Nachhilfe

Aug 16, 2026 · 16 min read · Shame situation

Der Typ fiel ihr auf, weil er der einzige unauffällig gekleidete Mann im Club war, der nicht peinlich aussah beim Tanzen. Die echten Technokater hackten ohne Rücksicht auf die Beschaffenheit der Tanzfläche die 170 beats-per-minute auf den Boden, die Trancer flogen zur Musik und die Schwulen tanzten so als sähe ihnen die ganze Welt zu. Keiner von denen hatte auch nur den Hauch von Verklemmtheit an sich. Aber in den Moves der Standardtypen steckte sehr oft ein tragisches Element, das beim Zusehen Fremdscham oder Augenschmerzen auslöste. Nicht so bei diesem. Er hatte ein ordentliches Gespür für die Bässe und die Beats und schaffte es, seine Bewegungen damit zu synchronisieren. Nicht unbedingt cool, aber immerhin echt. Ok, sie wusste natürlich nicht mit Sicherheit, ob er hetero war, aber ihre Erfahrung sagte klar ja. Wenn er jetzt noch in der Lage wäre, sich bei einer Kontaktaufnahme nicht wie ein Neandertaler aufzuführen, dann könnte der Abend gut verlaufen.
Bei einer Midtempo-Passage tanzte sie sich in seine Nähe. Natürlich so unabsichtlich, dass er glaubte, er habe sie zuerst zwischen Trockeneisnebel und Stroboskopblitzen entdeckt. Sie sah überrascht und nicht zu interessiert auf, als er sich frontal vor sie bewegte und sie angrinste. Der erste Kontakt musste noch einmal warten, weil der DJ es für eine super Idee hielt, Luftschutzsirenen unter den Track zu mischen. Der Typ rollte mit den Augen und nickte dann fragend mit dem Kopf Richtung Chill-Out Zone. Sie machte die ›von-mir-aus-Geste‹, einer Mischung aus leichtem Nicken und Schulterzucken und folgte ihm.
Es dauerte ein paar Sekunden bis das schlimmste Klingeln aus ihren Ohren verschwunden war. Auch er schüttelte sich, allerdings sah sie seinen Augen an, dass nicht nur der Lärm ihn beeinträchtigte. Offenbar hatte er auch irgendeinen Trip eingeworfen. Immerhin, er konnte seinen Blick auf sie richten, ohne dass seine Augäpfel wüst herumrollten. Außerdem hätte es einem großen Lottogewinn entsprochen, an einem Freitagabend im Club einen Kerl zu finden, für den das nicht galt.
»Für einen Mann tanzt du ganz erträglich«, sagte sie.
»Für eine Frau verteilst du ungewöhnlich großes Lob an einen Mann«, lachte er.
Sie musste ein bisschen aufpassen, denn die Bässe, das Tanzen und, ja auch die zwei Gläser Sekt, riefen bei ihr eine gewisse Zugänglichkeit hervor. Außerdem hatte sie in den letzten Wochen nur Nieten gezogen und sich deshalb jedes mal vorzeitig aus dem Staub machen müssen. Sie war also seit langem mit keinem Kerl im Bett gelandet, was ihr ein unterschwelliges Drängen bescherte. Das durfte sie sich auf keinen Fall anmerken lassen. Ganz kurz kam ihr der ehrlose Gedanke, dass sie von diesem Typen vorläufig nichts weiter als eine Dienstleistung wollte.
»Ich bin Ben und hatte ein paar Daiquiri«, stellte er sich vor. Moderat selbstironischer Ton, nicht aufgesetzt. Ok.
»Sarah. Ich kümmere mich um den Sekt«, antwortete sie. 
Sie brauchten nur Minuten um ein harmloses Frotzeln über die Outfits anderer Besucher des Clubs in Gang zu setzen und suchten sich dabei tatsächlich jedes mal dasselbe Opfer aus.
Der Typ war wirklich nicht übel. Endete ihre Pechsträhne heute?
Nach einer Weile gingen sie wieder hinein, um sich noch einmal von den Beats in Schwingungen versetzen zu lassen. Sie tanzten die restliche Zeit immer in Sichtweite voneinander.
»Ob er wenigstens ein Trostpreis ist, finde ich nur auf eine Art heraus«, wusste Sarah und erstellte einen Plan für den weiteren Abend.

Sie alberten auf dem Weg vom Club zu seiner Wohnung. Sarah hatte ihm um vier Uhr erzählt, dass sie nur zum Clubben mit dem Zug hierher gereist war, und sich jetzt dringend auf den Weg machen müsste um die letzte Verbindung noch zu bekommen. Erwartungs- und plangemäß konnte Daiquiri-Ben das nicht akzeptieren. 
Seine Wohnung war nahe genug, dass sie keine Öffis oder ein Taxi brauchten.
»Gut«, dachte Sarah. Sie hatte schon mehrfach erlebt, dass die Stimmung im Neonlicht einer Straßenbahn auf Null abgesackt war, oder der Kerl während der Fahrt einschlief und danach nicht mehr zurück zu seiner Bestform fand.
An der Hecke vor einem Wohnhaus zog Ben sie behutsam aus dem Licht der Straßenlaternen in den Schatten, stellte sich ohne Abstand vor ihr auf und sah sie hoffnungsvoll an. 
»Er ist alkoholisiert, alle Zeichen stehen für ihn auf Erfolg, und er nimmt trotzdem Rücksicht! Das ist groß! Oder schüchtern, was aber auch ok ist. Trotzdem muss jetzt die nächste Stufe zünden«, synchronisierte Sarah die Szene mit ihrem Plan. Sie legte ihre Arme um seine Taille und drückte sich sachte an ihn als wolle sie sich wärmen. Ihrer beider Lippen zogen sich magnetisch an. Ein paar Minuten später und ein wenig außer Atem vom Küssen gingen sie weiter. Sie fanden noch einen Ort im Schatten um das gleiche Manöver durchzuführen, aber ab da richtete es Sarah so ein, dass Ben schneller ging.
Mittlerweile stufte sie seine Bewertung etwas nach oben, von Trostpreis auf Kleingewinn. Denn während des ganzen Weges richtete er seine Aufmerksamkeit auf sie, und verzichtete darauf, blöde Männer-Selfmarketinggeschichten zu erzählen. 
»Erstaunlich!«, notierte Sarah unter dem virtuellen Zeugnis, zeichnete es aber noch nicht endgültig ab.

Vor einem alten und imposanten Stadthaus in einer Großbürgerstraße blieb er stehen.
»Da isses!«, erklärte er und wühlte aus seiner Hosentasche ein Bündel Schlüssel. Nach dem dritten oder vierten erfolglosen Versuch, das Schlüsselloch zu treffen, leuchtete Sarah ihm mit ihrem Händie. Dann waren sie endlich im Warmen. Das Treppenhaus war größer und sicher teurer eingerichtet, als Sarahs ganze Vierpersonen-WG. Einen Aufzug gab es aber nicht, weswegen sie sich gegenseitig unter gedämpftem Kichern die Stufen hinaufschieben mussten. In einer der Kurven brauchte Ben alle Viere um die Spur zu halten.
Endlich schafften sie es in den ersten Stock. Noch eine verschlossene Tür stellte sich ihnen in den Weg, aber dann standen sie in seiner Wohnung. 
Soweit Sarah von hier sehen konnte, war sie fantastisch. Der Boden war belegt mit massiven, alten Holzdielen, die kaum knarrten, die Decken waren fast so hoch wie eine Bahnhofshalle. Wenige, aber geschmackvolle Deko stand herum und zumindest hier im Wohnungsflur stand keinerlei Plunder herum. 
Ben schob sie behutsam in ein Zimmer, nur wenige Schritte den Flur wohnungseinwärts. Das Zimmer war überraschend schmucklos eingerichtet. Außer einem großen, modernen Bett und einer Kommode war nichts darin. Ben schloss die Tür und einen Augenblick war es vollkommen dunkel. Dann schaltete er ein schwaches, indirektes Licht ein, gerade hell genug, dass Sarah sehen konnte, wie seine Silhouette vor dem Bett schwankte.
»Möchtest du irgendetwas haben?«, fragte er mühsam.
»Ich möchte liegen«, stellte sie klar. »Vorzugsweise ohne Klamotten.«
Immerhin verstand er den Hinweis. Leider verlangte sein männliches Selbstverständnis, dass er seine Hose im Stehen auszog, was ihm dramatisch misslang. Sarah reagierte schnell und entschlossen genug, seinen Sturz mit einem Schubser in Richtung Bett zu lenken. Es gelang ihr so gerade. Damit war seine Kraft endgültig verbraucht. Er begann schwer zu atmen und bewegte sich keinen weiteren Zentimeter. Sarah verzog das Gesicht.
»Das war ja klar!«, bestätigte sie sich selbst den Fortgang ihrer Pechsträhne. Sie zog ihm noch das andere Hosenbein vom Leib und legte ihm eine Decke über. Dann zog sie sich auch selbst bis auf den Slip und ihr Unterhemd aus und legte sich nach einer kurzen Unentschlossenheit neben ihn auf das Bett. 
Zum ersten Mal seit Stunden war es still, abgesehen vom Nachhall des Clublärms in ihren Ohren. Sie spürte, dass auch sie nicht mehr genug Kraft hatte, das sofortige Einschlafen zu verhindern.

Das Rauschen in den Ohren war noch nicht ganz verklungen als Sarah wieder aufwachte. Während des Schlafes hatte sich offenbar eine Wüste in ihrer Kehle gebildet, außerdem pumpte das Blut sehr zäh durch ihre Adern. Sie ging davon aus, dass sie nur Minuten vor einem Tod durch Dehydrierung stand.
Wie viel Zeit war wohl vergangen, fragte sie sich. Sie lag auf dem Rücken, immer noch benebelt, aber gleichzeitig fühlte sie sich aufgekratzt und … spitz. Sie drehte mühsam den Kopf zu ihrem ONS. Wie hieß er noch gleich? Jedenfalls hatte er sich in der Zwischenzeit nicht bewegt und schnorchelte vor sich hin, immerhin leise. 
Im schwachen Licht, das von draußen an den halb geschlossenen Vorhängen vorbei in das Zimmer glomm, war der Kerl immer noch ein ganz ansprechender Anblick, aber leider nicht funktionsfähig. Sie erlaubte sich die Übergriffigkeit mit zwei Fingern seine Unterhose vom Bauch anzuheben und und einen Blick darunter zu werfen. Alles ganz normal. Aber ohnehin war die Frage ja nicht, welche Werkzeuge jemand besaß, sondern wie er damit umging. Azubi oder Meister?
»Ok, das lässt sich vorläufig nicht klären«, erkannte sie. Ohnehin musste sie zuerst dringend eine Toilette finden und dann die Trockenheit in ihrer Kehle bekämpfen.
Sie stand vorsichtig auf um die Matratze nicht zum Schwingen zu bringen. Sie kramte ihr Händie aus der dünnen Jacke und verließ das Zimmer. 
Der Flur war fast vollkommen finster. Sarah leuchtete mit ihrem Händie umher. Das Gäste-WC war da, wo es hingehörte, gleich neben dem Wohnungseingang. Im Sitzen sammelte sie ein paar Informationen. Aha, 6.08 Uhr zeigte das Händie. 28 neue Nachrichten, aber da niemand aus ihrem Bekannten- und Freundeskreis gestern dabei gewesen war, konnten auch niemand dringende Fragen zum Verlauf der Nacht stellen. 
Die Spülung war glücklicherweise sehr leise. 
»Und jetzt die Küche«, plante sie ihre weiteren Schritte. Da sie keine Türen öffnen wollte, ließ der Flur nur eine Richtung zu. Sie hatte nicht auf den Schnitt der Wohnung achten können als sie vor ein paar Stunden schwer bedröhnt hier angekommen waren. Wo mochte die Küche sein. Sie wollte kein Licht anmachen um niemanden aufzuschrecken, wer auch immer das sein konnte, Haustiere oder WG-Mitbewohner. 
Am Ende des Flurs, also tiefer in der Wohnung, war es erkennbar heller. Also schlich sie darauf zu. 
Die Helligkeit kam von der Straße durch die Fenster eines riesigen Erkers genau vor ihr. Die Laternen warfen interessante Schatten in die Wohnung und Sarah konnte nun erkennen, dass es sich um eine klassische Bibliothek wie in einem englischen Landhaus handelte. Beeindruckend, aber auch nutzlos, denn was sie brauchte, waren keine Bücher sondern kaltes Wasser und vielleicht noch ein Stück kalter Pizza. Beides sollte es in einem Männer-Haushalt doch wohl geben. Also, wo war der Kühlschrank?
Die Scheinwerfer eines vorbeifahrenden Autos fluteten die Bibliothek mit Licht und Sarah sah rechts von sich eine Wendeltreppe nach oben. Sie folgte ihr mit den Augen. Die ganze Fensterfront reichte über zwei Etagen und die Treppe führte hinauf zu einer Galerie.
»Meine Güte! Ist der Typ Millionär oder so was?«, staunte sie. »Ich muss mich dringend an seinen Namen erinnern. Klappt bestimmt, wenn ich den Kühlschrank gefunden hab.«
Sie stieg so leise wie möglich die Treppe hinauf. Noch bevor sie die obere Etage erreichte, fiel ihr ein flackerndes, bläuliches Licht auf, das nicht von draußen kam, sondern von einem Fernseher oder Monitor. Sie versuchte noch leiser zu gehen, achtete sogar darauf, die nackten Füße langsam vom Treppenholz zu heben. Langsam hob sie den Kopf über die letzte Stufe und konnte endlich den Raum hier oben übersehen.
Ja, da war eine Lichtquelle. Ein iPad oder so was, das jemand auf den niedrigen Tisch vor einem riesigen Sofa gestellt hatte. Die Bilder auf dem Pad waren halb verdeckt durch die Rückenlehne, aber es gab keinen Zweifel, da lief ein Pornoclip. Sarah bewegte sich nicht und atmete flach. Dann sah sie, dass auf dem Sofa, gegen dessen Rückseite sie sah, jemand saß. Sarah beugte sich auf der Treppe weit über das letzte Stück des Handlaufs um mehr sehen zu können.
Ein Mann oder eher ein Junge. Er hielt seinen voll aufgerichteten Penis in der Hand wie einen Fahnenmast und rieb ihn so schnell als ginge es um einen Wettstreit im Flagge hissen. Die ganze Szene war natürlich peinlich und Sarah wusste nicht, wie sie aus ihr herauskommen sollte, aber sie musste sich eingestehen, dass das, was sie hier zu sehen bekam, ihren momentanen Zustand heftig befeuerte. Sie wünschte sich schon länger, einem Typen mal beim Masturbieren zuzusehen, hatte sich aber noch nie getraut einen ihrer ONS zu fragen. Dummerweise beeinträchtigte ihre Geilheit ihre Selbstkontrolle.
»Nicht so hektisch«, rief sie ihm halblaut zu und kam sich dabei vor wie ein Coach, der seinem Team auf dem Sportfeld Anweisungen gab.
»Scheiße!«, rief der junge Mann. Gleichzeitig und sehr hektisch nahm er die Hand von seinem Schwanz, ließ die Schlafhose zurück auf den Bauch schnellen und drehte das iPad auf die flackernde Bildschirmseite. Er sah sich aber nicht um und blieb sitzen, vielleicht weil er Angst hatte, dass ihn sein geschwollener Schwanz nach vorne kippen lassen würde. 
»Ok, jetzt nur nicht kichern!«, befahl Sarah sich stumm. »Sonst ist alles kaputt«.
»Entschuldigung«, flüsterte sie, gerade laut genug. »Ich suche nur etwas zu trinken.«
Der Bursche sah sie weiterhin nicht an, deutete aber mit dem ausgestreckten Arm schräg hinter sich. Ah, die Küche. Endlich! Sarah tappste mit größtmöglichen Abstand am Sofa vorbei in die angewiesene Richtung. 
Im Wohnzimmer hatte sie gar nicht auf die Einrichtung geachtet, aber die Küche machte ganz eindeutig den Eindruck, älteren, pflichtbewussten Menschen zu gehören, die zudem sehr wohlhabend waren. Die schweren Holztüren der Schränke waren niemals die Wahl eines 25-jährigen und die Ordnung und Sauberkeit waren geradezu irritierend. Wohnte Ben noch bei seinen Eltern? Musste sie sein selbstbewusstes Auftreten neu bewerten? Oder musste sie jetzt die Namen seiner Eltern herausfinden?
Sie nahm eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und ging zurück zum Sofa.
»Darf ich mich hierher setzen?«, fragte sie den Burschen, der erstaunlicherweise die Chance nicht ergriffen hatte, zu verschwinden. Er zuckte mit den Schultern und es sah eher einladend als abweisend aus. Er war vielleicht achtzehn oder neunzehn, sie war aber nicht ganz sicher wegen der starken Schatten auf seinem Gesicht. Trotzdem erkannte sie in seinen Zügen eine offensichtliche Ähnlichkeit mit denen ihres verhinderten Liebesgottes, viel jünger natürlich, und vor allem sanfter.
»Ich bin mit deinem Bruder hier«, erklärte sie, zeigte mit dem Finger nach unten in Richtung seines Zimmers und hoffte, dass der Junge nicht merkte, dass sie dessen Namen nicht wusste.
»Klar. Und er ist eingeschlafen.«
»Ich auch, muss ich zugeben. Woher weißt du das?« Er zog die Augenbrauen hoch. »Keine … Geräusche.«
»Tut mir leid, wenn ich dich erschreckt habe. Oder gestört.« Sie sagte es neutral, weil sie nicht wollte, dass es so klang, als mache sie sich über ihn lustig.
Tatsächlich schien es ihm nicht sehr peinlich zu sein, dass sie ihn beim Masturbieren erwischt hatte.
»Ihr wohnt doch hier nicht alleine, oder?«, fragte sie.
»Nein, Ben ist hier nur zu Besuch, weil unsere Eltern im Urlaub sind. Hat er dir nicht gesagt?«
»Nein, aber er hat mir auch nicht gesagt, dass fünf Daiquiris ihn niederstrecken.« Stimmt, Ben. Jetzt erinnerte sie sich, wie sie die Namen ausgetauscht hatten. 
»Seit wann kennst du ihn?«, fragte der Junge, aber er schien die Antwort zu ahnen.
»Eh, seit ungefähr drei Daiquiris.« Er schmunzelte. Sarah stand auf um den Jungen nicht länger von seinem Hobby abzuhalten.
»Warum nicht … ?«, fragte er, etwas zögerlich und weniger selbstsicher als zuvor, aber offenbar entschlossen, sie noch nicht gehen zu lassen.
»Was?«
»Warum nicht so schnell? Oben ankommen ist doch, worum es geht. Das geilste.« Sarah hob die Augenbrauen und setzte sich wieder. Das Gespräch deutete Potential an.
»Ja«, sagte sie gedehnt. »Schon. Aber wenn du abgesprungen bist, ist es vorbei. Gerade bei euch Jungs. Also, ich finde es viel aufregender, wenn der Höhepunkt langsam immer näher anrollt wie eine große Welle am Strand, am besten in Zeitlupe, damit das Brechen der Welle lange dauert. Ich finde es immer schade, wenn es schnell vorbei ist.«
»Aber das ist total schwer!«, protestierte er.
»Ich glaube, es ist nur schwer, wenn man an nichts anderes denkt, als daran, fertig zu werden. Da passt jetzt dieser chinesische Klugscheißer-Spruch mit dem Weg und dem Ziel vielleicht ganz gut. Wenn du nur auf das Ziel zoomst, kriegst du nicht mit, dass es auch unterwegs schön ist.
»Also, gilt das auch, wenn ich … mit einem Mädchen zusammen wäre?«, der Junge war wirklich gescheit. Eine solche Gelegenheit zur Innenansicht würde er nie wieder bekommen, und er wusste das zu nutzen.
»Ich vermute ja. Kann ich aber nicht versprechen, denn – jetzt kommt die wichtigste Info – wir sind nicht alle gleich in meiner Baureihe. Musst du also jedes mal auf’s Neue herausfinden.«
»Toll! Hauptsache es ist immer alles schwierig mit Mädchen!«, klagte er. Sie grinste, weil das so schrecklich tragisch klang.
»Nein. Das schwierige ist doch nur, dass du annimmst, es gäbe einen perfekten Ablauf, den du nicht findest. Das Herausfinden kann aber großen Spaß machen«, versuchte sie ihn anzuspornen.
»Hast du eine Freundin? In Aussicht?«, wollte Sarah jetzt nun doch wissen. Er wackelte mit dem Kopf, eine Geste, die wohl ja-nein-weiß nicht bedeuten sollte.
Er griff sich unter die Hose. Die gerade erst eingefallene Erektion sprang hervor als sei sie nach Stunden aus der Eistonne befreit worden. 
»Sehr schön«, dachte Sarah und vermied wieder ein Grinsen.
»Hm«, machte der kleine Bruder und bewegte seine Hand, diesmal viel langsamer. 
»Hm«, machte er noch einmal, aber dann wurde es ihm offenbar in der Hose zu eng und er streifte den Bund über sein Geschlechtsteil und seinen Hintern.
»Ja«, flüsterte Sarah. Die schon die ganze Zeit in ihr schwelende Hitze kam an die Oberfläche. Sie stellt sich, nicht zum ersten Mal, vor, wie es sich anfühlen musste, den eigenen Schwanz in der Hand zu halten.
»Vielleicht nur mit den Fingern und bleib an der Spitze«, flüsterte sie ihm zu. Womensplaining der besonderen Art, aber der Bursche tat es wie ein lernbegieriger Schüler. »Rrrrhhh«, machte er jetzt. Das klang eindeutig nach Zustimmung. Was für eine fantastisch heiße Show. Die Enttäuschung über den plötzlich beendeten Abend im Gästezimmer unten war überwunden.
»Willst du nicht auch?«, krächzte er. Ihr war nicht ganz klar, was er meinte, sollte sie auch bei ihm eingreifen? Hatte er vielleicht Angst vor einer Sehnenscheidenentzündung?
»Ich kann dich nicht anfassen, das wäre auch nicht schön gegenüber deinem Mädchen«, lehnte sie ab.
»Nein. Dich … da glänzt doch was«, hechelte er mit einem schielenden Blick auf ihren Schritt. 
»Mich selber berühren, hier neben ihm. Meine Güte, dieser kleine, gewitzte Banger hat recht.« Sarah streifte ihren Slip nach unten. 
»Du hast einen Blick für die wesentlichen Dinge«, lobte sie ihn stumm, denn tatsächlich hatte seine kleine Vorführung eine deutliche Schmierung bei ihr ausgelöst. 
»Ich kann dir helfen, ich weiß, wo alles ist«, keuchte er.
»Hast in Bio gut aufgepasst?«, fragte Sarah, ebenfalls atemlos.
»Quatsch Bio. Ich hab einen Onlinekurs belegt.« Er deutete mit der freien Hand auf das iPad. Sarah rollte mit den Augen, aus verschiedenen Gründen.
Der Junge sah, dass ihre Finger wegen der Feuchtigkeit das spärliche Licht reflektierten.
»Heiß!«, hauchte er ergriffen.
»Allerdings!«
Sarah stellte fest, dass sie ihre guten Ratschläge an ihn selber kaum befolgen konnte. Wie bei der Rückkopplung einer Liveband brachte das gegenseitige Zusehen die beiden rasend schnell an die Klippe. Sarahs Körper, vor allem der Teil zwischen ihren Oberschenkeln, schrie danach, auch den letzten Schritt zu tun, oder besser: mit einem kräftigen Satz die Grenze zu überspringen und es verlangte von ihr beinahe mehr Disziplin als sie aufbringen konnte. Der Bengel ließ seinen Schwanz auch alle zwei oder drei Hübe los, weil er spürte dass selbst ein Millimeter zuviel Bewegung seiner Hand am Schwanz das heiße Spiel beendet hätte.
»Ok, ich glaube, das Konzept ist jetzt klar«, hechelte Sarah undeutlich. Bens kleiner Bruder röchelte nur, zog seine Vorhaut noch ein einziges Mal zurück und ließ eine erstaunliche Fontäne erscheinen.
»Wuuuoooaaahhhh«, machte er und ließ sich gegen die Sofalehne fallen. Die Fontäne erreichte in der Luft ihren höchsten Punkt und fiel dann zurück auf seinen Unterkörper.
»Mmmmmhhhh«, machte Sarah in genau demselben Moment, weil sie den Druck auf ihre Klitoris mit der Hand um eine Winzigkeit erhöht hatte. Wie er sackte auch sie in ihrem Sessel zurück. 
Für eine Minute hörte man nur schnelles Atmen.
»Darf ich deine Hand anfassen?«, fragte er. Ein Ton war nicht mehr forsch und künstlich selbstsicher wie vorhin, sondern fasziniert und verzaubert davon, was er eben, wahrscheinlich zum ersten Mal im Leben, hatte sehen dürfen.
»Nein«, hauchte Sarah. »Lass dir das übrig für deine erste Freundin.« Es fiel ihr schwer, sich auf ein paar vernünftige Sätze zu konzentrieren. »Und vergiss nicht, dass auch nach dem Sprung noch schöne Dinge warten. Sofort einschlafen ist sehr doof.«
»Mir ist nicht nach einschlafen«, versicherte er.
»Gut«, sagte Sarah, die dummerweise jetzt selber etwas schläfrig wurde. Sie bemerkte, dass mittlerweile etwas mehr Helligkeit in die Wohnung drängte.
›Höchste Zeit zu verschwinden, sonst bekomme ich gar keinen Schlaf mehr‹, erkannte sie und stand auf. Gut, dass sie nicht noch Klamotten aufsammeln musste, denn dabei war schon so manches Stück verloren gegangen.
»Heh, … äh … «
»Sarah.«
»Sarah! Ich glaube, das vergesse ich nie«, erklärte der Junge in einem Ton, in dem man auch ›Amen!‹hätte sagen können.
»Ich vielleicht auch nicht.« Eigentlich hätte sie seinen unordentlichen Haarschopf strubbeln mögen, aber das hielt sie für zu vertraut.
›Witzig eigentlich. Wir haben es uns miteinander gemacht, aber bleiben völlig Fremde‹, dachte Sarah. Also zwinkerte sie ihm im Halbdunkeln nur zu und tappste dann ins Ganzdunkel.
»Sarah!« rief er noch einmal, mit unterdrückter Lautstärke. Sie wandte sich ihm nochmal zu.
»Ich war gar nicht cool vorhin, als du mich erwischt hast.«
Jetzt grinste er. »Ich bin nur sitzen geblieben, weil ich Angst hatte wegen meinem Rohr vornüber zu fallen.«
Sarah bemühte sich, nicht laut aufzulachen, es gelang ihr aber nur teilweise.
»Ich weiß.« 
Sie überlegte, ob der ältere Bruder eines so gewitzten Teens nicht vielleicht doch noch eine Chance verdient hatte.
Aber nicht sofort. Vielleicht in zwei Stunden.

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Comments

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Basileus schrieb am Aug 16, 2026 um 17:21 Uhr

Sehr lustig und mit Guillemets 🩷 Ein kleiner logischer Fehler: ein Mal benutzt Sarah Bens Namen, bevor sie sich wieder an ihn erinnert. Könnte aber auch unbewusst sein. 

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