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"Wie altmodisch", dachte ich, wรคhrend ich den Zettel entfaltete, den Tim mir auf dem Bรผroflur im Vorbeigehen zugesteckt hatte. Alle Welt schreibt SMS, Emails, benutzt Whatsapp. Wann hatte ich zuletzt etwas Handschriftliches bekommen? Sicher: Als ich die Sehnsucht entdeckte, hatte ich oft von einem handgeschriebenen Liebesbrief getrรคumt. Aber meine Wรผnsche blieben unerfรผllt: Datings, aber auch das unvermeidliche Schluss machen wurden auf elektronischem Weg erledigt. Also hatte ich mich dem โฆ
Die Nacht war lang gewesen. Timo und seine Freunde hatten lange beisammen gesessen und bei zahlreichen Flaschen weiรen Bordeauxweines die Weltlage ausgiebig diskutiert. Erst am Nachmittag war er mit seiner kleinen einmotorigen Piper auf der Graspiste nahe dem Atlantik gelandet, um ein paar Tage bei seinen Freunden den Alltag zu vergessen. Jetzt, nach einem ausgiebigen Frรผhstรผck, waren sie an den Strand gegangen, um das Salz der Luft auf den Lippen zu spรผren. Der feine weiรe Sand gab bei jedem โฆ
diese Zeilen schreibe ich dir in der Hoffnung, dich bald einmal wiederzusehen, voll der Hoffnung, dass ich es dann wagen werde, dich anzusprechen. Drei quรคlende Stunden lang habe ich in deiner Nรคhe gesessen, in dem kleinen Vorortcafรฉ, das ich nach meiner Arbeit oft aufsuche, um pfeiferauchend zu lesen โ inmitten vieler Menschen, und doch perfekt isoliert an meinem Stammplatz hinter den Plastikpflanzen, neben der Tรผr zur Toilette, wo sich sonst niemand setzen mag. Die anderen Stammgรคste โฆ
Wie betรคubt stand ich an meinem Platz โ die Hรคnde durch die Handschellen รผber meinem Kopf fixiert, jeder Augenkontakt durch die dichtschlieรende Kapuze verwehrt. Ich wagte es nicht, meine weit gespreizten Beine zu schlieรen. Noch nie in meinem Leben bin ich mir so nackt und hilflos vorgekommen. Und dann kamen sie! Nach dem, was ich vorher hรถren konnte, mussten es sechs Mรคnner sein, die jetzt gierig und geifernd ihre Hรคnde nach Yvonne und mir ausstreckten, doch dem Gefรผhl nach mussten es โฆ
Einer der Schwarzgekleideten zerrte an unseren Beinen; er lieร jedoch sofort von uns ab, als die leise, aber bestimmende Stimme des Anfรผhrers ihn aufforderte, nichts zu tun, was uns verletzen kรถnnte. Dann schob jemand seine Hรคnde unter meine Taille und hob uns Beide auf, als seien wir Fliegengewichte. Der Boss musste รผber noch weit grรถรere Krรคfte verfรผgen, als seine Grรถรe vermuten lieร. Sanft stellte er mich und die immer noch mit Stretchfolie an mich gekettete Yvonne auf den unangenehm kalten โฆ
โWill sie noch jemand?โ, hรถrte ich den Anfรผhrer seine Kumpanen fragen. Mรผhsam hob ich meinen Kopf und schaute in die Richtung der Schwarzgekleideten. Gleich wรผrden sie alle รผber mich herfallen, schoss es mir durch den Kopf. Sie blieben schweigsam. Der Weiรblonde โ bisher war er mir noch nicht aufgefallen โ lรถste sich aus der Gruppe und ging auf mich zu. Als er mich langsam umrundete โ ich lag immer noch dort auf dem Boden, wo der Anfรผhrer mich erniedrigt hatte -, hielt er einen Abstand von โฆ
Die fรผnf Mรคnner hatten inzwischen ihre Hosen wieder hochgezogen und einen Halbkreis gebildet. Ihre Mienen blieben seltsam ausdruckslos. Nichts verriet, wie sie unseren Fluchtversuch bewerteten. Yvonne und ich gingen langsam auf sie zu, bis uns eine Handbewegung des Bosses zum Stehen aufforderte. Nichts geschah โ minutenlang. Das Stehen und Schweigen war irritierender als alles, was vorher geschehen war. Meine und Yvonnes Nacktheit wurde mir stรคrker denn je bewusst vor diesen so seltsam โฆ
Unmittelbar darauf schrie Yvonne auf. Der Kleinste der Eindringlinge war hinter sie getreten und steckte ihr seine Hand zwischen die Beine. Ein schneller Blick in die Runde: Bei mir trauten sie es sich โ noch โ nicht. Meine Vorstellung eben musste Eindruck bei ihnen hinterlassen haben. Aber Yvonne wurde augenscheinlich als ihr Besitz betrachtet. Ich musste eingreifen. โStelle dich zu deinen Freunden!โ, herrschte ich ihn lauter als gewollt an. Und leiser: โWir wollen doch alle so viel Spaร โฆ
Die Schwarzgekleideten bildeten einen Halbkreis um mich; der riesige Anfรผhrer stand direkt vor mir. Ein halber Meter Distanz blieb zwischen den Eindringlingen und mir, und zu meiner Verblรผffung geschah erst einmal gar nichts. Sie blieben unbewegt stehen und betrachteten mich eingehend. Ich spรผrte, wie ihre Blicke an mir hinauf und herunter glitten, augenscheinlich kein Detail auslassend. Obwohl meine Arme hinter der Sรคule unserer Videothek zusammen gebunden waren โ der Schmerz oberhalb der โฆ
Sie kamen am Abend, kurz bevor wir die Videothek schlieรen wollten. Es waren 5 Kerle, alle gleich gekleidet mit schwarzen Jeans und schwarzen T- Shirts. Schnell verteilten sie sich im Laden: Je einer besetzte die beiden Ausgรคnge, die anderen drei suchten nacheinander die wenigen noch verbliebenen Kunden auf und baten Sie hรถflich und in einwandfreiem Hochdeutsch, aber bestimmt, die Videothek zu verlassen. Binnen zwei Minuten waren Yvonne, unsere Angestellte, und ich alleine mit den โฆ
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