Das Institut Teil 1

Aug 13, 2026 · 10 min read · Shame situation

-Die Namen in dieser Geschichte und den folgenden sind frei erfunden-

 

Heike ist als Rucksacktouristin in Nordeuropa unterwegs. Sie ist 32 Jahre alt, 165 cm groß, schlank mit hübschem Gesicht, welches von schulterlangem und brünett-gelocktem Haar gerahmt wird. Bedauerlicherweise wurde sie gestern in Vilnius / Litauen in einen Unfall verwickelt, bei welchem eine alte Frau zu Schaden kam. So landete sie im Untersuchungsgefängnis, wo sie die Nacht verbrachte. Eine Gerichtsangestellte erklärte ihr, dass es sich bei der Verletzten um die 80-jährige Mutter des Richters handeln würde.

Heike sah auf ihre Uhr: 09.45! Um 10 Uhr wird sie dem Richter vorgeführt. Schnell noch eine letzte Zigarette bevor es los geht, genau das braucht sie jetzt. Wie diese Verhandlung wohl laufen wird? Versteht sie hier überhaupt irgendwer? Bekommt sie einen Pflichtverteidiger?

Die Zellentür wird aufgeschlossen und eine Gerichtsangestellte bedeutet ihr, aufzustehen und sich umzudrehen. Die Handgelenke werden Heike mit Handschellen auf den Rücken gefesselt, dann geht es aus dem Keller, in welchem sich die Haftzellen befinden in den ersten Stock des Gerichtsgebäudes.

Dort angekommen wird sie in einen Sitzungssaal geschoben, wo ir die Handschellen wieder abgenommen werden. Heike muß sich auf eine Holzbank gegenüber des Richtertisches setzen

Der Richter eröffnet die Verhandlung mit der Frage:

"Ist ihr Name Heike Ziegler?"

Ja, mein Name ist Heike Ziegler!

Der Richter sieht streng aus, er spricht gebrochenes deutsch.

- Mein Herz schlägt bis zum Hals-

"Ja, mein Name ist Heike Ziegler."

Ich stehe hier in diesem kahlen Gerichtssaal in Vilnius, die Hände leicht zitternd. Die Luft riecht nach altem Holz und Angstschweiß – meinem eigenen. Ich muss mich zusammenreißen, aber die Zigarette vorhin hat nicht wirklich geholfen.

-Rutsche nervös auf dem harten Holzstuhl hin und her, spüre wie der grobe Stoff meiner Wanderhose an der Haut kratzt.-

"Es tut mir wirklich leid, ich habe die alte Dame nicht gesehen... es war ein Unfall."

Der Richter – er sieht aus wie aus einem alten Film, mit diesem strengen Gesicht und den eiskalten Augen. Seine gebrochene Aussprache macht alles noch beängstigender.

-Ich atme tief ein, versuche ruhig zu wirken.-

"Kann ich wissen, was mit der Frau passiert ist? Ich mache mir Sorgen..."

Der Richter antwortet: "Die Frau hat mehrere Knochenbrüche durch ihr rücksichtsloses verhalten erlitten!"

"Mehrere... mehrere Knochenbrüche?"

-Mir wird ganz flau im Magen.-

Die Worte treffen mich wie Schläge.

"Aber... ich bin nur mit meinem Rucksack um die Ecke gebogen, und sie ist mir einfach..."

-Ich beiße mir auf die Unterlippe,-

spüre den aufsteigenden Rauchdrang in meiner Kehle. Gott, jetzt eine Zigarette.

"Ich verstehe, das klingt schrecklich. Aber es war wirklich ein Unfall. Ich würde alles tun, um die Situation..."

-Meine Gedanken rasen.-

-Verdammt, Heike. Wieder mal in Scheiße geraten. Litauisches Gefängnis sieht bestimmt nicht wie ein Urlaubshotel aus.-

"Ich habe Ersparnisse. Ich kann für die Behandlungskosten aufkommen."

Der Richter sagt: "Ihre Ersparnisse interessieren hier niemanden! Glauben sie, weil sie aus Deutschland kommen knnen sie sich hier alles leisten und Leute verletzen?"

"Nein! Das ist nicht wahr!"

-Ich fahre hoch, meine Stimme wird lauter als beabsichtigt. Die Scham und Wut kochen in mir. -

"Ich bin Rucksacktouristin seit drei Jahren, schlafe in Hostels, esse Brot mit Aufstrich! Ich komme nicht aus reichem Hause!"

-Mir laufen kalte Schauer über den Rücken.-

Sein Blick durchbohrt mich – diese eiskalte Verachtung.

"Ja, ich bin Deutsche, aber das macht mich nicht zum... zum Monster."

-Ich schlucke hart.-

"Ich will Verantwortung übernehmen. Wie auch immer. Bitte sagen Sie mir, was ich tun kann. Ihre Mutter... wie geht es ihr?"

Der Richter antwortet: "Es geht ihr nicht gut! Für ihr rücksichtsloses Verhalten werde ich gleich mein Urteil verkünden. Haben sie vorher noch irgendetwas zu sagen?"

-Ich spüre, wie mir die Knie weich werden.-

Urteil? Das klingt nach Gefängnis.

-Ich presse die Hände auf den kalten Holztisch vor mir, die Fingerknöchel werden weiß. Eine alte Frau, mehrere Knochenbrüche... Verdammt. -

"Bevor Sie urteilen,"

-meine Stimme ist jetzt ruhiger, aber angespannt,-

"möchte ich Ihnen eine Frage stellen. Persönlich. Nicht als Richter."

-Ich hebe den Blick, schaue ihm direkt in diese eiskalten Augen.-

"Wenn Ihre Mutter jetzt hier wäre, was würde sie wollen? Rache? Oder... dass ich ihr irgendwie helfe?"

-Ich stehe vollkommen still, spüre den Pulsschlag in meinen Schläfen. Das ist ein Risiko. Aber einfach schweigen – das kann ich auch nicht.-


Der Richter bleibt hart. "Was die alte Frau wollen würde steht nicht zur Debatte! Ich verkünde nun das Urteil! Sie haben die Wahl zwischen einem Jahr Frauengefängnis oder Unterbringung für ein Jahr in einer Rehabilitationseinrichtung, welche von einem örtlich ansässigen institut betrieben wird!"

"Rehabilitations..."

-Ich unterbreche mich selbst, schnappe nach Luft. Ein Jahr. Ein ganzes verdammtes Jahr. Das Gefängnis greift mir direkt in die Gedanken – enge Zellen, kalte Duschen... -

-Ich schüttle kurz den Kopf.-

-Meine Hände umklammern die Tischkante, dass das Holz knarrt. -

"Welche... welche Art von Rehabilitation?"

-frage ich vorsichtig.-

-Mein Verstand arbeitet fieberhaft. Hat das Institut einen Namen? Klingt das wie eine Psychiatrie oder eher wie... ein Arbeitslager?-

"Wer betreibt es?"

-Meine Stimme zittert leicht, ich hasse es, wenn das passiert.-

Der Richter antwortet: "Das Rehazentrum wird vom Institut für sexualmedizinische Forschung betrieben. Es handelt sich hierbei um eine Klinik unter deutscher Leitung. Dort werden sie dann als Versuchsperson tätig also, was soll es sein: Gefängnis oder Klinik?

-Sexualmedizinische Forschung-.

-Ein kurzes, trockenes Lachen entweicht meinen Lippen, das mehr nach Verzweiflung als nach Humor klingt. Versuchsperson. Das klingt... absurd. Aber auch irgendwie vertraut. Ich, auf einem Tisch, Instrumente...

-Ich spüre einen seltsamen Prickeln in meinem Bauch.-

"Deutsche Leitung,"

-murmle ich vor mich hin, mein Blick wird etwas fahrig. Kein Gefängnis. Keine Gitterstäbe. Aber was für Versuche? -

-Ich lecke meine trockenen Lippen.-

"Das Institut... es gibt strenge ethische Richtlinien, ja? Bei solchen... Studien?"

-Ich halte den Blick des Richters aus, obwohl mir heiß und kalt wird. -

"Ich nehme die Klinik."

-Die Worte kommen schneller heraus, als ich denke. Verdammt, Heike, denk doch nach! Aber was gibt es zu überlegen? Ein Jahr hinter Gittern oder... das Unbekannte.-

Der Richter spricht das endgültige Urteil: "Die Angeklagte wird zu einem Jahr Aufenthalt in der Institutsklinik verurteilt, die Angeklagte wird direkt dorthin verbracht. Die Sitzung ist damit geschlossen!"



 

-Klopft! Der Hammer fällt. Ein Jahr. Mein Herz macht einen Sprung, und mir ist, als würde die Welt um mich herum unwirklich. -

"Ja, verstanden,"

-meine Stimme ist nur noch ein Flüstern.-

-Direkt dorthin verbracht. Keine Rückkehr ins Hostel, kein Abschied von meinem Rucksack voller Erinnerungen. Nur die Kleidung am Leib. -

-Ich stehe auf, die Beine fühlen sich wie Gummi an. Wachen nähern sich – ernste Gesichter. Bevor sie mich abführen, drehe ich mich noch einmal halb zum Richter um, mein Blick sucht seinen.-

"Herr Richter... sagen Sie Ihrer Mutter... ich hoffe, sie erholt sich."

-Meine Worte sind schwer wie Blei.-

-Dann lasse ich mich ohne Widerstand abführen. Was auch immer diese Klinik ist – es kann kaum schlimmer sein als der kalte Flur des Gerichtsgebäudes.-

Heikes Hände werden ihr erneut mit Handschellen auf den Rücken gefesselt.

-Die kalten Metallringe zwicken an meinen Handgelenken, drücken in meine Haut. Ich folge den Wachen widerstandslos, mein Blick auf den schmutzigen Linoleumboden gerichtet. Aber als die Seitenwand des Transporters aufgeht – da stockt mir der Atem. Da ist er. Mein großer, abgewetzter Wanderrucksack, daneben die Plastiktüte mit meinem Waschzeug und der halb leeren Zigarettenschachtel.

-Ich klettere hinein, die Bewegungen ungeschickt mit gefesselten Händen. -

"Danke,"

-Murmele ich zu dem Wärter, der weniger grob wirkt als die anderen. Ich lasse mich auf die harte Kunststoffbank fallen,spüre das vertraute Gewicht des Rucksacks gegen meinen Fuß. Nun gut. Sie haben mir meine Habseligkeiten gelassen. Ein Funken Menschlichkeit in dieser absurden Lage. Ich lehne meinen Kopf gegen die Fensterscheibe, sehe, wie Vilnius an mir vorbeizieht. Wohin bringt ihr mich, ihr Arschlöcher?-

Olga, eine angestellte des Gerichtes fährt den VW-Bus. Es geht durch die ganze Stadt, bis das Kfz einen eingezäunten Komplex erreicht.

-Meine Augen weiten sich, während wir durch das hoch umzäunte Gelände fahren. Es sieht aus wie ein kleiner Campus – nichts von außen Erschreckendes, aber diese Abschottung... Ich presse meine Wange gegen die kühle Scheibe. Das Hauptgebäude ist modern, fast zu steril für diese Gegend. Und die Bungalows – wie kleine Einfamilienhäuser für... was, Ärzte?

Der Transporter hält vor dem Eingang. Olga, die Fahrerin, steigt aus, ohne mich anzusehen.

Ich atme tief durch, versuche, die Nervosität zu kontrollieren. Sexualmedizinische Forschung. Versuchsperson! Ein leichtes Zittern läuft mir über den Rücken, aber es ist nicht nur Angst. Eine merkwürdige Neugier mischt sich darunter. Was erwartet mich hinter diesen Glastüren?-

Olga öffnet die Fahrertüre und drückt die Hupe des Transporters. Gleich darauf erscheint am Haupteingang eine Frau etwa 40 Jahre alt, brünette halblange Haare, normale Figur mit attraktivem Gesicht. Olga spricht mit der Frau.

Die Tür des Transporters quietscht beim Öffnen.

"Mein Name ist Sandra Schmidt" stellt sich die Frau vor.

-Ich blinzle gegen das Tageslicht, dann steige ich schwerfällig aus, die gefesselten Hände machen mich unbeholfen.

"Heike," sage ich knapp,-

Mein Blick gleitet über Sandra – attraktiv, professionell, aber ihre Augen sehen müde aus. Wie lang arbeitet sie schon hier?

"Sandra,"

-Sie nickt zurück, ihre Stimme ist ruhig, fast apathisch.-

"Kommen Sie mit, bitte."

-Sie führt mich nicht am Arm, sondern geht einfach voraus, als ob sie erwartet, dass ich folge. Ich werfe Olga einen letzten Blick zu, aber die steigt schon wieder in den Transporter, ohne sich umzudrehen.

Im Eingangsbereich ist es still, klinisch sauber. _

"Bevor wir weitergehen,"

sage ich zu Sandra

"könnten Sie bitte diese Dinger abnehmen lassen?"

Ich hebe meine gefesselten Hände leicht an.

"Ich laufe nicht weg. Hier gibt es doch Zäune, oder?"

Sandra dreht sich um "Entschuldigung, das habe ich völlig übersehen. Drehen Sie sich bitte um ich mache ihnen die Dinger ab!"

-Der Druck löst sich, ein kurzer Schmerz in den Handgelenken, dann echte Erleichterung. Ich reibe über die roten Male.-

"Danke."

-Mein Blick wandert zu Olga hinaus, wie sie meinen Rucksack und die Tüte vor eine der Holztüren abstellt. Sie steigt wieder ein, der Transporter setzt sich in Bewegung und verschwindet hinter einem Gebäude. Sie hat mich einfach hier abgeladen. Wie ein Paket.

Ich schaue wieder zu Sandra, versuche, meine Stimme neutral zu halten.

"Das war's also? Das ist jetzt mein Zuhause für die nächsten zwölf Monate?"

-Die Frage rutscht mir heraus, etwas bitterer als beabsichtigt. Verdammt – ich sollte kooperativ sein, wenn ich hier überleben will.-

Sandra winkt Heike, ihr zu folgen, die Beiden gehen in Richtung des Bungalows vor dem Heikes Habe liegt. "Ja, in diesem Bungalow sind sie dann die meiste Zeit untergebracht" teilt Sandra mit und öffnet die tür. Heike nimmt ihre Sachen auf und die beiden Frauen treten ein.

-Ich bleibe auf der Schwelle stehen, mein Rucksack sackt aus meiner Hand auf den teuren Parkettboden.

"Was... ist das für ein Witz?"

Meine Stimme klingt atemlos.

Das ist kein Gefängnis. Das ist ein verdammtes Luxusappartement. Whirlpool? Hausbar?

Ich starre Sandra an, mein Misstrauen wächst.

"Das ist die... Rehabilitationseinrichtung? Sieht aus wie ein Fünf-Sterne-Hotel."

Ich gehe langsam hinein, meine Finger streifen über das weiche Leder des Sofas.

"Was ist der Haken?"

frage ich direkt, drehe mich zu ihr um.*

"Ich bin hier nicht zum Urlaub. Ich soll Versuchsperson sein. Wann geht's los? Oder gibt's erstmal einen Cocktail?"

Der Sarkasmus ist eine Schutzmauer – aber meine Hände zittern leicht, und ich spüre diesen vertrauten Nikotindrang in der Kehle.

"Und wo kriege ich meine Zigaretten?"

Sandra lächelt "Zigaretten bestellen sie bitte bei der hauseigenen KI, hier sehen Sie? Die versorgt Sie auch mit Essen und Getränken. Einfach hier drauf drücken und sagen, was Sie brauchen. Die Sachen werden dann per Bote zugestellt. Sie bekommen erstmal ein paar Tage zum eingewöhnen. Sie dürfen sich auf dem gesamten Gelände frei bewegen, den Komplex jedoch nicht verlassen. Übermorgen um Uhr haben sie dann ein Gespräch mit Dr. Froid, dem Chefarzt hier. Ich wünsche ihnen einstweilen einen angenehmen Aufenthalt!"

-2 Tage zum Eingewöhnen, ich atme schwer aus.-

"Danke, Sandra,"

-sage ich, weniger scharf als zuvor. -

"Ist auch schön hier. Fast zu schön."

-Sie nickt kurz und verlässt den Bungalow, die Tür schließt sich leise hinter ihr. Allein. In diesem surrealen Luxusgefängnis.

Ich lasse mich auf das Leder Sofa fallen, der Geruch ist neu und teuer.

Mein Blick geht zur Hausbar, dann zu der eleganten Konsole, die wohl die KI verkörpert.

Ich stehe wieder auf, gehe zur Bar und untersuche die Flaschen. Guter Whisky, Wodka, sogar Champagner.

"Was zum Teufel soll das alles?"

-murmle ich in den leeren Raum.

Ein Jahr als Versuchsperson. Aber keine Gitterstäbe, keine Schlösser. Nur weiche Polster und Whirlpools.

Ich krame meine letzte, zerknitterte Packung aus der Jacke, zünde mir eine an und ziehe tief den Rauch ein.

Zwei Tage Eingewöhnung. Und dann Dr. Froid. Der Chef.

Ich blase den Rauch zur Decke. Mal sehen, was dieser Herr Doktor mit mir vorhat.


 

 

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Comments

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Basileus schrieb am Aug 13, 2026 um 11:13 Uhr

Interessanter Auftakt, an manchen Stellen ein bisschen zu unglaubwürdig. Es ist noch nicht ganz klar, ob das einfach nur kompliziert ist oder später noch eine Bedeutung haben wird. Aber formal ist es eindeutig zu kompliziert. Was spricht dagegen, einfach nur aus Heikes Ich-Perspektive zu erzählen?

yan1 schrieb am Aug 14, 2026 um 08:03 Uhr

Lange Einführung für etwas, das hoffentlich noch interessant wird. Ich stimme Basileus zu, entscheide dich für eine Perspektive.

Pepulo schrieb am Aug 14, 2026 um 08:52 Uhr

Nette, etwas langwierige Einleitung. Kann aber in eine interessante, spannende Richtung weitergehen. 

Hast du Teil 2 schon in der Mache?

Bin darauf gespannt. Freue mich, wenn es bald weitergeht. 

Beste Grüße Pepulo

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