie sich nicht losreißen können.
»Du siehst scheiße aus«, kam es von ihrer Rechten. Lea wandte träge den Kopf und sah in das besorgte Gesicht ihrer Abteilungsleiterin, die müde wirkte, was ihren ungewohnt direkten Sprachgebrauch erklärte.
»Danke«, murmelte Lea und versuchte, sich wieder auf die Buchstaben und Zahlen auf den vergilbten Seiten vor ihr zu konzentrieren. Sie verfluchte innerlich die fehlende Digitalisierung alter Kundendaten, Vorgänge und Verträge, die die Arbeit deutlich leichter gestaltet hätten.
»Ich mein’s ernst«, fügte die Leiterin hinzu und musterte sie besorgt. »Du bist total blass. Und deine Augenringe haben inzwischen eigene Augenringe.«
»Wundert dich das?«, seufzte Lea. »Diese Aufgabe frisst mich auf.«
Und nicht nur mich, dachte sie und warf einen Blick ans andere Ende des Raumes, wo sich die sieben Anwälte der Bank an zwei großen Tischen niedergelassen hatten. Auch sie wirkten abgeschlafft und bettreif, trugen zerknitterte, halb aufgeknöpfte Hemden mit losen Krawatten. Tranken einen Kaffee nach dem anderen. Gruben unermüdlich weiter, studierten Texte, markierten Passagen und wappneten sich für einen Prozess, dessen Ausgang ungewiss war.
»Nicht nur dich«, stöhnte Leas Abteilungsleiterin. »Aber ich glaube trotzdem, dass du heute am schlimmsten von uns allen aussiehst.«
»Ich sagte bereits danke.«
Zu ihren Kopfschmerzen gesellte sich wachsende Wut. Und diese fand den Weg in ihre Stimme. Das war auch ihrer Gesprächspartnerin nicht verborgen geblieben.
»Das meinte ich jetzt echt nicht böse«, versuchte sie, zu beschwichtigen. »Ganz im Gegenteil. Ich bin am überlegen, ob du ein paar zusätzliche freie Stunden gebrauchen könntest.«
Lea atmete tief ein und aus. Natürlich konnte sie diese gebrauchen. So wie alle anderen auch. Inklusive ihrer Abteilungsleiterin. »Es geht schon«, log sie schließlich. »Ich hole mir noch einen Kaffee, dann starte ich durch.«
Doch ihre Vorgesetzte schüttelte entschlossen den Kopf. »Nein. Das reicht für heute. Du machst Feierabend. Mach dir keine Sorgen ums Geld, ich schreibe dich bis 23 Uhr auf.«
»Das geht doch nicht«, wiegelte Lea pflichtbewusst ab, während der Schmerz in ihrem Kopf den Feierabend verlangte. »Das wäre den anderen gegenüber unfair.«
»Unfair hin oder her. Ich bin deine Chefin. Nun hopp, ab nach Hause.«
Sie sahen sich an, während es in ihrem Kopf schwankte, als befände sie sich auf einem Schiff, umgeben von aufgewühlter See. »Also?«
Lea stieß einen tiefen Seufzer aus. »Okay.«
Fünf Minuten später fiel die gepanzerte Mitarbeitertür scheppernd hinter Lea ins Schloss. Sofort umgab sie eine angenehm warme Luft, die nicht nur nach Sommer, sondern auch nach Freiheit roch. Sie lächelte matt, setzte sich in Bewegung und ging einen schmalen Seitenweg entlang, der sie zu einer mehrspurigen Straße führte. Der Lärm der vorbeifahrenden Autos hatte dabei eine eher beruhigende Wirkung auf sie. Hinter den Mehretagenwohnhäusern Hamburgs versank die Sonne allmählich und kündigte das Ende ihres Arbeitstages an.
Lea passierte Schaufenster, in deren Glasscheiben sich ihr Spiegelbild deutlich abzeichnete. Tatsächlich sah sie aus, wie durch den Wolf gedreht. Ihr dunkler Blazer hing auf halb acht. Ihre tiefbraunen Haare, am Morgen noch ordentlich gebürstet, wirkten wirr und ungepflegt, was sicherlich daran lag, dass sie mehrfach ihre Schläfen und Kopfhaut massiert hatte.
»Na gut, ich sehe wirklich scheiße aus«, flüsterte sie zu sich selbst. Sie blieb stehen. Trat dichter an das Schaufenster heran, hinter dem nur Dunkelheit lag. Zuppelte an ihren Haaren herum, um die verirrten Strähnen zumindest grob zu bändigen. Musterte die tiefen Augenringe, die ihre hellen, blauen Augen unterstrichen, richtete ihren Blazer, unter dem sich ein figurbetontes Top an ihren zierlichen Körper schmiegte. Dabei fiel ihr ein großer Kaffeefleck auf, der die rechte Seite ihrer Hose schmückte und sie konnte sich bei bestem Willen nicht daran erinnern, wie dieser dorthin gekommen war. Sie seufzte erneut und gab auf. Ihre Optik war nicht mehr zu retten. Nicht, ohne vorher eine lange, ausführliche und trotz der sommerlichen Temperaturen heiße Dusche genossen zu haben.
Sie musste nur zwei Blocks gehen, dann sah sie das Wohnhaus, in dessen oberster Etage ihr Zuhause auf sie wartete. Und ihr Verlobter Lars. Bei dem Gedanken an ihn wärmte sich ihr Herz. Er würde sich sicherlich freuen, sie zur Abwechslung mal etwas länger genießen zu dürfen, denn in letzter Zeit beschränkte sich ihr Kontakt auf das abendliche Zähneputzen und das gemeinsame Aufstehen am nächsten Morgen. Der Akten sei Dank. Und wer weiß, vielleicht war er dazu in der Lage, ihren verspannten Nacken mit seinen kräftigen Händen so weit durchzukneten, dass sie sich nicht mehr wie ein harter Baumstamm fühlte.
Lea betrachtete den Verlobungsring an ihrer rechten Hand, dessen kleiner Diamant in den letzten Sonnenstrahlen glitzerte. Zwei Jahre trug sie ihn nun schon am Finger. Zwei Jahre, in denen die anfängliche Hochzeitseuphorie allmählich der Tatsache wich, dass beide zu ausgelaugt waren, um dieses Event final zu planen und endlich ja zu sagen. Sie legte ihre Stirn in Falten. Dachte an Lars. An seine guten Seiten, aber auch an die schlechten. Daran, dass das, was sie in diesem Moment ebenso gut gebrauchen könnte, wie eine ausführliche Nackenmassage, ein immer schwierigeres Thema zwischen ihnen wurde: Sex.
Sie hatte das wachsende Gefühl, dass ihr Verlobter sich von Monat zu Monat mehr von ihr zurückzog, wenn es um körperliche Belange ging. Er war ein guter Partner, ja, immer an ihrer Seite, ob mit Wort oder Tat. Doch im Bett ... Lea überlegte, wann sie das letzte Mal miteinander geschlafen hatten. Sie erinnerte sich vage an die letzte Nacht, in der sie es versucht hatte, aber Lars’ Müdigkeit hatte ihr eigenes Verlangen erstickt. Waren es drei Monate gewesen? Vier? Sie wusste es nicht.
Sie vermisste den intimen Kontakt zu ihm. Doch jeder Versuch, anfängliches Kuscheln oder Flirten in ein Abenteuer aus Lust und Hingabe zu verwandeln, schlug fehl. Lars erklärte stets, dass sein Job ihn überforderte. Dass er es, aufgrund des Druckes, den er tagsüber ausgeliefert war, einfach nicht schaffte, sich auf Touren zu bringen. Eine Erklärung, die Lea zutiefst verunsicherte, da sie ihr nicht glauben konnte.
Es liegt an mir, dachte sie wie so oft in der letzten Zeit. Sein Job ist seit Jahren gleich. Und früher konnte er Sex und Arbeit immer miteinander vereinbaren. Also bleibt nur ein Schluss übrig: Etwas stimmt mit mir nicht. Habe ich mich so verändert?
Wieder blieb sie vor einer großen Scheibe stehen und betrachtete sich. Klar, auch sie war älter geworden. Sie und Lars hatten sich mit Ende zwanzig kennengelernt. Und doch, da war sie sich sicher, hatten die letzten zehn Jahre ihren Körper weitestgehend verschont. Sie war noch immer schlank. Nicht sportlich trainiert, aber äußerst feminin. Mit schmaler Taille und nur etwas breiterer Hüfte. Mit Brüsten, die zwar klein, dafür fest waren. So wie Lars es liebte. Und mit einem Po, der ihr absolutes Aushängeschild war. Wohlgeformt, weich, und unwiderstehlich sexy in jeder Hose dieses Planeten.
Nein, sie hatte sich nicht verändert. Nicht optisch zumindest. Und doch hatte er die Lust auf sie verloren ...
Sie erreichte das Wohnhaus, in dessen Erdgeschoss ein italienisches Restaurant untergebracht war. Spontan kam ihr die Idee, sich und Lars eine Pizza zu bestellen. Gesagt, getan. Sie orderte seine Lieblingspizza. Eine, mit der Lea selbst nichts anfangen konnte: Hot-Dog-Style, mit Wurst, Remoulade und Röstzwiebeln. Sie hätte viel lieber eine mit Spargel und Beef gegessen, doch ihm zuliebe trat sie von ihren Gelüsten zurück. Und wer weiß, vielleicht konnte sie ihn mit dieser Geste bestechen und in eine derart gute Stimmung versetzen, dass ihre Flaute im Bett schon bald der Vergangenheit angehören würde.
Mit einem XL-Pizzakarton, den sie beidhändig trug, stieg sie die Treppen hoch. Erst jetzt, als sie den Duft des Essens bemerkte, spürte sie, dass sie zuletzt vormittags etwas gegessen hatte. Ihr Magen grummelte schlechtgelaunt. Oben angekommen öffnete sie die Wohnungstür und trat ein.
Ein blumiger Duft empfing sie, ausgehend von einem Spender neben dem Schlüsselboard. Sie legte den Karton ab und zog ihre Schuhe aus. Sofort fühlte sie sich um ein Vielfaches freier. Als sie den Blazer ablegte, verstärkte sich das Gefühl von Feierabend und Heimkehr. Sie atmete durch und hörte gedämpfte Stimmen. Leises Kichern. Die Nachbarn teilten offenbar ihre Stimmung.
Lea nahm die Pizza wieder auf und ging den Flur entlang. Unter ihren Füßen knarrten die Dielenbretter der Altbauwohnung. Neben einem Wandspiegel hing ein Porträt, das sie und Lars im Moment ihrer Verlobung zeigte. Ihn kniend, sie weinend. Vor dem Pariser Eiffelturm bei Nacht. Kitschig, aber unendlich schön. Fotografiert von ihrer künftigen Schwägerin.
Wieder hörte sie ein liebliches Kichern, das in ein sanftes Stöhnen überging. Etwas knarrte verdächtig im Takt von Stößen, die nur eines bedeuten konnten. Lea grinste. Den Nachbarn schien es sehr gut zu gehen.
Lars war nicht im Wohnzimmer. Ihre Euphorie wich Enttäuschung. Schläft er etwa schon? Habe ich ihn verpasst?
Sie betrachtete den großen Pizzakarton. Alleine würde sie dessen Inhalt nicht bezwingen können. Sie hoffte, dass er noch wach im Bett liegen und lesen würde, so wie er es des Öfteren tat. Mit neugefasstem Mut ging sie zum Schlafzimmer. Abrupt blieb sie stehen. Die Tür stand einen Spalt breit offen. Doch das war nicht das, was ihre Stirn in Falten legte. Es waren die Geräusche, die aus dem Zimmer kamen. Ein Kichern, ein Stöhnen. Das rhythmische Knarren eines Bettes. Ihr Herz machte einen schmerzhaften Satz, als sie verstand, dass es nicht ihre Nachbarn waren, denen es gut zu gehen schien.
Mit zitternden Schritten näherte sie sich der Tür. Hitze stieg in ihr Gesicht und sie fühlte sich auf einmal alarmiert, wie eine Gazelle, die die drohende Gefahr im Gebüsch wittert. Ihre Eingeweide zogen sich zusammen. Ihr wurde schlecht. Als sie endlich ins Schlafzimmer sehen konnte, stockte ihr der Atem.
Da war Lars. Nackt und verschwitzt. Ihr gemeinsames Bett. Kleidung auf dem Boden. Schwarze Boxershorts. Ein BH, rot und mit viel Spitze. Ein Tanga in derselben Farbe, dicht neben einer weißen Bluse, achtlos hingeworfen. Und eine Frau, die unter ihrem Verlobten lag. Mit blonden Haaren, weit gespreizten Beinen, Brüsten, groß und üppig, die vom Oberkörper ihres Zukünftigen zur Seite gedrückt wurden, während sein Becken Stoß um Stoß vollführte.
In ihrer Brust explodierte etwas. Schmerzhaft, heiß und erstickend. Wie konnte er ihr das antun? Wie konnte er ihr ausgerechnet im eigenen Bett das Messer in den Rücken rammen? Dieser Mistkerl!
Lea wollte schreien. Losstürmen. Ihre Verletzung, die Demütigung und ihre Wut in Schläge und Tritte ummünzen. Aber sie konnte es nicht. War wie versteinert. Schaute nur zu, wie er zustieß. Wie sich die Finger seiner Hure ins Laken krallten. Wie sie mit geschlossenen Augen den Kopf zurückwarf. Wie er an ihrem Hals saugte, als wäre er einer dieser Fische, die immer an den Wänden von Aquarien klebten.
Aber er gehört mir, schoss es durch ihren Kopf. Er hat ... sich vor mir hingekniet. Um meine Hand gebeten ...
All das schien plötzlich unendlich lange her zu sein. Wie um diese Erkenntnis zu untermauern, stützte sich Lars auf. Sah der Blondine geil in die Augen. Stieß heftiger zu, sodass Lea das Klatschen seiner Hoden an ihren Körper hören konnte.
Ein aggressives Ekelgefühl ließ ihren Mund wässrig werden. Als wäre das ihr Signal gewesen, ging sie auf einmal einen Schritt zurück. Wollte nicht konfrontieren, sondern flüchten. Entfernte sich weiter.
Der Türspalt wurde kleiner, das Geschehen dahinter verschwamm. Wie ferngesteuert blieb Lea stehen, drehte sich um und sah direkt auf das Verlobungsporträt, das sie und Lars in inniger Liebe zeigte. Das war zu viel. Heiße Wut explodierte in ihren Adern. Schoss in jede Zelle ihres Körpers. Ließ ihre Muskeln rebellieren.
Sie verstand schlagartig, warum er seit Monaten kein Interesse mehr an ihr hatte und sie nicht mehr begehrte: Er hatte sie ersetzt und lebte seine Triebe bei einer anderen Frau aus.
Plötzlich setzte etwas in ihr aus. Sie holte weit aus und schmetterte den Pizzakarton mit aller Kraft gegen das Lügenbild. Im Flug öffnete sich der Deckel, sodass die ach so heilige Hot-Dog-Pizza auf die Aufnahme prallte. Würstchen, Zwiebeln und Remoulade spritzten zu allen Seiten.
Lea stürmte zur Wohnungstür, während weit hinter ihr das wollüstige Stöhnen erstarb. Sie riss sie auf, rauschte hindurch und warf sie im Anschluss so fest ins Schloss, dass es im Wohnungsinneren so schepperte, als wäre das Schlüsselbord von der Wand gefallen. Ein gedämpfter, weiblicher Schreckensschrei erklang, der unter Leas schnellen und lauten Schritten auf den Stufen unterging.
Kaum hatte sie das Freie erreicht, zerrte sie sich den Ring vom Finger und feuerte ihn achtlos auf die Fahrbahn, wo der teure Diamant zwischen zwei Autos verschwand.
2.
Bässe wummerten. Licht tanzte und warf seinen rot-weißen Schein über feiernde Menschen, die im Klang der Musik die Nacht zum Tag machten. Lea tat es ihnen gleich und ließ ausgelassen ihre Hüften schwingen. Unter ihr klebte der Boden durch Unmengen verschütteten Alkohols und jenem Dreck, den man um drei Uhr morgens in einer Diskothek finden konnte. Es duftete nach Parfüm, Schweiß und Shisharauch.
In Leas Kopf herrschte ein angenehmer Schwank, hervorgerufen durch Vodka-Energy und unzähligen Tequila Shots. Zwei fleißige Helfer in einer Zeit voller Not und Elend.
Kräftige Hände legten sich um ihre Hüften. Sie gehörten einem besoffenen Mittdreißiger, der seit geraumer Zeit sein Becken an ihren Hintern presste und jeder ihrer Bewegungen folgte. Sie ließ es zu. Genoss es sogar. Und das, obwohl dieser Mann, der nach Rum und Döner stank, alles andere als ihr Typ war. Egal. Sie wollte Kerben sammeln. Kerben an ihrem Bettpfosten, die ihren verletzten Stolz kaschieren sollten. Doch nicht nur das. Die Diskothek, in der sie auf Beute lauerte, war der Lieblingsclub von ihrem Ex-Verlobten Lars.
Sie ließ ihren Blick durch die Menge gleiten. Suchte das vertraute Gesicht ihres ehemaligen Liebespartners in der Hoffnung, dass er eifersüchtig werden würde, wenn er sie mit einem anderen sah. Ihr Herz bebte vor Aufregung bei diesem Gedanken. Wie sehr sie sich wünschte, den Schmerz, den sie beim Anblick ihres Verlobten mit seiner Affäre empfand, auf ihn übertragen zu können. Aber sie konnte ihn nicht finden. Noch nicht einmal einen seiner vielen Kumpels, die genau so regelmäßig wie er in diesem Club verkehrten.
Die Hände des Mannes hinter ihr wanderten höher. Glitten frech und respektlos über ihren Bauch, nur von einem engen Tanzkleid verborgen, und fanden ihren Weg zum Ansatz ihrer Brüste. Ein kalter Schauer zuckte durch ihren Körper. Sie musste sich zwingen, den Berührungen des Mannes, dessen Namen sie trotz mehrfacher Wiederholungen bei der lauten Musik nicht verstanden hatte, nicht auszuweichen. Sich nicht wegzudrehen. Sie musste standhalten. Signalisieren, dass ihr die Trennung, die seit nun mehr als drei Wochen bestand, keine Macht über sie hatte. Jenes Auseinandergehen, das sie selbst zwar ausgerufen hatte, aber dennoch so sehr schmerzte, als würde ihr ein glühend heißer Speer durch den Körper fahren.
Der Dönermann legte eine seiner klobigen Hände auf ihre rechte Brust. Griff zu. Nicht doll, aber bestimmt. Und obwohl sie einen großzügig gepolsterten BH trug, der aus ihrem kleinen Busen einen etwas weniger kleinen machte, fand er ihren Nippel auf Anhieb. Was zum Teufel macht er da?!, schoss es durch ihren Kopf, als er begann, ihren Nippel mit Zeigefinger und Daumen zu bearbeiten, als versuchte er, einer vertrockneten Rosine Leben einzuhauchen. In ihr sträubte sich alles.
Sie sah sich verstohlen um. Musterte die Typen in ihrem Umkreis. Suchte abermals nach dem gleichzeitig vertrauten und verhassten Gesicht von Lars. Hielt den Berührungen ihres Tanzpartners nur stand, weil sie im richtigen Moment von ihrem Ex dabei beobachtet werden wollte.
»Wollen wir ...«, rief der Mann dicht an ihrem Ohr, sodass selbst die Musik keine Chance hatte, seine Stimme zu übertönen. In ihr lag eine animalische Gier, gepaart mit dem Lallen eines Betrunkenen. »Ähm, irgendwohin gehen?«
Er verstärkte den Druck auf ihren Nippel, während seine andere Hand den Weg zu ihrem Po fand. Sie quiekte, als er eine der Backen mit Kraft packte, als wäre er ein Löwe, der seine Krallen in die Beute schlug.
»Wohin denn?«, rief Lea als Antwort, ein leises Zittern lag in ihrer Stimme. Sie wusste, was der Mann irgendwo mit ihr vorhatte. Und sie wusste, dass sie genau aus diesem Grund hierher gekommen war. Ganz ohne Freundin als Begleitung. Allein. Ohne Flügelfrau, ohne Schutz. Nur sie und ihre Sehnsucht nach Nähe, Vergeltung und dem Gewinnen ihrer Trennung. Also nickte sie. Ließ sich vom Dönerboy von der Tanzfläche ziehen.
Sie passierten eine Bar und näherten sich einer Treppe, die in den Keller des Clubs führte. Leas Herz hämmerte schneller. Sie war zwiegespalten. Wollte einerseits fliehen, andererseits die Mission abschließen. Endlich wieder Sex haben, auch wenn sie diesen unter angenehmeren Rahmenbedingungen bevorzugt hätte. Wäre er doch nur mein Typ, grummelte sie im Stillen. Er riecht so eklig nach Knoblauch ...
Sie gingen die Stufen herunter. Mit jedem Schritt wurde die Musik dumpfer. Einige junge Frauen und Männer kamen an ihnen vorbei, lachten, redeten, schwankten. Der Geruch nach Reinigungsmitteln stieg in ihre Nase und wurde stärker. Dann stand das seltsam ungleiche Paar vor dem Eingang zur Männertoilette. Ihr Partner-in-Crime sah sich um, und als die Luft rein war, zog er Lea hinter sich her, hinein ins Männergebiet, durch einen schmuddeligen Waschraum bis hin in einen noch versiffteren ... Pissraum.
Dort gab es neben Dutzenden Pissoirs nur zwei Kabinen, von denen eine geschlossen war. Er zog sie in die Offene. Die Tür fiel knallend zu. Er verriegelte sie mit ungeschickten, alkoholgeschwächten Fingern. Dann, während ihr ein fragwürdiger Duft in die Nase stieg, drehte er sich zu ihr um. Sah ihr in die Augen. Musterte seine Beute.
Er hatte verschwitzte Haut. Braune Augen, ein paar Sommersprossen. Eine etwas zu große Nase, aber sein Mund war unerwartet schön, hatte wohlgeformte Lippen, hinter denen sich weiße Zähne andeuteten. Hätte der Alkohol ihn nicht entzaubert, so dachte Lea, wäre er womöglich ein guter Fang gewesen. In diesem Moment jedoch ...
Er kam ihr näher. Sie wich ein paar Zentimeter zurück und stieß gegen die kalte Kabinenwand. Er spitze die Lippen. Wollte sie küssen. Sie versuchte, sich darauf einzulassen, doch im letzten Moment, kurz bevor sie sich berührten, drehte sie ihren Kopf zur Seite, sodass er sich mit ihrem Hals begnügen musste. Sie atmete durch, nicht aus Lust, sondern vor Erleichterung, sich zumindest für einen Moment der Knoblauchfahne verwehrt zu haben. Dem Mann schien dies nicht zu stören. Er hatte gefallen an ihrem Hals gefunden, küsste ihre Haut und saugte sich an dieser fest. Schmerzlich erinnerte sich Lea an den Moment, als sie Lars beim Fremdgehen erwischt hatte. Auch er hatte sich an dem Hals seiner Hure festgesaugt. Wieder kam ihr der Vergleich zu Aquariumsfischen in den Sinn und ihre Lust, die ohnehin beinahe auf dem Nulllevel war, schwand weiter.
Sie spürte, wie Dönerboy den Saum ihres oberschenkellangen Kleides packte und anhob. Ihr Magen zog sich zusammen. Warum ist Rache so schwierig? Sie hätte gedacht, dass ein One-Night-Stand einfacher durchzuziehen war. Dass anonymer Sex kein Problem für sie darstellen würde. Doch jede Sekunde in dieser Toilette überzeugte sie vom Gegenteil. Sie atmete tief durch und zwang sich dazu, locker zu lassen.
Der Mann hob ihr Kleid höher, und als ihre Unterwäsche sichtbar wurde, stieß er ein animalisches Grunzen aus, das unangenehm von der Kabinenwand widerhallte. Und bevor sie sich versah, schob sich eine Hand über ihren Tanga und seine Finger legten sich auf ihre Schamlippen.
Er fummelte los. Nicht koordiniert, sondern abstrakt. Wild und tölpelhaft. Übte mal zu viel, mal zu wenig Druck aus. Fand keine ihrer erogenen Zonen. Presste sich zwischen ihre Lippen, ohne jedoch die Spur eines Funken auszulösen.
Lea biss sich auf die Unterlippe und schloss die Augen. Versuchte, sich auf die Finger zu konzentrieren. Lust zuzulassen. Dem Mann eine Chance zu geben. Sie zwang sich zu einem Stöhnen, in der Hoffnung, dass dieses ihren Motor starten würde. Vergebens. Er jedoch schien ihre Geräusche als Bestätigung für seine Taten zu verstehen. Mit dem Selbstbewusstsein eines Betrunkenen zog er ihren Tanga herunter. Er blieb auf Kniehöhe hängen. Wieder griff der Mann zu. Schob einen Finger zwischen ihre trockenen Lippen. Suchte einen Weg hinein, was ihm aufgrund der ausbleibenden Nässe schwerfiel. Merkt er denn nicht, dass meine Maschine schläft?, grübelte sie mit verschlossenen Augen. Ist er so stumpf?
»Du bist so geil«, hauchte er in ihr Ohr. Sie wünschte sich, das gleiche über ihn sagen zu können. Sein Knoblauchatem verschlug ihr die Sprache. War so aufdringlich, dass ihr Fluchtgedanke wuchs und regelrecht zu einem Drang wurde. Ihre potentielle Kerbe drohte ihr zu entgleiten. Ihr Herz krampfte traurig. Sie musste standhalten. Sich behaupten. Die Sache durchziehen. Ihren Stolz ausklammern. Und Lars somit zeigen, dass auch sie ihn verletzen konnte.
Um sich vor seinem Geruch zu retten, drehte Lea den Spieß um. Trat selbst in Aktion. Packte den Mann an der Taille und drückte ihn auf die andere Seite der Kabine. Es polterte hölzern, als er auf die Wand traf. Er sah sie zunächst fragend an, doch als sie sich im Anschluss auf die Knie sinken ließ, veränderte sich sein Blick und wich einem stumpfen Triumph.
Sie fummelte an seinem Gürtel herum und schaffte es schnell, diesen zu öffnen. Dem Gürtel folgten die Knöpfe seiner Jeans. Mit einem entschlossenen Ruck zog sie diese bis auf seine Schuhe hinunter. Seine Boxershorts spannten sich dort, wo sein Penis ruhte und auf seinen Einsatz wartete. Der Funke des Mannes war definitiv da.
Lea atmete durch und nahm all ihren Mut zusammen. Zog auch die Unterwäsche in die Tiefe. Dönerboys Gurke peitschte hervor. Gierig und geil, zu allem bereit. Sie griff zu, schloss entschlossen eine Hand um den zuckenden Schaft. Rieb dieses langsam. Er stöhnte und schloss die Augen. Lea wichste schneller, bis sie spürte, dass sich eine Hand an ihren Hinterkopf legte. Sie schluckte nervös. Sie wusste, was sie tun musste. Vom Wichsen allein würde ihr niemand eine Kerbe am Bettpfosten zugestehen. Sie hatte keine Wahl. Für den Gewinn der Trennung.
Sie näherte sich der Eichel. Öffnete den Mund. Spürte die warme Vorhaut an ihren Lippen. In ihr zog sich alles zusammen. Ihr Verstand mahnte, nein, schrie zur Flucht. Dann, völlig unerwartet, packte der namenlose Mann ihren Kopf mit beiden Händen, nahm ihr jede Wahl und stieß brutal zu. Ganz ohne Romantik, ganz ohne den Drang, es ihr angenehm zu gestalten. In ihm wohnte eine egoistische, alkoholgeschwängerte Gier, die sich in dem Ding in ihrem Mund manifestierte.
Der Penis von Dönerboy war groß, nicht übermäßig, aber so, dass er damit angeben konnte. Und diese Größe in Verbindung mit seiner wuchtigen Wollust war es, die Lea würgen ließ. Er stieß zu, zog zurück, und wiederholte es. Immer und immer wieder. Sie schmatzte, während sie darum kämpfte, die Kontrolle zurückzuerlangen. Schmeckte Salz und Haut. Der winzige Funke in ihr erlosch vollständig. Sie war so trocken wie eine Wüste. Alles in ihr sträubte sich. So war das nicht geplant!, schrie es in ihr. Mit voller Wucht entflammte ein Gedanke, der sich wie eine bittere Erkenntnis durch ihre Seele fraß: In keinem Szenario dieser Welt wollte und durfte sie so mit ihrer Trennung umgehen. Ein tiefes Gefühl der Trauer überkam sie. Vermischte sich mit schmerzlicher Demütigung. Verletzung. Zurückweisung. Scham. Ließ ihre Augen heiß brennen, während der Mann sie rammelte, ohne zu spüren, dass sie sein Spiel nicht im Ansatz erwiderte.
Sie hatte versagt. Ihr gerissener Plan, durch Sex ihren Ex bestrafen zu können, war gescheitert. Auf der Suche nach Rache und der Auferstehung ihres Sexlebens hatte sie sich auf einen Pfad begeben, den sie nicht folgen durfte, nicht folgen wollte. Sex musste sinnlich sein, heiß und leidenschaftlich. Nichts, was man in einer nach Pisse stinkenden Klokabine mit einem besoffenen Egoisten finden konnte.
Sie stieß sich entschlossen zurück. Der Schwanz glitt aus ihrem Mund. Sie sprang auf und wandte sich zur Tür.
»Hey!«, plärrte der Mann und packte sie am Arm, aber sie entwandt sich seinem Griff. Als sie es endlich geschafft hatte, die Tür zu öffnen, stürmte sie heraus und stolperte über ihren Tanga, der von ihren Knien bis zu den Knöcheln herabgerutscht war. Sie schaffte es gerade noch, sich an einem anderen Mann festzuhalten.
»Was ist nun mit uns?!«, brüllte Dönerboy ihr hinterher, der wankend aus der Kabine gestolpert kam.
»Verpiss dich!«, fauchte Lea, der es nur mit Mühe gelang, ihre Unterwäsche wieder in Position zu bringen. Als sie es endlich geschafft hatte, stürmte sie los, stieß ein paar Betrunkene zur Seite und erreichte die Treppe. Heiße Tränen brannten in ihren Augen und verschleierten ihre Sicht, während sie hinausraste, sich blind einen Weg durch die verschwitzten Leiber der Tanzenden bahnte und nach Luft schnappend dem rettenden Ausgang entgegen taumelte. Sollte Lars oder einer seiner verdammten Freunde sie jetzt, gebrochen und verheult, erblicken, wäre ihre Rache nicht nur misslungen – sie hätte endgültig bewiesen, dass sie es war, die die Trennung verloren hatte. Und das würde sie zerstören.
Ich bin eine Versagerin!, hämmerte es schmerzhaft in ihrem Schädel. Und eine Frau, die eigentlich nur geliebt und geliebt werden wollte.
3.
»... und dann bin ich abgehauen.«
Lea lag auf dem Sofa von Jenny. Sie schluchzte, während dicke Tränen ihre Augen verließen. Den Kopf hatte sie auf den Oberschenkeln ihrer besten Freundin abgelegt. Sie lag bequem – das machte es ihr leichter, über die letzte Nacht zu sprechen.
»Ich wäre auch weggelaufen«, bestätigte Jenny und streichelte einen von Leas Armen. »Sex in einer Clubtoilette ... Das ist echt ne beschissene Idee gewesen.«
»Aber was hätte ich denn tun sollen? Es war sein Vorschlag. Ich hätte es woanders auch besser gefunden. Ich wusste nicht, dass er mich ins Männerklo schleifen würde.«
»Solchen Typen ist so einiges zuzutrauen, Schatz.«
Sie seufzte und sah Lea voller Mitgefühl an. Ein wohliges Gefühl breitete sich in ihr aus. Denn jener Blick war es, der schon immer die Macht gehabt hatte, allen Schmerz und Kummer dieser Welt zu lindern. Jenny war für ihre Empathie berühmt. Auch aus diesem Grund hatte Lea sie seit der Trennung von Lars oft getroffen. Immer, wenn der Kummer überhandnahm, hatte sie Zuflucht bei ihr gesucht – und gefunden. Und so konnte man sagen, dass diese kleine, kurvige Frau mit den langen, braunen Haaren derzeit den einzigen Leuchtturm in ihrem sturmumtosten Leben darstellte.
»Ich war betrunken. Jetzt weiß ich, dass es dumm war, ihn an mich heranzulassen.«
Lea hatte Jenny zuvor alles erzählt, was in der Partynacht und mit Dönerboy passiert war. Dass sie aus Verzweiflung mit ihm schlafen wollte. Dass sie es letztlich nicht über sich gebracht hatte. Dass sie eine Versagerin war.
»Es ist nun mal passiert«, versuchte, ihre Freundin zu beschwichtigen. »Aber du hast die Situation schließlich richtig erkannt und die Reißleine gezogen.«
»Ich hatte seinen Schwanz im Mund.«
Jenny prustete lauthals los. »Ja, das hattest du!«
Lea sah sie entrüstet an. Ließ sich aber schnell anstecken und lachte mit, was komisch aussehen musste, da ihre Augen verquollen, nass und ihr Gesicht gerötet war.
»Hat er unten wenigstens besser geschmeckt, als er oben aus dem Mund gerochen hat?«
»Jen!«, quiekte sie und kniff ihrer Freundin in den Arm.
»Das ist keine Antwort! Also?«
Wieder lachten die Frauen. Lang und herzlich. Dann räusperte sich Lea. »Es ging. Nicht so schlimm, wie befürchtet. Ein wenig verschwitzt vielleicht. Aber das ist okay.«
Trotz allem formte sich ein Grinsen auf ihren Lippen. Irgendwie wurde aus der Scham langsam eine Anekdote – über die man sich noch Jahre später bei einem Glas Wein unter Freundinnen amüsieren konnte.
Jenny war unglaublich. Wie schaffte sie es nur, aus einer derart krassen Situation irgendetwas Witziges zu machen?
»Danke, dass du mir zuhörst.«
»Dafür bin ich doch da.«
Ihr Gesicht hellte sich auf – ein vertrauter Ausdruck von Zuneigung, der Lea tief im Innersten berührte. »Aber ... So richtig verstehe ich noch immer nicht, warum du dir das alles antust. Wie oft warst du jetzt auf der Pirsch und hast versucht, dir einen Typen klar zu machen? Viermal?«
»Dreimal«, korrigierte sie Lea.
»Und geklappt hat es nie«, setzte Jenny fort. »Und ganz ehrlich, das ist auch gut so. Du bist nicht der Mensch für so etwas. Du bist nicht die Frau, die fremde Kerle von den Tanzflächen zerrt und vernascht. So, wie ich dich kenne, brauchst du mehr Feuer und Romantik, um glücklich zu sein.«
Lea zischte wütend. »Und woher soll ich das bekommen? Ich habe keine Ahnung, wie das geht. Mein letztes Mal ist so lange her, dass ich mich kaum daran erinnern kann, wie es funktioniert.«
»Jetzt übertreibst du aber.«
»Vielleicht. Jedenfalls es fühlt sich so an. Lars«, beim Aussprechen seines Namens krampte ihr Herz schmerzhaft, »hat mich lange nicht an sich heran gelassen. Im Gegensatz zu ...«
»Dieser blonden Hure. Ich weiß.«
Eine kurze Ruhe entstand. Lea überlegte, wie sie Jenny am besten ihre verworrene Gefühlswelt erklären sollte. Dass sie die Kerben brauchte, um sich auf einen hohen Sockel stellen zu können. Trophäen, die ihr das Gefühl gaben, nicht das kleine, verletzte und wehrlose Häufchen Elend zu sein, für das sie sich hielt. Sie wollte sich selbst als Frau sehen, die oben mithalten kann. Außerdem sehnte sie sich danach, endlich wieder richtige Lust zu empfinden ...
»Weißt du«, begann sie langsam. »Ich möchte begehrt werden. Anständig umworben werden. Jemandem nahekommen, ihn spüren und kennenlernen. Ihn genießen. Ich will Romantik, ich will Lust, ich will ... Sex. Meine Uhr tickt, ich werde bald vierzig.«
Und das war die Wahrheit. Klar, ihr gekränktes Ego spielte eine ebenso große Rolle. Sie wollte die Trennung gewinnen. Doch wenn sie eine gute Sache aus dem Bruch ziehen konnte, dann das Wissen, dass ihr die Welt der Lust offen stand. Zumindest theoretisch. Praktisch hatte sie bei ihren jüngsten Versuchen keine Chance bekommen, was daran liegen mochte, dass sie auf der Tanzfläche eine der älteren Semester gewesen war. Sie war zweimal abgeblitzt und beim dritten Anlauf auf Dönerboy gestoßen. Dieser wollte sie zwar, aber ...
»Guten Sex findest du aber nicht um drei Uhr morgens in einem Club. Nicht, wenn du ihn erzwingst. Guter Sex lauert im Alltag. Kommt plötzlich um eine Ecke, passiert aus heiterem Himmel. Planen ist Gift für die Lust, Schätzchen. Und dein Alter spielt dabei keine Rolle.«
»Du hast gut reden«, grummelte Lea. »Du steckst nicht in meiner Haut.«
»Das hat damit nichts zu tun. Du musst dir und deinem neuen Leben Zeit geben. Du bist hübsch. Und schlau. Und ein angenehmer Mensch. Dein Glück wird kommen.«
»Bis dahin ist meine Libido vertrocknet.«
Leas Trauer schlug in Resignation und Wut um. Wut auf Lars, ihr Leben, ihren blöden Job mit den vielen Überstunden und auf alles andere.
»Ich muss mal wieder unter Leute«, murmelte sie halblaut. »Unter normale Menschen. Weit weg von Lars, seinen Kumpels und all der Scheiße. So wie du es machst.«
»So viel mache ich eigentlich gar nicht«, wunderte sich Jenny. »In letzter Zeit lasse ich es ziemlich ruhig angehen.«
»Und was ist mit deiner Verabredung heute Abend?«
»Das ist keine Verabredung. Nur ein Treffen unter Kollegen. Etwas Wein, gutes Essen und ein paar Brettspiele.«
»Klingt für mich nach einer Verabredung. Sowas würde mir auch guttun. Aber niemand hat Zeit. Mein Bruder ist im Urlaub. Meine Schwester wohnt am Arsch der Heide. Meine Kollegen sind zum Treffen zu müde. Wen wundert es. Und tja, ein Großteil meiner anderen Freunde gehören mir und Lars zusammen – die will ich gerade nicht sehen.«
Jenny sah sie verständnisvoll an und blickte ihr dabei tief in die Augen. Wollte etwas antworten, öffnete den Mund, entschloss sich jedoch anders und schwieg. Legte ihre Stirn in Falten und grübelte. Erst nach einigen Sekunden der Ruhe setzte sie abermals zum Reden an. »Komm doch einfach mit«, schlug sie munter vor. Lea sah sie misstrauisch an, denn in das Gesicht ihrer Freundin hatte sich etwas Schelmisches geschlichen, das sie verunsicherte. Macht sie sich über mich lustig? Lädt sie mich nur aus Höflichkeit ein und geht eigentlich davon aus, dass ich nein sage?
»Ach, quatsch. Ich passe nicht zu euch.«
Jenny grinste. »Wieso das?«
»Na ja ... Du und deine Kollegen ...«
Lea hatte etwas auf der Zunge, das sie nicht aussprechen wollte. Denn die Kollegen ihrer Freundin waren ... speziell. In diese Schublade hatte sie sie zumindest gesteckt. Und das lag an der Branche, in der sie allesamt arbeiteten.
»Was ist mit meinen Kollegen?«
»Nun ... nichts.«
»Nur weil wir aus der Pornobranche kommen, sind wir keine Untermenschen.«
Jenny klang plötzlich ernst, was Lea einen unangenehmen Schauer bescherte, der ihr den Rücken hinunterfloss.
»Nein, nein!«, versuchte sie, zu beschwichtigen. »So meinte ich das nicht! Ich dachte nur, dass ich ... so gar nicht zu euch passe.«
»Schätzchen«, sagte Jenny leise, legte ihren Kopf quer und schenkte ihr ein einnehmendes Lächeln. »Wir sind ganz normale Menschen. Mit Jobs, die vielleicht etwas mit dem Stand innerhalb unserer Gesellschaft kämpfen. Mal anders: würdest du sagen, dass ich seltsam bin?«
Das war sie definitiv nicht, dachte Lea. Ihre beste Freundin war nicht nur ein normaler Mensch, sondern ein fantastischer obendrein. Auf Anhieb fiel ihr niemand ein, der es in puncto Güte, Herzlichkeit und Mitgefühl mit ihr aufnehmen konnte.
»Es tut mir leid«, sagte sie kleinlaut. »Das war dumm von mir. Aber trotzdem. Ich kenne ja niemanden von ihnen.«
»Du kennst alle aus meinen Erzählungen.«
Auch das stimmte. Jenny plauderte gerne aus dem Nähkästchen und machte dabei vor privaten und beruflichen Inhalten keine Scheu. Erst recht aus diesem Grund dachte Lea, dass sie unter Jennys Freunden, beziehungsweise, Kollegen nichts zu suchen hatte.
»Komm doch einfach mit. Wir treffen uns nachher bei Silvana. Es gibt Sushi und Wein. Viel Wein. Du wirst merken, wir sind eine lustige Runde.«
Wieder lächelte Jenny schelmisch und verunsicherte Lea nur noch mehr. Aber irgendwie stand ihr der Sinn tatsächlich nach Abwechslung. Ein Zeitvertreib, der ihre Sorgen, Gelüste und Nöte zumindest für einen Abend aus ihrem Kopf verdrängen konnte. Und ja, die Aussicht auf Sushi und Wein waren ebenfalls gute Argumente. Sehr gute sogar.
»Meinst du wirklich?«
Jenny nickte begeistert. »Das meine ich. Also?«
Lea schwieg einen Moment, ließ den Blick über den Couchtisch wandern und rang mit sich. Eigentlich wollte sie abermals in Richtung Reeperbahn aufbrechen, um in einen der dortigen Clubs nach einer potentiellen Nachtbekanntschaft zu suchen. Und das trotz der schlechten Erfahrungen vom Vortag und das Erreichen ihres seelischen Tiefpunktes. Doch das durfte sie nicht tun. Ihr Vorhaben glich einer gezielten Selbstzerstörung. Das wurde ihr just in diesem Moment bewusst und sie ekelte sich vor sich selbst. Sie schluckte, während ihr Magen rumorte. Vor einer solchen Zerstörung musste sie sich schützen.
»Okay. Ich komme mit.«
Jenny grinste über beide Ohren. »Das freut mich sehr! Du wirst merken, dass wir ein echt cooler Haufen sind und ich wette, morgen früh geht es dir um einiges besser.«
Etwas in Jennys Stimme ließ Lea aufhorchen. Sie klang euphorischer und frecher als sonst. Leas Brauen zogen sich zusammen, während sie das Gesicht ihrer Freundin nach Hinweisen absuchte. Doch diese fand sie nicht, denn Jenny stand auf, ging durch das Wohnzimmer und nahm ihr Smartphone auf, das an einem Ladekabel hing.
»Ich sage Silvana Bescheid, dass sie mehr Sushi einplanen muss. Beim Wein hingegen brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, davon hat sie immer mehr als genug.«
4.
»Hier wohnt sie also?«, fragte Lea und legte den Kopf in den Nacken. Sie sah an einer Fassade aus rotem Klinkerstein empor, die mehrere Stockwerke umfasste und vor Jahrzehnten einst eine Art Fabrik oder dergleichen beherbergt haben musste. Das Gemäuer war in regelmäßigen Abständen von sichtbaren Stahlträgern durchzogen. Raumhohe Fenster und ein alter Flaschenzug an oberster Stelle unterstrichen den Industrie-Charme des Gebäudes.
»Jupp«, antwortete Jenny, die sich in ein grünes Sommerkleid geworfen hatte, das mit einem für sie ungewohnt großzügigen Ausschnitt tief blicken ließ. »Ganz oben. Im größten Loft.«
Lea bemerkte die Eingangstür, ein zweiblättriges Monster aus dunklem und vernieteten Stahl, auf dessen rechter Seite neben gleichfarbigen Briefkästen goldene, auf Hochglanz polierte Namensschilder prangten. Und tatsächlich, an oberster Stelle, stand in eleganten Lettern der Name Silvana Martens geschrieben. Und während es in jeder Etage mindestens zwei oder drei Wohnungen gab, hatte Jennys Freundin das Obergeschoss für sich alleine. Prompt fiel ihr das ein, was sie über ihre Gastgeberin berichtet hatte: Sie verdiente, mit dem, was sie tat, eine Menge Geld.
Als die Frauen das Gebäude und kurz darauf den Fahrstuhl betraten, glitt dieser geräuschlos in die Höhe, während im Innenraum, der von Spiegelflächen eingefasst war, leise Musik spielte.
Lea betrachtete ihr Spiegelbild. Sie trug ein figurbetonendes, beiges Etuikleid, das horizontal mit braunen Streifen ausgestattet war. Es ging ihr bis kurz übers Knie und betonte ihre schlanke Statur, was ein schmaler, schwarzer Gürtel auf Taillenhöhe nur noch mehr unterstrich.
»Bin ich overdressed?«, fragte sie besorgt und drehte sich so, dass sie ihre Seiten betrachten konnte. Jenny schnaubte amüsiert und schnippte mit den Fingern.
»Quatsch. Du siehst klasse aus.«
Als der Fahrstuhl die oberste Etage erreichte, erklang eine feine Melodie. Die Türen fuhren zur Seite und gaben den Weg zu einem Flur frei, der mit einem breiten, grauen Läufer ausgestattet war. Filigrane, goldene Fäden durchzogen den Stoff und erzeugten ein geometrisches Muster, das den noblen Eindruck des industriellen Altbaus weiter bezeugte. Wenn sich diese Optik auch in Silvanas Wohnung fortsetzte, so dachte Lea, musste sie in der Tat gutes Geld verdienen. Alles in diesem Gebäude schrie nach Eleganz und Luxus – dabei hatten sie gerade erst einen Flur betreten.
Mit jedem Schritt, den sie auf die Wohnungstür zugingen, schlug Leas Herz schneller. Ja, sie sehnte sich nach menschlicher Gesellschaft, Spaß und Ablenkung, doch plötzlich überkamen sie Zweifel. Was, wenn sie mich nicht mögen? Was, wenn ich ihnen zu spießig bin? Ich mache Überweisungen. Sie drehen Filme, ganz Spezielle sogar. Was, wenn ich hier völlig fehl am Platz bin? ...
Aus der Wohnung erklang munteres Gelächter. »Wir sind nicht die ersten«, freute sich Jenny. Sie wandte sich ihrer Freundin zu und sah sie mütterlich an. »Bist du bereit?«
Lea zuckte mit den Schultern und nickte zögerlich. »Ich denke schon.«
»Nicht vergessen«, setzte Jen fort und legte dabei eine künstliche, mahnende Stimme auf. »Wir beißen nicht. Es sei denn, du willst es.«
Sie zwinkerte. Lea hingegen wusste nicht, ob sie lachen oder das Gesagte ignorieren sollte. Ihre Worte hatten wieder den gleichen euphorisch-frechen Klang wie Stunden zuvor, als es um die Abendplanung ging. Und dieser war es, der ihre Verunsicherung nährte wie trockenes Heu ein prasselndes Feuer.
Jenny betätigte den Klingelknopf. Melodische Töne drangen aus den schweren Türflügeln, die Stimmen erstarben. Jetzt war es nur noch ihr Herzschlag, den Lea hören konnte.
Die Sekunden verstrichen. Dann klackte es metallisch und die Tür öffnete sich. Eine gut gebräunte Frau mit pechschwarzen Haaren, die wie Wasser über ihre Schultern liefen, trat in den sich öffnenden Spalt. Lea stockte der Atem, als sie augenblicklich von ihrer Aura in Beschlag genommen wurde.
»Hi!«, begrüßte sie die beiden voller Begeisterung. Sie umarmte erst Jenny, dann gab sie Lea die Hand. »Ich bin Silvana.«
»Lea«, antwortete sie schüchtern und und kam nicht umhin, ihre Gastgeberin zu mustern. Diese trug ein figurbetonendes, pechschwarzes Kleid, dessen Saum an Wellen erinnerte. Es schrie nach purer Weiblichkeit und Eleganz, was durch den hochgeschlossenen Neckholder-Ausschnitt und ihren freien Rücken sinnlich unterstrichen wurde.
Alles in Lea schrie wow. Eine solche Frau hatte noch nie vor ihr gestanden. Ihre Ausstrahlung, die Optik, die mehrfach gepiercten Ohren und das von einem feurig roten Lippenstift eingefangene Lächeln strahlten absolutes Selbstvertrauen aus. Sie hingegen war im Vergleich dazu ein Mauerblümchen. Und diese Frau dreht Pornos? Sie sieht eher aus, wie die Geschäftsführerin eines großen Unternehmens.
»Hereinspaziert. Fühlt euch wie zuhause.«
Die Freundinnen folgten Silvana in ihr Loft, das aus einem riesigen, wirklich unerhört großen Wohnraum bestand. Lea klappte der Mund auf, als sie die Möbel und Einrichtungsgegenstände entdeckte. Skulpturen und kunstvoll-erotische Büsten waren an mehreren Stellen zu finden. Eine freistehende Küche aus hellem Naturholz und einer dunklen Marmorarbeitsplatte befand sich in direkter Nähe zu einer U-förmigen Couchgarnitur aus weißem Stoff, vor der ein abartig großer Fernseher an einer der wenigen Wände angebracht war. Von der Rückwand des monströsen Raumes gingen drei Türen ab, zwischen denen Leinwände mit Zeichnungen von nackten Männern und Frauen hingen. Alles in allem war Lea sich schnell im Klaren, dass Silvana nicht nur gutes Geld verdiente, sondern dieses in ihr Zuhause investierte. Und obwohl sie die Fremde in diesem Loft war, vermittelte es direkt das Gefühl, jeden Besucher sofort in sein Herz schließen zu wollen.
»Deine Wohnung ... dein Loft. Einfach wunderschön.«
Es klang unbeholfen, das wusste Lea. Und doch hatte sie das Bedürfnis, der Frau mit den spanischen Wurzeln, jenes Kompliment auszusprechen. Silvana drehte sich zu ihr um und lächelte breit. »Danke! Das höre ich gerne.«
Erst in diesem Moment, als sich das Trio der Couch näherte, fielen Lea die anderen Personen auf, die sich auf dem Sitzmöbel niedergelassen hatten und nun aufstanden, als sie es erreichten. Jenny begrüßte die sie allesamt mit herzlichen Umarmungen, während Lea ihr treudoof hinterherdackelte und Hände schüttelte.
Zuerst war da Florian, offensichtlich der einzig anwesende Mann. Er war ungefähr Mitte dreißig, hatte ein sportliches Aussehen, trug eine schlichte Chinohose und ein beiges Poloshirt. Er hatte einen kräftigen, aber angemessenen Händedruck. Jennys Chef. Pornoproduzent. Einer, den man nicht auf Anhieb als solchen erkannte, überlegte Lea. Sie hätte ihn sich etwas schmieriger vorgestellt, getreu sämtlicher Vorurteile seiner Branche.
Nach Florian wurde sie von Lara begrüßt, einer kleinen, rothaarigen Frau mit gesund gebräunter Haut und einer flippigen Ausstrahlung, gekleidet in einem schwarzen Rock und einer weißen Bluse. Sie war Darstellerin, wenn sich Lea richtig an Jennys Aufklärung zuvor erinnerte. Und eine Erfolgreiche dazu. Als letzte stellte sich Melissa vor, eine Frau, die Lea in ihrer Statur auffallend ähnelte, nur dass sie etwas größer war. Sie hatte blondes, zu einem Dutt gebundenes Haar und steckte in einer High-Waist-Jeans, die ihre Beine umschloss wie eine zweite Haut. Darüber trug sie ein dunkles Sweatshirt.
Von Melissa wusste Lea, dass sie das jüngste und neueste Mitglied im Kreis von Jennys Clique war. Und irgendwie hatten sie und die rothaarige Lara eine Art partnerschaftliche Beziehung miteinander, auch wenn laut Jen niemand richtig verstand, wie tief diese eigentlich ging.
Obwohl Lea ihren Namen beim Händeschütteln verkündet hatte, hatte Jenny sich offenbar auf die Fahne geschrieben, ihrerseits eine kleine Vorstellung ihrer besten Freundin abzuhalten.
»Sie hat es zwar schon gesagt, aber das hier ist meine liebe Lea. Fast vierzig Jahre alt, Angestellte einer Bank und seit kurzem getrennt. Sie braucht unbedingt gute Gesellschaft und ich glaube, dass wir ihr dabei helfen können, zumindest für einen Abend ihren beschissenen Fremdgänger-Ex aus ihrem Kopf zu verdrängen.«
Lea lief puterrot an. Sie hasste diese Art der Aufmerksamkeit. Und immer dann, wenn sie unbeabsichtigt im Mittelpunkt stand, kompensierte sie ihre Unsicherheit mit tollpatschigem Humor. »Ne Pulle Wein wirkt dabei wahre Wunder.«
Kaum hatte sie ausgesprochen, wurden ihr zwei Flaschen vor die Augen gehalten. Silvana grinste sie aus roten Lippen verrucht an.
»Rot oder weiß?«
»Ähm ...«
»Du musst wissen, dass Wein das Spezialgebiet von Silvana ist«, erklärte Florian grinsend. »Quasi ihre Berufung. Keiner geht hier durstig nach Hause.«
Die Frauen kicherten. Lea betrachtete die Etiketten, deren Aufdrucke ihr zwar nichts sagten, aber den Anschein erweckten, als wären die Flaschen teurer als das, was sie üblicherweise gewohnt war.
»Den Weißen, bitte.«
Ihre Gastgeberin zwinkerte ihr zu und kehrte zur Kochinsel zurück, wo ungenutzte Weingläser auf neue Besitzer warteten. Kaum eine Minute später hatte sie eines davon in der Hand und nippte an der Flüssigkeit. Der Wein schmeckte gut, war fruchtig, aber nicht zu süß und passte zum Sommertag, der hinter den Fenstern mit schwindendem Licht allmählich sein Ende verkündete.
Jenny verwickelte sich in ein Gespräch mit ihrer Clique, die auf der Couch platzgenommen hatte. Lea hörte gewissenhaft zu und versuchte, sich peu à peu ein Bild von den Menschen zu machen, mit denen ihre Freundin einen Großteil der Arbeitszeit verbrachte. Schnell verstand sie, warum sie von ihrem Chef Florian so angetan war. Er hatte eine auffallend angenehme Ausstrahlung und ließ die Tatsache, dass er ihr Gehalt bezahlte, in keiner Weise heraushängen. Im Gegenteil. Stets betonte er, wie wichtig Jenny für seine Arbeit und sein Label sei. Er nannte sie Partnerin, nicht Angestellte.
Lea lag so viel auf der Zunge, was sie wissen wollte, doch traute sie sich nicht, als Neuling zu intime Dinge zu fragen. Wie bist du dazu gekommen, Pornos zu produzieren? Macht es dich an? Machst du manchmal mit?
Auch Lara und Melissa waren interessant. Nicht nur, weil sie den irren Mut aufbrachten, sich und ihre Körper für Sex zu verkaufen, sondern auch, weil sie keinen Hehl aus ihrer Bisexualität machten. Sie saßen dicht zusammen, hielten sich an der Hand und warfen sich unregelmäßig vielsagende Blicke zu. Vor allem die blonde Melissa schien dabei besonders berührungsfreudig zu sein. Stets hatte sie eine oder beide Hände an Laras Armen oder Schultern. Einmal schnupperte sie am Hals ihrer Partnerin und mehrfach legte sie ihren Kopf an ihr ab. Sie wirkte wie ein Teenager, der zum ersten Mal so richtig verliebt war.
Die mit Abstand beeindruckendste Person im Raum war Silvana. Ihre Haltung und Ausstrahlung verrieten eine Frau, die Herzlichkeit mit souveräner Autorität vereinte. Niemand schien ihre Stellung in der Clique zu anzuzweifeln und jeder akzeptierte, dass ihre Meinung im Zweifel etwas schwerer wog. Sie machte den Eindruck, als wüsste sie genau, was sie wollte, und hatte die Fähigkeit, ihre Bedürfnisse konsequent umzusetzen. Als die Halbspanierin aufstand, um das angekündigte Sushi herzurichten, gab sich Lea einen Ruck und bot zusammen mit Jenny ihre Hilfe an.
So holten die drei Frauen mehrere Tabletts aus dem Kühlschrank und befreiten diese von der Frischhaltefolie. Das Essen, das Silvana im Verlauf des Tages selbst zusammengestellt hatte, sah unfassbar gut aus. Als ihr Telefon plötzlich klingelte und sie für einen Moment ans andere Ende des Lofts ging, nutzte Jenny die Chance. »Wie gefallen sie dir?«, fragte sie flüsternd. Lea lächelte ehrlich.
»Sie sind ganz nett, glaube ich. Und interessant.«
»Also keine perverse Untermenschen-Truppe?«
»Oh Gott – das habe ich nie behauptet!«
Ihre Freundin überhörte sie. »Absolute Normalos, nicht wahr?«
Sie verdrehte die Augen. »Absolute Normalos.«
Jenny lachte und Lea, in deren Körper sich nach dem ersten Glas allmählich ein leichter Schwips einstellte, grinste zufrieden. Es war die richtige Entscheidung gewesen, ihre Freundin zu begleiten. Wein, gutes Essen und interessante Leute – genug Stoff, um die Realität für ein paar Stunden auszublenden.
»Aber ich habe noch so viele Fragen«, überlegte sie und nickte in Richtung der Couch.
»Schieß los.«
»Wie lange kennt ihr euch?«
»Alle hier?«
»Ja.«
»Keine Ahnung. Silvana recht lange, sie war eine der ersten Darstellerinnen, die Florian gebucht hatte, nachdem er sein Label ins Leben gerufen hatte. Das war vor ... Über fünf oder sechs Jahren.«
»Und Lara und Melissa?«
»Lara kennt Florian schon länger, er hatte sie, als er noch Kameramann war, das eine oder andere Mal vor der Linse. Ich kenne sie dann erst seit Labelstart. Und Melissa ist recht neu im Business. Kam vor ein paar Monaten dazu.«
»Hat sie schon viele Filme gedreht?«
»Hm. Kann man so sagen. Knapp über zehn dürften es jetzt sein.«
»Alle bei euch?«
Jenny nickte. »Jupp, sie hat bei uns einen Exklusivvertrag.«
»Und sie und Lara sind ein Paar?«
»Ja. Sie kennen sich schon seit Kindertagen. Waren lange beste Freunde. Aber in den letzten Monaten schien es kräftig gefunkt zu haben. Was die beiden mittlerweile machen, ist mit normaler Freundschaft nicht zu vergleichen.«
Leas Neugierde nahm immer mehr Fahrt auf.
»Okay. Und Silvana? Sie ist doch bestimmt eine Domina, oder?«
Jenny prustete los, was einige Köpfe der Anwesenden in ihre Richtung schnellen ließ.
»Nein, nein!«, flüsterte sie unter vorgehaltener Hand. »Nicht im Geringsten. Aber sie weiß ihre Dominanz in ihren Filmen einzubauen.«
»Und wie ist sie ...«, Lea ließ einen vielsagenden Blick durch den Raum gleiten. »So reich geworden? Nur durch Pornos?«
»Nö. Das mit dem Drehen macht sie aus Leidenschaft. Ihr Geld verdient sie mit anderen Dingen.«
»Zum Beispiel?«
»Sie bietet Date- und Sexcoachings an.«
»Häh?«
»Na ja. Brauchst du Hilfe in Sachen Liebe oder Sex – call Silvana. Willst du im Bett besser werden – ruf sie an. Fehlt dir eine gute Technik, um deinen Partner in Ekstase zu versetzen – sie ist deine Lehrerin.«
»Krass ... Leute schlafen mit ihr und sie bringt ihnen bei, wie es richtig geht?«
»So in der Art. Und außerdem hat sie einen Onlinehandel für Schmuck und dergleichen. Alles in allem ist sie sehr umtriebig. Und wie du siehst, scheint es sich zu lohnen.«
»Was scheint sich zu lohnen?«
Silvana war zu ihnen zurückgekehrt und sah ihre Gäste erwartungsvoll an.
»Ich habe Lea von deinen Jobs erzählt.«
Leas Herz holperte. Musste Jenny das verraten? Was, wenn Silvana sie nun für neugierig hielt? Aber diese ließ sich nichts anmerken – doch in ihrem Blick blitzte ein Wissen auf, das Lea verlegen machte.
»Mach dir keine Sorgen, ich habe keine Geheimnisse. Ich bin stolz auf das, was ich tue.«
Im Anschluss daran wurde gegessen. Und Wein getrunken. Und geredet. Und Wein getrunken. Und dann gab es – Wein. Lea fühlte sich gut. Hatte etwas im Magen und ein wohliges Drehen im Kopf, als hätte der Abend einen warmen Filter bekommen. Das mit Abstand beste war jedoch, dass die Clique sich auf sie einließ. Die Pornobuddies, wie sie die Gruppe im Geheimen nannte, fragten sie nach ihrem Beruf. Ließen sie erklären, warum ihre Arbeit derzeit keinen Spaß machte. Als ihre Trennung Thema wurde, war sie selbst verwundert darüber, wie offen sie über das sprach, was in den letzten Wochen passiert war. Die Gruppe schien sich ehrlich für sie zu interessieren – und das tat ihr unendlich gut. Ihr Herz füllte sich mit einer Wärme, die sie seit längerer Zeit nicht mehr gespürt hatte. Ob dies am Alkohol oder an den Gesprächen lag, wusste sie nicht. Was sie definitiv wusste war, dass all ihre Vorurteile bezüglich der Pornoindustrie bröckelten. Sie saß eindeutig normalen Menschen gegenüber. Menschen, die nur etwas anders mit Sex umgingen, als sie selbst.
Als Lea plötzlich mit Melissa allein auf der Couch saß – die anderen bauten das Sushibuffet ab – begann die junge Blondine, ungefragt über ihren Job zu reden. Sie berichtete darüber, wie aufgeregt sie noch immer ist, wenn das rote Lämpchen der Kamera zu blinken beginnt. Wie sehr sie die Drehs aber genießt, da sie stets neue Dinge lernt. Und vor allem, weil sich die Grenzen ihrer Lust stetig verschieben und neu aufstellen.
»Diese Freiheit will ich nie mehr aufgeben«, schwärmte sie. Lea, die nicht nur Zuhören, sondern aktiv am Gespräch teilnehmen wollte, fasste ihren Mut zusammen und stellte ihre erste, intime Frage. »Drehst du ... mit beiden Geschlechtern? Oder nur mit Männern?«
Melissa grinste. »Mit beiden. Zuerst nur mit Frauen, weil ich mich anders einfach nicht getraut habe, aber mittlerweile ...«
Sie kaute auf ihrer Unterlippe und sah Lea tief in die Augen. »Silvana war meine erste Drehpartnerin. Vorher hatte ich nur mit Toys herumgespielt.«
»Oha«, antwortete sie. »Und ... wie ist es so, also, mit einer Frau?«
Diese Frage hatte sich Lea schon oft gestellt. Sie hatte sich zwar nie zu dem eigenen Geschlecht hingezogen gefühlt, aber trotzdem ... Nachfragen kosteten nichts.
»Weicher«, antwortete Melissa schnell. »Irgendwie tiefergreifender. Und echter. Ganz anders, als mit einem Mann.«
»Also besser?«
»Nein, das würde ich nicht sagen. Anders halt. Mit Kerlen ist es rauer. Aber auch das ist klasse. Wenn man bi ist, hat man den Luxus der Wahl.«
Lea dachte nach. Daran könnte etwas Wahres sein, vermutete sie.
»Es ist wie bei einem Buffet. Man nimmt sich das, was man möchte. Es gibt keine Grenzen. Und das habe ich zu lieben gelernt. Vor einem Jahr noch hätte ich mich für das, was ich gerade gesagt habe, kritisch hinterfragt.«
»Hm«, machte Lea. Etwas in ihr beneidete ihre Gesprächspartnerin um ihre Freiheit. Die anderen Gäste und Silvana stießen wieder zu ihnen. Eine muntere Unterhaltung entstand, die Zeit verstrich. Draußen wurde es dunkel und schließlich war die Sonne ganz verschwunden. Die Gruppe begann, das eine oder andere Spiel zu spielen. Es wurde geraten, vorgetragen, pantomimisch dargestellt und gelacht. Der Wein floss, die Schüchternheit von Lea schmolz. Schon bald fühlte sie sich, als würde sie seit längerem Bestandteil dieser Clique sein.
5.
»Wie wäre es mit Wahrheit oder Pflicht?«, fragte Silvana und stellte einen roten Pappkarton auf den Tisch. Sie faltete das darin verborgene Spielfeld auf – ein großer Kreis, unterteilt in bunte Felder. Routiniert verteilte sie Spielfiguren, für jeden Gast eine. In den Mittelteil des Runds wurden zwei Kartenstapel gelegt. Wahrheits- und Pflichtkarten, je rot und blau. Lea fiel auf, dass die Felder drei verschiedene Farben hatten.
»Das Spiel ist einfach«, sagte Silvana direkt zu ihr. Die anderen schienen es bereits zu kennen. »Du würfelst und schiebst deine Figur vor. Die Farbe des Feldes verrät, was zu tun ist. Entweder ziehst du eine Wahrheitskarte oder eine, die eine Aufgabe bereithält.«
»Und das weiße Feld?«
»Dieses bedeutet nichts. Also quasi keine Aktion. Eine Leerrunde.«
Plötzlich zückten alle ihre Handys und scannten einen QR-Code, der auf dem Spielfeld abgebildet war.
»Scann bitte den Code. Der ist wichtig für die Punktevergabe.«
Lea tat dies. Auf ihrem Smartphone baute sich eine Seite auf, die sie dazu aufforderte, ihren Namen einzugeben. Gesagt, getan. Im Anschluss erschien eine Tabelle mit all den anderen Teilnehmern, deren Punktestände bei null standen.
»Wenn du eine Aufgabe löst, gebe ich dies als Spielleiterin ins System ein. Dann bekommst du einen Punkt. Sollte die Gruppe der Meinung sein, dass du die Challenge ganz besonders gut gelöst hast, erhältst du einen Bonuspunkt. Wenn du eine Herausforderung nicht lösen möchtest, ist das nicht schlimm. Ist dann halt ne Nullrunde. Wie man das Spiel letztlich gewinnt, brauche ich dir nicht zu erklären.«
»Ich denke, nicht«, lachte Melissa. »Die meisten Punkte bringen den Pokal.«
Silvana nickte und zeigte ihr eine der Spielkarten. Statt Text enthielt diese ebenfalls einen QR-Code zum Scannen. »Die Aufgaben erscheinen auf deinem Smartphone. Alle anderen können sie auf ihren Geräten ebenfalls sehen. Manchmal sind Schätzfragen dabei. Das beinhaltet dann eine Community-Aktion. Aber dazu später mehr, wenn es so weit ist.«
»Worum geht es in diesem Spiel? Das klassische Wahrheit oder Pflicht, oder wie soll ich es verstehen?«
Leas Frage stand ein paar Sekunden lang im Raum. Sie bemerkte, wie sich die einzelnen Teilnehmer Blicke zuwarfen, die sie nicht deuten konnte. Sie sah Jenny an, die wieder den schelmischen Ausdruck im Gesicht hatte, den Lea an diesem Tag schon mehrfach bei ihr gesehen hatte. Erneut beschlich sie das Gefühl, dass ihre Freundin etwas wusste, das ihr bis dahin verborgen geblieben war.
»Irgendwie ja. Nur aufgepeppter. Und die Intensität der Aufgaben und Fragen steigert sich im Spielverlauf. Nach zwei Stunden endet es.«
»Aufgepeppter?«
»Ist zu umständlich, um es zu erklären«, wich Silvana aus. »Du wirst es gleich sehen. Also bist du dabei?«
Lea spürte, wie alle Augen auf ihr lagen. Sie errötete. »Öhm, klar. Warum nicht?«
Die Spielleiterin lächelte zufrieden. »Na dann. Wer fängt an?«
»Immer die Neuen«, erinnerte sie Lara an eine scheinbar uralte Gesellschaftsspielregel. Zustimmendes Gemurmel erhob sich. Silvana schob Lea mit einem Grinsen den Würfel zu.
Lea seufzte und warf ihn – eine Drei. Ihre Figur landete auf einem weißen Feld. Puh!, dachte sie und war froh darüber, nicht als erste etwas performen zu müssen. Der Würfel ging an Melissa, die neben ihr saß. Diese erzielte eine Eins.
»Minischritte«, murmelte sie und schob ihre Figur auf ein rotes Feld. Routiniert scannte sie die Karte, die sie vom Stapel hob. Leas Smartphone vibrierte und Melissas Frage leuchtete auf ihrem Bildschirm und denen der anderen auf.
Wann hattest du deinen letzten Kuss?
»Ha! Das ist einfach«, freute sich Melissa und warf Lara einen verliebten Blick zu. »Vor fünf Minuten.«
Silvana tippte etwas in ihr Gerät und schon veränderte sich die Punktetabelle. Melissa stand mit einem Punkt an oberster Stelle.
»Siehst du, Lea«, begann die Spielleiterin zu erklären. »So einfach ist das. Und hätte sie uns etwas mehr über diesen Kuss erzählt, hätte sie die Chance auf einen Bonuspunkt gehabt.«
Lea nickte. Das Spiel war genauso, wie sie es aus Jugendtagen in Erinnerung hatte. Nur etwas moderner. Sie nippte an ihrem Wein. Das würde lustig werden.
Lara würfelte eine Sechs und schob die Figur vor.
»Eine Pflichtkarte«, kommentierte Jenny und klatschte in die Hände. Wenige Sekunden später leuchtete Laras Aufgabe auf den Displays auf.
Stehe auf und drehe dich langsam um dich selbst. Lass die Mitspieler sehen, mit wem sie es zu tun haben.
Die Rothaarige erhob sich – langsam, betont. Ihre Hüften kreisten, ihre Haare schwangen im Takt. Als sie sich drehte, präsentierte sie ihren Hintern mit einem spielerischen Klaps. Der Produzent pfiff leise durch die Zähne, Jenny warf ihr eine Kusshand zu, Melissa klatschte.
»Bonuspunkt?«, fragte Silvana in die Runde. Florian protestierte.
»Für einen solch mickrigen Klaps willst du Extrapunkte verteilen?«
Eine kleine, wenig ernste und neckische Diskussion entstand. Am Ende bekam Lara ihre beiden Punkte und übernahm die Führung in der Tabelle. Florian und Silvana kamen im Anschluss auf weißen Feldern zum Stehen. Jenny hingegen zog daraufhin eine Pflichtkarte.
Gebe der Person rechts von dir einen Kuss auf die Wange.
Oh!, dachte Lea, die sah, wie sich Silvana, die in besagter Position saß, grinsend aufrichtete. Sie beobachtete gespannt, wie ihre beste Freundin reagieren würde. Sie traute Jenny diesen Kuss irgendwie nicht zu, dafür war sie zu brav, doch als diese sich zu der Spanierin beugte, wurde sie eines Besseren belehrt. Sie spitzte die Lippen, während ihre Gastgeberin die Wange spielerisch präsentierte. Dann küsste sie Silvana tatsächlich. Kurz, aber echt.
»Dein erster Punkt«, kommentierte die Geküsste und tippte etwas auf ihr Gerät. Unterdessen warf Jenny Lea einen geheimnisvollen Blick zu, den sie nicht deuten konnte. »Lea, du bist dran.«
Die Angesprochene schluckte und warf. Der Würfel holperte über den Tisch und präsentierte eine Vier.
»Pflicht!«, freute sich Florian.
»Oh je.« Sie seufzte. Nervös griff sie nach einer Karte und scannte den Code. Sie hatte keine Angst vor dem, was da kommen würde. Die Aufgabe würde sie sicherlich stemmen können. Und doch hatte sie Bammel davor, vor der neuen Gruppe etwas machen zu müssen. Auf ihrem Display erschien ein Text.
Sieh der oder dem Spieler links von dir in die Augen. Streichel dessen Wange für zehn Sekunden.
Leas Herz machte einen Satz. Das war dann doch intimer, als sie es erwartet hatte. Sie wandte sich zur Seite. Melissa hatte die Beine übereinandergeschlagen, ihre Hand ruhte lasziv auf dem Oberschenkel – bereit, jede Berührung willkommen zu heißen. Lea schluckte nervös. Sah sich um. Alle Blicke lagen auf ihr. Sie bemerkte, wie Jenny ihr aufmunternd zunickte, wieder das schelmische Grinsen auf den Lippen.
Die Erinnerung, dass dieses Spiel sich laut Silvana in seiner Intensität erst noch steigerte, flog durch ihren Kopf. Mit einem Mal wurde Lea klar, dass dieser Contest mehr war als ein simpler Abklatsch eines Teenagerspiels. Dass das Game eindeutige Charakterzüge einer Erwachsenenaktivität mit sich brachte. In diesem Moment begriff Lea Jennys schelmisches Grinsen. Das hier war kein harmloser Spieleabend – es war der Auftakt zu etwas, das sie über alle Maße hinaus fordern würde.
6.
In Leas Kopf überschlugen sich die Gedanken. Jenny, die doofe Nudel! Warum lässt sie zu, dass ich in ein solches Spiel einbezogen werde?
Die Antwort darauf kam ihr selbst: weil sie persönlich darum gebettelt hatte. Zumindest indirekt. Sie hatte ihrer besten Freundin so sehr mit dem Thema Wunsch nach Sex und neuer Lust in den Ohren gelegen, dass diese nur einen Ausweg sah – nämlich den, sie in die Welt ihrer Freunde einzuführen.
Lea sah Melissa an, die ihren Blick erwartungsvoll erwiderte.
»Du musst es nicht machen«, erklärte Silvana. »Kein Zwang, alles ist freiwillig. Du bist neu in unserer Gruppe. Wir geben dir gerne Zeit, dich an das Spiel zu gewöhnen.«
Lea kaute auf ihrer Unterlippe. »Wie ... Wie weit geht das Spiel ...?«
»So weit, wie du es möchtest«, antwortete Florian. »Es soll dich nicht quälen, es soll Freude bringen. Wenn es dir unangenehm ist, gucke nur zu. Die Punkte sind am Ende ohnehin unwichtig. Was zählt, ist der Spaß.«
»Und das sich einfach fallen lassen«, fügte Lara hinzu. »Und so, wie ich dich verstanden habe, ist es genau das, was du brauchst.«
Damit hatte sie recht, dachte Lea. Aber so unkompliziert war das nicht. Sie hatte ein ganz wichtiges Detail vergessen: Die versammelte Runde war erfahren darin, Intimität öffentlich zur Schau zu stellen, sie selbst jedoch nicht.
»Ich beiße nicht«, flüsterte Melissa zärtlich und holte sie aus ihren Gedanken. In ihren Augen lag die absolute Ehrlichkeit. Nicht, dass Lea wirklich erwartet hätte, von ihr gebissen zu werden – trotzdem taten ihre Worte gut. Plötzlich schaltete sich Jenny ein, dicht bei ihr und mit ruhiger Stimme.
»Ich weiß, dass dich das jetzt überfordert. Aber ich habe dich nicht ohne Grund hierher gebracht. Ich kann dir nur ans Herz legen, uns und dem Spiel eine Chance zu geben. Wenn dir das gelingt, wird es der womöglich beste Abend deines Lebens.«
Lea schluckte. Ihr Blick glitt zu Jenny, dann zu Melissa. Wahrscheinlich hatte sie wirklich recht. Schlimmer als das, was ihr die letzten Wochen mitgegeben hatten, würde es schon nicht werden. Vielleicht ... Aber auch nur vielleicht, würde es ihr tatsächlich guttun.
»Ich ... versuche es.«
Jenny klatschte in die Hände. »Und vergiss nicht: Du musst nichts machen, was du nicht willst.«
Lea nickte. Dann sah sie Melissa abermals an. Und plötzlich, wie ferngesteuert, rückte sie dichter an die blonde Frau heran. So dicht, dass ihre Nasenspitzen nur eine handbreit voneinander entfernt waren. Sie tat es. Hob langsam und bedacht ihre Hand. Spürte die Blicke, die auf ihr lagen. Atmete tief durch.
Ihre Augen wanderten über Melissas Gesicht und fingen jedes Detail der gut fünfzehn Jahre jüngeren Frau ein. Da waren die tiefbraunen Augen, die sanft unter geschwungenen Wimpern ruhten, die makellos glatte Haut, die in dem warmen Licht des Lofts seidig schimmerte, und die dünnen, rosafarbenen Lippen, die einen Hauch von Erotik und Unschuld zugleich versprachen. Und dann berührte sie sie. Streichelte langsam über ihre Wange.
Sie war unglaublich weich. Viel weicher als die rauhaarigen Gegenstücke der Männer. Lea spürte, wie sich der Kiefer ihrer Spielpartnerin unter der Haut leicht bewegte. Wie Melissas Wärme in ihre Finger überging. Es knisterte förmlich, was an der Anspannung, die sie empfand, liegen mochte. Das Empfinden, eine fremde Frau zu streicheln, war seltsam und fühlte sich falsch an. Sie hatte den Schutzschild ihrer Privatsphäre durchbrochen – etwas, das Lea bis dato nie getan hatte. Ihr Gesicht brannte vor Scham.
»Die Zeit ist um«, riss Silvana sie aus ihren Gedanken. So schnell, wie der Moment gekommen war, war er auch schon wieder vorbei. Ihr Herz raste vor Aufregung und sie vermochte nicht zu sagen, ob es nur an den Blicken, oder an dem lag, was sie getan hatte.
»Ein oder zwei Punkte?«, fragte die Spielleiterin in die Runde.
»Zwei«, kommentierte Florian. »Anfängerbonus, würde ich sagen.«
Die Clique stimmte zu. Und während Lea errötete und über das Geschehene nachsann, erschienen auf der Punktetabelle zwei Zähler hinter ihrem Namen. Eine flackernde Hitze kroch unter ihre Haut. Es handelte sich dabei nicht direkt um Lust, aber es war nah dran. Wie ein Knistern im Kopf. Ein Anflug von etwas, das gefährlich reizvoll war: Neugier. Einem jähen Impuls folgend nahm sie sich vor, der Sache eine Chance zu geben. Sie würde zunächst beobachten. Und lernen. Und bei einfachen Prüfungen vielleicht sogar mitmachen.
Melissa war am Zug. Sie warf Lea einen letzten, zufriedenen Blick zu und ließ im Anschluss daran den Würfel rollen. Sie schob ihre Spielfigur vor und landete auf einem blauen Feld.
»Zeit für Antworten«, kommentierte Silvana, während auf den Displays der Spielenden eine Frage erschien.
Hast du schon mal beim Sex so getan, als wär’s geil – obwohl es das nicht war?
Die Gruppe lachte. Lea, die an ihrem Glas nippte, beobachtete die Reaktion von Melissa. Sie selbst wäre bei der Frage wahrscheinlich rot angelaufen, aber die Pornodarstellerin blieb cool. »Klaro«, sagte sie schließlich. »Das hat doch bestimmt jeder von euch, oder?«
Einige nickten. Lea schwieg. Und das, obwohl auch sie schon oft beim Sex gelogen hatte, von vorgetäuschten Orgasmen ganz zu schweigen.
»Willst du noch mehr erzählen?«, hakte Jenny nach. »Das reicht nicht für zwei Punkte.«
Melissas nickte grübelnd. »Also, zum Beispiel war da ne Situation mit meinem Ex. Wir waren Feiern, er total besoffen. Als wir wieder zuhause waren, hatten wir Sex. Und Gott – der war so schlecht. Er war so besoffen, dass er keinen einzigen meiner Punkte getroffen hat. Und wisst ihr was? Er fragte immer wieder danach, wie gut er sei. Klar habe ich gelogen, denn im betrunkenen Zustand war er immer sehr emotional. Einen Gefühlsausbruch wollte ich verhindern. Ich hatte keinen Bock auf Stress.«
»Konfliktvermeidung«, lobte Florian. »Hätte ich auch gemacht.«
»Welcher Ex?«, hakte Lara nach, die als langjährige Freundin von Melissa wahrscheinlich alle Partner kannte.
»Maik.«
»Den mochte ich eh nicht.«
Die Gruppe kicherte. Leas Smartphone vibrierte und zeigte an, dass Silvana zwei Punkte auf das Konto von Melissa überwiesen hatte.
»Ich mach mal weiter«, sagte Lara, erreichte nach ihrem Wurf aber nur ein weißes Feld. Ihr folgte Florian, der noch immer keinen Punkt auf seinem Konto hatte. Seine Spielfigur traf ein Wahrheitsfeld.
Was ist deine schmutzigste Fantasie, die du bisher noch nie laut ausgesprochen hast?
»Das ist zu Beginn ja mal gar nicht direkt«, murmelte er. In Lea kribbelte es vor Aufregung. Von einem Pornoproduzenten erwartete sie diesbezüglich Schlimmes, da er in seinem Berufsleben hundertpro mit den ausgefallensten Fetischen in Kontakt gekommen war.
»Also, ich weiß es«, triumphierte Jenny und sah ihren Chef neckisch an. »Soll ich es sagen?«
»Das würde nicht zählen«, wiegelte Silvana grinsend ab. »Der werte Herr soll es selbst vortragen. Außerdem muss es etwas sein, dass noch nie laut ausgesprochen wurde.«
Florian sah sich um und grinste. »Nun ... Ein Fetisch fällt mir gerade nicht ein. Da bin ich wunschlos glücklich. Aber ich würde gerne einmal Sex an einem abgefuckt gruseligen Ort haben. Einem Lost Place zum Beispiel. Irgendwo, wo es ganz einsam ist. Das hätte Flair.«
»Und mit wem?«, hakte Lara nach. Florian zwinkerte ihr zu.
»Du kannst ja mitkommen, dann finden wir es heraus.«
Die Gruppe lachte, selbst Melissa, Laras Partnerin, stimmte mit ein. Lea war beeindruckt. In dieser Branche war Eifersucht scheinbar ein Fremdwort.
»Das ist mir einen Punkt wert«, bewertete Silvana das Gesagte. Der Produzent protestierte. »Ich wollte eine richtig pikante Fantasie. Das reicht mir nicht.«
Die Spielleiterin ließ sich nicht umstimmen. Florian gab schließlich nach und freute sich über seinen ersten Punkt. Dann war die Spanierin selbst an der Reihe.
Sie landete auf einem Pflichtfeld. »Hoffentlich etwas Schweres«, wetterte der Produzent und sah sie gespielt böse an. Die Smartphones vibrierten.
Wähle ein Körperteil (nicht intim) und lasse es von jemandem deiner Wahl 30 Sekunden lang berühren.
Ein langgezogenes Uuuuuh ging durch die Runde. Silvana sah Florian verschmitzt an. »Du warst frech. Von daher hast du die Ehre.«
Alle lachten. Lea war gespannt darauf, wie die beiden Arbeitskollegen miteinander agieren würden. Sie grinste unbewusst, als der Produzent dichter an seine Darstellerin heranrückte und auf seinen Marschbefehl wartete.
»Mein Nacken schmerzt«, hauchte sie. »Leg los.«
Silvana drehte ihm die Rückseite zu. Er sah an ihrem nackten Rücken herab und legte schließlich seine Hände auf ihre Schulter. Er begann sie sanft zu kneten. Die Spielleiterin schloss genüsslich ihre Augen und kippte den Kopf nach vorn. Florian ließ sich bewusst Zeit. Seine Hände wanderten langsam von ihren Schultern über die makellose Haut ihres Nackens, berührten die Stelle, an der die Halterung des Kleides lag. Mit beinahe zärtlicher Sorgfalt schob er seine Fingerspitzen sanft in ihren Haaransatz. Silvanas Mund öffnete sich kaum merklich, ein leises, tiefes Seufzen entkam ihr, das eindeutig zeigte, wie sehr ihr das, was Florian tat, gefiel.
»Uuuuund vorbei«, unterbrach sie Lara, die den Timer im Blick behalten hatte.
»30 Sekunden sind ein Witz«, meckerte die Spanierin. »Es hätten 30 Minuten sein sollen.«
Lea lachte und sah, wie ihre Gastgeberin sich selbst einen Punkt gab. Nun war Jenny an der Reihe. Auch sie erreichte ein Pflichtfeld.
Zieh dir ein Kleidungsstück aus – jemand anderes darf es aussuchen.
»Das wird nicht allzu spannend«, kommentierte sie und sah an sich hinab. »Ich trage nur ein Kleid.«
»Wer soll es aussuchen?«, fragte Melissa und klang so, als wäre sie selbst am besten für diese Wahl geeignet. Jenny sah sich verstohlen um. Zunächst wirkte es so, als würde die Darstellerin tatsächlich die Gunst bekommen, doch dann fokussierten sich ihre Augen plötzlich auf Lea, der unerwartet eine Kältewelle durch den Körper jagte.
»Willst du?«
Jenny schenkte ihr einen warmen Blick. Sie schluckte verlegen und spürte, wie sich ihr Gesicht verfärbte. »Du bist fies«, grummelte sie und war drauf und dran, die Aufgabe abzulehnen. Aber im Grunde war es tatsächlich simpel. Sie musste nur ein Kleidungsstück wählen; die eigentliche Arbeit lag anschließend bei Jenny.
Lea betrachtete die Füße ihrer Freundin. Schuhe trug sie keine. Diese hatte sie schon vorher ausgezogen. Sie biss sich auf die Lippe. Blieben nur die Stay-Up-Strümpfe oder ihr Kleid. Oder das, was sie darunter anhatte.
»Die Strümpfe«, wählte Lea schließlich. Jenny lächelte mit einem Hauch zu viel Stolz – dann glitt ihre Hand langsam an ihrem Bein entlang. Zentimeter für Zentimeter rollte sie den dünnen Stoff ab, bis er weich über den Knöchel rutschte. Mit einem spielerischen Schwung flog er zu Florian, der ihn fing und wie einen Pokal in die Höhe hielt. Der Zweite ging an Silvana. »Als Bestechung für die Preisrichterin.«
Die Spielleiterin lachte und genehmigte zwei Zähler. »Melissa und Jenny sind mit jeweils drei Punkten vorn.«
Lea schenkte Jen ein vielsagendes Lächeln, das gut gemacht und hey sexy! transportieren sollte. Dann griff sie nach dem Würfel. Ihr nächster Zug stand aus. Sie würfelte eine Zwei und erreichte ein Pflichtfeld.
Zieh ein Kleidungsstück deiner Wahl aus – aber lass es verführerisch langsam wirken.
7.
Lea spürte, wie ihr Puls wild in der Kehle raste und sich ein heißer, prickelnder Schauer von ihrer Brust bis tief in ihren Bauch ergoss. Ein Kleidungsstück. Verführerisch langsam. Sie sah an sich herunter – ihr Kleid schien plötzlich enger als zuvor, ihre Haut empfindlicher unter dem Stoff. Wie Jenny trug sie keine Schuhe mehr. Und keine Strümpfe. Wenn sie also etwas auszog, würde sie viel von sich preisgeben müssen.
»Nimmst du die Aufgabe an«, erkundigte sich Silvana. An ihrer Stimme erkannte Lea, dass sie sich einfühlsam gab – und dafür war sie ihr sehr dankbar. »Du musst nicht, wenn du nicht willst.«
Sie schwieg. In ihrem Kopf kämpften mehrere Gedanken um die Vorherrschaft. Einerseits kannte sie die Gruppe nicht gut genug, um sich vor ihnen auszuziehen. Andererseits taten die anderen es auch und als einzige Teilnehmerin das Spiel zu boykottieren, war irgendwie feige.
Vielleicht sollte ich einfach aufstehen, mich entschuldigen und verschwinden?
Sie konnte flüchten, die Party verlassen, so wie sie es vor kurzem im Nachtclub getan hatte. Das Unangenehme mit Abstand bekämpfen.
»Eine Idee hätte ich da«, schaltete sich Florian ein. »Entscheide dich für deinen Gürtel. Der zählt als Kleidungsstück. Für den Anfang wäre das ganz okay, denke ich.«
Lea hatte ihren Taillengürtel ganz vergessen. Obwohl sich diese Lösung wie ein feiges Zugeständnis anfühlte, war es eine gute Idee. Sie nickte, öffnete den Verschluss und ließ das Accessoire langsam neben sich auf die Couch fallen. Dabei versuchte sie, es sinnlich und erotisch wirken zu lassen – was ihr allerdings gänzlich misslang, denn der Gürtel glitt ihr vorschnell aus der Hand. Aber sie hatte die Aufgabe geschafft, wenn auch maximal unspektakulär.
»Danke für den Tipp«, murmelte sie und rang sich zu einem Lächeln durch. Dann trank sie einen großen Schluck Wein und hoffte, dass dieser in der nächsten Runde mehr Mut durch ihren Körper schicken würde.
Ihr Smartphone vibrierte und zeigte ihren neuen Punktestand an. Auch sie hatte nun insgesamt drei Punkte auf dem Konto.
»Kleine Pause?«, schlug Silvana vor. Die Runde bejahte und die Gäste erhoben sich. Einige gingen zur Toilette, andere zur Kochinsel, um sich etwas die Beine zu vertreten. Lea zog Jenny an der Hand und führte sie zu einem der raumhohen Fenster an der gegenüberliegenden Seite des Lofts.
Tief unter sich sah sie Autos, die geräuschlos durch das nächtliche Hamburg glitten.
»Fühlst du dich wohl?«, fragte Jen einfühlsam. »Ich kann mir vorstellen, dass es dich ganz schön überf-«
»Du bist eine Hexe!«, zischte Lea. Sie klang nicht wütend, nur etwas beleidigt. »Du hättest mir ruhig sagen können, was mich hier erwartet.«
»Wenn ich das getan hätte, wärest du dann mitgekommen?«
Sie schwieg und dachte nach. »Nein, wahrscheinlich nicht.«
»Genau. Wahrscheinlich nicht. Und hat es dir bisher geschadet?«
»Das weiß ich noch nicht.«
Jenny schüttelte langsam den Kopf. »Ich habe dich genau beobachtet. Du hast das Spiel so intensiv und gebannt verfolgt, wie ich es selten bei dir gesehen habe. Du hast gelacht, gegrinst und dich amüsiert. Streitest du das ab?«
Lea zögerte, wollte widersprechen. Aber sie hatte keine Grundlage dazu. Stattdessen entschied sie sich, mit offenen Karten zu spielen.
»Ich bin einfach nur aufgeregt. Und irgendwie schäme ich mich.«
»Die Aufregung kann ich verstehen. Aber woher kommt das Schamgefühl?«
»Na ja«, begann Lea gedehnt. »Ich bin so alt, die älteste von euch. Ihr seht sooo gut aus und ...«
Jenny sah sie böse an. »Du bist höchstens vier Jahre älter als Florian und Silvana. Das zählt schon einmal gar nicht.«
»Aber ...«
»Und du siehst blenden aus. Wirklich. Florian hat dich so oft abgecheckt, dass ich es kaum noch zählen kann.«
Lea war verdutzt. »Hat er das wirklich?«
»Klar. Alleine auf dem Weg hierher zum Fenster hat er dir zweimal auf den Hintern gestarrt.«
»Hm ...«
Sie dachte nach. Ja, ihr Gesäß war ihr Aushängeschild. Mit großen Brüsten konnte sie nicht punkten. Kurven hatte sie kaum welche. Dafür war sie zu schlank. Aber ihr Po ... Der war definitiv einen Blick wert. Lea entspannte sich ein wenig, auch wenn zarte Zweifel blieben.
»Passe ich denn wirklich zu euch? Ich fühle mich wie die ultraspießige Nachbarin.«
»Spießig bist du nicht. Das beweist allein die Tatsache, dass du noch hier bist. Du bist schüchtern. Die Neue. Dass das etwas hemmt, ist doch vollkommen normal, oder nicht?«
»Vielleicht.«
»Also. Mein Vorschlag: Spiel weiter mit. Mache das, was du dir zutraust. Alles andere überlässt du uns. Und wenn es dir zu bunt wird, gehen wir. Und zwar zusammen. Versprochen.«
Lea zögerte. Es brannte ihr eine zusätzliche Frage auf der Zunge, die eine enorme Tragweite für sie hatte. »Wie weit geht dieses Spiel?«
Jetzt war es Jenny, die mit ihrer Antwort auf sich warten ließ. »Nun«, sagte sie schließlich. »Es gibt keine Grenzen. Es liegt an uns Spielern, wohin es führt.«
Fünf Minuten später hatten sich die Gäste wieder auf der Couch eingefunden. Sie schwatzten munter durcheinander, stießen an – Silvana hatte unterdessen für Weinnachschub gesorgt – und lachten. Lea saß unter ihnen. Genoss die Gesellschaft, das leichte Chaos. Hatte sich vorgenommen, der Sache eine Chance zu geben, genau, wie Jenny es vorgeschlagen hatte. Und so beobachtete sie, wie Melissa würfelte und wie ihre Figur auf einem Wahrheitsfeld zum Stehen kam.
Welche Körperstelle macht dich sofort schwach, wenn man sie berührt?
»Hm«, überlegte Melissa. »Das ist einfach.«
Lea war gespannt, was der Triggerpunkt der jungen Darstellerin war. Sie versuchte zu raten und entschied sich gutgläubig für ihren Hals, der, wenn man ihn sanft touchierte, Gänsehaut auslösen konnte. Doch die Blondine deutete an ihre Hüften.
»Kennt ihr die Stelle, an der eure Unterwäsche anliegt, in etwa auf Höhe des Beckenknochens? Boah, ich werde wild, wenn jemand langsam seine Finger unter diesen Stoff schiebt und meine Haut berührt. Das ist wie tausend Stromschläge. Wenn diese Person dann sachte an dem Stoff zieht, ist es vorbei mit prüde. Mein Schalter legt sich sofort um.«
»Das kann ich bestätigen«, meldete sich Lara zu Wort. Die Clique lachte, das Paar warf sich heiße Blicke zu.
Lea überlegte, ob auch sie einen solchen Punkt hatte. Einen, der ihre Selbstbeherrschung auszuschalten vermochte. Sie fragte sich, ob Dönerboy, wenn er diesen Punkt getroffen hätte, mehr mit ihr hätte anstellen dürfen.
Melissa bekam einen Zähler gutgeschrieben und führte die Tabelle wieder alleine an.
Lara schmiss das Spielgerät und landete zu ihrem Verdruss auf einem weißen Feld. Florian hingegen musste im Anschluss eine Wahrheitskarte ziehen.
Wie oft befriedigst du dich selbst?
Der Pornoproduzent lachte. Lea spürte, wie sich die Gruppe gemeinschaftlich nach vorne zu beugen schien, als wäre die Antwort auf diese Frage etwas ganz Besonderes.
»Täglich«, verkündete er knapp. Und das vollkommen, ohne dabei eine Spur der Scham an den Tag zu legen. Lea hingegen wäre, wenn man ihr diese Frage gestellt hätte, im Erdboden versunken. Sie war beeindruckt von dem Mut des Mannes und rügte sich selbst für ihre vermeintliche Verklemmtheit.
»Wenn ich Zeit habe. Manchmal schaffe ich es nicht.«
»Das hätte ich nicht gedacht«, ließ Silvana verlauten. »So oft?«
»Klar. Stell dir mal vor, wie es ist, wenn Mann den ganzen Tag über berufsbedingt mit Erotik zutun hat. Irgendwann brauche auch ich mein Ventil, um den Druck abzulassen.«
Lea erwischte sich dabei, wie sie sich Florian intensiv bei der Selbstbefriedigung vorstellte – seinen konzentrierten Blick, die angespannte Muskulatur seiner Arme und seine gleichmäßigen, schnellen Bewegungen. Sie grinste ertappt und spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde.
»Das erinnert mich an etwas, das ich bis heute nicht verstanden habe«, wandte sich Melissa an den Produzenten »Vor meinem ersten Dreh hast du mir von dem Kniff erzählt. Für dich, Lea: Der Kniff ist ein Stilmittel, um den Darstellerinnen den Dreh zu erleichtern. Nicht nur diese sind nackt, sondern auch das Produktionsteam. Es werden gleiche Verhältnisse geschaffen.«
Lea nickte und warf Jenny einen was, du auch?! Blick zu, den diese feixend bestätigte.
»Und als der Dreh dann lief, waren wir alle nackt. Flo, Jenny und ich. Und jetzt kommt das, was ich damals nicht verstehen konnte: Du hattest keine Erektion. Wirklich null Regung. Ich dachte schon, du würdest dich nicht für Frauen interessieren. Das du jetzt sagst, du hättest immer Druck, passt nicht dazu.«
»Pure Kontrolle«, lachte Florian. »Stell dir mal vor, dass ich als Regisseur eine Latte bekäme. Das wäre doch irgendwie unprofessionell. Oder nicht?«
»Mir wäre das egal«, antwortete Melissa. »Ich hatte mich damals zumindest richtig unsexy gefühlt.«
»Aber das weißt du nun besser, oder?«
»Jetzt schon. Damals nicht.«
»Ich versuche, meine Erregung unsichtbar durch den Tag zu schmuggeln. Und, wenn ich abends alleine bin ... Denkt euch euren Teil.«
Die Gruppe witzelte noch einen Moment über das Szenario, dann bekam Florian seinen Punkt und der Würfel wanderte zu Silvana. Sie zog eine Pflichtkarte.
Wähle eine Mitspielerin. Ihr beide müsst jeweils ein Kleidungsstück ausziehen – gleichzeitig.
»Uuuuuh«, schwärmte die Spielleiterin. Sofort flog ihr Blick zu Lara. »Du!«
Die Rothaarige freute sich. »Mir ist ohnehin zu heiß. Was ziehen wir aus?«
»Jeder darf sich ein Kleidungsstück der anderen aussuchen. Deal?«
»Gerne!«
»Deine Bluse.«
Lara lächelte breit. »Und du das Kleid.«
Die Frauen standen auf. Zählten von drei herunter und begannen. Lara knöpfte sich die Bluse auf. Silvana griff an den Nackenverschluss ihrer Robe und öffnete diesen. Beinahe synchron streiften sich die Frauen die Textilien vom Körper. Laras fiel geräuschlos zu Boden und gab den Blick frei auf einen feuerroten BH mit auffälliger Spitze, der ihre grapefruitgroßen Brüste verdeckte. Silvana präsentierte einen schwarzen, trägerlosen Büstenhalter. Ihr Vorbau war kleiner als der ihrer Mitspielerin, hatte aber eine fantastische Form. Passend zum BH trug sie einen dunklen Tanga.
Lea stellte mit einem Schmunzeln fest, dass Melissas Blick sehnsüchtig auf dem Oberkörper ihrer Partnerin klebte – ihr Kopfkino schien zu laufen.
Silvana gab sich einen Punkt. Jenny war an der Reihe. Sie musste sich der Wahrheit stellen.
Denk an dein letztes Mal: Mit welcher Stellung endete der Sex?
»Mensch, das ist Wochen her«, grübelte sie. Sie brauchte eine Weile, bevor sie weitersprach. »Ich glaube, das war doggy. Ich war schon vorher gekommen und er hatte sich dann hintenrum etwas ausgetobt.«
Lea sah ihre Freundin fasziniert an. Sie redeten zwar regelmäßig über Sex, doch hatten sie sich gegenseitig nie die Stellungen beschrieben.
»Hintenrum?«, hakte Florian nach. »Vordertür oder Hintereingang?«
Die Frage klang so direkt, dass Lea, obwohl sie unbeteiligt war, direkt errötete.
»Hintertür«, zwinkerte Jenny. Ihre beste Freundin schluckte.
»Echt?!«, fragte sie eine Spur zu laut. Jen kicherte verlegen und bejahte nickend.
Lea war baff. Analsex hatte sie ihr nicht zugetraut. Sie kapierte augenblicklich, dass dieser Abend das Potential hatte, Jenny auf eine Art und Weise kennenzulernen, die ihr bis dato verborgen geblieben war.
Wie in Zeitlupe schaltete sich ihr Kopfkino ein und erzeugte Bilder, die sie nicht kontrollieren konnte: Sie sah ihre Freundin vor sich, nackt und auf allen vieren, den Rücken durchgebogen, den runden Po einladend in die Höhe gestreckt, während ihre Hinterpforte ...
»Stehst du darauf?«
Sie zuckte mit den Achseln. »Ich habe kein Problem damit. Wünschen würde ich es mir zwar nicht, aber ich mache es.«
»Mit wem?«
»Kennst du nicht. War nach einem Dreh.«
Lea verschluckte sich vor Entrüstung an ihrer eigenen Spucke. »Du warst vor der Kamera?!«
Jenny und Florian lachten. »Nein, nein! Wie gesagt, nach einem Dreh. Mit einem der Darsteller. Wir hatten uns hinterher ... noch etwas mehr zu sagen.«
»Echt ... was ...«
Sie musste einen belämmerten Eindruck erweckt haben, denn die Clique brach in schallendes Gelächter aus. Und als würde dieses Gelächter eine Art Magie in sich tragen, stimmte Lea mit ein.
»Ich glaube, dass du heute noch viel von Jenny erfahren wirst«, kicherte Silvana und verteilte einen Punkt. Der Würfel kehrte zu Lea zurück. Sie schluckte. In ihr tobte ein Kampf aus Scham und wachsender Erregung. Sie fürchtete sich vor dem, was sie tun oder preisgeben musste, empfand aber auch eine geheimnisvolle Vorfreude.
Der Würfel zeigte eine Eins. Pflicht.
Setzte dich auf den Schoß des Spielers zwei Positionen links von dir. Bleibe dort eine Minute lang sitzen, während die Person dich streichelt.
Lea schluckte. Ihr Blick flog zu Lara, die an angegebener Stelle saß und freudig schmunzelte. »Traust du dich?«, fragte diese und klopfte sich theatralisch auf den Oberschenkel.
Sie zögerte. Sah hilfesuchend zu Jenny. Diese ermunterte sie mit ihrem typischen, mütterlichen Gesichtsausdruck, der da sagte, dass sie alles schaffen konnte, wenn sie es nur versuchte. Etwas in Lea machte klick. Sie spürte plötzlich, wie eine unsichtbare kraft sie auf die Füße zog und einen Schritt auf Lara zu machen ließ. Ob es der Alkohol war, der sie enthemmte, oder ihr Wunsch nach neuen Erfahrungen – sie wusste es nicht. Unvermittelt stand sie vor der Darstellerin, die interessiert zu ihr heraufsah.
Lea sammelte das letzte Quäntchen Mut zusammen, dann ging alles ganz schnell. Sie ließ sich nieder. Setzte sich auf den Schoß ihrer Mitspielerin. Zunächst war ihre Haltung etwas steif, doch Lara verstand es, dies zu ändern. Sie legte ihre Hände sanft auf Leas Schultern und zog ihren Oberkörper zu sich heran. Sie konnte ihre Brüste in ihrem Rücken spüren. Ebenso Laras Atem, der an ihrem Hals vorbeizog wie eine zärtliche Sommerbrise. Sie nahm ihren Duft wahr, der etwas Verspieltes an sich hatte. Dann schloss sie die Augen und gab sich der Situation hin.
Lara begann damit, sie an den Armen zu streicheln. Ganz langsam, ganz sanft. Und obwohl Lea bis dato einer Frau gegenüber keine romantischen Gefühle gehegt hatte, bekam sie eine Gänsehaut. Ob es daran lag, dass sie sich nach Kontakt sehnte oder einfach untervögelt war, vermochte sie nicht zu deuten. Aber es gefiel ihr. Und das stimmte sie so nachdenklich, dass sie kaum mitbekam, wie Lara ihre Berührungen verschob.
Ihre Finger glitten von ihren Armen hinab zu den Händen, dann ganz vorsichtig, als würde sie Angst davor haben, eine Grenze zu verletzen, wanderten sie weiter und berührten Leas Bauch oberhalb des Nabels. In ihrem Körper kribbelte es. Erst recht, als die Hände höher stiegen und sich ihrer Brust näherten. Oh Gott!, dachte sie und ein Anflug von Panik kam in ihr auf. Aber sie zwang sich dazu, Lara zu vertrauen. Und sie wurde nicht enttäuscht.
Als ihre Fingerspitzen ihre Brust berührten, tat sie dies mit zärtlicher Vorsicht. Sofort durchströmte Lea ein unerwarteter Stromstoß aus Lust und Neugier. Ihre Brustwarzen stellten sich unter dem dünnen Stoff auf, und sie fühlte, wie das Schamgefühl einer aufkeimenden, heißen Erregung wich, die ihre Gedanken vernebelte. Als Lara sanft zudrückte, bäumte sie sich ein wenig auf. Ihr Herz raste, ihre Atmung wurde schneller.
»Uuuund stopp«, unterbrach Silvana das Spiel. Als Lea blinzelnd die Augen öffnete, bemerkte sie verblüfft, dass sämtliche Blicke auf sie gerichtet waren. In den Gesichtern ihrer Mitspieler las sie Bewunderung und Freude. Wie sehr sie sich in diesem Moment wünschte, dass Lara weitergemacht hätte. Nur noch ein paar Sekunden. Gott, wie hatte sie sinnliche Berührungen vermisst. Die Darstellerin hatte ein großes Talent dazu, mit ihren Händen etwas ganz Besonderes auszulösen. Prompt verstand sie, was Melissa an ihr gefiel.
Als Lea sich wieder neben Jenny auf die Couch sinken ließ, knuffte diese ihr anerkennend in die Seite. »Ich wusste doch, dass du es kannst«, schwärmte sie so leise, dass die anderen es nicht hören konnten.
»Das ist mir glatt zwei Punkte wert«, verkündete Silvana und schickte die Zähler auf ihr Konto, die sie an den ersten Platz der Tabelle führten. »Dir hat es gefallen, oder?«
Lea nickte ertappt. »Irgendwie schon.«
»Darauf stoßen wir an.«
Gesagt, getan. Gläser klirrten, Wein floss. Melissa würfelte. Traf ein Pflichtfeld und wurde dazu aufgefordert, ihr Oberteil auszuziehen. Sie tat es. Ganz langsam und im Stehen. Schenkte den Anwesenden feurige Blicke. Gab Zentimeter für Zentimeter ihrer Haut preis. Ihr Sweatshirt fiel zu Boden und gab die Aussicht auf einen weißen BH frei, unter dem sich ihre Brustwarzen deutlich abzeichneten.
»Zwei Punkte«, rief Silvana aus und leckte sich über die roten Lippen. Nun führte Melissa wieder die Tabelle an.
Lara und Florian erreichten im Anschluss abermals weiße Felder, was die beiden frustrierte, da sie mit jeweils zwei Zählern die wenigsten Punkte hatten. Silvana hingegen landete auf einem Wahrheitsfeld.
Schätzfrage an die Community: In welchem Alter hattest du dein erstes Mal? Hat die Community recht, ziehst du ein Kleidungsstück aus (ein Punkt). Irren sie sich, ziehen alle anderen ein Kleidungsstück aus (zwei Punkte).
Wow, das ist eine krasse Aufgabe, dachte Lea. Nicht, weil sie schwer und unerfüllbar war, ganz im Gegenteil, sondern weil der Einsatz einen jeden treffen konnte. Es stand fest: In dieser Runde flogen Textilien.
Auf den Smartphones erschien ein Eingabefeld. Alle sahen Silvana an und versuchten, das Alter ihrer Entjungferung zu schätzen. Lea war sich sicher, dass diese selbstbewusste Frau früh in die Welt der Sinnlichkeit eingetreten war. Und so tippte sie eine 14 ein. Als alle fertig waren, gab die Gefragte die richtige Zahl ins System.
»Ach quatsch«, wunderte sich Lara laut, als eine 22 auf dem Display aufleuchtete. »So spät?«
Silvana zuckte mit den Achseln. »Ich war halt eine Spätzünderin.«
»Das hätte ich nicht gedacht«, fügte Jenny hinzu. »Waren die Jungs denn blind?«
Alle lachten. Dann erklärte die Spielleiterin, dass sie schon immer das Gefühl hatte, dass sie Männer einschüchterte. »Ich glaube, die Wichte hatten Angst vor mir. Keiner wollte an meine Blume pflücken.«
Silvana überprüfte die Antworten. Dann verfinsterte sich ihr Gesicht. »Woher wusstest du das?«
Die Frage galt Florian, der ihren Blick siegessicher erwiderte.
»Du hast es mir mal erzählt.«
»Oh man«, stöhnte sie. »Nicht fair.«
»Um fair geht es hier nicht.«
Ohne Umschweife wandte Silvana Florian seufzend den Rücken zu. Der Produzent grinste vergnügt, ließ seine Finger geübt über ihre Haut gleiten und öffnete den Verschluss des BHs mit einem gekonnten Griff, während sein Blick genussvoll auf ihrem Rücken verweilte. Der BH glitt hinab. Sie war nun fast gänzlich nackt, nur der schwarze Tanga war ihr geblieben. Nicht nur das perfekt eingerichtete Loft machte deutlich, wie sehr Silvana ihr Leben unter Kontrolle hatte – auch ihr makelloser, sportlicher Körper, auf dem das gedämpfte Licht sinnliche Akzente setzte, strahlte pure Selbstsicherheit und erotische Stärke aus. Lea ertappte sich dabei, wie ihr Blick bewundernd über die sanften Linien von Silvanas Hüften und ihren definierten Bauch wanderte. Sie schüttelte ihren Kopf, als würde sie störende Gedanken abwerfen wollen und zwang sich dazu, dem Spiel zu folgen. Sie stellte fest, dass Jenny an der Reihe war. Sie würfelte eine Sechs und traf ein Pflichtfeld.
Die Person links von dir zieht etwas aus. Wenn sie sich verweigert, bleibst du ohne Punkt.
Bumm. Leas Herz explodierte förmlich. Sie schluckte. Sie war die Person an der linken Seite. Jenny sah sie mit einer Mischung aus Mitleid und Abhängigkeit an.
»Du musst es nicht tun«, erklärte sie und meinte es der Stimme nach auch wirklich ernst. Und doch klang die Hoffnung mit, dass sie es tun würde. Nicht ihres Punktestandes wegen, sondern aus dem Wunsch heraus, dass Lea es schaffte, sich hinzugeben.
Die Sekunden verstrichen. Die Blicke der Pornobuddies klebten an ihr. Dann, einem jähen Impuls folgend, der tief aus ihrem Inneren kam und eine unglaubliche Energie mit sich brachte, stand sie auf. Sie wollte nicht die Einzige sein, die sich dem Spiel verwehrte. Von Florian abgesehen hatten alle schon etwas ausgezogen – nur sie war bislang mit einem simplen Gürtel davongekommen. Als sie sah, wie Silvana fast vollkommen entblößt vor ihnen saß, stieg ihr heißes Blut in die Wangen, und der Gedanke, gleich ebenfalls mehr Haut zeigen zu müssen, versetzte ihren ganzen Körper in nervöse Anspannung.
Du schaffst das auch!
Sie musste, nein, sie wollte Stärke zeigen. Ihrer Neugier nachgeben. Mit zittrigen Fingern griff sie nach hinten und öffnete einen kurzen Reißverschluss unterhalb ihres Hinterkopfes. Dann packte sie das Kleid am Saum und zog es hoch.
8.
Das Kleid klebte plötzlich wie eine zweite Haut an ihr. Ihre Finger zitterten, als wollten sie den Stoff lieber festhalten, als ihn loszulassen. Doch Zentimeter um Zentimeter arbeitete sie sich nach oben, während der kühle Lufthauch ihrer Entblößung stets einen Schritt voraus war. Es begann auf den Oberschenkeln zu kribbeln, dann folgten Hüfte, Bauch und Taille. Einen Moment später hielt sie das Kleidungsstück in der Hand. Lea spürte die Blicke der Spielgäste, die ihren Körper erkundeten, sie und ihre hellblaue Unterwäsche mit den Augen verschlangen.
Florian pfiff leise und aus Melissas Richtung war ein schmatzendes Geräusch zu hören. Jenny klatschte begeistert in die Hände und bedankte sich für den Punkt.
Lea setzte sich hastig hin, griff zielgerichtet nach ihrem Glas und nahm einen großen Schluck. Ihr Gesicht brannte vor Scham, doch zu ihrer Erleichterung verhielten sich die anderen professionell und rücksichtsvoll. Keiner machte eine verletzende Bemerkung zu der geringen Größe ihrer Brüste. Niemand lachte über ihre Nervosität, die ihre Wangen puterrot gefärbt hatte. Ganz im Gegenteil. Sie spürte eine unerwartete Behaglichkeit, eine greifbare Intimität, die dem Wesen der Gruppe innewohnte. Und das bewirkte, dass Lea plötzlich gefallen daran fand, wie Florian sie abcheckte. Sie störte sich nicht daran, dass Lara sich leicht nach vorn gebeugt hatte, um sie besser sehen zu können. Etwas in ihr lernte, die Blicke zu genießen.
»Ein Punkt für Jenny«, verkündete Silvana und stimmte in das Klatschen ein. Jen strich ihrer Freundin gratulierend über die Wange. Lea lächelte glücklich. Und obwohl sie nicht das erste Mal in ihrem Leben etwas ausgezogen hatte, war sie trotzdem stolz auf ihre Tat.
Jenny reichte den Würfel an Lea weiter. Sie ließ ihn rollen. Er zeigte eine Zwei. Sie schob ihre Spielfigur vor und landete auf einem Pflichtfeld. Sie nahm eine entsprechende Karte auf und scannte den aufgedruckten Code.
Stehe auf. Die Person mit den meisten Punkten darf dir etwas ausziehen und dich im Anschluss sinnlich streicheln.
Oha!, dachte Lea. Gleich zwei Kleidungsstücke in einer Runde. Wer hätte gedacht, dass es so schnell ging. Sie schluckte. In ihrem Augenwinkel bemerkte sie, wie Melissa, die Tabellenführerin, aufstand und an sie herantrat. Sie hielt ihr eine Hand entgegen.
»Magst du?«, hauchte sie voller Vorfreude. Lea zögerte zunächst, doch dann meldete sich erneut das Gefühl der Neugierde und sie nahm die Hand. Die Darstellerin zog sie hoch, legte ihre Handflächen seitlich an ihre Schulter und musterte sie von Kopf bis Fuß. Sie streichelte langsam an einem ihrer Arme entlang, was Lea die Gänsehaut ihres Lebens bescherte. Irgendwo tief in ihr erwachte ein Funke.
Ihre Partnerin hatte sich offenbar für ein Kleidungsstück entschieden. Vorsichtig, als würde sie erst Leas Go abwarten, wanderten ihre Finger zum Verschluss des BHs. Als sie nicht protestierte, öffnete sie ihn. Der Zug um ihre Brust nahm augenblicklich ab. Verführerisch langsam zog Melissa den Büstenhalter weg und ließ ihn neben sich zu Boden fallen.
Kühle Luft legte sich auf Leas Brüste, als die Hände der jungen Blondine an ihrem Rücken hinabglitten. Eine verharrte auf Taillenhöhe, während die andere mutig gen Po weiterfuhr.
»Du bist schön«, hauchte Melissa in ihr Ohr. Sie war ihr plötzlich ganz nah. Leas Brustwarzen touchierten ihren BH. Sie errötete. »Danke.«
Nun spürte sie, wie die Hände sie weiter erforschten. Sich erst an ihre Seite, dann auf die Vorderseite ihres Körpers wagten. Sie verwöhnten den Bauch mit sanften Berührungen, fuhren an diesem hoch und zogen eine raue Spur aus Gänsehaut hinter sich her. Dann fasste Melissa einen Entschluss, und legte die Hände auf Leas Brüste. Ihre Finger umschlossen die weichen Rundungen und drückten sie leicht zusammen. Augenblicklich spürte sie, wie die Wärme ihrer Partnerin auf sie überging. Wie sich ihre Brustwarzen versteiften, wie sie den sanften Druck genoss. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf diesen unendlich sinnlichen Moment, der zu ihrem Leidwesen schon bald endete. Sie spürte, wie Melissa von ihr zurückwich und öffnete die Lider.
»Das war wunderbar«, flüsterte diese und schenkte ihr ein verruchtes Lächeln, das Lea etwas tölpelhaft erwiderte.
»Ich fand es auch schön«, hauchte sie und meinte es vollkommen ernst. Als sie sich wieder setzte, wirkte die Couch kühler als zuvor. Der Stoff ihres Tangas klebte an ihr, ihre Brustwarzen prickelten noch vom Nachhall der Berührungen. Und das Erstaunlichste: Sie schämte sich kein bisschen. Sie fühlte sich leicht. Offen. Als wäre in ihr etwas Neues entstanden. Ihre Sinne waren wie verhext. Sie dachte an das, was vor wenigen Sekunden passiert war, und wunderte sich, dass ausgerechnet die Berührungen einer Frau ihr so gut gefallen hatten. Oh Gott, schoss es ihr in den Kopf. Bin ich etwa bi?
»Definitiv zwei Punkte«, riss sie Silvanas Stimme aus ihren Gedanken.
»Warum zwei?«, wunderte sich Lea, die zu der Show nichts Aktives beigetragen hatte. »Melissa hatte doch die ganze Arbeit.«
»Aber du hast zugelassen, dass sie dich so intensiv anfassen durfte. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Neuling dies gestattet. Und du kannst nicht leugnen, dass es dir gefallen hat. Wir haben es alle gesehen: Es hat etwas mit dir gemacht.«
Lea dachte über das Gesagte nach. Sie kam zu dem Schluss, dass Silvana recht hatte. Es hatte ihr gefallen. Sehr sogar.
»Gibst du mir bitte den Würfel?«, fragte Melissa zuckersüß und hielt die Hand auf. Als Lea ihr das Spielgerät überreichte, schienen Blitze zwischen den Fingern der Frauen hin und her zu schießen. Etwas in dem Blick der Darstellerin hatte sich im Vergleich zum Beginn des Abends verändert. Sie schien sie nicht mehr nur als Fremde zu betrachten, sondern wirkte mit dem Feuer in ihren Augen so, als würde ihr Lea allmählich etwas bedeuten. Ihr Herz machte einen Satz.
Melissa würfelte und betrat mit ihrer Spielfigur ein weißes Feld. Enttäuscht reichte sie den Würfel an Lara weiter, die nach kurzer Zeit eine Pflichtkarte aufnehmen musste.
Gebe der Person links von dir einen feuchten Kuss, der 30 Sekunden anhält.
Florian ballte die Hände siegessicher zu Fäusten. »Yes!«
Lara lächelte kokett. Dann näherten sich die beiden an, sahen sich tief in die Augen und küssten sich. Langsam, ganz langsam. Ihre Lippen trafen sich wie zwei, die sich lange vermisst hatten. Ihre Zungen verhedderten sich ohne Scheu. Florians Hand wanderte tiefer, umfasste Laras Hüfte, zog sie an sich – ihr Becken presste sich an seines. Lea blieb beinahe die Luft weg, so sehr nahm sie das Geschehen ein. Sie beobachtete, wie die feuerhaarige Lara den Produzenten an Nacken und Schulter streichelte, während er ihre Hüfte losließ und seine Finger in ihrer Mähne vergrub.
Unglaublich, dachte Lea und warf einen verstohlenen Blick auf Melissa, wollte ihre Reaktion checken und nach einem Anflug von Eifersucht suchen, doch diesen fand sie nicht. Die Blondine guckte genau so begeistert zu wie all die anderen Teilnehmer – und bedachte dabei ihre eigenen Oberschenkel mit sanften Berührungen, ganz gemach und sinnlich.
Diese Welt ist so ... ungewöhnlich, stellte Lea zum wiederholten Male fest. So zwanglos, so offen. Oh Gott, was würde ich dafür geben, ein Teil davon werden zu können ...
Der Kuss endete. Alle klatschten, Jenny pfiff anerkennend.
»Volle Punktzahl!«, forderte Lara und Silvana nickte zur Bestätigung. Der Punktestand der Darstellerin wuchs auf vier Zähler an. Nun war Florian an der Reihe, würfelte und zog ebenfalls eine Pflichtkarte.
Ziehe alles aus, was du am Oberkörper trägst. Mache es langsam und verführerisch.
»Herrje«, lachte der Produzent und stand auf. »Striptease war noch nie meine Stärke.«
»Von wegen«, wandte Silvana ein. »Da bin ich anderer Meinung.«
»Wir werden es sehen.«
Erotische Musik erklang, ausgehen von Jennys Smartphone. Florian zwinkerte ihr zu, dann setzte er sich in Bewegung. Ließ verführerisch langsam die Hüften kreisen. Knöpfte währenddessen sein Poloshirt auf. Griff dieses am Saum und zog es aus. Präsentierte den Anwesenden seinen Oberkörper, dessen Brust kurze Haarstoppel zierten. Der Mittdreißiger war nicht übermäßig trainiert, aber dennoch gut in Form. Er hatte einen flachen Bauch und Brustmuskeln, die von einem relativ aktiven Lebensstil zeugten. Seine Haut war leicht gebräunt und über seine Schlüsselbeine stachen markant hervor.
Jenny stupste Lea an, die in diesem Moment bemerkte, wie sie Florian eine Spur zu lange und intensiv angestarrt hatte. Sie biss sich unbewusst auf die Unterlippe und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Der Funke in ihr schwoll an. Der Produzent gefiel ihr – und Jen schien dies zu bemerken. Alles in ihrem Gesicht schrie: Na, war das nun eine gute Idee, hierherzukommen? Lea sah verlegen in eine andere Richtung.
Florian beendete seine Show, kassierte doppelt ab und gab den Würfel an Silvana. Diese schmiss ohne Umschweife und landete auf einem blauen Feld. Pflicht.
Ziehe ein Kleidungsstück aus.
»Tja«, freute sich Lara. »Unser erster Nackedei.«
Silvana, die nur noch ihren Tanga trug, ließ ein heißes Lächeln aufblitzen. Dann hakte sie im Sitzen ihre Daumen unter dem Höschenstoff ein. Direkt und ohne großartige Show zog sie es hinunter und entledigte sich dem letzten Textil, das ihr geblieben war.
Lea hätte erwartet, dass sie die Beine übereinanderschlagen oder zumindest ihre Schenkel blickdicht aneinanderpressen würde. Doch die Spanierin tat nichts dergleichen. Sie saß ganz normal da, vollkommen schambefreit, leicht nach hinten gelehnt und mit Schenkeln, die eine Handbreit geöffnet waren, sodass sie den Blick auf ihre intimste Stelle freigaben. Lea bemerkte, dass eine ihrer Schamlippen ein Piercing aufwies. In der Mitte glänzte der Spalt, wie ein dunkler, verheißungsvoller Schlitz. Ihr glattrasierter Intimbereich war ebenso gebräunt wie der Rest ihres Luxuskörpers. Puh!, schwärmte Lea innerlich und bewunderte die Spielleiterin für ihre Offenheit. Ihr würde Vergleichbares deutlich schwerer fallen.
Auf einmal ging das Spiel weiter. Als wäre es das normalste der Welt, dass plötzlich jemand vollkommen nackt unter den Spielenden saß. Lea war perplex und fasziniert zugleich.
Jenny war an der Reihe und würfelte. Nach längerer Zeit wurde wieder eine Wahrheitskarte gezogen.
Wurdest du schon mal beim Sex erwischt – und hast trotzdem weitergemacht?
Jenny musste nicht lange überlegen und lachte laut. »Klar wurde ich schon einmal erwischt!«
»Und von wem?«, fragte Lea neugierig nach.
»Von meinem Vater«, antwortete Jen. »Das war echt heftig.«
»Und dann?«
»Nun, dem folgte das unangenehmste Gespräch, das ich jemals führen musste. Mein alter Herr war da gnadenlos. Mein Sexpartner und ich mussten, nachdem wir uns rasch angezogen hatten, bei ihm zum Rapport antreten. Ich hatte danach eine Weile erst mal nicht mehr viel zu lachen. Ich glaube, dass er uns zwei Stunden lang Vorträge über Verantwortung, Verhütung und Schwangerschaften gehalten hatte.«
»Wie alt warst du denn da?«, hakte Lara ein. »Klingt nach einer Teenagerlovestory.«
Jenny überlegte. »Siebzehn oder achtzehn. So um den Dreh zumindest.«
Die Pornobuddies und Lea lachten aus vollem Halse.
»Wenn du uns noch verrätst, in welcher Stellung er euch erwischt hat, bekommst du zwei Punkte«, versprach die Spanierin. Jenny zuckte gleichgültig mit den Schultern.
»Missionarsstellung«, antwortete sie sofort, als wäre es das Normalste der Welt, über so etwas zu sprechen. Silvana grinste verdorben. »Ich lag unten, er oben. Meine Beine waren breit und er hat mich so gerammelt, wie es Jungs in seinem Alter eben machen. Papa hatte seinen Arsch direkt vor Augen, als er mein Zimmer betreten hatte. Und verdammt verschwitzt waren wir, das kann ich euch sagen.«
Dieser Enthüllung folgten weitere Fragen. »Wieso hatte er euch erwischt? Wart ihr zu laut?«, wollte Melissa wissen.
»Aber sowas von. Wir dachten halt, dass wir allein in der Wohnung waren. Es konnte ja keiner ahnen, dass er früher als geplant aus der Nachtschicht zurückkommen würde. Reicht das nun für zwei Punkte?«
Zur Bestätigung vibrierten die Smartphones und zeigten den neuen Tabellenstand an. Dieser wurde mit sieben Zählern von Jenny angeführt – einen Punkt vor Melissa. Lea, die nun am Zuge war, folgte als dritte.
Voller Vorfreude auf das, was kommen würde, ließ sie den Würfel über den Tisch hoppeln und verfolgte seine Laufbahn gespannt. Als er schließlich eine Eins anzeigte, machte sie mit ihrer Spielfigur einen winzigen Schritt und landete auf einem blauen Pflichtfeld.
Lasse dich von der Spielerin oder dem Spieler zwei Plätze rechts von dir vollständig entkleiden. Die Person darf dazu nur den Mund benutzen.
Es war nun also soweit. Lea hielt die Luft an. In wenigen Sekunden würde sie nach Silvana der zweite Nackedei werden.
9.
Ihr Herz ruckelte bedenklich. Heiße Lava wallte durch ihre Adern und obwohl ein gefährliches Kribbeln zwischen ihren Schenkeln davon zeugte, dass sie sich auf die Aufgabe freute, lief sie rot an.
Silvanas Gesichtsausdruck hätte sich nicht deutlicher von Leas unterscheiden können. Die Spanierin funkelte sie gierig an, dann erhob sie sich und kam auf sie zu.
Oh Gott!, dachte sie und krallte sich unbewusst in das Polster. Wie eine Raubkatze baute sich die Spielleiterin vor ihr auf – vollkommen nackt und zu allem bereit.
Leas Blick klebte an Silvanas Schoß – wie hypnotisiert von dem glatten, bronzefarben gebräunten Dreieck, das sich zwischen ihren Schenkeln öffnete. Beinahe mittig glänzte ein silbernes Piercing, eingefasst von zwei zarten, eng anliegenden Schamlippen, die sich eng an das kleine Schmuckstück legten. Der winzige Ring reflektierte das Licht wie ein leiser Hauch von Dekadenz – und passte so zu allem, was diese Frau ausmachte: Dominanz, Ästhetik und Reichtum. Lea schluckte trocken. Noch nie hatte sie einen so intimen Anblick so öffentlich, so kompromisslos und so schön erlebt.
»Willst du, dass ich dich ausziehe, oder möchtest du aussetzen?«, hauchte Silvana verführerisch. Es klang so, als hätte Lea die Wahl, doch beide wussten, dass das Vorgehen beschlossene Sache war. Sie nickte langsam und sah zu ihrer Spielpartnerin auf.
»Dann entspann dich jetzt ein wenig.«
Die Spanierin beugte sich zu ihr herab und drückte sie nach hinten, sodass Lea bequem zwischen einigen Kissen zum Liegen kam. Sie beobachtete mit rasendem Puls, wie sich Silvana auf die Knie sinken ließ, ihre Oberschenkel packte und selbstbewusst auseinanderzog.
Lea saß breitbeinig vor ihr, und obwohl sie noch ihr Höschen trug, fühlte sie sich nackt und ausgeliefert. Sie schluckte.
»Soll ich weitermachen?«, hauchte ihre Gastgeberin und beugte sich vor. Nicht nur ihr Blick lag auf Leas Körper. Als sie sich verstohlen umsah, stellte sie fest, dass alle anderen Spielteilnehmer sie aufs Genaueste beobachteten. Und, ach herrje, Melissa hatte ihre Hand verdächtig tief zwischen ihre eigenen Schenkel geschoben. Fasst sie sich etwa ... dort an?
In Lea explodierte ein Cocktail aus Gefühlen. Sie war erregt, daran zweifelte sie nicht mehr. Aber auch eingeschüchtert. Womöglich etwas verstört, was der Tatsache geschuldet war, dass sich eine fremde Frau offenbar wegen ihr und dem, was mit ihr gemacht wurde, an einer der intimsten Stellen überhaupt berührte ...
Ihr Körper pochte und kribbelte, während die Blicke der anderen sie auffraßen. Selbst Jenny, ihre beste Freundin, die sie seit gefühlt einhundert Jahren kannte, beziehungsweise, zu kennen geglaubt hatte, konnte eine gewisse Gier in ihren Augen nicht verbergen.
Und dann war da Silvana, die plötzlich ganz dicht kam und Lea einen flüchtigen Kuss auf den Bauch verpasste, direkt neben ihrem Nabel. Ihr Magen zog sich deutlich sichtbar zusammen, was ihr mehr als nur unangenehm war. Wie peinlich. Ich führe mich auf wie ein Teenager!
»Gefällt es dir?«, hauchte Silvana und näherte sich mit weiteren Küssen allmählich ihrem Tanga. »Oder soll ich aufhören?«
Lea schüttelte hastig den Kopf. Du sollst nicht aufhören, verdammt. Aber mich auch nicht so quälen. »Mach es ...«
Silvanas Mund erreichte den Stoff. Tastete sich mit der Zungenspitze über das verführerische Blau, knabberte an der Spitze. Sie konnte die Wärme ihres Atems spüren. Und die Feuchtigkeit, welche die spanischen Lippen mit sich brachten ...
Der Funke in Leas Schoß wuchs und wuchs. Sie wusste, was das bedeutete. Schlagartig wurde ihr klar, dass gleich alle ihre ... nun ... Nässe sehen konnten. Und diese stand für Erregung, Lust und Hingabe. War sie dazu bereit? Konnte sie sich in dieser Runde aus Menschen, die sie zum Großteil erst seit Stunden kannte, gehen lassen? Eine Stimme in ihrem Kopf antwortete rasch: Ja. Du kannst es. Lass es zu!
Lea gehorchte. Schloss die Augen. Ließ Silvana machen. Die Spanierin nahm ein Stück des Höschens zwischen die Zähne und begann zu ziehen. Erst ein paar Zentimeter links, dann wechselte sie die Seite und zog rechts. Der Stoff glitt hinunter, während hinter ihm, tief unter der Haut, ein wahnsinniger Puls hämmerte. Schließlich war es geschafft, mit einem Mal ging es ganz schnell. Der Tanga schwebte ihre Oberschenkel entlang und im Anschluss ihre schlanken Waden. Dann trug ihn Silvana wie ein Souvenir im Mund.
»Wer will?«, flüsterte sie, nachdem sie die Unterwäsche mit der Hand aufgenommen hatte. Ohne eine Antwort abzuwarten, ließ sie ihn zu ihren Gästen fliegen.
Die Spanierin kniete noch immer vor Lea und sah lüstern zu ihr hoch, während letztere mit aller Kraft ihre Schenkel aneinanderpresste.
»Nicht so schüchtern«, flüsterte Silvana und küsste ihre Knie. »Zeig uns doch mal, mit wem wir es zu tun haben.«
Lea schüttelte mit zusammengepressten Lippen den Kopf. Diese Situation war so ungewohnt für sie, dass all ihre Alarmglocken läuteten, obwohl sie den Drang verspürte, der Forderung nachzukommen. Nicht, weil sie es musste, sondern weil sie das Bedürfnis danach hatte.
Silvana ließ sich nicht beirren. Legte sanft, aber bestimmt, beide Hände auf jeweils ein Knie. »Ich höre auf, wenn du es sagst. Sagst du nichts ... Mache ich weiter.«
Sie zog die Beine auseinander. Ganz, ganz langsam. Lea wehrte sich nicht. Ließ es geschehen. Sah nicht hin. Ein kühler Luftzug drang an ihre Schamlippen und die Klitoris. Erzeugte überall am Körper eine irrwitzige Gänsehaut.
Mit einem Mal schalteten sich ihre Muskeln auf Autopilot. Ließen sich die Beine von alleine auseinanderschieben, schneller, als Silvana es mit ihren Händen vorgab. Eine Sekunde später war es vollbracht. Lea war nicht nur nackt, sondern auch unsittlich geöffnet. Verdeckte ihre Scham nicht mehr. Zeigte den Anwesenden alles, was es zu zeigen gab. Und sie sah hin. Sah in die Gesichter der Frauen und des einen Mannes, die ihren entblößten Unterleib musterten, glattrasiert und mit äußerst schmalen Schamlippen, die ihr in entsprechender Klamotte stets den perfekten Cameltoe beschert hatten.
»Wenn ich könnte, würde ich dir zehn Punkte geben«, schwärmte Silvana, deren Augen sie zu verzehren schienen. »Du bist zum Anbeißen!«
Die Handys vibrierten und zeigten Lea auf einem geteilten ersten Platz mit Jenny. Je sieben Punkte. Und während ihr Herz raste, als würde sie einen Marathon laufen, kehrte die Spielgesellschaft in die Normalität zurück. Setzte das Spiel fort, als wäre vorher nicht das für Lea intimste geschehen, das sie bis dato hatte durchstehen müssen.
»Eine Sechs«, verkündete Melissa und zählte die Felder ab. Ihre Spielfigur landete auf einem Pflichtfeld.
Setze dich auf den Schoß der Person links von dir. Diese darf eine Hand unter deine Unterwäsche schieben und muss beschreiben, was sie zwischen deinen Beinen ertastet.
»Uh, heiß«, flötete Melissa und warf ihrer Partnerin Lara einen freudigen Blick zu. Ohne zu zögern ließ sie sich auf ihrem Schoß nieder. Die nackten Oberkörper der Frauen schmiegten sich weich aneinander, nur voneinander getrennt durch hauchdünne BHs. Melissas Büstenhalter spannte sich über ihre festen Brüste, die bei jeder Bewegung leicht hüpften, während Laras roter Spitzenstoff fast durchsichtig wirkte und den Blick auf die dunklen Höfe darunter freigab. Die Darstellerin begann damit, die enganliegende High-Waist-Jeans ihrer Freundin aufzuknöpfen. Als sie dann ihre Hand unter das Textil schob, ließ Melissa ihren Kopf stöhnend und mit geschlossenen Augen nach hinten kippen.
Lea, die noch immer an dem knabberte, was ihr vor wenigen Augenblicken passiert war, wurde aus ihren Gedanken gerissen. Sie japste unhörbar nach Luft. Zu keiner Zeit in ihrem Leben hatte sich diese Art der Intimität ungefiltert vor ihren eigenen Augen abgespielt. Klar, sie hatte alleine oder mit ihren Partnern Pornos geschaut, in denen solche Dinge getan wurden. Aber es war etwas anderes, es nicht auf einem Display, sondern in natura zu erleben.
»Ich spüre«, begann Lara erotisch zu flüstern. »Weiche Haut. Dann, wenn ich weiter runter gleite ...«
Melissa stöhnte erneut, als hätte ihre Freundin etwas ganz Besonderes berührt. »Spüre ich eine heiße Spalte.«
Lea schoss Hitze ins Gesicht. Der Funken in ihrem Unterleib sprang und tanzte.
Plötzlich kicherte Lara. »Eine verdammt nasse Spalte sogar!«
»Das ist halt heiß«, keuchte Melissa mit einem Lächeln, deren Becken sich langsam und rhythmisch bewegte, als würde es mit der Hand in ihrem Schritt ringen. »Ich kann nichts dafür.«
Lara forschte weiter. »Wenn ich etwas tiefer gehe, wird es noch nasser. Und da ist ein ... Eingang.«
Die blonde Darstellerin hauchte lustvoll, was bedeuten musste, dass einer der Finger sich etwas genauer mit dem Eingang beschäftigte.
»Und der ist so ... tief.«
Melissa gab ein leises Wimmern von sich, ihr Körper vibrierte unter Laras suchender Hand. Leas Fantasie explodierte: Sie stellte sich vor, wie dieser Finger auch sie berührte, in sie eindrang und feucht umspielte. Ihre Oberschenkel spannten sich an – aus Sehnsucht, nicht aus Scham ... Jetzt war sie sich sicher, dass sie nass wurde. Sorgsam darauf bedacht, dass keiner es bemerkte, überschlug sie ihre Beine.
Als Lara ihre Hand wieder hervorzog, glänzten Zeige- und Mittelfinger ein wenig. Melissa ließ ihre Augen geschlossen und knurrte missmutig. »Nicht aufhören ...«
»Zwei Punkte«, hauchte Silvana und Lea stellte amüsiert fest, dass sich die Spielleiterin Luft zufächelte. Auch in ihr musste etwas passiert sein, denn auf die gut gebräunten Wangen hatte sich ein rötlicher Schatten verirrt.
»Mal wieder ein Führungswechsel«, kommentierte Florian das Vibrieren der Smartphones. Silvana schenkte unterdessen den, die leere Gläser hatten, Wein nach – darunter auch Lea. Sie spürte bereits einen tiefsitzenden Schwips, nein, Schwank, aber sie würde das kostbare Zeug brauchen. Denn sie ging davon aus, dass sie noch viel mehr Hemmungen fallen lassen musste – und da konnte alkoholischer Support nicht schaden.
Lara würfelte im Anschluss und erreichte ein Wahrheitsfeld.
Wen in dieser Runde würdest du am liebsten direkt ausziehen – und warum?
Sie lachte laut und deutete direkt auf Florian. »Den da!«
»Und warum?«
»Na, weil er den einzigen Schwanz von uns hat. Und den muss man sich sichern, oder nicht?«
»Hey!«, empörte sich Melissa mit einem Grinsen und knuffte ihrer Partnerin in die Seite. Das Paar schenkte sich einen verliebten Blick.
»Ich bleibe aber dabei. Wir brauchen mehr männliche Attribute. Ich denke dabei nicht nur an mich, sondern an das Wohl der ganzen Truppe.«
Die Spielgruppe lachte. Jenny, bisher die Zurückhaltendste in puncto Freizügigkeit, saß mit halb geöffneten Lippen da. Ihre Hand lag zwischen ihren leicht gespreizten Oberschenkeln und spielte gedankenverloren mit dem Saum ihres Kleides. Als sie Leas Blick auffing, ließ sie provokant einen Finger unter den Stoff gleiten – nicht tief, aber deutlich. Dann grinste sie erneut ihr schelmisches Lächeln, das Lea dieses Mal besser zu deuten wusste. Ja, Jenny, du hast recht. Der Abend tut mir wirklich gut. Und jetzt lass mich in Ruhe ...
Die Smartphones vibrierten. Laras Punktestand wuchs um einen Zähler. Im Anschluss war Florian an der Reihe und landete auf einem Pflichtfeld. Und als wäre die Forderung seiner rothaarigen Darstellerin erhört worden, leuchtete folgende Aufgabe auf den Displays auf.
Wähle eine Person, die dich vollständig entkleidet.
Eine gespannte Stimmung legte sich über die Spielenden. Lea sah sich fragend um und versuchte, zu raten, wen der Produzent auswählen würde – da zeigte er plötzlich auf sie.
»Ich denke, wenn es schon darum geht, mich als den einzigen Mann auszuziehen, sollten wir der Neuen die Chance dazu geben.«
10.
Florian sah sie hungrig an. Sein Blick verriet ihn. Es ging ihm nicht darum, Lea einen Gefallen zu tun oder sie einzubinden. Nein, da war sie sich sicher. Er forderte, dass sie es tat, weil er sie wollte. So wie er sah nur ein Löwe aus, der seine Beute fest im Blick hatte.
In ihr kribbelte alles. Ihr Funke tanzte Lambada. Und sie war ehrlich zu sich: auch sie wollte ihn. Den Pornoproduzenten. Den Mann, dessen Beruf sie am Tagesanfang noch für schmierig und verrucht gehalten hatte. Und doch zog er sie mit seinem The-Boy-next-door Aussehen magisch an. Ihr gefiel seine selbstbewusste, teils charmante, aber auch verführerische Ausstrahlung. Sie mochte seine Stimme, seinen gepflegten Vollbart, der hart im Kontrast zu Lars glattrasierten Wangen stand, und seine Hände, die das Potential hatten, ihre Welt neu zu entzünden.
Lea vergrub ihre Finger im weichen Polster der Couch. Sie versuchte, ihr Gesicht hinter einer Maske, ihrem Pokerface zu verbergen. Niemand sollte merken, wie angetan sie von dieser Aufgabe war; aus irgendeinem Grund hielt sie das für unangebracht. Betont lässig ließ sie den Blick durch das Loft gleiten. Musterte die erotischen Statuen, die in Stein und Gips gehauenen Brüste, die Porträts aus Ölfarbe und Sex.
Florian stand auf und schwenkte seinen Rotwein. Er sah mit einem einnehmenden Lächeln zu Lea, die höflich grinste und sich ebenfalls erhob. »Bist du bereit dazu?«
Sie biss sich auf die Unterlippe und nickte. Musterte flüchtig seine Brust und die herausstechenden Konturen seines Schlüsselbeins.
Verdammt, seit wann reizen mich Knochen?, dachte sie und verkniff sich ein Schmunzeln. Der Produzent stand reglos da und beobachtete, wie sich Lea an Silvana, Jenny und dem Couchtisch vorbei bewegte. Bei jedem ihrer kurzen Schritte spürte sie, wie hüllenlos sie eigentlich war. Fühlte, wie die Blicke der Gäste auf ihrem entblößten Gesäß, ihrer Vagina, den Hüften und Brüsten lagen. Dann stand sie vor ihm. Sie konnte seinen Duft riechen, sportlich und maskulin. Bildete sich ein, seine Aura wahrnehmen zu können, die so einnehmend und einprägsam war.
Schüchtern sah sie ihn an. Er erwiderte ihren Blick mit einem ermutigenden Nicken in Richtung seiner Hose. Sie trat einen winzigen Schritt näher, bis sie fast seine Hitze spüren konnte und legte ihre Hände vorsichtig an seine Hüften. Ihre Finger berührten die warme Haut direkt über dem Hosenbund, spürten die harten Konturen seiner Beckenknochen.
Florian zuckte leicht unter ihrer Berührung zusammen, und sie bemerkte, wie sich die Härchen auf seinem Bauch aufrichteten. Abgesehen davon zeigte er keine Regung. Er beobachtete interessiert, wie ihre Finger zur silbernen Gürtelschnalle wanderten. Ihr Herz raste vor Aufregung und ja, auch vor Ekstase.
Es klickte leise, als sie das braune Leder öffnete. Langsam löste sie den Knopf der dunkelblauen Chino, spürte das leichte Zittern seiner Muskeln direkt hinter dem Stoff. Vorsichtig griff sie den metallenen Zipper, zog ihn zentimeterweise herunter und enthüllte Stück für Stück die straffe Linie seiner Boxershorts.
Lea sah auf und suchte im Gesicht des Produzenten nach etwas, das ihr im letzten Moment doch noch Einhalt gebieten würde. Aber sie fand nichts dergleichen, nur stumme Zustimmung. Sie schluckte. Nahm ihren Mut zusammen. Ließ ihre Finger von der wachsenden Lust führen. Die Hose glitt herunter, gab die Shorts frei und das, was sich hinter deren Stoff abzeichnete.
Hitze stieg in ihr Gesicht, verkohlte ihre Haut und hinterließ eine sengende Glut.
Sein Penis, dachte sie und bekam einen trockenen Mund. Florians bestes Stück war definitiv erigiert, das dürfte selbst ein Blinder erkennen. Ihr Herz machte einen Sprung. Der Gedanke, dass ihm das, was sie tat, tatsächlich gefiel, ließ neuen Ehrgeiz in ihr wachsen. Und so verlangsamte sie ihr Tempo. Nahm sich heraus, den Mittdreißiger mit Ruhe zu quälen und ihn dabei frech in die Augen zu sehen.
Florian schien zu verstehen, was sie dachte. Im ersten Moment wirkte er verwundert, dann formte sich auf seinen Lippen ein wissendes Grinsen. Sie beugte sich hinab. Die Chino glitt über seine Knöchel. Er hob seine Füße – einen nach dem anderen - aus den Hosenbeinen. Lea zog ihm die schwarzen Socken aus. Anschließend sah sie auf. Hatte die Boxershorts direkt vor sich. Wenn sie es wollte, und ja, diesen Gedanken hatte sie, konnte sie sanft in den Stoff beißen und so seinen Schwanz ertasten. Aber sie tat etwas anderes. Griff den Saum der Shorts und schob Zeige- und Mittelfinger darunter. Dann sah sie sich um und stellte fest, dass ihre Mitspielerinnen sie, die Neue in ihrer Runde, mit Begeisterung in den Augen beobachteten. Jenny nickte ihr zu, als wollte sie Lea dazu auffordern, den Auftrag auszuführen. Silvana zwinkerte ihr zu.
Sie tat es. Zog die Shorts quälend langsam herunter. Dunkle Haarstoppeln kamen zum Vorschein, dann die Wurzel seines besten Stückes. Dieser schloss sich ein kräftiger Schaft an, der durch das Textil heruntergezogen wurde. Als schließlich der Punkt des größten Widerstandes überwunden war, schnellte der Speer befreit hervor. Stand direkt vor Leas Gesicht, nur wenige Zentimeter von Mund und Nase entfernt. Es wäre so leicht, dachte sie, sein bestes Stück zu packen. Zu lecken, in den Mund zu nehmen und zu verwöhnen. Genau so, wie sie es vor kurzem mit Dönerboy getan hatte, nur dass sie es jetzt wirklich wollte. Nicht, weil sie das Gefühl hatte, eine dringend herbeigesehnte Kerbe erzwingen zu müssen. Nein. Es ging ihr tatsächlich um Lust und Verlangen. Um Ekstase und Trieb.
Florians Shorts glitt an seinen haarigen Beinen herunter. Aber das beobachtete sie nicht. Stattdessen versuchte sie, sich jedes Detail des Penis vor sich einzuprägen. Ihn mit Blicken zu verschlingen. Sie sah die feinen Adern, die sich über den Schaft spannten. Die Eichel, die sich mit Wucht und Spannung aus der Vorhaut herausgekämpft hatte. Seine getrimmte Schambehaarung, die wie sein Vollbart einen gepflegten Eindruck hinterließ.
Lea seufzte. Die Szene drohte sie in ihrer Kombination aus Anspannung, den beobachtenden Blicken und Lust zu überwältigen. Sie schwebte in einer dichten Gedankenwolke. Plötzlich hielt ihr Florian seine geöffneten Hände entgegen. Sie sah zu ihm auf und verstand, dass es an der Zeit war, aufzustehen. Sie griff zu und wurde von ihm auf die Füße gezogen.
»Hat dir das gefallen?«, flüsterte er so, dass nur sie es hören konnte. Sie nickte hastig, und als könnte sie selbst kaum glauben, was sie da soeben getan hatte, drehte sie auf dem Absatz um und kehrte mit ungläubig aufgerissenen Augen eilig zu ihrem Platz zurück. Sie wusste nicht, ob es sich um Einbildung handelte, aber sie spürte, wie sein Blick auf ihrem Hintern klebte. Mein Arsch. Mein Aushängeschild.
»Zwei Punkte, würde ich sagen. Du kannst dich bei Lea für ihre tolle Show bedanken.«
Silvana tippte etwas in ihr Smartphone, woraufhin die der anderen vibrierten. Florians Punktekonto, der freudig nickte und Lea ein dankbares Zwinkern schenkte, wuchs auf sechs Zähler. Die Spielleiterin ergriff den Würfel und ließ ihn über den Tisch holpern.
Halte der Person links von dir deine Brust vors Gesicht. Lass sie die Brust mit Küssen und der Zunge verwöhnen.
Jenny, die die angesprochene, linke Person war, quiekte voller Vorfreude. Lea schmunzelte. Sie hätte es niemals für möglich gehalten, dass ihre beste Freundin so derart erpicht darauf war, einer anderen Madam an die Brüste zu gehen.
Die Frauen wandten sich einander zu und näherten sich. Silvana, die etwas größer als ihre Spielpartnerin war, musste sich nicht deutlich erheben, um ihren Vorbau auf die geforderte Höhe zu bringen. Jenny leckte sich gierig und theatralisch über die Lippen – dann versetzte sie erst der einen Brust einen Kuss, bevor sie das Gleiche mit der anderen tat. Silvana kicherte verhalten, während Lea sah, wie sich die Brustwarzen der Spanierin verhärteten.
Jenny legte eine Hand an die Taille ihrer Partnerin, die andere auf ihren Rücken. Sie wiederholte die Küsse. Es schmatzte leise. Dann setzte sie ihre Zunge ein. Spielte an den Nippeln, zog feine Kreise um deren Höfe. Silvana schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken. Lea hingegen fragte sich, ob sie selbst empfindlich genug an ihren Brüsten war, um durch gezielte Berührungen Lust zu verspüren.
Warum weiß ich das eigentlich nicht?, schoss es ihr in den Kopf. Sie begann augenblicklich, ihr bisheriges Sexleben drastisch zu hinterfragen. Sie hatte sich und ihre Partner bis dahin nie für Mauerblümchen gehalten – und doch saß sie da und zweifelte an ihren sexuellen Erfahrungen.
Mit einem Grinsen ließ Jenny von Silvana ab. »Reicht dir das?«, hauchte sie verführerisch. Die Spanierin atmete flach, ihr Oberkörper bebte.
»Von mir aus könntest du das Stunden lang machen.«
Die Stimme der Spielleiterin war nicht mehr als ein Hauch. »Aber so viel Zeit haben wir wohl nicht ...«
Während die Spanierin etwas in ihr Handy tippte, beugte sich Jenny zu Lea. »Sie steht darauf, wenn man ihre Nippel verwöhnt«, flüsterte diese verschwörerisch. »Das ist ihr Startknopf.«
Silvanas Punktestand wuchs auf fünf Punkte. Damit waren sie und Lara gleichauf auf dem letzten Platz der Tabelle. Aber irgendwie schien sich daran keine von beiden zu stören. Im Gegenteil. Sie warfen sich – und oh Gott – auch Lea, vielsagende Blicke zu. Blicke, die mitteilten, dass es in Wirklichkeit um etwas ganz anderes ging als einen Wettkampf und dass die Punkte nur dem Schein dienten. In ihr kribbelte es gewaltig. Einerseits triggerte es sie, dass sie die Einzige war, die nicht wusste, was noch auf sie zukommen würde. Andererseits verspürte sie eine enorme Spannung, die erregender kaum hätte sein können ...
Jenny würfelte und landete auf einem Wahrheitsfeld.
Hattest du schon einmal eine Sexfantasie mit deinem besten Freund/deiner besten Freundin?
Leas Kopf flog herum. Sie sah ihrer Jenny direkt in die Augen. Aus dem Kreis der Anwesenden kam ein gespanntes Raunen. Lara und Melissa beugten sich vor, als wollten sie die Ersten sein, die die Antwort zu hören bekamen.
Jen biss sich diabolisch auf die Unterlippe und lächelte frech. Dann nickte sie – und musterte Lea beabsichtigt langsam von oben bis unten.
»Jenny!«, rief diese erstaunt aus. »Wirklich?!«
Die Gruppe brach in schallendes Gelächter aus. Nur Lea blieb stumm und besann sich darauf, ihre überwältigende Überraschung ungefiltert nach außen zu tragen. Der Mund stand ihr weit offen und sie war sich sicher, dass nie zuvor mehr Falten auf ihrer Stirn gestanden hatten.
»Story, Story!«, skandierte Melissa und die anderen stiegen mit ein. »Story, Story!«
Jennys Mund wurde immer breiter.
»Fantasien, mit mir?«, hakte Lea nach. In ihrer Stimme lag ein unbeabsichtigtes Quietschen, das ihr peinlich war.
»Story, Story!«
Die anderen wurden lauter. Jenny sah sich um, dann grinste sie ihre Freundin entschuldigend an.
»Lea ... Kannst du dich noch an unseren Saunabesuch erinnern? Den, nachdem du letztes Jahr von Mauritius wiedergekommen bist?«
Lea nickte langsam und versuchte, sich den Saunatag in Erinnerung zu rufen. Aber sie fand keine Besonderheit, die auf eine sexuelle Fantasie schließen ließ.
»Du warst so unglaublich gut gebräunt. Nicht so blass wie sonst.«
»Danke«, knurrte Lea. Mit ihrer hellen Haut wurde sie nicht das erste Mal aufgezogen.
»Du hattest richtige Tanlines. Am Oberkörper und am Hintern. Ich finde das ultra-hot!«
»An mir? An Frauen?«
Abermals brach die Spielgruppe in Gelächter aus. Lea war sich sicher, dass das nicht am Inhalt dessen lag, was sie sagte, sondern an ihrem kindlichen Quietschen.
»Du warst echt sexy. Und an diesem Tag habe ich dich mehr als nur ein paar Mal nackt gesehen.«
»Oh Gott, ich wusste nicht ...«
»Das ich bisexuell bin?«
Sie nickte.
»Das habe ich dir ja auch nie erzählt.«
»Aber ... das hätte ich doch merken müssen.«
Irgendwie fühlte sich Lea von Jenny verraten. Ihr als ihre beste Freundin hätte sie von ihrer sexuellen Ausrichtung erzählen können, erzählen müssen. Machte das nicht eine Freundschaft aus? Grundsätzliche Offenheit? Seltsamerweise konnte sie ihr nicht böse sein. Ob das an der Wucht ihres Geständnisses lag, oder nur am Wein – sie wusste es nicht.
»Darüber müssen wir mal in Ruhe sprechen«, forderte sie schließlich. »Es ist ein Unding, dass ich davon nichts weiß ...«
»Tut mir leid, Süße«, zeigte sich Jenny reumütig, und dennoch belustigt. »Wir holen das nach.«
Silvana mischte sich in das Gespräch ein. »Für den zweiten Punkt müsstest du erzählen, wie genau diese Sexfantasie aussah.«
Leas Herz schlug schneller. Das wüsste ich auch gerne!
Jenny sah in die Runde. Und dann gab sie der hungrigen Meute das, was sie hören wollte. »Oh Leute«, begann sie schwärmend. »Es war so heiß. In der Sauna und in meinem Kopf. Diese Bräune, diese ... Tanlines. Hach. Und ich saß genau daneben. Konnte alles sehen. Stand hinter ihr, als sie sich vorbeugte, um aus einem der Fenster zu gucken. Hatte ihren Knackarsch direkt vor mir ... Da begann mein Kopfkino.«
»Das kann ich nachvollziehen«, kommentierte Florian trocken. Lea spürte, dass sie rot wurde. Sie nahm die Worte des Produzenten als Kompliment. Er, ein Mann, der aufgrund seines Berufes wahrscheinlich tausende Ärsche gesehen hatte, stand auf den ihren. In ihrer Körpermitte kribbelte es. Sie grinste. Mein Hintern ist mein Aushängeschild.
»Ich habe mir dann vorgestellt, wie ich sie packe, wie ich ihren Po auffresse, ihn ordentlich mit der Zunge bearbeite, bis sie das Stöhnen anfängt.«
Mit jedem Wort wurde Lea heißer.
»Wie ich sie zu mir auf den Schoß ziehe. Wie ich ihr anschließend zeige, wie Frauen miteinander schlafen – nein – ficken.«
»Jen!«, keuchte Lea erneut, dieses Mal eine Spur weniger entrüstet. In ihrer Stimme lag neben dem Entsetzen etwas, das an Neugier erinnerte. Wie hätte sie wohl reagiert, wenn Jenny sie in der Sauna wirklich gepackt und befummelt hätte?
»Nun, den Rest könnt ihr euch schön selbst ausmahlen.«
»Okay, zwei Punkte«, bewertete Silvana das Gesagte.
Jenny übernahm mit neun Zählern die Führung. Lea beugte sich zu ihrer Freundin. »Wir müssen wirklich mal reden!«, flüsterte sie. »Du freches Früchtchen schuldest mir eine Erklärung!«
»Kein Ding, aber das muss bis morgen warten.«
Jenny gab ihr den Würfel. »Du bist.«
Lea sah sie an. Und nickte. Dann flog das Spielgerät und schickte ihre Spielfigur auf ein Pflichtfeld.
Wähle einen Spieler oder eine Spielerin und beglücke diesen mit einem feurigen Lapdance.
Sie las den Text auf ihrem Smartphone mehrmals und überlegte, was genau ein Lapdance gleich war. »Ist das nicht so eine Art Striptease?«
»Nicht direkt«, antwortete Lara schnell. »Bei einem Lapdance ziehst du dich nicht nur tanzend aus, sondern wirst körperlicher.«
»Körperlicher?«
»Ja. Du bindest die Person, um die es geht, mit Berührungen direkt ein.«
»Du bist schon nackt«, warf Melissa ein. »Das Ausziehen kannst du dir sparen.«
In der Stimme der jungen Blondine schwang eine gewisse Erregung mit, als erhoffte sie sich Leas Gunst. Doch diese hatte eine andere Idee. Ihr Blick flog, gesteuert von ihrem tiefsten Verlangen, zu Florian, der sie neugierig betrachtete.
»Also«, begann sie. »Ich soll tanzen. Und dabei berühren?«
»Grob: ja. Du kannst alles nutzen. Setze dich auf den Schoß der Person. Lasse sie dich spüren. Spiel mit ihr. Setze deine Reize ein.«
»Ich habe so etwas noch nie gemacht.«
»Das macht nichts«, beruhigte sie Silvana. »Ein Lapdance ist Erotik pur, ohne strikte Vorgaben. Erst recht nicht in unserer kleinen Runde. Von daher, mach es so, wie du willst.«
Lea nickte.
»Wer wird der oder die Glückliche?«
»Flo«, reagierte sie direkt. Der Produzent horchte auf. Sein Gesicht sprühte vor Begeisterung und der Gier, die sie schon vor Kurzem bei ihm festgestellt hatte. Sofort bemerkte sie, dass sie zu schnell geantwortet hatte. Sie hätte sich mehr Zeit lassen sollen.
Ihr wurde bewusst, dass selbst die Naivsten unter den Anwesenden nun wissen mussten, wie sehr sie sich nach ihm und seinem Körper verzehrte. Und dem, was froh und munter zwischen seinen Beinen stand und in Richtung Bauchnabel zeigte.
11.
Lea schluckte. Sie erhob sich mit wackeligen Knien, ihr Ziel vor Augen. Ging auf den Produzenten zu. Sie spürte bei jedem Schritt, wie ihr Körper bebte. Wie ihre Brüste leicht hüpften, wie ihr Po seinen Charme versprühte. Die Aufmerksamkeit lag auf ihr, alle sahen sie an. Beobachteten, wie sie vor Florian stehenblieb. Verunsichert zu ihm heruntersah.
Er lächelte in froher Erwartung, hatte die Beine leicht geöffnet und die Arme verschränkt. Sein bestes Stück reckte sich freudig nach oben. Lea biss sich auf die Unterlippe und grübelte. Sie fragte sich, wie man einen Lapdance eröffnete. Welcher Move zum Anfang angemessen war. Unsicher und zögernd begann sie, ihre Hüften langsam und verführerisch kreisen zu lassen, spürte, wie sich bei jeder Bewegung ihre Schamlippen leicht öffneten und wieder schlossen.
Sie fühlte sich dabei unendlich dämlich. Aber sie setzte ihren Tanz fort. Legte ein verspieltes Grinsen auf, das sie für erotisch genug hielt, um ihre Einlage zu unterstreichen. Florian kicherte, während sie mit den Händen ihre Taille herabfuhr, über die Hüften und die Rundungen ihres Hinterns glitt. Er fraß sie mit Blicken, musterte ungeniert ihren Schritt, ihre Brüste, einfach alles. Leas Gesicht brannte vor Scham und Erregung. Aber es gefiel ihr. Der Funke in ihr kribbelte und schenkte ihr den Mut, sich um die eigene Achse zu drehen und dem Mann ihrer Begierde ihren Arsch zu präsentieren.
Florian pfiff leise. Wie soll ich weitermachen? Ewig konnte sie nicht damit auskommen, die Hüften kreisen zu lassen. Sie folgte einem spontanen Impuls und setzte sich auf seinem nackten Schoß. Spürte, wie sein harter Penis ihren Hintern berührte. In ihr schrie alles kreuz und quer vor Lust. Sie war sich sicher, dass auch zwischen ihren Beinen etwas passierte und dass sich heiße Nässe ausbreitete.
In dem Moment, als seine Hände ihre Hüften umfassten, explodierte eine prickelnde Gänsehaut auf ihrem Körper und wanderte blitzschnell von ihrer Taille über den Rücken bis hinauf in ihren Nacken.
Sie wünschte sich sehnlichst, dass er sie intensiver berühren würde, und als hätte er ihre Gedanken gelesen, tat er es. Er glitt an ihrer Haut entlang. Über die Taille in Richtung Oberkörper. Stück für Stück, während sie zumindest den Anschein einer Tanzbewegung wahrte und ihren Po in aller Ruhe an seinem Schoß rieb.
Als er schließlich ihre Brüste streifte, kam von Silvana ein leises Raunen, irgendjemand pfiff anerkennend. Lea drückte ihren Körper nach hinten, sodass ihre Wange sein Gesicht berührte. Und dann tat er es, legte seine Hände fest auf ihre Hupen. Er übte leichten Druck aus, der sich so unendlich gut anfühlte und ihre Nippel hart wie Stein werden ließen. Ihr Herz raste und sie konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken. Das ist kein Lapdance, dachte sie, sondern Sex!
Sie presste sich dichter an ihn. Nicht mehr lange, und ihre Körper würden verschmelzen. Die Hitze zwischen ihren Beine wurde zu einem Feuer. Erst recht, als Florian mit einer Hand ihren Bauch streichelte und tiefer glitt, den Bauchnabel passierte und ihren Venushügel streifte. Instinktiv öffnete sie die Schenkel so weit, dass er einen Weg zu ihrer Muschi fand. Seine Finger berührten die Schamlippen. Er spielte vorsichtig mit ihrer Spalte und nutzte die Nässe, um sich ein Stück in diese hineinzuwagen. Er drang nicht in sie ein, war aber verdammt kurz davor.
Leas Körper bebte. Sie bäumte sich auf, befeuert von einer Energie, die sie so lange nicht mehr verspürt hatte. Ich lebe!, schrie es in ihr. Sie verstand sofort, dass sie jenes Gefühl meinte, als sie mit Jenny über ihre sexuellen Sehnsüchte gesprochen hatte. In diesem Moment wünschte sie sich nichts sehnlicher als Sex. Sex mit Florian, einem Mann, den sie erst seit ein paar Stunden kannte. Das Leben ist verrückt.
»Gefällt es dir?«, flog die Stimme von Silvana an sie heran. Lea war nicht imstande, ein seliges Grinsen zu unterdrücken.
»Es ist soooo schön«, schnurrte sie mit geschlossenen Augen. Ihr war bewusst, dass alle sie anstarrten. Ihre Show genauestens beobachteten und sich womöglich an dieser aufgeilten. Es war ihr egal. An jedem anderen Ort, mit allen anderen Menschen, wäre dies nicht der Fall gewesen. Aber hier, in Silvanas Loft, galten eigene Regeln. Hier regierte die Erotik. Alles war intim. Und die Gäste setzten alledem die Krone auf. Verliehen Lea mit der offenen Zurschaustellung von vorurteilsfreier Sinnlichkeit ein enormes Selbstbewusstsein, das sie niemals für möglich gehalten hätte.
Sie spürte eine Berührung an ihrer Hand. Sie öffnete die Augen. Sah, dass Jenny sie streichelte.
Etwas hatte sich verändert. Und zwar ziemlich krass. Die Gäste taten plötzlich Dinge, die nicht mehr im Einklang mit den Pflichtaufgaben des Spieles standen. Lara und Melissa küssten sich. Aber nicht nur flüchtig. Nein, intensiv, eng umschlungen, schmatzend mit Zunge. Sie berührten sich an Brüsten, Taillen und im Gesicht. Die Rothaarige ließ sich dabei von ihrer Partnerin vollständig entkleiden.
Lea schluckte. Die Luft um sie herum schien zu vibrieren. Sie sah Jenny fragend an, aber diese antwortete nur mit einem Zwinkern. Und dann verstand sie plötzlich. Das Spiel war vorbei. Und doch irgendwie auch nicht. Nur gab es jetzt keinen Würfel mehr, keine Karten und Aufgaben. Keine Tabelle, keine Punkte. Nur Feuer und Lust. Wie, um ihre Gedanken zu bestätigen, verließ Florians Finger seine Lauerstellung und drang in sie ein. Sie stöhnte, dieses Mal lauter.
Silvana trat langsam an Lea heran, wie eine Raubkatze, die genau wusste, dass ihre Beute sich nicht wehren würde. Ihre grünen Augen flackerten vor Gier. Sie beugte sich zu ihr herunter und küsste sie. Leas Herz explodierte, während die Zunge der Spanierin um Einlass bat. Und obwohl sie noch nie lesbische oder bisexuelle Gedankengänge gehabt hatte, gestattete sie es, öffnete die Lippen und ließ den Gast herein. Zungenspitzen berührten sich und begannen einen sinnlichen Tanz, der ungewohnt und saugut zugleich schmeckte.
Ihr Körper bestand aus Gänsehaut. Silvana streichelte ihre Wangen, fuhr mit den Fingernägeln durch Leas Haar. Unterdessen drangen Florians Finger tiefer. Sie stöhnte und krümmte sich. Sie wusste kaum, worauf sie sich am ehesten konzentrieren sollte. Auf das, was in ihrem Mund geschah, oder auf die Party zwischen ihren Beinen.
»Viel Spaß«, flüsterte Jenny in ihr Ohr. Lea sah sie fragend an, doch ihre beste Freundin hatte sich bereits abgewandt und schloss sich dem knutschenden und fummelnden Paar an, das sie direkt in ihre Mitte nahm und in ihr Liebesspiel einbezog.
Silvana beendete den Kuss, grinste mit feuchtem Kinn und ließ sich elegant auf die Knie gleiten. Ihre gebräunte Haut glänzte im schummrigen Licht, der schmale Körper geschmeidig wie eine Tänzerin. Ihre Finger legten sich kraftvoll auf Leas Innenschenkel. Mit einem Griff spreizte sie sie auseinander. Diese war nun vollkommen blank, nur die Hand des Produzenten verdeckte ihren Eingang.
»Ich bin dran«, hauchte sie dem Mann zu. Dieser gehorchte und machte den Weg frei für die Zunge der Spanierin.
Lea stöhnte, als ihre Klitoris ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wurde.
»Oh Gott«, entfuhr es ihr und sie krallte sich mit den Fingern ins Polster. Silvana wusste genau, was sie tun musste, um sie in vollkommene Ekstase zu versetzen. Ihre Zunge wirbelte, verwöhnte all das, was ihre Achterbahn durch die engen Kurven der Lust rasen ließ. Saugte und schmatzte. Und ja, manchmal zwickte sie, knabberte vorsichtig an ihren Schamlippen und drang mit der Zungenspitze in sie ein.
Die Spanierin leckte nicht zum ersten Mal eine Frau, dachte Lea mehrfach. Sie hatte mit Gewissheit schon den einen oder anderen weiblichen Körper zum Beben gebracht, da war sie sich sicher. Und als Silvana schließlich und ohne Ankündigung ihren Zeigefinger in sie einführte, gab es kein Halten mehr.
12.
Lea schrie auf. Ihr Körper bog sich durch, während die Spielleiterin, die keine mehr war, sie leckte und fingerte. Florian spielte mit ihren Brüsten. Der Funke in ihr glich längst einem Flächenbrand, genährt von Benzin, das ihre pornogeilen Spielkameraden regelmäßig und genüsslich nachgossen. Dieser Eindruck verstärkte sich, als sich ein weiterer Finger in sie bohrte und einen Punkt traf, den weder Lars, noch sonst einer ihrer ehemaligen Partner, in der Vergangenheit getroffen hatte. Es fühlte sich so unbeschreiblich geil an, dieser Frau und Florian ausgeliefert zu sein.
Doch auf einmal ließ Silvana von ihr ab. Ihr Gesicht glänzte nass, als sie den Kopf hob und zu ihr aufsah. Sie leckte sich über die Lippen. Dann richtete sie sich auf und zog Lea mit einem entschlossenen Griff an den Händen auf die Beine und drehte sie so, dass Lea dem Produzenten direkt zugewandt dastand. Die Spanierin deutete auf seinen Schwanz, der von Minute zu Minute mehr anzuschwellen schien.
»Was würdest du gerne mit ihm machen?«
Das wusste Lea direkt. Ohne nachzudenken und ohne kostbare Zeit zu verschwenden, sank sie vor dem ihm auf die Knie. Griff sein bestes Stück und umschloss es mit der Hand. Bewegte diese Auf und Ab und registrierte die Hitze, die von dem Fleischspeer ausging. Spürte sein Pulsieren, das Wallen von Blut und Männlichkeit. Dann verschlang sie ihn. Nahm ihn in ihrem Mund auf. Schmeckte Salz und Leidenschaft. Umspielte die glatte Eichel mit der Zunge, während Silvana sich von hinten an sie schmiegte und die Seiten ihres Halses küsste.
Alles in diesem Loft glomm nur so vor Geilheit. Florians Stöhnen untermalte diesen Eindruck, Leas Schmatzen rundete ihn ab. Und indessen sie den Penis blies, kam von der Seite ein Ächzen, dass sie Jenny zuordnete. Verstohlen beobachtete sie, wie ihre beste Freundin im Liegen von Lara gefingert wurde, während Melissa ihren mittlerweile vollständig entkleideten Körper mit Küssen eindeckte.
Lea konzentrierte sich wieder auf den Schwanz in ihrem Mund. Ließ ihre Zunge spielerisch die Eichel erkunden, während sie gleichzeitig den Hoden massierte. Florians Hände legten sich auf ihren Kopf und er zwang ihr seinen Wunschrhythmus auf. In diesem Moment war sie sein Spielzeug – und diese Tatsache störte sie nicht im Geringsten. Sie hatte keine Zweifel daran, dass auch sie bald auf ihre Kosten kommen würde. Also spielte sie mit. Besorgte es ihm mit ihrem Mund, während sich Silvana an Leas Hintern rieb.
Ihre Lippen schmatzten leise, als sie ihn tiefer nahm. Spürte, wie er ihre Kehle kitzelte – und ließ es zu. Ein kurzes Würgen, gefolgt von einem kecken Kichern der Spanierin. Speichel lief ihr aus dem Mundwinkel. Ihre Zunge bewegte sich spiralförmig um die pulsierende Eichel. Sie blickte zu Florian auf, ihre Augen glasig, unterwürfig – und unendlich gierig. Er presste ihr den Kopf noch tiefer.
Einem jähen Impuls folgend spuckte sie den Penis aus, der zuckend auf seinen Bauch klatschte. Etwas in ihr, das aus animalischer Lust und einem unbändigen Verlangen bestand, ließ sie wie ferngesteuert aufstehen. Sie kniete sich auf die Couch, sodass seine Beine und das Becken genau unter ihr waren. Entschlossen ergriff sie sein Ding, stellte es auf – und setzte sich.
Als sein Schwanz in sie glitt, entfuhr ihr ein langgezogener Laut der Lust. Sie spürte, wie Jennys sie beobachtete. Für einen Moment sah sie ihre Freundin an, die ihren Blick mit einem zufriedenen Lächeln erwiderte. Dann konzentrierte sich Lea auf das, was in ihr passierte. Darauf, wie sie ausgefüllt wurde, wie sich der fremde Körper Zugriff zu ihr verschaffte.
Ihre Knie kribbelten auf dem Polster. Sie spürte, wie sich jeder Zentimeter ihrer Spalte eng um seinen Schaft schmiegte. Florian sah sie an. Kein Wort wurde gesprochen, doch alles lag in diesem Blick: Genuss, Lust, Anerkennung. Schweißperlen glitzerten auf seiner Brust, während sie sich langsam zu bewegen begann.
Sie genoss jede Millisekunde der Reibung. Spürte die Hitze und Härte in ihr. Bemerkte, wie ihr Blut kochte und die Haut dort, wo Silvana sie streichelte, kribbelte, als würden hunderte Ameisen über sie hinwegkrabbeln.
Florian vergrub seine Finger in ihren Pobacken und zog diese auseinander. Machte alles von ihr sichtbar. Mit geschlossenen Augen lehnte er sich zurück und genoss das, was sie mit ihm tat. Lea ritt ihn schneller. In ihr glomm die Sehnsucht nach einem lange herbeigesehnten Orgasmus. Und während sie dies tat, spürte sie, wie sich die Spanierin an ihrem Arsch zu schaffen machte. Wie sie ihre Backen mit Küssen erkundete und brennende Feuchtigkeit hinterließ. Sie führte ihre Lippen abwärts, glitt immer tiefer, küsste den unteren Rand ihrer Pobacken.
Dann: ein Hauch. Wärme. Dort, wo sie diese nicht gewohnt war. Lea spannte sich an. Silvanas Zungenspitze fuhr einen feinen Kreis um ihren Anus, dann noch einen, dieses Mal mit leichtem Druck.
Lea quiekte vor Überraschung. Ihr Atem stockte. Nie zuvor hatte jemand ihren Hintereingang geleckt – geschweige denn so behutsam, so gezielt. Das Gefühl war fremd. Und doch so verdammt gut. Das sanfte, freche Kitzeln gefiel ihr. Machte sie nur umso wuschiger. Sie hob und senkte ihr Becken schneller. Ihr Puls beschleunigte sich, der Flächenbrand in ihr war unlöschbar.
Florian schien zu bemerken, dass ihr Höhepunkt näherkam. Er verstärkte den Griff an ihrem Hintern und gab ihr zu verstehen, dass sie langsam machen sollte. Sie biss sich auf die Unterlippen und verspürte für den Bruchteil einer Sekunde den Anflug von Ärger. Und dennoch verstand sie, dass ein Orgasmus zwar wichtig war, aber hinausgezögert werden konnte. Und verdammt, das wollte sie. Ihr erster Sex am Ende einer furchtbar langen Durststrecke durfte kein Quickie sein.
Mit tiefer Genugtuung dachte sie an Lars, der bei dem, was in Silvanas Loft geschah, rot vor Neid werden würde. Irgendwie wusste Lea, dass sie, sollte es jemals zu einer Bewertung des Geschehenen kommen, ihr Sexabend dazu führen würde, dass sie die Trennung gewann. Und das mit großem Abstand.
Sie konnte nicht verhindern, dass sich ein breites Grinsen über ihre Lippen zog. Ja, ihr Ex hatte womöglich mit mehreren Partnern Sex – oder eben nur mit der Schlampe, mit der er Lea fremdgegangen war. Das spielte keine Rolle. Ihr Sex, der erste seit Tag X, war dafür leidenschaftlicher. Geiler. Vielfältiger. Alles andere als normal.
Florian drückte ihr Becken hoch. Sein Penis glitt aus ihr heraus und glänzte in voller Nässe. Er schob sie zur Seite, so dass er aufstehen konnte. Silvana nahm seinen Platz ein, lehnte sich in die Kissen und spreizte die Beine. Deutlicher hätte die Einladung, sich um ihre Spalte zu kümmern, nicht sein können. Doch diese galt nicht dem Produzenten, sondern Lea.
»Du bist dran«, hauchte die Spanierin, während Florian ihr mit sanftem Druck im Nacken zu verstehen gab, dass sie sich hinknien sollte. Sie folgte der Aufforderung. Ließ sich vor Silvana nieder, deren Körperhitze den Raum einzunehmen schien. Sie packte Lea verführerisch am Kinn und zog sie zu sich heran. Als sie ihre Muschi vor sich hatte, bemerkte sie das Blitzen des silbernen Intimpiercings.
Ihre Nasenspitze berührte beinahe die Schamlippen. Sie sog einen Schwall Luft ein, wollte lernen, wie eine Pussy roch, doch der Geruch war so gut wie nicht wahrzunehmen. Sie konnte lediglich den dezenten Duft eines Duschgels wahrnehmen, das an Früchte erinnerte. Lea schmunzelte. So dicht war sie dem weiblichen Geschlecht noch nie gewesen. Obwohl sie als Frau mit dem femininen Lustzentrum vertraut war, war es doch etwas gänzlich anderes, eine fremde Muschi vor sich zu haben.
Der Gedanke, wie oft sie selbst verwöhnt worden war – mit Zungen, Fingern, manchmal beidem – prallte nun auf die Erkenntnis, dass sie sich nun am gebenden Ende befand. Das fühlte sich nicht falsch an. Es fühlte sich an, als würde sie einen verborgenen Teil ihrer Sexualität entdecken. Und dieser schmeckte besser, als sie es sich je ausgemalt hatte.
Eine brennende Neugier keimte in ihr. Sie wollte es wissen. Musste es probieren. Also tat sie es. Streckte zögerlich die Zunge aus und berührte eine der Lippen. Silvana zuckte, als würde ein elektrischer Blitz aus Lea hervorschießen. Sie verstärkte den Druck und glitt herein.
Ein süßlicher Geschmack breitete sich auf ihrer Zunge aus – viel zarter, viel aufregender, als sie es sich je hätte vorstellen können. Lea schloss die Augen. Es war wie der erste Biss in eine feuchte Frucht, von der man nicht wusste, dass man sie liebt. Ihre Zunge grub sich etwas tiefer, sodass sie die glatte Innenseite ihrer Muschi kennenlernen konnte.
»Langsamer… ja… so ist’s gut«, hauchte Silvana, während sie ihre Schenkel noch weiter öffnete und ihre Partnerin führte. Alles war so neu für Lea. Neu und wunderbar. Aufregend und verrucht. Sie begann, mit der Klitoris ihrer Gastgeberin zu spielen. Sie mit sanften Kreisen und wechselndem Druck zu umkreisen. Sie gab ihr das orale Liebesspiel, das sie selbst von einem Sexualpartner erwarten würde. Saugte, bohrte, leckte und schmatzte. Silvana stöhnte, während sich ihr Unterleib vor und zurück bewegte, als würde sie der Zunge nicht die alleinige Kontrolle über ihre Gefühle überlassen wollen.
Plötzlich spürte Lea, wie Florian ihr Gesäß packte und nach oben zog. Ihr Rücken bog sich leicht durch. »Geil«, hörte sie den Produzenten leise schwärmen. Dann zog auch er ihre Backen auseinander und leckte sie da, wo es so unheimlich aufregend und neu war.
Die Art, wie er es tat, unterschied sich deutlich von Silvanas. Während sie Lea frech und neugierig verwöhnt hatte, brachte er als Mann eine andere Härte ins Spiel. War etwas rauer und fordernder. Aber das machte ihr nichts. Es gefiel ihr sogar. Es war beinahe so, als wäre sie ihm ausgeliefert. Und obwohl sie im Laufe ihrer Sexualkarriere stets darauf bedacht war, niemals zu devot zu sein, ließ sie es geschehen. Genoss den Moment der Kontrollabgabe. Sie konnte sich sogar dazu durchringen, ihr Gesäß weiter in seine Richtung zu drücken. Quasi als Geschenk, nur für ihn und seine Zunge. Ihr Körper fühlte sich in seiner Ekstase beinahe taub an. Aber diese Taubheit war geil und unglaublich intensiv.
Niemals hätte Lea gedacht, dass sie eines Tages eine Frau oral verwöhnen würde. Und doch tat sie es. Ihre Zunge wurde langsam taub. Aber Silvana schien es zu gefallen. Sie stöhnte lauter und schneller. Und als würde auch sie einen Orgasmus hinauszögern wollen, zog sie Lea plötzlich von ihrer Muschi fort. Wieder am Kinn, wieder mit Selbstvertrauen, dieses Mal in Richtung ihrer Brust. Sie gab ihr zu verstehen, dass sie sich mit dem Gesicht seitlich auf ihre Titten legen sollte.
Kaum hatte sie sich abgelegt, drang Florian in sie ein. Lea stöhnte überrascht auf, als der Schwanz des Produzenten tief in ihre Muschi glitt, der ausufernden Feuchtigkeit sei Dank. Er nahm sie doggy. Packte sie am Hintern und stieß zu. Immer und immer wieder. Sie war sein Lustobjekt. Und das gefiel ihr. Der Flächenbrand in ihr loderte und rauchte. Und während es an ihrem Gesäß laut klatschte, hörte sie deutlich Silvanas Herzschlag, der unter ihren weichen Brüsten wütete.
Florian beugte sich über sie, sein Brustkorb streifte ihren Rücken. Eine Hand legte sich in ihren Nacken, drückte sie leicht tiefer. »Bleib so… ich liebe diesen Anblick«, flüsterte er rau. Dann zog er an ihren Haaren. Nicht so, dass es weh tat, aber mit Nachdruck. Ihre Brüste zuckten unter ihr bei jedem Stoß, ihre Nippel waren hart wie Stein.
Mit einem Mal wurde sie herumgerissen. Spielerisch, als wäre es das Einfachste auf der Welt. Sie lag nun mit dem Rücken auf der Spanierin, Becken auf Becken, Gesicht an Gesicht. Und Florian stieß zu. Nicht in sie, sondern in Silvana. Fickte sie gierig und laut. Anschließend wechselte er das Loch und penetrierte Lea. Rammte sein Ding tief in sie, sodass bei jedem Stoß ihr kleiner Busen bebte. Sie keuchte tiefkehlig und war nicht imstande, etwas gegen ihre Töne zu unternehmen.
Er wechselte wieder die Frau. Die Geilheit in seinem Gesicht war kaum in Worte zu fassen. So wie er sah nur ein Mann aus, der über den Rand seiner Fantasie hinaus Sex hatte. Zwei Ladys, zwei Löcher und ein Schwanz, der König von alledem.
»Mach sie fertig«, stöhnte Silvana. Bevor Lea das Gesagte verstand, wurde wieder in sie gestoßen. Und es blieb nicht nur bei einem Augenblick. Sie rückte nun dauerhaft in den Mittelpunkt. Kassierte Hub um Hub. Als die Spanierin zusätzlich ihre Hand einsetzte und Leas Klitoris mit eingespielten Berührungen provozierte, konnte sie es nicht mehr zurückhalten. Ihr Stöhnen wuchs zu einem Quietschen, einem ekstatischen Kreischen, das in einem Aufschrei der Lust überging. All die Hitze, all die Leidenschaft, die in jeder Faser ihres Körpers wohnte, entlud sich in einem Orgasmus, der so heftig war, dass ihr Gehirn für einen Moment abschaltete. Sie bekam kaum Luft, so sehr schrie sie ihre Gefühle heraus. Und Florian machte weiter. Gab ihr zu verstehen, dass er noch nicht genug von ihr hatte. Mit jedem Stoß seines Schwanzes entfuhr ihr ein erschöpftes Keuchen.
Und während der Nachhall ihres Höhepunktes durch ihren Körper spukte, wandte sich der Produzent wieder Silvana zu. Gab ihr genau das, was Lea zuvor von ihm bekommen hatte. Sein Stöhnen wurde zu einem Grollen. Sie war sich sicher, dass auch er kurz davor war, zu kommen.
»Das wird lustig!«, freute sich die Spanierin. Ein Fingerzeig reichte – Lea wusste, was zu tun war, und ließ sich mit klopfendem Herzen zur Seite gleiten. Zuerst dachte sie, dass Silvana den letzten Fickmoment allein genießen wollte, doch das war ein Irrtum. Sie rutschte von der Couch und kam auf die Knie. Sie wies Lea an, das Gleiche zu tun. Sie gehorchte und kniete sich neben die Gastgeberin. Florian wichste unterdessen seinen Schwanz, immer schneller und schneller.
Lea beobachtete, dass Silvana gierig die Zunge herausstreckte und den Mann aus verruchten Augen ansah. Sie verstand. Und kopierte ihre Sexgefährtin. Streckte die Zunge heraus. Und obwohl sie nie gerne geschluckt hatte und immer froh gewesen war, Sperma nur selten in ihrem Gesicht zu haben, freute sie sich auf das, was sich vor ihr zusammenbraute.
Mit einem jähen Urschrei kam Florian. Über Lea und Silvana ergoss sich brennendheißes Sperma. Es klatschte auf Silvanas geöffnete Lippen. Dann traf es Lea, heiß und dickflüssig. Ihre Zunge vibrierte unter dem klebrigen Gewicht, während es zusätzlich in ihrem Haaransatz landete und die Stirn herunter lief.
Krass!, dachte sie und wunderte sich darüber, wie viel des kostbares Weiß ein Mann doch abspritzen konnte. Der letzte Tropfen landete auf ihrer Zunge und glitt an dieser herunter. Sie öffnete die Augen und sah, wie Florian mit hochrotem Kopf dastand und mit bebender Brust sein Werk betrachtete.
Ihre Haut prickelte. Spermatropfen rannen über ihre Wangen, sammelten sich an ihrem Kinn. Silvana grinste, tupfte mit einem Finger einen Rest von Leas Schulter und steckte sich diesen lasziv in den Mund.
„Hmmm“, raunte sie, und Lea kicherte – erschöpft, aber erregt.
Sie strich sich die Stirn frei, kostete die letzten Tropfen auf ihrer Zunge, und zögerte dann. Sie hatte bis dato nie gern geschluckt – auch jetzt forderte es ihre Überwindung. Aber sie wollte nicht querschießen und überwand sich dazu, es Silvana gleichzutun.
In ihrem Mund regierte der Geschmack von Salz und Muskat. Herb und männlich. Geil und erotisch. Ihr Puls beruhigte sich. Die Spanierin setzte sich auf die Couch zurück. Lea folgte ihr. Wie automatisch fanden die weiblichen Körper zueinander. Sie grinste, als sie verstand, dass sie mit dieser unglaublich schönen Frau kuschelte. Genoss das Gefühl ihrer Finger, die sanft über ihren Arm fuhren und feine, weiße Linien hinterließen. Und während in Lea der Nachhall ihres Orgasmus allmählich verebbte, zeugten am anderen Ende der Couch leise Seufzer und schmatzende Lippen von einer Lust, die noch lange nicht erloschen war.
13.
Lara, Melissa und Jenny waren miteinander verschmolzen. Fasziniert und gleichermaßen verwundert beobachtete Lea, wie ihre beste Freundin von dem Paar gefingert und geleckt wurde. Ihre Brüste, mit weitem Abstand die größten von allen, bebten unter der Arbeit, die an ihrem Körper verrichtet wurde. Und obwohl das ihr gebotene Schauspiel so absurd und fremd war, fand sie es anregend. Sie spürte, wie die Leichtigkeit der Pornobuddies auf sie überging. Das Wissen, dass sich ihr Sexleben womöglich für immer verändert hatte, traf sie wie ein Schlag. Wie soll ich jemals wieder normalen Sex haben?, hallte es durch ihren Kopf. Das, was sie in dieser Nacht in Silvanas Loft am eigenen Leibe erlebt hatte, würde sie verändern. Daran bestand kein Zweifel. Die Art der Lustbefreiung und Offenheit würde sie niemals wieder abschütteln können. Ein bitterer Anflug von Trauer überkam sie bei der Überlegung, ob es sich bei diesem Treffen um eine einmalige Sache gehandelt hatte.
Sie biss sich auf die Unterlippe, während Jennys Körper in Ekstase geriet.
Lea wünschte sich, auch in Zukunft mit der Gruppe verkehren zu können. Sie sind doch selber Schuld, überlegte sie und grinste urplötzlich. Wenn sie mir diese Welt zeigen, dürfen sie sich nicht wundern, dass ich in dieser Leben möchte.
Mit einem Mal machte es Klick. Plötzlich war es ihr egal, ob sie die Trennung von Lars gewann oder nicht. Es war ihr egal, dass er ihr Herz gebrochen hatte. Dass er sie betrogen und verarscht hatte. Sie grinste. Und dankte Jenny im Stillen dafür, dass diese sie zu diesem Spieleabend eingeladen hatte.
Sie war nicht mehr dieselbe. Etwas in ihr war aufgebrochen, durchflutet worden – von Wärme, von Geilheit, von einem Leben, das sich endlich wieder nach ihr anfühlte. Ihr Selbst wurde nicht mehr von beruflichen Querelen und privaten Problemen definiert.
Sie war eine Frau, die nicht mehr nach unbedeutenden Bettkerben suchte – sondern leidenschaftlichen Sex hatte. Sie war ein Mensch. Die Zukunft gehörte ihr. Und als Jenny mit weit geöffnetem Mund und zitternden Beinen ihren Höhepunkt erreichte, wusste Lea: Diese Frau hatte ihr mehr geschenkt als jede Beziehung zuvor. Sie hatte ihr viel zu verdanken.
Du wirst merken, dass wir echt ein cooler Haufen sind, und ich wette, morgen früh geht es dir um einiges besser.
Das waren ihre Worte gewesen. Und verdammt, sie hatte recht gehabt. Denn Lea fühlte sich nicht nur besser. Sie war endlich wieder ganz.
Danke, dass du diese Geschichte bis zum Ende gelesen hast. Ich würde mich sehr über eine Bewertung und ein paar ernstgemeinte Worte freuen. :-)
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