Das nackte Synchronschwimmteam - Teil 2

von Luftikus
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Zur Kategorie: Insel der Scham

„Wie können Sie als Mann einfach hier in die Damenumkleide kommen?!“ Nackt hing die rotblonde Studentin am Regal mit den Bastkörben. Sie spürte den Blick des Mannes an ihrem Hintern. Ihn anzusehen wagte sie nicht. Krampfhaft klammerten sich ihre Finger an die Regalwände. Was mochte er von ihr denken? Sie presste das Gesicht gegen einen Bastkorb wie ein Kind, das hoffte, nicht entdeckt zu werden, wenn es die Bettdecke über den Kopf zieht.

In seinem altmodischen Frack, den viele Orden, und einer Schärpe in den Landesfarben Sulmavis, stand der grauhaarige Botschaftssekretär wie ein Operettenprinz in der Tür. Trotz seiner Aufregung über die schleppenden Vorbereitungen des Botschaftsempfangs strahlte er eine förmliche Ruhe aus. Schon vom offenen Fenster seines Büros aus, hatte er aus Richtung der Pforte 2 die lauten Stimmen sich streitender Frauen gehört, war herbeigeeilt, um nach dem Rechten zu sehen.

Langsam wendete die Rotblonde, noch am Regal hängend, ihren Kopf. Sie blickte in das Gesicht eines ernst dreinschauenden Mannes. Er sollte sie so nackt nicht anschauen. Die Studentin griff nach einem der Bastkörbe, um sich notdürftig zu bedecken. Gerade hatte sie mit der rechten Hand einen Korb gefasst, als ihre linke Hand abrutschte. Dumpf schlug ihr Körper auf dem Boden auf. Die Kleidungsstücke im mitgerissenen Korb flogen durch den Raum. Schreiend kauerte sich die Rotblonde mit vorgehaltenem Bastkorb in der Ecke zusammen. Hanna bekam einen Lachkrampf, den der Botschaftssekretär mit einem ärgerlichen Kopfschütteln kommentierte.

„Haben Sie sich verletzt?“ Der Botschaftssekretär wollte der Gestürzten die Hand zum Aufhelfen reichen, doch die wehrte ab. „Nein, aber Ihre Garderobenfrau will mir meine Sachen nicht wieder zurückgeben.“ Ein strenger Blick wanderte in Richtung des Schreibtisches. Immer noch krümmte sich dort das nackte blonde Mädchen vor Lachen. „Hanna, was hat dieses Spektakel zu bedeuten?“ Erst nach mehrmaligen Schlucken bekam die Angesprochene ihren Lachkrampf soweit unter Kontrolle, dass sie in der Lage war, einen zusammenhängenden Satz zu formulieren. „Ihre Servierkraft schämt sich, nackt zu bedienen.“ Mit einem stummen, aber entschiedenen Fingerzeig auf die umherliegenden Kleidungsstücke forderte er Hanna auf für Ordnung zu sorgen.

Als sie vom Schreibtisch auf stand, sah er ihren Dienstausweis an der Innenseite ihres Oberschenkels befestigt. Der Botschaftssekrektär verbarg seine Verärgerung. So beschränkte sich seine Reaktion auf das Hochziehen seiner rechten Augenbraue. „Hanna! Sie müssen Ihrer Aufgabe mehr Ernsthaftigkeit entgegenbringen. Mit diesem Empfang präsentiert sich Sulmavi zum ersten Mal mit seiner Kultur der deutschen Öffentlichkeit. Hierzu erwarten wir auch Reporter weiblichen Geschlechts. Nicht auszudenken, welcher Imageschaden durch das Vorfinden eines solchen Tumults entstünde.“

Hanna hob die Kleidungsstücke vom Boden, faltete diese zusammen und ging auf die Rotblonde zu, die sich immer noch krampfhaft am Bastkorb festkrallte. Sie blieb sie einige Momente vor der kniend kauernden stehen, und gab mit ihrer Körperhaltung ihrer schweigenden Forderung nach Rückgabe des Korbes Ausdruck. Dann bemerkte Hanna die langsam wütender werdenden Gesichtszüge des Botschaftssekretärs. „Aber die Garderobenmarke der Besucherin ist doch die von diesem Korb.“ Ihre Bemerkung blieb unkommentiert. Kleinlaut legte Hanna den Kleidungsstapel in einen anderen Bastkorb.

Nun wandte sich der Botschaftssekretär an die rotblonde Studentin „Wir hatten in unserem Auftrag an Ihre Studentenjobzentrale ausdrücklich auf unsere kulturellen Besonderheiten hingewiesen. Wurden Sie denn nicht darüber informiert?“ Beim Anblick des so förmlich auftretenden Mannes kauerte sich die Studentin noch enger zusammen. Trotzdem ragte die rosafarbene Haut ihrer Hüfte immer noch aus der Seite des Bastkorbes heraus. „Ehm.“ Eigentlich hatte sie nur die oberste Zeile des Jobangebots gelesen, und war direkt nach „18 Euro Stundenlohn plus Anfahrt und Trinkgeld“ zur Disponentin gestürzt. Die unterste Zeile mit den gewünschten Qualifikationen war ungelesen geblieben.

„Könnte ich mich jetzt bitte wieder anziehen? Und zwar ohne, dass Sie dabei zuschauen?“ Der Botschaftssekretär dachte daran, auf die Erfüllung der Arbeitsabsprache zu bestehen, und mit einer besonders negativen Rückmeldung bei der Jobzentrale zu drohen. Doch dann fiel ihm wieder ein, dass jeden Moment eine Reporterin eintreten konnte. Der Gedanke an eine skandalträchtige Schlagzeile ließ ihm einen kalten Schauer über seinen Rücken laufen. Mit einer kurzen höflichen Verbeugung verabschiedete er sich, und verließ die Pforte 2 in Richtung des angrenzenden Schlossparks. Er brauchte dringend einen Ersatz für den anstehenden Empfang.

Verzweifelt lief er den Parkweg entlang, passierte ein älteres Ehepaar mit Hund, zwei korpulente männliche Jogger und einen schmächtigen Bufdi, der einen angetrunkenen Rentner im Rollstuhl schob. Keiner der Personen passte in sein Anforderungsprofil. Dann sah er die gepflegte ca. dreißig jährige Dame mit den streng nach oben gebundenen blonden Haaren, blieb vor ihr stehen. Sollte er es wagen, sie anzusprechen? Die Frau im Businessdress machte nicht den Eindruck, dringend einen Job zu suchen. „Sie wünschen?“ Höflich, mit einem standardisierten Lächeln, aber auch kühl reagierte sie auf seine Musterung. Er zögerte, dachte daran, dass sein Anersuchen als sexuelle Beleidigung ausgelegt werden könnte. „Ich bitte um Verzeihung. Ein Missverständnis.“

Es waren die heiter aufgeschlossenen Gesichter der beiden jungen Frauen auf der Parkbank, die ihm den Mut gaben, sie anzusprechen. Das Drängen der Zeit ließ ihm dabei alle gesellschaftliche Etikette vergessen, so dass er ohne Umschweife seinen Wunsch vortrug. „Meine Damen, ich bin in einer außergewöhnlichen Zwangslage und muss mich daher mit einem ungewöhnlichen Anliegen an Sie wenden. Könnten sie heute kurzfristig als Servierkraft für einen Empfang tätig werden?“ Die Frau sahen sich verwundert an, bevor sie los kicherten. „Sind Sie einer aus der Rocky Horror Picture Show?“

Der Mann in Frack und bunter Schärpe verbeugte sich. „Ich bin der Sekretär der sulmavischen Botschaft.“ Da staunten die jungen Frauen nicht schlecht. Derart elegant hatte sich bis jetzt noch kein Mann gegenüber ihnen benommen. Die Rechte der Beiden begann zu überlegen. Woher kannte sie dieses Land nochmal. Dann sah sie auf. „Ist das nicht die Botschaft, wo alle Frauen nackt sein müssen? Und Sie möchten nun, dass wir heute Abend dort nackt für Sie bedienen?“ Es folgte ein kurzes Nicken. „Nun, das ist der Kern meines Anliegens.“ Die jungen Frauen griffen sich ans Kinn und taten so, als ob sie ganz intensiv darüber nachdachten. „30 Euro pro Stunde. Für jede von uns!“
Mit verzogener Mine stimmte der Botschaftssekretär zu.

Die Hand des bleichen Mannes fing an, zu zucken. Schon seit 10 Minuten hatte er nicht mehr geraucht. Das Büro der Frau mit dem Hosenanzug war einer der wenigen Orte, an denen er es nicht wagte, seine Macht dadurch zu demonstrieren, dass er bestehende Rauchverbote konsequent ignorierte Sie hatte sich seinen Bericht abwesend angehört, ohne dabei auch nur ein einziges mal die Raute ihrer Finger zu öffnen. „Ihre Frau Schulley hat gute Arbeit geleistet, und diese Frau Behmkamp wird sich heute Abend auf dieser schrulligen Botschaftsveranstaltung endgültig blamieren. Lassen Sie uns aufhören. Ich muss zu Hause noch das Abendbrot bereiten.“

Der Mann im schwarzen Anzug verbarg seine zitternden Hände unter dem Schreibtisch. In seinem Job zeigt man keine Schwäche. „Frau Behmkamp wird nicht am Botschaftsempfang teilnehmen. Sie hat einen Termin mit einem Staatssekretär im Landesinnenministerium, der sich ihrer Sache annehmen will. Den haben wir nicht unter Kontrolle.“ Die Frau im Hosenanzug griff zum Telefon. „Ja, ja, der Föderalismus“ Sie nahm den Hörer ab. „Hallo Schatz, ich komme etwas später.“

Mit ihrer schlanken Figur und den langen pechschwarzen Haaren war Anna Keidlinger der Hingucker als Anchor ihrer Nachrichtensendung. Besonders eng anliegende, sexy Kostüme waren ihr Markenzeichen. Die straffen Stoffe befeuerten die Fantasien der männlichen, und auch vieler weiblicher Zuschauer. Auf der heutigen Redaktionssitzung war das Los auf sie gefallen. Das war kein Glück, sondern vielmehr Resultat einer ausgebufften Trickserei ihrer männlichen Redaktionskollegen.
So stand sie nun nackt in schmalen Pumps als einzige Frau in einem Pulk männlicher Journalisten, Kameraleuten und Mikrofonhaltern, die allesamt auf den Auftritt der sulmavischen Botschafterin warteten. Mit dem Esprit ihrer Persönlichkeit überspielte die über 170 cm große Frau ihre ungewöhnliche Situation. Sie ließ sich nichts anmerken. Kerzengerade stand sie vor ihrem Kameramann, den sie anwies, sie nachher bei der Übertragung nur bis zur Schulterpartie zu filmen.

Die hohen Absätze ihrer schwarzen, spitz zulaufenden Stöckelschuhe streckten ihre Beine, und ließen ihren Hintern noch vorteilhafter aussehen. Kein Gramm Fett störte den Anblick ihrer glatten Haut. Ihre kleinen Brüste fügten sich in ein Gesamtbild einer sportlich eleganten Figur. Neugierig sah sich die Journalistin um, ob sie wohl die einzige Nackte bei diesem Botschaftsempfang blieb.

Ihre Augen wanderten über ein graues Meer langweiliger doppelreihiger Anzüge gewichtiger älterer Honoratioren, aus dem plötzlich die helle Haut einer üppigen Blondine hervorblitzte Ihren kunstvoll hochgesteckten Blondschopf krönte ein kleines weißes Hütchen mit einem kleinen Schleier, der bis in ihr neugierig lebendiges Gesicht reichte. Um ihren Hals trug sie eine ausladende Kette mit vielen Diamanten. Anna Keidlinger erinnerte sich an diese Frau von früheren Empfängen.

Sie war die Ehefrau eines nordischen Botschafters. Die hohen Absätze ließen die hochgewachsene Skandinavierin noch stattlicher erscheinen. Nur die wuchernde helle Schambehaarung passte so gar nicht zu ihrer eleganten Gesamterscheinung. Vergnügt begrüßte sie Angehörige anderer Botschaften, die so recht nicht wussten, wohin sie ihre Augen richten sollten. Es war ihrem Ehemann im nordisch schlichten Anzug an der verkrampften Mine anzusehen, dass sie gegen seinen Willen so in die Öffentlichkeit trat. Aufgewachsen in freier Nacktheit in der skandinavischen Natur, kümmerte es die beleibte Blondine nicht. Ihren Ehemann plagten die Sorgen um das heimische Presseecho und seine politische Karriere.

Ein feister Kerl im zerknitterten Anzug polterte in den Saal, als sei er die wichtigste Person des Abends. Auch ihn kannte Anna Keidlinger. Ein Hinterbänkler mit unerfüllten Ambitionen zu höherem, der wohl nur als Stellvertreter des Stellvertreters eines Ausschusses Zutritt bekommen konnte. In seinem Schatten folgte ihm, mürrisch gestresst, seine persönliche Referentin. Auf ihrem hageren bleichem Gesicht saß eine große Brille, eingerahmt von einer unauffälligen, schulterlangen Frisur. Sie trug flache Damenschuhe und auch ihr Körper zeigte sich bleich und hager.

So ginge sie beinah als graues Mäuschen unter, wären da nicht ihre enorm großen Brüste, die heftig wogten, wenn sie ihrem Chef eiligst die Aktentasche hinterhertrug. Mit sichtlicher Genugtuung präsentierte der feiste Kerl so die Brüste seiner Referentin als seine Errungenschaft. Anna Keidlinger fragte sich, womit er sie dazu erpresste. Kürzlich erst watschte ihm der Fraktionsführer übel ab. Seinen Frust darüber kompensierte er mit der Vorführung seiner Referentin. An verherrend negativen Presseberichten wird es ihm dafür nicht fehlen. Anna Keidlinger würde ihren Teil dazu beitragen. Aber der feiste Kerl klebte wie Pech am System.

Mit ihrem resoluten spöttischen Blick, der Kurzhaarfrisur und den Turnschuhen gab die sportlich leicht stämmige junge Frau in dem hochoffiziellen Gewusel einen eher burschikosen Eindruck ab. Sie betrat den Saal in Begleitung eines grau melierten Mitvierzigers im blauen Poloshirt. Neugierig versuchte Anna Keidlinger das Emblem auf dem Poloshirt zu entziffern, als sie im Augenwinkel das Aufflackern eines Blitzlichts merkte. Hatte sie jemand fotografiert?

Es war verboten, aber lukrativ. Die Journalistin fuhr herum, sah den Fotografen, noch mit seiner Kamera auf sie gerichtet. Schon eilte ein kräftiger Wachmann im bordeauxfarbenen Jackett auf ihn zu, entriss die Kamera. Mit grimmigen Blick entnahm er die Speicherkarte die er kurz in ein schwarzes Kästchen einführte und den großen roten Knopf herunterdrückte.

Auch den internen Speicher der Kamera vergaß der gewissenhafte Andreas Gütmer nicht zu löschen, bevor er den Fotografen am Kragen packte, um ihn an die frische Luft zu befördern.
Der protestierte lauthals, wobei er mehrmals das Wort Pressefreiheit herausschrie. „Sie haben die Freiheit darüber zu berichten, dass Sie Frauen ohne deren Zustimmung heimlich nackt fotografieren wollten. Und jetzt raus mit Ihnen!“

Zwei junge Serviererinnen traten mit großen Tabletts voller Sektgläser in dem Empfangssaal, die sie mit beiden Händen vor ihrem Bauch hielten. Ihre Dienstkleidung beschränkte sich auf flache Ballerinaschuhe und weiße Häubchen in den braunen Frisuren. Die beiden etwas pummeligen, mittelgroßen Frauen traten mit einem freundlichen Lächeln auf den Pulk zu. Das war ein Fotomotiv! Noch war der Wachmann draußen.

Schon hoben sich die ersten Kameras, die sich sofort wieder senkten, als Andreas Gütmer wieder hereinstürmte, und mit hochgehaltener Hand dazwischen hechtete. Als Voraussetzung für die Akkreditierung zum Botschaftsempfang, hatten die Reporterteams schriftliche Verpflichtungen unterschreiben müssen, sich auf das Ablichten, der im Dokument genannten weiblichen Personen zu beschränken. Andere Frauen blieben für ihre Kameras tabu.

„Sie kommt!“ Schon waren die beiden Serviererinnen vergessen, die Fotografen und Kameraleute wendeten sich zur hohen Tür, ein Blitzlichtgewitter brach los. Die nackte Botschafterin betrat in Begleitung ihres Botschaftssekretärs den Saal, den sie nun feierlich durchschritt, um am gegenüberliegenden Eingang die offiziellen Gäste zu empfangen. Ein überbordendes Bukett bunter Blüten, gaben ihr, eingeflochten in ihre langen Zöpfe, eine festliche Erscheinung.

Nacheinander traten die Botschafter ein, Mava Wulmati zu begrüßen. Ihre Ehefrauen ließen sie zu Hause. Gebe es auf Sulmavi nicht die großen Vorkommen Seltener Erden, wären sie selbst ebenfalls weggeblieben. So starrten die ehrenwerten Herren nun angestrengt in das Gesicht der sulmavischen Botschafterin, nicht in die Verlegenheit zu kommen, beim Blick auf ihre Brüste erwischt zu werden.

Nur ein kleiner temperamentvoller Botschafter aus dem Süden Europas mit glänzender Glatze konnte nicht anders, als mit wild gestikulierender Hand komplementierend, Mava Wulmatis Oberweite zu begutachten. Seine Karriere zum Botschafter verdankte er der Protektion eines Medienmoguls. Die Botschafterin nahm es mit einem charmanten Lachen.

Nun reihten sich die anderen Gäste zu einer langen Schlange auf, die langsam an der Botschafterin vorbeizog. Besonders herzlich vielen die Begrüßungen mit der Skandinavierin und der burschikosen jungen Frau in Turnschuhen aus. Der Zufall platzierte den feisten Hinterbänkler als letztem der Reihe hinter Anna Keidlinger. Unangenehm spürte sie den Blick seiner Glupschaugen an ihrem Hintern.

So fiel die Begrüßung mit der Botschafterin kurzatmiger aus, als vorgenommen. Die Journalistin wollte nur schnell der Situation entfliehen. Das nun folgende Schauspiel sollte sie entschädigen. Altväterlich herablassend trat der Hinterbänkler Mava Wulmati entgegen. Die Botschafterin quittierte es mit einem formellen Lächeln. Dann lud sie seine persönliche Referentin ein, am Tisch der Botschafter platz zu nehmen. Schon wollte der Hinterbänkler folgen.

„Sie habe ich nicht eingeladen! Bitte setzen Sie sich an einen der anderen Tische.“ Die ungeschriebenen Regeln der höheren Kreise verboten es, solchen Vorkommnissen Beachtung zu schenken. Die Anwesenden ignorierten es beflissentlich.  Trotzdem dämpfte sich merklich im Hintergrund das allgemeine Rauschen der Smalltalks. Der Hinterbänkler stand blamiert da, als ihm seine persönliche Referentin verlegen seine Aktentasche überreichte, um der Botschafterin zu folgen.

Mava Wulmati hakte sich bei der persönlichen Referentin unter. „Kommen Sie, Kindchen. Ich werde Sie neben den amerikanischen Botschafter setzen. Ihre unbekleidete Anwesenheit wird unseren bibelgürtligen Verfechter der Werte der Moral und Familie soweit aus dem Konzept bringen, wie es mir für diesen Abend angenehm ist. Er wird sich Ihnen gegenüber schuldig fühlen, ihre Brüste betrachtet zu haben. Das sollte Ihnen für Ihre künftige Laufbahn nützlich sein.“

Die Unruhe im Saal legte sich, die Anwesenden setzten sich an ihre Tische. Aus einem hinteren Raum ertönten durchdringende Rhythmen handgeschlagener Trommeln und Klanghölzer. Das Licht dimmte, die Trommelschläge kamen näher. Nach einem kurzen Moment der Dunkelheit erleuchtete ein Spot eine Gruppe tanzender sulmavischer Männer. Sie trugen um die Hüften gewickelte bunte Tücher, und schüttelten ihre tätowierten Oberkörper zur Musik. Auf die Mitwirkung weiblicher Tänzerinnen verzichtete die Botschafterin bewusst. Sie wollte das männliche Publikum nicht zu sehr vom Höhepunkt des Abends ablenken.

Der private Nachrichtensender startete seine Liveübertragung vom Botschaftsempfang. Auf den Fernsehern erschien die unbekleidete Schulterpartie Anna Keidlingers. „Verehrte Zuschauer, unsere Anna trägt nicht, wie Sie vielleicht annehmen werden, ein schulterfreies Kleid. Für ihre heutige Außenreportage musste unsere Reporterin wahrhaft ihr letztes Hemd hergeben. Aber schon jetzt muss ich unsere männlichen Zuschauer enttäuschen.  Diesen wunderbaren Anblick werden wir Ihnen leider vorenthalten müssen. Unser Kameramann wird nicht nach unten schwenken“

Anna Keidlinger setzte ein süßes Lächeln auf ihre Lippen. Aber das Funkeln in ihren Pupillen ließ erahnen, dass sie ihren Moderationskollegen bei der nächstbesten Gelegenheit die Augen auskratzen würde. So begann sie ihren Bericht ohne auf die Anmoderation einzugehen. „ Die Internationalisierung hat auch vor dem kleinen Inselstaat Sulmavi nicht halt gemacht, der nun mit seinen neuentdeckten Bodenschätzen in das Licht der Weltöffentlichkeit gerückt ist. Trotzdem wollen sich die Inselbewohner ihre kulturellen Besonderheiten bewahren. Und in der Tat, mein lieber Kollege, ist das Verhältnis zur weiblichen Nacktheit in der sulmavischen Kultur ein gänzlich anderes, als in der Westlichen.“

Der Kollege saß im Studio, und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Dem würde sie es noch kräftig heimzahlen. Nun stand sie aber erst einmal mit herunter gelassener Hose da, und machte gute Miene zum bösen Spiel. „So versucht nun die sulmavische Vertretung in Deutschland mit einer besonderen Form des interkulturellen Austausches für die sulmavische Lebensart zu werben. Die Botschafterin Mava Wulmati hat ein sulamvisches Nationalteam für die Sportart des Synchronschwimmens initiiert, dass auch an deutschen Wettbewerben teilnehmen soll. Als Nationaltrainerin ist Erika Behmkamp im Gespräch.“

Anna Keidlinger wollte ihren Bericht gerade fortsetzen, als sie für einen kurzen Moment von einem seitlich eintreffenden Blitzlicht geblendet wurde. War sie erneut abgelichtet worden? Der Moderator im Studio fiel in ihr Zögern ein. „Aber Anna, da machst Du mich doch jetzt ein bisschen neugierig. Werden denn die Damen des Nationalteams bei den Wettbewerben mit, oder nach sulmavischer Tradition ohne Badeanzug teilnehmen?“ Anna Keidlinger lächelte in die Kamera, bevor sie zur Antwort ansetzte. Ganz bei der Sache war sie nicht. Wo blieb der Wachmann?

„Über diese Frage wird hier heftigst spekuliert. So erwarten die hier Anwesenden mit großer Spannung die Präsentation des sulmavischen Synchronschwimmteams, die in wenigen Minuten beginnen soll.“ Vor ihrem inneren Auge sah sich Anna Keidlinger schon vor aller Welt mit Nacktbildern bloß gestellt. Dann bahnte sich endlich der kräftige Mann mit dem bordeauxfarbenen Jackett seinen Weg durch die dicht gedrängt stehenden Reporter, die er mit seinen Armen zur Seite drückte. Dabei erwischte es auch Anna Keidlingers Kameramann, dem das Aufnahmegerät auf seiner Schulter nach unten rutschte, bis das Objektiv die Schuhe der Reporterin erfasste.

Die Antenne der Kamera übertrug eine Fahrt über Anna Keidlingers ganzen Körper, dessen Details ihren Weg schon auf viele private Festplatten gefunden hatten, bevor die Bildregie umschaltete. Der Reporterin blieb keine Zeit, die Tragweite der Situation zu erfassen. Das Licht dimmte, und über die Lautsprecheranlage erklang die Stimme des Botschaftssekretärs. „Exzellenzen, verehrte Anwesende, mit großem Stolz präsentieren wir Ihnen heute unser neues Nationalteam!“ Es wurde ganz dunkel, die Spannung der Zuschauer stieg.

Über die Straße vor dem Landesinnenministerium legte sich ein nächtliches Grau. Siegesgewiss ging Erika Behmkamp den Bürgersteig entlang. Sie würde ihren Prozess bekommen. Der Schmierenfotograf und ebenso das Schmuddelblatt würden nun dafür bezahlen müssen, dass sie ihr bisheriges Leben zerstört hatten. Zwar schlich sich ein leiser Zweifel mit der Frage in ihren Siegestaumel, ob sie denn wirklich wieder in ihr langweiliges früheres Leben zurückkehren wollte, dass aber würde sie später entscheiden.

„BD 51A“. Das Nummernschild sprang ihr geradezu in die Augen, nachdem sie in die linke Nebenstraße eingebogen war, in der ihr Auto stand. Schon überlegte Erika Behmkamp, den blassen Kettenraucher zu ignorieren, und einen anderen Weg zu ihrem Wagen zu nehmen. Aber er hatte etwas in seinen Händen, was er gegen sie einsetzen konnte. Wäre es nicht so, würde seine Limousine nicht hier stehen. Erika Behmkamp musste es in Erfahrung bringen. So passierte sie das offene Seitenfenster des hinteren Fonds.

„Wollen Sie heute nicht mal zur Abwechselung aussteigen, und mit mir einige Schritte laufen? Die frische Abendluft wird ihren Lungen bestimmt gut tun!“ Das innere der Limousine blieb unbeleuchtet. Die Reaktion des kränklichen Mannes blieb im Verborgenen. „Frau Behmkamp, kennen Sie schon die Schlagzeilen der morgigen Zeitungen? Ich habe Ihnen einige Exemplare mitgebracht.“ Die bleiche eingefallene Hand reichte sie aus dem Fenster. Immer noch konnte Erika Behmkamp sein Gesicht nicht erkennen. Sie hielt den Stapel in das Licht der Straßenlaterne.

„Wirrer Nacktauftritt - Südseeamazone stellt unseren Nachwuchs der Lächerlichkeit bloß“ Das große Bild über der Überschrift in der Mitte der Titelseite, zeigte Erika Behmkamp äußerst unvorteilhaft, den Mund weit aufgerissen, als ob sie brüllen würde, wie ein Urzeitmensch. Und die Mädchen im Wasser schauten sie fast ängstlich an. Die richtige Perspektive des Fotos zum richtigen Zeitpunkt ausgelöst, ermöglichte den falschen, schlechten Eindruck, den die Fotografin erreichen wollte. Von wegen, ein Bild kann nicht lügen. Wer wüsste das besser, als eine Forensikerin, zu deren Tätigkeit auch die Analyse von Fotografien zählte?

„Werter Herr, ich bin bereits durch das Fegefeuer der öffentlichen Erniedrigungen gegangen. Mit diesen Käseblättern können Sie mich nicht mehr erschrecken.“ Im dunkeln Fonds der schwarzen Limousine blieb es still. Nur die schlecht riechenden Schwaden des Zigarettenrauchs verrieten die Anwesenheit des Insassen. Erst nach quälenden Sekunden vernahm Erika Behmkamp die heisere Stimme. „Oh ja, ich vergaß, Sie führen jetzt einen neuen Lebensstil, frönen Ihrer alten Leidenschaft. Wenn Sie Ihren Prozess weiter betreiben, werde ich dafür sorgen, dass Ihnen Ihr neues Leben durch die Finger gleitet, wie Ihr vorheriges. Ihr Synchronschwimmteam werde ich zu verhindern wissen. Sie können mir ruhig glauben, dass ich dazu die Mittel habe.“

Fortsetzung folgt..........

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