Weeslower Chroniken Teil 1 - Nadine - 1997


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07.03.2019
Kunst

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Nadine 1997 - Wieder aufgetaucht

 

"Nadinchen! Aufwachen!"

 

Die Vorhänge wurden zurückgezogen, sofort überfluteten helle Sonnenstrahlen das Zimmer und das Bett, auf dem ein junges Mädchen schlief.

 

"Oh Mum, nicht jetzt schon..."

 

"Aber es ist schon elf Uhr! Wir wollen zum Mittag zu Oma."

 

"Ja ja, ich weiß. Ich komm schon..."

 

Auf dem Bauch liegend begann sich das Mädchen auf dem Bett zu bewegen, dann wohlig zu strecken. Das leichte Laken lag neben dem Bett auf der Erde.

 

"Wann bist Du denn nach Hause gekommen? Ich habe bis um eins auf Dich gewartet. Aber dann muss ich doch eingeschlafen sein."

 

Die siebzehnjährige Tochter drehte sich der Mutter zu. "Habe ich gemerkt. Ich hab mich ganz vorsichtig nach oben reingeschlichen, um Dich nicht zu wecken."

 

"Und wann war das nun?"

 

"Ich weiß nicht mehr genau, ich glaube, es war vier. Oder fünf."

 

"Was? So spät? Wie bist Du denn dann nach Hause gekommen? Doch nicht mit Dori?"

 

"Nein, mit Michael."

 

"Aber..."

 

"Nein, nein, keine Sorge." Das Mädchen, das nur einen knappen weißen Slip trug, richtete sich auf, streckte sich erneut und wuschelte sich dann mit den Händen durch die langen, völlig zerzausten dunklen Haare, die sie zuletzt mit einer schnellen Bewegung über die Stirn hinweg aus dem Gesicht strich. "Alles so wie immer. Wir sind nicht wieder zusammen. Er hat mich nur nach Hause gefahren. Und danach noch zwei andere Jungs abgesetzt."

 

"War er nüchtern?"

 

"Ja. Er trinkt nicht mehr. Keinen Tropfen."

 

Nadines Mutter drohte mit dem Finger. "Aber Du hattest mir versprochen, ein Uhr, keine Minute länger!"

 

"Ach Mum!" Nadine kniete sich auf das Bett und setzte ihren bezauberndsten Vergib-mir-Blick auf. "Es war echt cool auf der Party, und alle meine Freunde sind auch noch so lange da gewesen. Nur Dori halt nicht. Ich versprech´ Dir, ich pass auf mich auf, ich mach´ keine dummen Sachen."

 

"Glaub ich ja. Und dennoch... So, jetzt komm, mache Dich fertig. Willst Du noch was zum Frühstück."

 

"Ja, gern. Müsli, okay?"

 

"Dann komm aber schnell.  - Ach, was ich Dir erzählen wollte: Ich soll Dich grüßen - von Deinem Lehrer Schneider."

 

Nadines Miene erstarrte für einen kaum wahrnehmbaren Augenblick, dann fand sie ihr Lächeln wieder. "Ach so?" meinte sie bemüht teilnahmslos.

 

"Ich habe ihn gestern Abend vor dem Pfarrhaus getroffen. Er hat dort Dorothea besucht. Er hat mich gleich erkannt und nach Dir gefragt."

 

"Und was hast Du ihm erzählt?"

 

"Na, was schon? Dass es Dir gut geht, Du gut in der Schule bist, nächstes Jahr Abi machst, all das. Und er fragte, ob Du immer noch so ein bildhübsches Mädchen bist. Na klar, meinte ich, noch viel hübscher sogar..."

 

Mit diesen Worten verschwand ihre Mutter, und Nadine sah ihr nachdenklich hinterher.

 

 

Nun stand Nadine jenes letzte Mal, als sie ihn, diesen Lehrer Schneider, gesehen hatte, wieder ganz deutlich vor Augen. Es war fast genau ein Jahr her, der letzte Schultag vor den großen Sommerferien. Es war spät am Abend gewesen, sie leicht beschwipst, er auch, sie umarmten sich zum Abschied vor dem Gartentor ihres Elternhauses, wo er sie auf dem Weg nach Hause von der Schulparty vorbei gebracht hatte. Abschied für immer. Er ging fort zu seiner neuen Stelle irgendwo weit weg im anderen Teil von Brandenburg. Sie hatten sich umarmt, eine Weile wehmütig in die Augen geschaut - und leider nicht geküsst, obwohl sie es sich so herbeigewünscht hatte. Aber natürlich hatte er das nicht getan, auch wenn er von diesem Moment an nicht mehr ihr Lehrer war. Sie war schließlich erst sechzehn, und er mit neunundzwanzig frisch gebackener Lehrer. Aushilfslehrer, genauer gesagt, für das eine vergangene Halbjahr. Das bei Nadine jedoch einen sehr nachdrücklichen Eindruck hinterlassen hatte.

 

Sie hatte plötzlich das Gefühl, jetzt noch spüren zu können, wie seine Hand über ihren Rücken hinweg auf ihren Po gewandert war, wie angenehm es in ihrem Bauch kribbelte, als sie sich an ihn schmiegte.

 

Sie hatte ihn nur in der Theater-AG als Lehrer, einmal pro Woche. Doch er  hatte sie vom ersten Moment an tief beeindruckt: fast zwei Meter groß, muskulös, männlich, sportlich, dynamisch, ein leidenschaftlicher Kraftsportler. Nadine kam sich neben ihm nicht nur allzu jung und unerwachsen, sondern trotz ihrer einen Meter siebzig Körpergröße auch recht klein vor. Kaum, dass sie in den insgesamt zehn Mal neunzig Minuten bei ihm allzuviel vom Unterricht mitbekommen hätte. So sehr sie es versucht hatte, an seinen Lippen hing, sie nahm kaum etwas auf. Sie war verliebt, hoffnungslos verliebt. Zum ersten Mal. Er war wunderbar. Wunderbar witzig, wunderbar geistreich, wunderbar charmant. Wunderbar anzuschauen.

 

Da Nadine jedoch ohnehin als etwas verträumt und mitunter abwesend galt - wieso nur hatte ausgerechnet sie, die so Introvertierte, Stille sich für die Theater-AG angemeldet, fragten sich viele - fiel kaum jemand ihre heimliche Schwärmerei auf.

 

Doch nachts träumte sie von ihm, tags dachte sie an ihn, zu jeder Zeit, an jedem Ort.

 

Während der dritten AG-Stunde machte Nadine eine seltsame und einschneidende Entdeckung. Die AG wurde fand immer im Gemeinschaftsraum der neben der Schule liegenden Kirchengemeinde statt, da sich dort eine Art Bühne befand. Sie war nach einem Gang zur Toilette während einer Pause versehentlich in die falsche Richtung im Flur abgebogen und bemerkte erst, als sie die Tür schon geöffnet hatte, dass sie in seiner Wohnung stand. Einen kurzen Moment hatte sie gezögert. Aber Schneider hatte angekündigt, dass die Pause womöglich etwas länger dauere, da er kurz hinüber zur Schulleitung musste. Die anderen saßen alle im Gemeindehaus, niemand würde sie entdecken. Ihre Neugierde siegte, sie trat ganz in den Raum hinein und sah sich um. Am meisten interessierten sie die Fotos an der Pinnwand neben dem Bett.

 

Und darauf war ganz oft Michael Schneider zu sehen - und zwar vollkommen nackt. Nackt an einem Strand, nackt vor einem Zelt, nackt mit einem hübschen jungen, vielleicht achtzehnjährigen, ebenfalls nackten Mädchen auf einem Felsen vor dem Meer, nackt inmitten einer ganzen Gruppe von ebenso nackten jungen Menschen auf einer Wiese.

 

Nadine trat ganz nah heran. Was für ein Körper! Die meisten Fotos schienen nicht alt zu sein, allesamt aktuell oder höchstens zwei, drei Jahre alt. Was für ein Brustkorb. Breite Schultern, muskulöse Arme, ein perfekter Six Pack, schmale Hüften, kräftige Lenden. Und was für ein ansehnlicher, mächtiger Schwanz, rundherum vollständig enthaart, wie übrigens der ganze Körper bis auf das Haupthaar. Sie bekam ganz weiche Knie. Dann beschaute sie sich nochmal das Foto mit dem jungen Mädchen.

Sie erschrak. Ihr war noch nie der Gedanke gekommen, dass Michael Schneider vielleicht eine Freundin haben könnte. Ihre Knie wurden noch weicher, jetzt krümmte sich auch noch der Magen. Schnell riss sie sich los und eilte hinüber zu den anderen.

 

 

Danach war sie lange Zeit völlig aufgelöst gewesen. Abwechselnd kreisten ihre Gedanken immerzu um seine so offen, so selbstbewußt gezeigte Nacktheit und seinen perfekten Körper - oder um die quälende Frage, ob er ein Mädchen habe, dieses vielleicht auf dem Foto, oder ein anderes.

 

Bei jedem weiteren Besuch täuschte Nadine vor, auf die Toilette zu müssen. Und jedesmal fand sie in den drei, vier Minuten, die sie sich dafür Zeit gab, etwas Neues, Spannendes. Sie entdeckte etwa einen selbstgefertigtes Fotoalbum von einem Urlaub auf Korsika. Sie blätterte darin - und ja, es war eindeutig, er war dort mit einer Frau gewesen. Nicht dem Mädchen von dem Bild an der Pinnwand, sondern einer etwas älteren, wenn auch erst höchstens fünfundzwanzigjährigen, bildhübschen, superschlanken und so wie er nahtlos gebräunten Traumfrau. Und das war erst im letzten Sommer gewesen, wie der Einband auswies. Ob es sie noch gab? Nadine fand jedoch keine weiteren Fotos oder andere Hinweise mehr auf diese Frau.

 

Beim heimlichen Betrachten der Fotos kamen ihr Erinnerungen hoch, wie schön doch eigentlich die Zeit gewesen war, als auch sie noch den ganzen Tag am Strand einfach so völlig nackt herumgelaufen war, statt wie heutzutage in Badezeug. Nacktbaden war auch in ihrer Familie sehr verbreitet, wie bei so vielen Menschen hier im Brandenburgischen - zumindest an der Ostsee, aber auch an den vielen umliegenden Seen tat es man es, einfach so, ganz natürlich. Ihre Mutter tat es, ihre Großeltern. Sie selbst hatte sich vor einigen Jahren, mit Ende ihrer Kindheit und beginnender Pubertät, allerdings dagegen und für das Tragen von Bikinis entschieden. Lediglich im Urlaub am Mittelmeer ließ sie ihre schönen Brüste oft unbedeckt. Mehr aber auch nicht.

 

Diese Bilder hatten sie Wanken lassen. Sollte sie es nicht doch mal wieder probieren? Am liebsten, gestand sie sich ein, mit ihm...

 

 

Mittlerweile ging unter den Schülern herum, dass ihr neuer Aushilfslehrer ein FKK-ler sei, man hatte Michael Schneider am nahen Badesee an der nackten Seite gesehen. Unter den Mädchen sorgte die Vorstellung, wie dieser Wahnsinns-Typ wohl nackt aussehe, für einigen Gesprächsstoff und für  Kichern hinter vorgehaltener Hand.

 

Nadine jedenfalls hatte dabei, wenn sie mit den anderen darüber tuschelte, ein sehr konkretes Bild vor Augen.

 

 

Beim nächsten Besuch fand sie ein weiteres Foto, das nun offen auf seinem Nachtschrank lag, von einer dritten und ebenso jungen, hübschen Frau, mit der Michael Schneider Arm in Arm an einem Nacktstrand posierte, und auch dort sah er genauso aus wie immer, es konnte also nicht alt sein.

 

Geschmack hat er ja, dachte sie bitter. Sie schaute an sich selbst herab. Sie war zwar auch sehr schlank - aber, wie sie fand, eher zu schlank. Viel zu wenig fraulich, fand sie selbst. Und ja, hübsch war sie wohl auch, das behaupteten eigentlich alle. Aber verdammt, sie war gegenüber diesen anderen Traumweibern doch noch ein Kind...

 

 

Aber das wollte sie nun nicht mehr länger sein. Fortan änderte sie ihr Outfit beinahe schlagartig. Sie kam zu den Unterrichtsstunden nun statt in Jeans immer in sehr kurzen Röcken oder Kleidern oder auch engen, gerade in Mode gekommenen Leggings, ihre langen schlanken Beine betonend. Und unter engen Pullovern und Shirts betonten Push Up - BHs ihre zwar relativ kleinen, aber hübsch festen, runden Brüste. Sie schminkte sich, wenn auch sehr dezent, machte sich oft aufwendig die Haare zurecht und trug hohe Stiefel mit Absätzen. Sie verwandelte sich zusehends in wenigen Wochen vom unscheinbaren Mädchen zur interessanten Frau, was zunächst allerdings mehr ihrer Mutter und den anderen Schülern auffiel.

 

Nach und nach schien es ihr jedoch, als ob sich zunächst die Blicke, dann auch das Verhalten Michaels ihr gegenüber veränderten. Da lag etwas in der Luft, wenn er ihr näher kam, sie mitunter leicht am Arm berührte, sie auch nur anschaute und dabei, etwas zu lange, versonnene Pausen in seinen Reden machte.

 

Und so kam es, dass sie ihm am Tag vor seinem Abschied, da sie wusste, dass er wegging, ihre Liebe gestand. Und wie sie es erwartet haben musste, nahm er das verständnisvoll auf, behutsam, fürsorglich, nahm sich etwas mehr Zeit nur für sie, setzte sich mit ihr allein in einen Nebenraum der Kirche, sprach mit ihr, aber natürlich, erklärte ihr auch, dass das unmöglich sei, dass es dabei soviel Hindernisse gäbe, sie so jung noch sei und so weiter, sie hatte am Ende gar nicht mehr zugehört, sondern war weinend aus der Kirche gelaufen, beschämt, verletzt und sich über sich selbst ärgernd.

 

Und dann diese Umarmung vor dem Haus am Tag danach...

 

 

Nadine hatte ihm monatelang nachgetrauert. Doch natürlich war ihre äußere Verwandlung des allmählichen Erwachsenwerdens auch bei anderen nicht unentdeckt geblieben - ihre Freundinnen wetteiferten nun mit ihr in diesem Sommer um die kürzesten Röcke, die knappsten Hot Pants -, und so stellten sich mehr und mehr andere männliche Bewerber ein.  Als sie schließlich mit Michael, ihrem ersten richtigen Freund, nur drei, nicht zwanzig Jahre älter als sie, zusammenkam, konnte sie auch endlich erfolgreich über Schneider hinweg kommen.

 

 

Doch in diesem Moment, auf ihrem Bettrand sitzend, trat wieder sein lang begehrtes Bild vor ihr inneres Auge.

 

Eines hatte sie sogar noch, nicht nur das im Kopf, nein, auch ein ganz greifbares. Sie hatte es am letzten Unterrichtstag heimlich aus seiner Nachttischschublade gestohlen, in der Hoffnung, dass er es niemals merken werde. Den Teil mit dem sehr jungen Mädchen an seiner Seite, wieder ein anderes, wieder ein so hübsches, hatte sie einfach weggeschnitten. Jede Nacht hatte sie es dann beim Schlafengehen ebenso heimlich hervorgeholt und sich beim Anschauen selbst verwöhnt.

 

Damals war sie im Sich-selbst-verwöhnen sehr geübt. Und seit ein paar Wochen, seit die Geschichte mit Michael, ihrem ersten richtigen Freund, vorbei war, war sie es wieder. Leider, fand sie. Denn nun wusste sie, was sie entbehrte.

 

Sie holte das Foto hervor, es lag noch immer in ihrem Schubfach neben dem Bett, als verstecktes Lesezeichen in - tatsächlich - ihrer Bibel. Hier war es sicher, die Bibel würde niemand sonst als sie selbst in die Hand nehmen, weder Michael, noch ihr Bruder oder ihre Mutter.

 

Und sofort fand ihre freie Hand, fast automatisch, wie schon viele hunderte Male zuvor bei diesem Anblick, den Weg in ihren sofort feuchten Schoß.

 

Schneiders muskulöser Körper glänzte braungebrannt, sein beachtlich großer Schwanz hing ihm prall, geschwollen, halbsteif im 45-Grad-Winkel vor ihm herab. Es sah so aus, als wenn er an etwas sehr Schönes dachte. Und sie stellte sich immer vor, so auch jetzt, dass sie es sei, von der er träumte.

 

"Nadinchen, nun komm endlich!" rief es von unten her.

 

"Gleich..." Das dunkelhaarige Mädchen warf einen letzten Blick auf den makellosen Männerkörper, steckte dann das Foto umsichtig wieder in die Bibel hinein, verstaute diese wieder am alten Platz, und eilte nach unten.

 

 

Es war ein schwülwarmer Frühsommertag. Draußen auf der Terrasse, auf die es von der Küche aus hinausging, saß am noch gedeckten Frühstückstisch ihr pubertierender Bruder und spielte sein neues SuperMario-Spiel auf dem Nintendo Game Boy.

 

"Hi Eric!" grüßte Nadine fröhlich.

 

Er schaute kurz auf. Seine Schwester so fast nackt in der Terrassentür stehen zu sehen, war zwar kein ganz neuer, aber ein ungewohnter Anblick, und so verweilte sein zunächst desinteressierter Blick dann doch einen Moment länger als sonst auf der schönen Siebzehnjährigen. Dass seine Schwester in der ganzen Gegend als eine der hübschesten und begehrtesten Mädchen galt, war so nun wirklich nicht mehr zu übersehen. Langgliedrig, sehr schmal, sehr schlank, mit kerzengerader Haltung die schönen, festen Brüste vorgestreckt. Ihre Mutter dagegen, die im Garten einen Strauß Blumen zusammen gesammelt hatte und gerade wieder hereinkam, nahm es anscheinend kaum zur Kenntnis, auch wenn es seit längerem schon nicht mehr vorgekommen war, dass sich Nadine daheim so offenherzig gezeigt hatte.

 

Eine Zeitlang, das war einen Sommer her, war das Mädchen ständig so durch das Haus gelaufen, war mit einem Mal halbnackt durch den Flur gehuscht oder hatte im Sommer beim Sonnen in einer stillen, geschützten Ecke des Gartens ganz und gar auf den Bikini verzichtet. Dieser plötzlich entstandene Hang zur Freizügigkeit, zur Nacktheit hatte anfangs alle etwas irritiert und bei der Mutter ein paar Fragen aufgeworfen. Aber da es sich auf die eigenen vier Wände und den kaum einsehbaren Garten begrenzte, hatte sie es sich mit der fortschreitenden Pubertät erklärt.

Woher diese plötzliche Anwandlung damals kam, wem sie diese Vorliebe abgeschaut hatte - um sich ihm näher, verbundener fühlen zu können - das ahnte niemand. Noch bemerkenswerter war jedoch, dass Nadine seit dieser Zeit plötzlich großen Wert auf einen stets vollständig und immer akkurat enthaarten Intimbereich legte. Auch das hatte mit Schneider zu tun - denn nicht nur er selbst, sondern viele der Frauen an seiner Seite, die Nadine auf den Fotos gesehen hatte, waren es auch - vollständig blank im Schoß.

 

Zunächst hatte Nadine es mit herkömmlichen, manuellen Mitteln versucht, aber nachdem sie sich einigermaßen diskret umgehört hatte, gab man ihr von versierter Seite Tipps für länger anhaltende, schonendere amerikanische und brasilianische Produkte. Tatsächlich sah man vollständig im Intimbereich enthaarte Frauen eher selten, und wenn überhaupt, dann hatte Nadine dies bislang nur bei einem ganz bestimmten Typ Frauen wahrgenommen, der zudem eher weniger ihrem eigenen Schönheitsideal entsprach. Doch auf Schneiders Fotos waren das alles ganz natürliche, bildhübsche, teils blutjunge Mädchen und Frauen. Und bei denen sah es einfach wunderbar aus, fand Nadine, so rein und gepflegt und doch so selbstbewußt offen dargeboten. Als wäre es eine Art Eintrittskarte in Schneiders nackte Welt, enthaarte sie sich fortan komplett.

 

 

Die nackte Phase hielt nur einen Sommer lang an, denn mit der kälteren Jahreszeit ließ auch das Bedürfnis nach Nacktheit nach, und als Nadine im Herbst mit Michael zusammen gekommen war, bestand dieser in heftiger Eifersucht stets darauf, dass der unverhüllte Anblick des Körpers seiner bidhübschen Freundin einzig und allein ihm vorbehalten blieb. Nur die vollständige Reinheit ihres blanken Schoßes, die wollte Nadine fortan nie mehr missen.

 

 

Heute jedoch war sie so sehr durch die Gedanken an Schneider vereinahmt, dass sie gar nicht an ihre Blöße dachte.

 

 

"Hat Schneider denn was von sich erzählt?" fragte sie so unaufällig wie möglich, als ihre Mutter ihr eine Schale mit Müsli herausbrachte.

 

"Nicht viel. Er hatte nur wenig Zeit. Aber er hat noch erzählt, dass er jetzt in einer kleinen Stadt bei Festenwalde arbeite."

 

"Wo ist das denn?" mischte sich Eric ein.

 

"Fast auf der gegenüberliegenden Seite von Berlin, nordöstlich davon, glaube ich. Jedenfalls halb auf dem Weg nach Polen." erklärte die Mutter geduldig, wandte sich dann wieder Nadine zu: "Ist Dir auch warm genug so?"

 

"Ja. Endlich mal ein schöner, warmer Morgen. - Und, hat er sich sehr verändert?"

 

"Nö. eigentlich nicht. Sieht immer noch klasse aus, Dein Theater-Lehrer."

 

Nein, ihre Mutter wusste von nichts, das war Nadine klar. Diese letzte Bemerkung war nur einfach neckend dahingeworfen.

 

 

Doch mehr war über ihn so nicht herauszufinden, also löffelte sie still weiter ihr Müsli, räumte den Tisch ab, ging dann nach oben, duschte und zog sich ein Sommerkleid an.

 

Immerzu musste sie nun an Schneider denken, und den ganzen Nachmittag lang, den die Familie bei der Großmutter verbrachte, saß Nadine dort wie auf glühenden Kohlen. Wie konnte sie nur mehr über ihn herausfinden? Vielleicht über Dorothea, die Pastorin, die er besucht hatte.

 

Am nächsten Nachmittag lief sie direkt vom der Schulbushaltestelle in der Stadtmitte hinüber zum Pfarrhaus. Dorothea, die Pastorin, war zu Hause, Nadine konnte sie schon durch das Küchenfenster neben der Eingangstür sehen.

 

"Nadine, hallo, was kann ich für Dich tun?" Hinter der großen blonden Pastorin erschien ein neugieriges blondes Mädchen, etwa vier Jahre alt und fiel der Besucherin sofort freudig in die Arme. Nadine hütete ab und zu ein und spielte für die kleine Marie Babysitterin.

 

Sie hatte sich vorgenommen, keine allzu umständliche Geschichte zu erzählen, sondern gleich zur Sache zu kommen: "Meine Mutter hat mir erzählt, dass Michael Schneider bei Dir zu Besuch war."

 

"Das stimmt."

 

"Hast Du seine Adresse? Oder Telefonnummer?"

 

Dorothea zögerte einen Moment. Aber dann sah sie keinen Grund, Nadine nicht zu geben, was sie wollte. "Ich habe eine Telefonnummer von ihm, und eine Mailadresse. Warte."

 

Sie ging hinein. Nadine zog auf den Stufen abwechselnd mit Marie Grimassen, um sich die Zeit zu vertreiben. Dann gab die Pastorin dem Mädchen einen Zettel. "Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, ob diese Nummer noch aktuell ist, aber die Mailadresse ist es auf jeden Fall, ich habe gerade letzte Woche eine Mail von ihm bekommen."

 

Nadine bedankte sich artig und verabschiedete sich eilig. Mailadresse! Sie musste schmunzeln. Wir haben zu Hause nicht mal Internetanschluß! Aber an der Schule hatte sie ein Postfach eingerichtet bekommen, in der Computer-AG, und immer nachmittags ab 12.30 Uhr durften sich die Schüler der AG für eine halbe Stunde "einloggen".

 

Doch was sollte sie schreiben? Oder doch lieber anrufen?

 

Am nächsten Tag nach dem Mittagessen ging sie in den Computerraum der Schule, eher ein alter Abstellraum, dafür mit immerhin acht neuwertigen Computern. Sie war allein. Sie schaltete einen der PC an und brachte über das rauschende Modem eine Internetverbindung zustande, dann öffnete sie ihr Postfach. Und nun? Sie musste sich beeilen, die halbe Stunde war schon zur Hälfte vorbei.

 

"Lieber Michael Schneider ,

 

meine Mutter hat mir Ihre Grüße bestellt. Herzlichen Dank, ich habe mich sehr gefreut! Wie geht es Ihnen? Lange habe ich schon nichts mehr von Ihnen gehört. Vielleicht haben Sie ja mal Lust, sich zu melden.

 

Liebe Grüße

Nadine Bauer"

 

Das war absolut unverfänglich, fand sie. Und ließ doch alles offen. Einige Augenblicke zögerte sie noch, dann drückte sie auf Senden.

 

 

Es tat sich nichts. Nach zehn Minuten war ihre Zeit um, dann entschloß sie sich, auszuschalten und zu gehen.

 

Auch am nächsten Tag gab es keine Reaktion. Auch nicht am übernächsten. Schon zweifelte Nadine daran, dass die Adresse richtig war.

 

 

Dann kam, drei Tage später, die Antwort:

 

"Liebe Nadine!

 

Wie schön von Dir zu hören.  Ja, ich war mal wieder in der Nähe und habe Dorothea besucht. Sie ist mir immer eine große Hilfe, wenn ich mal Rat brauche. Mir geht es prima. Ich fühle mich an der neuen Schule, dem Gymnasium Festenwalde, wie zu Hause, und auch mein kleines Städtchen, in dem ich wohne, Weeslow, gefällt mir sehr, vor allem wegen der herrlichen Natur und dem wunderschönen Badesse (kennst Du den? Gibt es erst seit etwa sieben Jahren, waren früher Kiesabbaugruben, die nun zu einem Badesee zusammengeführt wurden.) Und hier wohnen viele, sehr interessante Menschen, irgendwie eine kleine Enklave von Stadtflüchtern, Lebenskünstlern, echten Künstlern und bildungshungrigem Landvolk.

Was machst Du? Du bis nächstes Jahr mit dem Abi dran, nicht wahr? Schwere Zeit gerade, oder? Vermutlich immer noch das Heine-Gymnasium? Erzähle mir gern ein bisschen von Dir. - Übrigens, erinnerst Du Dich noch an die Geschichte mit dem rosa Melkschemel? Den habe ich immer noch - der gehört Dir! Ich bringe ihn Dir bei nächster Gelegenheit - oder Du kommst mal vorbei. Vielleicht führt Dich ja der Weg mal nach Weeslow - da kommt man in der Nähe vorbei, wenn man über Landstraßen von Berlin aus Usedom oder so erreichen will. Du bist dann herzlich eingeladen vorbeizukommen!

 

Liebe Grüße

Michael (lass bitte das Siezen sein, wir sind ja nicht mehr in der Schule!)"

 

Nadine konnte es kaum glauben. Sie hatte sogar eine Einladung von ihm erhalten. Oh, wie gern würde sie dem folgen. Sofort, wenn möglich... Die drei Tage Wartezeit auf die Mailantwort hatten sie innerlich sehr beschäftigt, hatten eine regelrechte neuentfachte Sehnsucht nach ihm ausgelöst. Sie musste sofort antworten.

 

"Hallo Michael (danke für das Du!),

 

ich habe Weeslow auf der Karte entdeckt, so weit weg ist das ja gar nicht :-).  Allerdings habe ich noch keinen Führerschein, also müsstest Du kommen, um mir meinen Schemel zu bringen. Ich habe ihn schon sooo vermisst.

(Habe übrigens immer nur an Wochentagen zwischen 12.30 Uhr und 13.00 Uhr die Möglichkeit, zu schreiben - von der Schule aus. Zu Hause haben wir kein Internet.)

 

Liebe Grüße Nadine"

 

Diesmal ließ die Antwort nicht lange auf sich warten, sie kam sofort.

 

"Das kommt mir bekannt vor, ich schreibe auch von der Schule aus, da in meinem Haus noch gar nichts funktioniert, nicht mal das Telefon. Deshalb kann ich auch im Moment nur schlecht hier weg: Ich baue mir ein altes Haus aus und will in zwei, drei Wochen so weit fertig sein, dass ich zumindest mit fließendem Wasser und Strom darin wohnen kann. - Und was machst Du in den Sommerferien?"

 

Das war eine gute Frage. Eigentlich nichts. Die Pläne, die Nadine mit Michael gemacht hatte, hatten sich ja zerschlagen. Und mit ihrer Mutter und ihrem Bruder wieder für zwei Wochen nach Ruhpolding zu Onkel und Tante - oh nein, das hatte sie diesmal abgelehnt. Sie würde allein zu Hause bleiben, das hatte sie mit ihrer Mutter schon vereinbart. Ab und zu reiten, an den See raus fahren, lesen und sich mit den daheimgebliebenen Freunden treffen. Viel war das nicht, aber immerhin, zum ersten Mal allein für längere Zeit.

 

 

Könnte sie da nicht auch mal zu ihm, zu Michael Schneider, mal zu Besuch? Nadine kribbelte es sofort wieder am ganzen Leib. Das würde sie nicht aushalten. Der wohnte da bestimmt nicht allein, und dann die ganze Zeit neben diesem Bild von einem Mann verbringen - ohne dass daraus was wird?! Das wäre das Schlimmste überhaupt...   

 

Und dennoch, es ließ sie nicht los. Was also antworten?

 

"Hab noch nichts vor."

 

war ihre knappe, alles offen lassende Antwort.

 

"Dann komm doch einfach mal vorbei, wenn es hier einigermaßen steht. Platz habe ich jede Menge."

 

Das ging ihr nun alles fast zu schnell. Aber es hatte seinen Reiz. Einen schier übermächtigen Reiz.

 

"Ich brauche auch nicht viel Platz. Wohnst Du denn allein?"

 

"Ehrlich gesagt: Ja. Habe gerade eine langjährige Beziehung beenden müssen. Aber das Alleinsein dient meiner eigenen Selbstfindung. Das soll nicht heißen, dass Du mich nicht gern hier mal besuchen darfst, ich bin ja kein Eremit. Im Sommer ist es hier traumhaft schön, mit Badestrand, und auch nicht weit zu den Stränden der Ostsee. - Wäre ich schon so weit mit meinem Haus, würde ich einfach sagen: Trag Dich doch einfach bei mir im Ferienlager ein! Denn wenn ich hier fertig bin, dann werde ich zusammen mit ein paar Freunden von der örtlichen Kirchengemeinde und aus unserem Verein einen Stall zu einem Jugendhof umbauen, in dem wir Ferienzeiten anbieten wollen. Aber das ist Zukunftsmusik, das wird erst was in zwei, drei Jahren. Dann solltest Du auf jeden Fall mal kommen (auch wenn Du dann vielleicht schon studierst...)"

 

Nadine hatte noch zehn Minuten Internetzeit:

 

"Und im Moment finden keine Lager mehr statt?"

 

"Leider nein, die Gemeinde ist erst wieder im Aufbau, ebenso der Verein, wir wollen das starten, immerhin ist die Lage hier perfekt für so etwas.

Aber wenn Du so fragst: Warum eigentlich nicht? Im kleinen könnte ich ja schon mal damit anfangen. Du wärest dann aber die einzige Teilnehmerin..."

 

Das wäre doch die Idee!, jubilierte Nadine still. Sie würde ihrer Mutter einfach erklären, dass sie nach Weeslow in ein Kirchen-Ferienlager führe. Das wäre absolut unauffällig. Nun gut, die plötzliche Wandlung zur eifrigen Christin, vielleicht etwas plötzlich... Aber immerhin, sie hatte ja sonst nichts vor, das wäre eine schöne Sache, so ein Ferienlager. Nur mit ihm...

 

"Jetzt ganz ehrlich: Kann ich wirklich mal zu Dir zu Besuch kommen?"

 

fragte sie ihn noch immer ungläubig.

 

                "Klar, ich meinte das ernst. Wann könntest Du denn?"

 

                "Jederzeit. Die Ferien beginnen in einer Woche am 6. Juli."

 

                "Sorry, dann ist es hier noch nicht bezugsfertig. Ich lebe hier                       auf einer totalen Baustelle. Aber ab 13. dürfte es vielleicht                   gehen. Willst Du?"

 

                "Super gern!"

 

                "Abgemacht. Ich trage es mir gleich ein. Du wirst hier mein                  erster Gast! - Ich muss jetzt leider Schluß machen. Bis morgen,          ja? Liebe Grüße M. (P:S - kannst Du ein Foto von Dir schicken?                Ich weiß ja gar nicht mehr wie Du aussiehst.)"

 

Ein Foto? Aber gern, dachte sie. Wieder bei sich zu Hause suchte sie ihre Alben durch. Mal zu dunkel, mal zu unscharf, mal nichtssagend. Und oft einfach zu alt, denn wenn es schon viele Monate alt war, dann war es nicht mehr sie, wie sie heute war, sondern das Mädchen, dass er noch kannte, unscheinbar, unattraktiv, allzu mädchenhaft. Doch bei denen aus dem letzten Gran Canaria-Urlaub über Ostern würde sie fündig. Bezaubernd süß lächelte sie, an eine Palme gelehnt, in die Kamera, ungeschminkt, aber dafür schön gebräunt, das lange, fast schwarze Haar offen. Nur war sie darauf oben ohne, nur mit einem Bikini-Slip bekleidet. Sie zögerte. Dann schnitt sie es kurzerhand mit einer Schere zurecht, gerade oberhalb der Brustwarzen. So konnte man höchstens erahnen, dass sie oben herum nichts trug und schön durchgehend gebräunt war, aber auch nur das. Und das wäre eine schöne Botschaft an ihn. Sie steckte es in einen Briefumschlag, den sie mit seiner Adresse versah, frankierte, und hatte Herzklopfen, als sie den Brief in den Kasten nahe ihres Elternhauses warf.

 

 

Seine Antwort erreichte sie nach dem internetfreien Wochenende am Dienstag.

 

"Danke, Nadine, vielen Dank! - Du bist wirklich noch hübscher geworden in der Zwischenzeit. Ich freue mich, einen so hübschen ersten Gast in meiner bescheidenen Hütte empfangen zu dürfen.

 

Wenn Du gut ohne Bikini-Oberteil auskommst - wie es auf dem Foto ja scheint-, dann bist Du hier genau richtig. Und ich hoffe, es stört Dich nicht allzusehr, wenn andere Leute gar nichts tragen. Hier geht es nämlich recht locker zu, was Badezeug angeht. An unserem See baden die meisten nackt. Das muss Dich aber nicht stören, Du selbst kannst herumlaufen wie Du magst, also auch bekleidet - aber den Anblick nackter Menschen solltest Du nicht scheuen. Sollte ich vielleicht vorher erwähnt haben. - Und ich selbst gehöre ja selbst zu diesen Freikörper-Freunden, wie Du ja vielleicht weißt."

 

Obwohl sie doch ganz allein im Raum war, überkam sie eine leichte Röte im Gesicht. Oh je, worauf hatte sie sich eingelassen?

 

Darauf wollte sie lieber nicht unüberlegt eingehen.

 

        "Kein Problem. - Ich habe nicht viel Zeit heute. Morgen mehr!"

 

schrieb sie nur.

 

Sie schlief schlecht in dieser Nacht. Viel zu sehr tobten in ihrem Kopf die Gedanken. Hals über Kopf war sie da in etwas hineingeschlittert, was sie längst hinter sich geglaubt hatte, in längst überwunden geglaubte Mädchenträume. Die plötzlich so klar und greifbar wieder vor ihr lagen. Natürlich - all das, was Schneider schrieb, konnte alles oder nichts bedeuten. Vielleicht wollte er einfach nur nett sein, charmant, ein bisschen vieldeutig vielleicht, aber harmlos? Oder?! Immerhin, er schien ja sehr viel jüngeren Mädchen gegenüber wohl nicht abgeneigt, wie ja schon früher seine Nacktfotos gezeigt hatten - und was, spann sie den Gedanken weiter, wenn es passierte? Würde sie nein sagen? Wollte sie nein sagen? Ihr war klar: Einmal bei ihm, käme sie da nicht mehr heraus, wenn es in eine bestimmte Richtung laufen würde. Sie würde ihm nicht lange widerstehen können. Und wollen. Ihn besuchen hieße, sich von vornherein zu entscheiden und zu allem bereit zu sein. - Aber sie war jung und ungebunden, niemandem gegenüber verpflichtet, erwachsen - oder beinahe jedenfalls, wie sie sich sofort selbst korrigierte. Und er anscheinend auch. Ein paar Tage - oh darüber hatten sie ja noch gar nicht gesprochen, wie lange würde sie dort bleiben können? Egal, jeder Tag zählte.

 

So sehr sie versucht war, ihm irgendetwas zu antworten, sie konnte sich nicht entscheiden, was, und darüber schlief sie schließlich doch noch ein.

 

 

Am nächsten Morgen musste sie vollkommen übermüdet zur Schule. Unkonzentriert und abwesend dachte sie darüber nach, wie sie nun ihrer Mutter ihre Pläne unterbreiten konnte. Es gab dabei vieles zu bedenken.

 

Mittags, per Mail, half ihr Michael dabei: Er würde einfach von sich aus ihre Mutter anrufen, schlug er vor. Ihr kürzliches Zusammentreffen hätte ihn auf die Idee gebracht, würde er ihr erzählen. Er würde sie nicht mal anlügen müssen: Er plane, doch noch spontan eine Ferienfreizeit anzubieten, und da seien noch Plätze frei (was ja auch stimmte), da habe er an Nadine gedacht. Und um Nadines sofortige Befürchtung, die Mutter könnte Eric, ihren Bruder, ins Spiel bringen, zu zerstreuen, würde er von vornherein die Altergruppe auf 15-18 Jahre begrenzen.

 

 

Der Plan ging auf. Als Nadine am nachfolgenden Tag morgens in die Küche kam, berichtete ihre Mutter ihr von einem Telefongespräch, das sie am Abend zuvor mit Michael Schneider geführt habe, und fragte sie, ob sie Lust hätte, zwei, drei Wochen in Weeslow in einer Art Ferienlager zu verbringen. Sie habe ja doch nichts anderes vor. Dazu erzählte sie ihr die von Nadine selbst mit ausgeheckte Geschichte.

 

Nadines Atem stockte. Zwei, drei Wochen?! So lange? Das war mehr als sie erträumt hatte. Doch sie gab sich zunächst zögerlich und tat, als wäre dieser Vorschlag völlig neu für sie. Dabei waren seit Tagen ihre Gedanken nur bei ihm.

 

"Ja, gut. Warum nicht. Also, eigentlich... Was passiert denn da?"

 

"Weiß ich auch nicht so genau."

 

"Okay, ich könnte ihn ja mal anrufen." schlug Nadine schnell vor, ehe ihre Mutter auf die Idee kam.

 

Ob man ihn eigentlich auch anrufen könne, fragte sie ihn per Mail, die ihr einst von Dorothea gegebene Telefonnummer sei irgendwie falsch. Leider immer noch nicht, antwortete er, er sei dort noch immer ohne Festnetz-Anschluß. Er habe sich ein Handy besorgt, mit dem er es nun immer von Festenwalde aus probieren könne - denn sein Häuschen lag in einem Funkloch. Das sei zwar verheerend teuer, aber für´s erste die einzige Möglichkeit. Er gab Fraziska die Nummer.

 

Vier Wochen ohne Telefon? Das war ja wie auf einer einsamen Insel, sagte sie sich grinsend.

 

Alles ging gut. Sie "handelte" schließlich sogar vier Wochen raus. Und Schneider schien sich wirklich total darauf zu freuen, dass sie ihm solange Gesellschaft - immerhin ja wohl die einzige - leisten werde. Nur eines hatten sie nicht bedacht; Nadines Mutter behielt es sich natürlich vor, ihre Tochter selbst hinzubringen. Zudem war es mit dem Auto von Tür zu Tür deutlich schneller als mit Bus und Bahn, wobei man fünfmal umsteigen musste. Doch Michael beruhigte das Mädchen. Wenn es wirklich dazu käme, dann würde er dafür sorgen, dass es wie ein echt wirkte - in der Scheune sei dann schon mindestens ein Zimmer fertig, das wäre dann Nadines - und er täte so, als sei sie eben die erste und alle anderen kämen am nächsten Tag. Halbwegs beruhigt erwiderte Nadine, sie würde dennoch versuchen, ihre Großmutter dazu zu überreden, das Hinbringen zu übernehmen, die sei viel lockerer.

 

 

Nadine gab sich den verschiedensten Phantasien hin, malte sich alles mögliche aus. Zwischendurch meldete sich dann wieder ihre Vernunft: Und was, wenn er gar nicht... Vielleicht erinnerte er sich nicht mal mehr an die Umarmung von damals? An das Liebesgeständnis? Und ist einfach nur froh, dass überhaupt jemand... Vielleicht hofft er ja auch nur, dass sie als eine Art Goldmarie sein Haus sauber hält? Egal, befand sie dann, immerhin ist es eine Abwechslung. Ich werde das Beste daraus machen.

 

So vergingen die Tage, bestimmt von Vorfreude und gelegentlichen Zweifeln, begleitet von schlechtem Wetter. Es war kalt und regnerisch. Dabei hatte sich Nadine die Tage in Weeslow immer als ungetrübtes Sommermärchen vorgestellt. Doch ihre Mutter ebenso wie Michael Schneider beruhigten sie, das werde schon noch. Nur eine gepflegte Vorbräune zu bekommen, das war schwierig. Daher machte sich Nadine zum ersten Mal in ihrem Leben ein paarmal auf in ein Solarium.

 

Wie würde das wohl laufen, da draußen beim Nackt-Fan Schneider, in der einsamen Landschaft mit stiller Bademöglichkeit? Dass sie gut ohne Oberteil dort sein könne, hatte er ja schon erwähnt, und sie hatte ihm nicht widersprochen. Das Bikinioberteil wollte sie gar nicht erst mitnehmen, was auf Gran Canaria ging, würde dort auch gehen. Und er? Ob er dort wohl nackt bade, wenn sie an den Strand gingen? Vermutlich, jedenfalls klang seine Andeutung danach. Und sie selbst? Dann auch, das nahm sie sich vor. Sie machte sich Mut: Was war schon dran an so ein bisschen Nacktheit, FKK machten doch so viele, daran würde sie in Weeslow bestimmt schnell wieder gewöhnen, auch mit so einem Traummann an der Seite. Was für eine reizvolle Vorstellung! Mitunter stellte sie sich vor, die beiden würden wie im Paradies die ganze Zeit über nur nackt herumlaufen, wie Adam und Eva.

 

 

Und dann ging alles doch ganz schnell, viel schneller als geplant.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*

 

II

 

Das Alte Forsthaus

 

Da die Ferien begonnen hatten, konnte Nadine nicht mehr von der Schule aus mailen, Michael war für sie noch schlechter erreichbar als zuvor. Ihre Mutter und ihr Bruder waren bereits nach Ruhpolding zu den Verwandten abgefahren - und es waren noch drei Tage bis zum verabredeten Tag. Immerhin war jetzt klar, dass Nadines Oma den Transport nach Weeslow übernehmen wollte.

 

Und die stand nun plötzlich vor Nadines Elternhaus.

 

"Wir können los!" rief die alte Dame schon vom Vorgarten aus, als Nadine verblüfft die Haustür öffnete. Sie hatte den Wagen vorfahren hören.

 

"Wohin?"

 

"Na, wolltest Du nicht nach Weeslow?"

 

"Aber Oma, doch nicht schon heute! Erst Samstag!"

 

"Deine Mutter hat gesagt, am 10."

 

"Nein, am 13."

 

"Das geht aber nicht. Ich bekomme heute Nachmittag Besuch von den Schweden, die bleiben die ganze Woche, das weißt Du doch. Dann muss Dich jemand anderes fahren."

 

"Oma! Nein, ich muss da unbedingt hin!" Nadine deutete ihrer Großmutter an, dass sie hineinkommen solle. Sie selbst hatte nur ein Handtuch um den nackten Leib geschlungen, da sie sich auf der Terrasse in der Vormittagssonne - der Sommer war zurück gekehrt - gebräunt hatte.

 

"Jetzt oder gar nicht, mein Kind!" schimpfte die resolute Frau im Vorbeigehen, "ich will spätestens um zwei Uhr wieder hier sein, ich muss noch so viel vorbereiten."

 

Nadine überlegte einen Moment. "Dann jetzt." entschied sie. "Aber ich muss den Mann dort noch anrufen - und packen!"

 

"Oh Gott, dann beeil Dich!"

 

 

Eine halbe Stunde später saßen beide im Auto. Nadine hatte Michael nicht erreicht - sie musste es jetzt wagen. Und in aller Eile hatte sie ein paar Klamotten und andere Reisesachen zusammengeworfen und in eine Tasche geworfen.

Dummerweie standen sie bald in einem Stau am Berliner Ring. Die Zeit verging, die Großmutter wurde immer ungeduldiger. Als es weiterging, war es zeitlich für die Großmutter kaum noch zu schaffen.

"Vorschlag: Du bringst mich nur bis Festenwalde, und da fahre ich mit dem Bus weiter, okay?"

 

Die Oma nahm das Angebot dankbar an. Doch beim Verabschieden ging dann alles so schnell und hektisch, dass Nadine sich plötzlich nicht nur allein und verlassen auf dem fremden, menschenleeren Busbahnhof wiederfand, sondern auch ohne ihre Tasche. Sie hatte nur ihren Rucksack mit ihren persönlichen Sachen fürs Bad, einem Buch und ein paar anderen lebenswichtigen Sachen wie Geld und ihrem neuen Siemens-Handy, dass ihr ihre Mutter extra für diese Ferienfreizeit spendiert hatte, mit aus dem Auto genommen. Ihre Reisetasche mit all ihren Klamotten lag im Kofferraum des Autos, das Nadine gerade davonfahren sah.

 

Das fängt ja gut an, dachte sie. Nimm´s mit Humor, Nadine!

 

Doch sie hatte wenigstens das Glück, dass recht bald ein Linienbus nach Weeslow fuhr. Dort musste sie dann sehen, dass es noch in Michaels kleines Dorf schaffte, von dort aus musste sie ihrer Erinnerung nach noch etwa zwei Kilometer laufen.

 

Die Gegend war wunderschön, wellig und wenig bevölkert, kaum Siedlungen gab es, nur goldgelbe Weizenfelder und Pferdekoppeln, ab und zu mal an einen kleinen See oder ein Waldstück. Zum Glück lag das Dorf, das sie suchte, auf der Busstrecke, und der Fahrer ließ sie als einzigen Passagier dort aussteigen. Sie fragte in einem kleinen Laden nach dem Weg und hatte erneut Glück. Der Postbote, der dort gerade ein Schwätzchen hielt, bot ihr an, sie ein Stück mitzunehmen. Hinter dem Dorf bog er in eine kleine Nebenstraße ab. Links davon lagen Weiden und Wiesen, rechts ein Erlenwald. Wie idyllisch, dachte sie.

 

Sie würde nun drei Tage früher da sein und ganz überraschend bei ihm auftauchen. Hoffentlich kam sie nicht ungelegen? Ob er überhaupt allein dort war? Vielleicht hatte er ja anderen Besuch? Und wenn? Das, so nahm sie sich vor, würde sie vorher ausspähen, und wenn sie jemand anderen dort entdeckte, dann würde sie sich eben heimlich davonstehlen und irgendwo für drei Tage eine Pension oder sowas aufsuchen, würde ja bestimmt irgendwo eine geben in so einer Gegend.

 

An einer Kreuzung ließ sie der Fahrer heraus und wies ihr den Weg, ein Stück einer schmalen Asphaltstraße entlang.

 

Die Art, wie er ihr nachschaute, veranlasste Nadine zu einem prüfenden Blick an sich herab. Es war ein heißer Sommertag, und sie hatte sich für die Reise für etwas Praktisches entschieden: Ein hautenges weißes T-Shirt und ultraknappe Jeans-Hot-Pants. Das T-Shirt umschloss ihren schlanken, schmalen Körper und vor allem ihre Brüste wie eine zweite Haut und ließ ein Stück ihres flachen, trainierten Bauchs sehen. Die verwaschenen Pants saßen tief auf der Hüfte und bedeckten nicht mal ganz den herrlich festen, schmalen Po, ließen dafür umso mehr ihrer langen Beine sehen.  Dieses Outfit, so fand sie, war je nach Betrachtungsweise entweder sommerlich leicht und praktisch, wie so viele Mädchen bei solcher Hitze eben herumlaufen - oder verdammt sexy. Aber noch nicht betont aufreizend. Gut, sie trug keinen BH, das war recht deutlich zu sehen, aber sie wollte schließlich einen besonderen Eindruck auf ihn machen. Sie wusste um die Wirkung, die ihr wunderschöner Body auf Männer machte, noch dazu in so knapp bemessener Kleidung, und sie würde nichts dagegen haben, wenn ihn dieser Anblick ebenso erfreute.

 

Die kleine Asphaltstraße führte sie anfangs vorbei an einigen Häusern, die jedoch alle zusammen keine geschlossene Ortschaft erkennen ließen,  zwischen Weizenfeldern und Wiesen. Rechts von ihr hatte sie hinter Baumreihen immer wieder mal einen großen See erkennen können, nun tauchte auch zu ihrer Linken Wasser auf. Schließlich gelangte sie an eine Brücke, die über eine künstliche Kanaldurchfahrt zwischen den beiden Seen führte.

Das tiefblaue ruhige Wasser beider Seen glitzerte wunderschön im Sonnenschein, während der Kanal im Schatten der leuchtend grünen Erlen an seinen Rändern lag. Gerade fuhren vier Kajaks in den kleinen Kanal ein. Nadine stellte sich an das Brückengeländer und schaute den Booten zu, wie sie fast lautlos, nur durch leise, kurze, schnelle Stöße von den blieb vier Paddlern, zwei älteren Pärchen, vorantrieben. Sie winkte, die Paddler winkten zurück. Vor allem die Blicke der beiden Männer verharrten etwas länger auf ihr, dem schlanken, dunkelhaarigen Mädchen in den knappen Shorts.

 

Auf der anderen Seite weitete sich wieder das Land, die Seen traten zurück, und nach fünf weiteren Minuten Gehzeit auf einem Plattenweg kam mitten in einer Gabelung, halb verdeckt durch eine hohe Fliederbuschhecke, das Dach eines querstehenden Gebäudes in Sicht, auf das sie direkt zulief. Das musste es der Beschreibung nach sein. Als sie an die Pforte gelangte, erblickte sie hinter Rhodendondren und weiteren Fliederbüschen ein altes, recht langgezogenes  Backsteinhaus. Es mochte an die hundert Jahre alt sein und war hübsch restauriert. Zwischen den Büschen und dem Haus lag ein wunderschöner, gepflegter Bauerngarten. An der Pforte stand ein Schild aus Holz: "Bed & Breakfast Altes Forsthaus".

 

Nanu, hier sollte er wohnen? In einer Pension? Davon hatte er nichts erzählt. Nadine trat durch die offene Pforte hindurch, ging zur Eingangstür und spähte durch die einzige Klarglasscheibe darin. Prompt hörte sie eine Frauenstimme von drinnen, dann Schritte. Die Tür öffnete sich, eine kleine, etwas füllige alte Dame blinzelte sie aus freundlichen Augen an.

 

"Hallo, schönes Kind! Ich habe leider kein Zimmer für Dich frei."

 

"Guten Tag. Ich suche Michael Schneider, wohnt der hier?"

 

"Ach so, zu Michael möchtest Du." Einen kurzen Blick an Nadine herabwerfend fuhr sie fort: "Hätte ich mir ja denken können. - Da bist Du hier falsch. Aber immerhin fast richtig." Die alte Dame erklärte ihr, dass sie um das Haus herumgehen müsse, am besten gleich quer über das Grundstück hinüber, dort sehe sie ein Haus mit einer großen Scheune daran und mit einem Gerüst an der einen Seite. Dort wohne er. Ja, er sei auch da, ganz sicher.

 

Nadine bedankte sich brav und verabschiedete sich von der alten Dame. Als sie um die Ecke bog, erblickte sie Michaels Haus hinter dem Garten, getrennt durch eine weitere Hecke.

 

Nun spürte sie doch reichlich Aufregung.  Wie er wohl reagieren würde auf ihr plötzliches Erscheinen? Und wie es wohl werden wird, ihn wiederzusehen, nach einem Jahr?

 

Sie ging zwischen Liegestühlen, einer Schaukel, einer kleinen Plastikrutsche und einem Holzpavillon weiter nach hinten, wo eine, wie sie vermutete, Blockhaussauna mit einer Außendusche stand. Daneben lag ein ebenerdiger Pool mit leuchtend klaren, bläulich spiegelndem Wasser, etwa 12 Meter lang, wohl gerade erst fertig gestellt - und erstaunlich luxuriös für so eine anscheinend doch recht einfache Pension, fand Nadine. Seltsam fand sie auch, dass keine Gäste zu sehen waren, auch kein einziges Auto vor dem Haus gestanden hatte. Dann schritt das Mädchen durch eine offene, halb verrostete Zaunpforte und betrat das andere Grundstück. Die Dächer des eher kleinen Hauses, das auch schon viele Jahrzehnte alt zu sein schien und des daneben sehr viel größeren Anbaus, der alten Scheune, war brandneu, an der vorderen Stirnseite gab es eine offene weite Flügeltür und darüber eine ebenso neue Holzveranda. Am hinteren Ende stand ein Gerüst an der Seite der Scheune. Der Garten war ungepflegt und voller Obstbäume, anscheinend seit vielen Jahren vollständig der Natur überlassen worden.

 

Nadine näherte sich der offenen Flügeltür mit klopfendem Herzen. Gleich würde sie Michael gegenüberstehen, und der Gedanke war aufregend, aufregender als von ihr zuvor erwartet. Kurz hielt sie inne und band nochmal ihren Pferdeschwanz fester zusammen, dann schritt sie weiter voran.

 

Doch dort war niemand. Einfach hineingehen wollte sie nicht, rufen auch nicht. Lieber wollte sie es nochmal förmlich am Haupteingang versuchen und dort klopfen oder klingeln. Sie ging um die Ecke zur Vorderfront des Hauses. Der ganze vordere Garten war wie der hintere völlig verwildert, sie musste um einen Baumstumpf herumgehen, sodann um einen Stapel mit längst unbrauchbaren alten Dachlatten. Die Eingangstür war offen, wie auch alle Fenster. Auch auf dieser Seite stand ein Gerüst am hinteren Teil des Hauses. Der Weg vom Gartenzaun hin zum Haus war aufgeworfen und schien gerade in Bearbeitung. Überall standen Schaufeln und Werkzeuge, waren Bänder gespannt und lagen Sandhaufen.

 

Mit einem Mal erschien ein hünenhafter Mann in der offenen Tür, aus einer Wasserflasche trinkend. Er war nur mit einer Badehose bekleidet.

 

Und es war nicht Michael Schneider, stellte Nadine zu ihrem Erschrecken fest.

 

Der fremde Mann bemerkte sie erst jetzt gar nicht, trat einen Schritt hinaus, schaute dann auf, entdeckte sie und blieb überrascht stehen. "Ja?" fragte er nur.

 

"Äh... Hallo!... Ich suche Michael Schneider. Der wohnt doch hier?"

 

Der Mann nickte. "Natürlich. Da ist er." Der Akzent des Hünen klang in Nadines Ohren osteuropäisch.

 

Sie schaute in die Richtung, in die der Hüne wies, und entdeckte hinter dem Gartenzaun den freien Oberkörper eines weiteren Mannes, der sich gerade aufrichtete . Das war...

 

Dieser Mann schaute zu ihr hinüber und stutzte, als müsse er sich entsinnen. Dann hellte sich seine Miene auf. "Nadine?"

 

"Ja. Ich bin´s." sagte sie leise, fast schüchtern.

 

Sofort kam Michael Schneider durch die offene Pforte auf sie zu.

 

Nadines Augen weiteten sich überrascht: Er war vollkommen nackt, abgesehen von einem Paar Sicherheitsschuhen und einem Paar Arbeitshandschuhen, das er jedoch sofort auszuog und zur Seite warf.

 

Das Mädchen hatte Mühe, den Blick von seinem baumelnden Gemächt abzuwenden und ihm ins Gesicht zu schauen.

 

"Nadine! - Ich habe Dich noch gar nicht erwartet. Wolltest Du nicht erst Samstag kommen?" Er breitete mit einem Lächeln die Arme aus, umarmte sie herzlich und deutete Wangenküsschen an, eins links, eins rechts. Nadine ließ es mit sich geschehen, steif und unbeholfen.

 

"Ja, ich... Meine Oma... Sie hat den Termin verwechselt und..."

 

"Egal! Schön, dass Du da bist." unterbrach er sie fröhlich. "Aber so früh... Wir sind noch mitten in der Arbeit."

 

Jetzt fiel ihr auf, dass sein muskulöser, perfekt durchtrainierter Oberkörper glänzend vor Schweiß und stellenweise verdreckt war. - Da hörte sie jemanden hinter sich mit hartem Akzent rufen: "Vorsicht, bitte!" Sie drehte sich um und sah einen großen, kräftigen Mann mit freiem Oberkörper, der eine knielange Arbeitshose trug und eine Schubkarre mit groben Steinen vor sich herschob. "Danke, geht." meinte er, als sie einen Schritt zur Seite tat. Auch er klang nach einem Polen. Er war deutlich älter als der unbekannte Hüne, der noch immer in der Tür stand und trank. So wie dieser war der Ältere ein wahrer Muskelprotz.

 

"Keine Sorge, die beiden beißen nicht... - Das sind Wiktor", Schneider deutete auf den ersten Hünen in der Tür, "und das Tomasz, sein Vater." Gemeint war damit der ältere mit den Arbeitshosen. "Tomasz ist mein Nachbar - also, was hier so Nachbar heißt. Das Haus da hinten." Dabei deutete er über den Weg hinweg in Richtung eines einzeln stehenden Neusiedler-Hauses, das etwa hundert Meter entfernt lag. "Sie helfen mir beim Ausbau. Zum Glück, denn die beiden sind stark wie zwei Kaltblüter, und sie verstehen was von ihrem Handwerk."

 

Nadine schaute etwas verlegen drein. Sie wusste nicht, was sie nun tun sollte.

 

Michael half ihr. "Komm erst mal an. Setz Dich dort hin." Er deutete auf eine schon gepflasterte Terrasse unter einer Linde, auf der ein paar Gartenmöbel standen. "Möchtest Du etwas trinken?"

 

"Ja, gern. - Ist es okay, dass ich jetzt schon...?"

 

Michael Schneider ließ sie wieder gar erst nicht ausreden: "Aber klar! Du bist herzlich willkommen, jederzeit! So, entspann´ Dich erstmal, ich bin gleich wieder da."

 

In diesem Moment kam aus dem Haus einer weiterer Mann, ebenfalls sehr groß, muskulös, breitschultrig, der ebenfalls eine Wasserflasche hielt, deren Rest Wasser er sich gerade über den Kopf schüttete. "Was für eine Hitze!" murmelte er und schüttelte den nassen Kopf.

 

Er war, wie Michael, braun gebrannt, verschwitzt - und splitternackt.

 

"Das ist Aron." stellte Michael ihn im Vorbeigehen vor. "Wir vier sind die Arbeitskolonne."

 

Nadine lächelte den vierten Mann eingeschüchtert an. "Angenehm." brachte sie leise heraus.

 

Sie schätzte, dass dieser Aron so etwa Mitte zwanzig war, deutlich jünger jedenfalls als Michael. Er war von den vier Männern der schmalste, eher der Leichtathlet unter den Schwerathleten - und verflucht gut aussehend.

 

Nadine setzte sich nun behutsam auf die Lehne des Sofas und atmete durch, ihr Blick wanderte verstohlen von einem Mann zum anderen, die sich längst wieder der Arbeit zugewandt hatten. Wo war sie hier hingeraten? `Allein unter Wilden´, dachte sie. Als Michael zurückkam, nahm sie ihm das Glas Wasser mit dankbarem Blick ab. "Vielleicht kann ich ja ein bisschen mithelfen."

 

Er winkte lachend ab. Sein mächtiger Schwanz baumelte federnd vor ihm her. "Nein, das musst Du nicht! - Wir vier schaffen das alleine."

 

Etwas mutiger schon meinte sie: "Aber ich würde gern. Wenn ich nun schon mal hier bin."

 

Er rieb sich nachdenklich das Kinn. "Wirklich? Willst Du wirklich mithelfen? Das ist aber eine ziemliche Schufterei."

 

Nadine nickte eifrig. "Besser als hier herumzusitzen."

 

Schneider war schon überredet. "Bestimmt finden wir auch was Leichteres für Dich als Steineschleppen."

 

Nun strahlte sie ihn an. "Nee, wenn dann richtig!"

 

"Ich glaube kaum, dass wir vier Jungs Dich da ranlassen würden. - Aber Du könntest Fugen verfüllen mit dem Sand dort. Also gut, dann zieh Dich aus."

 

Nadine sah ihn entgeistert an. "Äh..."

 

Er grinste. "Zumindest das T-Shirt. Das ist sonst im Nu eingesaut."

 

Nadine schaute an sich herab. Er hatte recht: Wenn sie darin arbeiten würde, wäre es vermutlich alsbald total verschmutzt. "Hast Du vielleicht was für mich?. Ich hab nämlich nichts anderes mit." Dann erklärte sie ihm kurz, was mit ihrer Tasche passiert war.

 

Michael lachte. "Als hätte da jemand geahnt, dass man hier auf Kleidung gar nicht so viel Wert legt. - Ich wäre ja für ausziehen." meinte er, doch als er ihre verstörte Miene sah, sagte er: "Ich schaue mal nach." Er ging hinein und kam nach einer Weile wieder heraus. "Wie wäre es damit? Ich hab einfach nichts in Deiner Größe."

 

Er warf ihr ein schlichtes weißes Männerunterhemd zu, Größe L, viel zu weit, das merkte sie schon beim ersten Anlegen vor dem Körper. Aber es reichte fast bis über den Schoß und verdeckte damit beinahe noch ihre Shorts, die nur um Zentimeter hervorschauten. Immerhin, das war besser als nichts.

 

Sie nickte ihm zu und ging damit ins Haus. Im Flur zog sie sich um. Ihr Shirt legte sie ordentlich zusammen auf einen Karton, den einzigen Gegenstand im Flur. Gerade als sie mit freiem Oberkörper im Flur stand und das Unterhemd überziehen wollte, kam Aron an der offenen Tür vorbei und warf einen kurzen Blick hinein, ging aber sofort weiter. Nadine war kurz zusammen gezuckt, aber dann musste sie selbst lächeln über ihre eigene alberne Reaktion gegenüber einem selbst vollkommen nackten Mann.

 

Als sie in den Vorgarten hinaus trat, schauten alle vier Männer kurz von ihrer Arbeit auf. Schneider stellte sie den anderen dreien erstmals richtig vor.

 

"Tomasz, Wiktor, Aron, hört mal her! - Das ist Nadine, eine frühere Schülerin von mir. Eigentlich wollte Nadine erst am Samstag zu Besuch kommen, aber nun hilft sie schon mal ein bisschen mit."

 

Tomasz nickte bloß, Wiktor tippte nur kurz mit dem Finger an der Stirn. Aron dagegen schaute sehr viel interessierter an Nadine herab und nickte dann ebenfalls. "Herzlich willkommen im zukünftigen Jugendhof."

 

Er klang nicht wie die beiden Polen, fiel dem Mädchen auf, er schien ein junger Einheimischer zu sein.

 

Schneider meinte grinsend zu Nadine: "Bin mal gespannt, ob die jetzt Deinetwegen noch einen Schlag mehr reinhauen - oder eher einen weniger - bei Deinem Anblick."

 

Wieso, welcher Anblick?, dachte Nadine. Sie schaute an sich herab. Eigentlich war der Unterschied zu vorher, zu ihrem knappen T-Shirt nicht allzu groß, fand sie. Das Unterhemd fiel nur weiter und zeichnete ihren schlanken Oberkörper nicht so nach, und es war länger. Dafür waren der tiefe Brust- und der Achselausschnitt umso gewagter, denn der lose Stoff würde sicherlich den einen oder anderen freizügigen Einblick erlauben. Aber besser als nichts, wiederholte sie im Geiste.

 

Er übergab ihr ein Paar grobe Arbeits-Handschuhe und ein Paar Sicherheitsschuhe, die ihr viel zu groß waren, aber besser geeignet als ihre weißen Sneaker. Dann legten die fünf los.

 

Nach einer drei Viertel Stunde machten sie die erste Pause und setzten sich nebeneinander auf die Eingangstreppe in den Schatten der Linden, von wo aus sie ihr bisheriges Werk betrachten konnten. Michael Schneider brachte frisches, kühles Wasser für Nadine und Wiktor heraus, er selbst und Aron  genehmigten sich ein erstes Bier. Es war halb zwei und sehr heiß geworden.

 

Tomasz, der ältere Pole, verabschiedete sich. Ausgerechnet,  dachte Nadine amüsiert, einer von den beiden Bekleideten. Bald bin ich vielleicht allein unter nackten Männern!

 

 

Sie hatte nicht nur ein bisschen Sand verstreut, sie hatte auch tatkräftig Steine entladen und zurecht gelegt. Obwohl sie viel Sport trieb und topfit war, brachte sie die schwere, ungewohnte Arbeit, noch dazu bei der Hitze und teils in der prallen Sonne, gehörig ins Schwitzen. Das Unterhemd war an einigen Stellen bereits richtig durchfeuchtet, vor allem am Rücken. Auch ihre festen, aufrechten Brüste mit den kleinen dunklen Brustwarzen zeichneten sich deutlich sichtbar unter dem feuchten Stoff ab. Sie fühlte sich unwohl darin, zupfte dauernd am weiten Halsausschnitt, hinten, an den Seiten. Ein bisschen neidisch schielte sie zu den beiden nackten Männern und zu dem einen, der wenigstens halbnackt mit freiem Oberkörper arbeiteten konnte.

 

Schneider bemerkte es. "Zieh es doch endlich aus!", meinte er, ganz sachlich.

 

"Was?" Sie verstand nicht sofort, was er meinte.

 

"Das Unterhemd." wiederholte er, nun grinsend. "Wir sind doch hier unter uns."

 

Sie antwortete nicht.

 

"Warum nicht?" beharrte er.

 

Und Aron sprang ihm bei: "Mach es doch so wie wir Männer. Das ist deutlich praktischer. Oder, was meinst Du?"

 

Wiktor nickte ernsthaft, ohne dabei von seiner Wasserflasche aufzusehen.

 

Nadine schüttelte nur den Kopf. "Ach nee, geht schon."

 

Schneider zuckte mit den Schultern. "Okay. Wie Du willst." Dann warf er ihr noch die Bemerkung zu: "Deine schönen Brüste sind auch so dauernd im Bild", erhob sich und machte sich wieder an die Arbeit.

 

Nadine bekam plötzlich rote Ohren. Wie meinte er das? Sie schaute an sich herab und beugte sich, unbemerkt von den anderen, nach vorn. Tatsächlich, dachte sie, da sieht man ja alles! Und auch im Achselausschnitt lag alles offen, wenn sie sich vorbeugte. Das war ihr selbst im Arbeitseifer gar nicht aufgefallen.

 

Leicht verunsichert trat sie zu Wiktor, der ohne sie dabei anzuschauen einen Stein verlegte. Nadine kniete sich auf den Boden, um ihn mit auszurichten. So unaufällig wie möglich kontrollierte sie dabei ihren Ausschnitt und konnte sich selbst ungehindert auf den Busen darunter schauen. Das wird nicht das erste Mal an diesem Tag gewesen sein, dachte sie, der für große Männer ausgerichtete tiefe, weite Ausschnitt lud bei dieser Arbeit geradezu dazu ein. Sie schaute zu ihm hoch, er zwinkerte ihr kurz zu, sie lächelte etwas verlegen zurück.

 

Sie erhob sich seufzend, atmete tief durch und zog sich dann kurz entschlossen das schweißnasse Unterhemd über den Kopf, warf es beiseite ins Gras und kniete sich wieder hin, mit freiem Oberkörper, jetzt nur noch mit ihren knappen Denim-Shorts und den Sicherheitsschuhen bekleidet.

 

Wiktor nickte ihr nur zu und arbeitete einfach weiter.

 

Die anderen beiden bemerkten es erst, als sie sich wieder erhob und hinaus zum Weg ging, betont lässig, um weiteren Sand zu holen.

 

Aron stieß Michael kurz an, um ihn darauf aufmerksam zu machen, und die beiden grinsten bloß wortlos. Das war alles.

 

Nadine schlug der Puls zwar bis zum Hals, aber sie beglückwünschte sich gleichzeitig für ihren eigenen Mut. Und sie spürte, ja, sie fühlte ganz sicher, dass sie gerade das Richtige getan hatte. Dass es gut war.

 

Ihre Shorts saßen tief auf der Hüfte, waren an den Seiten gerade mal eine Hand breit und vor allem am Po sehr knapp geschnitten. Und allein dieser feste, schmale und zugleich fein gerundete Po war eine Augenweide. Mit ihren nicht allzu großen, aber ebenso fein gerundeten, so perfekt festen Brüsten, ihrem sehr flachen, trainierten Bauch, der sehr schmalen Taille, mit ihren schlanken, wohlgeformten Beinen, ihren leicht lockigen, dunklen langen Haaren, die sie noch immer zu einem Pferdeschwanz zurück gebunden hatte, und der rundum gleichmäßig gebräunten, vor Schweiß glänzenden Haut bildete die Siebzehnjährige jedenfalls einen bezaubernd zarten Kontrast zu den neben ihr riesig wirkenden muskulösen Arbeitern und fügte sich dennoch in ihrer überwiegenden Nacktheit wunderbar in dieses Gesamtbild ein.

 

So harmonisch wie ihr gemeinsamer Anblick, so harmonisch arbeiteten die vier zusammen. Als wäre nichts passiert, schufteten sie eine weitere Stunde lang, erst dann gab es die nächste Pause.

 

Wohin das Mädchen nun schaute, sie erblickte einen, zwei oder gleich drei schöne Männer und bei zweien von denen ebenso schöne, frei baumelnde Penisse. Nie zuvor hatte sie den Anblick männlicher Geschlechtsteile als so reizvoll, als so ästhetisch empfunden. Doch nicht einen Moment lang verloren diese beiden Männer selbst auch nur ein Wort über ihre eigene vollständige Blöße. So selbstverständlich, so unbekümmert und frei gingen sie mit Nacktheit um, dass Nadine während der anstrengenden, Kraft kostenden Arbeit selbst beinah vergaß, dass sie kaum noch etwas trug. Sie öffnete sogar den Knopf ihrer Shorts und ein wenig den Reissverschluss, um es bequemer zu haben. So eng, wie diese waren, gab es keine Gefahr, dass diese ihr herunter ruschten konnten.

 

Mehr und mehr gewöhnte sie sich an das Bild, dass sie alle vier abgaben. Dass Michael und Aron einfach nackt und Wiktor zumindest fast nackt arbeitete, erschien ihr so viel praktischer, so viel angenehmer, dass es ihr nun ganz folgerichtig vorkam, dass ihre hübschen, festen Brüste auch unbedeckt waren.

 

Ihre Oben-Ohne-Erfahrung aus den vergangenen Urlauben kam ihr dabei natürlich zugute, ebenso wie die bewundernswerte, ansteckende Coolness, mit der sich vor allem Aron und Michael frei bewegten.

 

Doch manchmal hielt sie kurz inne und schaute sich ungläubig um. Wo bin ich hier nur hergeraten? Ich bin keine drei Stunden hier und arbeite halb nackt mit fast fremden Männern. Träume ich denn?

 

 

Wiktor und Aron, wie zuvor auch Tomasz, waren die ganze Zeit unglaublich freundlich, dabei aber gleichzeitig zurückhaltend und beinahe scheu im Umgang mit ihr. Vielleicht lag es an Schneider, dem sie nicht in die Quere kommen wollten. Jener selbst war vergnügt, locker, charmant, aufmerksam, und Nadine schmolz immer mehr dahin. Ab und an ertappte sie sich selbst dabei, wie ihr Blick seinen wunderbar starken, ansehnlichen Körper streifte und sie sich in Gedanken ausmalte, wie es wohl wäre, wenn... Dann schüttelte sie den Kopf. Erwarte lieber nicht zuviel, liebe Nadine, ermahnte sie sich dann, wer weiß, was noch kommt.

 

Der Vorgarten war durch den etwas vernachlässigten Holzzaun nicht vor Blicken vom Sandweg her geschützt, aber nur selten kam mal ein Radfahrer am Haus vorbei, die Nadine und die beiden verbliebenen Männer wenn überhaupt, dann nur flüchtig bemerkten. Michael erklärte, dass keine zweihundert Meter entfernt eine Badestelle läge, die gern mal von den Einheimischen genutzt werde, aber dass sich ab und an auch mal Ausflügler mit dem Rad hierhin verirrten.

 

Gerade, als Nadine draußen am Feldweg half, Steine zu verladen, kam eine ältere Dame mit Hund vorbei, die angesichts von Nadines bloßer Oberweite recht verwundert schaute, als das junge dunkelhaarige Mädchen sich aufrichtete, sie anlächelte und fröhlich grüßte.

 

Mittlerweile war auch der grobe Stoff ihrer Jeans-Shorts feucht vom Schweiß und reichlich angestaubt, und am liebsten hätte sie diese jetzt auch ausgezogen. Aber sie trug darunter keinen Slip. Morgens in der Eile hatte sie sich nur das Nötigste übergeworfen, alle ihre Unterhöschen lagen nun in ihrer Tasche, die sich irgendwo weit weg bei ihrer Oma befand. Und die Shorts waren auch extrem eng, so dass es ohne darunter einfach angenehmer war.

 

Sie ertappte sich dabei, dass sie die Vorstellung, was hier, heute, an diesem Ort wohl noch passieren könnte, mehr und mehr beschäftigte und immer aufregendere Formen annahm.

 

Mitten in eine weitere Pause hinein kam eine junge Frau in einem Sommerkleid vom gegenüber liegenden Haus her und blieb an der Pforte stehen. Mit etwas Abstand folgte Tomasz.

 

"Hallo Agata!" rief Schneider. "Komm herein."

 

"Ich wollte nur..." begann sie, dann stockte sie. Sie hatte Nadine bemerkt, die mit Wasserflaschen in der Hand gerade aus dem Haus trat. "Wer..."

 

Die schlanke, attraktive Frau von etwa Ende zwanzig sprach nicht weiter, sondern schaute nur fragend in Richtung der Männer.

 

Das tat auch Nadine, um zu sehen, wie sich diese, allen voran Michael verhalten würden. Doch dann stellte sie die Flaschen ab und ging, ohne deren Reaktion abzuwarten, aus einer spontanen Eingebung heraus ganz offen auf die Agata genannte Frau zu, nur mit ihren knappen Hot Pants bekleidet.

 

"Hallo, ich bin Nadine. Ich bin eine Ex-Schülerin von Michael." Mittlerweile schämte sie sich ihrer Blöße kein bisschen.

 

"Hallo." meinte Agata nur kurz, als sie ihr etwas widerwillig die Hand gab, dann schaute sie an dem jungen barbusigen Mädchen vorbei und meinte leicht verärgert: "Wiktor, kommst Du? Wir müssen in die Stadt!"

 

"Okay!" Schneider klatschte in die Hände. "Genug für heute. Ich bin platt, Ihr habt mir großartig geholfen. Geh, Wiktor, Agata ruft! - Agata, sei lieb zu den beiden, sie sind die besten Arbeiter der Welt!"

 

"Ich weiß." meinte Agata mürrisch. Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging zurück in Richtung ihres Hauses. Wiktor stieg in eine Hose, räumte wortlos die Geräte zusammen, hob zum Abschied nur kurz die Hand zum Gruß und folgte ihr, und auch Aron brach auf. Er stieg tatsächlich splitternackt in sein Auto, dass am Wegesrand in einer Feldauffahrt parkte, und fuhr so davon.

 

*

 

"Die fand das wohl nicht so gut, oder?" meinte Nadine schmunzelnd, als die zwei Männer und die hübsche Frau über die Straße hinweg fort gegangen waren und deutete dabei an sich herab.

 

"Das stimmt. Agata kann so herrlich eifersüchtig sein. Aber sie ist eine wunderbare Person." Dann wandte er sich Nadine zu. "Aber schön, dass Du jetzt so hier herumläufst! Es passt gut hierher - und gut zu Dir. Deine Mutter hat nicht übertrieben."

 

"Womit?"

 

"Dass Du sogar noch schöner geworden bist. So", fügte er hinzu, "ich hätte jetzt Lust auf eine Dusche. Du auch?"

 

Nadine durchfuhr ein leichtes Kribbeln. "Ja. Gute Idee." Er schien zum ersten Mal seine eigene Blöße und ihren etwas zu langen Blick darauf zu bemerken, jedenfalls meinte er nur: "Ich hoffe, es stört Dich nicht."

 

"Nein, kein Problem." antwortete sie so beiläufig wie möglich.

 

"Ich laufe hier nur so herum. Hatte ich Dir ja geschrieben." Er räumte dabei noch eine Schaufel, die übersehen worden war, aus dem Weg.

 

Nein, soo hattest Du das nicht geschrieben, lieber Michael, dachte sie amüsiert. Aber was soll´s, warum nicht, war ja seine Sache, fand sie, ist ja sein Grundstück. Aber würde er etwa auch so herumlaufen, wenn er seine Ferienfreizeiten veranstaltete, oder wie sollte sie das verstehen?

 

"Und dieser Aron?"

 

"Aron kenne ich aus dem Verein, der das FKK-Strandbad betreibt."

 

"Ach so." Klar, das erklärte natürlich alles, dachte sie schmunzelnd.

 

"Nur Wiktor und Tomasz, denen merkt man an, dass sie bei uns noch nicht so richtig angekommen sind." Schon wandte er sich ab und meinte über die Schulter gewandt: "Ich habe zwar eine Dusche drinnen, aber auch eine Außendusche hinter dem Haus, im Garten. Die ist schöner." Nach ein paar Schritten blieb er an der Hausecke stehen und schaute fragend zurück, als er merkte, dass Nadine ihm nicht gleich folgte. Die hatte einfach nur zugeschaut, wie er nackt vor ihr herging. Sie verglich erstmals in Ruhe die Bilder ihrer Erinnerung mit dem, was sie jetzt sah. Er hatte sich kaum verändert. Immer noch der perfekt durchtrainierte Körper, die gepflegte, gebräunte Haut, die Dynamik, die Kraft. Und sein Schwanz war auch im nicht erregten Zustand beachtlich - lang, voll, fleischig, appetitlich.

 

"Na los." forderte er sie auf und riss sie damit aus ihren Tagträumen. "Eine Dusche wird Dir auch gut tun." Dann deutete er auf ihre reichlich staubigen Shorts. "Schmeiß das Teil mit darauf, ich wasche es nachher mit meinen Sachen zusammen." Als er sah, dass sie zögerte, meinte er: "Komm, Du bist doch eh schon fast nackt."

 

Nadines Puls hämmerte mit einem Mal bis zum Hals. So nebenher er das auch sagte, so praktisch das auch gemeint war, und, klar, so sehr sie sich auf gemeinsames Nacktsein am FKK innerlich vorbereitet hatte, für nahtlose Bräune gesorgt hatte, sich frisch ihre Intimzone akkurat komplett rasiert hatte... - hier waren sie allein, hier war das irgendwie anders, viel intimer. Das T-Shirt auszuziehen, auch vor den drei anderen Männern, vor ihren Augen barbusig zu arbeiten, das hatte ihr weniger ausgemacht als gedacht, das war nur konsequent gewesen, das war nicht...- intim. Aber jetzt waren sie unter sich, nur sie beide, jetzt sollte die letzte Hülle fallen, der letzte Rest an Schutz, die letzte Distanz zwischen ihnen beiden. Das war der Schritt ins Unbekannte, das Abenteuer. Und so früh schon...

 

Doch in ihr wuchs dieser unwiderstehliche Impuls: Mach es! Und jetzt war sie sich ganz sicher: Es war richtig, egal, was passieren würde. Sich jetzt auszuziehen, würde sie sich nicht schutzlos oder wehrlos fühlen lassen, sondern frei und stark! Eher mächtig als ohnmächtig. Also, Mel, warum nicht gleich, sagte sie sich, sich dessen bewußt, dass sie hier zwangsläufig früher oder später vor derselben Entscheidung stehen würde.

 

Nadine nestelte am Saum ihrer Jeans-Shorts. Als er auffordernd nickte, gab sie sich einen Ruck, öffnete das letzte Stück vom Reißverschluß, zog die Shorts in einer einzigen schnellen Bewegung an sich herab und wollte es dann in Richtung der Bank an der Hauswand werfen. Doch so sportlich sie war, Werfen war nie ihre Stärke gewesen. Die Shorts blieben in einem Ast des Lindenbaums über ihr hängen. Sie musste dreimal hoch hüpfen, bis sie es mit den Fingerspitzen erwischte. Michael lachte, und sie musste mit einstimmen. Das gemeinsame Lachen löste die Anspannung und tat gut.

 

Nun war sie also völlig nackt, und sie spürte sofort, wie viel besser es so war. Auch wenn ihr Herz dabei heftig klopfte. Sie ging langsam auf ihn zu, und Schneider betrachtete sie dabei, ganz unverwandt, einmal von oben bis unten. Sein ohnehin mächtiger Schwanz wuchs unübersehbar ein wenig vor ihm auf. Nadine konnte seinen Blick fast körperlich auf sich, auf ihrer Haut spüren. Dieser selbstbewußte, distanzlose, ja, indiskrete Blick verunsicherte sie nun doch. Sie atmete einmal tief durch und bemühte sich dabei tapfer, so locker wie möglich zu erscheinen, nicht doch irgendwie mit den Händen ihre Blöße, ihre reine, blanke Scham oder ihren festen kleinen Busen zu verbergen.

 

"Besser so." meinte er. "Gar kein Höschen darunter?"

 

"Nö." antwortete sie möglichst beiläufig.

 

"Du bist schön nahtlos braun gebrannt." stellte er fest. "Sonnst Du Dich gern nackt?"

 

"Na ja." Sie wies an sich herunter. "Das meiste ist aus dem Solarium. Und ein paar Mal in den letzten Tagen habe ich mich auf unserer Terrasse gesonnt. - Aber, Michael..." Sie stockte und sah ihn mit gesenktem Kopf an, dann fuhr sie fort, in einem beinahe entschuldigendem Tonfall: "FKK, also so richtig, so nackig vor anderen, das habe ich seit vielen Jahren nicht mehr gemacht. Jedenfalls nicht mehr, seit ich Kind war."

 

"Keine Sorge, Nadine," meinte er lässig mit einer abwehrenden Handbewegung, "davor muss man keine Angst haben. Man muss nur mal damit anfangen, dann ist es ganz schnell in Leib und Blut übergegangen. Irgendwann denkst Du dann gar nicht mehr darüber nach, dann bist Du es halt. Du wirst sehen."

 

"Ja, das werde ich." Sie fand selbst, dass das keine allzu kluge Erwiderung war, aber ihr fiel dazu nichts Besseres ein. Dann aber sie fügte grinsend hinzu: "Aber immerhin hier bin ich schon soweit. Dabei bin ich erst ein paar Stunden hier."

 

"Eben, der Anfang ist schon gemacht... - Und wer mich besucht, muss halt auf alles gefasst sein." meinte er und lächelte dabei vielsagend.

 

So langsam scheine ich auf alles gefasst zu sein, dachte sie, gleichzeitig ein wenig vewundert über ihre eigene Hingabebereitschaft und doch hingerissen von den möglichen Aussichten, die der Tag ihr noch bieten könnte. Ihr Blick streifte kurz seinen jetzt halbsteifen, dabei unglaublich fülligen, viel versprechenden Schwanz, seine prallen Hoden, seinen starken, muskulösen Leib. Sie konnte kaum glauben, dass sie sich einfach so splitternackt gegenüberstanden und wie selbstverständlich miteinander plauderten. Und wie cool und unbekümmert er seine Erregung offenbarte. Sie wollte es selbst kaum wahrhaben, aber am liebsten wäre sie ihm sofort um den Hals gefallen. Doch sie bezwang sich.

 

Er deutete an, dass sie ihm folgen solle auf die andere Seite des Gartens.

 

"Wie bist Du nochmal hergekommen?", fragte er, während er neben ihr herging.

 

Nadine erzählte ihm nun ausführlich die ganze Geschichte. "Was machen wir jetzt mit meinen Sachen?" fragte sie am Schluß.

 

"Am besten, wir rufen Deine Oma an, dass sie sie nicht herzubringen braucht." Er bemerkte ihren fragenden Blick. "Wirklich: Hier brauchst Du nichts, siehst Du ja." Und da sie ihn weiter sprachlos ansah, fuhr er fort: "Sollte es kühler werden - wonach es nicht aussieht - dann leihe ich Dir einen Pullover oder ein Hemd oder so. Und für Ausflüge in die Stadt hast Du Dein T-Shirt und Deine Shorts. Aber wenn das Wetter so schön bleibst, brauchst die meiste Zeit des Tages gar nichts."

 

Oh je, das klang nach einem richtigen FKK-Urlaub, dachte Nadine. Das ging alles so verteufelt schnell. "Okay, ja... Na gut. Oder ich kaufe mir einfach irgendwo was." beruhigte sie sich selbst.

 

"Oder das." entgegnete er leichthin. Er wies mit beiden Armen um sich. "Es ist herrlich hier, Du wirst schon sehen. Man kann sich eigentlich gar nicht langweilen. Du musst nur damit leben, dass wir hier noch ein bisschen bauen. Aber Du musst bestimmt nicht nochmal mithelfen!"

 

"Doch, das will ich, unbedingt! Hat Spaß gemacht."

 

Sie hatten beinahe den völlig verwilderten Garten mit den alten Obstbäumen, wuchernden Büschen, hoch aufgewachsenen Grasflächen durchquert. Linkerhand konnte man Weizenfelder erahnen, rechts lag die Pension hinter Brombeerhecken, dahinter ein Waldstück.

 

"Hier ist noch einiges zu tun, ich weiß." meinte er. "Das wird wohl erst nächstes Jahr etwas." Weiter ging es durch die schmale Öffnung in der Hecke, durch die Nadine gekommen war. Nun standen sie plötzlich auf dem anderen Grundstück, vor der Blockhaussauna, die Nadine zuvor schon entdeckt hatte.

Er deutete auf eine Außendusche, die daneben stand. "Ist leider nur kaltes Wasser, aber tut seinen Dienst..." meinte er, und schon ging er hin und stellte sich darunter.

 

Nadine konnte die Augen nicht von ihm abwenden, wie er sich dort genüsslich den Schweiß und den Dreck vom ganzen Körper abspülte. Besonders sein rundherum kahl rasierter, mächtiger, langer Schwanz faszinierte sie, wie der hin und her wedelte, wie Schneider auch ihn ergriff und sorgsam abspülte.

Sie musste sich eisern beherrschen, nicht mit ihren Fingern in ihre warme, längst feuchte Scheide zu gleiten.

 

Er drehte das Wasser ab und wollte etwas sagen, da hielt er inne. "Ah, da ist ja Elsa." Er deutete hinüber zur Pension, wo Nadine auf der Gartenterrasse die alte Dame von vorhin wieder erkannte. "Die gute Seele des Ortes - und die Hüterin meines Hauses, wenn ich nicht da bin. - Los, ich stelle Dich vor!"

 

"Etwa so?" Nadine deutete fragend an ihrem nackten Leib herab.

 

"Na klar. Elsa ist da nicht so..."

 

Das war schon ein bisschen frech, fand Nadine, denn um Elsa ging es ja hier gar nicht. Aber er schien sich nicht weiter darum zu kümmern und ging einfach los.

 

"Na gut, Du bist hier der Chef." sagte sie und folgte ihm brav. Was sollte sie auch anderes machen?! Vermutlich ist Nacktsein hier überall üblich, dachte sie sich. - Ich mache hier FKK! Ich mache hier wirklich FKK, ging es ihr dabei immer wieder durch den Kopf. Wenn Mama mich sehen könnte. Oder Oma...

 

Sie gingen über den Rasen mit den Spielgeräten zu der alten Dame hinüber, die die beiden ihrerseits bereits erblickt hatte.

 

"Hallo Elsa, darf ich Dir Nadine vorstellen?" rief er schon aus einiger Entfernung.

 

Elsa kam den beiden ein Stück entgegen und reichte dem splitternackten jungen Mädchen die Hand. "Dann hast Du ihn ja gefunden, den Herrn Lehrer!"

 

An ihrer Stelle antwortete Schneider: "Ja. Nadine verbringt einige Zeit bei mir. Sie ist eine frühere Schülerin von mir aus meiner Zeit bei Potsdam. Nadine hat uns eben schon beim Weg-Pflastern geholfen. Wobei - da hatte sie noch was an."

 

"Na, aber auch nicht viel, soviel ich sehen konnte." erwiderte die alte Dame mit einem schelmischen Blick zu Nadine. "Wiktor und Tomasz hatten bestimmt ihre Freude daran. Und Aron erst."

 

Nadine musste grinsen. Mit Michael Schneider und dieser Elsa würde sie bestimmt eine Menge Spaß haben können, dachte sie sich.

 

Elsa lud die beiden spontan zu einem Stück selbstgemachten Erdbeerkuchen ein.

 

"Wollen wir?" Schneider machte schon eine Bewegung in Richtung Terrasse.

 

Das nackte Mädchen wies in Richtung Saunahäuschen. "Aber ich würde auch gern erst duschen. Ich bin ein bisschen verschwitzt und verdreckt..."

 

"Na klar", meinte Elsa, "Du kannst gern nach drinnen gehen, wenn Du lieber warmes Wasser möchtest..." und zeigte dabei in ihr Haus.

 

Nadine lehnte dankend ab. "Ich denke, eine Abkühlung tut mir ganz gut." rief sie schon im Weglaufen.

 

"Handtücher liegen im Vorraum." rief ihr Elsa noch nach.

 

Nadine ließ sich Zeit beim Duschen, ließ ihren schlanken, wohlgeformten, gebräunten Körper, ihre Hinter- und ihre Vorderseite eingehend bewundern. Sie genoss seine Blicke, und Elsas störten sie dabei nicht im geringsten.

 

Doch anschließend band sie sich ein Handtuch um den Leib, bevor sie zur Terrasse zurückkehrte. Sie fand es höflicher, als so einfach ungefragt nackt in Elsas Reich einzudringen, auch wenn sie es dank Michael schon getan hatte.

 

Seine nette Nachbarin hatte jedoch offensichtlich überhaupt nichts dagegen. "Komm, gib mir das feuchte Handtuch, ich schmeiße es nachher zu der anderen Wäsche." meinte sie, wie vorhin schon Schneider ganz praktisch denkend, und nahm es Nadine gleich wieder ab.

 

Die wiederum hatte nicht wirklich etwas dagegen, ganz im Gegenteil, sie freute sich, gemeinsam mit diesem Traummann so ganz unbeschwert und jetzt auch quasi offiziell FKK machen zu können.

 

Elsa bat sie, auf dem Rattan-Lounge-Sofa neben sich Platz zu nehmen. "Die Bezüge sind frisch bezogen" meinte sie, "da kannst Du Dich mit blankem Po draufsetzen, wenn Du magst." Dann holte sie Nadine ein Stück Kuchen und einen Becher Kaffee und setzte sich dazu.

 

"Sagtest Du nicht, Du seist ausgebucht?" fragte Nadine, da sie immer noch ganz unter sich waren und keine Gäste zu sehen.

 

Elsa nickte. "Nein, ich sagte, ich hätte kein Zimmer zu vergeben. Die Pension steht gerade komplett leer. Ich hatte Anfang der Woche einen Wasserrohrbruch. Ist alles alt und moderig da unten. Jetzt fließt das Wasser zwar wieder, aber im Waschkeller stehen noch die Trocknungsgeräte, das brummt Tag und Nacht. Ich hoffe, nächste Woche ist alles wieder okay. Das kann ich mir in der Hauptsaison natürlich überhaupt nicht leisten."

 

"So ein Pech!" bedauerte Nadine sie.

 

"Kann mal wohl sagen. Aber mir macht die Arbeit auch allmählich ganz schön zu schaffen. Ich denke, das ist die letzte Saison für mich. - Michael wird dann ja bald viele Gäste haben, da habe ich schon gesagt, dass ich ihm vielleicht ein wenig zur Hand gehe. - Wie weit seid Ihr denn da drüben?" fragte sie ihn. "Hast Du Deine Gästezimmer überhaupt schon fertig?"

 

Er verneinte.

 

Elsa wandte sich an Nadine. "Und Du, wo schläfst Du dann?" 

 

"Bei mir, in meinem Bett." gab er zur Antwort.

 

Nadine spürte, wie sie rote Ohren bekam. Wie leichthin er das so sagte - und dann zu Elsa, nicht zu ihr. Sie schliefen also zusammen in einem Bett, so so...

 

"Und wie lange bleibst Du?" fragte Elsa nun wieder Nadine.

 

"Drei bis vier Wochen." antwortete Schneider erneut für sie. "Du wirst Dich wohl an Nadine gewöhnen müssen, Elsa."

 

"An eine so hübsche Nachbarin werde ich mich schnell gewöhnen. - Wie alt bist Du denn?" wollte Elsa wissen.

 

"Siebzehn." antwortete das nackte Mädchen wahrheitsgemäß.

 

"Och, noch so jung!" meinte Elsa fröhlich. Nadine konnte nicht erkennen, was sich die alte Frau wohl bei dem ganzen dachte. Aber sie fühlte sich wohl bei ihr.

 

"Laufen Deine Gäste hier auch nackig herum?" wollte sie nun ihrerseits wissen.

 

Elsa lachte und deutete auf den Poolbereich. "Wenn, dann dort hinten."

 

Sie erzählte Nadine, dass das Haus ihr Elternhaus und dass sie kurz nach der Wende wieder hierher gezogen sei, ihre Eltern gepflegt habe und nebenbei nach und nach Zimmer vermietet hätte. Allerdings, mit dem Bau des Pool hatte sie sich finanziell übernommen. Das bekam sie kaum wieder herein, weil die Menschen, die hier in dieser Gegend Urlaub machten, eigentlich etwas anderes suchten, und nicht bereit waren, viel für eine Unterkunft zu zahlen. Und der Pool koste enorm im Unterhalt. "Also, um zu Deiner Frage zurückzukommen: Am Pool wäre es erlaubt, sich nackt zu sonnen. Aber der Pool wird kaum benutzt. Und hier auf der Terrasse - da macht nur Michael so was..."

 

"Oh." meinte Nadine überrascht und warf Michael einen fragenden Blick zu. Sie hatte schließlich angenommen, dies sei hier so üblich und war ihm einfach gefolgt. Sie wollte sich sofort entschuldigen, da kam ihr Elsa zuvor. "Kein Problem, mir macht das nichts aus. Ich mag FKKler! Von mir aus könnt Ihr zwei Süßen hier überall so herumlaufen."

 

"Auch wenn Du wieder Gäste hast?" wollte Nadine wissen.

 

"Na klar. Über Deinen Anblick dürfte sich wohl kaum einer beschweren." befand die alte Frau lachend. "Du kannst gern mal nackig meinen Pool benutzen. So ein hübsches junges Ding wie Du braucht keinen Bikini, finde ich. Wäre ja schade drum..."

 

 

`So ein hübsches Ding wie Du braucht keinen Biniki`. Dieser Satz hallte in Nadine lange nach.

 

*

 

"Machen wir eine Besichtigung?" schlug Michael vor, nachdem sie sich von Elsa verabschiedet hatten. "Fangen wir gleich hier an..."

 

Er führte sie zurück in seinen Garten und erklärte ihr dabei, was er hier alles noch zu tun gedachte. Es war vier Uhr, die Sonne brannte immer noch unerbittlich vom Himmel. Sie erreichten das hintere Ende, und er nahm ihre Unterarme und hob sie einfach über den dort runter gerissenen Zaun hinweg. Zwischen dem Garten und dem Weizenfeld dahinter verlief ein schmaler Trampelpfad.

 

"Hier entlang." Er führte sie nach links, bis sie den Feldweg erreichten, der das Grundstück an dieser Seite begrenzte. Schneider deutete den Weg entlang. "Dort hinunter geht es zur Badestelle."

 

"Zeigte das Schild da vorne nicht in die andere Richtung?"

 

"Ja, das ist die offizielle Badestelle. Dahin fahren aber nur Touristen. Unsere hier kennt kaum jemand. Dahin gehen bloß die Leute aus dem Dorf und ein paar Insider und ab und zu ein paar versprengte Radfahrer. Ist nur fünf Minuten zu Fuß. Wunderschön dort. Allein das Plätzchen ist es wert, hier im Sommer zu wohnen."

 

"Ja, aber hier ist es auch herrlich!" lobte Nadine. Sie kam selbst vom Land und liebte die Natur, die Ruhe, die Möglichkeit, noch Vögel zwitschern zu hören. Stimmt, fiel ihr jetzt ein, das hatte sie ihm damals erzählt. Wieso sonst hätte er auch so sicher sein können, dass sie sich hier wohl fühlen würde. "Wie im Paradies. Und ich bin Eva."

 

Bildete sie es sich ein, oder war sein Schwanz angeschwollen, größer als eben noch? Doch, was auch immer es sein mochte, plötzlich schien ihr sein Penis wieder gewachsen, steifer, fast waagerecht vor ihm her baumelnd.

 

Sie wurde selbst urplötzlich nervöser, erregter. Die ganze Situation war aufregend, gleichzeitig so unwirklich, so nervenzehrend. Längst schon, gestand sie sich ein, war sie bereit, dass er sie nehmen konnte, sogar hier, jetzt, auf der Stelle, auf diesem Feldweg. Und sie spürte die Feuchtigkeit zwischen ihren Lippen, aus denen heraus, ohne ihr Zutun, vorwitzig ein klein wenig ihre Klit hervorlugte.

 

Doch Schneider ging einfach so weiter.

 

"War Eva auch rasiert? Was meinst Du?" fragte sie ihn unvermittelt, bemüht um einen ganz sachlichen Tonfall.

 

"Ich denke ja. Anders kann ich mir das Paradies nicht vorstellen." Er blieb stehen und musterte ganz unverwandt Nadines glatte, vollkommen enthaarte Spalte, die wie eine Muschel fest zusammengezogen war und aus der nur eine vorwitzige kleine Perle herausschaute. Dann fuhr er fort: "Das sieht wunderschön aus. - Es ist perfekt, ehrlich, Nadine, einfach perfekt."

 

"Schön, dass es Dir gefällt. Ich war ein bisschen unsicher..." Ein wenig leiser fügte sie hinzu: "Und nachher am Strand und so?"

 

"Keine Sorge! Intimrasur ist bei uns am Weeslower See schon viel länger angesagt als andernorts. Die Frauen sind fast alle untenherum so schön blank, und gerade die jungen wie Du mögen das. Und auch immer mehr Männer."

 

"Wie Du..." ergänzte sie.

 

"Ja, wie ich. Bei uns hier muss man sich eher schämen, wenn man noch Schamhaare zeigt."

 

Sie fragte sich gerade, ob er sie nun gleich noch zum See hinunter führen wollte, doch da wies er in die andere Richtung zum Dorf hin. "Gehen wir zurück..."

 

Einen Schritt hinter ihm, ohne dass er es sehen konnte, formte Nadine still mit den Lippen: ´Michael, schlaf mit mir! Bitte!´ Sie konnte es jetzt kaum noch erwarten. Es konnte doch jetzt nichts mehr dazwischen kommen - oder?

 

Er drehte sich zu ihr um. "Hast Du was gesagt?"

 

Sie erschrak. Hatte er etwa was gehört? Hatte sie laut gedacht? "Nein, nein." wiegelte sie ab. "Nur dass es hier wirklich ein wahres Paradies ist."

 

"Ja, das ist es. Das Paradies noch vor der Zeit, als die Feigenblätter aufkamen. Komm, Eva!"

 

"Gern, Adam!"

 

Seine siebzehnjährige Ex-Schülerin strich sich ohne hinzuschauen, fast ein wenig ungläubig, mit der flachen Hand einmal vom Oberschenkel über die Lende bis zum Bauch, um sich zu vergewissern, dass sie wirklich nichts trug, während sie hier draußen mit ihm herumlief.

 

Er dagegen ging mit ihr in aller Ruhe vorbei an dem alten Haus zu ihrer Rechten, das noch bewohnt schien. Nadine wunderte sich, immerhin waren sie beide splitternackt, aber sie fragte nicht und folgte ihm gehorsam. Schließlich war er ja hier der Chef.

 

"Hier wohnt Karl." erklärte Schneider. "Er ist älter als das Dorf, glaube ich. - Mittlerweile kenne ich alle Leute hier. Es sind aber auch nur vierzehn." ergänzte er lachend.

 

Nadine seufzte leise. Es war zum Verrücktwerden, wie unbekümmert er sich gab! Wollte er sie denn noch länger auf die Folter spannen? Würde es am Ende doch nichts werden mit ihm?

 

Er führte sie tatsächlich bis an die Straße vor Elsas Haus. Er deutete den Weg hinab. "Von dort schätze ich, bist Du gerade gekommen, dort geht es nach Flursdorf und weiter nach Weeslow. Und da lang", er deutete in die andere Richtung, "geht es zur Peese-Au und weiter nach Festenwalde. Und das," nun zeigte er vorbei am Haus in Richtung See, "ist der Große Festenwalder See. Den durchfließt die Peese und die bricht dann durch in den Weeslower See - unseren Badesee, von dem ich Dir geschrieben habe."

 

"Der FKK-See?"

 

"Ja, sozusagen. Als der See vor ein paar Jahren entstand, nachdem man den Kiesabbau aufgegeben hatte und die Peese dort hineinbrach, haben die Nackten den neuen See bevölkert. Davon gibt es in der Gegend recht viele, aber es kommen mittlerweile auch viele Nackte aus der weiteren Umgebung und natürlich aus Berlin. Am Wochenende ist es ganz schön voll. Na ja, und Textile sind da echt in der völligen Minderheit."

 

"Und der FKK-Verein, in dem Du bist?"

 

"Das ist eigentlich gar kein FKK-Verein, wenn Du so willst. Der hat sich eigentlich mal gegründet, um das Gelände zu entwildern und zu pflegen. Aber mittlerweile ist das alles viel größer geworden, wir tragen das Strandbad und das ganze Areal und nehmen längst auch Eintritt und so. - Aber tatsächlich sind die meisten von uns auch FKKler,  deswegen organisieren wir auch viele Sachen, die man nackt machen kann. Selbst der Bürgermeister hier und viele andere wichtige Leute hier sind überzeugte FKKler."

 

Sie standen nun schon eine Weile mitten auf der Kreuzung. Ein älteres Pärchen auf Rädern fuhr an ihnen vorbei und schaute interessiert, doch Michael nichte ihnen nur lässig zu. Er fuhr fort: "Sogar mein Schulrektor ist FKK-Anhänger. Ich treffe ihn fast täglich nach der Schule dort. Und viele Kollegen."

 

"Auch Schüler von Dir?"

 

"Ja, auch. Nicht mal wenige. Deren Eltern sind seit Jahren dort - und Nacktsein ist hier irgendwie total normal. Viel normaler als anderswo, finde ich."

 

Nadine sah dem davonradelnden Pärchen nach. Wohl wahr, dachte sie, und eines ist sicher: In Michaels Gegenwart macht mir das Nacktsein jedenfalls nichts mehr aus.

 

Sie machten kehrt und gelangten wieder aus sein Grundstück. Drinnen im Haus zeigte er ihr im Erdgeschoß voller Stolz den großen Wohnraum, die riesige Küche, das topmoderne Bad.

 

Seine Hand ruhte plötzlich auf ihrem nackten, festen Po. Wie selbstverständlich war das passiert, ohne Blick, ohne Rückversicherung, einfach aus der Situation heraus. Er hatte es einfach getan, ohne befürchten zu müssen, dafür eine Ohrfeige zu kassieren. Warum sollte dieser Mann auch nicht seine Hand auf ihren Po legen dürfen? Dieser nackte Po war nur für ihn da, und wahrscheinlich wusste er das längst. Sie tat es ihm einfach nach und legte ihre Hand auf seinen Po. - Dabei wurde sie noch nervöser, wenn das überhaupt noch möglich war. Oh Mann, der hat vielleicht Nerven, der scheint so seelenruhig zu sein, so selbstsicher, ich habe immer noch keine Ahnung, was jetzt daraus werden soll... Wir laufen hier splitternackt herum, allein, Arm in Arm, Hand auf Po, und dennoch, er ist noch immer so undurchsichtig dabei... Nur ein Signal jetzt von Dir, bitte! Ich kann doch wohl kaum den ersten Schritt tun...

 

Sie stiegen die freie Treppe hinauf zur oberen Galerie. Das Obergeschoß war nur halb ausgebaut, über der Küche lag ein offener Raum unter der Dachschräge, am Giebel mit einem riesigen Bodenfenster versehen, durch das man auf einen vorgebauten Balkon treten konnte.

 

"Mein Arbeits- und Schlafzimmer." meinte er, als sie mitten drin standen und wies einmal nach links zu einem großen Schreibtisch, der direkt vor dem großen Fenster stand, dann nach rechts, wo ein riesiges, einladendes Bett den Raum beherrschte.

 

Jetzt, bitte lass es jetzt passieren, flehte sie innerlich, bitte...!

 

"Hier schlafen wir?" fragte sie. Ihre Knie waren wachsweich.

 

"Ja. Es ist das einzige Bett im Haus. Okay für Dich?"

 

Er wandte sich ihr zu, stand ganz nah bei ihr. Sie bemerkte, wie sein Schwanz sich regte, größer und gerader wurde, sich allmählich aufrichtete. Michael jedoch schien dem keine Beachtung zu schenken, scheinbar jedenfalls.

 

Jetzt hielt sie es kaum noch aus. Es geht los, dachte sie nur. Ihr Unterleib signalisierte sofortige Bereitschaft. Aber noch hielt sie sich tapfer zurück und meinte nur leise: "Ja, klar. Natürlich."

 

Endlich nahm er sie in den Arm. Sie schmiegte sich dicht an ihn, spürte an ihrem Bauch, wie sein riesiger, fester Schwanz kraftvoll pulsierte. Bemerkenswert, dachte sie völlig hingerissen, wie schnell sich sein Schwanz nun in kürzester Zeit vollständig aufrichten konnte und als stahlharter, prall gefüllter Kolben fast senkrecht stehend gegen ihren Leib drückte.

 

"Du stellst mich auf eine harte Probe, Nadine." begann er.

 

"Und Du mich erst. Sehr, sehr harte Probe sogar." Sie lehnte den Kopf zärtlich an seine Brust, drückte ihren Bauch noch stärker an seinen stahlharten Penis und schaute dabei zur Seite ins Leere. Als er nichts erwiderte, sah sie zu ihm hoch und fragte: "Was meinst Du damit?"

 

"Ich habe mir geschworen, nie wieder mit einer Minderjährigen zu schlafen." begann er. "Ich hatte deswegen schon mal jede Menge Ärger."

 

Sie seufzte. Das durfte nicht sein! Sollte es etwa nicht geschehen, sollte es etwa ungeschehen bleiben? "Und was soll das heißen?" fragte sie nur.

Er seufzte nur vernehmlich, drückte sie dabei aber noch fester an sich.

 

Er war einen Kopf größer als sie, daher legte sie beide Hände auf seine Brust und beugte sich ein Stück zurück, um zu ihm heraufschauen zu können. "Michael, ich bin siebzehn - und nicht so unerfahren, wie Du vielleicht denkst." Dann überflog ein süßes Lächeln ihr hübsches Gesicht. "Bei mir kannst Du eine Ausnahme machen! Das gibt keinen Ärger, wirklich nicht. Schon gar nicht mit Mum, falls Du das meinst. Ihren Segen hätte ich, ganz bestimmt."

 

Er gab ihr spielerisch einen Klaps auf den Po. "Ich kenne Deine Mum, ich wäre da nicht so sicher..."

 

Doch Nadine blieb ernst: "Michael, Du hast mich doch hierher eingeladen, allein, für viele Wochen... Und Du wusstet doch, wie ich Dich sehe, seit damals, Du weißt das doch noch. Und nun, jetzt wo ich hier bin... Splitternackt in Deinen Armen..."

 

"Wenn Du es wirklich willst..."

 

An ihrem Bauch spürte sie eindeutig, was er wirklich wollte. Sie erkannte, dass er ihr einfach nur die Entscheidung überließ - und war ihm unendlich dankbar dafür. Sie tastete blind nach seiner Hand, ergriff sie und führte sie in ihren warmen Schoß. "Spürst Du das? Ich bin schon seit Stunden feucht. Schon seit ich Dir gegenüberstand. Ich warte nur darauf, dass Du ein Zeichen gibst...". Und als sie sah, dass sich sein Kopf zu ihrem herab neigte, hauchte sie: "Bitte, Michael! Erlöse mich! Ich will Dich in mir spüren, ganz tief in mir!" 

 

Er hob sie mit Leichtigkeit hoch, drehte sich mit ihr zusammen und warf sie aufs Bett.

 

Endlich! Endlich, nach zwei langen Jahren ging ihr Traum in Erfüllung, endlich durfte sie ihren Lehrer Herrn Schneider in sich empfangen. Sein steifer, harter, mächtiger Schwanz näherte sich ihrem feuchten, glatt rasierten, geschwollenen Schößchen. Kurz zögerte er, sie schauten einander an, kaum merklich nickte sie ihm zu, dann berührte seine feste Eichel ihre zarte Haut, drang leicht zwischen ihre feuchten Lippen, dann drückte der große Mann seinen gewaltigen Kolben sachte in sie hinein, schob damit ihre Vagina weiter und weiter auseinander. Sofort war sie bereit, ihn in sich aufzunehmen, sein riesiger, prächtiger Schwanz füllte sie so vollkommen aus. So etwas hatte sie noch nicht erlebt! Ohne Vorlauf brachte er sie sofort zum Stöhnen, zum kaum unterdrückten Schreien, ließ sie ungeahnte Wonnen kosten, er stieß tief in sie hinein, mal hart, mal sachte, er verwöhnte sie kräftig, er nahm sie, er fickte sie, er, mit seinen starken Armen, mit seiner reinen Haut, seinen kräftigen Schenkeln, seinem kraftvoll zuckenden Glied, das so riesengroß, so hart, so prächtig, so voll war...

 

 

Mitten drin, Nadine lag unter ihm, die Beine um seinen Rücken geschlungen, laut stöhnend in leidenschaftlicher Hingabe, hielt er plötzlich mit tief in ihr versenktem Kolben inne und horchte. Nadine öffnete völlig verwirrt die Augen.

 

"Was...?"

 

Aus der Küche unter ihrer Empore kam ein Geräusch.

 

"Elsa?" rief er laut.

 

Von unten her rief seine Nachbarin: "Ich bin´s nur, Ihr Lieben. Lasst Euch nicht stören! Ich stelle Euch nur schnell ein wenig Erdbeerkuchen in den Kühlschrank!"

 

Michael schüttelte nur grinsend den Kopf. "Dank Dir!" rief er. Dann fuhr er gleich wieder fort, kräftig in Nadine hineinzustoßen. Die stöhnte sofort wieder auf.

 

"Danke,... Elsa!" hauchte sie, stockend, wofür sie jedoch alle Kraft und allen verbliebenen Atem aufwenden musste.

 

"Ich bin schon wieder weg! Habt Spaß, Ihr Lieben!" meldete sich noch einmal von unten die fröhliche Stimme, dann waren sie wieder allein.

 

Nadine kicherte unterdrückt. "Jetzt weiß sie alles."

 

"Na und?" Unbeeindruckt machte er damit weiter, sie zu verwöhnen. "Sie ist bestimmt nicht eifersüchtig."

 

*

 

 

III

 

Nackte Ferien auf dem Lande

 

 

Sie liebten einander viele Stunden lang, ehe er sich überhaupt zum ersten Mal vom Bett erhob, um von unten Wasser zu holen, die ganze Zeit wortlos, denn es gab nichts, was sie einander zu sagen hatten, das sie nicht auch fühlen konnten. Kurze entspannte Kuschelphasen wechselten sich mit immer neuen Genüssen ab. Es schien ihr ein Wunder, wie er es schaffte, permanent wieder stahlhart zu werden, mit unglaublicher Potenz und Standfestigkeit und Ausdauer, und immer wieder abzuspritzen, in ihr, auf ihr. Er war unersättlich, sie war unersättlich. Er nahm sie in allen erdenklichen Stellungen, von denen Nadine viele noch nicht kannte, er führte sie behutsam in wunderbaren Analsex ein, er zeigte ihr ein ganz neues, unglaublich schönes Universum der Leidenschaft auf. Er war ein irrsinnig guter Liebhaber - fand sie, die bislang nur einen anderen Mann in sich drin hatte spüren können.

 

Morgens gegen halb sieben gingen sie nach unten, sie hatten einen Bärenhunger. Geschlafen hatten sie so gut wie gar nicht. Er ging in die Küche, briet ein paar Eier,  Nadine setzte sich in der offenen Terrassentür auf die oberste Stufe und genoß die frische Morgenluft.

 

"Das war eine wunderschöne Nacht. Du beherrscht die Kunst der Liebe ganz ausgezeichnet, Michael Schneider."

 

"Ja, ich habe meinen Kamasutra gelesen!" Er trat von hinten dicht an sie heran, bog ihren Kopf sanft nach hinten und und wischte ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Du bist wunderschön, Nadine...", er küsste sie. "Ich freue mich auf die Zeit mit Dir, all die Zeit, die vor uns liegt..."

 

"Ich mich auch. Kannst Du schon wieder?" fragte sie grinsend.

 

"Und ob!" Er zog sie vom Stuhl und trug sie sogleich die Treppe hinauf.

 

Mittendrin im allerschönsten Morgenfick klopfte es unten.

 

"Elsa?" fragte Nadine.

 

Michael seufzte. "Nein, die würde nicht klopfen. - Das ist Tomasz. Er will weitermachen. Ich bezahle die beiden die ganze Woche." Er zog vorsichtig seinen Schwanz aus ihr heraus und rollte sich von Nadine herunter. "Bin gleich wieder da."

 

Nackt wie er war ging er nach unten. Nadine hörte die Stimmen der drei Männer, dann wie Michael zurückkehrte.

 

"Ich muss runter. - Machen wir nachher weiter?" 

 

"Ich hoffe doch. - Bist Du etwa so an die Tür gegangen?" Sie deutete auf seinen immer noch geschwollenen riesigen Penis, der im 90-Grad-Winkel waagerecht vor ihm stand.

 

"Klar. Das ist mein Haus."

 

"Wow... - Dann wissen die beiden sicherlich auch, wo das gute Stück gerade drin war."

 

"Klar, die sind ja nicht doof. Und Elsa hat es bestimmt schon längst weiter erzählt."

 

Nadine nahm es achselzuckend hin. "Ich helfe Euch wieder, okay?"

 

Er kam an das Bett heran und küsste auf ihren Mund. "Das wäre wunderbar. So wie gestern, okay? Oben ohne!"

 

"Alles was Du willst, mein Liebster." Sie sprang vom Bett auf und wies an sich herunter. "Oder doch gleich so?"

 

Er nickte. "Unbedingt. Aber den Ärger mit Agata hast Du dann."

 

Sie breitete die Arme aus. "Sag Du es mir! Du kannst jederzeit über mich bestimmen, mein Gebieter!"

 

"Dann bleib so nackt wie Du gerade bist!"

 

 

Nadine folgte ihm nach unten ins Erdgeschoß. Sie schaute in ihrer Tasche nach ihrem neuen Handy. Dann schickte sie ihrer Oma eine SMS - denn es schien doch einen schwachen Empfang zu geben - dass diese sich keine Sorgen wegen der Reisetasche machen solle, Nadine würde sich genug Klamotten von den anderen Ferienlagerkindern leihen können.

 

Anschließend ging sie in den hinteren Garten hinaus. Sie wusste die drei Männer vorne beschäftigt und duschte erneut unter der Außendusche. Das kalte Wasser war herrlich.

 

Auf ihrer Terrasse erschien Elsa und winkte, sie winkte fröhlich zurück. Über den ganzen Rasen hinweg rief die alte Dame: "Na, seid Ihr zwei Turteltäubchen überhaupt zum Schlafen gekommen?"

 

Nadine drehte das Wasser ab und machte deutlich, dass sie nichts verstanden hatte. Elsa wiederholte noch lauter ihre Frage.

 

Seltsamerweise empfand Nadine das bei Elsa überhaupt nicht als anmaßend oder indiskret. "Kaum." rief sie glücklich lächelnd zurück. "Ich bin noch ganz erschöpft davon!"

 

 

Tatsächlich hatte das junge Mädchen das Gefühl, in dieser vergangenen Nacht überhaupt erst richtig entjungfert worden zu sein, richtig zur Frau gemacht worden zu sein. Auch wenn sie schon oft zuvor mit Jan geschlafen hatte - erst der Sex mit Michael war diese Bezeichnung wirklich wert gewesen! Und davon wollte sie mehr, viel, viel mehr!

 

*

 

Nach der erfrischenden Dusche kehrte Nadine ins Haus zurück. Sie schaute aus dem Fenster der Küche und sah, dass Michael mit den beiden Polen zusammen bei der Grundstückspforte stand und sich scheinbar mit ihnen beratschlagte. Alle drei trugen diesmal Arbeitshosen und sogar T-Shirts, auch Aron, der gerade dazu kam. Nadine versuchte, durch das Fenster den Boden vor dem Haus nach ihren Shorts abzusuchen, doch sie erblickte sie nicht.

 

Also ging sie erstmal wieder nach oben, um sich in Michaels Badezimmer nach einer Bürste oder wenigstens einem Kamm umzusehen. Doch dann wirkte das Bett mit seinem verrutschten Laken und zerknitterten Kissen allzu verlockend auf sie, sie warf sich hinein, schnupperte an den Kissen, erkannte seinen Geruch und hüllte sich hinein. So verspürte sie umso mehr ihre Müdigkeit, sie atmete tief durch – und schlief wieder ein.

 

Es musste schon kurz vor Mittag sein, als sie aufwachte, die Sonne stand hoch, das große bodentiefe Fenster wirkte wie in sich beleuchtet. Nadine erhob sich, rieb sich die Augen. Es war heiß im Zimmer, sie fühlte sich verschwitzt und freute sich auf eine zweite Dusche. Unten im Erdgeschoß linste sie aus dem Fenster, zunächst war niemand zu sehen, doch dann traten Wiktor und Tomasz ins Bild. Hinter dem Haus war die Luft also rein, und so huschte Nadine durch den verwilderten Garten und unter den Obstbäumen hindurch zur Außendusche. Sie konnte es kaum erwarten, bei bestimmt schon 25 Grad oder mehr das kalte Wasser auf ihrem Körper zu spüren. Außendusche! Das war für sie der Inbegriff von Sommerurlaub!

 

Es roch angenehm nach frisch gemähter Wiese, die Blätter der Pappeln hinter dem Garten rauschten leise im lauen Wind, Vögel zwitscherten, Hummeln summten in den blühenden Lavendelsträuchern, das Gras kitzelte angenehm zwischen den Zehen, als sie hinüber huschte.

 

Erst als sie nach einer ausgiebigen Dusche das Wasser abstellte, schaute sie sich um. Und sah, dass man sie anschaute. Und zwar viele.

 

Auf Elsas Terrasse erblickte sie sieben, nein, acht, nein, neun Menschen, die zu ihr hin schauten. Diejenigen die mit dem Rücken zu ihr an dem großen Tisch saßen, hatten sich ihr zugewandt. Und alle waren bekleidet, wie sie sogleich feststellte.

 

Einer in der Gruppe war Michael. Es schien, als hätten alle nur darauf gewartet, dass sie zu Ende geduscht hatte. Er hob seine Hand und rief: „Hi Nadine, komm mal herüber, ich möchte Dich vorstellen!“ 

 

Nicht schon wieder!, fluchte sie still vor sich hin. Sie machte einen Schritt zur Seite und griff sich eines der größeren Handtücher. Ohne sich abzutrocknen, warf sie es sich um den schlanken nackten Leib. Dann kam sie langsam mit weichen Knien über den Rasen hinweg auf die anderen zu. Noch während sie die ersten unsicheren Schritte auf die Gruppe zuging, staunte sie selbst darüber, dass sie dies tat – und nicht einfach schreiend weg gelaufen war.

 

Es waren fünf Männer und drei Frauen. Alle erhoben sich höflich, nur Elsa blieb sitzen und nickte ihr freundlich zu.

 

Michael Schneider ging einen Schritt auf Nadine zu, nahm sie an seine Seite und drehte sich dann zu den anderen. „Liebe Leute, das ist Nadine. Nadine ist eine ehemalige Schülerin von mir und verbringt ihre Ferien bei mir. Sie ist sozusagen unser erster ´Jugendhof´-Gast.“

 

„Hallo!“ brachte das Mädchen nur knapp hervor. Wasser tropfte aus ihrem langen Haar auf ihre Schultern und das Handtuch

 

„Darf ich vorstellen: Peter Dreyer. Peter ist unser Bürgermeister hier in Weeslow.“

 

Der Angesprochene, ein großer, kräftiger, durchaus attraktiver Mann Ende vierzig, gab Nadine die Hand und grinste: „Ich freue mich immer, junge und dann noch so bezaubernd aussehende Menschen als Neubürger begrüßen zu dürfen. Und sei es auch nur für eine vorübergehende Zeit – herzlich willkommen!“ Nadine lächelte ihn unsicher an.

 

Nun reichte eine schlanke, stark gebräunte blonde Frau in einem sehr figurbetonten Sommerkleid Nadine die Hand. Nadine schätzte sie auf Anfang Vierzig. „Sabine Wollenhaupt. Unsere Vereinsvorsitzende.“ erklärte Michael. „Und ihre Tochter Mel.“

 

Melanie Wollenhaupt, von allen Mel genannt, ebenso blond, schlank und hübsch wie ihre Mutter, durfte kaum älter als sie selbst sein. Das Strahlen ihrer blauen Augen gab Nadine sofort ein gutes Gefühl. Und auch, dass dieses schöne Mädchen unter dem enganliegenden Top ganz deutlich keinen BH trug. Zu Mutter und Tochter fühlte sie sich sofort hingezogen.

 

Die beiden Männer daneben wurde als Ludger Varnholt und Markus Schroth vorgestellt, die beiden Pastoren der örtlichen Gemeinde. Mit ihnen wollte Michael den ´Jugendhof´ eröffnen. Varnholt war deutlich älter als sein Kollege, groß und hager und der Hauptpastor, Schroth mochte keine dreißig sein, war klein und kräftig gebaut. Die beiden grüßten von ihren Plätzen aus.

 

Nadine nickte den beiden verschüchtert zu. In ihrem Kopf wirbelte es. Der Bürgermeister. Zwei Pastoren. Und ich nackt unter der Dusche. Super, das ist ja ein wirklich ganz toller Auftritt!

 

Michael riss sie heraus aus ihren Gedanken: „Und Aron und Elsa kennst Du ja schon.“ Er holte einen Stuhl vom Nachbartisch und stellte ihn Nadine hin. „Setz Dich zu uns. Wir beraten gerade, wie wir den Jugendhof organisieren, wenn er mal fertig ist.“

 

Nadine war jetzt hin- und hergerissen. Einerseits würde sie jetzt wirklich, wirklich gern weit weg sein und auch nicht wieder kommen, nicht mal angezogen. Andererseits war das die Gelegenheit, all diese Leute, von denen Michael teils schon erzählt hatte, kennenzulernen. Vor allem Melanie wirkte so, als könnte sie hier für den Sommer eine Freundin für sie werden.

 

Doch es kam noch schlimmer.

 

„Habe ich das richtig gesehen? Du bist ein Smoothie?“ kam die Frage aus heiterem Himmel. Sabine Wollenhaupt hatte sie gestellt.

 

Was war ein Smoothie? Nadine kannte den Begriff nicht. Aber ihr Englisch reichte soweit, eine Ahnung zu haben, was gemeint sein könnte. Ihr wurde heiß.

 

Sabine Wollenhaupt bemerkte ihr Zögern und erklärte sich: „Du bist untenherum schön glatt, oder? Sah von weitem so aus.“

 

Nadine brach endgültig der Schweiß aus. „Ja.“ kam es leise, kaum hörbar.

 

„Willkommen im Club!“ antwortete nun, sichtlich erfreut, Melanie und deutete mit einem Nicken zu ihrer Mutter. „Wir auch. Und wir freuen uns immer, wenn auch andere das mögen. Sieht man ja noch nicht so oft.“

 

„Aber das werden wir ändern!“ meinte ihre Mutter mit einer schwungvollen Bewegung und lachte.

 

Schneider war währenddessen endlich Nadines Befangenheit aufgefallen, umso mehr nach den letzten Sätzen. „Du musst wissen, Nadine“, begann er, „Du hast es hier ausschließlich mit FKKlern zu tun. Du bist hier also unter Deinesgleichen.“

 

Nadines musste nun doch grinsen. Wie schnell Michael sie mal so eben zur FKKlerin erklärt hatte… Dann schaute sie kurz in die Runde. Stimmt, vom Bürgermeister hatte er das mit dem FKK schon mal erwähnt. Aber die beiden Pastoren? Ehrlich? Ein Blick hinüber zur hübschen Melanie ließ in ihr aber sofort ein Gefühl der Vorfreude aufkommen.

 

Der Bürgermeister musste gehen, warf jedoch noch einen wenig diskreten Blick an Nadine herab, als er sich verabschiedete. „Ich hoffe, man sieht sich mal wieder!“ sagte er, mehr in Michaels Richtung als in ihre.

 

Sein Lächeln dabei wirkte auf Nadine falsch – und sogar ein bisschen lüstern.

 

Elsa begleitete ihn zur Tür und brachte auf dem Rückweg ein zusammengelegtes frisches Handtuch mit. „So, Kleine“ begann sie und reichte ihr das Handtuch hin, „hier hast Du ein neues Handtuch, damit Du endlich mal Deine nassen Haare abtrocknen kannst.“

 

Nadine nahm es ihr dankbar entgegen. Doch schon kam die nächste Herausforderung auf sie zu.

 

„Das feuchte, das Du da um hast, kannst Du mir geben.“ Sie hielt ihr bereits die Hand hin. „Und dann setz Dich endlich zu uns. - Auch eine selbstgemachte Limonade für Dich?“

 

Nadine schien ein Deja Vu zu erleben. Doch am Tag zuvor waren sie auf dieser Terrasse zu dritt gewesen, nicht zu zehnt. Und nein, sie würde nicht als einzige hier splitternackt herumsitzen.

 

„Schon okay.“ lehnte sie dankend ab, Elsa zog ihre Hand zurück, Nadines innere Spannung löste sich etwas. Mit dem anderen Handtuch rubbelte sie nun ihre Haare trocken. Doch dasjenige, das sie um den Leib trug, löste sich durch die Bewegung und fiel an ihr herab. Ehe sie reagieren konnte, hatte es der freundliche Pastor Varnholt aufgelesen und Elsa übergeben.

 

So schnell kann´s gehen, dachte Nadine resigniert. Sie sah Michael Schneider an, der aufmunternd nickte, und schon machte sich so etwas wie Erleichterung in ihr breit. Die haben mich ja schließlich alle schon so gesehen, rechtfertigte sie sich vor sich selbst, so als wäre es nötig, für sich vor den anderen eine Entschuldigung zu suchen.

 

Sie setzte sich endlich, das neue Handtuch wie ein Turban um den Kopf gewickelt und nahm die angebotene Limonade an.

 

Man sprach über die kommenden Aufgaben, die ein jeder der Gruppe bei der Planung des kirchlichen ´Jugendhofes´, der teilweise im an Michaels Haus angrenzenden alten Stall und teilweise in einem alten Resthof in der Nähe am Weeslower See untergebracht werden sollte. Bis zum nächsten Sommer war nicht mehr viel Zeit, um alles, insbesondere den Innenausbau, zu bewältigen.

 

 

Etwa eine halbe Stunde, nach der Nadine zur Gruppe hinzu gestoßen war, kam ein weiterer Gast. Ein kleiner, etwa fünfzigjähriger Mann mit einem stattlichen Bauch trat lärmend und jovial grüßend auf die Terrasse. Es handelte sich, wie sie erfuhr, um Hans Weber, einen westfälischen Bauunternehmer, der in der Nähe ein Gut aufgekauft hatte, dass er irgendwann einmal zu einem Urlaubshotel umbauen wollte, und der sich als Investor in den Jugendhof angeboten hatte. Er war Nadine in seiner raumgreifenden, distanzlosen, lauten Art auf Anhieb unsympathisch. Hatte sie sich bis eben in ihrer Nacktheit einigermaßen wohl gefühlt angesichts dieser überaus angenehmen Menschen am Tisch, spürte sie nun sofort den Drang, sich bedecken zu wollen. Diesem Typen mochte sie sich nicht so zeigen.

 

Dennoch, es gab nichts, was sie hätte hernehmen können, und schon erhoben sich erneut alle, um den neuen Gast lautstark und herzlich zu begrüßen. Wohl oder übel musste sie nun mitmachen. Sie bemerkte auch schon, wie dieser dicke Hans unentwegt neugierig zu ihr herüberschielte, während er die anderen umarmte. So ziemlich zuletzt kam sie an die Reihe und wurde von Michael vorgestellt.

 

Die Stimme des dicken Hans war piepsig, aber laut, sein Blick indiskret musternd, seine ganze Art eingebildet und schmierig. Sein Händedruck war jedoch kräftiger als sie es vermutet hatte, ihre Hand schmerzte danach. Was fanden sie alle an dem?

 

Es musste wohl sein Geld sein, dachte sie. Die ganze Gruppe setzte sich wieder, doch nun sprach erstmal nur noch Hans. Er plauderte von seiner anstrengenden Herfahrt, entblödete sich auch nicht, vor all den Einheimischen die schlechten Landstraßen zu beklagen, streute immer wieder wenig lustige Sprüche ein, über die nur er lachte, die andern mühsam lächelten, und die ganze Zeit wurde Nadine das Gefühl nicht los, dass er das alles nur in ihre Richtung tat. Oh Gott, wie schrecklich, dachte sie, der will mich womöglich beeindrucken. Vor dem muss ich mich in acht nehmen.

 

Die anderen aber verhielten sich auf eine schreckliche Art unterwürfig. Selbst Michael schien nicht er selbst zu sein. Nadine war der Spaß vergangen. Aus diesem Grund erhob sie sich und meinte, sie würde nun gern Wiktor und Tomasz helfen gehen. Ein bisschen unhöflich war dieser plötzliche Abgang, mitten in einer unheimlich spaßfreien Anekdote des dicken Hans, ja schon, aber genau dieses Desinteresse wollte sie ihm auch deutlich zu verstehen geben. Nur dass er nun beim Aufstehen nochmal einmal ganz genüsslich ihren Schoß und dann beim Weggehen ihren nackten Hintern begutachten konnte, störte sie, doch ihr tat es gut, eine Entscheidung getroffen zu haben.

 

Sie ging schnurstracks durch den Garten und um Michaels Haus herum zu den beiden Polen. Erst als sie deren überraschten Blicke bemerkte, fiel ihr ein, dass sie ja splitternackt war. Aber das war ihr nun auch egal. Sie hatte überhaupt keine Lust mehr, sich etwas anzuziehen. Und was hätte sie auch anziehen sollen? Sie nahm sich ihre Sicherheitsschuhe und ihre Arbeitshandschuhe und fragte, wo sie mit anpacken durfte.

 

Eine Weile später kam Michael hinzu, zog sich aus und leistete Nadine in ihrem Nacktsein Gesellschaft.

 

 

.

 

Nach einer guten Stunde meinte er: "Ich dusche jetzt mal. Was meint Ihr, Jungs? Ihr auch?" Tomasz und Wiktor nickten, und alle vier gingen um das Haus herum zur Gartenseite und hinüber zu Elsas Sauna.

 

"Jungs, tut Euch keinen Zwang an!" rief er den anderen beiden Männern zu, als er das Wasser wieder abstellte und sich ein Handtuch griff. "Nadine ist ja auch nicht so..."

 

Wiktor verlor nun keine Zeit, schlüpfte aus seinen Sachen und ging, zu Nadines Überraschung, ebenfalls nackt duschen.

 

Wiktor war Bodybuilder, nicht zu übersehen. Er war etwa einsneunzig groß, hatte unglaubliche Muskeln, unfassbar breite Schultern, einen perfekt trainierten Bauch, war rundherum sehr gepflegt und perfekt rasiert und dazu schon sommerlich ebräunt. Zwischen seinen Beinen baumelte ein nicht allzu großer, aber hübscher Schwanz. Nadine war beeindruckt.

 

"Schau weg!" meinte Michael und drohte ihr lachend mit dem Zeigefinger. "Nicht dass Du auf falsche Gedanken kommst."

 

Nadine küsste seine Brust. "Keine Sorge. Habe ich ja gestern schon alles gesehen. Und ich weiß genau, auf wen ich mich nachher stürzen werde! Da musst Du keine Konkurrenz fürchten."

 

Sie ahnte, dass Tomasz, der ältere, der jetzt dran war, vermutlich ungern nackt vor ihren Augen duschen wollte, also verzog sie sich ins Haus, um gekühlte Getränke zu holen.

 

Als sie zurück zum Vorgarten kam, war Tomasz schon fertig geduscht und wieder angezogen, ebenso wie Wiktor, zusammen luden sie wieder Plastersteine ab.

 

"Was kann ich denn jetzt mal übernehmen?"

 

"Du könntest schon mal ein Stück vom Rasen und vom Weg abstechen, wenn Du magst." sagte Michael und führte sie zu dem Stück, das er meinte. "Hier entlang, mit dem Spaten. Die Terrassensteine sollen bis hierher gehen."

 

Als sie unter sich waren, fragte sie ihn: "Ist es wirklich okay, wenn ich so bleibe? Ich meine, Du bist ja hier der Hausherr, aber ich... Und Agata und so?"

 

"Willst Du denn?"

 

"Ja."

 

Er lachte. "Du bist schon richtig angefixt vom Nacktsein, oder? - Gut so! - Na klar kannst Du so herumlaufen. Wegen Agata mache Dir mal keine Gedanken."

 

 

Ab und an spürte Nadine den einen oder anderen verstohlenen Blick der beiden Polen auf sich ruhen, wenn einer der beiden sich auf seiner Spitzhacke auflehnte und verschnaufte oder gerade eine Karre mit Steinen weggebracht hatte und sich danach den Schweiß von der Stirn wischte. Aber sie hatte nichts dagegen, die Männer hatten es ganz sicherlich ebenfalls nicht, und mittlerweile erschien es ihr ganz natürlich, ganz selbstverständlich, auch wenn sie immer mal wieder selbst schmunzeln musste, wenn sie an das Bild dachte, dass sie gemeinsam hier boten. Ab und an radelten Touristen am Grundstück vorbei, aber kaum jemand bemerkte das nackte Mädchen inmitten der wild wuchernden Büsche und Hecken.

 

Immer wieder erfrischte sich einer von ihnen unter der Außendusche. Tomasz, der ältere, war nicht dazu zu bewegen, dies nackt zu tun, er hatte sich aus seinem Hause extra dafür eine Badehose besorgt. Sein Sohn Wiktor dagegen schien damit keine Probleme zu haben, auch nicht, wenn Elsa auf der Terrasse der Pension nebenan erschien. Und Michael sowieso nicht.

 

Mittags bot sich Nadine an, den Männern etwas zum Essen zuzubereiten. Sie deckte draußen den Tisch, etwas abseits von der Baustelle hinten im Garten, im Schatten eines Birnbaums. Die Männer ließen sich zum Essen nur wenig Zeit, sie wollten fertig werden.

 

Um vier Uhr nachmittags war es dann endlich soweit, dass sie alle neuen Steine verlegt, verfugt und alles gesäubert hatten. Alles weitere wollten sie in der nächsten Woche erledigen. Erschöpft setzen sich die vier an den noch immer gedeckten Tisch, die Männer genehmigten sich ein Bier, Nadine eine Bionade.

 

Da kam Agata unversehens um das Haus herum. Sie bemerkte vier nackte Oberkörper. Als sie den von Nadine sah, entfuhr ihr ein kurzer hörbarer Seufzer. Doch als sie näher herantrat, bemerkte sie, dass das Mädchen diesmal sogar komplett nackt war. Sie schaute entnervt zum Himmel, dann sandte sie einen bösen Blick in Richtung ihres Gatten Wiktor.

 

"Waas ist?" fragte er sie in seinem unüberhörbaren Akzent. "Nadine hat hart gearbeitet."

 

Nun war es wohl nicht die beste Idee von ihm, dass sich ausgerechnet er so für das splitternackte Mädchen neben sich einsetzte. Agata machte eine eindeutige Handbewegung und drehte sofort wieder um. Wiktor sprang auf und lief ihr hinterher. Michael und Tomasz grinsten sich an.

 

Nadine dagegen schaute dem Paar etwas unsicher hinterher. Sie hatte mit ihrer Freizügigkeit keinen erneuten Streit provozieren wollen und nun überkam sie ein schlechtes Gewissen. "Ich ziehe mir besser etwas an." meinte sie und wollte sich erheben.

 

"Warte!" Tomasz hielt sie am Arm fest. "Agata beruhigt sich gleich wieder. Wirst sehen."

 

Man hörte die beiden noch eine Weile hinter dem Haus laut aufeinander einreden, dann wurde es stiller. Und schließlich kehrten beide zurück. Wiktors Augen blitzten vor Freude, Agata dagegen vor Ärger. Doch sie riss sich zusammen und setzte sich auf den Stuhl, den Wiktor ihr brachte.

 

"Tut mir leid." meinte Nadine leise. "Ich habe nur..."

 

"Schon gut." zischte Agata, ohne sie dabei anzuschauen.

 

Michael ergriff noch einmal für Nadine Partei, dann Tomasz, und dessen Wort schien bei der Familie Nowakowski Gewicht zu haben. Irgendwann schien Agata die Tatsache, dass zwischen ihnen ein nacktes Mädchen herumsprang, zu akzeptieren. Sie wurde allmählich entspannter, ohne allerdings Nadine dabei allzu sehr Beachtung zu schenken.

 

Alle hatten Hunger, selbst Agata. Was Michael und Nadine im fast leeren Kühlschrank noch vorfanden, reichte nicht mehr weit. Tomasz schlug daher den anderen vor, die eigene Küche zu plündern. Man könne angesichts des schönen Wetters ja noch grillen, und Michael fand, das könne man am besten unten an der Badestelle tun. So teilten sie sich alle auf, die Nowakowskis holten die Würste und das Fleisch, und Michael und Nadine trugen seine Grillausrüstung zum Bodden hinunter, das Mädchen gleich so wie es war.

 

Von Michaels Haus aus waren es rund 300 Meter Feldweg zur Badestelle. Dort lagen zwei Pärchen, links ein älteres mit Hund, rechts ein jüngeres. Zu Nadines Enttäuschung trugen alle Badezeug. Doch Michael beruhigte sie. Hier mache jeder was er will, er selbst bade immer nackt, und auch ein paar andere. Sie werde also nicht die einzige bleiben, die hier nackig in den See springen werde.

 

Tatsächlich blieb Nadine nun die ganze Zeit über unbekleidet, auch auf den wiederholten Transportwegen vom Haus zur Badestelle und zurück. Ihr selbst gefiel es. Barfuß und mit nichts am Körper fühlte sie sich an diesem heißen Sommernachmittag, inmitten der herrlichen Natur, dabei begleitet, beschützt und bewundert von dem Mann, mit dem sie letzte Nacht den besten Sex ihres Lebens gehabt hatte, frei, unbeschwert und glücklich.

 

Und auch Agata gewöhnte sich allmählich daran. Sie nahm wahr, dass Nadine selbst nur verliebte Blicke für Michael hatte, und dass ihr Wiktor sich sichtlich - zumindest räumlich - zurückhielt und Agata keinerlei Anlass zur Eifersucht geben wollte. Tatsächlich kam sie auf einem der Wege mit dem süßen nackten Geschöpf ins Gespräch, und später beim Grillen saßen die beiden Frauen nebeneinander auf einer Decke und verstanden sich bereits bestens.

 

Beim anschließenden Bad zeigte Agata in einem knappen Bikini selbst ihre perfekt durchtrainierte Figur. Auch sie sah aus, als wenn sie viel Zeit im Fitnessstudio verbringen würde, fand Nadine, und damit lag sie goldrichtig, wie sie bald erfuhr, denn sowohl Agata als auch ihr Mann waren Trainer in einem Studio in Festenwalde.

 

Kurz nach elf brachen alle wieder vom See auf. Michael und Nadine hatten nun lange genug darauf warten müssen, und sogleich fielen sie wieder übereinander her, als sie das Haus betraten. Sie rannten sofort nach oben, schmissen sich auf das Bett und liebten sich, immer wieder, bis es wieder zu dämmern begann.

 

Und auch dann konnten sie noch nicht einschlafen. Sie standen auf und gingen, so wie sie waren, hinaus auf die Terrasse. Die Luft war herrlich mild, die Vögel zwitscherten bereits, man sah den Lichtschein im Osten und erkannte mehr und mehr Formen und Umrisse.

 

Michael schlug vor, ihr das Dorf zu zeigen. Hand in Hand gingen sie hinunter, draußen durch die Pforte und hinaus auf den Weg. Die Häuser an der schnurgerade Straße, die Nadine einst gekommen war waren noch allesamt dunkel, nirgendwo brannte Licht, bis auf eine einzige Straßenlaterne, die einen Briefkasten und eine Bushaltestelle beleuchtete. An jedem Haus vorbeikommend erklärte ihr Michael, wer da wohnte, und erzählte auch gleich noch eine Geschichte dazu. Angefangen bei Karl, einem alten alleinstehenden Mann, der sich nur noch mit seinem Rollator bewegen konnte und das Haus nur verließ, um Elsa zu besuchen. Etwas weiter dahinter wohnten die Polen, die sie schon kannte.

 

Ab und zu flog eine Fledermaus über ihre Köpfe hinweg. "Wenn wir Glück haben, sehen wir den Uhu." meinte er. "Es gibt hier mindestens ein Paar."

 

Nicht alle Häuser waren bewohnt, zwei der insgesamt acht Häuser waren verlassen und verfielen allmählich, zwei andere waren Ferienhäuser, die anscheinend gerade nicht vermietet waren, und das so kurz vor der Hauptsaison. "Ist halt eine unbekannte, ruhige Ecke. Noch jedenfalls." kommentierte Michael. Es blieb noch eines, das von einem älteren Paar bewohnt war, deren Kinder schon das Haus verlassen hatten, und ganz hinten, dort wo der Postbote Nadine hatte aussteigen lassen, an der Kreuzung lebte noch eine junge Familie.

 

 

Schließlich kehrten sie zurück. Kein Mensch hatte den nackten Spaziergang des verliebten Paares bemerkt.

 

"Und beim nächsten Mal tagsüber so." scherzte Michael und klopfte ihr dabei leicht auf den Po.

 

"Von mir aus." sagte sie leichthin. "Aber nur wenn Du mich so begleitest."

 

"Du denkst wohl, ich traue mich nicht? - Mich haben die hier alle schon mal nackt gesehen, auf dem Grundstück, an der Badestelle oder auf dem Weg dahin. Also an mir soll es nicht liegen."

 

Sie schmunzelte. "An mir auch nicht, meinetwegen könnte ich hier immer so herumlaufen."

 

"Dann tu es!"

 

"Ich werde einfach allen erzählen," meinte sie lachend, "dass mein ehemaliger Lehrer Schneider mich dazu gezwungen hat!"

 

"Klar, und Du mich. - Übrigens: Du wirst kaum irgendwo eine Gegend finden, in der Nacktsein normaler wäre als hier."

 

Dann erzählte er ihr die Geschichte dazu:

 

In der nahe gelegenen Kleinstadt Weeslow gab es schon seit den Siebzigern ein Naturfreibad, in dem Nacktbaden erlaubt war - oder sich zumindest allmählich das Nacktbaden durchgesetzt hatte. Weeslow selbst war eine zu DDR-Zeiten bekannte Künstlerkolonie, in der viele Schauspieler, Maler, Schriftsteller entweder ganz wohnten oder zumindest den Sommer verbrachten. Diese Leute scherten sich nicht soviel um gesellschaftliche Zwänge und badeten gern nackt. Zudem arbeiteten die meisten Weeslower im großen Elektronik-Werk in der nahen Kreisstadt Festenwalde und verbrachten den Sommerurlaub zusammen im Betriebsferienheim auf dem Darß - direkt am FKK-Strand. So kam es, dass hier ohnehin schon viele Nacktfans wohnten - und das Freibad auch viele FKK-Anhänger aus dem nahen Berlin anzog.

 

Nach der Wende schloss das Kieswerk nahe Weeslow, die riesigen Gruben füllten sich mehr und mehr mit Grundwasser. Die entstehenden zwei größeren Seen wurden, obwohl eigentlich das Betreten verboten war, von den Einheimischen alsbald zum Baden und Sonnen erobert. Überwiegend wurde dort einfach nackt gebadet, denn Baderegeln, Badeaufsicht, all das gab es ja nicht. Es wurde bald ein Verein gegründet, der das Gelände von der Treuhand pachtete und allmählich in Eigenarbeit eine geeignete Infrastruktur aufbaute, rundherum Wege anlegte, Ufer abflachte, Liegewiesen frei legte, Toiletten und Kioske baute und das Nordufer - wo seit Beginn nackt und textil gemischt gebadet wurde - als Strandbad ausbaute. Mitte der Neunziger wurden der größere und der kleinere See miteinander verbunden, und man lenkte für gute Wasserqualität einen nahen Bach - die Peese-Au - um, direkt durch die Seen hindurch.

 

Aus diesen Anfängen wurde immer mehr. Das Gelände wuchs, die Gästezahlen stiegen rasant - vor allem die Nacktbader aus dem Umland und aus Berlin. Die kleine Stadt Weeslow - deren Stadträte oft auch selbst FKK-Anhänger waren, allen voran der Bürgermeister - erkannte allmählich die Chance für die örtliche Wirtschaft, die ein solcher See als Freizeit-Magnet böte. 

 

"Okay, das erklärt, warum Du als Nackt-Fan so gern hierher wolltest..." meinte Nadine grinsend. "Und wo ist dieser See?"

 

"Nicht weit weg von hier. Du musst Dir das so vorstellen: Dieser See hier, der Mühlensee, liegt südlich von Weeslow und ist über einen kleinen Kanal nach Westen hin mit dem viel größeren Festenwalder See verbunden. Im Osten, also auf der anderen Uferseite, führt die Peese nun in einem künstlichen Bett zu den beiden Baggerseen. Wir könnten also mit meinem kleinen Boot entweder nach Weeslow rudern, sogar nach Festenwalde oder - bis zum Peese-Auslauf. Dort ist es aber zu flach für das Boot. Von dort aus, also vom anderen Seeufer, könnten wir laufen, ist so rund einen Kilometer bis zum südlichen Ufer des Weeslower Sees, und nochmal zwei um den See herum zum großen Strandbad."

 

"Cool, das machen wir. Morgen, ja?"

 

"Mal sehen, was morgen so zu erledigen ist. Aber am Wochenende auf jeden Fall."

 

"Aber Du meinst, einfach so nackt herumlaufen sei hier, auf dieser Seite, auch okay?"

 

"Ja, sagte ich doch, FKK ist hier überall ganz verbreitet."

 

 

Im Haus angekommen liebten sie sich ein weiteres Mal, dann endlich schliefen sie ein.

 

 

*

 

Als Nadine erwachte, stand die Sonne schon wieder hoch am Himmel und schien mitten in das Zimmer hinein. Sie spürte, wie seine Zunge sachte ihre Klitoris leckte. Ein wohliger Schauer durchlief ihren Körper.

 

"Wie lange machst Du das schon?" fragte sie leise.

 

"Eine ganze Weile. Es ist wunderbar, Dir beim Schlafen und beim Aufwachen zuzusehen."

 

"Vor allem, wenn man so lieb geweckt wird. Mach weiter!"

 

Die beiden waren eng umschlungen eingeschlafen. Sein Schwanz war schon wieder hart und prall, er legte sich auf sie, zart, ganz sanft drang er in sie ein. Er hatte nicht darauf warten müssen, dass sie restlos feucht würde, es geschah innerhalb von Sekunden.

 

Nachdem er seine bildhübsche siebzehnjährige Besucherin kräftig durchgefickt, zum wonnigen Höhepunkt gebracht und anschließend in ihr zartes Gesicht abgespritzt hatte, blieben die beiden noch eine Weile engumschlungen liegen, sein nur langsam abschwellendes riesiges Glied wieder in ihr drin.

 

 

Seine Spermavorräte waren schier unerschöpflich, aber seine Nahrungsmittelvorräte waren allmählich aufgebraucht, der Kühlschrank leer. Er kündigte an, einkaufen zu fahren und einige Besorgungen zu machen, doch sie wollte lieber im Bett bleiben. Nadine war sich nicht sicher, ob dieses verspannte Gefühl im Nacken und im Rücken jetzt eher auf das Steineschleppen oder auf zu viel Sex zurückzuführen war; in jedem Fall fühlte sie sich herrlich ermattet und körperlich gefordert, so dass ihr ein paar Stunden Ruhe ganz recht waren.

 

Doch schon eine halbe Stunde, nachdem er weggefahren war, begann sie ihn zu vermissen. Sie musste etwas tun, etwas erleben. Also erhob sie sich und ging nach unten, frühstückte erst, duschte dann.

 

 

Sie hatte bisher weder Shorts noch Shirt von Elsa zurückerhalten. Nicht, dass ihr danach war, sich etwas anzuziehen, aber als sie dessen gedachte, fiel ihr ein, dass sie Elsa besuchen gehen könnte. Doch schon auf dem Weg dorthin fiel ihr ein, dass Michael die alte Dame ja mit nach Festenwalde, in die nahe Kreisstadt, genommen hatte, damit diese ihre Arztbesuche erledigen konnte.

 

Also machte sie kehrt, gelangte dann am anderen Ende des Grundstücks zum Feldweg und wanderte dort seelenruhig zur Badestelle. Dabei traf sie einmal auf zwei Radfahrerinnen, die sie freundlich grüßte, ansonsten passierte nicht viel.

 

Nah am Ufer lag Michaels kleines Ruderboot. Das war jetzt genau das Richtige! Ihr Nacken schmerzte dann doch nicht so sehr, als dass diese ihr die Lust auf eine kleine Bootstour nehmen konnten.

 

Sie kehrte flink zum Haus zurück, schrieb Michael eine Notiz, nahm eine Flasche Wasser und einen großen Strohhut mit, der an der Garderobe hing, lief zum Ufer und watete zu seinem Boot.

 

Zunächst paddelte das nackte Mädchen Richtung Seemitte. Sie meinte sowohl die Stelle erkennen zu können, in der die Peese aus dem See hinausfloß, als auch auf der anderen Seite den Kanaldurchbruch zum größeren Festenwalder See. Letzterer lag näher dran, also machte sie sich auf den Weg dorthin. Über den Verbindungskanal führte die Brücke, die sie zwei Tage zuvor überquert hatte. Sie ruderte darunter durch und fand sich auf einem sehr viel größeren See wieder, dessen Ufer rundherum sie kaum erkennen konnte. Hier ruderte sie etwa fünfhundert Meter in den See hinein und sprang dann ins Wasser und badete ausgiebig. Endlich mal wieder richtig schwimmen! Sie nutzte die Gelegenheit und kraulte mit kräftigen Zügen los.

Als sie nach einer halben Stunde mit etwas Mühe wieder ins Boot zurückgeklettert war, bemerkte sie, dass beide Paddel über Bord gefallen sein mussten. Sie hatte sie nicht eingeholt, und nun waren sie nirgendwo mehr auf dem Wasser zu entdecken.

 

Das Ufer war weit entfernt – weit außer Rufweite. Zudem schien dort außer der Brücke nichts zu sein, wo sich Menschen aufhalten würden. Auf dem See waren nur ganz entfernt am Horizont ein paar Segelboote zu sehen. Noch war Nadine nicht panisch, aber sie wurde doch zunehmend nervös: Was sollte sie jetzt machen? Schwimmen? Dummerweise hatte sie sich gerade eben schon reichlich ausgepowert, und sie spürte, dass sie nicht allzu sehr in Übung war. Außerdem konnte sie ja wohl kaum Michaels Boot sich selbst überlassen. Das Boot schwimmend vor sich herschieben? Kostete viel zu viel Kraft. Warten? Oh Gott – worauf?! Dass die anderen sie vermissten? Michael war bestimmt noch ein paar Stunden weg, Elsa ebenso.

 

Da bemerkte sie ein größeres Boot – ein kleines Ausflugsschiff. Es schien auf dem Weg von Festenwalde nach Norden zu sein, aber weit in der Seemitte, also weit entfernt von ihr entfernt.

 

Als das Schiff auf seinem Weg ihr am nächsten schien, sprang Nadine auf und winkte und rief. Aber es fuhr weiter. Enttäuscht setzte sie sich wieder hin.

 

Sie hatte noch einen halben Liter Wasser mit, mehr nicht. Der Sonnenhut hielt die Sonnenstrahlen ein wenig ab, aber nur an Kopf und Schultern. Es war etwa elf Uhr vormittags und wolkenlos...

 

Doch nach fünf Minuten erblickte sie das Schiff plötzlich wieder. Es kam zurück und hielt direkt auf sie zu. Es kam näher und näher. Nadine sprang erleichtert auf und winkte wieder und rief. Tatsächlich, da kam die Rettung.

 

Als das Boot nur noch wenige Meter entfernt war und den Motor drosselte, um Fahrt wegzunehmen, erschien vorn ein Mann, Mitte fünfzig, groß und untersetzt.

 

„Können wir Ihnen helfen?“ rief er laut.

 

„Ja, bitte! Ich sitze fest. Ich habe meine Ruder verloren!“

 

Das Schiff legte bei. Der Mann sah sich um: „Sind Sie ganz allein hier draußen?“

 

Nadine stand noch immer und versuchte dabei, das Gleichgewicht zu halten. „Ja, ich bin allein…“

 

Der Mann schaute verwundert in das Boot. „Und wo sind Ihre Sachen?“

 

Nadine lächelte etwas beschämt. „Ich habe keine Sachen mit… Nur den Hut…“

 

„Soso…“

 

Es erschien ein zweiter Mann, deutlich jünger, in der gleichen Kleidung, anscheinend der Sohn.

 

„Wo kommen Sie denn her?“  fragte der Ältere.

 

Nadine zeigte nach Osten. „Von da drüben, vom Mühlensee."

 

„Hmm… Dahin können wir Sie aber nicht hin zurückschleppen, da kommen wir nicht durch… Kommen Sie erst mal rein…“

 

Während der Jüngere Nadines Boot heranzog, half ihr der Ältere an Bord. „Na, dann mal willkommen auf der `Mathilda´. Ist zwar nicht die Queen Mary, aber dafür haben wir die schöneren Fahrgäste…“

 

„Und den drolligsten Käptn…“ meinte der Jüngere lakonisch von der Seite her.

 

Der Ältere bat Nadine mit einer Handbewegung hinein. „Mögen Sie was trinken?“

 

„Oh ja, sehr gern!“ Nadine merkte erst jetzt, wie erschöpft sie war.

 

Während der Ältere eine Flasche Mineralwasser aus dem Kühlschrank hinter einer Bar herausholte, vertäute der Jüngere am Heck das Ruderboot, kam dann in den Führerstand, warf den Motor wieder an und wendete das Schiff nach Norden in die ursprüngliche Richtung. Nadine stand währenddessen etwas unschlüssig mitten im Fahrgastraum.

 

„Wir bringen Sie erstmal nach Bad Sorow, dann sehen wir weiter.“ meinte der Ältere und reichte ihr die Flasche. Nadine nahm sie ihm ab und trank sie in einem Zug halb leer.

 

„Ich heiße übrigens Fritz. Und das da ist Tom, mein Sohn.“

 

Der besagte Tom drehte sich kurz zu ihr um und nickte wortlos. Sie erwiderte sein Nicken. „Ich heiße Nadine…“

 

„Und das hier ist unser Schiff, die `Mathilda`. Sonst fahren wir Touristen von Festenwalde nach Bad Sorow und Weeslow. Aber nicht heute. Freitags bringen wir unser Boot auf Vordermann und kaufen ein."

 

"Und retten junge Mädels aus Seenot…“ ergänzte Tom grinsend.

 

„Oh Gott, ja, danke! Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen dafür danken soll!“

 

„Ach, darüber reden wir noch…“ meinte Fritz, der Ältere, gutmütig. „Wir haben Sie vorhin schon winken sehen. Erst haben wir gedacht, wir gucken nicht richtig. Das sah nämlich durch das Fernglas aus wie ein nacktes Mädchen…“

 

„Und dann dachten wir“, fiel ihm sein Sohn ins Wort, „wir dachten, verdammt nochmal, wir haben doch noch gar nichts getrunken… Und dann sind wir sicherheitshalber nochmal umgedreht.“

 

„Zum Glück!“ meinte Nadine. „Ich wusste nicht, wie ich da wieder wegkommen sollte…“

 

„Ach, keine Sorge“, feixte Tom, „einfach auf Wind und Strömung verlassen! So etwa Ende August wären Sie dann wieder an Land gewesen…“

 

Fritz gab ihm recht. „Genau. Und da hätt´ man Sie dann als Brathering stückweise im Fischbrötchen verkaufen können.“

 

Sie stimmte in das Lachen der beiden ein. So allmählich begriff sie, in welcher Gefahr sie sich befunden hatte, denn wenn kein Boot oder Schiff mehr vorbeigekommen wäre, hätte sie vielleicht tatsächlich den ganzen Tag da draußen verbringen müssen. 

 

„Und was machen Sie sonst so, wenn Sie nicht versuchen, auf offenem Wasser zu Braunkohle zu werden?“ wollte Tom, der jüngere, wissen.

 

„Ich bin Schülerin. Aus Potsdam." erzählte Nadine ihnen artig.

 

„So so, aus Potsdam... – Also, wir sind gleich in Bad Sorow. Da steht unser Wagen. Wir können Sie dann nach Hause bringen oder da hin, wo Sie wohnen.“

 

"Das heißt: Altes Forsthaus."

 

"Ach, bei Elsa?!"

 

„Sie kennen sie?“

 

"Jeder hier kennt Elsa…“ meinte Fritz. „Und ich bin sogar mit ihr zur Schule gegangen…“

 

„Du warst auf einer Schule? Hast Du mir nie erzählt!“ frotzelte sein Sohn vom Steuerrad aus.

 

„Du!“ drohte Fritz. „Wenn wir nicht schon zu dicht am Ufer wären, würde ich Dich jetzt im Ruderboot hier aussetzen, und zwar nackt! Du bist mir ohnehin schon seit dreißig Jahren zu frech!“ 

 

„Ich kann Elsa nachher ja mal fragen, ob das mit der Schule stimmt.“ erwiderte sein Sohn ungerührt. „So, wir sind gleich da.“

 

Keiner der beiden Männer war zwischendurch auf den Gedanken gekommen, Nadine irgendetwas zum Bedecken ihrer Blöße anzubieten, eine Decke oder eine Jacke etwa. Aber Nadine hatte auch nicht von sich aus darum gebeten. Die beiden Männer nahmen ihre Nacktheit mit einer solch scheinbar unbeeindruckten Selbstverständlichkeit hin, als würden sie tatsächlich ständig nackte junge Frauen aus dem Wasser fischen.

 

Sie legten mit gekonnten Handgriffen und eingeübtem Manövern in Sekundenschnelle an. „So, kommen Sie.“ Fritz bot Nadine die Hand und half ihr, ans Ufer zu springen.

 

Direkt an der kleinen Uferpromenade hielt sich niemand auf, aber etwas weiter hinten auf einem Parkplatz entstieg gerade eine Reisegruppe ihrem Bus. Einige Leute schauten irritiert herüber.

 

„Was ist, haben die etwa noch nie ´ne nackte Frau gesehen?“ meinte Tom mürrisch. „Die sind wohl nicht von hier…“

 

Endlich reagierte Fritz. „Soll ich Ihnen was zum Überdecken mitgeben, junge Frau?“

 

Aber angesichts der nur sehr entfernten Reisegruppe fragte Nadine stattdessen: „Wo steht denn das Auto?“

 

„Da.“ Tom zeigte auf einen uralten VW Caddy, der gleich vorn am Parkplatz stand, keine fünfzig Meter entfernt.

 

„Ach was…“ Nadine sah sich nochmal um. „Das Stückchen schaffe ich dann wohl auch noch so, oder?!“ Sie grinste, und die beiden Männer nickten einander augenzwinkernd zu.

 

„Das nenne ich mal kernig…“ meinte Fritz. „Gut so! - Übrigens: Das Boot kann ich nächstens mit dem Hänger vorbeibringen. Aber nicht mehr heute."

 

Die drei gingen ohne ersichtliche Eile zum Wagen hinüber, aufmerksam studiert jetzt von großen Teilen der Reisegruppe. Am Wagen verabschiedete sich Fritz.

 

„Ich hoffe, Sie bald mal wieder an Bord begrüßen zu dürfen!“

 

„Klar! Ich bin bestimmt noch eine Weile hier, da komme ich gern nochmal wieder… Nur nicht freitags, ich weiß!“

 

„Warum nicht? Dann könnten wir eine Extratour machen – und Sie könnten gleich wieder so mitkommen.“

 

Nadine lächelte ihn lieb an. „Gern. - Dürfte ich jemanden mitbringen?“

 

Fritz winkte ab. „Elsa? Nö, die wird immer seekrank. - Oder haben Sie etwa einen Freund?"

 

Sie grinste.

 

„Jetzt sagen Sie nicht, Sie sind schon vergeben?!“ Fritz spielte den Enttäuschten. „Ich dachte, Sie – und Tom… So als Schwiegertochter…“

 

„Opa, hör jetzt mal auf!“ unterbrach ihn barsch sein Sohn. „Die junge Dame will bestimmt jetzt nicht mit Dir Lebenspläne schmieden… Außerdem darf ich Dich wohl an Deine tatsächliche Schwiegertochter erinnern?“

 

Fritz hielt Nadine die schwielige, kräftige, von Wind und Wetter zerfurchte Hand hin: „Nix für ungut. War toll, Sie kennenzulernen! So eine mutige junge Frau! - Und wäre wirklich schön, wenn Sie nochmal vorbeischauen würden!“

 

„Mache ich!“

 

 

*

Elsa staunte nicht schlecht, als sie Nadine vor dem Haus aus einem Wagen aussteigen sah - vollständig unbekleidet.

 

Sie erkannte Tom. Der winkte ihr zu und hupte beim Wegfahren. Nadine erzählte Elsa alles, auch dass die beiden versprochen hatten, das Ruderboot irgendwann mit dem Hänger wieder vorbeizubringen.

 

„Du machst ja vielleicht Sachen, Mädel!“ meinte Elsa abschließend und lachte.

 

„Und ich schulde Michael zwei neue Paddel!“

 

 

 

Michael nahm seine junge Besucherin sofort, noch auf der Terrasse, als er nach Hause kam. Erst danach, atemlos und verschwitzt, kam sie dazu, ihm die Geschichte ihres Bootsausfluges zu erzählen, er staunte und lachte abwechselnd.

Auch den restlichen Nachmittag und Abend verbrachten die beiden im steten Wechsel zwischen Lachen, Albernheiten und Sex.

 

 

*

 

Nadine war nun schon drei Tage bei Michael und hatte das Areal des Grundstücks bis hin zur Badestelle – bis auf ihren etwas missglückten Bootsausflug – bisher noch nicht verlassen. Sie hatte an diesen drei sommerlich warmen Tagen noch kein einziges Kleidungsstück getragen - wenn man die Sicherheitsschuhe nicht dazu zählte.

 

Ans Gefühl des Nacktseins hatte sie sich überraschend schnell gewöhnt, so sehr, dass sie oftmals ganz vergaß, dass sie es war, wenn sie in Haus, Garten oder auf dem Weg zum See so herumlief. Dass andere sie dabei so sahen, empfand sie mehr und mehr als ganz natürlich.

 

Ihr Vorbild war Michael, dem das so beneidenswert leicht fiel. Auch sie wurde immer lockerer und freier dabei. Egal, ob es die beiden hünenhaften Polen waren, die wunderbare Agata, ihr Nachbar Karl, der ab und an mit dem Rollator den Weg entlangschlurfte und immer nett grüßte, ob Elsa oder ihre Besucher, die sie auf der Terrasse empfing, Radfahrer oder Wanderer, die vorbei kamen, der Postbote oder einmal auch ein Trupp von Arbeitern, die einen Minibagger für Drainagearbeiten auf dem Grundstück entluden: Sie alle durften sie gern so sehen. Hier in Michaels Reich fühlte sie sich unbekleidet einfach sauwohl, auch an der Badestelle, an der sie, anders als Michael es behauptet hatte, meist die einzige Nackte blieb. FKK war jetzt ganz ihre Sache, und wofür sollte sie sich schämen? Für ihren schönen, durchgehend gebräunten Körper? Oder dass sie in dieser Sommeridylle gern frei und völlig unbekleidet herumlief?

 

Und natürlich bestärkte es sie, dass man ihr dabei bisher durchgehend mit absolutem Wohlwollen begegnet war, ja, dass sie an der Badestelle auf andere sogar schon ansteckend gewirkt hatte.

 

 

Am Montag bot Michael ihr an, sie nach Weeslow mitzunehmen. Er wollte ihr den Ort zeigen, gleichzeitig einen Termin bei Bürgermeister Dreyer wahrnehmen, anschließend dann – endlich – den schon so häufig erwähnten Weeslower See zeigen. Nadine lief hinüber zu Elsa, die noch immer keine Gäste unterbringen konnte, und ließ sich erstmals ihre Jeans-Shorts und ihr T-Shirt zurückgeben.

 

„Du siehst so verändert aus.“ meinte Schneider, als er sie angezogen zurückkommen sah.

 

„Ja, ungewohnt, oder?“ Sie schaute an sich herab und drehte sich vor ihm einmal im Kreis. „Ein Kleid wäre mir bei der Hitze jedenfalls lieber.“ befand sie.

 

„Da muss ich passen – aber Du könntest Agata fragen. Vielleicht ist sie noch da.“

 

Und so lieh sich das Mädchen bei ihrer neuen Freundin das sommerlichste Stückchen Stoff, das aufzufinden war, ein schlichtes, dünnes weißes Trägerkleidchen aus einem Leinen-Baumwollgemisch, so ungeheuer kurz, dass das Freundschaftsbändchen, das sie am Handgelenk trug, sich ständig unter dem Saum verfing. Aber es passte perfekt zum herrlichen Sommertag, zu ihrer unglaublichen Bräune und zu ihrer erwartungsvollen Stimmung. Dazu hatte ihr Agata beige-farbige Sandaletten mit einem hohen Keilabsatz auf Kork mitgegeben, was Nadines lange schlanke Beine nur noch länger erscheinen ließ. 

 

Michael entfuhr ein anerkennender Pfiff, als er sie nun sah. „Mutig!“ Er hob den Saum an, um sich zu vergewissern, dass Nadine sich nichts anderes als dieses Kleid ausgeliehen hatte.

 

Nadine zuckte mit den Achseln. „Ich konnte Agata ja wohl kaum um ein Unterhöschen bitten, oder? Das muss so gehen.“

 

„Du bist wirklich angekommen!“

 

„Und wer ist daran schuld? Nur Du!“ Sie legte ihre nackten Arme um seinen Hals und küsste ihn.

 

„Fahren wir Auto oder Rad?“

 

„Rad.“

 

Sie holten zwei schon etwas betagtere, aber funktionstüchtige Fahrräder aus einem von Elsas Schuppen und fuhren los. Ab und an schaute Nadine etwas ungläubig an sich herab. Sie saß nicht auf dem Stoff, sondern mit nacktem Po auf dem Sattel und ließ den Stoff frei wehen, zumindest solange sie nur durch die Feldmark fuhren. Nadine genoss das ungewohnte Gefühl des Fahrtwinds in ihrem Schritt und am Po. Außerdem hatte sie ihre Freude an ihrer schon richtig intensiven frischen Sommerbräune.

 

Als ihnen ein erster Traktor entgegen kam, wollte sie sich allerdings doch lieber etwas bedeckter halten, und so versuchte sie, sich den Stoff zwischen Po und Sattel zu klemmen. Doch das Kleid war einfach zu kurz, so sehr sie auch zog und es streckte, es reichte nicht. Sie fuhr langsamer, damit der Fahrtwind das Kleidchen nicht anheben konnte und ließ den Traktor passieren.

 

Als sie weiterfuhren, zupfte sie weiter daran herum.

 

Michael meinte grinsend: „Lass es doch!“

 

Mit skeptischem Blick schaute sie wieder an sich herab. Mitunter wehte das Kleid bis zu Bauchnabel und Taille hinauf. Sie verfluchte sich innerlich für ihren Übermut.

 

„Was ist denn dabei, wenn es jemand bemerkt – falls man das so schnell überhaupt kann?“ fragte er sie. „Was sieht man denn außer Haut?“

 

Sie verzog nur das Gesicht.

 

„Entspann Dich. Du siehst aus wie eine junge Frau, die auf dem Weg zum Badesee oder so ist. Die einen werden denken ´wie praktisch´, die anderen sich über den Anblick freuen. Glaubst Du, irgendjemanden stört das?“

 

„Weiß nicht. Komme mir einfach komisch vor.“

 

„Musst Du nicht.“ versuchte er weiter, sie zu beruhigen.

 

Nadine aber fuhr, als sie den Ortseingang erreichten, einhändig und legte ihre linke Hand locker auf den Schenkel, hielt damit das weiße Kleid unten. Nur am Po flatterte es weiter, aber auch das nicht mehr so hoch. Doch auch so war sie mit ihren sehr langen, schlanken, schön gebräunten Beinen ein hübscher Anblick für alle, denen sie begegneten.

 

 

 

Weeslow war nicht groß, hatte noch rund 3000 Einwohner, war damit in der Gegend aber schon ein bedeutendes lokales Zentrum. Es gab eine Kirche, einen kleinen Marktplatz mit Brunnen, ein Rathaus, ein paar Geschäfte, sogar dank einer von zwei Seiten abgesperrten Kopfsteinstraße, eine kleine Fußgängerzone, Arztpraxen, einen kleinen Stadtpark und eine Grundschule, sogar eine höhere Schule, das regionale Waldorf-Gymnasium. Außerdem ein kleines Gewerbegebiet, das von einem seit DDR-Zeiten bestehenden Fachverlag und einer ebenso noch existierenden kleinen Fabrik für Elektromotoren, die jetzt zu einem Westkonzern gehörte, dominiert war. Alles in allem sehr beschaulich, aber ordentlich und in teils sehr gutem Zustand, was in der ländlichen und recht armen Gegend nicht allzu häufig anzutreffen war. Den Weeslowern ging es schon immer recht gut, erläuterte Michael, viele Ingenieure, Fachleute und Experten, die heute noch dort sind, mittlerweile auch immer mehr zuziehende Berliner mit Geld und eben die beiden Betriebe, die für gute Steuereinahmen sorgten. Aber, ergänzte er, unser neues Zugpferd soll der Tourismus werden. Sie kamen an der Kirche vorbei, hielten an und klopften im alten Pfarrhaus bei Pastor Varnholt, der jedoch nicht da war.

 

 

Im Rathaus waren sie zu früh, aber Lissy, die Assistentin von Bürgermeister Dreyer, die Michael ihr schon als die Seele des Vereins angekündigt hatte, begrüßte sie beide herzlich wie gute Freunde. Sie war gerade aus Dreyers Büro gekommen, sofort auf die beiden zugestürmt und umarmte erst Schneider und dann die überraschte Nadine.

 

Lissy mochte Anfang zwanzig sein, war einen halben Kopf größer als Nadine und wunderhübsch, schlank, mit üppiger Oberweite. Sie gefiel Nadine auf Anhieb und übertraf Michaels Beschreibungen ihrer heiteren Art und ihres bezaubernden Charmes. Und Michael hatte so von ihr geschwärmt, dass Nadine meinte eifersüchtig werden zu wollen. Aber Lissy nahm sie wirklich sofort für sich ein.

Als Lissy ihren Kopf in die Tür zu Dreyers Büro hielt, um sie anzukündigen, murmelte Michael kaum hörbar: „Fällt Dir was auf?“

 

Nadine sah ihn nur fragend an. Er murmelte weiter: „Was die beiden wohl gerade gemacht haben?“

 

Nun erst bemerkte Nadine, dass sehr viele Knöpfe an Lillys Dekolleté offen standen, ihr üppiger Brustansatz weithin zu sehen war. Das knielange rote Sommerkleid war am Rücken ziemlich zerknittert, auch etwas feucht von Schweiß. Und ihre langen dunkelbraunen Haare waren ziemlich zerzaust.

 

Nadine schaute ihn vergnügt an: „Etwa das, was ich denke?“

 

„Bestimmt. Dreyer hat einen ganzen Harem in Weeslow, aber Lissy ist seine Favoritin. Oder Muse, wie er sagt.“

 

Sie wurden hineingebeten. Lissy rief in Richtung von Dreyer: „Peter, brauchst Du mich gerade? Ich gehe sonst kurz duschen.“ Mit einem vielsagenden Augenzwinkern ließ sie die beiden Gäste hindurch. Offener hätte sie das, was die beiden vermuteten, kaum zum Ausdruck bringen können.

 

 

Dreyer kam um seinen Schreibtisch herum auf die beiden zu. „Ah, Du hast Deine schöne Elfe mit gebracht.“ meinte er zu Michael, während er Nadine die Hand gab.

 

Sollte das etwa komisch sein?, fragte sich Nadine. Und nur Michael anzusprechen statt mich, als wäre ich sein Hund, ist das vielleicht höflich? Oder doch einfach nur ignorant? Sie war augenblicklich verstimmt.

 

Dreyer merkte davon nichts, mit großer Geste bat er sie in seine Sitzecke.

 

„Ein schönes Kleid!“ bemerkte er, doch sie empfand seinen Tonfall dabei als so selbstgefällig, dass sie es unmöglich als Kompliment auffassen konnte.

 

„Danke.“ sagte sie schlicht, ohne weiter darauf einzugehen.

 

Als alle drei Platz genommen hatte, wurde Nadine von ihm völlig unverblümt von oben bis unten gemustert, wobei Dreyers Blick auffällig lange zwischen ihren Schenkeln verweilte. – Sie legte schnell beide Hände in ihren Schoß, um ihm unliebsame Einblicke zu verwehren. - Unter was für Machos bin ich hier nur geraten?, fragte sie sich und rutschte unangenehm berührt auf ihrem Sessel herum. Michael merkt von alldem ja auch nie was.

 

Nach einer Weile jedoch galt das Interesse Dreyers dann doch Michaels Anliegen, wobei immer mal wieder ein Blick von ihm über Nadines schönen Körper streifte. Sie würdigte ihn jedoch keines weiteren Blickes mehr.

 

Er wandte sich in einer Gesprächspause, in der Michael nach Unterlagen suchte, Nadine zu, fragte sie anscheinend interessiert nach einigen Dingen aus ihrem Leben, schaute dabei nicht etwa in ihr Gesicht, sondern auf ihren tiefen Ausschnitt. Nadine antwortete erneut knapp und kühl.

 

Stattdessen stellte sie selbst nun nach und nach kluge Fragen zu dem Bauantrag, den Michael vorbereitete, hörte der Antwort zu, erwog sie und fragte weiter, ebenso durchdacht und logisch. Der Respekt der beiden wuchs sichtbar, und Dreyer meinte, diesmal aufrichtig anerkennend: „Sie kennen sich mit der Materie aus?“

 

„Nein.“ gab sie knapp zurück. „Aber ich will es gern verstehen.“

 

Das schien auf ihn zu wirken, er legte ein wenig von seinem Imponiergehabe ab. Wenig später wandte er sich an sie, um ihre Einschätzung zu hören. Und das tat er diesmal respektvoll und ernsthaft.

 

 

Und Nadine spürte etwas für sie Neues: Sie hatte Macht über andere, vor allem über Männer. Erst dieser Widerling Hans Weber, dem sie sich zwar nur durch Flucht entzogen, aber immerhin entzogen hatte, nun dieser Typ, dem sie kühl widerstand und der spüren durfte, dass sie kein dummes Häschen war, das auf noch dümmere Anmache stand.

 

Das dunkelhaarige Mädchen rückte ein wenig im Sessel vor und machte es sich bequemer. Er saß ihr direkt gegenüber. Sie hob erst eine Hand und legte den Unterarm auf die Armlehne, nach einer Weile die andere. Bestimmt konnte er nun ein wenig unter ihren lose über den Schoß liegenden knappen Saum schauen, vielleicht ihre Nacktheit darunter erahnen oder gar erkennen. Aber damit hatte sie nun kein Problem mehr. Soll er mich doch so sehen, dachte sie, soll er doch sehen, was er nicht kriegen kann.

 

 

Nach dem Besuch, als sie vor dem Rathaus standen und die Räder aufschlossen, lobte Michael sie überschwänglich. „Du hast einen super Eindruck gemacht.“

 

„Du nicht.“

 

„Wieso?“

 

Seine offensichtliche Ahnungslosigkeit enttäuschte sie umso mehr. Sie hantierte konzentriert an ihrem Schloss. „Der hat mich anfangs behandelt wie ein Stück Fleisch. Merkst Du sowas gar nicht?“ Sie stieg auf und radelte ihm voraus.

 

Michael holte schnell auf. „Aber…“

 

Nun schaute sie ihn kurz böse an, bevor sie sich wieder der Straße zuwandte. „Das war das zweite Mal. Dieser Weber war ja noch schlimmer. Was für ein Chauvi! Und wie ihr dem alle in den Arsch gekrochen seid…“

 

„Aber Du…“ Doch er verschluckte den Rest des Satzes. Er ahnte, dass er alles nur schlimmer machen würde, wenn er sich die Worte nicht genau überlegte.

 

 

Ihrer Verärgerung hatte sie Luft gemacht, das tat gut. „Fahren wir jetzt zum See?“ fragte sie und klang dabei schon versöhnlicher.

 

„Gern.“

 

 

Sie fuhren etwa zehn Minuten lang zunächst über eine kaum befahrene Landstraße und eine kleinere Zufahrtsstraße zwischen Rapsfeldern, kleinen Aufforstungen und Heide hinaus zum See. Hier draußen ließ sie ihr Kleidchen wieder fröhlich flattern.

 

Am Eingangsgebäude hinter einem nicht asphaltierten Parkplatz stellten sie die Räder ab. Von einem See war noch nichts zu sehen.

 

Michael hatte als einer der Vereinsvorstände freien Eintritt, aber erfreut stellte Nadine fest, dass „FKK-Badende unter 25 Jahre“ sowieso frei hinein durften, worauf sie eine freundliche Dame hinter dem offenen Schalter anhand der Preistafel aufmerksam machte.

 

„Wir haben nichts dabei“, meinte sie zu ihm, als sie das Eingangsgatter durchquert hatten, „also, kein Handtuch, nichts.“

 

„Macht nichts. Ich denke, wir werden gar nicht viel herumliegen. Wir machen einen Rundgang, baden ein wenig. Abtrocknen müssen wir uns bei dem Wetter ja auch nicht.“ Michael knöpfte sein Hemd auf, stieg aus Schuhen und Hose. „Gib mir Dein Kleid und Deine Schuhe, ich verstaue alles hier drin.“ Er deutete auf eine Tür, auf der ´Personal´ geschrieben stand.

 

Sie zog sich aus und wartete nackt auf der Rückseite des Eingangsgebäudes auf ihn und las die Hinweisschilder. Links ging es zum „Oststrand / Südstrand - FKK“, rechts zum „Zentraler Nordstrand - Textil“. Außerdem gab es je eine Beach-Bar, Spielplätze, Beachvolleyballplätze, Duschräume, Erste Hilfe – Station, Kiosk und vieles mehr.

 

Eine Gruppe von Teenagern drängte sich an Nadine vorbei und strebte dem Nordstrand zu. Dann kam Michael, nun nackt wie sie, und nahm sie in dieselbe Richtung mit.

 

Sie wunderte sich. „Nicht zum FKK?“

 

„Doch, doch.“ meinte er nur und ging weiter.

 

Sie kamen über eine weite Rasenfläche, die in groberen, dann feineren Sand überging, zum See. Dieser war viel größer als Nadine es erwartet hatte. Das andere Ufer war gut einen Kilometer Luftlinie entfernt, schätzte sie. Es war später Vormittag, das Gelände füllte sich erst mit Gästen. Dort, wo sie den See erreichten, lagen einzelne Nackte.

 

„Ist das der Nordstrand?“ fragte sie.

 

Michael blieb stehen und deutete hintereinander in verschiedene Richtungen. „Dort ist das Ostufer, da sind die meisten Sportanlagen und einzelne Badestellen. Da wollen wir im Winter noch Badestege bauen. Das da hinten ist das Südufer, da gibt es zwei große Liegewiesen hinter der Baumreihe und viele kleine Badestellen, auch schön schattige und so. Da fließt auch irgendwo die Peese-Au zu und da hinten neben dem Eingang wieder ab. Die sorgt für das immer klare, reine Wasser. So, dort im Westen geht nur ein Fußweg am Ufer entlang, dahinter liegen die alten Kieswerkanlagen und die Ruine der alten Ziegelei. Und hier kommt der Nordstrand.“

 

„Also der Textilstrand.“ ergänzte sie.

 

„Ja, im zentralen Bereich. Da kommen wir gleich hin. Alles andere ist mehr oder weniger FKK.“

 

„Mehr oder weniger?“

 

Er blieb nochmal stehen. „Eigentlich wollten wir diese Unterteilung nie. Als der See vor ein paar Jahren entstand, hat einfach anfangs jeder überall so gebadet wie er wollte. Viele nackt, andere angezogen. Die Angezogenen lagen halt meistens am zentralen Nordstrand. Und das blieb dann irgendwie so. Die Schilder hier haben wir nur zur Orientierung gemacht für Gäste, die neu sind. Eigentlich kann immer noch jeder überall so baden wie er will.“

 

„Gibt das nicht manchmal Ärger?“ wollte das nackte Mädchen an seiner Seite wissen.

 

„Selten. Wenn, dann sind das Auswärtige, die eher zufällig hier ankommen. Wessis meistens. Die sind Nackte wohl irgendwie nicht gewohnt.“

 

„Und dann?“

 

„Erstatten wir den Eintritt, verbunden mit einer freien Eintrittskarte ins Naturbad am Mühlensee. Das ist das alte Freibad in Weeslow. Aber…“ Er hielt kurz inne und grinste, „was die nicht wissen: Da gibt es schon seit ewigen Zeiten eine FKK – Wiese, die mehr oder weniger fließend in den Textilbereich übergeht. Gewinnen als nichts damit. - So, da sind wir am zentralen Nordstrand.“

 

Tatsächlich hier lagen überwiegend Leute in Badezeug. Vereinzelt erblickte Nadine dazwischen aber doch einige Nackte. Michael erklärte, dass es an den anderen Badestellen immer beengter zuginge, seit der See immer bekannter unter Nacktbadefreunden werde, vor allem, seit in Berlin die Nacktbereiche in vielen Bädern immer weniger werden, und daher die Nackten allmählich hierhin auswichen. Heute Vormittag, wo noch so wenig los sei, läge es einfach an einem anderen Phänomen: Viele Nacktbader seien einfach zu bequem geworden, weiter zu laufen, und das hier sei der dem Eingang nächste Strandbereich.

 

„Du siehst, wir fallen hier gar nicht auf. - Fällt Dir noch was auf?“

 

„Mmm.“ Nadine schaute sich um. „Ja, also, viel oben ohne, würde ich sagen.“

 

„Genau. Fast ausschließlich. Textil müsste bei uns eigentlich Topless heißen.“ Die Erklärung schob er gleich nach: „Sieh mal, die Bar, das ist unsere Topless Beach Bar. Egal, wie man damals auf den Namen kam, jedenfalls wird dank der Bar der Nordstrand von allen Einheimischen seit jeher nur Topless Beach genannt. Und Jenni, die Besitzerin, und ihre Crew weisen jede Kundin, die auch nur ein Eis kauft, unmissverständlich darauf hin. Fast alle legen dann auch brav das Oberteil ab, weil sich das hier ja anscheinend so gehört. Ich sag Dir, unter den einheimischen Frauen gibt es wohl keine, die ein Oberteil trägt, ob jung, ob alt. Wer das nicht mag, kommt nicht hierher.“

 

„Dann sind die jungen Hübschen da wohl von hier?“

 

Nadine wies auf die Gruppe von Teenagern, die vorhin an ihr vorbeigelaufen war und nun Volleyball spielte. Die drei Mädchen der Gruppe liefen ebenso mit freiem Oberkörper herum wie die drei Jungs.

 

„Ja, das sind Schüler von mir. Gut, vier von denen kenne ich nur vom Sehen, aber zwei habe ich im Sportunterricht. Wollen wir mal hin?“

 

„O-k-a-y…“ antwortete Nadine gedehnt, während er schon los marschierte. Kopfschüttelnd folgte sie ihm. Da ging vor ihr ein Sportlehrer so unbekümmert wie nur was vollkommen unbekleidet auf seine Schüler zu, um mit ihnen zu plaudern. Wo gab es denn sowas?!

 

Doch die Schüler schienen alles andere als überrascht zu sein, Herrn Schneider hier anzutreffen und das im Adamskostüm. Nur seine hübsche Begleitung erregte sichtbar Interesse. Aber allmählich war es Nadine ja gewohnt, als Nackedei in seinem Schlepptau wildfremden Menschen vorgestellt zu werden. So war er halt… Diesmal waren es eben Teenies, fast in ihrem Alter, vielleicht ein, zwei Jahre jünger. Immerhin präsentierten sich ihr auch drei Paar ausnahmslos schöne Brüste, die allesamt schon gleichmäßig gebräunt waren, und ohnehin durchgehend schöne Körper, bei Jungen wie bei Mädchen.

 

Sie selbst stellte anhand der verstohlenen häufigen Blicke der sechs fest, dass ihre blitzblankrasierte Scham eine gewisse Aufmerksamkeit hervorzurufen schien.

 

Einer der Jungs hieß David und gefiel Nadine auf Anhieb. Wilde, lockige dunkelblonde Haare und strahlend blaue Augen, dazu ein sehr schlanker, trainierter Body – er erinnerte sie an den Darsteller in der „Blauen Lagune“, wie hieß der noch, jedenfalls hatte sie den an sich dümmlichen Film mal auf Youtube gesehen, eigentlich nur, weil eine Bekannte sie selbst mit Brooke Shields verglichen hatte.

 

Nach gegenseitiger Vorstellung und ein bisschen Geplauder verließen sie die Gruppe wieder, wobei sich Nadine noch einmal ganz gezielt nach David umschaute und ihm lächelnd zuwinkte. Michael stieß sie neckend in die Seite.

 

„Hey, Du, lass das! Der ist außerdem erst fünfzehn!“

 

Sie kicherte. „Keine Sorge. Der erinnert mich doch nur an meinen kleinen Bruder.“ 

 

„Ja klar.“

 

„Du müsstest Dir viel mehr wegen Dreyer Gedanken machen. Der ist echt klasse. Voll mein Typ.“ meinte sie in sehr viel ernsterem Ton.

 

Diesmal entging ihm ihre Ironie nicht. „Was hätte ich tun sollen?“

 

Sie funkelte ihn kurz böse an, dann schaute sie wieder auf den Weg. „Mich nicht behandeln wie ein…, ein Anhängsel, irgendeine Sache, die Du anderen unbedingt zeigen willst. `Schau mal, hab ich neu! Hübsch, nicht?´. Und auf die dummen Sprüche dieser Typen kann ich auch verzichten. Scheint Dir ja aber nichts auszumachen.“

 

Er schwieg betroffen. Nach einer Weile meinte er: „Okay. Verstanden. – Vielleicht war ich wirklich ein bisschen zu…“ Er zögerte. „…zu stolz auf Dich. Sorry.“

 

Sie ging dicht neben ihm und schaute weiter geradeaus. „Schon gut. Du weißt es ja jetzt.“ Sie nahm ohne hinzuschauen seine Hand, und so gingen sie schweigend weiter am Westufer entlang.

 

„Ist das eigentlich okay, so Hand in Hand?“ fragte sie ihn unvermittelt. „Ich meine, na ja, so in der Öffentlichkeit?“

 

„Habe ich gerade auch überlegt. Aber weißt Du…“ Er blieb stehen und zog sie an sich. „warum nicht? Ich bin ja nicht verheiratet oder so und darf Hand in Hand gehen mit wem ich will. Und Du bist kein Kind mehr und auch nicht mehr meine Schülerin. Gerede wird es sowieso geben, wenn Du wochenlang bei mir wohnst. Elsa wird schon genug dazu beitragen. Also: gehen wir offen damit um.“

 

Sie drückte ihn sachte von sich und sah zu ihm herauf. „Offen damit umgehen? Womit eigentlich, wenn ich fragen darf? Dass wir miteinander schlafen? Oder dass wir für ein paar Wochen sowas wie ein Paar sind? Oder was?“

 

„Was denkst Du?“

 

Sie ließ ihn los und trat einen Schritt zurück. „Schieb die Verantwortung jetzt nicht auf mich! – Im Übrigen: Vorhin, als wir aus dem Rathaus kamen, habe ich kurz überlegt abzureisen.“

 

„Dann bitte ich dich jetzt sehr: Tu es nicht! Bleib!“ Und als er spürte, dass das allein nicht reichte, meinte er: „Tage, Wochen, Monate, sorry, Nadine, das kann ich nicht sagen. Noch nicht. Ich kann nur sagen, dass es wunderbar ist, mit Dir zusammen zu sein. Dass ich plötzlich ein ganz anderes Gefühl habe in diesem Haus, seit Du darin wohnst, seit ich Dich darin weiß. Als würdest Du da wie selbstverständlich hingehören. Und nach Weeslow.“ Er stockte kurz, schob dann nach: „Und zu mir.“

 

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Okay, das reicht. Ich bleibe.“ Sie trat wieder auf ihn zu und küsste ihn. „Ich weiß ja, Du bist noch in Deiner ´Findungsphase´. – Was ist das?“

 

„Das sind die Anlagen vom alten Kieswerk. Da gehen wir ein anders Mal hin. Schauen wir uns lieber das Südufer an. Ich finde, das ist mit eine der schönsten Badestellen, die ich überhaupt kenne.“

 

 

Er hatte nicht zu viel versprochen. Kleine Liegewiesen wechselten mit Baumreihen, kleine sandige Badestellen mit größeren Zugängen, Fußpfade führten kreuz und quer durch das Gelände. Eine kleine Holzbrücke führte über das Flüsschen Peese, an dessen Ufern jeweils zwei Wege in die Heide führten. Überall lagen Nackte, noch nicht in Massen, aber es hatte sich im Bad deutlich gefüllt. Und überall liefen Nackte, spielten Ball, Bodenschach oder Tischtennis, rannten und riefen Kinder. Eine wahre Idylle, fand Nadine.

 

„Wenn ich mich so umschaue“, meinte das Mädchen, „dann sehe ich doch überraschend viele, die so wie wir beide untenherum blank sind, vor allem aber die Frauen.“

 

„Stimmt. Das ist auch so eine Weeslower Besonderheit. Das sieht man andernorts viel seltener. Ich bin ja selbst noch nicht so lange hier, aber man hat mir erzählt, dass das hier schon in der Wendezeit anfing, Mode zu werden, schon drüben im alten Freibad. Und wenn erst mal ein paar damit anfangen – einschließlich der Bürgermeister-Frau – na ja, seiner Ex - , der örtlichen Zahnärztin, also Sabine, kennst Du ja, dann noch die Leiterin der Grundschule, oder Lissy, die damals Schülersprecherin am Gymnasium war - und dann immer mehr, dann wird das ganz schnell ganz normal. Und hier an der Südseite ist das mittlerweile einfach der übliche Anblick.“

 

„Für Deine Schüler vorhin aber wohl noch nicht, die schauten sehr interessiert.“

 

„Ja, die sind ja auch immer nur an der Topless Beach. Und ich sag Dir, geh an die Ostsee, und Du siehst vielleicht zehn, fünfzehn Prozent so, in Berlin vielleicht zwanzig. An unserer Süd- und Ostseite achtzig. Und es werden immer mehr.“

 

„Ich find´s schön.“

 

„In Weeslow macht gerade das zweite Waxing-Studio auf. Und in Bad Sorow gibt es eins und in Festenwalde drei oder vier. In ganz Berlin gibt es nicht mal zehn! Ich weiß das zufällig, weil ich die Besitzerin hier gut kenne. Das sagt wohl einiges. Wir machen die Mode!“

 

„Das Studio musst Du mir unbedingt zeigen!“

 

 

Nun gingen die beiden baden und kamen an einer Stelle des Ostufers wieder an Land. Sie trockneten einfach im Laufen und beendeten schließlich am Eingangsgebäude ihren Besuch.

 

Michael reichte ihr ihre Sachen.

 

„Am liebsten würde ich jetzt so bleiben.“

 

„Vorschlag: Wir holen unsere Räder hier rein, radeln am Westufer den Versorgungsweg lang, schlagen uns durch die immer noch nicht reparierte Zaunlücke bei der Ruine, und fahren dann nach Süden auf der alten Transportstrecke Richtung Flursdorf und von dort durch den Wald und die kleine Straße zu mir. Da brauchen wir lange nichts anzuziehen.“

 

„Abgemacht.“

 

Und so fuhr Nadine zum ersten Mal in ihrem Leben nackt Fahrrad.

 

 

 

*

 

 

Am nächsten Morgen erhielt Nadine eine SMS ihrer Mutter, die nach Hause zurückgekehrt war: sie möge sich doch bitte mal melden.

 

Was sollte sie ihr erzählen?

 

Michael fand, sie solle einfach die Wahrheit sagen, das sei immer das Beste.

 

„Dass ich den ganzen Tag hier nackt herumlaufe? Oder dass wir beide zehnmal am Tag miteinander schlafen?“ Sie schaute ihn prüfend an. „Meinst Du wirklich, das wäre schlau? –  Oder vielleicht, dass ich verliebt bin?“ ergänzte sie leise.

 

Michael erhob sich von seiner Seite des Frühstückstisches und kam zu ihr herum. „Letzteres sollte sie vielleicht nicht als erstes erfahren, findest Du nicht?“

 

Nadine strich ihm unter dem Kinn lang und schmunzelte. „Erst mal musst Du Dich rasieren. So rede ich nicht mit Dir über so wichtige Dinge.“

 

 

In den vergangenen vier Tage hatte es maximal acht Stunden Abstand zwischen zwei Liebesakten gegeben, die dann selbst oft über Stunden gingen. Sie waren unermüdlich. Nachdem sie nun gleich noch einmal übereinander hergefallen waren und Nadine geduscht, Michael sich auch rasiert hatte, saßen sie erneut am Frühstückstisch zu einem zweiten Kaffee.

 

Unvermittelt stellte sie den Becher ab, kam zu ihm, setzte sich auf seinen Schoß und sagte: „Ich liebe Dich!“

 

„Ich Dich auch!“

 

„Und das werde ich nachher meiner Mutter sagen.“

 

„Gern! Ich sag´s dann auch meiner Mutter! Versprochen!“

 

Dem folgte ein liebevoll-kräftiger Klaps auf die Brust, der ihn zum Husten brachte.

 

 

 

Nach etwa fünf Minuten, in denen ihre Mutter selbst zunächst vom Urlaub berichtete, kam der Moment, vor dem Nadine ein bisschen mulmig war.

 

„Ja, es ist sehr schön hier. – Ja, das Wetter ist durchgehend herrlich. Ich gehe viel baden. – Nein, ich bin die einzige hier. – Ja, ein Ferienlager nur für mich. – Ob ich das gewusst hatte? Ja, habe ich. – Wieso hätte ich Dir das erzählen sollen? - Ja, ich bin mit Michael Schneider ganz allein hier in seinem Forsthaus.“ Nachdem sie kurz Haus, Garten und Umgebung beschrieben hatte, begann ihre Mutter sie erneut auszufragen. Nadine atmete durch und setzte nun zur Beichte an. „Du, Mum, ich muss Dir was sagen. – Es ist etwas passiert. – Etwas Schönes. – Ich bin total verliebt. – In wen? Na, in wen wohl. In Michael natürlich. – Mum, bitte! Mach daraus kein Drama! Michael war mein Lehrer, er ist es nicht mehr. Und so alt ist er nun auch wieder nicht. – Na klar schlafen wir miteinander. – Mum, ich bin schon groß!“ Nach einer Weile gelang es Nadine, ihre Mutter halbwegs wieder zu beruhigen. „Vertrau mir, ich weiß was ich tue. Ich weiß, dass er viel älter ist als ich. Aber es ist wunderschön mit ihm. – Mum, ich möchte die ganzen Ferien hier bleiben! – Ja, die ganzen fünf Wochen. – Ja, ich weiß, dass Oma meine Sachen wieder mitgenommen hat. – Hier? Ach, ich leihe mir was zusammen. – Nein, natürlich nicht von Michael. Hier gibt es ja noch andere Leute in der Nachbarschaft und so, alle total nett. Bisher habe ich auch nicht viele Sachen gebraucht bei dem Wetter. - Nein, Du musst mir nichts schicken. – Auch kein Geld, nein. Ich arbeite das hier ab, auf der Baustelle. – Ja, wirklich. - Also, darf ich bleiben? – Du bist die Beste!“

 

Sie sprachen noch eine Weile. Über das Nacktsein wollte Nadine lieber noch nichts erzählen, sie wollte ihre Mutter nicht noch mehr beunruhigen.

 

Nach dem Gespräch wurde Nadine klar, dass die verbleibenden fünf Wochen ebenso gut eine lange Zeit werden als auch recht schnell vorbei sein konnten – und dann? Erstmals dachte sie an die Zeit danach. In diesem Moment konnte sie sich gar nicht vorstellen, Michael wieder verlassen zu müssen. Aber sie musste, sie hatte noch ein Jahr Schule vor sich. Aber wer weiß, sagte sie sich, wie sie das in fünf Wochen sehen würde. Vielleicht… Ach, sie wollte es einfach auf sich zukommen lassen.

 

*

 

 

Nadine blieb volle fünf Wochen und einen Tag. Der Sommer hielt, was er von Anfang an versprach, sie war am Ende braun gebrannt wie noch nie in ihrem Leben und das absolut nahtlos. Der Sex mit Michael Schneider, ihrem ehemaligen Lehrer, war immer noch so schön und erfüllend wie bei ihrem ersten Mal. Der Abschied fiel beiden sehr schwer. Am letzten Tag kam ihre Mutter und holte sie ab. Es gab Tränen und viele Umarmungen. Die Mutter erkannte, dass es ihr ernst war, dass es auch Michael ernst meinte. Und sie sollte recht behalten.

 

 

Nadine und Michael blieben zusammen, ein Leben lang. Wenn auch nicht als Paar, sondern in einer innigen, aber offenen Beziehung. Nadine wurde seine Nachbarin, als Elsa in ein Heim zog, und Mutter seiner Tochter. Die beiden hatten all die Jahre wunderschönen Sex miteinander, aber auch mit sehr vielen anderen, immer wieder andere Lebenspartner, andere Affären, andere Bettgeschichten, aber stets blieben sie sich auf ihre eigene Weise treu.

 

 

*Ende Teil 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kommentare

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Tomcat schrieb am 08.03.2019 um 16:20 Uhr

schlecht lesbar mit den Übergroßen Abschnitten sorry, deswegen ist die Story etwas abgehackt.

piluh schrieb am 10.03.2019 um 00:16 Uhr

Klasse Super geschrieben. Einfach ein großes Danke und Lob.

qwertzu77 schrieb am 11.03.2019 um 21:40 Uhr

Klasse das Nudinchen wieder da ist!

Aber vieles kommt mir von den alten Geschichten doch sehr bekannt vor.