Sie hatte die Haube schon auf, als ich ins Schlafzimmer trat, und einen Moment lang blieb ich in der Tür stehen, weil das Bild nicht sofort zu der Frau passen wollte, die ich eine Stunde zuvor noch beim Abendessen gegenüber gehabt hatte. Das schwarze Latex schloss sich glatt um den ganzen Schädel, ohne Augenlöcher, mit der ovalen Öffnung für den Mund und, dicht unter der Nase, zwei kleinen Löchern, durch die der Atem ging, gleichmäßig und hörbar, eng genug, dass jedes Ausatmen sich staute, bevor es austrat. Das Material lag so dicht an, dass die Form der Wangenknochen und der leichte Druck der Lippen von innen sich als matte Erhebungen abzeichneten. Sie kniete auf der Matratze, die Knie in kniehohen Stiefeln, schwarzes Leder, der Schaft fest an der Wade, die Absätze spitz und so hoch, dass die Fußrücken gespannt blieben, auch im Knien. An den Handgelenken trug sie Ledermanschetten, breit, geschlossen, miteinander durch ein kurzes Seil verbunden, das wir am Nachmittag zusammen aus dem Kasten genommen hatten, und die Art, wie sie den Kopf leicht senkte, sobald sie meine Schritte hörte, sagte mir, dass sie nicht mehr auf ein Gespräch wartete, sondern darauf, dass ich die Rolle übernahm, um die sie gebeten hatte.
Ich ging um das Bett herum, ohne sie anzufassen, und ließ sie die Ungewissheit spüren, während ich die Manschetten prüfte, den Verschluss nachzog und das Seil zwischen ihnen so kurz nahm, dass die Hände beieinander bleiben mussten. Den Knebel nahm ich vom Nachttisch. Es war ein einfacher Ball aus schwarzem Silikon, durchbohrt, mit Riemen, die sich hinter der Haube schließen ließen, und als ich ihn ihr an die Lippen hielt, öffnete sie den Mund ohne Zögern, so weit, dass ich das Piercing in der Zunge sehen konnte, einen kleinen Stahlstab, der im Licht kurz aufblitzte, bevor der Ball ihn nach unten drückte. Der Riemen schnallte sich fest. Danach war von ihrer Stimme nur noch ein gedämpftes, nasses Geräusch übrig, und durch die beiden Löcher unter der Nase ging der Atem schneller, dann wieder gleichmäßiger, als sie sich auf das Atmen einließ, das die Haube ihr ließ. Ich sagte leise, dicht an dem Latex, das ihre Ohren bedeckte, dass sie von jetzt an nicht mehr bei ihrem Namen gerufen werden würde. Darin lag, was sie gewollt hatte: nicht die Fessel als Schmuck und nicht der Knebel als Spielzeug, sondern das Wegfallen der eigenen Handlungsfähigkeit. Die Manschetten hielten die Hände, der Ball hielt die Stimme, die Stiefel hielten die Füße in einer Haltung, die sie nicht mehr korrigieren konnte, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Sie musste nicht mehr mitdenken, nicht mehr höflich reagieren, nicht mehr steuern. Übrig blieben Atem durch zwei kleine Löcher, und der Körper, den sie abgab, weil sie mir zutraute, die Grenzen zu halten, die wir vorher gesetzt hatten.
Fotze, sagte ich, und das Wort fiel in den stillen Raum, als hätte es dort schon gelegen. Sie zuckte nicht zurück. Ihre Schultern senkten sich vielmehr ein wenig, und die Brust hob sich in einem langsameren Atemzug, der an den Löchern unter der Nase sichtbar wurde, sodass die Ringe in den Nippeln sich bewegten, zwei markante Kreise aus poliertem Edelstahl, die ich ihr vor Monaten hatte stechen lassen, nachdem sie lange genug davon gesprochen hatte, etwas zu wollen, das man sehen und anfassen und notfalls auch führen konnte. Ich nahm den linken Ring zwischen zwei Finger, zog ihn gerade so weit nach vorn, dass die Brustwarze sich spannte, und hielt den Zug, während ich ihr erklärte, wofür sie heute da sei. Nicht zum Reden. Nicht zum Ansehen. Zum Benutzen, in dem Tempo und in der Reihenfolge, die ich bestimmen würde, und jedes Mal, wenn ich das Wort Fotze wiederholte, drückte sie die behandschuhten Hände in den Manschetten fester gegeneinander, als müsste sie sich an dem Seil halten, das nicht ich war. Die Enge des Leders und das Gewicht des Balls fuhren die Wahrnehmung hoch. Was an den freigelassenen Stellen geschah, wurde deutlicher, weil Bewegung und Sprache als Ausweg fehlten.
Ich legte sie auf den Rücken. Die Stiefel blieben an, die spitzen Absätze setzten sich ins Laken, die Knie fielen auseinander und kamen nicht wieder zusammen, ohne dass sie die Hüften anhob. Die Arme führte ich über den Kopf und band das Seil zwischen den Manschetten am Rahmen fest, nicht so eng, dass die Durchblutung litt, aber eng genug, dass sie die Ellbogen nicht mehr zusammenführen konnte. Zwischen den Schenkeln trug sie nichts. Das Piercing dort kannte ich, ein gekrümmter Stab durch die Haube der Klitoris, mit einer kleinen Kugel an jedem Ende, und als ich mit dem Daumen darüberstrich, war sie bereits feucht, nicht dramatisch, sondern gleichmäßig, so als hätte die Haube und das Warten das schon erledigt, bevor ich den Raum betreten hatte. Ich sprach nicht darüber. Ich nannte sie wieder Fotze und schob zwei Finger in sie hinein, langsam, bis zu den Knöcheln, und ließ sie dort, ohne zu stoßen, nur um zu spüren, wie sie sich darum schloss. Durch die beiden Löcher ging der Atem in kurzen Stößen gegen meine Hand, wenn ich mich über sie beugte.
Der Knebel machte jedes Geräusch undeutlich. Was herauskam, war ein tiefes, verschmiertes Stöhnen, das im Latex hing und dann erst in den Raum fiel, und ich achtete darauf, nicht weil ich ihre Lust bedienen wollte, sondern weil ich hören konnte, wann der Ton kippte, und weil ich an den Löchern unter der Nase sah, ob die Luft noch reichte. Solange der Laut rau und offen blieb und der Atem nicht stockte, blieb ich bei dem, was ich tat. Das war der Reiz, den sie benannt hatte, bevor wir an diesem Abend angefangen hatten: die Stimme ausgeschaltet, die Hände in Leder gefasst, die Füße in den Stiefeln festgehalten, die Scham über den eigenen Laut kleiner, weil er nicht mehr als Wort zu ihr zurückkehren konnte, die Hilflosigkeit nur so lange erregend, wie das Stoppsignal galt, das wir für einen geknebelten Mund verabredet hatten. Ich zog die Finger heraus, strich die Nässe über den Stab und die Kugeln, und dann nahm ich den unteren Ring eines Nippelpiercings und den Klitorisstab nicht gleichzeitig, sondern nacheinander, in einem Rhythmus, der nichts mit ihrer Atmung zu tun hatte. Sie hob das Becken. Die Absätze rutschten am Laken. Ich drückte es mit der flachen Hand wieder hinunter und sagte ihr, dass eine Fotze nicht entscheidet, wann sie kommt, und dass sie überhaupt nicht entscheiden würde, ob sie kommt.
Als ich in sie eindrang, tat ich es ohne Ankündigung über das hinaus, was die Haltung schon angekündigt hatte. Sie war eng und warm und so bereit, dass kein Widerstand blieb außer dem, den der Körper von selbst gibt, und ich blieb einen Moment lang tief in ihr, die Hände auf den Stiefelschäften, den Blick auf der glatten schwarzen Haube, die kein Gesicht mehr hergab, nur den Atem durch zwei kleine Löcher. Es war merkwürdig, wie schnell das Persönliche daraus verschwand. Ich kannte die Linie ihres Mundes, das leichte Schielen, wenn sie müde war, die Art, wie sie die Stirn runzelte, wenn sie nachdachte. Nichts davon war noch erreichbar. Was unter mir lag, atmete durch die Öffnungen im Latex, trug Ringe aus Stahl an der Brust und zwischen den Beinen, trug Leder an den Gelenken und an den Waden und ließ sich füllen, und die Erregung, die das in mir auslöste, war nicht zärtlich. Sie war klar und schwer. Sie hatte sich ausgeliefert, und Manschetten, Seil und Stiefel hielten dieses Ausliefern fest, damit sie es nicht im nächsten Atemzug wieder zurücknehmen musste.
Ich fickte sie in langen, gleichmäßigen Stößen, nicht hastig, weil Hast nach ihrem Tempo ausgesehen hätte. Jedes Mal, wenn ich ganz in ihr war, spürte ich den Stab an mir, ein kleines hartes Detail in all der Weichheit, und ich änderte den Winkel so lange, bis er bei jedem Stoß mitging. Sie wand sich. Die Manschetten spannten sich am Rahmen, die spitzen Absätze suchten Halt im Laken, und aus dem Knebel kam ein Laut, der fast ein Wort hätte sein können, wenn der Ball es zugelassen hätte. Ich beugte mich vor, das Latex kühl an meiner Wange, der Atem aus den beiden Löchern warm an meinem Kinn, und sagte ihr ins Ohr, das unter der Haube nur noch eine Wölbung war, dass sie genau so bleiben solle, nass und offen und ohne Namen. Fotze, sagte ich wieder, diesmal während ich in ihr war, und ihr Körper antwortete mit einem Zusammenziehen, das ich nicht als Frage missverstand.
Irgendwann drehte ich sie auf den Bauch. Die Arme blieben über dem Kopf, das Seil zwischen den Manschetten verdrehte sich ein wenig, und ich korrigierte es, bevor ich ihre Hüften anhob und ein Kissen darunterschob. Die Stiefel blieben an. In dieser Haltung war der Zugang tiefer, die Absätze standen über die Matratzenkante, und die Haube drückte sich seitlich ins Laken, sodass die Mundöffnung teilweise verdeckt war und der Atem nur noch durch die beiden Löcher unter der Nase zuverlässig ging. Ich achtete darauf. Eine Hand lag an ihrem Nacken, nicht würgend, nur haltend, die andere griff um sie herum und fand den Stab, und während ich sie von hinten nahm, rieb ich in kleinen, unnachgiebigen Kreisen über die Kugel, nicht um sie schnell zum Ende zu bringen, sondern um die Empfindung so dicht zu halten, dass sie nicht mehr wusste, wohin damit. Sie drückte das Gesicht ins Laken. Speichel lief aus dem Knebel und zog eine dunkle Stelle auf dem Stoff. Ich sah es und fickte sie weiter, gleichmäßig, bis ihre Oberschenkel in den Stiefelschäften zu zittern begannen und der Laut in ihrer Kehle nicht mehr einzeln kam, sondern in einer Kette, die mit meinen Stößen zusammenfiel.
Ich ließ sie nicht sofort kommen. Ich verlangsamte, zog mich fast heraus, wartete, bis das Zittern nachließ und der Atem an den Löchern wieder länger wurde, und stieß dann wieder zu, tiefer, mit dem Daumen fest auf dem Piercing. Beim dritten Mal gab sie nach. Es war kein schönes, aufgerichtetes Kommen, sondern ein Zusammenfallen nach innen, ein langes, ersticktes Geräusch hinter dem Ball, die Muskeln um mich herum in unregelmäßigen Wellen, die Beine in den Stiefeln, die das Kissen wegdrücken wollten und es nicht schafften. Ich bewegte mich durch den Orgasmus hindurch, nicht dagegen, und nannte sie dabei noch einmal so, wie sie es hatte hören wollen, leise und ohne Wärme in der Stimme, nur als Feststellung. Danach blieb ich in ihr, bis die Wellen aufhörten, und erst dann zog ich mich zurück.
Ich kam nicht in ihr. Das hatten wir nicht so verabredet, und die Verabredung galt auch dann, wenn sie keine Worte mehr hatte. Ich löste eine Manschette vom Seil am Rahmen, führte die Hand nach hinten, schloss ihre Finger um mich und benutzte diese Hand, während ich auf den Rücken der Haube sah, auf den Atem, der aus den beiden Löchern ging, und auf die Ringe, die sich mit diesem Atem noch immer leicht bewegten. Es dauerte nicht lange. Als ich fertig war, lag es auf ihrem unteren Rücken und auf dem Latex am Ansatz des Nackens, und ich ließ ihre Hand noch einen Moment dort, bevor ich sie losließ.
Das Lösen dauerte länger als das Binden. Zuerst der Knebel, den ich langsam herausnahm, weil der Kiefer nach der Zeit steif war. Sie bewegte die Zunge, das Piercing lag schwer darin, und sie sagte nichts. Der Atem durch die beiden Löcher wurde tiefer, sobald der Ball weg war. Dann die Haube, von hinten geöffnet, Millimeter für Millimeter vom verschwitzten Haar gezogen, bis das Gesicht wieder da war, gerötet an der Stelle unter der Nase, die Augen erst geschlossen, dann offen, der Blick noch nicht ganz im Raum. Ich öffnete die Manschetten, rieb die Handgelenke und ließ die Stiefel an, bis sie selbst den Reißverschluss zog. Die Decke legte ich über sie, nicht als Geste, die das Vorher ungeschehen machte, sondern als das, was danach kam. Sie drehte das Gesicht an meine Schulter. Eine Weile hörte man nur die Atmung, die jetzt wieder ungehindert ging. Ich ging früh, ohne Frühstück, wie sie es nach solchen Nächten wollte, und legte die Haube in den Kasten zurück, den Knebel daneben, die Manschetten auf das Seil, alles so ordentlich, dass es aussah, als wäre nichts benutzt worden.
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